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Samstag, 17. April 1926
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberßesten)
Nr. 89 Zweites Blatt
Die Reichsgesundheilswoche.
Mahnworte der Reichsregierung.
Staat und Volksgesundheit.
Don Professor Dr. med. Kuhn, Direktor des Hygienischen Instituts ber Universität
Gießen.
Die Reichsgesundheitswoche soll nach einem mir vorliegenden Aufrufe ein großer Weckruf zur persönlichen Gesundheitspflege werden. Ls soll zum Ausdruck gebracht werden, daß die Gesundheit nicht nur für den einzelnen Lebensfreude und Schaffenskraft bedeutet, sondern auch wirtschaftliche Werte schafft. Je mehr die Fürsorgeausgaben für Kranke und Schwache sinken, desto mehr werden Mittel für aufbauende Arbeit frei. Ferner soll der Gedanke verbreitet werden, daß die Gesundheit erarbeitet und gepflegt sein muß, weil vielen von uns der natürliche Sinn und eine gesunde Umgebung verloren gegangen ist. Man kann die Gesundheit weder beim Arzt noch beim Apotheker kaufen.
Es ist die sog. kostenlose Hygiene, auf welche in der Gesundheitswoche besonders hingewiesen werden soll, die jeder betreiben kann, dem die einfachsten Regeln der Gesundheitspflege klar geworden sind, dabei ist besonders der Leibesübungen zu gedenken, die neuerdings in unserem Volke vor allem aus sportlichem Interesse, also aus dem Wetteifer heraus, weniger wegen ihres hohen gesundheitlichen Wertes, gepflegt werden. Da die Gesundheitspflege nicht viel kosten soll, so soll auch die Durchführung der Reichsgesund- heitswoche allen Prunk und alle äußerlichen Feierlichkeiten vermeiden. Mit wenig Mitteln soll eine große Wirkung erzielt werden. Vereine und Einzelpersönlichkeiten haben die Führung, unter den letzteren insbesondere die Aerzte und Lehrer. Die Behörden vermeiden es dabei, von oben her einzugreisen.
Wie wir sehen, ist es also das Gebiet der persönlichen Gesundheitspflege, das bearbeitet werden foll, während das große Feld der öffentlichen Gesundheitspflege weniger in den Rahmen der Gesundheitswoche fällt. Und doch scheint es mir notwendig, zu Beginn der Gesundheitswoche über diesen £eil der Hygiene einige Gedanken auszusprechen. Es wird mancher, der von den Veranstaltungen der Gesundheitswoche Kenntnis nimmt, die Empfindung haben, daß es für viele Kreise unseres Volkes in der jetzigen schweren Zeit unmöglich ist, manche Gebote der Gesundheitspflege zu erfüllen, weil sie völlig verarmt sind und kaum soviel Geld zur Verfügung haben, um das Leben fristen zu können. Was soll der Arzt über die Hygiene der Ernährung vor einem Hörerkreise vor- tragen, der vielleicht aus Erwerbslosen besteht, von denen die meisten wieder wie zu Kriegszeiten wissen, wie weh der Hunger tut. Welche Regeln der Wohnungshygiene sollen gepredigt werden, wo in allen Städten Hunderte und Tausende auf eine passende und gesunde Wohnung warten, und viele Familien, insbesondere die kinderreichen, zusammengepfercht wohnen. Wer will es übernehmen, vor einer Versammlung von arbeitslosen Handarbeitern und kaufmännischen Angestellten etwa von der Hygiene der Kleidung zu sprechen?
Hier liegen Fragen vor, die in den Bereich der öffentlichen Gesundheitspflege gehören, wie sie von den Gemeinden, von den Landern und vom Reich geübt werden muß. Namentlich die Aufgaben des Staates find von entscheidender Bedeutung. Es ist daher bei der Gesundheitswoche nicht nur zu erwarten, daß alle Vortragenden und alle Vorführungen in Bild und Lichtbild auf die traurige Lage weiter Kreise unseres Volkes taktvoll Rücksicht nehmen, sondern daß auch alle Veranstaltungen dazu dienen, die Wichtigkeit der öffentlichen Gesundheitspflege zu betonen. Der Staat muh der erste Hüter der Volksgesundheit sein. Jedem Staatsbeamten muh eindringlich vor Augen geführt werden,
„Dem Wohl der Gesamtheit".
