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Zrettag, 16. April 1926
126. Jahrgang
Fr. 88 Erstes Blatt
Die deutsch-russischen Verhandlungen
.«zu jedem Pfund.
etwas haben durchsickern lassen, und der Verdacht doch zunächst an Eng- Frankreich hängen, vielleicht am ehesten
gierungen Pan und absichtlich da bleibt land oder
srscheint täglich,außer iomtaqs und Feiertag».
Beilagen: kiastener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
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Mussolini in Tripolis.
Tripolis, 15. April. (OB'S.) Agenzia Stefani. — Mussolini besuchte heute in Begleitung des Gouverneurs Debono und seines Gefolges mehrere Konzessionen zwischen Tripolis und Tadjura. Er wurde von den Behörden. der eingeborenen Bevölkerung und den Ansiedlern begrüßt. Mussolini gab feiner Bewunderung für die in den Konzessionen gele:- stete Arbeit und für die Bobenerzeugnisse Ausdruck. Er stattete dann der Stadt Labjura einen Besuch ab und eröffnete in Gegenwart oller Behörden einen Rationalkongreh für die koloniale Landwirtschaft. Er erklärte, von langanhaltenden Kundgebungen begrüßt, er sei von dem bisher Geschehenen hoch befriedigt. Die Wirklichkeit habe alle seine Erwartungen übertroffen. Die Aegierung werde das Programm der kolonialen Entwicklung weiterführen. Der Faszisrnus habe zahlreiche Probleme gelöst, die seit Jahrzehnten ihrer Lösung harrten und werde eben so schnell auch das koloniale Problem zu lösen wissen. Mussolini fand dann warme Worte der Anerkennung für die von den Gouverneuren Debono geleistete Arbeit. Er wies weiter darauf hin, daß Italien Land nötig habe, das es nutzbar machen müsse. Er schloß: „Ich werde Erzeugnisse dieses Landes mit nach Rom nehmen und werde den Italienern daS Beispiel dieser
reichen. Unterrichtet aber sind lediglich die Re- von England, Frankreich, Italien, Ja- Amerika. Eine dieser Stellen muß
Öchlands Teilnahme an der enkommiffion des Völker-
Pioniere vor Augen halten und sie zur Nachahmung auffordern. Der Rede Mussolinis folgte wieder langanhaltender Beifall.
In Begleitung des Gouverneurs und der Pressevertreter begab Mussolini sich Mnn im Auto nach Homs. Mussolini steuerte auf der Hin- und Rückfahrt seinen Wagen selbst. Unterwegs wurden ihm die üblichen Ehrungen durch die einheimische Bevölkerung erwiesen und Geschenke überreicht. In Tagiura empfing ihn eine Kompagnie faszistischer Miliz. Mussolini hielt nach der Besichtigung eine Ai' brache, in der er u. a. sagte: Bei meiner Rückkehr werde ich die Erinnerungen an euch mit mir tragen. Ich werde euren Kameraden sagen daß in Afrika Raum, vielleicht auch Ruh.a für alle zu finden ist. Rach dem Frühstück in Homs beticht gte Mussolini mit großem 3 nie re Je die Ausgrabungen in Leptis und Magna und begab sich gegen Abend wieder nach Tripolis zurück. Um 10 ilfjr abends hat er an Bord der ..Eavvur" die Rückreise nach Italien angetreten.
Abessinien.
London. 16. April. (WTB. Funkspruch) „Daily Rews" teilt mit, daß wichtige Verhandlungen zwischen der britischen und italienischen Regierung über ihre Interessen in Aoessinien stattsinden Das Blatt betont, daß die Verhandlungen einen ausgesprochen bedauerlichen Eindruck aus dem Kontinent hervorgerufen
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jung erbeten.
