llr. 294 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
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Donnerstag 16. Dezember (926
Die Normung.
Don Dr.-Jng. Georg Sinnet.
DaS Ende des Jahres bringt uns wie immer cmc gröbere Anzahl technischer Tagungen, die eine Lcdersichl über das im vergangenen Jahr Geleistete geben. Besonderer Hervorhebung verdient in diesem Jahre die Hauptversammlung des Normen-Ausschusses der Deutschen I n d n st : i e. d.nn, was hier griffen wurde, *it nicht nur für die Technik, sondern ffit unser? Dvlksgcsamtheit von größtem Interesse. Auf der Hauptversammlung wurde eine llm- taufung dieser Organisation in „Deutscher Nor- uen-Ausschuß" beschlossen, womit ihr erweitertes Arbeitsgebiet, das nicht nur industrielle Technik, sondern auch Handel und Bankwesen. ja sogar den Haushalt und den Wohnungsbau imb vieles andere umfaßt, gekennzeichnet wird.
Linier den Dorträgen, die auf der Dersamm- lung obgehalten wurden, kam dementsprechend luch die deutsche Frau zum Wort. Frau Dr. Marie LüderS führte aus, was die Frau von der Aormungsorbeit zu fordern und zu erhoffen tzat und wie sie Mitarbeiten könne. Deim Hausbau muß angcfanaen werden,- hier sind es die Dvhn- und Wirischaftsraume mit) vor allem die Küche, deren richtige Lage und zweckmäßige Größe der Hausfrau viel Mühe und Arbeit ersparen faim. Durch die Normung im besonderen können die Herdteile beispielsweise vereinfacht und verbilligt werden: das Geschirr läßt sich praktischer und preiswerter herstellen, auf die Küchenmöbel und auf sonstige Gegenstände müsse mehr Sorgfalt bei ihrer Herstellung gelegt werden, 'Xrmit sie die Küchengeräte bequem auftubewah- ren und zu benutzen gestatten. Daneben sei der ganze Arbeitsprozeß im Haushalt nach technisch-rationellen Gesichtspunkten durch- zubilden. Die Aufgabe lohnt, denn die Zahl der HauShaltsbctriebe und der darin beschäftigten Personen ist größer als die aller anderen ge- verblichen Llnternehmunaen, und was hier gr- 'part wird, wird am Do k'vermögen gespart und an Arbeitskraft der deutschen Frau und Mutter!
Naturgemäß wird die Einführung des Nör- niungsgedankens im deutschen Haushalt nicht ganz leicht fein, immerhin sind schon red)t beachtliche Vorarbeiten geleistet worden. Die Einmachgläser beispielsweise mit Deckel und Derschlußringen 'nid genormt, so daß die genormten Teile auch bei späteren Einkäufen stets passen: außerdem arbeitet man an der Dereinheitlichung von Ofentüren, Herdplatten usw. Die Mitwirkung der deutschen Hausfrau ist aber hierbei unerläßlich: ’ic muß die Normungsingenieure beratend unterstützen und dann die Einführung der Normen ins Haus durchsetzen.
Ein Aachbargebiet stellt die Normung im Krankenhauswesen dar, bei der gleich- 'nlls erfreuliche Erfolge erzielt wurden. Diese Arbeit bedeutet nicht nur eine große Kostew, ersparniS für den Krankenhausbetrieb, sondern auch eine Erleichterung des Loses der Kranbm.
Auch beim Hausbau, woran wir gegenwärtig besonders kranken, wirkt die Normung segensreich dadurch, daß sie den Wohnungsbau vereinheitlicht und verbilligt. Professor Gro- oius gab hierfür recht bemerkenswerte Dei- spiele. Jrn allgemeinen wird gegen die Normung deS Wohnungswesens geltend gemacht, daß dabei das individuelle Gestalten leide. Dies ist nicht richtig, denn genormt werden selbstverständlich nur die Einzelteile, Dau steine, Platten, Türen. Fenster usw., und der Daukünstler hat die Mög- ichkeit, die verschiedensten Formen rrnb Variatio- nen darauf zu schaffen, und außerdem wird eS auch möglich fein, selbst bei gleichartigen HauS- bauten durch geschickte 'Dertcilung der einzelnen Häuser, Staffelung der Fassaden, verschiedenartigen Anstrich usw. recht gefällige, künstlerische Wirkungen zu erzielen. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, daß das Wohnungswesen schon deshalb biS zu einem gewissen Grad genormt werden kann, weil daS Wohnbedürfnis loeitcr Kreise sehr gleichartig ist. 90 Prozent der Bevölkerung haben in Deutschland ungefähr das gleiche Einkommen und stellen dementsprechend auch ähnliche Anforderungen an ihre Wohnungen.
