Bormotizen.
* — Lagesralender für Mittwoch.
Stavttheater: 6.30 Uhr „Gräfin Mariza" (Ende 10 Uhr). — Lichtspielhaus Bahnhofftrahe: „Der Ritt in die Sonne".
— Im Goethe-Bund gibt am Sonntag, 21 März, „Das Kleine Welttheater", Marionet- lenspiele Bildender und Sprechender Künstler, ein Gastspiel unter dein Titel: „Satter, em schwäbischer Bolksdichter". Rach emem einleitenden Bortrag über Leben und Schaffen des Dichters — so schreibt man uns — kommt „Die Schöpfung" eine Komödie in dret Auszügen, zur Aufführung. Sailer, geb. 1714 zu Weihenhorn, war seinerzeit als Kanzelredner so berühmt, wie sein früherer Landsmann Abraham a Santa Clara. Goethe schätzte sein komisches Talent, und Mörike zitiert in einem Brief mit Hellem Entzücken den A nfang Der „Schöpfung". Frei von jeder Tendenz ist diese Dichtung heute noch lebendig, ein deutsches Volksgut ersten Ranges, von einem köst-- lick.n, heute leider so selten gewordenen wahr- h.-.ft Herz erquicken dem Humor. (Siehe heutige An- <;ctge.)
Wettervoraussage.
Heiter bis wolkig, tags etwas wärmer, nachts Frost, trocken.
Der Abbau des über Mitteleuropa liegenden Hochdruckgebietes geht langsam weiter, indessen besteht zunächst noch keine ernstliche Gefahr eines Witterungsumschwunges. Rördliche, später östliche Winde werden noch eine Weile die Kaltluftmassen des Ostens nach Mitteleuropa einströmen lassen, doch ist eine stärkere Frostgefahr nicht zu befürchten. Späterhin langsame Erwärmung.
Gestrige Tagestemperaturen Maximum 6,2, Minimum minus 4,6 Grac Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 2,3 Grad Celsius.
** Veränder ung en im Provinzialtag der Provinz Ober Hess en. Rach ihrer Wahl in den Provinzialausschuh haben die nachstehend genannten Herren ihr Amt als Provinzialtagsmitglied niedergelegt: Dr. Albert Aaron, Rechtsanwalt, Giehen, Bernhard R e ch t h i e n, Bürgermeister, Vilbel, Heinrich Kipper VIII., Bürgermeister, Ober-Seemen, Kommerzienrat Heinrich Langsdorf, Friedberg, Karl S ch m a h l, Amtsgerichtsdirektor, Gießen, Otto Schneider I., Landwirt, ältphe, Konrad Philipp Diehl, Landwirt und Bürgermeister, Hochweisel, Friedrich Wilhelm Stein, Landwirt, Stumpertenrod. An ihre Stelle sind als Mitglieder in den Provinzialtag berufen worden : Georg Hartmann, Verwaltungs-Oberassistent, Dad-Rauheim, Heinrich Häuser, Parteisekretär, Giehen, Valentin Dillemuth, Maurer, Hainchen, Hermann Hanimerschlag, Fabrikant, Giehen, Ernst Alfred R o m p f, Landwirt, Lang-Göns, Ernst Schlosser, Landwirt, Lauter, Johannes Kleophas R e u h, Landwirt, Ober-Mörlen, Karl Rahn III., Landwirt, Altenhain.
*•’ Städte in Blumen. Einen besonders guten Eindruck auf ankommende Fremde macht es, wenn sich ihnen beim Verlassen des Bahnhofs die Stadt im Blumenschmuck darbietet und öffentliche Anlagen und Plätze dem Auge einen wohltuenden Ruhepunkt gewähren. Dies gilt nicht allein für die modernen Bauten der Grohstädte. auch die dem Mittelalter entstammenden Gebäude «wie Rathäuser) in Mittete und Kleinstädten erhalten durch einen einjheitlichen, farbig leuchtenden Blumenschmuck neues Leben. Roch erhöht werden kann dieser angenehme Eindruck, wenn auch die Fenster und Ballone der Wohnhäuser mit ihrem Blumenschmuck das eintönige Grau der S r.chen unterbrechen. Um die Verschönerung un- aaaKnsnoManaaanBKMBKHflBBBSun
fere£ Stadtbildes durch. Blumenschmuck auch in dies ent Jahre wieder kräftig zu fördern, wird der Verkehrsverein in den Sommermonaten er» neut mehrere Blumenschmuck-Wettbewerbe veranstalten. Hoffentlich finden diese lobenswerten Bemühungen in den weitesten Kreisen unserer Bürgerschaft tatkräftige Unterstützung.