Jeder Deutsche hat die sittliche Pflicht, seine körperlichen und geistigen Kräfte so auszubilden und zu betätigen, wie es dem Wohl der @e- amtheit dient. In diesem Sinne wünsche ich den Bestrebungen der Reichsgeundheitswoche besten Erfolg. Möge sie das Verantwortungsgefühl deS einzelnen sich selbst und der Gesamtheit gegenüber stärken und dazu beitragen. doh die in den schweren Kriegs- und Rachkricgsjahren geschwächten Kräfte unseres Voltes sich wieder zu voller Leistungsfähigkeit entwickeln!
Reichskanzler Dr. Luther.
„Vereitschast und Fähigkeit zur Arbeit".
,Gesundheit ist Lebensglück". Diese Wahrheit, die als Motto über der Reichsgcsund- heitswoche steht, sollte sich jedermann einprägen, denn Gesundheit ist die Voraussetzung fürs Le- bensglüct nicht nur beim einzelnen, sondern die ist auch eine wichtige Lebensbeöingung für die Gesamtheit und für den Staat.
Es ist erfreulich, dah sich in allen K r e i - s e n unseres Volles, ohne LInterschied des Standes und der Konfession die Ueberzeugung von der Notwendigkeit und der Bedeutung der Reichs- gesundheitswoche Bahn bricht. Alle sollen, hier mittun. denn schließlich beeinslußt die Gesundheit eines Menschen und eines Volkes nicht nur deren äußere Kraft, sondern auch die Bereitschaft und Fähigkeit zur Arbeit. Der Arbeitsprozeß aber ist eine wirtschaftliche Angelegenheit, die das Wohl aller angeht. So führt die Gesunderhaltung unseres Dolles zur Belebung unserer Wirtschaft und damit zur Erleichterung von den Lasten, die wir nach außen und innen zu tragen haben.
Ich wünsche, daß der Reichsgesundheitswoche ein voller Erfolg be.chieden sei, und daß sich unser Volk öfter so einmütig, zu einer das allgemeine Wohl betreffenden großen Sache bekennen möge.
Präsident des Reichstages Paul Lobe.
Gesundheitliche Verantwortung
Die Reichsgesuni.heitswoche soll ein gewaltiger Gewissensap pell an jeden einzelnen werden, auf daß er sich seiner gesundheitlichen Verantwortung nicht nur ge-
daß die Menschen im Staat der wertvollste Besitz sind. Daß alle Einrichtungen wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, künstlerischer Art nur der Menschen, der Volksgenossen wegen vorhanden sind, das wird noch viel zu häufig verkannt und übersehen. Wirtschaftliche Ge- sichtspunkte namentlich geben oft da den Ausschlag, wo biologische Rücksichten, d. h. die Belange der lebenden Menschen und die Forderungen der kommenden Geschlechter den Ausschlag geben sollten. Diese Rücksichtslosigkeit und Unklarheit prägt sich so recht darin aus, daß wir häufig auch in amtlichen Schriften dem Worte „Menschenmaterial"^ begegnen. Menschen sind kein Material, aber sie werden vielfach, wenn auch oft nur unbewußt, als solches angesehen. Menschen sind das höchste Gql eines Staates, darum sollten wir nur von Menschengut sprechen. Besonders möchte ick) dem Wunsche Ausdruck geben, daß kein Arzt in der Gesundheitswoche das unschöne und herabziehende Wort „Menschenmaterial" in den Mund nimmt.
Wenn wir die Hygiene in Ansehung derjenigen Teile des Volkes an denen und für die Gesundheitspflege getrieben wird, einteilen, so kommen wir nach der geschichtlichen Entwicklung der Hygiene als Wissenschaft zu einer Dreiteilung. Wir unterscheiden zunächst die Hygiene schlechtweg, wie sie von Petten- kofer, Koch, Rubner, Flügge und anderen begründet worden ist. Sie hat das Ziel, möglichst viele Einzelmenschen unseres Volkes zu erfaßen, sie gesund zu machen ober zu erhalten.
gen über sich selbst und feiner Familie, sondern auch gegenüber dem Vaterlande bewußt und er Mitstreiter werde in dem gemeinsamen Ringen um die deutsche Volksgesundheit. Gesundheit ist Vorbedingung für volle Arbeitskraft und Arbeitsfreude, wie überhaupt für jede echte Lebensfreude. Rur durch vollwertige Leistungen aber, wie sie lebenskräftigen Völkern eigen sind, können wir den Wiederaufstieg Deutschlands sichern.
