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wurde mit einem Automobil entführt und wett von Rom gebracht, in der Absicht, Aus­künfte über seine Handlungen von ihm zu ver­langen. Matteotti st a r b während der Fahrt infolge eine - Bluthustens. AuS Furcht vor möglichen Folgen begruben meine Kameraden und ich die Leiche und verbrannten und zer­streuten die Kleider. Dumini sagte noch, er über­nehme die volle Verantwortung für die Ent­führung.

Gespannte tage in China.

London, 16. Btärz (WTB.) Reuter meldet nuS Peking: Die dem chinesischen Auswärtigen Amt überreichte Note der Bertrags- mächte besagt: Wenn bis Donnerstag, den 18. März, mittag, keine befriedigenden Zusiche­rungen wegen der erwähnten Forderungen ein­gegangen sind, werden die Marinebehvrden der fremden Mächte die Maßnahmen ergrei­fen. die sie für nötig erachten, um alle Hinder­nisse für freie und sichere Schiffahrt auf dem Kanal zwischen Tientsin und dem Meere zu beseitigen uhö zu unterdrücken. Alis An­frage Macdonalds im Unterhaus wegen dieses Ultimatums an die chinesischen militärischen Füh­rer erklärte Baldwin, der britische Vertreter­in Peking habe Auftrag, eine Aktion nur in Verbindung in t t den äußeren Der - trags Mächten zu unternehmen. Ebenso sei der Vertreter verständigt worden, das) Waffen­gewalt nur als letztes Mittel zum Schutze der Sicherheit der Ausläirder angetvendet werden soll. Es werde keine unabhängige Aktion zum Schutze britischer Interessen unternommen werden.

Die von England, Frankreich, Japan, Italien und den 'Vereinigten Staaten an den chinesischen Flottenbefehlshaber in Tientsin gerichtete Bote über die Freigabe der Küste und der Flußnrün- dungcn hat die Lage in China weiter ver­schärft. Das chinesische Tsingtau-Geschwader liegt vor der Poi-hv-Mündung und bombardiert die Takusvrts, die von Truppen Fengs besetzt sind. Der Geschwaderkominandant steht auf seilen TschangtsolinS und will dvn der Seeseite her den Weg noch Petina erzwingen. Feng hat die Fluh­mündung durch Minen sperren lassen. Aach dem Pekingen Protokoll vom Jahre 1901 müssen aber die Chinesen den Weg Peking-Tientsin-Taku (Pet- Ho-Mündung) offen holten. Es ist trotz der ener­gischen Sprache der Großmächte nicht anzunehmen, daß die eine oder äußere sich direkt in die inner- politischen Verhältnisse Chinas eimnlscht, denn einmal will die eine ßer anderen nicht vorareisen und ferner befürchtet jebe, c8 dadurch mit dein chinesischen Volk und der zukünftigen chinesischen Regierung zu verderben. 3'eße will mit China gute Geschäfte machen und fürchtet ßaher, daß eine andere Großmacht noch befere Geschäfte machen könnte.

Der Bürgerkrieg ist doch nicht so schnell aul- Entscheidung gekommen, wie man nach den bc* deutenden militärischen Erfolgen TschangtsolinS und WupeifuS aimepmen muhte. Feng spielt nach wie vor eine sehr einflußreiche Rolle in Peking und hotte noch groben Einfluß auf daS vor kurzer Zeit neu gebildete Kabinett, das sich auch aus Mitgliedern zusammensetzt, die nicht der Partei FengS angehören. 3n den letzten Tagen hat Seng sich gegen Tschangtsolin und Wupeisu behaupten können, hat in kurzer Zeit seine Truppen reor­ganisiert und feine Macht wesentlich gesesttgt. Ob daS KriegSglück Tfckcrngtsoltn weiter so hold ist. steht noch sehr dahin, denn verschiedene Unter- generale und Gouverneure, die bisher auf seiner Seite standen, furchten seinen wachsenden Einfluß unh seine Machtstellung und schielen mit einem Auge bereits wieder zu Feng herüber. Auch einige Gouverneure, die sich bisher neutral gehalten hatten, neigen wieder zu Feng herüber und schrl- nen durchaus nicht abgeneigt zu sein, zu Feng überzutreten, wenn die Gefahr bestehl, daß ein General seinen Gegner so besiegt, daß er damit sich zum alleinigen Herrn' Chinas macht. DaS Kriegsglück der kämpfenden Parteien unt> Gene­rale ist nur dadurch immer von dem einen zum anderen herübcrgeschwankt, weil im entscheiden den Augenblick die Unterführer von dem stärkeren zum schwächere und umgekehrt herüberschwenkten.

