der, ujus die künstlerische Seite betrifft, als vollkommen gelungen bezeichnet werden kann. Hoffentlich ist der Verein auch finanziell zufrieden, damit im kommenden Jahre eine Wiederholung in ähnlicher Weife nicht ausbleibt.
<5 Göbelnrod, 13. Qcbr. Vor zwei Jahren trat unser Lehrer B o r n m a n n, der ein Menschenalter hier gewirkt hat, infolge des Abbaues hi den Ruheftan d. Da er keine andere Wohnung finden konnte, blieb er in der Dienstwohnung im Schulhause. Jetzt ist es ihm gelungen, in Gießen eine Wohnung zu finden, und er verläßt nun mit dem 31. März unseren Ort. Damit besteht auch die Möglichkeit, unsere S ch u l st e l l e, die seither, weil die Dienstwohnung nicht frei mar, durch Schulverwalter versehen werden muhte, wieder definitiv zu besetzen. Die Lage unseres Dorfes vor den Toren Griinbergs mit seiner Oberrealschule und als Haltepunkt der Bahn nach Gießen wird wohl dazu beitragen, daß es viele Bewerber gibt. Die Gemeinde hat bei der Besetzung noch den besonderen Wunsch, daß ein Lehrer kommt, der gewillt ist, einen Teil des O r g a n i st e n d i e n st e s zu übernehmen. Denn durch den Wegzug des Herrn Bornmann wird die Hälfte des Organistendienstes auf dem Wirberg frei. Den Organistendienst versieht Lehrer i. R. Bornmann, solange er hier ist, und hat auch in der Inflationszeit den ganzen Or> ganistendienst versehen.
r. p. O d e n h a u s c n (Lahn), 15. Sehr. Wer im Sommer seine Spaziergänge von Gießen aus etwas weiter ausgedehnt Hat, wird sicher schon mit besonderer Freude den Weg R u t t e rs - Hausen — Oden ha usen gewandert fein; bietet dpch der von der Straße unmittelbar auf- steigende Heckenberg für jeden Aatursrcund eine Fülle des Interessanten. In seinem natürlich-wilden Allerlei bietet er dem Auge einen mannigfaltigen, abwechslungsreichen Farbenreiz; der Duft des hier reichlich Vorkvmmenden Geißblattes wirkt bezaubernd, und nicht zuletzt rufen Vogelstimmen aller Art zum Derweilen. Der Heckenberg ist insbesondere ein Eldorado der Vogelwelt. Um so bedauerlicher ist es, daß die Obersörsterei Krofdorf ihre Genehmigung zur Abholzung des Berges gegeben hat. Hier hat nun etlicher Reichsmark wegen — mehr bringt das Holz nicht ein — das reine Rützlichleitsprinzip ein schönes Stückchen Ratur vernichtet. Wozu predigt man da Vogelschutz, wenn er von behördlicher Stelle solche Förderung erfährt? Dem Wandrer wird im Sommer nur eine kahle Fläche die Stelle zeigen, wo ehedem ein reiches Äatur- leben vorhanden war.
)) L i cd, 15. Febr. Bei der im Licher Stadtwold in den Distrikten Fichtenkopf, Plattenwald, Zap- penau, Rehtränksberg u. a. stattges-undenen Vrennholzversteigerung wurden folgende durchschnittliche Versteigerungserlöse erzielt: Buchenscheit 15—20 Mark, Buchenknüppel 10—12 Mark je Rm. und Buchen Wellen 20— 25 je 50 Stück. Besondere Abweichungen gegenüber den letzten Versteigerungen waren nicht festzustellen.
