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Nr. 2YH Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 16. Dezember 1926

Albaniens Königsiraum.

Aus deutschen Archiven: Grohmachtseiferjucht auf dem Baikan. - Die Episode des Prinzen Wilhelm zu Wied.

Drohe Gebietstelle. deren die Türkei in den Balkankriegen verlustig gegangen war sie wurde damals fast völlig aus Europa verdrängt waren in den (Zähren 1912 13 den verbündeten siegreichen Daltanstaaten in die Hände gefallen. Eine allzu grohe Ausdehnung Serbiens erregte die Besorgnis Oesterreichs. Es setzte sich deshalb mit ganzer Kraft für die Schaffung eines autonomen albanischen Staates ein. Die übrigen Drohmächte stimmten äil Die in London tagende Dotschafterkonferenz schuf im Sommer 1913 die Verfassung dieses neuen Staa­tes und setzte in groben Zügen auch die Grenzen fest. Des Genaueren jedoch sollten diese durch mehrere internationale Grenzfest setzungs- Kommissionen, bestehend aus Delegierten Deutschlands, Englands, Frankreichs, 3tattens. Oesterreich-Ungarns und Rußlands, an Ort und Stelle bestimmt werden. Die Berichte der Dele­gierten über ihre Tätigkeit geben ein inter­essantes Bild von den in Albanien angetroffenen Zuständen. Sie zeigen aber auch, wie die der Komik nicht entbehrenden Uneinigkeiten der Delegierten im Kleinen die vielfachen iln- einigkeiten der Mächte reflektieren Wir bringen im folgenden hiermit einen Bericht des deutschen Delegierten zur nordalbanischen Grenzkommission, Majors von L a f f e r t, aus dem" in Kürze bei der Deutschen Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin erscheinenden 36. Bande der Groben Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes') zum Vorabdruck:

Der Delegierte zur nordaibanischen Grenzkommission, Major von Lafsert, z. F. in Cln am Ochridasee, an den Reichskanzler v. Bethmann Hollweg.

Ausfertigung

Ar. 6 Lin am Ochridasee, den 23. Oft. 1913 lpr. 1. November)

Wie ich gleichzeitig telegraphisch meldete, ist die Kommission hier angelangt und hat heute mit ihren Arbeiten begonnen. Der Marsch durch Albanien ist ohne Unfälle verlaufen, nur die Verpflegung von Mann und Pferd war trotz der mitgeführten fünf Tagesvorräte mehrfach kritisch.

Die Albaner bereiteten uns überall einen begeisterten Empfang, weil sie vage Hoffnungen an daS Erscheinen der Kommission knüpften.

Don Tirana an such wir etwa 20 000 Flucht- lingen aus dem serbischen Albanien begegnet. Es waren fast ausschliehlich Mohammedaner. DaS Elend war natürlich sehr grob, weil diese ganzen Massen lediglich aus die Mildtätigkeit deS sehr armen Landes angewiesen sind, in welchem es eine staatliche Autorität noch nicht wieder gibt. Es scheint, als wenn die Serben allen Mohammedanern die Rückkehr über die Grenze verwehren, während sie die christlichen Albaner schon wieder passieren lassen.

3n Durazzo waren wir von Essad Pascha, dem größten Gauner von Albanien, zum Essen eingeladen. Gr macht den unangenehmen Ein­druck eines Orientalen, mit lautem Gekreisch und den typisch semitischen Handbewegungen (ge­spreizten Händen mit dem Daumen unter den Achselhöhlen). Er versicherte uns, dah nur von ihm eine Rettung Albaniens zu erhoffen sei. Er rühmte seine Heldentaten bei der Belagerung von Skutari und machte seinen äuberst tüchtigen

) »Die Grohe Politik der Europäischen Ka- binette 1871 1914. Sammlung der Diplomati­schen Akten des Auswärtigen Amtes. 3m Auf­trage des Auswärtigen Amtes herauSgegeben von Johannes Lepsius (f), Albrecht Mendels­sohn-Bartholdy. Friedrich Thimme. 5. Reihe. Dritte Abteilung: Band 34 bis 40. »Europa vor der Katastrophe." 3m Verlage der Deutschen DrrlagSgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W 8.

(Siebener Stadttheater.

Der liebe Augustin."