Die englische FlotlenpoMik.

London. 16. März. (WTB.) 3m Unter« hauS erklärte bei der Aussprache über die Durchführung des Gesetzentwurfes zur Erzielung von Ersparnissen Gchahkanzler Churchill über die englische Flotte u a.:3ch bin überzeugt, das) wir richtig gehandelt haben, als wir das Prinzip annahmen, das) die englische Flotte sich z u der anderen größten Marine der Welt wie 1:1 verhalten soll. Aber wir werden dabei Halt machen. Dieses KräfteverhältiriS wird bei- beholten werden, da England für Dreiviertel seiner Aahrungsmittelversorgung auf die E i n° fuhr von Lebensrnitteln angewiesen ist.

DerSlurz des belgischenFranken

TU. Paris, 16. Qltä». Der neue Sturz des belgischen Franken hat in Belgien eine außer- vk deutliche Erregung hervorgerufen. Der Ministerrat Hot den ganzen Tag Beratungen ab- gehalten. Am Aachmitlag empfing der Finanz- minister verschiedene Finanzleute, die denr Finanz- ministec die Versicherung gaben, daß sie alle Maßnahmen ergreifen würden, um eine weitere Entwertung deS Franken zu verhindern. Die Finanzlommission der Kammer ist für heute vormittag einberufen worden. Aach Schluß deS Ministerrate- ertiärte der Finanzminister, seine CiabUisierungSplane blieben auch weiterhin bc- fieben. 3n politischen Kreisen spricht man von einem voraussichtlichen R ü ck t r ! l t des Finanz- Ministers, der aber keinen Rücktritt des Kabinetts zur Folge haben werde

Neue Haussuchungen in Ober­schlesien.

Berli n. 17. März. (TU) In der ver gangenen Woche haben in R <idzionkau im Zusammenhang mit Den Deutschenverfolgungen in Kattowitz und. Königsbütte abermals Hau^ fudjungen stattgefunden, und zwar beim Kassen- ßirctlor Letocka und GutSinspektor Rtzmert. Wie vorauSzust>nn war, sand man nicht dis ge r i n g st e B e w e i s m a t e r i a l.

Kleine politische Nachrichten.

'.Tie neue preußische Schulordnung für die dänische Minderheit in dem schleS- wigschen Grenzgebiet ist d.irch Verölfent-

lichung im Rendburacc Anttsblatt in Kraft ge­treten. Aus Grund der Schulordnung sollen zu­nächst sechs neue dänische Privatschu­len neben den beiden bereits bestehenden er­richtet werden. Bei genügender Beteiligung soll später die Errichtung öffentlicher dänischer Schulen erfolgen.

Die Verhandlungen über einen Freund- schoftSvertrag zwischen Deutschland und Afghanistan sind soweit gefördert, daß nur noch die Ratifikation notwendig ist, damit das Abkommen in Kraft treten Fann.

Die lanasame Besserung im Befinden des früheren Reichskanzlers Fehrenbach hat im Laufe der beiden letzten Tage feine Beeinträch­tigung erfahren. Der Zustand des Erkrankten bleibt aber nach wie vor ernst. Die Nahrungs­aufnahme ist besser geworden.

Aus aller Welt.

Deutsch« Studenten in Belgrad.

Die Belgrader Studenten veranstalteten zu Ehren von hier weilenden deutschen Studenten aus München, Leipzig und Jena ein Festessen und einen Theaterbesuch und zeigten ihnen die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der deutsche Gesandte gab anläßlich der Anwesenheit der deutschen Studenten einen Empfang auf der Gesandtschaft, an dem auch zahlreiche Mit­glieder her deutschen Studentenschaft teilnahmen.

Einbruch in einem Kinderhort.