: Aus dem Horlofftal, 15. Febr. Trotz der außergewöhnlich starken Kälteperioden dieses Winters ist der Stand der Wintersaaten recht gut, da beidemal mit Eintritt der Kälte auch eine beträchtliche Schneedecke daS Land schützte. Dieser Umstand hatte zur Folge, daß in den Gärten selbst empfindlichere Gemüse gut überwintert haben. Run herrscht schon eine Zeitlang eine ungewöhnlich frühe milde Witterung. Infolgedessen konnte man in den letzten Ianuartagen Schneeglöckchen blühen sehen. In geschützten Gärten sind mittlerweile sogar Aurikeln und andere frühe Blumen gefolgt. Selbst die '-Beerensträucher beginnen schon stark zu treiben.
Mit Eintritt des Frühjahrs macht sich bei ^unseren Landwirten ein empfindlicher Mangel an Stall ft reu bemerkbar, da in den beiden letzten Jahren die Strohernte schlecht ausgefallen war. Man sieht deshalb die Viehhalter zu einem Aushilfemittel greifen, das sonst in unserer Gegend nur von den Gutspächtern größerer Höfe verwandt wird, nämlich zur T o r f - st r e u, die neuerdings von manchen Ortschaften in ganzen Wagenladungen bezogen wird.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 13. Febr. In den fernen Osten, das Wunderland Indien, führte uns ein Vortrag, den Medizinalrat Dr. Ad. Wecker- I i n g, ein gründlicher Kenner der indischen Geschichte, Sprache und Literatur, gestern abend im „Verein ehemaliger Augustinerschüler" über „Akbar den Großen" hielt. In großen Zügen verstand es der Redner, ein lebensvolles Bild dieses Mannes zu entrollen, der, 1542 geboren, mit 13 Jahren zur
Scott aus seinem geliebten Hochland und Alexis aus seiner heimatlichen märkischen Sandebene, erwuchsen auch ihm die Gestalten aus der Landschaft, aus dem „Canb der Alemannen mit seiner Berge Schnee, mit seinem blauen Auge, dem Tiaren Bodensee". In den Bekenntnissen Ekkehards hat der Dichter sein Glück und seine Qualen, seinen Weltschmerz voll austönen lassen; in einer ausgezeichnet komponierten Steigerung führt er uns von dem leidenschaftlichen Burgund Klosteridyll über die breite epische Schilderung des Hunneneinfalls zu dem dramatischen töhepunkt Der Katastrophe und läßt dann die czählung in dem einsamen Leben Ekkehards auf der Ebenalp langsam verhallen.
Wie eine wunderliche Marotte dünkt uns heute neben der so schön gerundeten Form des Romans das Anhängsel der gelehrten Anmerkungen, Aber diese mit Zitaten und wissenschaftlichen „Exkursen" gespickten Roten waren leider mehr als eine willkürliche Laune des Dichters, repräsentierten einen furchtbaren Feind, dessen Trockene Derstandeskühle den Lebensnerv der zar- len Phantasiegebilde vernichten sollte. Aus Vorstudien zu gelehrten Arbeiten waren „Trompeter" und „Ekkehard" entstanden; die Spuren der rechtshistorischen Abhandlung, die eine Habilitationsschrift werden sollte und aus der dann Reminiszenzen in den „Ekkehard" übergingen, haften dem Roman noch als störende „Eierschalen" an. Diese Vorarbeiten aber wuchsen nun bei den späteren Werken des Dichters zur Hauptsache unb erstickten in ihrer wuchernden Fülle den poetischen Organismus in seinem Entstehen. Das ist die Tragödie jenes Wartburg-Romans, in dessen Mittelpunkt Heinrich von Ofterdingen als der Schöpfer des Ribelungenliedes stehen sollte. Als sich der Romantiker Rovalis den. gleichen Helden erwählte, hatte er für den ungeheuren Plan die Mächte der Ahnung, der Phantastik nick» deS Traumes wachgerusen. Der Realist Scheffel wollte sich auf zuverlässigere Helfer stützen, auf die Errungenschaften der Wissenschaft, die er doch in manchem feiner (Gedichte so köstlich ironisiert. Lokalstudien wurden an