Besonders hervorgehoben muß werden, namentlich in der Zeit der hohen Baukosten, daß durch Normung das Bauen und damit die
Miete verbilligt wird. Schon durch Ber- wendung von genormten Fenstern und Türen lassen sich deren Kosten um 20 Prozent und mehr herabdrücken, und durch die Anwendung neuzeitlicher Dauverfahren allein wird es möglich werden, wieder zu erträglichen Preisen Wohnungen^ zu schaffen.
Während im Haushalt und Hausbau die Normung noch im Ankang ihrer Arbeit steht, hat sie sich im deutschen Maschinenbau schon weitgehend eingebürgert; und auch der Handel hat eingefeben, daß er durch die Normung feinen Betrieb vereinfachen und seinen Kapitalbedarf verringern kann. Die Hemmungen der Normer.verwendung. über die der verdienstvolle Leiter des deutschen Norn-.cnausschusses und der Dorkämpfer für diese Bewegung in Deutschland, Baurat Dr.°Jng Neuhaus, sprach, finden sich vielfach noch bei Leuten, aus dem Gefühl heraus, daß durch die Normung unser inneres Erleben ärmer werden könne. Diese Auffassung ist unrichtig: denn, wenn sich der einzelne nicht aufreiben will in einem unfruchtbaren Kampf mit einem unbegründeten Dielerlei. sondern wahre Persönlichkeitswerte zur Entfaltung bringen will, dann bietet ihm die Normung hierzu die Mittel, da sie ihm die Zett schafft zur persönlichen Betätigung. Es kommt noch hinzu, daß die überwiegende Mehrzahl der Gegenstände des täglichen Bedarfes viel stärker unter dem Gesetze reiner Zweckmäßigkeit stehl als unter der Forderung perföiilichrn Gelchmacks. Die Normungsarbeit dient nicht nur dem Interesse des einzelnen, sondern auch der Gesamtheit, unb wir müssen unS deswegen bewußt sein, daß wir, was wir hierbei tun. nicht für uns, sondern für unser deutsches Dolk und damit für die gesamte Menschheit leisten.
Was steht im Schmutz- und Schundgesetz?
2Iu6 Zuschriften entnehmen wir, daß über den Inhalt des kürzlich vom Reichstag beschlossenen Gesetzes zum Schuhe der Jugend gegen Schund und Schmutz noch erhebliche Unklarheit herrscht. Wir geben daher nachstehend den Inhalt des Gesetzes nach der endgültigen Fassung wieder.
Das Gesetz trifft Maßnahmen lediglich zum Schuh der Jugend. Zu diesem Zweck ist die Ausstellung einer Liste für Schmutz- und Schundschriften vorgesehen. > Anträge zwecks Aussetzung auf die Liste können nur von den Landeszentralbehörden und den Landesfugend- ämlem gestellt werden. Politische Sages^eitungcn und politische Zettschriften können nicht einbe- zogen werden; ebensowenig rann eine Schrift wegen ihrer politischen, sozialen, religiösen, ethischen ober weltanschaulichen Tendenz als solcher auf die Liste gesetzt werben. Die Entscheidung darüber, ob eine Schrift auf die Liste gesetzt werden soll, wird von Reichsprüfstellen gefällt; diese werden nach Bedarf in verschiedenen Landesteilen vom Reichsministerium des Innern eingerichtet, naturgemäß im Ettwernehmeii mit den betreffenden Länderregierungen. — Eine Oberprüfstelle des Reiches in Leipzig wird den Prüfstellen als Berufungsinstanz übergeordnet. Jede Reichsprufstelle besteht aus einem > beamteten Vorsitzenden und acht Sachverständigen, letztere zu je zweien aus den Kreisen 1. der Kunst und Ltteratur, 2. des Buch- und Kunst- handels^ 3. der Jugcndwvhlfahrt und der Jugendorganisationen. 4. der Lehrerschaft und Volksbildungsorganisationen.