3n der Nacht zum DienStag drangen Ein­brecher in eine Berliner Gemein beschule ein, wo sich auch der Kinderhort befindet, ßer gänzlich unbemittelte Kinder in ihrer freien Zeit betreut. Die Verbrecher stahlen die Kasse deS Hortes, Lebensmittel und vieles andere.

'flucht der Separotistensührer.

Der Führer der separatistischen Bewegung aus der Zeit der Sonderrepublik Rheingau. Franz S o s s e n h e i m e r. im Volksmunde Fran- zosenheirner" genannt, gegen den eine Reihe von Wiedervergeltungsaften vornehmlich gerichtet war, hat fein Haus und seine Weinberge verlaust und Rüdes heim verlassen. Auch fein Ge­sinnungsgenosse, der Weinhändler Kneipp, ist nach Holland verzogen. Ebenso wird aus anderen Rheingauorten der Abzug ßer Separatisten ge­meldet.

von einem französischen Soldaten erschossen.

Nachdem erst vor kurzem in Saarbrücken ein französischer Wachtposten auf den Schieß- ständen einen Zivilisten durch einen Gewehr­schuß schwer verletzt hatte, ereignete sich jetzt ein neuer Zwischenfall, der einem Kinde das Leben kostete. Der französische Soldat Groupe, der einer deutschen Familie namens Panzer einen Besuch abgestattet hatte, wollte dort einen nicht funk­tionierenden Revolver nachsehen. Da­bei entlud sich plötzlich die Waffe und tötete einen siebenjährigen Knaben durch Brustschuß Der Soldat, der fahrlässig gehandelt hatte, würde verhaftet.

50. Jubiläumsfeier des Bayreuther Festspielhauses.

Weimar, 16. März. (Wolfs.) Die 50. Jubi­läumsfeier des Bayreuther Festspielhauses am 23. Juli 1926 wird, da in diesem Jahre die Fest- spiele in Bayreuth ausfallen, in Weimar durch ein großes Richard-Wagner-Konzert unter Mitwirkung ßerDorra^enber Künstler begangen. Desgleichen wer­den anläßlich der Festspielwoche des Bayreuther Bundes der deutschen Jugend vom 28. bis 31. Juli zwei Opern von Siegfried Wagner, die vom Kompo­nisten dirigiert werden, im Deutschen National­theater in Weimar zur Aufführung gelangen.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 16. März. Präsident Ade­lung eröffnet die Sitzung uni 10 ilhr. Die Bera­tungen des Voranschlags 1926 werden wieder aufgenommen, und zwar bei Kapitel 1.

lieber zwei zu diesem Kapitel vorliegende Anträge der Abg. Schott, Dr. Nlepoth und Gen. über die Beiträge der Gemeinden zu den Kostender F o r st v e r w a l t u n g sowie der Abg. Dr. Müller und Gen über Pacht undMieteauS K a m e r a l g ü t e r n erstattet Abg. Glaser Bericht. Bei dem erstgenannten Antrag handelt es sich um eine Herabsetzung der Beitrage für bestimmte Gemeinden. Der Aus­schuß empfiehlt mit Mehrheit Ablel-niuig des An­trages. Der zweite Antrag fordert einen Nach­laß der Pachten und Mieten. Auch bei diesem Antrag hat die- Mehrheit deS Ausschusses be­schlossen. ihn abzulehnen. Abg. Glaser fügt seinem Bericht die Bemerkung hinzu, daß durch die hohen Pachten und Mieten gerade die kleinen Landwirte betroffen würden

Abg. Reiber erstattet Bericht über einen Antrag deS Kommunisten @alm, daß die Ge­hälter derBeamten, die 7500 Mark über­steigen, auf diese Summe herab gefetzt wer­den. Die Regierung hat hierzu erklärt, daß die Beamten ein einklagbares Recht auf ihr Gehalt in der vom Gesetz bestimmten Höhe haben. Der Ausschuß empfiehlt die Ablehnung des Antrages.

Abg. Lux (Soz) erklärt im Namen seiner Partei, den Antrag Müller abzulehnen.

Abg. Heinstadt (Zcntr.) gibt ebenfalls eine Erklärung gegen den Antrag Müller ab, weil auch im Rahmen des Etats eine Herab­setzung der Pachten möglich ist.