Drei Augustine haben es in der Literatur zu einiger Berühmtheit gebracht: der erste spielt eine nicht ganz durchsichtige Rolle in jenem tief­sinnigen Liedchen, das mit dem hoffnungslosen Kehrreim .alles ist hin" die irdische Vergänglich­keit betrauert. Der zweite warein Spielmann im heiteren Wien", der, wie die Sage geht, zur bösen Türkenzeit nächt kicher welle in ein Pestloch fiel, und am anderen Morgen gutgelaunt, un­versehrt und ausgeschlafen der Totengrube ent­stieg. (Dinzkey und Dietzenschmidt haben seine Abenteuer der staunenden Aachwelt erhalten.)

Der dritte aber, ein simpler Klavierspieler, ist der allerberühmteste unter ihnen und wird Wohl die beiden andern lange überdauern Wir haben es alle erlebt und können uns noch gut besinnen, mit welcher Begeisterung man kurz vor dem Kriege diese Operette von Leo Fall aus der Taufe hob.

Was die merkwürdige Geschichte dieses dritten und letzten Augustin, mit anderen Worten: das Textbuch von Verna uer und Welisch, be­trifft, so wird man sich ohne Zweifel gern er­innern, dah es so zuging: Prinzessin Helene (hinten wett in der Türkei, wo Operetten meistens spielen: im Buche heiht esThessalien", aber das ist un- gefähr dasselbe) Prinzessin liebt also ihren Klavierlehrer Augustin, soll aber den Fürsten Aicola heiraten, um mit dessen Geld ihren regle- reichen Onkel vor Pleite und Palastrevolution zu rotten. Augustin liebt die Prinzessin, soll aber Anna, die Tochter des Kammerdieners heiraten. Anna hinwiederum will hoch hinaus ... und wer sich jetzt noch nicht erinnert, der kann sich Ke Fortsetzung an den fünf Fingern abzählen.

Tenn es versteht sich doch wohl, daß sich die zarten Liebesfäden, übers Kreuz gesponnen, also entwirren, dah die viere sich kriegen: Der Augustin mit) die Helene, die Anna und Fürst Ricola... ttnd was das Schönste ist, was man 'den ganzen Abend ahnt, was aber erst der (schwächlich?) Schlußakt neckisch ans Tageslicht bringt: bad ist der alte Scherz von den bri der Taufe vertausch- t«n Säuglingen: will sagen: die Prinzessin mit

Vorgänger Ali Risa auf jede Weise schlecht. Rur über dessen Ermordung äußerte er sich mcht, wahrscheinlich weil er zu gut darüber Be­scheid weih. Essads Einfluh reicht nicht über Alessio, Durazzo und Tirana hinaus. 3n Elba» fan wollte schon niemand von ihm etwas wissen.

Die Einigkeit in der Kommission läht sehr viel zu wünschen übrig. Darin sind wir Augen- blicksdiplomatcn den zünftigen Diplomaten durch­aus ebenbürtig. Leider sind unsere beiden Bundesgenossen wie an der ganzen Adria so auch hier natürliche Gegner, und es kommt jeden Augenblick zwischen ihnen, manchmal wegen der lächerlichsten Kleinigkeiten, zu heftigen Zusammen- stöhen. Ein Beispiel hierfür:

Sett wir uns der serbischen Grenze näherten, wurden die aufgerollten Fahnen der sechs Großmächte am Anfang des Detache­ments getragen, um sie gegebmenfals als Schuh gegen serbische Geschosse enthüllen zu können. Run ließ ein österreichischer Leutnant beim Durch­marsch durch einen Ort eigenmächtig seine Fahne entrollen, worüber M a r a f i n i einen sörmlichen WutparoxhömuS bekam. Auf Befehl der Kom- mifiion mußten die Oesterreicher ihre Flagge einziehen und M i e h l, der österreichische Dele­gierte. entschuldigte sich mit dem Versehen des Leutnants. Das genügte aber dem 3taliener nicht, sondern er befahl seinem Detachement, auch die Fahne zu entrollen und sie genau bis zu der Stelle entfaltet zu tragen, wo die Oesterreicher die ihrige eingezogen hatten. Darüber geriet nun wieder der Rest der Kommission in starke Erre­gung, und Potapow, der Russe, forderte die Delegierten auf, sich im Trabe nach vorwärts zu begeben, um nicht unter der fremden Flagge marschieren zu müssen. Die Entente folgte der Aufforderung, während die Allianz äußerlich einig, aber voll innerer Konflikte zurückblieb. Auch der Engländer blieb, aller« tings unter Protest, zurück, weil er wegen Hä­morrhoiden nicht zu traben vermag. 3ch brachte nun folgenden Vermittlungsantrag cln: Feder Delegierte, der sich durch das Dorgefallene beleidigt fühle, solle zurückreiten und mit entfal­teter Fahne di'.s.lbe Strecke durchmessen, die die österreichische und italienische Fahne zurückgelegt hatten. Dieser Vorschlag fand Beifall bei der Allianz, aber Mißbilligung bei der Entente, die nicht umsonst vier Kilometer zurückreiten wollte. 3mmerhin war dadurch das Eis zwischen den feindlichen Brüdern gebrochen, und der Rach- mittag vereinte die Allianz wieder äußerlich versöhnt im österreichischen Zelte.

