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so starker Wille zu einer Einigung vorhanden ist, daß die zutage tretenden Schwierigkeiten einer Einigung überwunden werden können.

Der Aufenthalt der ehemaligen Fürsten. Ein Antrag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion.

Berlin, 15. Okt.' (Wolff.) Wie dieVoss. Ztg." hört, hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion folgenden Entwurf einesGesetzes betreffend Aufenthalt der Mit­glieder vormals landesherrlicher Familien im Reichsgebiet" eingebracht: Mitgliedern solcher Familien, von denen ein Angehöriger bis Ro- vember 1918 in einem ehemaligen deut­schen Bundesstaat regiert hat, ist von der Reichsregierung das Betreten des Reichsgebietes oder der Aufenthalt darin zu untersagen oder auf bestimmte Teile oder Orte des Reiches zu beschränken, falls die Besorgnis gerechtfertigt ist, daß andern­falls das Wohl der Republik gefähr­det wird. 3m Falle der Zuwiderhandlung sind die durch Beschluß der Reg erung, der mit Grün­den zu versehen und den Betroffenen zuzustellen ist, aus dem Reichsgebiet auszuweisen. Dem ehe­maligen Kaiser und König von Preußen Wil­helm II. wird das Betreten des Reichsgebiets und der Aufenthalt darin untersagt. Für den Fall, daß Wilhelm II. feindliche Unternehmungen gegen das Reich oder den Freistaat Preußen richtet, hat der preußische Staat das Recht, das durch den Vertrag vom 12. Oktober 1925 und 6. Oktober 1926 den Mitgliedern des vormals regierenden Königshauses zuerkannte Ver­mögen einzuziehen.

Der Reichspräsident in Braunschweig.

Brauns weig, 15. Okt. (Wolff.)Braun­schweig begrüßte heute den Reichspräsidenten, der zum offiziellen Besuch hier weilt. Der Vor sitzende des Braunschweigischen Staatsministeri­ums, Minister M a r q u e r t, begrüßte den hohen Gast. Oberbürgermeister Dr. Trautmann ent­bot den Gruß der Stadt. Dom Bahnhof be­gab sich der Reichspräsident zum Schtoßhof, wo die Veteranen von 1864, 1866 und 1870/71 Auf­stellung genommen hatten, von hier nach dem Schloß, in welchem er Wohnung nahm. 3m Laufe des Vormittags stattete der Reichspräsi­dent dem Dtaatsministerium im Schlosse einen Besuch ab Gegen 11 Uhr vormittags fuhr der Reichspräsident nach dem Rathaus. Am Ein­gang des Ratbauses wurde er vom Oberbürger­meister Dr. Trautmann begrüßt. Der Reichs­präsident dantte mit freundlichen Worten. Dar­auf trug sich der Reichspräsident im Rats- zimmer in das Goldene Buch der Stadt Braun­schweig ein. Rachher begaben sich der Reichs­präsident, die Minister, der Oberbürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteher zu Fuß zum Gildehaus, wo der Reichspräsident den Ehrentrunk der 3nnungen entgegennahm.

Rach Besichtigung des Domes und einem Besuche der althistorischen Burg Dank- wardervde wurde in der Burg das Frühstück eingenommen. Daraus kehrte der R ichspräfident ins Schloß zurück. 3m Landestheater fand eine Festvorstellung statt. Beim Verlassen des Thea­ters wurde der Reichspräsident von der Bevölke­rung stürmisch begrüßt. Anschließend fand im Schlosse ein Festabend statt. Von Braunschweig hat sich der Reichspräsident nach Groß- Schwülper begeben, wo er auf dem Gute des Freiherrn von Mare-nholtz bis Montag zu bleiben gedenkt.

Das Urteil im Kattowitzer Do ksbundprozetz.