Der Beschluß, eine Schrift auf die Liste zu setzen, muß mit mindestens 6 von 9 Stimmen» gefußt werden; dadurch ist eine etwaige kleber- ff immung der Vertreter unter 1 und 2 unmöglich gemacht. Die Oberprüfstelle besteht aus einem Vertreter des Reichöministeriurns des Innern als Vorsitzenden, zwei vorn Reichsrat gewählten Beisitzern und je einem Sachverständigen der oben genannten vjer Gruppen. Sollen Entscheidungen zugunsten einer Aussetzung auf die Liste gefällt werden, so muß die Mehrheit wenigstens 5 Stimmen (gegen 2) betragen; sonst erfolgen die Entscheidungen mit einfacher Mehrheit. Gegen den von einer, Reichsprüfstelle gefaßten Beschluß der Aufnahme in die Liste kann
OerFrosch mii derMaske
Roman von Edgar Wallace.
17. Fortsetzung. Nachdruck verboten
„Sagen Sic ihm, daß ich glaube, ihn bei dem Mann in Wcmbsworlh gelassen zu haben", sagte er.
,LLHm!" sagte Elk und ging zu dem wartenden Hogn zurück.
„Er sagte, er hätte ihn auf der Pctonville- Straße gelassen", sagte Elk, nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Aber Herr Hagn verabschiedete sich höchst befriedigt.
Elk ging zu den Zellen zurück und rief den Gc- 'ängnk-roärtcr. „Hat Sic dieser Mann gefragt, wohin er von hier aus gebracht würde?"
-Ja, Herr Inspektor", sagte der Beamte. „Ich habe ihm gesagt, daß er nach Wandsworth kommt. Wir sagen gewöhnlich den Gefangenen, wohin sie kommen, damit sic ihre Verwandten benachrichtigen können."
Elk war von Triumph geschwellt. Eine Tele- phonanfragc nach Mary Lane, wo der Rest der Bande gefangengehalten wurde, brachte die merkwürdige Information zutage, daß eine Frau, vermutlich die Frau eines dieser Leute, heute nach dem fehlenden Schlusiel vom Kohlcnkellcr gefragt hatte. Der Bescheid sei gewesen, daß ihn der Mann in Brixton besitze."
„Die Männer müßen nach dem Wormwood Scrubbs Gefängnis geschickt werden, und es ist nicht erlaubt, ihnen mitzuteilen, wohin sic gehen", befahl Elk.
Am gleichen 'Nachmittage rumpelte ein von Pferden gezogener Gefangenenwagen von Cannon Row nach Whitehall. Bei dem Zusammentreffen der St. Martins Lane und Shaftesbury Avenue stieß ein unvorsichtig geführter Motorlastwagen mit ihm zu- lammen, .zertrümmerte ihm eine Seite und riß ein Rad ab. Sofort kamen von überall Leute von merkwürdigsten Aussehen herbei. Es schien, als ob alle Vagabunden der Wei! hier im Hinterhalt gelegen hätten. Die Ture wurde aufgedrückt und der diensthabende Gesängniswärter hcrausgeholt. Bevor chrn aber ein. Haar gekrümmt werden konnte, entströmten dem Wagen zwanzig Polizisten und aus den Seiten- gaffen kam ungefähr ebensoviel berittene Polizei mtt Knütteln in den Händen. Der Kampf währte roAii»
ger als drei Minuten. Einige de rwild aussehenden Individuen konnten entwischen, aber die Mehrzahl marschierte zu zwei und zwei gefesselt und ziemlich niedergedrückt zwischen ihrer Eskorte ab. Dick Gor- don, der ftoli auf seine Organisation war, beobachtete die Schlacht vom Dache eines mit Polizisten vollgestopften Omnibusses aus, der den Gesängnis- magcn flankiert hatte. Er kam zu Elk, nachdem der Rummel vorüber war.
.Haben Sie jemand wichtigen arretiert?" fragte er. „Es ist zu früh, das beurteilen zu können. Sie schauen mir alle zusammen nur nach gewöhnlichen Kaulquappen aus. Litnow ist vermutlich schon in Wandsworth. Ich schickte ihn in einem geschlossenen Polizeiauto fort, lange bevor dieser Wagen abfuhr."