Regierung tarn und 1605 in seiner Residenz Agio starb. In ihm müssen wir einen der größten der Weltgeschichte erblicken, denn er war nicht nur groß als Herrscher, Feldherr und Staatsmann, sondern auch als Denker und Philosoph. Nachdem er in blutigen Kriegen seine Empörer niedergeworfen und sein gewaltiges Reich gefestigt hatte, entwickelte er eine fruchtbare Tätigkeit zur Hebung des Wohlstandes seiner Länder, er führte Reformen auf allen Gebieten, besonders dem Steuerwesen ein, hob alte grausame Gesetze auf und zeigte sich als ein in jeder Beziehung großmütiger und edeldenkender Mensch. Obgleich selbst ein gläubiger Moslem, war er doch von einer weitgehenden Duldsamkeit erfüllt und versammelte an seinem Hofe Vertreter der ver- schiedenon '.Religionen, auch der christlichen, zu gelehrten Diskussionen. Roch bei seinen Lebzeiten ließ er sich in der Nähe seiner Residenz in Sikandra ein mächtiges Grabdenkmal errichten, welches noch heute an diesen großen Herrscher erinnert und zu den bewundernswertesten Bauwerken dieser Art gehört.
0 Steinfurth, 15. Febr. Dieser Tage sanden in dem angrenzenden Rockenberger M a r t w a l d die diesjährigen staatlichen H o lz- verst eigerungen statt, zu denen aus den umliegenden Orten Oppershofen, Södel, Melbach, Wölfersheim u. a. eine außerordentlich große Menge von Käufern sich zusammengefunden hatten. Infolge der großen Fällungen in der Kriegs- und Tbachkriegszeit kam diesmal Buchen- sckeitholz nicht zur Versteigerung. Während Eichenknüppel einen Preis von 14 bis 16 Mark pro Doppelzentner erzielten, erreichten Buchenknüppel einen Preis, der weit über das tzinausging, was in Vorkriegszeiten das Scheitholz kostete. Der Doppelmeter mochte sich, besonders am zweiten Tage, an dem die Preise erheblich anzogen, auf durchschnittlich etwa 27 bis 23 Mark stellen, und manche Steigerer hörten erst bei 30, 32 ja 35 Mark auf zu bieten. Einen außerordentlichen Preis erzielten Buchenwellen, die am ersten Tage zu 8 bis 9 Mark pro Haufen zu haben waren und am zweiten Versteigerungs- tage einen Preis von 15 bis 16, ja vielfach von 13 bis 20 Marl erzielten, da in manchen Orten Selbstversorger dies Hol; zum Backen benötigen. Manche gingen, da die Preise ihnen zu teuer waren, wieder nach Hause, ohne etwas gesteigert zu haben, um die Versteigerung des Marlwald- holzes abzuwarten, die in den nächsten Tagen zu erwarten ist.
B 5R ob beim v. d. H ö h c, 15. Febr. Bei der kürzlichen Verpachtung der G e m e i n d e j a g d stellten sich die für die einzelnen Bezirke erzielten Preise so niedrig, daß die Genehmigung von feiten der Gemeinde versagt wurde. Nunmehr sind die Verhandlungen mit den Interessenten abgeschlossen und zeitigten folgendes Ergebnis- Der 1. Bezirk (Jagd am Alten Berg und Feldjaqd) ging für 2400 Mark an den Arzt Dr. B a u m stark von Friedrichsdorf über, der 2. Bezirk (Vorderwald und Feldjagd) kam in bi» Hände der Fabrikanten Privat und R o u s s e l e t von Friedrichsdorf für 2200 Mk. Den 3. Bezirk (Oberwald) übernahm Fabrikant 21. Monson von Frankfurt für 2800 Mark. — Bei der zweiten G e m e i n d e h o l z Versteigerung ließ die Kauflust, hauptsächlich der Auswärtigen, die Preise sehr in die Höhe schnellen. Für ein Raummeter Buchenscheiter wurden durchschnittlich über 20 Mk. gelöst. Eichenscheiter stellten sich auf 12 Mk. für das Raummeter. — Die Zahl der hiesigen Arbeitslosen ist im Steigen begriffen und beträgt zur Zeit 91. Es handelt sich hauptsächlich um seither in Frankfurter Fabriken beschäftigte Arbeiter.