Kattowih, 15. Okt. (Wchff.) Der vierte Derhondlungstog im deutschen Volksbundprozeß begann mit der Vernehmung des Leiters des Wohlfahrtsamtes Dennorz. Dem Wohlfahrts- t amt wird vorgeworfen, gegen Subventionen und sonstige Unterstützungen eine staatsfeind- Firdjc Agitation betrieben zu haben. Der hierzu geladene Belastungszeuge Oberkommissar '» H e r o m s k i, der Chef der polittfchen Polizei, versagte wiederum vollständig. Der Vor­sitzende verzichtete deshalb auf seine weitere Ver­nehmung. Daran schloß sich die Vernehmung der polizeilich vorgeführten Damas, einer früheren Angestellten des deutschen Generalkonsuls. Die Derteivigung hatte auf diese Zeugin besonderen Wert gelegt. Die Damas hatte bekanntlich Aktenstücke an den Polizeispitzel Cielawski a u s g e l i e f er t, die dieser an den Rachrichtenstab weiterleitete. Bei ihrer Ver­nehmung selbst verweigerte die Zeugin in den meisten Fällen die Aussage, so daß auch hier von der weiteren Vernehmung Abstand genom­men wurde. Rach etwa anderthalbstündiger Be­ratung wurde das Urteil verkündet. Alle Angeklagten mit Ausnahme von Arbainski und Kolibai, die sreigesprvchen wurden, wurden zu Festungsstrafen von sechs Monaten bis zu zwei 3ahren verurteilt. Einem Angeklagten wird die Untersuchungshaft von drei Monaten und zehn Tagen angerechnet. 3n der Begründung des Arleils erklärte der Vorsitzende des Gerichts, daß den Angeklagten, obwohl das Gesetz für ihr Vergehen Zuchthaus vorsehe, mildernde Lim stände zugebilligt worden seien, weil sie aus idealen Gründen gehandelt hätten. Die An- gellagten werden gegen das Urteil Revision einlegen.

(Eine Tagung des Dölkerbunds- rates in Berlin.

Berlin, 15. Okt. DieVoss. Ztg." glaubt zu wissen, daß die Reichsregierung sich mit dem Gedanken trägt, den Völkerbundsrat zu seiner ordentlichen, im März nächsten 3ahres stattfindenden Frühjahrsversammlung nach Berlin einzuladen. Das Blatt fügt hinzu, daß, falls die Einladung angenommen werde, in Aus­sicht genommen sei, die Verhandlungen im historischen Saal des Reichskanzler­palais stattfinden zu lassen. DerLokalanz." bemerkt dazu, daß formelle Einladungen des Völkerbundsrates nach einem bestimmten Orte nicht üblich seien. Der Tagungsort, der jeweils nächsten Sitzung des Rates werde vom Vor­sitzenden der voraufgegangenen Tagung festgesetzt. Rach der alphabetischen Reihenfolge Würdealler­dings Deutschland den nächsten An­spruch darauf haben, daß die Märztagung des Völkerbundrates innerhalb seiner Grenzen statt­findet. Somit sei die Möglichkeit gegeben, daß der Völkerbundsrat im März nach Berlin kommt.

Rücktritt des Kabinetts Ramel.

Das Ult matum der österreichischen

Bnndrsa «gestellten.

Wien, 15. Off. (WB.) Das Kabinett Kämet Ist wegen der Unmöglichkeit, die Beamlenforderun- gen zu erfüllen, zurückgelreten. Der Beschluß der Bnndesangeskellten. der unmittelbar zur De- misston der Regierung Anlaß gab, besagt, daß, falls die Regierung nicht bis Samstag mittag 12 Uhr ihren Standpunkt ändert, die Verhandlungen als gescheitert betrachtet werden mühten, und daß die Bundesangestellten dann die gewerkschaft­lichen Konsequenzen ziehen werden.