Abg. Schott (D. Vp.) spricht für die An­nahme seines Antrages: er fuhrt u. a. an, daß die Einnahmen aus den Waldungen der Ge­meinde, namentlich aus den Schälwäldern, sehr gering find. Die meisten der woldbefitzenden. Gemeinden wären einfach nicht in der Lage, die hohen Beitragskosten für die Forstverwaltung auf zu bringen.

Abg. Galm (Komm t wendet sich gegen die Erklärung der Regierung zu feinem Antrag: wenn gesetzliche Bestimmungen diescnn Antrag entgegen' ständen, sollte man sie abändern. Durch seinen Antrag würde über eine Million Mark gespart.

Abg. Dr. Müller (Bbd.) tritt auf Grund­lage seines Antrages aus Herabsetzung der Pach­ten und Mieten ein.

Abg. Dr. Greiner «Komm.) wendet sich nanicnllich gegen die Rechtsparteien, weil sie «nicht dem Antrag Galm zustimmen. Der Redner behauptet, in Rußland würden teilte höheren Gehälter al» 170 Rubel (etwa 400 Mark) bezahlt Auf Zwisch^nrule erwidert der Redner, daß die Beamten, i"tc höhere Gehälter erhielten, keine Sowietbeamten seien.

Abg Glaser |Bvd) entgegnet dem Vor­redner. 3n einem geordneten Staatswesen dürsten

die Gehälter nicht mechanisch herabgesetzt wer­den. Wünsche über die Festsetzung von Gehältern dürsten nur durch eine BesoldungSordnung ge­regelt werden.

Ministerialrat Dr. Petri erklärt sich in längeren Ausführungen gegen den Antrag Dr. Müller und kommt zu dem Schluß, daß er technisch nicht durchführbar ist.

Abg. Cuj (Soz.) gibt im Namen seiner Partei bekannt, daß sie gegen den Antrag Galm stimmen werde.

Abg. Dr. Müller (Bbd.) wendet sich gegen die Ausführungen des Ministerialrates Petri und macht nochmals geltend, daß bei der schlechten Wirtschaftslage viele Landwirte gar nicht in der Lage seien, die hohen Pochten zu bezahlen.

Abg. Lux tSoz.) beantragt, daß der An­trag'Galm zurückgestellt und ßer Regierung a l s Material zur Besoldungsorßnung überwiesen wird. Abg. Galm (Komm.) wi­derspricht dem.

Abg. Dr. Werner (Dntl.) weist auf die Mitteilung des Aba. Dr. Greiner hin, daß es in Rußland 17 (!) Tarifklassen gibt. Bemerkens­wert sei, daß die Sowjetleute in ihrem Lande nicht so viel Intelligenz auf bringen könnten, daß sie andere Leute mit höheren Gehältern anstellen mühten.

Abg. Galm (Komm.) erwidert in heftigen Ausfällen auf verschiedene Bemerkungen des Vor­redners.

Die Aussprache über Kapitel 1 wird hier­aus geschlossen^ die Abstimmung soll später statt­finden. Zu

Kapitel 2 (Siedlungswesen) liegen mehrere Anträge vor, darunter sind Er­sparungsanträge der Abgeordneten Leuchtgens und Hoffmann.

Abg. Weckler (Zentrum) begründet in längerer Rede die Schwierix^eiten der Gemeinde Ilbenstadt in Oberhessen. Das Gelände fei in der Inflationszeit in die Hände des Staates für einen Spottpreis gekommen. Der Staat über­lasse aber den Bauern kein Gelände als Besitz, was gegen das Versprechen deS Staates sei. Die Pacht preise beim Staate wären viel höher als sle seiner Zelt bei dem Fürsten von Altleiningen-Westerburg gewesen wären. Die landwirtschaftlichen Betriebe müßten notwendi­gerweise bei den Pachtpreisen des Staates zum Erliegen kommen. Der Fürst von Altleiningen- Westerburg wäre viel besser mit den Bauern auSgekornmen als der hessische (Staat; man wünsche in Ilbenstadt den s r üHeren Zu­stand wieder zurück. Es sei das geradezu eine Blamage für die Staatsverwaltung (Hört! hört!).