In Scotland Harb angekommen, ließ er die Frösche in Doppelreihen aufmarschieren. Man prüfte einen nach dem andern und bei jedem kam die Tätowierung auf dem Handgelenk zum Vorschein.
„Einer der Leute möchte mit Ihnen sprechen, Herr Inspekwr", meldete ein Polizist. Elk tauschte einen Blick mit seinem Chef aus.
„Sprechen Sie mit ihm", sagte Dick. „Wir können leider auf keine Information verzichten.
Der Polizeimann führte den Frofch vor. Ein großer Mann, mit einem Bart, der eine Woche alt war, ärmlich gekleidet und ruhig. Sein zerbeulter Hut war über feine Augen gezogen, und aus den Aermcln seiner Jacke, die einem kleineren Manne gehört haben mochte, sah man seine mächtigen Fäuste heroorkommen.
„Nun, Frosch," sagte Elk, ihn fixierend, „was hast du zu quaken?"
„Quoten ist hübsch", sagte der Mann, und beim Klang der Stimme fuhr Elk auf „Herr Inspekwr, Sie glauben doch nicht, dah Ihr aller Polizei wagen jemals Wandsworth erreichen wird? — Was?"
.Wer sind Sie?" fragte Elk und starrte ihn an.
„Sie muffen den Lirnow zurückbekommen, sie wollen ihn um die Ecke bringen", sagte der Frosch. „Und wenn dieser arme Narr glaubt, daß der alte Frosch einzig aus brüderlicher Liebe sich dieser großen Mühe unterzieht, so hat er sich noch nie im "eben so sehr geirrt."
„Droad!"
Der Amerikaner befeuchtete seinen Finger und wischte das Froschzeichen vom Handgelenk. .Ach werde es Ihnen später erklären, Herr Elk, aber
vom Reich, von jedem Land, sowie vom Verfasser ober Verleger bei der Oberprüsstelle Einspruch erhoben toerben. Der Vorsitzende der Ober» Prüfstelle kann veranlassen, daß die öffentliche Bekanntgabe des auf die Liste zu letzenden Buches unterbleibt; sie muß ausgZeyt werden, wenn der Einspruch vom Reich oder von einem Lande erfolg: Lehnt eine Reichsprüfstelle Die Aufnahme eines Buches in die Liste ab. fo können die Antragsbercchllgteu. der Vorsitzende oder zwei der Beisitzer. Be'änverDe bei Der Oberprüfstelle cinkgen. Sobald die Ausnahme einer Schrift in die Liste bekannt gemacht ist. daN fit im ganjen Reichsgebiet nicht im Llmherzichen ober im stehenden Gewerbe "der von Haus zu Haus feilgeboten oder angckündigt werden; desgleichen darf sie nicht zur Schau gestellt, ober Personen unter 18 Jahren zum Kauf angeboten oder überlassen werden.
Reichs-. Staats- und Gemeindebehörden haben dafür zu sorgen, dah in keiner ihrer Einrichtungen Kindern oder Jugendliche:! 'Bücher und Schriften zugängig sind, die in Der Liste der Schmutz- und Schundschriften stehen.
'Vorsätzliche Zuwiderhandlung gegen Die Bestimmungen Des Gesetzes und insbesondere Die Vervielfältigung Der Liste zum Zwecke Des Anpreisens wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr unD mit Geldstrafe oder mit einer Dieser Strafen btbroljt.
V. H. C.-Taqung.
n. Gelnhausen, 15. Dez. Am 11. und 12. Dezember sand hier eine Führertagung des Jung-V. H. E. (Iugendabteilung des Vogelsberger Höhenclubs) unter Leitung des Obmanns, Prof. Gg. Bender (Frankfurt a. M.) stall.