Gießen
.Sprecher 660
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Thefredakteur:
Dr. Friedr Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh Lange; für Feuilleton Dr h Tbyriot, für den Übrigen letl Ernst Blumfchein, für den An- zeigenteil ften» Füstel, sämtlich In Gießen.
noch an Frankreich, das großen Wert darauf legen muß, rechtzeitig irgendeine moralische Schuld für Deutschland zu konstruieren, falls im Herbst in Genf die Sache schief geht, ilnb die höchste französische Politik, wie sie in den Reisen und Reden Paul-Doncours ihren Ausdruck findet, kann eigentlich in ihrem Endergebnis nur zu einem neuen Mißerfolg in Gens führen.
Wir wollen uns deshalb auch nicht irre daran machen lassen, wenn die amtlichen Stellen in Paris und London ihrer Presse jetzt Beruhigungspillen verabreichen und den Sturm ab- blasen lassen. Sie wissen gut genug, daß sie ihren ersten Zweck erreicht haben, das Thema Deutschland-Rußland wird aus der internationalen Diskussion nicht mehr verschwinden. Es wird auch immer rechtzeitig dafür gesorgt sein, daß den Deutschen der Dorwurf der Doppelzüngigkeit gemacht werden kann, obwohl davon tatsächlich keine Rede ist. Die Verhandlungen mit Moskau sind immer den Verhandlungen nach dem Westen parallel gelaufen, es ist auch keineswegs so, als ob der deutsche Botschafter in Moskau, Graf Drockdorsf-Ranhau, den man zu einem entschiedenen Gegner der Locarno-Politik abstempeln möchte, nun nach Genf Oberwasser erhalten und den Gang der Verhandlungen mit Rußland forciert hätte. Auch Graf Brockdorff hat seinen Widerstand gegen Locarno längst aufgegeben, seit er sich davon überzeugt hat, daß die Möglichkeit der Fortsetzung der alten Beziehungen zu Rußland vorhanden ist, und daß in Berlin der ernste Wille besteht, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Die deutsche Linie ist also klar und übersichtlich gewesen, sie konnte nur in der Richtung gehen, daß wir auch dne Anschein einer Option nach Osten oder Westen vermeiden und den Kurs einer aufrichtigen Friedenspolitik beibehalten, die uns schon durch unsere Lage aufgezwungen wird. Ruc, daß c'en bei allen Üebelwollenden für diese Beweisführung daS Verständnis fehlt, lind deshalb befürchten wir, daß aus den Veröffentlichungen der „Times" noch Rachwirkungen entstehen, die in der internationalen Debatte des Sommers über Deutschland und seine Stellung zum Völkerbunde sehr unbequeme Folgen haben können.
Eine Erklärung der
Sowjetregierung.
Moskau, 15.April. (121.) Die Sowjetregie, rung hat beschlossen, die deutsche, englische, sranzö- fische und italienische Regierung davon in Kenntnis zu sehen, daß das Außenkommissariat keinerlei Verhandlungen über einen Rückoec-
hätten. Es wurde schon oft angebeutet, daß der Endzweck dieser Verbandlungen die Teilung Abessiniens zwischen Italien und Großbri- tannien fei. Abessinien sei ein unabhänai» ges Land und ein Mitglied des Völkerbundes. Frankreich, England und Italien seien zur Aufrechterhaltung seiner Integrität verpflichtet. Die Aufmerksamkeit, die die deutsche Presse den englisch-italienischen Verhandlungen zuwende, sei ein besonderer Grund, Klarheit darüber zu verbvilen.
Abd e! Krim.
Paris, 15. April. (WB.) Das „Journal des Döbats" berichtet über eine Ihüetrebung mit General Primo de Rivera, die dieser einem Vertreter des Blattes gewährte, er habe auch über die bevorstehenden Friedensverhandlungen mit Abd el Krim gesprochen und u. a. erklärt. Roch viele Punkte sind zu regeln. Wenn Abd el Krim will, so kann er den Frieden haben. Man wird chm seine Familie und sein Vermögen belassen und ihm eine bedeutende Penston aussehen. Es hängt nur von ihm ab, das anzunehmen. Tut er das nicht, dann ist alles bereit, und in sechs Monaten wird es mit Abd el Krim und dem Rifgebiet zu Ende sein. 1924 hat er es gewagt, von mir Kanonen, Flugzeuge und Munition zu fordern. Es ist möglich, daß er auch jetzt noch große Forderungen stellt. Dann werden wir ihn vernichten. Auf die Frage, welches
Unbestreitbar hätten Moskau und Graf Drock- dorff-Rantzau in der zweifellosen Ungerechtigkeit, die man Deutschland in Genf angetan habe und in der Art, in der die erwarteten Rückwirkungen von Locarrw von einigen der Unterzeichner des Locariwvertrage.' aus- gelegt worden wären, ein Mittel für die Beeinflussung der Regierung zu ihren Gunsten gefunden. Die neue rumänische Regierung werde sobald wie möglich eine Erklärung über den vielbesprochenen polnisch-rumänischen Pakt veröffentlichen und es sei zu hoffen, daß er sich nicht gegen Deutschland richtet.