Bundeskanzler Dr. Kämet berichtete um 530 Uhr abends dem zusammengcttetenen Ministerrat über die Lage. Der Bundeskanzler stellte fest, daß seine Verhandlungen mit den Bundesangestellten zu keinem Ergebnis geführt hätten, und daß ec die Wiederaufnahme der Verhandlungen durch ihn für aussichtslos hatte, da er mit Kücksicht auf die budgetäre Lage des Bundes und die Sorge um das Gleichgewicht im Staatshaushalt weitere Zu­geständnisse nicht verantworten könne. Der Mini­sterrat nahm daraus auf Vorschlag des Bundes­kanzlers einhellig einen Antrag an, den Bundes­präsidenten zu ersuchen, die Bundesregierung ge­mäß § 74 der Verfassung vom Amte zu ent­heben.

Der unerwartete Beschluß des Ministerrats hat in politischen Kreisen außerordentliches Aufsehen erregt Angesichts der neuen Sachlage haben die Beamten für morgen den Zentralaktionsausschuß zu einer Beratung einberufen. Ls heißt, daß das Ultimatum der Beamtenschaft biß Montag verlängert wird, und daß der Streik erst Montag abend in Kraft treten würde, falls nicht vorher noch eine Einigung erzielt werden sollte. Der Jlafionalrat wird für Dienstag einbe­rufen werden, um die Demission der Regierung zur Kenntnis zu nehmen. 3n politischen Kreisen rechnet man mit einem Kabinett Seipel.

Rücktritt Asquiths.

Der Führer der englischen Liberalen, Lord Asquithanb o x f o r d hat den Vorsitz nieder­gelegt. Damit erleidet die Liberale Partei einen unersetzlichen Verlust, der um io stärker ins Ge­wicht fällt, als er es war, der die innerlich immer mehr zerbrechende Partei trotz der heftigen Minier- arbeit seines Gegners, Lord George, zusarn» menzuhalten verstand. Er will zwar aus dem politischen Getriebe noch nicht ganz ausscheiden, doch wird man in Zukunft von ihm, der bereits 75 Jahre alt ist, nicht mehr allzuviel hören werden. Asquith gehört unzweifelhaft zu den erfolgreichsten und tüch­tigsten Parlamentariern Englands. Wenn er sich jetzt überraschend entschlossen hat, seine Führerrolle in der Liberalen Partei aufzugeben, so dürfte das auf seine persönliche Einstellung zum Staat zurückzuführen sein, den er stets vor d i e Partei stellte. Während Lord George den Berg­arbeiterkampf benutzte, um gegen die Regie­rung mobil zu machen, hat sich Asquith entschieden hinter das Kabinett gestellt und Hessin Politik verteidigt. Auch schon früher machte sich sein entschiedenes Eintreten für den Staat wiederholt be= merfba-, so während des Burenkrieges, für dessen tsetzung bis zum Sieg er trotz der Mehr­heit seiner Partei, die gegen ihn war, eintrat. Auch den U l ft e r a u f ft a n o, der unter feiner Minister- Präsidentschaft ausbrach, ließ er ohne Rücksicht auf die Stimmung im liberalen Lager Niederschlagen. Aehnlich verhielt er sich während des Weltkrie­ges, dem er innerlich abhold war, weil er ihn mit Englands Interessen für unvereinbar hielt. Infolge­dessen mußte er auch wegen seiner zu schwachen Kriegspolitik zurücktreten. Wahrscheinlich wird jetzt Lord George die Führung in der Partei über­nehmen, der die Mehrheit der Unterhausfraktion hinter sich hat. Mit ziemlicher Sicherheit darf aber wohl angenommen werden, daß bann die Liberale Partei noch mehr an Ansehen und Bedeutung ein- büßen wird, zumal sich zahlreiche Mitglieder des Asquith-Flügels mit dem Gedanken tragen, zuden Konservativen hinüberzuwechseln.

Lloyd Georges Pyrrhussieg.