Kreis Schotten.
Ig. Gedern, 15 .Febr. Da vom hiesigen Bahnhof viele Basaltsteine und auch viel Holz verfrachtet wird, wurde es in letzter Zeit immer mehr als ein Mißstand empfunden, daß die Ladeanlagen des Bahnhofs den sich steigernden Anforderungen nicht mehr entsprachen. Die Reichsbahn sucht nunmehr diesem ilebelftanö abzuhelfen, indem sie die Erweiterung der Freiladean lagen plant. - Seither bestand die hiesige Gemeindejagd aus fünf Jagdbezirken. Rach Verhandlungen mit der Fürst!. Stolbergischen Revierverwaltung zwecks Austausches von Jagdbezirken zur Abrundung der beiderseitigen Jagdgebiete wurden nunmehr drei Bezirke gebildet, die bei der am Samstag vorgenommenen Verpachtung einen jährlichen Pachterlös von insgesamt 1930 Mk. ergaoen. In diesem Betrag ist ein Zuschuß der Fürstlichen Verwaltung von 200 Mk. für die Mehrzuteilung an Jagdgebiet seitens der Gemeinde enthalten. Die Verpachtung erfolgte auf 6 Jahre. Seither hatten die fünf Jagdbezirke nur 1100 Mk. Pacht jährlich
Ort und Stelle gemacht, in Passau und auf der Wartburg, Belegschaften in Massen aufgeführt und darunter eine Unmenge feiner dichterischer Ideen verstreut. Der Künstler konnte aber nicht mehr über den Stoff Macht gewinnen, sondern dieser überwältigte ihn, und so blieb ein Gedichtband „ Frau Aventiure" das einzige Resultat des langjährigen, verzweifelten Kampfes. Scheffels vergebliches Ringen war begründet in der Zeit, in der er schuf. Die Romantik hatte die historische Wissenschaft geboren und als Gegensatz zu ihr war der Realismus entstanden Historismus und Realismus, die geistigen Haupttriebkräfte der Zeit, miteinanber zu vereinen, versuchte er in realistisch historischer Dichtung, nachdem in einem glücklichen Wurf ein Muster- werk der Gattung gelungen war. Cs war ehrenvoll für ihn und ein Beweis seiner echten Begabung, daß er da scheiterte, wo das platte Heer seiner Rachahmer, die archäologischen uick) But- zenscheiben-Poeten, ein halbgelehrtes, halb poetisches Mischmasch lieferten: aber in diesem Scheitern vollendete sich sein tragisches Schicksal.
Wie der Buchtitel auskam.
Für uns ist ein Buch ohne Titel eigentlich überhaupt kein Buch. Es muß daher überraschen, daß die ältesten Drucke lein Titelblatt haben und daß die so berühmten und hochbezahlten „Wiegendrucke" des 16. Jahrhunderts, die sog. Inkunabeln, nur in den seltensten Fällen mit einem Titel versehen find. Erst ganz allmählich bürgerte sich dieser Brauch ein, wie Konrad Haebler in seinem grundlegenden, bei Karl W. Hiersemann in Leipzig erschienenen „Handbuch der In- f u n a b c 11 u ii b e“ aussührt. Die ältesten Drucke nahmen sich ja in ihrer Anordnung die Handschriften zum Muster, die keine Titelblätter kannten, und so beginnt denn auch in den Wiegendrucken der Text des Werkes sofort auf der Vorderseite deS ersten Blattes. Bald aber kamen die Drucker zu der Ertenntnis. oaß das erste Blatt besonderen Gefahren ausgesetzt n>ar. Wenn man die Bogen bet- Druckwerkes nicht bald mit einem festen Einband versah, und das gekf)ai> in der
eingebracht, so daß ein Mehrerlös von 830 Mk. jährlich erzielt wurde. Pächter sind Frankfurter Herren und die Fürstliche Verwaltung.