Das Pariser Echo.
Paris, 15. April. (WTB. Die Abendpresse beschäftigt sich mtt den aus Berlin und London cin- gelaufenen Nachrichten über den möglichen Abschluß eines deutsch-russischen Freundschastsvertrages, der das Abkommen von Rapallo ergänzen soll.
Der „Temps" schreibt: Wenn man diese Nachricht im Lichte der von Tschitscherin jüngst abae- !,ebenen Erklärungen bewertet, in denen der rnssi- dje Volkskommissar die Politik von Locarno sehr charf kritisierte und eine kontinentale Gruppe in Aussicht stellte, deren Spitze sich gegen England richten würde, so wird man natürlich überrascht durch das Argument, daß Berlin und Moskau ein solches Abkommen abschließen wollen, ehe man die absolute Gewißheit hat, daß infolge des Eintrttts Deutschlands in den Völker- bund der Vertrag von Locarno in Straft gesetzt wird. Aber man müßte bemerken, daß die deutsche Regierung höflich gehandelt habe, indem sie Paris und London aus diplomatischem Wege verständigte. Deutschland kann Sicherheiten suchen, wo es dies für nötig hält, um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten, allerdinys nur, wenn die besonderen Abmachungen, die es ms Auge faßt, restlos erfüllt sind. Die Verpflichtung besteht also, die dem Deutschen Reich auf Grund des Locarnooertrages und des Dölkerbundsstatuts erwachsen. Es mag für die Signatarmächte von Locarno unangenehm sein, daß die Berliner Regierung s o große Eile hat, sich mit der Sowjetregierung zu verständigen, aber nicht kann verwundern, daß es von seinem Rechte in dem Maße Gebrauch macht, in dem die Abmachungen nicht den Verpflichtungen Abbruch tun, die es gegenüber anderen Mächten hat.
Das „Journal des Dubais" sieht in der östlichen Orientierung ein Zurückgeifen auf bie Bis- marrffthe Politik und schreibt, Bismarck lei stets der Ansicht gewesen, daß ein Bruch mit Rußland für fein Land einer Katastrophe glcichkommen würde. Wilhelm II. fein von einem gewissen Zett punkt an dieser Politik des eisernen Kanzlers nicht mehr gefolgt, und viele Deutsche sähen barm bie Ursache ihres Unglücks. Man bürfe nicht vergessen, daß Stresemann von Bismarckschen Ideen erfüllt fei. An Frankreich fei es, Acht zu geben, daß die Politik von Locarno nicht der Wandschirm fei, hinter dem ein Bismarcksches Programm verwirklicht werde.
Russische Annexionen im nördlichen Eismeer.
Moskau, 15. April. (WB. Meldung der Telegravhenagentur der Sowjetunion.) Das Präsidium Der Zentralexekutive der Sowjetunion beschloß. alle bereits entdeckten Länder und Inseln, sowie Gebitte. die noch entdeckt werden, und die im Augenblick der Veröffentlichung dieses Dekretes keinen durch die Regierung der Sowjetunion anerkannten Bestandteil irgendwelcher ausländischer Staaten bilden, als sowjetrussisches Gebiet zu erklären. Dieser Beschluß bezieht sich aus Gebiete, die im Rördlichen Eismeer, nördlich der Küste der Sowjetunion bis zum Rordpol. liegen. Die maßgebenden Moskauer Kreise erklären, daß diese Verordnung kein neues Moment im internationalen Recht darstellt, da bereits Großbritannien in den Jahren 1923 und 1924 tn bezug auf die antarktische Zone in gleicher Weise vorgegangen fei.