Die Reichsgesundheitswoche soll ferner auch ein Mahnruf sein an alle behördlichen und privaten Stellen, die die Volksgesundheit betreuen, daß sie trotz aller Rot und Schwere unserer Zeit nicht erlahmen in ihren Bemühungen um die Stärkung der Vollskrast und mit verdoppeltem Eifer sich für diese hohen Ziele einsehen.
Hygienische Durchbildung eines ganzen Volkes kann nicht in wenigen Tagen erreicht werden. Dazu bedarf es jahrelanger hingebungsvoller Aus klär ungs- und Erziehungsarbeit, die indessen nur dann von Erfolg gekrönt sein wird, wenn der Samen der hygienischen Dolksbelehrung aus guten Boden fällt: diesen Boden soll die Reichs» gesundheitswoche vorbereiten.
Unb so hoffe und wünsche ich, dah alle diejenigen, die sich jetzt mit den Behörden zu uneigennütziger Gemeinschaftsarbeit für die Reichsgesundheitswoche verbunden haben, auch fernerhin zusammen geschlossen bleiben, um die Saat, die in der Reichsgesundheitswoche aufgegangen, weiter zu entfalten. auf dah gesundheitliches Wif - f e n immer mehr zum Gemeingut unseres Volkes und immer mehr auch zur Richtschnur für ge- fundheitsmähiges Handeln jedes einzelnen werde.
Aus solcher Arbeit wird der Volksgesundheit und damit unserem ganzen Volke reichster Segen erwachsen.
Reichsminister des Innern Dr. Külz.
Eine wichtige Aufgabe der Sozialpolitik.
Erhaltung von Gesundheit und Arbeitskraft ist eine wichtige Aufgabe der Sozialpolitik. Reue Gesetze verstärken den Schuh dieser Ledensgüter. Dadurch wird der einzelne aber nicht von der Pflicht der Selbstverantwortung und der eigenen Vorsorge befreit. Möge die Reichsgesundheitswoche diese Erkenntnis verbreiten und befestigen!
Reichsarbeitsminister Dr. Brauns.
Als zweites Gebiet hat sich in ber neueren Zeit, bas ber sozialen Hygiene gebil- bet. Sie erstrebt bie gesundheitliche Hebung ber Lage ganzer Volksschichten, ja bes Volkes in feiner Gesamtheit, sie ist ein Hauptfelb für bie Betätigung ber öffentlichen Gesunbheits- pslege. Ihre Maßnahmen müssen großzügig sein, weil sie bie sozialen Schichten in ihrer Gesamtheit unb oft bas ganze Volk mit einem Schlage erfassen sollen. Die soziale Hygiene, so wie ich sie auffasse, paktiert nicht mit den liebeln, sie sucht nicht nur einzelne Auswüchse zu beschneiben und unschöne Erscheinungen aus bem Gesellschaftskörper bes Volkes in dunkle Ecken zu u-'rroeifen, fonbern sie erklärt ben liebeln, bie am Marke bes Volkes zehren, den Kampf bis aufs Mester; so will sie bie Volksseuchen z. B. an ihren Wurzeln aus- schneiden. Sie sagt nicht: es hat immer Geschlechtskrankheiten gegeben unb wirb immer welche geben, fonbern sie weist darauf hin, daß schon manche Seuche, bie unsere Vorfahren in Angst unb Schrecken versetzt hat, in unserem Lande zur Sage geworden ist, so die Pocken, die Pest, ber Hungertyphus. Aber sie verlangt vom Staate, baß er zugreift, baß er keine Mittel scheut, um burch solche Ganzmaßnahmen sein Volksgut zu wahren.