)—( Ruppertsburg, 15. Febr. Ein interessantes, noch wenitz bekanntes Tierchen wurde dem Schreiber dieser Zellen vor einigen Tagen von hiesigen Holzhauern gebracht. Sie hatten das Tier bei den Wurzeln eines Buchbaumes im Gräflich Lau- bachfchen Revier Eichberg gefunden. Es war eine Haselmaus, in die Familie der Mäusebilche gehörend, eine Nagetiergattung, welche die der Eichhörnchen mit der der Mäuse verbindet. Sie ist ein überaus niedliches mausgroßes Geschöpf mit gelblichrotem Pelz, zweizeilig behaartem, langem Schwanz und großen, schwarzen Augen, das fast über ganz Mitteleuropa verbreitet ist und im Gebüsch — hauptsächlich Haselgebüsch — ein kunstvolles, kugeliges Nestchen baut. Es besteht teilweise aus fein zerschlitzten Bastschnüren von Weichholz, teils aus schmalem Bandgrase, welche Stoffe sehr fest und dicht, etwa 1,5 bis 2 Zentimeter dick, mit dem verhärteten, wie trockener Schneckenschleim glänzende Speichel des Tieres ineinander verkittet find. Das Tier ernährt sich von Eicheln, hartem Samen saftigen Früchten, Beeren, Baumknospen, am liebsten aber Haselnüssen, die sie geschickt öffnet und entleert, ohne sie abzupflücken. Als echte Baumtiere klettern sie wundervoll selbst im dünnsten Gezweige herum, nicht bloß nach Art der Eichhörnchen und Siebenschläfer, sondern auch nach Weise der Affen. Gegen Mitte, manchmal auch erst Ende Oktober, sucht sie ihr warmes Nestchen auf, das halb in der Erde, halb mit Laub bedeckt ist. Je nach der Milde oder Strenge des Winters schläft sie nun etwa sechs bis sieben'Monate. Leider war das Nest der Maus bei der Arbeit der Holzhauer zertreten worden. Das Tierchen selbst erwachte erst aus seinem Winterschlafe, nachdem es zwei Tage im warmen Zimmer gewesen war.
Cichelsdorf. 14. Febr. Der hiesige Männergesangverein veranstaltete gestern im Lehr'schen Saale einen Familienabend, der sich eines guten Besuches erfreute. Der Verein brachte eine stattliche Zahl von Chören zum Vortrag, die gesanglich und dynamisch bestens wiedergegeben und von nachhaltiger Wirkung auf die Zuhörer waren. Die Humoristen des Vereins würzten den Abend durch erheiternde Beiträge. Des Lebens Ernst kam in einem von Lehrer Steinhauer- Eichelsachsen gebotenen Lichtbildervortrag, der zum Hintergrund die schwärzeste Seite des Kriegslebens, daö Grausen auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges hatte, zum Ausdruck. Angesichts dieser düsteren Bilderserie tauchten vor manches Zuschauers Auge schmerzvolle Erinnerungen auf. Angenehm überraschte der hiesige Musikverein, der erst auf ein 1 'jäljrigeö Bestehen zurückblickt, durch sein flottes, llangschönes Spiel. Auch er hat wesentlichen Anteil an dem schönen Verlauf des Abends. Als Gast wirkte außerdem eine Abordnung des Männergesangvereins Ober- Schmitten und überbrachte dem Bruderverein das Lied als Gruß.
