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sondere Regime man im Rifgebiet unb bei den unterworfenen Stämmen einzuführen gedenke, er­klärt« Primo de Rivera, das sei eine Frage, die noch zu regeln sei. Es könne aber sehr wohl möglich sein, daß man die Autorität des Sul­tans wiederherstelle, und dann ein gemisch­tes Regime einführe mit einer von den Fran­zosen und Spaniern gebildeten Eingeborenen- Polizei.

In der Pariser Presse bezweifelt man, daß 2lbd ei Krim sich mit seiner Entfernung aus dem Rifgcbiet abflndcn wird, ob­wohl die französische Regierung bereit ist, ihm eine Residenz mit hohem Äahresgehalt in Frank­reich anzuweisen. Die allgemeine Nervosität wird noch verstärkt durch den Eindruck, daß zwischen Madrid und Paris weitgehende Meinungsverschiedenheiten bestehen.

Obstruktionskämpje im britischen Unterhaus.

London, 15. April. (WTB.) Reuter. Bei den die ganze Rächt durch dauernden Kom- missivnsberatungen über die Sparsamkeits­vorlage der Regierung trat um 6 Uhr mor­gens eine ganz außerordentliche Lage durch eine ganz neue Obstruktionsmethode von Mitgliedern der Arbeiterpartei ein. Bel der Abstimmung über einen Bertcagsantrag der Arbe.terpartei blieben 13 Mitglieder der Ar­beiterpartei In der Halle vor der Abstim­mung s t ü r über eine halbe Stunde zurück und hielten durch S;>ähe und Gesang die ganze Sitzung auf. Der Sprecher des Unterhauses wurde aus dem Bette geholl und nach Verlauf einer- weiteren halben Stunde uirter ähnlicher Obstruk­tion wurden die 13 Mitglieder der Arbeiterpartei mit 163 gegen 76 Stimmen von der Sitzung ausgeschlossen. Am Abend kam es aber­mals zu lärmenden Austritten. Der Lärm begann, als der Sprecher der Regierung gestattete, einen Antrag auf Schluß der Debatte bei einem Abänderungsantrag der Mitglieder der Arbeiter­partei zu stellen. Die Mitglieder der Arbeiter-- Partei widersprachen lärmend. Der Antrag wurde jedoch angenommen. Der frühere Kolonial- Minister Thomas teilte hierauf mit, er werde einen Mißbi ll igungsantrag gegen den Sprecher einbringen, der sich der Parteilich­keit schuldig gemacht habe.

Hessischer Landtag.

Darmstadt. 15. April. Präsideirt Ade­lung eröffnet die Sitzung um 9V3 älhr.

2lbg Stork (Soz.) richtet ein« Kleine An­frage an die Rezirrung. ob es zutreffe, daß am 13. März bei Anwesenheit des Kapitänleutnants Ehrhardt in Darmstadt zwei Schupobeamte im Stahlhelm Posten gestanden haben. Ferner wird angesragt, ob es der Regierung bekannt sei, daß Echutzpolizeibeamte Mttglied des .Stahl­helms" feien.

Der Minister des Innern von Brentano gibt dies« Tatsache zu: die Stahlhelme wären Eigentum der Schutzpolizei. Der Regierung wäre es nicht bekannt, daß Schupobeamte Mitglieder des .Stahlhelms" wären: es sei das mit ihren Pflichten nicht vereinbar.

Die Beratungen deS Staats Voranschlags für 1926 werden dann bei

Kapitel 32 (Gendarmerie. 33 (Polizei) und 47 (Schutzpolizei)

wieder ausgenommen.