Meine Haupttätigkett besteht überhaupt i m Vermitteln zwischen Miehl und Ma­ra f i n i, was mir bisher mit einigem Humor auch noch stets geglückt ist. Rur in einer Sache find beide sich stets einig, öie Grenzen 211- baniens, auf das ja beide Länder reflektieren, so weit wie möglich zu stecken. Und dazu wird jede Heine llngcnauigfeit, die das Londoner Protokoll aufweist, hervorgefucht.

Rach den 2leußerungen der hiesigen öster­reichischen Offiziere scheint man im dorttgen Osfi- zierkorps einen Krieg mit 3 talien a l s unvermeidlich anzusehen und wünscht ihn sogar herbei. Lieber will man sich mit Serbien verständigen.

Der Führer des österreichischen Detachements, Oberleutnant Mühlhofer, ein sehr energischer und tüchtiger Felkfoldat, der in Tripolis gegen die 3taliener, bei 3anina gegen die Griechen gefochten hat, machte mir folgende für die Stim­mung der deutsch-österreichischen Offiziere sehr bezeichnende Bemerkung:

Er sagte, Oesterreich ist ein Staat, der in nicht zu langer Zeit auseinander­fallen wird. Vorläufig aber hält es, wenigstens militärisch, noch die ganzen in ihm vereinigten Völkerstämme fest zusammen. Di.se Zett muß man benutzen, um noch einmal, vielleicht zum

den obskuren Steigungen ist die Kammerdieners­tochter, und die vornehme Ama ist dierichtige" Prinzessin. Und der Himmel hängt voller Geigen.

Auf den Himmel und die Geigen kommt es überhaupt an. Das Libretto nämlich ist genau so schlecht und recht, wie bei den vielen anheim, gleichaltrigen Operetten, nach denen kein Hahn mehr kräht, und die Liedertexte wollen wir auch nicht kritisch bei Licht besehen. Die Mu'ik macht es allein, die melodiöse und liebrnswürdige Musik: die vielen guten Einfälle des Komponisten haben der Operette damals sofort die Volks­tümlichkeit und weite Derbrettung geschaffen, geben ihr heute bereits einen Schimmer von Klassizität: derLiebe Augustin" wird noch oft gespielt werden.

Die Musik unter Leitung von Kapell­meister Reff, der Orchester und Chöre straff zusammenhielt verfehlte auch diesmal ihre findende Wirkung nicht. 2lls Spielletter waltete Curt H a m p e, der sich um Tempo und Aus­stattung bemüht hatte und besonders im zweiten 2TEt gute Szenen herausbrachte, obschm die etwas breit-parvdlstische Betonung der höfischen Atmo­sphäre gelegentlich störte: während der dritte Att durch eine unvermeidliche Pause nach dem Dor­spiel erst verzögert und dann ziemlich hastig heruntergespielt wurde.

Die Prinzessin Helene hatte, da Ellsabeth Friedrich wegen Heis.rkett ab,agen muhte, Perta Menzel, die eine nicht eben große, aber be­sonders im Piano und In der Mittellage ange­nehme, übrigens sehr biegsame Stimme vräsen- tierte; sehr hübsch der etwas sentimentale Aus- Hang des ersten und das berühmte Duett des zweiten Attes. Ganz famos legte ReSni den schwadronierenden Duodezfürsten Bogumil auf die Bretter: solche idyllischen Staatsoberhäupter liegen ihm ungemein. Den Ricola spielte Sauer: Serenisiimussigur mit durchgedrücktem Kreuz, SKonoIcl und einer gewaltsam affektierten Kopf- stimme: eine mit alten und billigen Mitteln gemachte Erscheinung, die einigen Schliffs durch den Regisseur dringend bedarf. Steinbrecher fand sich erfreulich in die lyrisch angehauchte Augustinpartie, spielte beweglich und war frifch bei Stimme, Else Simon gab die unendlich vor­nehme. verkannte Lakaientochier und fang sehr lustig das Liedchen von der Lavallchre im zweiten