ld. Aus dem Vogels berge, 15. Febr. Wenn auch die geüxiltigen Niederschlagsmengen, die in den letzten Jahren niedergingen, keinen direkten Schaden an der Vogelsberger Feldflur anrichteten, so machen sich doch nun hie und da, besonders in den Wiesen, die an Berghängen oder im Tale liegen, die von den Bergwäldern festgehaltenen, nun zutage tretenden Wassermassen unliebsam bemerkbar. An vielen Stellen beginnen die Wiesen zu versumpfen und zu versauern. Wohl suchen bereits einzelne Wiesenbesitzer dem .Hebel durch Anlage von Entwässerungsgräben und „Erddauken" (Drainagen) za steuern, aber gänzliche Beseitigung der vielen guten Wiesen drohenden Gefahr ist nur möglich, wenn die Ableitung des Wasser allgemein durchgeführt wird. Den Wiesenvorständen der einzelnen Gemeinden ist die wichttge Aufgabe erwachsen, die unbedingt nötige planmäßige Entwässerung ganzer Wiesenflächen zu veranlassen. — Auch manches Stück Winterfrucht ist ausgewintert, weil die Übermäßige Bodenfeuchtigkeit ein starkes Gefrieren des Ackerbodens zur Folge hatte.
Krcis Büdingen.
: Ridda, 14. Febr. In einer Bezirks- lehrerverfammlung. die gestern auf „Der Treppe" stattsand, referierte Lehrer i. R. Dia u» newell, Bad-Salzhausen über d."s Thema „Eigenhei m". Er besprach u. a. Richtlinien. Satzungen und seitherige Wirksamkeit der „G e - mei nschaft der Freunde", eines Vereins zur Schaffung von Eigen- und Altersheimen mit dem Sitz in Wüstenrot. — Das Rathaus auf dem Marktplatze, ein Wahrzeichen aus altersgrauer Zeit, wird in aller
Frühzeit des Buchdrucks viel seltener, als man glauben möchte — denn die Einbandskunst war noch nicht entwickelt — mußten natürlich die ersten Blätter durch Beschmutzung und Abnutzung besonders beschädigt werden. Deshalb lieh man das erste Blatt oder doch wenigstens dessen Außenseite unbedruckt und begann den Tert erst aus der Rückseite oder auf dem zweiten Blatt. Seit 1470 geschieht dies allgemein; das erste Blatt blieb leer, aber man tarn nicht auf den Gedanken, einen Titel darauf zu sehen. Die Stelle, an der der Drucker bisweilen über Inhalt und Entstehung des Buches Rechenschaft ablegte, befand sich am Ende des Werkes, wie man das von den Handschriften her gewöhnt war. Die Handschriften- schreiber haben ja am Schluß des Textes öfters in der Freude über die glückliche Vollendung des Werkes Gott gedankt und über ihre Arbeit einiges mitgcteilt. ffitne solche Schluhschrift findet sich bereits in einem der ersten hervorragenden Werke der Druckerkunst, in dem von Fust und Schäffer hergestellten Psalterium von 1457. Die Drucker verkündigen darin ausdrücklich, daß das Werk nicht geschrieben, sondern in einem neuen Verfahren des „künstlichen Druckens" entstanden sei, und rühmen sich als erste Verbreiter dieser Erfindung. Da sie auch Ort und Zeit der Herstellung angeben, enthält ihre Schlußschrift so ziemlich alles, was man in späterer Zeit auf dem Titelblatt mitteilte. Diese Schlußschrift hat dann zahlreichen späteren Druckern als Vorbild gedient, und es entwickelte sich eine große Rkannigfaltig- keit in der Form und im Inhalt der Schlußschrift, die manchmal zum richtigen Schlußtitel wurde. Die Schluhschrift, die man auch „Kolophon" nennt, rückte dann, wenn iwch Rachträge gegeben wurden, an den Schluß des Hauptteils, so daß sich diese Rachschrift nicht immer am Ende des ganzen Druckes findet. Schickte man denz Druck eine Inhaltsangabe voraus, so wurde diese in einem besonderen Bogen dem Druckwerk vorangesetzt. Solche kurzen Inhaltsangaben de. einzelnen Spalten sanden llch schon in den Handschriften, und deshalb finden wir die Kolumnenlitel auch in den ältesten Drucken. BiswcTlen brachte ein
Kürze dem Vorübergehenden wieder die Stunde künden. Ein wohltätiger Stiftet verehrte der Stadt eine Uh r mit elektrischem Antrieb, die bereits eingetroffen und demnächst aufmontiert werden soll. Da die Turmuhren im allgemeinen auf genaue Zeitangabe wenig Anspruch erheben, dürfte die neue Rathausuhr im Zentrum der Stadt von vielen als eine Wohltat empfunden werden.