Abg. D i n g e l d « v (D. Bp.) bedauert «S, daß es dem Landtag nicht gelungen ist, die De- soldungsverhältniss« der Polizeibeamten so zu regeln, daß sie den Wünschen und Ansprüchen der Polizei entsprechen. Die Polizeibeamten hät­ten jetzt eingesehen, daß die Beschlüsse des Land- tages ihnen nichts bieten, daß sie keinen prak­tischen Erfolg haben. Gegen die Zahlung des Kleidergeldes besteht heute kein gesetz­liches Hindernis mehr. Man soll doch endlich die 120 Mk. restlos allen Beamten auszahlen, damit die Unzufriedenheit unter ihnen aufhört. Endlich sei es auch an der Zeit, daß die Straf­anteile, die einem Teil der älteren Beamten als wohlerworbenes Recht zustehen, ausgezahlt werden. Es sind nur noch wenige Beamte, die diese Gelder erhalten. Das Ministerium des Innern ist dafür, aber das Finanzministerium widersetzt sich. Es darf nicht sein, daß hier im Hause weitgehende Anträge vorgelegt werden ohne vorherige sachliche Beratung im A u S- u h. Es geht auch nicht an, daß über die Streichung von 300 000 Mk. beschlossen wird, ohne daß eine Ausschußberatung vorausgeht und eine Regierungsantwort vorliegt. Die Beschlüsse liegen nicht nur auf politischem, sondern auch aus sachlichem Gebiet, so daß über die Vereinheitlichung der Polizei kein abschließendes Votum abgegeben werden kann, denn die Dinge sind noch nicht reis dazu. Solange die Forderun­gen der Entente nicht feststehen, werden alle Versuche, die Organisation der Polizei zu ver­einfachen, vergeblich fein. Ob die Umgestaltung nach badischem Vorbild eine Ersparnis bringt, muh sich erst noch ergeben. Die Regierung sollte dem Landtag Zahlenmaterial über die badischen Verhältnisse vorlegen, damit nachgeprüft werden kann, ob in Hessen noch Ersparnisse erziett wer­den können. Die Regierung hat keine Ziffern gegeben: es liegt darin das Zugeständnis, daß die Angaben des Abg. Leuschner nicht zutreffend

. 0- Leuschner hat davon gesprochen, daß Ersparnisse bei der Schutzpolizei vorgenom­men werden können, namentlich bei den Bereit­schaften und Offizierstellen. Es ist aber durchaus irrig, von der Schutzpolizei dieselben Aufgaben zu verlangen, wie Straßendienst usw., die die Blaue Polizei versehen soll. Die Schutzpolizei hat andere Aufgaben: sie soll die Ordnung wiederherstellen in Fällen der Rot: sie soll 6ei Straßenkämpfen und Unruhen eingesetzt werden. Sie muß dafür geschult sein: bedenklich ist daher, daß die Polizeischule eine allgemeine poli- zeckiche Ausbildung geben soll, aber nicht für die besondere Aufgabe der Schutzpolizei schult. Oberst Fendel-Sartorius habe mit seinem Wirken die Anerkennung auch politisch anders Gesinnter ge­funden, namentlich auch des preußischen Innen» Ministers. Maßnahmen bei der Schutzpolizei soll- ten nicht ohne Rücksprache mit den leitenden Stellen durchgeführt werden, denn sonst leidet das Vertrauensverhältnis. Cs sollen 300 000 Mark gespart werden aber es wird nicht gesagt, bei welchen Posten? Wenn man es mit dem Antrag ^r Koalitionspartelen ernst mmmt, sollte die Regierung, die nicht damit einverstanden ist. es auch ernst mit der Abwehr des Antrages neh- men. Auffällig ist die Liebe, mit der sich jetzt die sozialdemokratische Fraktion der Schutzpolizei an­

nimmt. Die Sozialdemokratie hat aber in dem Maße den Etat der Schutzpolizei zu beschneiden versucht, als die nichtgewerkschaftliche Organi­sation der Polizeibeamten zugenommen hat.

Es sprechen in der wetteren Debatte noch die Abgeordneten Reiber (Dem.), H e i n st a d t (Zentr.) und Leuschner (Eoz.), die die An­träge der KoalttionSparteien verteidigen, und Angermaier (Komm.), der die Regierung angreift.

Minister von Brentano gibt eine Erklä­rung ab, die sich zum Tett mtt seinen gestrigen Ausführungen deckt. Insbesondere, daß es sich bei den jetzigen Beschlüssen noch nicht um die älmorganisaiion der Polizei handelt, sondern diese erst künftig durchgeführt wird. Der Landtag werde Gelegenheit zur Insormation vor den Be­schlüssen haben. Die 'Befürchtung des Abgeord­neten Dingeldey, daß die Schlagfertigkeit der Po­lizei leide, wäre unbegründet. Der Redner be­zieht sich dann auf seine gestrigen Aeuherungen über die Polizeischule. Die Berufung von Oberst Fendel-Sartorius nach Preußen fei auf dessen Wunsch erfolgt. In seinen weiteren Ausführun­gen bemerkt der Redner, daß er nichts gegen die Auszahlung der Strofanteile habe: hoffentlich werde das bald möglich sein.