Am Sr.nstagnadjmittag ging der Tagung eine Dorstandcsitzung des Gesamt-V. H. C. unter dem Vorsitze von 2)r. Bruchhäuser (lllrichstein) voraus, die von 14 Zweigvereincn beschickt war. Neben Beschlüssen interner Art sind folgende von allgemeinem Interesse: Der V.H.C. wird Mit- fll 1 e d des neu gegründeten Dcrkehrsbundcs Oberhessen und darin durch seinen 1. Vorsitzenden vertreten. Von dem Hohcrodskopf werden regelmäßig Schnee- und Wetterberichte nach Gießen und Frankfurt gegeben. Die Herstellung eines Vogelsbergfilms wird auch durch den V. H. C. finanziell unterstützt. Die Pacht der beiden Klubhäuser soll dem Klubwirt Stein auch fernerhin übertragen werden. Das Hcrbsttrcf - f e n des G e s a m 1 ° D. H. C. soll am ersten Sonntag des September anläßlich der Tagung Deut- scher Gebirgs- und Wandervcreine in Herborn stattfinden. Dringend Der Erledigung harrende V c r- kehrsfragcn sollen gemeinsam mit dem Ver - kehrsbund einer baldigen Regelung entgegen- geführt werden.
Abends fand eine Veranstaltung des Zweigvereins Gelnhausen im Saale Der „Hoffnung" stall, an der die Bevölkerung Der Stabt regen Anteil nahm. Nach herzlicher Begrühung durch den Vorsitzenden Dr. Michels hielt Oberstudienbirektor Dr. Bin - z e l (Butzbach) einen äußerst interessanten Vorirag mit Lichtbilbern über seine Reise burch Spanien.
Arn Vormittag bes Sonntags führte Lehrer Druschel, ein feiner Kenner Gelnhausens, die Teilnehmer durch bic altehrwürdige Barbarossastabt. Bon 10 Uhr ab berieten bann die Führer des I u n g - V. H. C. unter Der Leitung Gg. Benders über Fragen der Iugendabteilungcn, woran auch Schulrat H a f s 1 n g c r (Darmstadt), der Direktor der Zentralstelle zur Förderung Der Volksbildung und Jugendpflege im Volksstaa'te Hessen, tcilnahm. Dr. B i n z e l (Butzbach) berichtete eingehend über die Tagung in Urach und verbreitete sich ausführlich über Mittel und Wege, wie in Zukunft die 'Arbeit erfolgreich zum Ziele geführt werden müsse. Außer dem am 20. und 21. August 1927 auf dem neuerbauten Jugendheim ftattfinbenben Iugendtag sollen am 1. Januar auf dem Hoherodskopf, im Mai in Münzenberg Jugendtreffen, im November in Friedberg ein Führertag abgehalten werden. Die Nachmittagssitzung, an der auch die Mitglieder des neugebildeten Ausschusses für Jugendherbergen und Iugendwanberu, Geh. Oberfinanzrat Braun (Darmstadt) und Rektor Dem (Offenbach a. M.), teilnahmen, widmete in der Hauptsache seine Arbeit "Dem wirtschaftlichen Aus- bau des neu erbauten I u gendhcims auf der Herchen Hainer Höhe.
nehmen Sie jetzt den guten Rat eines Freundes an und rufen Sie Wandsworth auf."
Elks Telephon läutete wütend, als er fein Bureau erreichte. Die Wandsworth Station rief ihn an.
„Ihr Polizeiauto ist auf der Gemeindewiese aus- gehalten worden, zwei Ihrer Leute wurden verwundet, der Gefangene wurde erschoßen", lautete der Bericht.
„Ich danke verbindlichst", sagte Elk.
XI.
Herr Brvad erklärt.
Dick Gordon und sein Assistent erreichten Wands- wonh ,j€f)n Minuten, nachdem ihnen die Neuigkeit jugetommen war, und fanden bas Wrack eines Polizeiautos von einer großen Menschenmenge umgeben, die von Polizei in Schach gehalten würbe.
Litnows Leichnam war nach bem (Befangenen- häufe überführt worben, wohin man auch einen ferner Angreifer gebracht hatte, einen Mann, der von einer Abteilung von Gefängniswärtern festge- nnmmen worben war, als biese gerabe von ihrer Mittagspause zurückkehrte. Eine kurze Untersuchung des Toten sagte Dick nicht mehr, als er ohnehin wußte. Das"Herz war durchschossen unb ber Tod mußte sofort eingetreten sein.