Kreis Alsfeld.
»i* Alsfeld, 15. Febr. Arn vergangenen Samstag. 13. Februar, fand im Rathaussaale zu Alsfeld die ordentliche Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Alsfeld statt. Der Direktor der Sparkasse, Herr Justizrat Dr. Reh. erstattete den Rechenschaftsbericht für die Geschäftsjahre 1922, 1923, 1924. Die geprüfte Jahresrechnung von 1924 wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der Reingewinn für 1924 nach Abschreibung beträgt 20 736,79 Mark. Für den Haus- und Erneuc- rungsfonrungsfonds wurden 25 000 Mark zu- rückgeleal. Die Mitgliederverfamlung beschloß, den gesamten Reingewinn dem RessroLwnds zu überweisen. Die neue Satzung der Bezirkssparkasse, die sich an die vom Ministerium des Innern herausgegebene Mustersatzung anlehnt, wurde nach kurzer Aussprache genehmigt. Als neues Mitglied der Sparkasse wurde die Gemeinde Hamberg a. d. Ohm ausgenommen, woselbst eine Filiale der Bezirkssparkasse errichtet worden ist. Die auf Grund des hessischen Ermächtigungsaesetzes vom 11. 1. 24 gefaßten gemeinschaftlichen Beschlüsse des Vorstandes und Aufsichtsrates über die Rechnung der Jahre 1922/23 und über die Neuwahl des Vorstandes wurden van der Mitgliederversammlung nachträglich genehmigt. Unter dem Punkt „Verschiedenes" erstattete der Vorsitzende des Aufsichts- rates der Bezirkssparkasse, Bürgermeister Dr. Döl- sing, ein Referat über die Einrichtung von Bausparkonten bei den Sparkassen zwecks Förderung des Kleinwohnungsbaues. Der Vortragende erläuterte dabei die beiden in Betracht kommenden Systeme und deren Vorteile gegenüber anderen derartigen Einrichtungen. Die Sitzung wurde alsdann mit Worten des Dankes an den Direktor der Sparkasse, Justizrat Dr. Reh, geschlossen. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde nahm K r e i s d i r e k t o r Dr. Stammler (Alsfeld) an der Versammlung teil. An die Tagung schloß sich ein gemeinsames Essen im Hotel „Krone" an.
Kreis Lauterbach.
fl. Lauterbach, 15. Febr. Die Stadt Lauterbach verbindet in diesem Jahre mit dem Prämienmarkt wie in den Vorkriegsjahren wieder einen Pferdemarkt. Man verspricht sich davon eine erhebliche Steigerung des Besuchs, der in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. Der neugegründete Reiterver- e i n wird vielleicht durch sportliche Vorführungen eine ähnliche Menschenmenge in unsere Stadt ziehen, wie dies in Alsfeld im vorigen Jahre anläßlich des dortigen Prämienmarktes usw. der Fall war. Am Samstagmittag wurde eine 40jährige ledige Arbeiterin von Blihenrod im dortigen Mühlgraben t o t aufgefunden. Rachdem sie durch lange Krankheit arbeitsunfähig geworden war, stellten sich in letzter Zeit — allerdings unbegründet — Geldsorgen bei ihr ein, die zur Schwermut führten und sie in den Tod trieben.