** Für ein Südhessisches Mundartenwörterbuch wird zur Zeit in den Provinzen Starkenburg und Nheinhessen der mundartliche Wortschatz gesammelt. Während unsere Provinz Oberhessen schon seit längerer Zeit von Marburg aus in den Bereich des Hessen- Nassauischen Wörterbuchs mit einbezogen wird, soll das neue Mundartwerk, das unsere beiden südlichen Provinzen umfaßt, von Gießen aus bearbeitet werden. Die Historische Kommission für Hessen hat das Verdienst, das Unternehmen, das längst hätte in Angriff genommen werden sollen, endlich ins Leben gerufen zu haben, ehe der letzte Nest von sprachlicher Eigenart verschwunden ist. An der Spitze des von der Historischen Komissiou eingesetzten Ausschusses steht Geheimerat O. B e h a g h e l, mit der Leitung der Arbeiten für das Wörterbuch ist Privatdozent Dr. F. Maurer betraut. Nachdem durch freundliche Unterstützung aller Kreise der rheinhessischen und Starkenburger Bevölkerung, insbesondere der Lehrerschaft und der Bensheimer und Alzeyer Aufbauschule, gegen 100 000 Zettel in freier Sammlung zusammengebracht worden sind, hat man nun begonnen, Fragebogen zu versenden. Der erste von diesen ist durch Vermittlung der Kreisschulämter in alle hessischen Dörfer, auch Oberhessens, gesandt worden, da die Antworten auf seine 54 Fragen die wichtige wortgeographische Grundlage abgeben sollen. Gleichzeitig ist auch ein Fragebogen der Hessischen Vereinigung für Volkskunde, mit der das Wörterbuck in enger Fühlung steht, ausgegeben worden. Auch in Zukunft werden die beiden Unternehmen gemeinsame Fragebogen versenden. Jeder Freund der Mundart und des Volkstums ist als Helfer herzlich willkommen.
RDV. Fahrpreisermäßigung zu Ostern und Pfingsten. Die Hauptverwate tung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft teilt mit: Durch einige Zeitungen wird die Rachricht verbreitet, daß zu Ostern und Pfingsten keine Fahrpreisermäßigung für Schulfahrten und Jugendwanderfahrten gewährt würde. Diese Rachricht ist in dieser allgemeinen Fassung nicht zutreffend. Rach den Bestimmungen des Tarifs kann die Ermäßigung für Jugendwanderfahrten zuzeiten starken Verkehrs alterdinas versagt werden. Die Reichsbahndirektionen find jedoch angewiesen worden, die Ermäßigung auch während der Oster- und Pfingsttage allgemein zu gewähren, wenn nicht betriebliche Schwierigkeiten im einzelnen Falle die Ausschließung rechtfertigen. Auch für Schulfahrten soll, die Ermäßigung nach Möglichkeit nicht versagt werden.
RDV. Elektrische Z u g b e l e u ch t u n g auch in Personenzügen. Äachdem Die Einführung der elektrischen Zugbeleuchtung in D= Zügen gute Erfahrungen gezeitigt hat, beabsichtigt die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, nunmehr auch die neuzubeschaffenden zweiachsigen Personenwagen durchweg mit elektrischer Maschinenbeleuchtung auszurüsten. Die elektrische Beleuchtung der O-Zugwagen wird fortgesetzt. In Anbetracht dieser Vermehrung der elektrischen Deleuchtungseinrichtungen ist das Personal auf Die ordnungsgemäße Bedienung besonders hingewiesen worden.