Es folgen zahlreiche Abstimmungen. Der Etat der Gendarmerie wird mit 1 390 000 Mark in Ausgabe genehmigt. (Die Direktion und 25 Stellen werden gestrichen.) Der Polizeietat wird mtt 4 331 000 Mark in Ausgabe und 872 000 Mark in Einnahme genehmigt. Der Etat der Schutzpolizei wird ebenfalls bewilligt, und zwar mtt 3 882 950 Mark in Einnahme und 4 945 938 Mark in Ausgabe. Damit ist die Streichung von 300 000 Mark sachlichen Ausga­ben angeno mm e n, ebenso die übrigen An­träge der Koalition: die Anträge der Oppofi- tionspartLien werden abgelehnt.

In der toelteren Beratung werden die übri­gen^ Kapitel, die zum Ministerium des Innern gehören, gemäß den Ausschußanttägen erledigt.

Die Beratungen wenden sich jetzt der 7. Hauptabteilung des Staatsheu Spaltes zu:

Ministerium für Arbeit und Wirtschaft (Kapitel 75 bis 99).

In der allgemeinen Aulspcarye macht Abg. Dr. Müller (Dbd.) längere Ausführungen über die schwierige Lage oer deutschen Volkswirtschaft, namentlich der Landwirtschaft. Er behan­delt ila. das Problem der Llrbeitslosig- leit: auf der einen Seite wurden Arbeitslose unterstützt und auf der anderen Sitte muhten rund 200 000 landwirtschaftliche Arbeiter aus dem Aus­land zugelassen werden. Der Redner weist aus die Schwierigkeiten hin, die sich daraus ergeben, daß die deutsche Vollswirtschast mehr verzehrt als sie erzeugt. Eingehend wird auf die Frage der Kredite für die Landwirtschaft eingegan­gen: weiter werden Themen behandelt wie Zoll­schutz, wobei auf die schädliche Einfuhr von ameri­kanischem Obst und von Frühkartoffeln hinge­wiesen wird. Es wird ein stärkerer Roggenver­brauch gefordert und die Frage nach der extensi­ven oder intensiven Wirtschaft erörtert und auf die Gefahren hingewiesen, die eine Wkehr von der intensiven Wirtschaft Hervorrufen wird.

2lbg. Deh linger (Bbd.) spricht über die Riedentwässerung und fordert u. a. eine gründ­liche Ausbaggerung des Schwarzbachs. Der Red­ner zählt die bisherigen Leistungen des Ent­wässerungsverfahrens auf und umschreibt die Aufgaben, die noch durchzuführen sind.

Abg. Weber (Soz.) spricht in mehr als einstündiger Red« über Arbeitslosigkeit, Handels- Verträge, Lebensmittelpreise, sozialpolitische For- derungen usw.

Schluß der Beratungen V/t Uhr, nächste Sitzung Freitag 9 Uhr.

Die deutschnationale Landtagsfrattion hat zu Kap. 108 folgenden Antrag eingebracht:Wir beantragen, einen Beschluß des Landtags, der die Regierung ersucht, bei der Reichsleitung den Ausbau der Lahnkanalisation bis Gießen, namentlich auch aus Gründen der sog. Produktiven Erwerbslosen­fürsorge dringlich zu vertreten."

Vie Spaltung in -er sächsischen Sozialdemokratie.