London, 15. Okt. (WTD.) Der Rücktritt Lord Oxfords vom Vorsitz der Liberalen Partei steht naturgemäß im Mittelpunkt des öffentlichen 3nterefses.Daily Graphic" schreibt, Oxfords Rücktritt lasse nur eine Auslegung zu: Lloyd George habe gewonnen, aber es sei ein Pyrrhussieg gewesen. Das Blatt erwartet, daß die Zersetzung der Liberalen Par­tei noch weiter gehen werde und daß viele ihrer Mitglieder zur konservativen Partei übergehen werde. DieWestminster Gazette", die ebenso wie die gesamte übrige Presse die hervorragenden Eigenschaften Oxfords und feine dem Staate ge­leisteten Dienste hervorhebt, führt aus, die Libe­rale Partei fei immer noch mächtig im Lande und wenn sie vereint und klug geführt werde, könne Jkb leicht das Schicksal des Landes bei der nächsten Wahl entscheiden. Aber sie könne nicht gedeihen, wenn sie unsicher über ihre Grundlagen sei oder wenn sie zwischen zwei gesonderten Organisationen mit zwei gesonderten Fonds geteilt sei.Daily Rews" meint, die augenblicklichen llmftänöe deuteten darauf hin, daß eine allgemeine Verschwörung stattfinden werde, um den Vorsitz der Partei un­besetzt zu lassen. Kein einziger der Kandidaten habe augenblicklich Aussichten, alle Teile der Partei für sich zu vereinigen.

Neue Ehrung Discount D'Abernons.

London, 15. Okt. Der König hat den bis­herigen Botschafter in Berlin, Viscount d'Abernon, zum Ritter des Großkreuzes des Hosenband­ordens ernannt. Der 1348 von König Eduard III. gestiftete Orden ist der älteste und höchste des König­reichs und zählt nur 26 inländische Ritter. Bekannt ist fein Wahljpruch:Honi soit, qui mal y peuse" (Schande dem, der Schlechtes dabei denkt).

Die Außenpolitik der Türkei.

Moskau, 15. Okt. (Sil.) Die letzten Be­sprechungen des russischen Botschafters in An­gora mit der türkischen Regierung über eme Umorientierung der türkischen Po­litik haben zu feinem Erfolg geführt. Die Sowjetregierung erwartet daher, daß die Türkei ihre Politik nach dem Westen orientie­ren wird und insbesondere eine Annähe­rung an England u nd Frankreich be- absichtigt. Man erwartet, daß nach dem Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund auch die Türkei sich zum Eintritt entschließen wird. Die Sowjetregierung betont, daß in diesem Falle der türkisch-rusfifche Reutralitätsvertrag feinen Sinn

verlieren würde. Trotzdem beabsichtigt die Svw- jetregierung die Zusicherung von der Türkei zu verlangen, daß sie zum mindesten 1927 und 1928 noch nicht in den Völlerbund eintreten wird.

Niederlage der Opposition in Rußland?

Moskau, 15. Okt. (Täl.) Rach dem offi­ziellen Bericht Stalins im politischen Bureau wird die Opposition vollkommen liquidiert wer­den. Trohtt und die anderen Oppositionellen werden an den Sitzungen des Zentralexekutiv­komitees der Partei, auf denen die bevorstehende Konferenz besprochen wird, nicht teilneh­men. Ein Mitglied der Opposition in Moskau erklärte, daß diese sich gezwungen sehe, der Parteimehrheit nachzugeben, um die Sowjetunion vor außenpolitischen Schwierigkeiten zu bewahren. Weitere Mitglieder der Opposition aus dem Kaukasus wurden aus der Kommunisti­schen Partei ausgeschlossen. Die Settton der russisch-kommunistischen Partei hat Stalin ihr Vertrauen ausgesprochen. DiePrawda", das Zentralorgan der Partei, schreibt: Die voll­ständige 'Riederlage der Opposition bei dem letzten Austreten verlangt eine klare Antwort, ob sich die Opposition nunmehr, nach­dem sie sich von der Einmütigkeit der gesamten Partei überzeugte, bedingungslos den Be­schlüssen der Parteitage unterord­nen oder die letzten Reste ihres Einflusses ein» büßen will. Die Partei fordert, daß die Oppo­sition endgültig auf ihre Fraktionstätigkeit ver­zichtet und sich als geschlossene Fraktion auf« l 5 ft. Sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden, wird die Partei gezwungen fein, Weiter- Schritte gegen die Opposition zu unternehmen. D,e Partei verlangt ferner Garantien, daß die Opposition jeden weiteren Versuch, eine neue Diskussion zu erzwingen, auf gibt und ihre Verletzungen der Parteidisziplin unterläßt.