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Die Enthüllungen der „Times" über Ver- Handlungen, die zwischen Deutschland und Rußland wegen ei: er Ergänzung desRapallo- Vertrages schweben, haben wie ein Stein- Wurf in die große internationale Spiegelscheibe gewirkt. Die englische Regierung bemüht sich zwar, ihr Alibi nachzuweisen: der englische Botschafter in Berlin hat sein Erstaunen darüber ausgesprochen, wie es möglich sei, daß etwas Derartiges in eine englische Zeitung hineinkommen könne, wo doch die Regierung loyal von Deutschland über den Gang der Verhandlungen unterrichtet sei. Die Engländer geben sich auch alle Mühe, auf die Russen als diejenigen hinzu- weisen, denen die Indiskretion zuzuschreiben fei, weil die Russen gehofft haben, damit vielleicht noch die ganze Locarno-Politik entzwei schlagen zu können. Aber so kompliziert liegen die Dinge kaum, denn Moskau ist zu stark daran interessiert, daß zunächst einmal der Vertrag unterzeichnet ist. Das wäre, wenn dort die Absicht einer Sabotage der Locarno-Politik bestände, das beste Mittel, dieses Ziel zu er-
Gichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Vrvck und Verlag: vrühl'sche Universitätr-Vuch- und Steinöruderei L. Lanze in Gießen. Sdjriftkitung und Geschäftsstelle: Zchnlftraße Z.
slcherungsvertrag m 11 Deutschland führe und daß bie Sorojelreglcrung nut bie Verhandlungen über Reulralltätsverttäge roeiterjutüljrcn beabsichtigt. Die verlautet, hat Tschitscherin bem russischen Botscha ter in Berlin, Krestinski, bie Anweisung erteilt, die Verhandlungen mit der deutschen Regierung nicht zu sehr zu unterftreldjen. 3n politischen Kreisen Moskaus bezeichnet man bie „Times“-IHelbung wegen eines deutsch-russischen Rürfoerfidjerungsoertrags als ein neuerliches Manöver Chamberlains gegen Sowjetruhland. Die polnische Gesandtschaft In Moskau hat anläßlich der „limes“- Meldung eine entsprechende Anfrage an Tschitscherin gerichtet, der nochmals Polen von den srledlichen Absichten der Sowjetregierung unterrichtet hat.
Litauische Annäherung an Russland.
Riga, 15. April. (TU.) Litauen steht mit Rußland soeben in regen Unterhandlungen über einen Sonderoertrag, der bedeutend weiter geht, als der russische Vorschlag an bie anberen baltischen Staaten. Rußland soll darin Litauen bie Wilna- grenze gegenüber Polen unb die Memel- grenze gegenüber Deutschland garantieren. Die Verhandlungen sind schon weit gediehen. Es war feit längerer Zeit bekannt, daß die Stellung Litauens zum Völkerbund problematisch war. Das Zuslandekw.nmen des «ondervertrages würde eine Durchbrechung der baltischen Einheitsfront bedeuten. In Riga sind die Gesandten Lettlands unb ber Nachbarstaaten eingetroffen, um bie Lage zu besprechen
Der Eindruck in England.
London, 15. April. (SIL) Der Berliner „Times"-Korrespondent berichtet feinem Blatt, daß die von ihm nach London gedrahtete Meldung von dem bevorstehenden Abschluß eines Abkommens zwischen Deutschland und Sowjetruhland amtliö dementiert worden fei. Die Art und We.se aber, in der dieses Dementi erfolgte, liehe den Schluß zu, daß es sich um das Ergebnis einer Konferenz zwischen Regierung und Presse gehandelt habe. Da die Ansichten widersprechend lauteten, könne man nur den Schluß ziehen, daß der neue Vertrag mit Rußland schon v o l l st ä n d i g fei und daß er sowohl wirtschaftliche wie politische, aber keine militärischen Klauseln enthalte.