Abg. Dr. Müller (Bbd.) macht Ausfüh­rungen im Sinne des Antrages von Dr. Leucht- gens, der u. a. will, daß die Abwickelung und Weitersührung des Siedlungswesens der Forst­verwaltung übertragen wird. Er empfiehlt die Annahme dieses Antrages.

Finanzminister Henrich erwidert dem Abg. Weckler, daß seine Darstellung in keiner Weise zutresfe. 'Der Staat sei in der Inflationszeit geradezu gegen seinen Willen in den Besitz des Geländes von Ilbenstadt gekomnien. Es sei verständlich, daß die Bauern den frü­heren Zustand wieder herbeiwünschten, denn die Verwaltungsverhältnisse wären früher schlecht ge­wesen. Die Dtaatspachten ständen im Ertrag, tote anderwärts so auch In Ilbenstadt, hinter den allgemeinen Pachtpveisen zurück. Der Minister behält sich vor, nochmals im einzelnen auf die Verhältnisse von Ilbenstadt zurückzukommen.

Abg. Lux (Soz.) meint ebenfalls, die Ver­hältnisse von Ilbenstadt wären von dem Abge­ordneten Weckler nicht in allem richtig darge­stellt worden, der Staat müsse aber doch die dortigen überspannten Pachtpreise h e r a b s e tz e n.

Abg. Heinstadt (Ztr.) erllärt, die Zu­stände in Ilbenstadt gingen in der nächsten Zelt einer Katastrophe entgegen. Das bis­herige Entgegenkommen her Regierung genüge nicht. Der Redner verteidigt Dann die Ausfüh­rungen des Abg. Weckler.

Abg. Bornemann (Soz.) bezeichnet die Behauptung als falsch, daß der Siedlungsgedanke in Hessen abgestorben sei. Der Abgeordnete tritt für eine Weiterführung deS SiedlungswesenS ein und widerspricht Dem Antrag Dr. Leuchtgens, Der im letzten Grunde Doch gegen Siedlungen fei.

Abg. Fenchel (Bbd.) bemerkt, wenn Die Sozialdemokratie wirklich Den SleDlungsgeDanken förDern wolle, so möge sie Dafür eintreten, Daß Den Siedlern Die hohen Pachtzuschläge, Die bis zu 20 Proz. betrügen, erlassen wür­ben. Der BauernbunD habe Anträge gestellt. Die toirllich Das Siedlungswesen förDern, Die Sozial­Demokratie brauche nur Diesen Anträgen zuzu­stimmen, Darm werde Den SieDIern geholfen. Der DeDner stimmt nachdrücklich Den Ausführungen des Abg. Weckler zu, weist auf Die großen lieber- s ch to e m mungsschäden in IlbenstaDt hin und wünscht, Daß Durch eine unparteiische Kom­mission, Die Das Gelände kennt, öle Verhält­nisse einmal untersucht werden.

Ministerialrat Braun erklärt Die Angabe des VorreDners über Den Zuschlag bei Den Pach­ten als unzutressenD.

Abg. Weckler (Ztr.) bemängelt diehohen Kosten für Die Durchführung Der Siedlung, Die Dem «Siebter aufgebürßet würben.

Abg Dr. Werner (Dntl.) macht Darauf aufmerksam, baß Die (Siebter nur lanDwirtschaft- liche Erzeugnisse anbauen unb auf Den Markt bringen können, Die Durch Den Zolltarif nicht geschützt seien, wie Gemüse, Obst usw. Die Sozial- bemohalle lehne aber immer den Zollschutz hiec- sür ab, dadurch stelle sie sich dem Sledlungs- wesen entgegen.

Nbg Fenche (Bbd.) stellt gegenüber der Erklärung des Ministerialrats Braun richtig, Daß ec (der Abgeordnete) nicht von einem Zu­schlag von 20 Proz. gesprochen habe, fonbern v/on einem Zuschlag bis z u 20 Proz.; seine Angaben wären sehr wohl zutreffend.

Abg. Galm (Komm.) verlangt in einer Kleinen Anfrage von der Regierung Auskunft über

Die Darmstädter Arbeitslosendemonstration unb Die Polizei.