Der verband für kulturelle Zusammenarbeit.

Eine Erkürung des Prinzen Rohan.

Wien, 15. Okt. Der Gründer des Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit, Prinz Karl Anton Rohan, empfing aus Anlaß der 3. Ge­neralversammlung dieses Bundes, Vertreter der Presse. Rohan erklärte, der Kulturbund sei aufge­baut auf drei Grundsätzen: Gemeinschaft, Qualität, Ration. Die Gemeinschaft der gei­stigen Elite in Europa könne allein die Atmosphäre für die notwendige Verständigung der Länder bil­den. Der Bund, der jenseits aller politischen Willens- bildung stehe, bejahe dabei durchaus die nationalen Eigenarten und lei ein Feind jeder inter­nationalen Gleichmacherei. Daher nannte er auch seine Einstellung von vornherein als ü b e r-, nicht international. Er betrachte als die wichtigste Aufgabe, die normalen Bedingungen des geistigen Zufammenarbeitens zwischen den Völkern wieder herzustellen und fei in diesem Sinne bestrebt, mit den Organisationen, die die gleichen Ziele verfolgen, zusammen zu wirken. Zu dem bevorstehenden Kon­greß haben sich zahlreiche Teilnehmer aus zehn Ländern, darunter mehrere aus Deutschland, ange­meldet. Von letzteren wird am Montag bei dem großen Empfang in der Hofburg Prof. Weber- Heidelberg über den deutschen Geist in Europa spre­chen. Ar' der Tagesordnung steht u. a. die Auf­nahme der deutschen und anderer Ländergruppen In den Verband.

Oeffnung

der französischen Archive.

Paris, 16. Okt. (Wolff.) Der französische Histo­riker Professor A u l a r b erklärte, bie Oeffnung ber französischen Archive fei nur noch eine Frage von Monaten. Brianb habe vor einem Jahre bie Erschließung ber Archive formell ver­sprochen. Diese Zusage werbe nunmehr eingelöst werben, falls bie Regierung bie hierfür notwenbigen Kredite bewilligt erhält.

Sarraut Führer der Radikalen Partei.

Bordeaux, 15. Okt. (Havas.) Eine Delegation der radikalen Partei ist nochmals bei H e r r i o t vorstellig geworden, um Herriot zu veranlassen, den Vorsitz beizubehalten. Herriot erklärte, sein Entschluß zurückzutreten, sei endgültig. Die De­legation hat darauf erklärt, daß sie nunmehr Mau­rice Sarraut den Vorsitz anbieten werde. Herriot erklärte, daß er diesen Entschluß billige und Sar­raut selbst ersuchen werde, den Vorsitz anzunehmen. Sarraut hat bie Kanbibatur angenommen.

Das Kabinett Bethlen bestätigt.

Budapest, 15. Okt. (WTV.) Der un­garische Reichsverweser hat die De­mission des Kabinetts Bethlen nicht ange­nommen, das Kabinett seines vollständigen Vertrauens versichert unh die vakanten Minister­posten folgendermaßen beseht: Aeußeres Walle, bisheriger Handelsminister; 3nneres Seilovszkh, bisheriger Präsident der Nationalversammlung: Handelsminister Prof. Hermann, Abgeordneter.

Aus aller Wett.

verschwinden

eines amerikanischen Großindustriellen.