letzten Wale, die gesamten österreichischen Slawen für das Germanentum ins Feuer zu werfen, lind wie alle österreichischen Offiziere, die ich buber gesprochen habe, zeigte er eine ungemessene Bewunderung und Derehrung für Seine Maje­stät, unseren Kaiser, und erwartet ooy ihm alles Heil auch für das Deutschtum Oesterreichs. Es ist geradezu rührend und erhebend für einen Reichsdeutschen, zu sehen und mitzufühlen, wie diese Oesterreicher. deren Deutschtum überall zu kurz kommt, in unserem Kaiser die Hoffnung und den Stolz des Germanentums erblicken, der ihren heimlichsten Traum eines größ.ren und unerreicht machtvollen Deutschlands erfüllen soll.

Testern passierten wir die serbischen D o r p o st e n , die im allgemeinen längs der neuen Grenze stehen. Die serbischen Offiziere waren voll ausgesuchter Liebenswürdigkeit. Diele von ihnen sprechen deutsch. Sobald sie merken, daß man Reichsdeutscher ist, werden sie zutrau­lich und versichern einen der freundschaftlichsten Gefühle für Deutschland. Die Soldaten sind recht abgerissen, zeigen aber gute militärisch? Haltung. Die Offiziere find voll würdigen Ernstes. Man fühlt, daß sie durch die beiden siegreichen Kriege an innerem und äußerem Selbstbewußtflin ge­wonnen haben, das natürlich und daher nicht anmaßend wirft.

v. L a f f e r t.

Die Schaffung eines feld- ständigen Albaniens erfolgte, wie schon gesagt, durch Beschluß der in London tagenden Botschafterkcnser:n; tm Sommer 1913. Wie ein heratinahendes Erdbeben hatten mehrmals die politischen Ausläufer der kriege­rischen Eruptionen auf dem Balkan die Kabinette der europäischen Großmächte durchzuckt. Die durch die Beschlüsse der Londoner Konferenz und durch den Frieden von Bukarest dann erzielte Beruhigung war jedoch nur eine äußerliche. 3m Innern des Balkan-Dulkans tobte die Glut wei­ter. 3n Albanien arbe t:te seit Oktober 1913 eine internationalere ntrolHDmmlffion. Unter holländischen Offizieren sollte eine Gen­darmerie Ordnung schaffen. Als Kandidat für den Herrscher dieses Landes wurde der Prinz Wilhelm zu Wied gewählt, der sich aber erst im Februar 1914 entschloß, den Thron von Albanien anzunehmen. Die Abreise des Für­sten zog sich dann noch bis Anfang März hin, da vor ihr noch der Empfang der unter Füh­rung Cs,ad Paschas stehenden albanischen De­putation und seine Antrittsbesuche in Rom, Wien, London, Paris und Petersburg zu erledigen waren. Die Ausnahme, die der Fürst an den euro­päischen Höfen fand, war vorwiegend eine recht günstige, so dah Kaiser Wilhelm 11. die Derse dichtete:

Reiselust in frühen Lenzen 3edes Menschen Brust durchzieht, 3n Europiens Residenzen

Tummelt sich der Prinz von Wiedl"

Die Verhältnisse, die der Prinz jedoch In Albanien antraf, waren alles andere als erfreu­lich. War es nicht schon leicht für einen christlichen Fürsten, als Herrscher über einer vorwiegend mohammedanischen Bevölkerung zu walten, so bereitete die mittelalterliche Siruftur der sozia­len und politischen Verhältnisse in der Bevölke­rung weitere Schwierigke.ten und die mühleiige Arbeit, den Staat auf die Deine zu bringen wurde durch Prätendenten i nao'.äffig gestört. Be­sonders war es Essad Pascha, der ein selb­ständiges Mittelalbanien zu schaffen suchte und immer wieder Deranlassung zu Aufständen gab. Außerdem spielten griechische 3ntrigen eine Hauptrolle, indem Griechenland behauptete Ansprüche auf das epirotische Land zu haben und für die Sicherung seiner Konnationalen sorgen zu müssen. Ueber die unheilvollen Zustände in Albanien, die sich zuspitzten, bis schließlich der Akt. Unvergesfen fei der von Patschky wohl­tuend diskret gespielte Kammerdiener mit dem frommen Rainen 3afomirgott.

Es gab zahlreiche Dorhänge und Wieder­holungen. Dr. Th.

