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Nachdruck verboten.

23. Fortsetzung.

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Erst am andern Tag kam es Ilse richtig zum Bewußtsein, daß es wirklich bald Abschied heißen sollte. Waren erst acht Monate vergangen, seit sie Olas in Kiel getroffen hatte. Und wann sah sie ihn wieder? Ganz gewiß, das würde weh tun, wenn er ging. Recht weh. Konnte noch ein anderer so lachen wie er? Konnte ein anderer so tanzen, jeden Ton der Musik genießend und sich ihm anpassend, daß der ganze Tanz eine Bewegung gewordene Musik war? Konnte ein anderer so innig sagen: Süße Ilse! Allerliebste süße Ilse! Und wenn er auch wie jeder von jen­seits der Königsau sagte: Szüße Ilse, was tat das? Es war gerade so nett, daß sein Wortklang eigene Art hatte.

Sie dachte an seine Eltern. Waren es wirklich die politischen Verwicklungen, die sie den Sohn zurückrufen ließen? Dachten sic nicht vielmehr an Herzensverwicklungen, die zur jetzigen Zeit unwill-

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Sturm in Schmaledeck

Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. 5)., Berlin.

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Turnen. Die sehr regem Eifer für bit i. Sept Bei bem am i Gewitter rich- roßen Schaden 'cs unb bas Aach abgebetfi. An oer- :m starke Ache ab. selbe \tonb wurde chleudert. Am übel- Mucker- unb Spiel- iefe gelegentlich bes ahe aufgestellt hatte, chofe in die höhe gr- all vollständig zer. in Teil der einlaffier-

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Das Abendessen ist fertig, Großmutter. Wollen die Herrschaften so freundlich sein?"

Dreimal mußte sie die Einladung wiederholen, ehe die erregten Gemüter sich so weit besänftigt hatten, ihren Ruf zu verstehen unb ihm zu folgen. Doch kaum saß man an der Tafel, und Pastor Rottmann die weiße Serviette im Knopfloch be» festigt zerlegte den Kalbsbraten, da begann das Etimmengeschwirr von neuem.Wer war der in­fame Briefschreiber? Und was in aller Welt be­zweckte er mit seinen Briesen?"

Es gab keinen Menschen in ganz Schmaledeck, der die Feder führen konnte, den man nicht unter die Lupe nahm. Immer fanden sich Ankläger, immer fanden sich Verteidiger. Einer nach deM andern wurde freigesprochen, und die guten Dinge, die Frau Luise unb ihre Mile mit so viel Butter und Zucker unb Eifer hergerichtet hatten, fanden lange nicht den genügenden Beifall. Bis der Apfelkuchen kam und der goldene Niersteiner, den Doktor Rottmann seinem Vater zum Geburtstag verehrt hatte. Da end­lich glätteten alle alten Damen unb Herren bas ge­sträubte Gefieder, Herr von Krog erhob sich unb ließ die verehrten Wirte leben, und als eben in dem Augenblick allgemeinen Gläserklingens Thomas Raben in das Zimmer trat, hatte er den Eindruck vollendetster Harmonie und Lebensfreude. Schmale- beck war doch eine zu nette kleine Stadt.

Was war das mit Ilse, daß sie plötzlich ganz froh war? Hatte sie sich nicht so vergnügt mit Olaf Hammersmid unterhalten? Hatte sie es nicht uer» standen, Georg Grützmann so an Riekchen heranzu­leiten, daß die beiden ganz in ein Gespräch über den Neubau des Altenleutestifts versunken waren? Hatte sie nicht im stillen sich amüsiert, wie die alten Herrschaften aufgingen in der Sensatton ihres Still­lebens? War doch noch irgendwo ein leerer Platz in ihren Gedanken gewesen? Und der war ausgefüllt, als der dunkle Hamburger sich neben sie setzte? Sie sah ihm interessiert in die Augen, in diese Augen, von denen Hanse sagte, sie könnten noch den roten Fuyken aufzüngelnder Hitze zeigen.

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Sie suchte noch dem Funken. Aber Rabens Augen waren ganz ruhig und nichts in ihnen zu lesen als die höfliche Liebenswürdigkeit, die sie immer zeigten.

Da wandte sie sich enttäuscht ad und ihrem Tisch- Herrn zu und sagte:Was ist es denn eigentlich, was Sie mir anvertrauen wollen, Herr von Hammer- srnid?"

Der senkte die Stimme.Mein Vater hat gc- schrieben, ich soll schon jetzt zuriickkommen. Man fürchtet die politischen Verwickelungen."

Stehen die so dicht vor der Tür?"

Es scheint so. Auch hat er selber eine schwere Grippe überstanden und will mich dort auf dem Gut wißen."

Wann wollen Sie fahren?"

3n zwei Wochen wird es sein müssen. Wir müssen uns noch oft sehen, sehr oft in diesen letzten Wochen, Fröken Rottmann."

Zwei Wochen sind noch eine lange Zeit, unb nachher Jütland ist nicht aus der Welt." Aber es tat doch weh, dieser Gedanke an die Trennung. Man war so seelenoergnügt gewesen in den schönen hellen Sommerlagen.

Thomas Raben, der nur wenige Worte des leisen Gesprächs aufgefangen hatte, verhielt sich ganz passiv. Wenn man weiß, da ist schon ein anderer, zieht man sich zurück von der Tür des Feftsaales. Eh' etwas auflebt, das unbequem werden könnte.

kommen waren? Etwas trotzte auf in ihr. Ob. wenn man sie nicht wollte, wenn sie den Herrschaften nicht gut genug war, wenn ihre oürgerliche Herkunft oder ihr Deutschtum da im Wege waren aufdrängen taten sich die Rottmanns im Leben nicht.