Auf dem Dampfer .,M aj e st i c", der Frei­tag, von Reuyork kommend, in Cherbourg einlief, ist während der Lleberfahrt der ameri­kanische Millionär Davis, einer der bekann­testen Persönlichkeiten der amerikanischen Zement­industrie, verschwunden. Es steht nHch nicht fest, ob es sich um einen plnglücksfall oder um Selbstmord handelt.

Rieseneinbruchsdiebstahl.

3n der Biarritzer Billa des belgischen Finanzmannes Löwenstein, der durch seine Dollarmillionenangebote an die belgische Re­gierung in letzter Zeit Aufsehen erregt hatte, ist eingebrochen worden. Es sollen Kostbarkeiten im Werte von 12 bis 15 Millionen Franken entwendet worden sein.

Wettervoraussage.

Bei mäßiger Luftbewegung wolkig mit zeit­weiser schwacher Aufheiterung, noch vereinzelte Riederschläge, kühl.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17, Minimum 11,5 Grad Celsius. Riederschläge: 3,1 Millimeter. Heutige Morgentemperaturen: 1 11,8 Grab Celsius.

Am der Provinzialhauptftadt.

Gießen, den 16. Oktober 1926. }

Förderung

der Giehener Studentenhilfe.

Bon der Gießener Studentenhilf« wird uns mitgeteilt:

Aus Anlaß ihres fünfjährigen Bestehens ist der Gießener Studentenhilfe folgendes Schreiben der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studenten­schaft in Dresden zugegangen:

Die Gießener Studeptenhilfe feierte in diesem 3ahre ihr fünfjähriges Bestehen unter lebhafter Anteilnahme der akademischen Bürger und weitester Dolkskreise des Hessenlandes.

3n selbstloser Aufopferung und Hingabe an das gemeinsame Werk haben Leiter und Mitarbeiter der Studentenhilfe in den zurück­liegenden 3ahren schwere, aber auch erfolg­reiche Arbeit geleistet. Aus gemeinsamer Ini­tiative der Studentenschast, Dozentenschaft und zahlreicher Altakademiker ist ein Werk ent­standen, das, getragen von dem Selbsthilfe­willen der 3ugend und der Hilfsbereitschaft weitester Dollskreife, den Studierenden der Hessischen Landesuniversität, insbesondere den bebürftigen, eine sichere Lebensgrundlage bietet. Was durch die Studentenspeisung, das Wohn- heim und die vielen anderen Einrichtungen für Oie Studentenschaft getan worden ist, kann die heutige Generation nur unvollkommen wür- ptgen; denn sie ist gewöhnt, dieses jetzt ge­sicherte Werk als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Deshalb muh gerade jetzt immer wieder daran erinnert werden, daß nur durch Dienst- und Tatbereitschaft einiger weniger die Gießener Studentenhilfe entstanden ist und daß die ersten Fundamente fast aus dem Nickis ge­schaffen wurden. Wenn die Gießener Studen­tenschaft heute die Frücht« dieser Arbeit einer durch den Krieg hart gewordenen früheren Studentengeneration genießt, so kann sie dies nur tun in der inneren Bereitschaft, sich selbst einzusetzen für die Erhaltung und die weitere Entwicklung dieses gemeinsamen Werkes. Einer Studentenschaft, die diese Pflicht auf sich nimmt, werden dann der Staat und alle Be- volkerungskreise gern jede Förderung und Hilfe zuteil werden lassen.

Daß die Gießener Studentenhilfe auch in den kommenden 3ahren diese lebendige aktive Mitarbeit der Studentenschaft und die Unter* stützung aller Bürger des Landes in reichstem 2Naße finden möge, ist unser herzlicher Wunsch. Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft.

Tillmanns. Merkel."