Die „Morning Post" schreibt: Die britische Regier:.na habe allge meine Zusicherungen erhalten, daß der bevorstehende Vertrag in keiner Weise die Buchstaben ober den Geist des Locarnovertrages oder die Döllerbundssatzung verletze. Es verlaute, daß der Wortlaut des Vertrages die Bestimmungen des Rapollovertrages und des deutsch-russischen Handelsvertrages einschließen werde. Außerdem werde eine Reutralitäts- f tau fei eingefügt werden für den Fall eines bewaffneten und nicht herausgeforderten Angriffs von feiten einer dritten Partei. Artikel 2 des Rapollovertrages. der alle gegenseitigen Ansprüche und Entschädigungen aufhebe, werde in Kraft bleiben und gegenfettige Meistbegünstigung werde gewährt werden.
Der „Daily Telegraph" weist darauf hin, daß Tschitscherin die Gelegenheit des Fiaskos von Gens und die daraus entstandenen Rückwirkungen wahrgenommen habe, um eine vielseitige diplomati sche Offensive zu ergreifen. Soweit man diese Offensive in ihrem gegenwärtigen Stadium analysieren könne, sei sie dazu bestimmt, als Gegengewicht gegen Locarno und im besonderen gegen den Völler- bund zu dienen. Der Hauptgesichtspunkt dieses Feldzuges sei das erneute und gleichzeitige Angebot von Pakten an Deutschland, Polen und an die baltischen Staaten, eigentlich an alle osteuropäischen Randstaaten mit Ausnahme Bulgariens und Rumäniens. In britischen amtlichen Kreisen müsse man sich aber mit den von der Wilhelm- straße gegebenen Versicherungen zufrieden geben.
buntes.
ruc Antwortnote der Reichsrestiernnq.
Berlin, 15. April. (TU.) Die deutsche Ant- irrt an ben Völkerbunb, bie heute in Genf über- ben worben Ist, hat folgenben Wortlaut:
„Sehr geehrter Herr Generalsekretär?
Indem ich den Empfang Ihres Schreibens vom - Mär; d. 1. bestätige, beehre ich mich, Ihnen üil Mellen, daß die deutsche Regierung bereit l| einen Vertreter jur Teilnahme an b?K Beratungen bet Kommission zu vssrnden, die durch Beschluß des Völkerbundsrats »mi 18. Mär; d. 3. eingesetzt worden ist, um die frage ber Zusammensetzung des Rates die Zahl seiner Mitglieder und das lelsahren ihrer Mahl ;u prüfen. Die Bc- mung des deutschen Vertreters barf ich mir vor- kfaltcn. 3ch gestatte mir, hierbei daraus hinzu- erilen, daß sich der deutsche Vertreter, da Deutsch |iab nicht Mitglied des Völkerbundes H. bei den Beratungen der Kommission naturgemäß b einer anderen Lage befinden wird als die fcrlreter der übrigen beteiligten Mächte. Diese be Jtnbere Cage Deutschlands wird nicht nur von dem «utischen vertretet berücksichtigt werden müssen, jenbern macht es auch notwendig, ausdrücklich her- «rznheben, daß seine Teilnahme an den Beratungen Ile Freiheit der Entschließung dfr l( e t f d) e n Regierung hinsichtlich des Ein- hills Deutschlands in den Völkerbund nicht be- lih ten kann.
Genehmigen Sie, he.rr Generalsekretär, den luebrtuf meiner vorzüglichen Hochachtung
gez. Dr. Stresemann.“
-3u ber Note erfährt bie Telegraphen-llnion von nterridjteter Leite noch folgcnbe ergängenbe (Ein» |tÖ> eiten:
Sie Personalfrage ist von beutscher Seite »><h nicht enbgültig geklärt. Sie wirb unter anberem ein ber Wahl der Delegierten abhängcn, bie die enieren Staaten entfenben. Die Zustimmung zu Vr Beschickung ber Kommission ist ohne nähere Präzision über die Rolle des deutschen Vertreters faolgt. Die Zustimmung als solche war felbftuer- Endlich, da eine Ablehnung einer Ablehnung des bferbunbsgebanfens überhaupt gleichgekommen täte. Der fachliche Standpunkt ber beutschen Re- cerung ist feit ben Genfer Verhandlungen un Deren tert geblieben.