Waren das nasse, stürmische läge. Alle Gaffen patschten von Schmutz, alle Regenrinnen läuteten, bis man verdreht wurde von ihrer monotonen Mu­sik, sobald eine Tür geöffnet wurde, zog es naßkalt in die Stuben nichts Helles, nichts Munteres war da, die verstimmten Menschen ein bißchen auf- zumuntern.

In vierzehn Tagen kam Weihnachten. Abends faßen die Schmalebecker Mütter und Schwestern unb nähten unb stickte«, unb Mamsell Niebuhr mußte ganze Ballen von Stramin, Wolle unb Seide aus Homburg kommen lassen. Madam Eggers nähte die ganzen Tage, sie hatte alle Hände voll Arbeit, sogar Puppen mußte sie anziehen, und abends brannte ihr Talalicht oft bis Mitternacht. Wenn es auch keinen Zweck mehr hott--, wenn ihr Fiete auch nie ein studierter Mann werden würde sie schuftete doch für ihn. Konnte er nicht gelehrt werden, sollte er reich werden. Kleines Vieh gibt auch Mist, und ihre Dreier und Schillinge, einer auf den andern ge­legt und in die Sparkasse getragen, sollten schon einen Grundstock bilden für seine bessere Zukunft.

Immer magerer wurde sie, immer spitzer die Nase, immer schärfer ber Blick, unb an manchem Morgen hatte sie verweinte Augen. Waren es auch nur wenige Tränen, die ihr von bitteren Gedanken aiisgepreßt wurden sie brannten um so schärfer.

Und bann, als sie eines Abenbs wieber saß unb stichelte und Fiete in der Kammer nebenan schnarchte, fiel ihr auf, daß die Rinnen nicht mehr läuteten. Der Regen mußte aufgehört haben. Sie warf das Tuch über und sah aus der Haustür. Es war klar geworden unb bitter kalt. Am nächsten Morgen würbe Reif liegen.

Der Reif war da am anbern Tag unb hatte blauen Himmel mitgebracht unb Ostwind und rote Nasen und frostblaue Fäuste. Die teilte er freigebig aus.

Aber die Schmalebecker Jugend nahm sein Ge­schenk bereitwillig an, denn alle Rinnsteine waren zugefroren, unb an den Pumpen ließen sich herrliche Glitschen Herstellen. Daß die dummen Deems, die mit den Wassereimern kamen, immer gleich Asche mitbrachten und die drüber stäubten, war nieder-

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trächtig, aber man konnte die Asche abfegen unb. abends Irisch begossen, war die Eisbahn am Morgen wieder spiegelblank. Alte Leute konnten sich Arme unb Deine daraus brechen.

Es war aber kein alter, sondern ein junger Mann, der dort sehr übel zu Fall kam, weil sein Pferd ausglitt unb ihn aus bem Sattel warf, unb wenn man neunzig Kilo wiegt wie Georg Grütz­mann, i[t solcher Fall auf gefrorenem Boden keine leichte Sache.

Frau Helene Jessen jedoch segnete diesen Fall, denn er war gerade vor ihrem Hause geschehen, unb sie hatte am Fenster gesessen, als bas Unglück ein- trat, war hochgeflogen, hatte sich gar nicht Zeit ge­nommen, auf ihre erschrockenen Nerven zu achten, sonbern war brauhen vor ber Tür und neben Georg, ehe ber noch recht wußte, wie ihm eigentlich ge­schehen. So recht besann er sich erst, als er drinnen in Pastor Jessens Arbeitsstube auf dem Kanapee lag und Frau Pastorin ihm mit Wein unb kölnischem Wasser unb allerlei lebhaften trostreichen Worten unter bie Augen ging. Der Kopf brummte gewaltig, unb ber eine Fuß war dick geschwollen, er wußte selber nicht, wie er damit hatte in das Haus hum­peln können, und im ganzen war ihm recht schlecht.

So ließ er sich die Pflege der frcunblirf) aufge­regten Frau ganz gern gefallen, wünschte nur, sie mochte dabei ein bißchen weniger reden, lag zwei Stunden und ruhte sich, und war sehr nett gegen Riekchen, die ihm einen Teller Suppe um die Mit­tagszeit an fein Lager trug.

Gegen Abend kam sein Onkel Nilius, von Jessens benachrichtigt, mit dem Wagen und holte ihn ab. Dann wurden zwei Tage später herrliche Blumen aus den Niliusschen Gewächshäusern abgegeben und ein Korb mit ausgesucht schönem Obst, und acht Tage vor Weihnachten kam Georg selber und machte einen Dankbesuch. Riekchen war nicht zu Hause, das war der Mutter ganz recht. Nun konnte sie ihre Minen logen, und sie legte sie so vorsichtig, aber so gründ­lich, daß der dicke Jüngling, als er heimfuhr, sich ver­pflichtet hatte, bei der Armenbescherung am Tage vor Weihnachten nicht nur bie iiblick)en Gaben zu senden, sondern selber beim Aufbau in der Post zu helfen.Denn ich bin immer so erschöpft, wenn all die Vorbereitungen zum Fest geschehen sind, und Riekchen, das rührende Kind, mag niemand um Hilfe angehen."

(Fortsetzung folgt.)

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Markt 16

Nr. 78

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