Der neue (Befangene, ber gebracht würbe, war ein Mann von ungefähr dreißig Jahren unb gebildeter, als ber Durchschnitt ber Frösche. Es wurden keine Waffen bei ihm gesunden unb er befeuerte, an bem Komplott in keiner Weise beteiligt gewesen zu sein. Er behauptete, er sei ein arbeitsloser Beamter, ber gerabe über bie Wiese schlenberte, als bas Scharmützel begann. Er sei unschuldig arretiert worden, während er den Mörder verfolgte.
„Frosch, du bist ein toter Mann!" sagte Elk mit feiner tiefsten Grabesstimme und sah ihn über den Stahlrond feiner Brille hinweg an. „Wo haft du gewohnt, als du noch am Leben warst?"
Der Gefangene gestand, daß er im Norden Londons zu Hause sei.
„Nord-Londoner kommen nicht nach Wandsworth, um auf der Gemeinbewiese spazieren zu wandeln", sagte Elk.
Er hatte eine kurze Unterredung mit bem Ober- gesangenenaufseher unb führte Den Arrestanten in den Hofraum hinunter. Dort sprach Clk unverblümt zu ihm:
Wirtschaft.
Jur weltwirtschaftlichen Lage.
Es besteht nach wie vor ein ausgesprochener Gegensatz zwischen Der Wirtschaft Europas und Derjenigen Der überseeischen Länder auf Dem Gebiete Der Umsätze Der Produttion und Der Bedarfsdeckung. Ter gute Geschäftsgang in den Vereinigten Staaten von Amerika hat angehalten. Desselbe gilt von Kanada. Auch Die Berichte aus Australien lauten im allgcm.in.en noch günstig. Eine leichte Verschlechterung scheint freilich in Südafrika, Drttisch-JnDicn. Neuseeland und Südamcrlla clngctrctcn zu fein Im ganzen bewegt sich aber die Geschäftslage aus einem wesentlich höheren Stand als in Curova. 3n Europa Dauert Der kritische Zustand noch an; er hat sich jedoch ein ivenig zum Besseren gewendet. Die Arbettslofigkeit ist im Durchschnitt zurückgegangen, und zwar von rund sechs auf fünf Millionen Kräfte Eine gewisse Konsolidierung ist insofern eingetreten. als Die Jnslations- tcclle hat cingebämmcrt werden können. In Frankreich ist seit August d. I. die Dalutafcn- tung zum Stillstand gekommen; in Belgien ist inzwischen eine Stabilisierung der Währung erfolgt; in Italien wird bewußte Deslalionspottttk getrieben. Damit iverDcn die Störungen der curo- päischen Handelsbeziehungen, soweit sic durch die Inflation herbeigeführt wurden, all mählich beseitigt. Stärker als durch Die Jnslcttion ist Die europäische Wirtschaft durch Den englischen Kohlenstreik beeinflußt worden. In England selbst hat der Kohlenstreik außer der Kohlenprobuklioir namentlich die Schwerciscnindustrie lahmgclcgt. im übrigen aber doch geringere Beeinträchtigungen nach sich gezogen, als ursprünglich erwartet wurde; es hat sich deshalb auch die englische Ausfuhr — von Kohle und Den Erzeugnissen der Schwerindustrie abgesehen - im ganzen behauptet Außerhalb Englands beschränkten sich Die Wirkungen Des Streiks in Den ersten Monaten in der Hauptsache auf Den Kühlen- markt selbst. Etwa von August an machte sich der Ausfall Der englischen Kohle aber mehr und mehr auch an anderen Punkten Der Wirtschaft bemerkbar. Transportumstcllungen. Ton- itagcinangcl, Verstopfung Der Häfen, rapide Erhöhungen der Frachtsätze, Kohlcnbestandserhebun- gen und Kohlenrattonicrungen in den verschiedenen Ländern (vor allem in Skandinavien), schließlich A usfuhrbes chrä ntun g en (Frankreich), zwischenstaatliche Interventionen sowie Stillegung von Eisenhütten und anderen industriellen Bc- trieben sind Die Folge gewesen. Wenn auch der Konjunkturvcrlauf in keinem Lande durch Den Kohlenstreik in eine neue Richtung gelenkt wordcn ist, so hat der Streik Doch an vielen Stellen Den normalen Konjunkturvcrlqus insofern gestört, als manche Länder eine Konjunkturbelebung erfahren haben, die sie sonst zweifellos nicht aufzuweisen gehabt hätten. Bor allem ist durch Den Streik auch eine völlige Verschiebung auf Dem internationalen Frachtenmarkt eingetreten.