Auch ber jüngste Zweig ber Hygiene, bie Rassenhygiene, welche bie Zukunft ber tommenben Geschlechter sicherstellen will, hat ben Anspruch barauf, von Seiten bes Staates jebe Sortierung zu erfahren. Sie will bie gefunden Familien vor bem Aussterben bewahren unb eine Fortpflanzung von Minder-
wertigen, so von Geisteskranken unb Verbrechern, verhinbern. Was nützt es bem brutschen Volke, wenn es Wunder der Technik ersinnt, unb boch einem schmählichen Untergänge entgegengebt, wie ihn einst bie alten Griechen unb Römer erlitten haben? Wir, ile wir in biefem Lande noch bie Trümmer ber Befestigungen aus ber Römerzeit vor Augen haben, wir hoffen in erster Linie auf eine staatliche Förberung der Rasienhygiene.
Wenn bie Gesundheitswoche nicht nur auf ben einzelnen Mann unb bie cinMnc Frau aus bem Volke einen Einbruck macht, fonbern wenn sie vor allem auch bie Gewissen ber verantwortlichen Hüter bes Wohles ber Gemein« ben, ber Sänbcr unb bes Reiches schärft, bann wirb V. von großem Segen fein.
Keine falsche Spar'amkett!
Don Dbcrregierungsrat Dr. ® reger, Reichsgesundheitsoml Berlin.
Diele Menschen lernen den Wert ihrer Gesundheit erst schätzen, wenn sie dies wertvolle Gut verloren haben. Erst dann kommen ihnen dir wirt- fdiaf tlicfccn Folgen des Zusammenbruchs in Gestalt von Aufgaben für Arzt, Apoiheler und Krankenpflege sowie in dem Verlust an Arbeitsein- kommen und Produktionskraft zum Dewußtsein.
Ebenso liegen die Dinge bei der Gemeinde und dem Staate. Einige Beispiele mögen dies erläutern.
Die Choleraepidemie, die während der Monate August bis November 1892 in Hamburg mberrscht hat, verursachte 16 956 Erkrankungen mit 5605 Todesfällen. Alle die wirtschaftlichen und seelischen Opfer dieser Katastrophe hätten durch rechtzeitige Fertigstellung einer einwandsreien Wasserversorgung vermieden werden können.
Aehnkich wie die Cholera kann auch der Unterleibstyphus durch infiziertes Trinkwaffer verbreitet werden. Die letzte große Trinkwasserepidemie hat sich in Deutschland im Jahre 1919 in der Stadt Pforzheim ereignet, wo unter einer Einwohnerschaft von nur 75 000 Seelen innerhalb weniger Wochen 4000 Personen an Typhus erkrankt sind. Don diesen sind 409 gestorben. Schon früher (1896) war hier eine ähnliche Epidemie mit etwa 900 Erkrankungen aufgetreten. Beidemal hat die mangelhafte Quellwasserleitung der Stadt, durch Jauche verunreinigt, die Masieverkronkungen hervorgerufen. Vergegenwärtigt man sich, daß jeder Tnphuskranke etwa fünf Wochen im Krankenhaus verpflegt werden muß, so kann man sich einen Teil derjenigen Summen errechnen, die hätten gespart werden können, wenn man die Kosten nicht gescheut hätte, rechtzeitig das Wasserwerk einwandfrei zu gestalten.
Der Gefamtverlust, den da- teutkfc Ra« tionalvermögen durch Tuberkulose jährlich erleidet, wird auf einen Br'rag geschätzt, der sich zwischen 1 und 2,3 Milliarden Dvldmark bewegt.
Aus gesundheitlichem Gebiete bedeutet aber die größte Derschwsndung an Arbeitskraft und Rationalvermögen das Auftreten von übertragbaren Geschlechtskrankheiten.
Wenn man auch nicht so weit gehen soll, für Deutschland mit seinen 62 Missionen Einwohnern die wirtschaft lick'« n Schäden der Geschlechtskrankheiten nach Milliarden — wie bei ter Tuberkulose — zu berechnen: auf Hunderte von Millionen Goldmark belaufen sie sich sicher. Alle die'e Ausgaben erscheinen nur zu einem geringen Teil in einem Haushaltsplan te5 Staates oder der Gemeinte,
Für den flüchtigen Beobachter find ebenso unsichtbar wie diese großen nationalen Der- luste die w rlschaftlichen Gewinne, die wir ter Vorbeugung verdanken. Sie erscheinen nirgends als Einnahmeposten, und dennoch müssen wir sie dankbar anerkennen.