$ Allmenrod. 15. Febr. Rach den Plänen und unter Aufsicht der Beamten der Kreis- strahenverwaltung wurde von der Firma Hardt in Lauterbach in unserem Ort eine Wasserleitung gebaut, die zur vollen Zufriedenheit der Ortseinwohner ausgefallen ist. Die Leitung hat einen solchen Druck, daß die höchsten Hauser überspriht werden können. Durch die Anlage ist ein alter Wunsch der Gemeinde erfüllt und die Feuersicherheit des Orts wesentlich erhöht worden.
Starkenburg.
D a r m st a d t, 15. Febr. In einer Vorlage des Landesamtes für das Bildungswesen an den Landtag werden für die Instandsetzung von Teilen der ehemaligen Magdalenen- k a f e r n e za Darmstadt für Zwecke der Technischen Hochschule 70000 Mark angefor&ert. Die günstige Entwicklung der Technischen Hochschule hat im Laufe der letzten Jahre dazu geführt, daß in den Hauptgebäuden eine außerordentlich schädliche Raumnot entstanden ist. Unter ihr leiden, wie die Vorlage besagt, besonders die Bücherei, die chemischen Institute, der volkswirtschaftliche Unterricht und die mit der Lehrerausbildung zusammenhängenden Disziplinen. In
Drucker auf dem ersten leeren Blatt eine Signatur an, die aber noch nicht auf den Inhalt des Buches hinwies. Dann ging man dazu über, so in einer venezianischen 'Ausgabe der Vulgata von 1487, ein oder mehrere Worte auf das sonst leerbleibende erste Blatt des Druckes in roter Farbe zu setzen. Der Bibeldruck von 1437 trägt in einigen Exemplaren an der Spitze das Wort „Biblia". Der erste größere derarttge Titel findet sich auf einem Druck des Tübinger Druckers Johann Otmar von 1483. Um diese einfache Titel- fonn eindrucksvoller zu gestalten, verfiel man gegen Ende der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts auf den Gedanken, die Titelworte in Holz zu schneiden, und es lag nahe, diese Holzschnittttel durch ein Holzschnittbild oder einen Holzschnittrahmen zu verschönern. Die deutschen Humanisten, die ihre Bücher gern mit Geleitversen einleiteten, verpflanzten solche Gedichte auf das Titelblatt der Druckwerke. Ein solches Gedicht findet sich auf der ersten Seite einer Ausgabe des Ealen- dariums, die die deutschen Drucker Erhard Ratdolt. Bernhard Maler und Peter Löslein 1476 in Venedig veranstalteten. Die letzten Zeilen dieses Lobgcdichtes auf das Werk weisen auf die Drucker hin. und darunter steht „Venetta 1475“ sowie die vollen Rainen der drei Meister. Wenn man das Gedicht als Titel gelten lassen will, so wäre damit zum erstenmal alles angegeben, was man später für einen Vüchertitel als notwendig erachtete. Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert empfand man allgemein das Fehlen eines Titels als Mangel, unb ein Beweis bafür, daß Titel bereits verlangt wurden, ist die Tatsache, daß bei Büchern, die zunächst -m Anfang ein leeres Blatt trugen, dann bei einem Teil der Auflage darauf ein Titel gedruckt wurde. So tritt denn zu Anfang des 16. Jahrhunderts das Titelblatt, wie wir es am Buch gewohnt find, das in der Wiegendruckzeit im allgemeinen noch völlig fehlt, allmählich als notwendiger Bestandteil deS Druckwerkes hervor, und im Refor- mcttionszeitatter finden wir dann stets die prächtig gedruckten, mit kostbaren Umrahmungen gezierten Titelblätter.