Sterben, 15. April. (Wolff.) Zu Beginn der heutigen Vollsitzung des sächsischen Land- tags verlas der Präsident eine Erklärung der Linkssozialiften, nach der die 18 Linksfozia- listen. unter ihnen auch der frühere Minister Fellisch, besondere Sitze und Frak­tion szimmer beanspruchen. Der Landtags­präsident erklärte, daß diesem Wunsch entsprochen werden würde. Darauf verlas Abg. Wirth eine Klärung der 2 3 Rechtssozialisten. in der hemt: Die sächsische Parteileitung liege nicht mehr wie früher in den Händen gereifter und erfahrener Parteiführer. Sie habe in der letzten Zeit Torheiten anTorheiten ge- reiht und schließlich die sozialdemokratische Partei Sachsens auseinandergerissen. In der politischen Illusion befangen, die K o m m u - ni st en, die bis zum heutigen Tage nur das eine jjld kennen, über die Zerschlagung der Sozial­demokratie die Republik zu stürzen, zu posttiver Staatsmitarbeit zu erziehen, hat diese Partei­leitung die sozialdemokratische Partei Sachsens auseinandergerissen. Die Erklärung führt dann das ganze Sünbenregifter der radikalen Links- wziallsten auf und folgert daraus, das alles hat die Partei zermürbt, die Parteimoral ge- lodert nnö den Konjunkturjägern und Worthelden den Boden in der Partei bereitet, aber auch gleichzettig eine Parteiverdrossenheit unter den alten ehrlichen Kämpfern erzeugt die nur noch durch außergewöhnliche politische Vor- bannen ist. Die Fraktionsmehrheit er- 'ic bi« Politik der gegenwärtigen sächsi- Ichen Parteileitung ablehne und daß sie als alte sozialdemokratische Partei den in den letzten Jah­ren erprobten, zum Vorteil des Volkes sich aus- wirkenden Kurs positiver Staatsmitar­beit weitertreiben werde.

Gewerkschaftliche Rehabilitierung von Ebert und Weis.

Hamburg. 15. April. (Wolsf) Der geqen- wärttg hier stattfindend? Verbandstaq der deutschen Sattler und Portefeuiller hat mit 22 gegen 11 Stimmen beschlossen, die Aus­schluss« der Verbands Mitglieder Ebert und Wels als nicht geschehen zu betrachten. Wels, oer lange Zeit in führender Stellung dem Sattl-rr- verbande angehörte, wurde auf dem ersten Ver- bandstag« der Sattler nach der Revolution wegen

seiner Tättgteit als Berliner Stadtkommandant ausgeschlossen. Der später erfolgte Ausschluß Eberts wurde damit begründet, daß Ebert als Reichspräsident den Ausnahmezustand »erhängt und die Reichsexekutive gegen linkssozialistisch regierte Länder verfügt hatte.

Der Beschluß hat folgenden Wortlaut: Da im Laufe der Jahre eine wesentlich andere Auf­fassung der damaligen Verhältnisse eingetreten ist, beschließt der Derbandstag, die Ausschlüsse der Kollegen Ebert und Wels als nicht geschehen zu betrachten. Dieser Antrag fand mit 22 gegen 11 Stimmen Annahme.

Das Abfindunyskompromih.

Berlin, 15. April. (SU.) Das Reichs­kabinett tra Heu!« nachn i tag zu einer Sitzung zusammen, in der i: Frage der Fürstenabfindung eingehend etbr.ert wurde. Die Reichsminister Dr. Külz und Dr. Marx wurden vom Kabi­nett beauftragt, mit den Führern der Regie- rungsparteien in Verbindung zu treten und ihre endgültige Zustimmung zum Abfin- dungslompromißentwurf zu erwirken. Die Fichrer der Sozialdemokratie sollen später um eine Stel­lungnahme ersucht werden. An die Besprechungen mit den Frallionssührern der Degieiungskoalition sollen sich außer mit den Sozialdemokra- t e n auch Besprechungen mit den Deutsch- nationalen anschließen.

Kunst und Wissenschaft.

Der »nternat onale Studrntcn- kon^reft qesche tcrt.