In den Jahren 1871 und 1872 starben im Deutschen Reiche 162111 Menschen an den Pocken (Blattern!. Die Zahl ter Erkrankungen betrug l*/< Million. In den letzten fünf Berichtsjahren (1921—7925) bell es sich dagegen die Zahl der Poe'enerkrcnluvgen (Todesfälle) nur auf 639 (100), 215 (23), 17 (2), 16 (2) und 24 (9). Hier haben wir ein Beispiel dafür, wie es einer vorbeugenden Gesundheitspflege gelingen kann, eine gefährliche VvlkSseuche nahezu zum Verschwinden zu bringen.
Die ärztliche Wissenschaft hat längst die Waffen geschmiedet, um viele vermeidbare Krankheiten auszurotten. Drr Erfolg ist lediglich eine Frage der Aufklärung, der Organisation und der vernünftigen Se.dwirtschast. Rur keine falsche Sparsamkeit! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.
Die Technik auf der Frankfurter Frühjahrsmesse.
Don unserem nach Frankfurt entsandten technischen Mitarbeiter.
II. (Rachdruck Derb.)
Während die Holzbearbeitungsmaschinen toie auch auf den früheren Wessen wieder recht zahlreich vertreten waren, fehlten die Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung fast vollständig. Lediglich ein paar in nächster Rähe Frankfurts ansässige Firmen hatten die Messe beschickt. Auf dem Stande von Friedrich Schmalh. G. m. b. H. in Offenbach a. M., ist außer im vorigen Herbst der schon erwähnten Sägenselbstschär,er und Spiralbohrerfchleifauto- maten auf den Lauer-Schrnalz-Kleinschleifmotor hinzuweifen, der für Werkbank- und Aufsatz- Echleifapparaten in Frage kommt. Diese vielseisig ausgebildeten K einschle fvorrichtungen dürften berufen sein, unentbehrliche Hilssmtttel für jeden Betrieb zu werden. Sie dienen als Tckch- ftationen, aus hangende Hand^chlersapparate oder auf Werkzeugmaschinen aufgesetzt zur Dor- nähme von sonst nur mit Speztal-Schlelfmascht- nen auszuführenden Arbeiten. 2lhre außerordentliche Vielseitigkeit macht sie be,anders für den Heineren Betrieb wertvoll. Der als Innenstator und Außenläufer gebaute Motor ist beim Arbeitsgang niemals hinderlich, und die ^chley- täbet können bis auf den letzten Rest aufgeoraucyt werten. Bei Handschleifen liegen seine Handgriffe axial beiderseits vom Schleifrad, was unseres Wissens bisher bei keinem anderen Schleif- motor zu finden ist.
Bei den Holzbearbeitungsmaschinen ist zu bemerken, daß sich der elektrische Einzelantrieb wohl vollständig durchgeseht hat. Wir konnten nirgends mehr einen Riemenantrieb erblicken. Genau so ist festzustellen. dah die Verwendung der Echleisarbeit weiter zugenommen hat. Ein großer Forsichritt auf dem Gebiete der Ablang- und Querkreislägen^ ist die von Teichert & Sohn in Liegnih erstmalig ausgestellte Auslegersäge, die schwingende Pendelsägen sowie alle Quersägen vorteilhaft ersetzt und in Leistung weit übertrifft. Sie besitzt elektrischen Antrieb. Das Sägeblatt hat einen Durchmesser von 500 Millimeter und sitzt direkt auf dem Motorwellenstumpf. Man erreicht einen parallelen Schnitt von 125 Millimeter Höhe und 700 Millimeter Breite. Der Motor ist an einem Rol.ensupport befestigt, dessen Rollen in Kugellagern laufen, was eine spielend leichte Bewegung des Schlittens zur Folge hat. Durch eine federnde End- stellung des Supports wird jeder harte Schlag gegen den Ausleger vermieden. 51m ter Blatt» ausnuhung Rechnung zu tragen, befiht der Ausleger Hoch- und Tiefverstellung mittels Handradspindel und Kegelrädern. Die Hochverstellung ist so weit ausgebaut, daß man in einen Längste lken auch Querschnitte schneiden kann. Der Motorstumps ist zur Ausnch ne von Sägeblat.ern, Schlitzscheiden oder Anschlagmefsern verlängert. Man kann also auch breite Querschlitze aus- schlagem Vermittels der Schwenkbarleit um die Säule ist man in der Lage, Gehrungen genauestens nach Slala zu schneiden. Die neue Ausleger äge dürfte für alle Tischlereien große Vorteile bieten und wird sich ohne Zweifel rasch verbreiten.