2er Eintritt Deutschlands darf nicht mit einer Inifcefefcung im Rate Hand in Hand geben. Die blle des deutschen Vertreters in der Studienkom- r ifion wird dadurch, daß Deutschland noch nicht hi Völkerbundsrat angehört, keineswegs ver- l^edjtert fein, vielmehr kann der deutsche Vertreter ffbeijeit feiner Meinung frei Ausdruck geben ober ^ebenenfaüs nach Wunsch ber Reichsregierung sich rickickhalten. Die Reichsregierung behält auch wei- hrfj In die volle Handlungsfreiheit ihrer Cn tf d) l ü f f e , so daß sie durch die Kommissions- b-schlüfse in keiner Weise gebunden ist. Nach Aeuße- nngen in den fremden Hauptstädten ist es keines- ►gs bestimmt, daß der Ausschuß seine Arbeiten nut einem positiven Ergebnis abschließt. Dies geht ecd) aus der Ansicht der Dölkerbundsligen auf ihrer glichen Tagung in Brüssel hervor. Das etwa zu ermortenbe Ergebnis wird als Vorschlag an den Hat meitergeleltet.
Für die deutsche Oesfentlichkeit kommt die Snnahme der Einladung vom 20. März insofern einigermaßen überraschend, als von amtlicher ttclle alle Meldungen der ausländischen Presse hirüber, die diplomatischen Vorbesprechungen i5er Beschickung der Kommission seien aufge- vinmen worden, entschieden in Abrede ge- siellt wurden. Im Auswärtigen Amt ist aber b den letzten Tagen so oft die Dementiermaschine h Bewegung gesetzt worden, daß auch dieser locgang weiter nicht Wunder nimmt. Lieber- ttlchend ist die Annahme der Einladung selbst ritLrlich nicht, wurde doch seinerzeit von uns angeregt, eine Kommission zu bilden, die Liiersuchen solle, unter welchen Ämständen eine Tcrmehrung der ständigen und nichtständigen Talssihe möglich sei. Wenn nun ein Devollmäch- tigter der Regierung nach Genf geht, so bedeutet keineswegs, daß wir damit unsere Ent- syluhfreiheit aufgeben. In der Antwortnote ist dis ja auch ausdrücklich festgestellt worden. Viel ■6ct kann unsere Lage insofern als vorteilhaft aigrsehen werden, als wir noch nicht Mitglied sind, die Völkerbundsmächte also, nament- Eh auch die an den Locarno-Verträgen internierten, sich werden bemühen müssen, eine For- zu finden, die für uns einen Anreiz zum Cnlritt in den Bund gibt, immer vorausgesetzt »alürlich. daß die Gegenseite ehrlich bestrebt ist. Ais überhaupt in den Völkerbund hereinzu- tzrlcn. Die P e r s o n a l f r o g e n werden erst mcch Rückkehr des Außenministers nach Berlin ifte Losung finden, wie auch dann das Kabinett «n die Aufstellung der Richtlinien für den Rutschen Delegierten Herangehen wird.
- >3eis$us Sieg vor Peking.
1 London. 15. April. (TU.) Nach Meldungen «vs Peking werden di- Kuomintschung-Truppen — ‘Üationalarniec — red: fi?ute abend P e king räume n. Ein Ausschuß aus ißcriretccn ber Pekinger Bürgerschaft ha: dis Führer der aus Peking mar» ffdjierenben Truppen Wupeifus «elegraphisch gc» lb'len, ihre Truppen nicht nach Peking einrüden zu 'lassen, da Ausschreitungen befürchtet werden, unter Ihnen die Bevöllerung schwer zu leiden hätte. Die aif Peking abtransportierten Kuomintschung Trup» IMi sollen sofort wieder gegen Tschangtsolin Eingesetzt werben