Minister von Brentano verliest eine längere Erklärung, aus der hervorgeht, daß das Ministerium erst nach Der Kundgebung von den Vorgängen gehört hat. Die Demonslrü.ion wäre von Kommunisten inszeniert worden; das Darmstädter Polizeiamt habe die Arbeits­losen daraus ausmerk,am gemacht, daß die Mög­lichkeit bestehe zur ©ntfenounq einer Kommission

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 17. März 1926.

Rektor i. R, Knautz f.

Gestern mittag hat ein Schlaganfall dem Leben des Rektors i. R. Heinrich Knauß ein jähes Ende bereitet. Der Verstorbene, der nicht nur in unserer Stadt, sondern auch draußen in der -Pro­vinz eine bekannte Persönlichkeit war, hat ein Alter von nahezu 75 Jahren erreicht.

Heinrich Knauß wurde am 17. April 1851 zu Stangenrod (Kreis Gießen) geboren. Bon 1868 bis 1870 besuchte er das Seminar zu Friedberg, hierauf mar er als Lehrer in Bersrod und Beltershain, je zwei bis drei Jahre, tätig, danach etwa 15 bis 16 Jahre in Atzenhain (Kr. Alsfeld). Von Februar 1891 ob wirkte er als Lehrer in Gießen, wo er feit 8. Oktober 1902 als Hauptlehrer die Stadt- knabenfchule leitete. "Anfangs 1920 erhielt er die Amtsbezeichnung Rektor. Stets entfaltete der jetzt Verewigte eine unermüdliche Arbeitskraft, höchste Pflichttreue zeichnete ihn aus, und diese beiden vor­trefflichen Eigenschaften in Verbindung mit feinem lauteren Charakter, seinem entgegenkommenden und menschlich mitfühlenden Wesen machten ihn zu einem hervorragenden Schulmann und Schulleiter, der in allen Dingen seinen Lehrern und Schülern als leuchtendes Vorbild voranging und deswegen von Behörden und Lehrern geschätzt und verehrt wurde. Keine Mühe war ihm zu groß, wenn cs galt, für feine Schule etwas zu erreichen. Noch nach 50jähriger Dienstzeit befand er sich im Vollbesitz seiner Körper- und Geisteskräfte. Bei der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums im Frühjahr 1920, die den Zeitverhältnissen entsprechend in ein- fachem Rahmen im Konferenzzimmer der Schule stattscmd, wurden feine hohen Verdienste um die Schule von allen Behörden gebührend anerkannt. Im Jahre 1921 fingen seine Kräfte an nachzulassen, wozu schwere Schicksalsschlcige in seiner Familie wohl vor allem beigetragen haben. Am 3. Mai 1922 trat er in den wohlverdienten Ruhestand.