Romane der Flaschenpost.

Wenn ein Schiff auf hoher See in großer Erfahr schwebt, dann schreibt die Mannschaft ihre letzten Grüße und Nachrichten auf Zettel, die in lüft- und wasserdicht verschlof enen Flaschen dem Meere anvertraut werden. Diese Flaschen, posten genießen völkerrechtlichen Schuh, und da ihre Auffindung von den Seeämtern reich be- lohnt wird, so ist die Bestellung in allen Erd­tellen ziemlich sicher, wenn das Meer seine Deute nur wieder hergibt. Dies ist aber leider selten der Fall, denn in den unendlichen Wetten der Ozeane sinken die Flaschen oft in die Tiefe, zerschellen an felsigen Ufern oder werden an ein- kamen Ufern angespült, die keines Menschen Fuß betritt. Bisweilen aber erreicht doch diese merk­würdigste Post ihren Bestimmungsort, und so gibt es so manchen interessanten Flaschenpost- Roman. Die Einrichtung der Flaschenpost dürfte sehr alt sein, aber die früheste Nachricht findet sich erst in den Tagebüchern des Kolumbus 2lls der Entdecker 2lmerikas auf seiner Rückreise aus der Reuen Welt in der Rächt vom 14. zum 15. Februar 1493 einen furchtbaren Sturm zu bestehen hatte, da glaubte er. dah fein Schiff dem Untergang geweiht sei, und verschloß daher, um die Kunde von dem neuen Erdteil nicht mit rn£ Grab zu nehmen, eine hqye genaue Angabe seines Entdeckungsweges in ein kleines Faß. das über Bord geworfen wurde. Diese älteste Rachricht der Meeres post ist spurlos verloren­gegangen: wir besitzen historische Belege für Flaschenposten erst feit dem Anfang des 19. 3cchr- hundertS. Damals fingen die hydrographischen 3nftitute an. die Naschenposten für wissenschaft­liche Forschungen zu verwenden, um mit ihrer $tlfe die Richtung und Geschwindigkeit der Meeresströmungen zu ermitteln, und bei diesen Versuchen wurde auch die Bezeichnung Flaschen­post" zum erstenmal angewendet. Man hat da­bei die tägliche Durchschntttsgeschwindigkett einer Flaschenpost auf 15 bis 16 Kilometer berechnet.

Prinz zu Wied bei Ausbruch des Weltkrieges bas Land verlassen muhte, berichten die folgenden Schriftstücke.

Der Delegierte bei der Internationalen Kontroll­kommission für Albanien, Generalkonsul Vincke!.

z. Z. in valona, an bas Auswärtige 'Amt. Telegramm. Entzefierung.

Valona, den 22. 3unl 1914.

Aufstandsbewegung im 3nn e rer stark angewachsen. Aufständische können In wenige« Tagen Valona nehmen. Hiesiger Gouverneur hat Regierung telegraphiert: Linker Flügel gänzlich geschlagen, da die Truppen zum Plündern in die Dörfer zerstreut, im Zentrum aus unbekannten Gründen Pantt entstanden und rechter Flügel unter Deklasch nicht vorrückte. Allgemeine 'Flucht wurden Kanonen bis Kalmibatsch m.tgcnommen, dann Feind überlassen. Truppenrest unter Dessim und Holländer de 3ongh abends Fiert ange­nommen. hoffe ScmenUinie oder Dojussa zu ver­teidigen. Gouverneur erbat 530 Gewehre. Mu­nition. Uniform, eine Kanone, ferner zwei Kri gs- schifle für Valona. Diese Ditte ist berechtigt an­gesichts des Ueberflusses an Kriegsschiffen vor Durazzo*) und der Wohl unnötigen dortigen Flot­ten demonstration.

Abschrift geht Durazzo.

Winckel.

Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.:

*) Erst haben sie nach den Schiffen geschrleen. und jetzt werden sie für unnötig gehalten ganz wie ich vorhergesagt.

Schlußbemerkung des Kaisers:

Die Alban(ische) Regierung kommandiert die fremden Schiffe aus taktisch-milit(ärllchen) Grün­den herum, als ob sie ihr gehörten! während sie nur moralischen Schutz für den Fürsten geben sollen. Die Position wird, wie vorauszusehen. eine gänzlich schiefe werden, wenn in d?r Roch nachher sogar Landungsabtheilungen mit den Al­banern handgemein werden sollen! Davor warne ich auf das schärfste. Der Fürst muß fechten, siegen oder fallen, an der Spitze von d'm, das ihm treugeblieben ist, aber nicht sich mit Hülse internationaler Mannschallen gegen Theil? seines Volkes hatten lassen. Er wäre verloren, im Augen­blick der eintreten muß des Zurückz ehen­der Schiffe, die nicht in Ewigkeit dott liegen bleiben können.