Stuttgart, 15. April. (WTD.) Die Derhand- lungen der Deutschen Studentenschaft mit der Inter­nationalen Studentenoereinigung (Conf6d6ration internationale des Etudiants), die oereits in verschie­denen Fragen zu einer Einigung geführt hatten, sind heute bei der Erörterung der Sprachen- frage gescheitert. Der Antrag der Deutschen Stu­dentenschaft, daß die einzelnen Nationalverbände wenigstens gebeten werden sollen, sich der deutschen, französischen und englischen Sprache als Verhand­lungssprache zu bedienen, wurde von der Confödö- ration ab gelehnt, ebenso ein neuer Kompro- mißvorschlag, daß die Confädsration sich verpflichtet, einen derartigen Antrag eines Nationaloerbandes auf dem nächsten Kongreß in Prag zu unterstützen. Damit sah sich die Deutsche Stuoentenschaft nicht mehr in der Lage, mit der Confädsration zusammen­zuarbeiten. Infolge des ergebnislosen Abbruches der Verhandlungen erachtet die deutsche Studenten­schaft das in Warschau abgeschlossene Arbeits­abkommen als gekündigt und wird nun­mehr die Verhandlungen mit den einzelnen Natio- naloerbänben direkt aufnehmen. Die ersten Vor­verhandlungen mit den französischen Delegierten fanden noch am selben Wend statt.

Neuerwerbung

der Heidelberger Universitätsbibliothek.

Die Heidelberger Universitätsbibliothek hat mit Unterstützung des Kultus- und Finanzministeriums eine einzigartige Sammlung von arabi­schen, türkischen und persischen Hand­schriften angekauft, die alle Zweige der islami- scheu Wirtschaft behandelt. Die zum Teil mit Minia­turen versehenen Schriften sind 2700 Jahre alt

Asienforscher Merzbacher f.

Der Münchner Asienforscher Professor Dr.h.c. Gottfried Merzbacher ist tm 83 Lebensjahre ge­storben. Die deutsche Geographenwelt verliert in dem Verstorbenen einen weltbekannten Asienreisen- den der älteren Generation.

Hermann Stern f.

Der langjäh. ige Leillr Der Handelsredaklion der Frankfurter Zeitung" und Geschäftsführer der Frankfurter Societäts-Druckerei, Hermann Stern, ist beute morgen kurz vor Vollendung seines 70. Geburtstages plötzlich gestorben. Stern war ursprünglich Bankbeamter und trat im März 1884 in die Handelsredaktion derFrankfurter Zeitung" ein, in der er 42 Jahre hindurch gewirkt hat. Seit 24 Jahren war er verantwortlich für den Handelsteil des Blattes.

Aus aller Welt.

DieHorge bei Leningrad.

, ^Das Luftschiff Rorge ist Donnerstag abend 7.30 ilbr in Gatschina, 45 Kilometer süd- westuch von Leningrad, gelandet. Die Landung ging mit Hilfe von 300 Soldaten glatt vor sich. D^ die Versuch-e, eine direkte Funkverbindung mit dem Luftschiff herzustellen, vergeblich gewesen waren und die ungünstigen metereologischen Ver- haltnisie die Besorgnis steigerten, flog ein Flug- zeuggeschwader mehrere Male aus, um das Luft- schiff zu suchen. Die Verspätung wird dadurch erklärt, daß es infolge des dichten Rebels gänz- l:ch unmöglich war, irgendwelche genaue Be­obachtungen anzustellen. Den Teilnehmern der Expedition wurden Räumlichkeiten in dem ehe­maligen Zarenpalais zur Verfügung gestellt.

Ein brennendes Kohlenlager.

... 2n der Nähe der Ortschaft Lohnig bei Striegau ist em Braunkohlenlager in Brand geraten. Das Feuer hat sich unterirdisch über ein weit ausge­dehntes Moorgelände ausgebreitet. Die Lösch­arbeiten wurden als aussichtslos eingestellt.

Aufklärung des Massenmordes in Rockendorf.

Es ist gelungen, den Mordfall an derBauerw- familie Dö11ner in Rockendorf im Egrrlande, i>em jetzt vier Menschenleben zum Opfer gefallen sind, während noch zwei weitere Schiwerverletzte mit dem Tode ringen, auf» zuklären und den Mörder zu verhaften Cs ist ein 23jähr':ger tschechischer Soldat Sand- u e r, der in der Slowakei dient und sich zur Zeit des Mordes auf Ostrrurlauö in feiner Heimat befand. Sandner ist wiederholt wegen Diebstahls und verschiedenen Gewalttätigketten vorbestraft. Bei seiner Verhaftung fand man bei ihm noch einen größeren Gel' betrag.

2UU ihren vier Kindern in den Tod gegangen.