3m Anschluß daran sei mitgeteilt, daß die Vorbereitungen für den geplanten Reub au eines Studentenhauses in letzter Zeit erhebllche Fortschritte gemacht haben. Durch eine Spende der Kommunal - und Landes­bank war es möglich, ein für den Neubau erforderliches Grundstück zu erwerben. Beson­ders freudig begrüßt wurde auch eine Spende der Schweizerisch-Deutschen Hilfskom­mission in Bern in Höhe von 5000 Franken, die auf Veranlassung des Herrn Staats­präsidenten Ulrich durch Vermittlung des deut­schen Gesandten in Bern, Herrn Dr. Müller, für den Studentenhausneubau bei der Gießener Studentenhilfe einging. Auch von Seiten der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft ist eine umfangreiche finanzielle Unterstützung des Baues in sichere Aussicht ge­stellt. Erwähnt fei schließlich noch, daß der Gie­ßener Studentenhilfe durch die Firma Opel in Rüsselsheim ein Lastauto geschenkt wurde, das insbesondere für die häufig not­wendigen Aeberlandfahrlen gute Dienste leisten wird.

Völkerkundliche Ausstellung der Basier Mission.

Weit über zehn 3ahre sind es her, daß einmal eine derartige Ausstellung in Giehen war und damals hier großen Anklang fand. Dazwischen liegt der Krieg mit all feinen Folgen, ilnjere Be­ziehungen %u_ fremden Ländern und Völkern find dadurch gestört oder gar unterbrochen worden. Haben solche Beziehungen überhaupt einen Wert? Haben wir Deutschen die Fähigkeit, Kulturgüter an andere Völker mitzuteilen? Sind wir im Besitze einer höheren Sittlichkeit, die uns das Recht gibt, erzieherisch auf andere Völker ernzu- wirken? Steht unsere Religion auf solcher Höhe, die uns das Recht gibt, missionarisch auf Völker anderer Religion einzuwlrken? Lauter Fragen, die des Rachdenkens wert sind, und im Laufe der letzten 3ahre sehr verschieden beantwortet wurden. 3m Diktat von Versailles wurden wir als zu höherer Kulturarbeit unfähig und zur Missionsarbeit unwürdig hingestellt. Unsere Kolo­nien wurden von den Siegerstaaten aufgeteill. aber das Feigenblatt der Mandate, kraft deren man sich dieselben übertrug, vermag die Blöße des tatsächlichen Raubes derselben nur sehr un­genügend zu verdecken, so sehr man diesen auch sonst noch mit überaus human oder gar christlich klingenden Phrasen zu beschönigen versucht. Die Eingeborenen unserer Schutzgebiete merkten gar bald den Llntersch'.ed zwischen der deutschen Ver­waltung und der ihrerBefreier". Man mag manches gegen die deutsche Kolonisationsarbett zu sagen vermögen, es mögen Fehler, Mißgriffe, Uebereilungen, Härten vorgekommen sein, den einen Ruhm wird man ihr lassen müssen, daß keine der anderen Kolonialmächte so selbstlos ge­wesen ist wie die deutsche.

Koloniale Kulturarbeit von Staats wegen ist uns leider heute nicht möglich. Ganz ausgeschaltet sind wir aber trotzdem nicht. 3n der überaus beachtenswerten Tatsache, daß die deutschen Missionen hauptsächlich auf das Drängen der Eingeborenen hin wieder auf alle ihre Arbeits­gebiete zurückgerufen werden, erkennen wir eine göttliche Fügung, die es uns ermöglicht, der Welt zu beweisen, daß wir nicht nur ein Volk von Hunnen" undBarbaren" sind, und daß wir nicht nur aus eigennützigen, gewinnsüchtigen Beweggründen mit fremden Völkern in Beziehung treten, sondern daß auch in uns Deutschen noch hohe 3deale leben und auch wir heute noch zum Fortschritt und zur Höherentwicklung der Mensch­heit einen namhaften Beitrag zu liefern haben. Trotzdem von den 290 Millionen Goldmark, die für evangelische Missionen jährlich aufgebracht werden, nur 16 Millionen Goldmark aus allen kontinentalen Mifsionsländern zusammen beige­steuert werden, wird gerade der Beitrag der Deutschen an kulturellen Werten auch von den Anglo-Amerikanern sehr hoch eingeschäht, was sich