Wilhelm k. R.

Der Geschäftsträger in Durazzo, Frelh. v. tuc 1 us, z. 3- In Lastelnuooo, an bas Auswärtigr Amt.

Telegramm. Entzifferung.

Eaftelnuovo. den 30. Juni 1914.

(aufgegeben den 1. Juli.)

Darvn Aliotti fährt heute abend Rom, um Minister vorzutragen, daß Fürst jetzt f a ft ganzes Land gegen s t ch hat und nur durch europäische Truppen*) noch zu hatten ist. Gesandter wies dabei auf wachsende Tät gleit Griechenlands hier und im Epirus-) h n> worin eigentliche Ursache jetzigen Aufstandes F.e-re. Teile mit meinem österreichischen Kollegen Ali- ottis Ansicht vollkommen»).

LucluS.

Randbemerkungsn Kaiser Wilhelms II.:

*) D(as), h(eiht) durch eine für längere 3ahre permanente 'Eurvp(äische) Garnison des ganzen Landes! II

) ? 3ungtür!en, 3taliener, Bulgaren,Serben. ) ich nicht.

Sch'uhbemerkung des Kaisers:

Das muhte alles geschehen. ehe der Fürst hinging! Es muh also durch Europa erst Emma! das Land total erobert und pazifizirt werden, was 68 3nf(anterie) Divis onen und 300 bis 400 Millionen) Mark bedarf. Danach erst der Fürst überhaupt eingesetzt werde,. Wem M

Da aufrecht schwimmende Flaschen besser erhalten bleiben, so Pflegt man ihre Böden mit Blei, Sanb ufw. zu beschweren, und am Flaschen­hals wird ein Flaggenstäbchen befestigt, um die Aufmerksamkeit zu erregen. Die Berichte, die in Flaschenposten erhalten bleiben, enthüllen manchmal ganze Romane und Tragödien. Da wird von Meutereien, von Morden und See­räubern gemeldet. 1893 wurde eine Flaschenpost aufgefunden, die mttteilte, daß der Kapitän des SchiffesBuckingham" am 11. Oktober 1893 west­lich von den Schottland-3nseln von einem Ar­beiter ermordet wurde. Eine Flaschenpost, die aus einer zertrümmerten Holzplanke bestand, wurde im selben 3ahre bei Kilnesea an Land geschwemmt. Sie stammle von dem SchiffCaller Du und enthielt mit Bleistift geschrieben die folgende Mitteilung:Wer dieses aufrinbet, er­fahre. dah derCaller Ou" von einem un­bekannten Dampfer in den Grund gebohrt wurde." Auf der anderen Seite der Planke stand:Möge der Herr meine Mutter trösten.Caller Ou" sank durch die Schuld eines unbekannten Dampfers. Dawson keine Zeit mehrste fintt..." Manchmal machen F.afchenposten sehr lange Reisen. So churde 1858 eine Flaschenpost an der irländischen Küste aufgefunden, die 183? ein amerikanischer Kapitän in Seenot abgesandt hatte. Eine Flaschenpost, die von den Tril- nehmem der österreichisch-ungarischen Rordpol- eSpedition 1874 an der Küste des neuentdeckten Franz-3osrph-Landes ins Polarmcer vettenft war. wurde 1921 völlig unversehrt von der nor- wegllchen Polare?peditton auf Rowaja Sem.ja bei russischen Kolonisten gefunden. Während deS Weltkrieges entdeckte ein Fischer aus Marstrand 1916 im Sfageral eine gewöhnliche Bierflasche, bie die letzten Nachrichten der Mannschaft des in der Nordsee verunglückten LuftschiffesL. 19 enthielt. 3n einem der darin enthaltenen Briefs heißt eS:Wir leben noch alle, haben aber nichts ju elfen. Früh war hier ein Fischdampfer, ein englischer, er wollte unS jedoch nicht retten. Der Mut sinkt, der Sturm nimmt zu..RuS ^ern anderen Schreiben erfährt man. dah der Kommandant Löwe mit feinen 15 Mann um II Uhr nachts auf der Plattform deS Luftschiffes *wch ein gemeinsames Gebet verrichtete: dann versanken sie inS ewige Meer,