„B und der Beamtenvereine ehemaliger Militärmusike r". Unter diesem Ramen, so schreibt man uns, hat sich hier eine Ortsgruppe gebildet. Zweck der Vereinigung ist: Zusammenstellung eines Orchesters zur Pflege einer guten, den ehemaligen Militärkapellen entsprechenden Musik; Pflege kamerad
schaftlichen Geistes: Schutz der musizierenden Beamten gegen unberechtigte Angriffe anderer Musikergruppen: Vertretung der Mitglieder bei ihren Behörden und Wohlfahrtseinrichtunzen. Die Ortsgruppe hat sich Dem in Berlin unter gleichem Rauten im Dereinsregister eingetragenen Bunde angeschlossen. Die Leitung des Orchesters liegt in den Händen des Musikmeisters a. D. Hermann Topp- Giehen.
---DerGautagdesLahn-Main- bezirks vom Deutschen Anglerbund fand am Samstag und Sonntag hier im Hotel „Hopfeld" statt. Eine Begrüßungsfeier ging am Abend vorher voraus, an der sich die Vertreter der Vereine Wetzlar, Friedberg, Gießen, Frankfurt, Hanau, Bingen. Höchst a. M, Offenbach u. a. m. beteiligten. Sonntagvormittag begannen die Verhandlungen. Der Dezirlsvorsihende Funk eröffnete die Versammlung. Unter den Gästen befanden sich auch Dr. L o w a r h - Kassel als Vertreter Der preußischen Regierung und Beigeordneter Dr. Seid als Vertreter Der Stadt Gießen. Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag von Lehrer Stolz- Mannheim, der das Thema ..Abwasserfragen im Reiche" behandelte. Die Versammlung forderte int Anschluß an den Vortrag einstimmig, daß zur Abhilfe der bestehenden Mißstände ein durchgreifendes Reichsabwass.'rgesetz geschaffen werde. Jeder Angler solle Was (erproben an die Behörden zwecks Untersuchung einsenden. Der Antrag, in der „Deutschen Anglerzeitung" eine Rubttk für Abwasserfragen zu eröffnen, fand allseitige Annahme. Aus den Kreisen der Gießener Angler wurde auf Mißstände bei Der städtischen Kläranlage aufmerksam gemacht. Weiter forderte man fachmännisch vorgebildete Fischereiaufseher. Eine Fischereigenossenschaft soll in Kürze ins Leben gerufen werden. Die übrigen Anträge der einzelnen Vereine waren mehr interner Art.
80089 Rundfunkteilnehmer in Frankfurt a. Main. Die Zahl Der Rundfunkteilnehmer betrug am 1. März ds. Js. im Sendebereich Frankfurt a. M. 80 089.
** Zur Richtigstellung. In unserem gestrigen Bericht über den tödlichen Unglücksfall in Der Walltorstrahe muß es richtig heißen. daß nicht ein Söhnchen, sondern das dreijährige Töchterchen des Arbeiters Bernhardt, Walltorstrahe wohnhaft, von Der Elektrischen überfahren wurde.
Die Maul- und Klauenseuche ist in Butzbach, Asfenheim, Rieder-Rosbach, Rendel, Stammheim (Kreis Friedberg) und Ahlar (Kreis Wetzlar) ausgebrochen. In Ockstadt (Kreis Friedberg), auf Dem Hof Leustadt (Kreis Büdingen) und in Lützellinden (Kreis Wetzlar) ist Die Seuche erloschen.
RDV. Eine originelle Reuein- r i ch t u n g. Um einem möglichst großen Kreise auf schnellstem Wege anzuzeigen, daß Die Sonntagssonderzüge verkehren werden, hat Die Reichsbahndirektion Magdeburg eine Reueinrich- tung getroffen: Sobald feststeht, daß Die Sonn- tagssonderzüge bestimmt verkehren, werden regelmäßig ^wei schwarz-weiße, schachbrettartig gemusterte Fahnen auf dem Hauptbahnhof aufgezogen. Auch vom Reisebureau der Hamburg- Amerila-Linie und vom Derkehrsbureaii des Verkehrsvereins werden zu gleicher Zeit ähnliche Fähnchen ausgehängt. Je früher die Teilnehmer sich für die Sonntagssonderzüge mit Karten versehen, um so früher kann naturgemäß von Der Reichsbahndirektion durch Flaggensignal bekanntgegeben werden, daß die Züge bestimmt verkehren.