Ob sich auch nach Beendigung des Kohlenstreiks die Durch bie Kohlenpreis- und Frachten- erhöhungcn eingetretenen Preissteigerungen auf dem Weltmarlt werden noch behaupten, bleibt abzuwarten. Dagegen spricht, daß nach Wiederherstellung Der normalen Kodlenprodultion Die jetzt fehlenden Rückfrachten wieder vorhanden: fein und rasch frachtverbilligend wirten werden. Eine nachhaltige Wirkung dürfte aber sicherlich von Den Verschiebungen ausgehen, Die Der Kohlenstreik auf dein Gebiete Des intcrnationalcui Geld- und Kapitalmarktes herbeigeführt hat. Man rechnet damit, Daß Die englische Zahlung^ bilanz in diesem Jahre durch Den Kohlenstreik infolge Vermehrung der Brennstoffeinsuhr und Verminderung ber Ausfuhr eine Belastung von IV2 Milliarden Mark erfährt. Der Ausgleich kann hier nur durch entsprechende Veränderungen in der auswärtigen Kapitalbilanz Englands ermöglicht worden fein. Jedoch hat daö Darnieder- liegen der Kohlen-- und Der Schwerindustrie neben anderen Schrumpfungen Der englischen Wirtschaft offenbar auch Kapitalien freigcftellt. die im 2his- lande Anlage gesucht unb gefunden haben. Soweit es sich um kurzfristige Anlagen handelt, wird mit ihrer Zurücknahme nach Beendigung des Streits gerechnet werden müssen. Bor allem aber werden sich bic auf mehrere Milliarden Gol^mark lSchät-
„Was würde dir zustoßen, wenn bu aus der Schule schwatzen würbest?"
Der Mann zeigte mit einem unangenehmen Grinsen seine Zähne.
„Der Bär ist noch nicht erschlagen, besten Haut ich zu Markt tragen soll", sagte er.
Elk blickte um sich. Der Hof war ein kleines, ftcingepflasteries Viereck, von hohen, entfärbten Mauern umgeben. In einer Ecke ftanb ein kleiner Schuppen mit grauen Schiebetüren.
„Komm hier herein!" sagte Elk. Er nahm ben Schlüssel, ben ber Oberauffeher ihm gegeben hatte, schloß bic Türe auf unb schob sie auseinanber.
Man sah in ein reines, kahles Gelaß mit kalk- gestrichenen Wanden. Quer über bie Decke liefen zwei starke Balten unb zwischen benfelben Drei stählerne Stangen hin. Der Gefangene runzelte bic Stirne, als Elk zu einem langen Stahlhebel trat.
„Gib acht, Frosch!" sagte er unb zog an bem Hebel. Die Mitte bes 'Lobens öffnete sich mit einem Krach unb man sah in eine tiefe, mit Ziegeln aufgelegte Grude hinab.
„Sieh bir bie Falltüre an, siehst bu bas T, bas mit Streibe gezeichnet ist? Dort muß ber Manu seine Fuße hinstellen, wenn ber Henker ihm bie Beine zu- fammenbinbet. Das Seil hängt von bem Balken bort herunter.
Des Mannes Gesicht würbe fahl unb er schrak Zurück. „Sie können mich nicht hangen", keuchte er. „Ich habe nichts getan!"
„Ste haben einen Menschen getötet", sagte Elk, trat hinaus unb versperrte bie Türe hinter ihnen. „Sie sinb ber einzige, ben wir gefangen haben unb Sie werben für bie übrige Banbe büßen müssen."
Der Gefangene hob seine zitternde Hand zu beu Lippen. ,Ach werbe Ihnen alles sagen, was ich weiß", sagte er heiser.
Eine Stunbe später fuhr Dick mit beträchtlichen Jnsormolionen bereichert in bie Polizeidirektion zurück. Seine erste lat war, nach Joshua Broab zu schicken unb ber SBagabunb kam fröhlich heraus.
„Run, Herr Broad, lassen Sie uns Ihre Geschichte hören", sagte Dick unb hieß ben anbem Platz nehmen.
(Fortsetzung folgt)