2ln Berlin-Schöneberg wurde eine 46jährige Ehefrau mit ihren vier Kindern durch Gas vergiftet tot ausgefunden. Die Familie war erst vor einiger Zeit nach Berlin gezogen: der Mann hatte in der Provinz ein Friseur- geschäft, das er aber wegen schlechten Geschäfts­ganges und wegen eines Leidens Derfaufen mußte. 2n Berlin gelang es ihm trotz alles Suchens nicht, Arbeit zu finden/ Vor einigen Tagen mußte der Mann wegen seines schlechten Ge­sundheitszustandes in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Frau, die aller Mittel ent- b l o ß t war, wußte sich jetzt keinen Rat mehr und ging aus Verzweiflung mit ihren Kindern in den Tod.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 16. Aprll 1926.

Der Wanderer.

-Ich komme vorn Gebirge her"

Wie lang die Tage sind, weih am besten nur der Wanderer. Draußen erlebt er die Sonne- sie grüßt ihn am Morgen beim HinauSziehen am Mittag lacht sie hoch über feinem Haupte am Nachmittag sieht er, wie sie ihren feurigen Dogen abwärts zieht, am Abend hinter Gewöll Knospen und Astgeflecht hagerer Wälder still' verdämmert. Sie ist die große Wanderin, die an jedem Tage auf- und abwärts steigt, jeden Tag auf ihren unsichtbaren Gipfel hinauf, von dem sie die ganze Welt überblickt, und wieder hin. unter in ihr kühles Tal.

Der Wanderer fühlt sich der Sonne nahe Sie bräunt ihm die Stirn, sie drückt seinen Schatten an jeden feiner Schritte, sie belichtet seine Landschaft und malt sie bunt und luftig aus. Das Auge des Wanderers sammelt die Sonne­wenn man hineinblickt in diese Augen, sieht man etwas von der Freiheit und Reinheit, mit der sie über blauen Seen steht und in fließenden Dellen flimmert. Wanderer und Sonne lieben einander.

Wie herrlich ist so ein Wandertag! Das Herz

9* frUd)-. Die Füße wandern wie von selbst. Der Mund öffnet sich zum LieV: 4He Stadt ver­sinkt im Staub hinter ihm: die Landstraße dunstet in Staub neben ihm. die Wiesen und Wälder ohne Staub nehmen in auf; feine Seele lüftet von Staub sich rein.

Der blühende Zweig winkt, keiner hat auf ihn geachtet, der Wanderer grüßt ihn, und die Blume am Wegrain sehnt sich nach einer Hand; sie möchte gern mit ihm fort aus ihrer Wiesen» einsamkeit. in die weite Welt hinein. Der Wan­derer kennt keine Treue: wohl kommt er wieder, wenn es ihm gefiel, aber er möchte alle Wege kennen lernen, denn immer glaubt er, daß er den Weg noch nicht gefunden hat, der in sein Land Thule führt.

Die Zeit des Wanderns geht jetzt an. Rjmm deinen Knotenstock, hänge dir den Rucksack um und nutze deine Zeit, die Sonne geht schon täg. sich auf immer längere Fahrt. Lockt sie dich nicht?

Seht hinaus in die Sonne, und ihr werdet als sonnige Menschen heimkehren. 2L W.

Philowgenlagung in Gietzen.