Schöffengericht Giehen.
* Gießen, 15. März. In »der Rächt auf den 29. Oktober 1920 waren einem Kaufmann in
Reiskirchen mittels Einbruchs eine große Menge Stoffe gestohlen worden. Zwei der Diebe konnten alsbald ermittelt und verurteilt werden. Der dritte war nicht auszusinden. Dor einigen Tagen stellte er sich freiwillig. Rach seinen Angaben war er Werbern für Die französische Fremdenlegion in die Hände gefallen und erst vor kurzem nach 5jähriger Dienstzeit eittlassen worden. Er wurde zu Der Mindeststrafe von Drei Monaten Gefängn is verurtellt.
Ein junger Mmrn aus Rahe hatte sich einen Kaufmann in Hungen unwahrerweise als Reisender einer dortigen Firma ausgegeben, von diesem 20 Mark entliehen und Die Quittung mit einem falschen Ramen unterschrieben. Strafe: 6 Wochen Gefängnis.
Ein Arbeiter aus Altenburg hatte einen Frachtbrief derart verfälscht, daß er Die darauf verzeichneten Gebühren der Dahn aus 16,50 Ml. in 18,50 Mark umänderte: die Differenz von 2 Mark behielt er für sich. Er wurde zu Der Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Arbeiter Karl S ch u r ch von Reu- lennewitz ist trotz seiner noch nicht 20 Jahre bereits fünfmal wegen Diebstahls vorbestraft. Diesmal soll er im Oktober 1925 in Dortelweil wiederum einen Diebstahl begangen haben. Die Verhandlung muhte zwecks weiterer Aufklärung vertagt werden.
Gerichtssaal.
* Darmstadt. 16. März. Vor Dem Schwurgericht hatte sich gestern Der 19 Jahre alte Techniker Kurt Schwartz aus Worms zu verantworten. Er hatte vor einigen Monaten die übel beleumundete Dienstmagd Elise Hasemann. mit Der er ein Verhältnis hatte, obwohl sie 10 Jahre älter war als er, durch Revolverschüsfe schwer verwundet. Er selbst machte Dann einen vergeblichen Selbstmordversuch. Die Hasemann ist ihren Verletzungen erlegen. Auf Grund des Gutachtens eines medizinischen SachverstänDigen kam das Gericht zu Der Lleberzeugung, Daß Der Angeklagte in einem Dämmerzustand gehanDelt hat und nicht für Die Tat verantwortlich gemacht werden kann: er wurde Deshalb frei- gesprochen.
Der Raubmordversuch im Eisenbahnzuge Kassel — Giehen.
WER. Kassel, 16. März. Die Darstellungen von Augenzeugen unD Die Vernehmung des Attentäters über Den verwegenen Raubmord- Versuch im beschleunigten Personenzug 770 zwischen Borken und Zimmersrode ergaben auf- febenerregenDe Enthüllungen. Der Täter ist vor etwa 14 Tagen nach Kassel gekommen und M sich in einem möblierten Zimmer eingemietet. Rach einem raffiniert ausgedachten Plan wollte er, tote er zugab, einen Geldbriefträger berauben. Zu diesem Zwecke fuhr er nach Göttingen und gab "an seine Adresse eine Postanweisung über 4 Mk. auf. Der ilcbctfall auf den Geldbriefträger mißglückte aber, weil Die Zimmerwirtin dazwischen trat. Rach einer nochmals mißglückten Wiederholung Des Planes beschloß er, am letzten Freitag nach Bebra zu fahren, sprang aber in GUntershausen auf Den bereits in Fahrt befindlichen Personenzug 770 auf und Drang in das Zweiterklasse-Abteil ein, in Dem Der Eisenbahirinspektor Dettmar saß. mit Dem vollen Vorsatz, wie er bei Der Vernehmung zugab, einen Raubmord auszuführen. Dieser Versuch mißglückte infolge Der bereits bekannten ilmftänDe.
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