Der Entschlafene ließ seinen tatfrohen Schaffens­millen aber nicht nur feiner Schule zugute kommen, auch weit darüver hinaus wirkte er zum Segen der Allgemeinheit. Zusammen mit einigen Stoufleiiten gründete er am 23. Nov. 1893 die Kaufmännische Fachschule, deren vorbildlicher Leiter er bis zum Herbst 1923 war. Die später in Friedberg, Alsfeld unb Lauterbach eingerichteten kaufm. Fachschulen bauten sich auf seinen Erfahrungen und Ratschlägen auf. Ilm das kaufmännische Schulwesen in Ober- hessen einheitlich zu gestalten, rief er mit Hilfe der Handelskammer die alljährlich zweimal stattfinden- ben Konferenzen ber Lehrer ber vier oberhessischen kaufmännischen Fachschulen ins Leben, von benen reiche Anregungen unb Früchte für dieses Schul­wesen ausgingen. Seinem Nachfolger in der Lei­tung der Kaufmännischen Schule in Gießen, Dr. Feld, konnte er bei seinem Rücktritt einen wohl- vorbereiteten Boden zum Weiterbauen übergeben. Dem kirchlichen Leben war Heinrich Knauß gleich­falls eine starke Stütze. Auch hier fetzte er in hin­gehender Weise seine ganze Persönlichkeit ein. Lange Jahre gehörte er der Kirchengemeindevertretung an, spater war er lange Zeit Mitglied des Kirchen- oorstandes der Matthausgemeinde und Vorsitzender der Männer- und Frcruenoereiniaung der Matthäus- gemeinde. Besonders in den schweren Nachkriegs- jähren leistete er der Kirche durch sein aufrechtes, kraftvolles unb kluges Eintreten für ihre Belange außerorbentlich wertvolle Dienste. Die Matthäus- gemetnbe verliert in ihm eines ihrer hervorragend- ften Mitglieber, ebenso hat bis Männer- unb Frauenvereinigung ber Matthäusgemeinbe jetzt einen ihrer Besten zu betrauern. Wegen seines hohen Alters legte ber Verewigte vor einigen Iah- ren seine Aemtor im kirchlichen Leben nieber. Schon in jungen Jahren galt fein desonberes Interesse bem Genossenschaftswesen. In Atzenhain, wo er sich mit einer Tochter feiner Heimatgemeinbe Stangenrob vermählte, wirkte er als Rechner einer gemeinnützi­gen Spar- unb Darlehnskasse, ber er bis zu seinem Ableben als Vorsitzenber bes Aufsichtsrats von hier aus angehörte unb in biefer Eigenschaft ein treuer nnb guter Berater war. Lange Jahre war er auch Direktor ber Erwerbs- unb WirtfchastsberufsgencP senfchaften ber Provinz Oberhessen, in welcher Cigenschaft er gleichfalls sehr segensreich wirkte. Unter anberem war er ferner langjähriger Vor­sitzender des Gießener Tierschutzvereins, ber ihn vor öchei Jahren zu feinem Ehrenoorsitzenben ernannte. Ebenfo ehrte ber Kaufmännische Verein feinen vor- bienftoollen Förberer Knauß burch bie Verleihung ber Ehrenmitgliebfchast. Im November v. I. konnte er mit seiner ihn überlcbcnben Gattin bas Fest der golbencn Hochzeit begehen.

Ein Leben reich an "Arbeit, Kampf unb Sorgen, aber auch reich an Erfolgen und belohnt mit der wohlverdienten "Anerkennung ber Allgemeinheit ist mit bem Tobe bleses allenthalben geschätzten unb verehrten Mannes abgeschlossen. Dos "Anbenken an Rektor Knauß wirb in Gießen unb Oberhessen stets in hohen Ehren gehalten werben.

an den Oberbürgermeister und daß dann die Demonstration unterbleiben könne. Das Polizeiamt habe aus Dem Gefühl Der Verant­wortung heraus Die Lage wohl ernster aufgefaht als sie tatsächlich gewesen ist. Der Einsatz Der Schutzpolizei unD Des Panzerwagens wäre aller» Dings nicht nötig gewesen. Der Führer Der Schutzpolizei habe Die Lage. richtig beurteilt. Es sei leicht, hinterher zu sagen, Die Vorkehrun- Sen wären übertrieben gewesen als vorher Die age richtig zu beurteilen.

Abg. Galm (Komm.) beantragt, Die Er­klärung Des Ministers auf Die TagesorDnuna Der nächsten Sitzung zu sehen. Der Antrag ftnDet aber feine Zustimmung.

Es folgen Die Abstimmungen über Ka­pitel 1 Des Staatshaushaltes. Zunächst entspinnt sich eine längere Aussprache über Die Form Der Abstimmung, Da viele Anträge zu Diesem Kapitel vorliegen (ihre Anzahl ist so groß, Daß sie einzeln hier nicht aufgesührt toerDen können). Es werDen Dann alle Anträge zu Kapitel 1 (Forst- unD Ka- meralgüter), Deren Annahme Der Ausschuß emp­fiehlt, auch angenommen unD Damit Die An­träge der Oppositionsp^ &teten ab« gelehnt; dazu gehören namentlich die Er- fparungsantrage Der Rechtsparteien. Abg. Dr. Leuchtgens gibt im Anschluß hieran eine Er­klärung ab. Daß Der BauernbunD gegen einen sozialDemokratischen Antrag Widmann gestimmt habe, der die Streichung verschiedener Ober­förster- und Assessorstellen wünscht, weil dieser Antrag seiner Partei nicht weit genug geht.

Kapitel 2 (Siedlungswesen) und Kapitel 3 (Kameralgüter unter Vauverwaltung) werden, entsprechend den Ausschußanträgen, ange­nommen. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Ahr.