Die Griesheimer Autogen-Terkaufs-G. m. b.H. in Frankfurt a. M. zeigte u. a. ihre Apparate zur autogenen Aluminium - Schweißung. Während früher die Aluminium-Schweißung wegen des sich bildenden A.uminiumoxybs keine brauchbaren Ergebnisse zeigte, hat Griesheim durch fein patentiertes Verfahren diese Schwierigkeiten restlos überwunden. Wir sind heute mit diesen Apparaten in der Lage, einwandfrei jedes Aluminium schweißen zu können.
Auf einem umfangreichen Stand gab die Wäschereimafchinensabrik Rumsch & Hammen in Forst i. L. ein interessantes Bild einer modernen Wäschereianlaoe. Die gezeigten Waschmaschinen, Zentrifugen, Dampf- und Wuldenmangein, die Plättpressen und Bügelmaschinen wurden im Betrieb vorgesührt und gaben einen Beveis dafür, daß sich auch weitestgehende Mechanisierung vorteilhaft durchgesetzt hat. Ebenso geht es mit dem Aufbügeln von Kleidern. Es ist noch viel zu wenig bei den Schneidern, Färbereien ufto._ bekannt, welche enormen Vorteile eine Bügelmaschine bietet. Außer der vielfachen Leistung wird auch eine Qualität des Bügelns erreicht, wie nie bei der Handarbeit möglich ist.
Mit Recht finden die fleinen Eis- und Kältemaschinen in den dafür in Betracht tommenben gewerblichen Betrieben und auch im Haushalt immer mehr Verbreitung. Wie in so vielem, ist auch hier in dem Elektromotor ein Anwendungsgebiet gesunden. Wir sahen u. a. den Olutoirigor der Efcher-Wyh-Werke in Lindau, der eine vollkommen automatische Kältemaschine für Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Cafes, Konditoreien, Haushaltungen usw. ist. Seit längerer Zeit sind schon in den meisten Detail
geschäften Schnellwagen anstatt der umständlichen Gewichtswagen im Gebrauch. Ein wesentlicher Fortschritt sind nun die Schnellwagen, welche auch gleichzeitig sofort den Preis der auf der Wage liegenden Ware, entsprechend ihrem Gewicht, berechnen. Dadurch wird dem Verkäufer eine leicht zu Fehlern Anlaß gebende Arbeit weggenommen, und er kann bei großem Andrang rascher bedienen, wodurch toieter an Personal gespart wird. Bei den Rapid - Sek nellwagen mit Preisanzeiger (Srciber.er Wagenbau D m. b. H.) kann der Preis der auf der Wage liegenden Ware für einen PfundpreiS von 0,60 bis 2,20 Mk. sofort abgelesen werden. Restaurateure dürfte es interessieren, daß ein Bierleitunssrrinigungs- apparat „Rorea" (Hamburg) vorge'ührt wurde, mit dem man die Bierleitungen ohne jegllchen Verlust an Bier oder SiS sauber halten kann. Der Parfümautomat „Favorit" dürste einem rechten Bedürfnis entsprechen. Der Automat gibt auf billige Weife die Möglichkeit, fich für wenige Pfennige entsprechend zu versehen.
Auf dem Gebieie der Baumaschinen war eine sehr beachtenswerte Steuerung erstmalig zu sehen. Es ist dies der von 3of. Vögele Mannheim. 21.-©. hergestellte „Jäger-Mischer", der sich in Cornertla und in England schon in vielen Zehntausenden von Maschinen bewährt hat und ohne Zweifel dazu beiträgt, daß bie Baukosten vermindert werden. Eine eigenartige Stellung unb Form der Mischtrommel unb bie fest in blefe eingebauten Mischschausein erzielen in lürzesler Zeit Mischungen von hervorragenber Qualität. Ferner baut Vögele mit bem Jäger-Mischer Straßenbetvn- maschinen zur Herstellung von Betoirstraßen.