Die 41. ordentliche Hauptversammlung bei Hessis chen Philologen Vereins nahm gestern mit zahlreichen Fachsitzungen, in denen man sich mit den Aigelsgeaheiten der einzelnen Abteilungen beschädigte, ihren Anfang. Die Be­ratungen mochten manchem Teilnehmer wohl zu reichlich Vorkommen. Aber ti>:gen der Einführung der neuen Lehrpläne an Ostern ist diese Reich- Halligkeit notwendig gewesen. Bei einem Rück» blick auf die verschiedenen Sitzungen ist festzu- stellen, daß in allen großes Interesse zutage trat, daß rege Aussprache entstand, und viele sie mit Nutzen und befriedigt von dem Gebotenen ver­ließen. Erwähnt sei, daß eine Anzahl Fabri­kanten von physikalischen Apparaten und ein Verlag Apparate und Bücher ausgestellt haben. Besonders lehrreich und fesselnd war auch die Besichtigung derLIniversitätsbibliothek, deren Direktor Pros. Dr. <3 bei einen Ueberblirf über die Geschichte der Bibliothek gab und bann nach einer Führung durch das Gebäude einiges von den reichen Schätzen an Handschriften. 2n° kunadeln und alten Drucken vorzeig^. Der Abend vereinigte dann alle Philologen zu einem ge­selligen Zusammensein im Katholischen Vereins- Haus. Unter den Klängen der für dies« Ver­anstaltung von Kollegen gedichteten Lieder ver­ging rasch die Zeit. Sin von Prof. Dr. Trapp verfaßtes Lustspiel, eine moderne Lehrerratssihung darstellend, versetzte alles in heiterste Stimmung. Ungeteilte Bewunderung fanden die rechnerischen Künste des Dr. R ü ck l e. Dir Leitung des Ganzen lag tn den Händen des um die Tagung überaus verdienten Studienrats Freitag. Ueber die Fachsitzungen werden wir noch zusammenfassenb berichten.

Bornotizen.

Tageskalender f ü r Freitag. Stadttheater: 7.30 UhrDüwels^ (Ende 10 Uhr). Deutsche Bolkspartei: 8.15 Uhr, Universitäts-Nestau- rant (Blockstraße), LichtbilderoortragDie Lüne­burger Heide". Deutschnationaler Handlungs- gehilfen-Verband: 8.30 Uhr, Kaufmännisches Ver, einshaus, Vortrag überSteuer-, Zoll- und Wirt­schaftsfragen". Palast-Lichtspiele: Filmoorttag über den deutschen RicsendampferColumbus".

Aus dem Stadtiheaierbureau w.rd uns geschrieben: Otto Ernst ist auf örama» t.schein Gebiete durch seine SchulkomödieFlachS- mann a l s Erzieher" bekannt, ja berühmt geworden. Das Werk ist auch stets Repertoire- stück fast aller deutschen Bühnen geblieben. Der Heimgang des Dichters veranlaßte die Bühnen- leitung zu einer Reueinstudierung der bühnen­wirksamen und lustigen Komödie, und sicher wird die einmalige Aufführung des nächsten Sonn­tags ein dankbares Publikum finden.

** Die erste Getränke st euer-Klage gegen die Stadt Gießen abgewiesen. Die Brauerei Denninghoff hatte bekanntlich bei den Derwaltungsgerichten Klage gegen die Stadt ge- ührt, weil die Anforderungen an Getränkesteues ur die Monate Juli und August 1924 unzulässu eien. Der Verwaltungsgerichtshof in Darmstadt hatte in letzter Instanz zugunsten der Firma Den» ninghoff entschieden, der bann die beiden rechtskräf­tig entschiedenen Monatsbeträge zurückgezahlt wur­den. Daraufhin hat die Firma Dennmghoff nun die Stadt Gießen auf Rückzahlung der gesamten gezahlten Getränkesteuer verklagt. Zur Begründung nachte sie geltend, chaß die Steuerordnung ungültig ei und deswegen die Steuer nicht erhoben werden konnte. Mit dieser Klage hatte sich am Montag dos hiesige Landgericht in erster Instanz zu befassen. Das Gericht wies die Klage wegen Unzulässigkell des Rechtsweges ab. Es handelt sich bei der Forde­rung der Firma um einen Betrag von 36 634 Mark. I Es bleibt nun abzuwarten, ob das Urteil rechts­kräftig werden wird.

*v VomCisenbahn-Fahrplan. Der vom 18. April ab ausfallende Personenzug 771 FrankfurtGießenKassel, bisher Gießen an 1,47 älhr nachts, wird in der Rächt vom 17. zum 18. April in seinem jetzigen Plane nochmals biS Gießen geführt. Wegen Ausfalls des Personen zugs 778 KasselGießenFrankfurt, bisher Gießen an 8,48 ülhr abends, wird vom 18. April ab der Leerwagenzug 4354 R ederWalgern' Gießen in beschränktem Umfange für den Per- onenverkehr freigegeben; Riederwalgern ab 11,38 älhr nachts, Gießen an 12.09 älhr nachts. De-

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