Siegener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen)
Dienstag, (6. ßebruar P26
Nr. 59 Zweites Blatt
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ragende Leistung des Kunstgewerbes. Aber noch heute kann man im 5)aag erzählen hören, dah man gerade das Geschenk eines absperrenden Gitters als eine herausfordernde Anspielung empfunden hat.
Der Friedenspalast liegt in einem schönen Garten, wo im Sommer prachtvolle Rosen blühen, nach Scheoeningeil zu. Etwas außerhalb der Stadt und doch leicht zugänglich — so wie auch die Wahl des stillen Haag, der trofcbem für die Hauptstädte Europas zentral, liegt, als recht glücklich angesehen werden muß.
Jahrzehnte sind vergangen, seit im Haag die erste Friedenskonferenz tagte. Sie konnte den unheilvollen Krieg nicht verhindern, und ein begreifliches Mißtrauen gegen alle derartigen internationalen Institutionen hat sich zumal in Deutschland verbreitet. Aber gerade dem Haager Gericht gegenüber darf man nicht vergessen, daß es sich hier' nicht um Politik ober Pazifismus handelt, sondern eben um Rechtsprechung, und zwar um einen Gerichtshof, der sich seines hohen Namens bisher würdig gezeigt hat. Die Autorität dieses Gerichts ist eine Macht, auch wenn sie keine Heere kommandieren kann, um ihre Sprüche zu vollstrecken, und daß es eine internationale Stelle gibt, vor der man mit Vertrauen sein Recht suchen kann, ist gerade für Deutschland — leider! — nur allzu wichtig. Sind erst die Loearnoverträge mit ihrer allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit in Kraft, so wird der Haager Gerichtshof noch manches zu tun bekommen. Schon jetzt heißt es, daß er sich für die Zukunft auf ein’ dauerndes Tagen einrichtet.
Vielleicht wird bann auch die Oeffentlichkeit unb die Presse den Verhandlungen im Friedenspalast im Haag mehr Beachtung schenken als jetzt. Bei irgendeinem Skandalprozeß in irgendeiner Provinz- stabt pflegen sich die Reporter zu drängen, die Zeitungen Spalten über Spalten zu bringen. Wenn über eine Entscheidung im Haag, die, wie im vorliegenden Falle, Sachwerte von hunderten von Millionen betrifft und politisch hochbedeutsame Folgen hat, einige Telegramme erscheinen, so ist das viel. Für die Würde unb die Arbeit bes Gerichtes mag es gut sein, baß es so ist. Aber in Deutschland sollte man doch eine Vorstellung davon haben, wie es vor dem höchsten Gerichtshof der Welt zu- geht und wie wichtige Entscheidungen auch in deutschen Angelegenheiten hier gefällt werden.
gabung, sie immer wieder vergessen zu können, und sich immer wieder bezwingen zu lassen von dem Schönen, was ihn umgibt.
Der Spanier ist Individualist, er faßt Spanien subjektiv auf, er trägt sein Vaterland in sich selbst, er sieht die Welt so an, wie er sie haben will, unb nicht wie sie ist. In früheren Jahrhunderten fand er die Wahrheit in der römisch-katholischen Kirche, und seine Wahrheit wollte er mit Hilfe der Inquisition und des Schwertes der Welt aufzwingen. Man kann sich auch heute noch keinen Spanier außerhalb der römisch-katholischen Kirche vorstellen, nicht daß er besonders religiös wäre, dazu hat er seine Religion viel zu sehr veräußerlicht, aber sobald er aufhören würde, Katholik zu sein, so wäre er auch kein Spanier mehr. Man könnte Spanien mit einem riesigen Klosterhof vergleichen, in dem die Sonne scheint, in dem man gerne Toros und Liebe spielt. Der Prior lebt irgendwo in einem verborgenen Gebäude, es fällt ihm gar nicht ein, sich störend unter die Leute zu mischen, er schaut dem Treiben lächelnd zu und läßt jeden auf seine Art selig werden, wenn er weiß, niemand wird die Kloster- mauern durchbrechen und den Furien fremder Ge- dankenstürmen Einlaß gewähren. Ausländer, die meinen, daß Spanien ein totes Volk ist, daß seine Rolle in der Welt zu Ende gespielt hat, irren sich. Der Spanier hat sich wie Diogenes in sich selbst zurückgezogen, fühlt sich dem Fremdländischen gegenüber überlegen, d. h., er denkt gar nicht daran, sein Leben nach fremdländischem Muster zu modifizieren. Jeder Ausländer, der ruhig lebt, ist in Spanien herzlich willkommen. Man läßt ihn tun unb lassen, was er will, hat seinen Sitten gegenüber bie größte Dulbsamkeit, behandelt ihn chevaieresk, aber man hält ihn im Grunde für absonderlich und extravagant, jedenfalls wird man ihn nicht nachahmen.
Die spanische Gedankenwelt liegt abseits sozialer unb politischer Stürme, deshalb ist es unangebracht, wie viele es tun, Volksaufstände unb tiefgreifende Erschütterungen zu erwarten. Die Diktatur wird als etwas Gegebenes ausgenommen, das jedenfalls nicht schlechter, sehr wahrscheinlich sogar besser als das Dagewesene ist. Der Diktator wird wohl auch als starker Mann bewundert, der seine Persönlichkeit durchzusetzen verstanden hat, der dabei ganz Spanier ist, der ein strenges Regiment führt, der aber innerhalb der symbolischen Klostermauern jeden auf seine Art (eben läßt unb nie unerträglich wird. Spanien ist weder ein glückliches, noch ein unglückliches Land. Es lebt unter dem Zelt feiner großen Erinnerungen friedvoll dahin. Es ist unter seiner leuchtenden Sonne und seinem leuchtenden Nacht- hiinmel zufrieden. Intellekt unb Leidenschaft regen sich nur an der Oberfläche, rütteln aber nicht am Gleichgewicht der Tiefen.
Don Quijote unb Sancho Pausa, Don Juan, die Celestina unb die Heilige Thereso sind topisch spanische Gestalten. Wie ost glaubt man ihnen auch heute noch auf den Straßen Madrids ober Sevillas zu begegnen. Don Quijote möchte mit gefällter Lanze gegen alle Unbillen anrennen, aber Sancho Panza flüstert ihm immer zu, sich nicht in Dinge einzumischen, die ihn nichts angehen. Don Juan unb Santa Theresa können niemals Politiker sein, auch ihre Nachkommen sind es nicht.
Aber der Spanier liebt das Abenteuer. Spanische Konquistadoren zogen hinaus unb eroberten eine neue Welt, Spanien ist das Vaterland unternehmender Helden gewesen, die auch heute nicht ausge- storben sind. Die abenteuerliche Fahrt von Columbus soll nach vier Jahrhunderten wiederholt unb Amerika zum zweiten Male durch einen Spanier erobert werden. Diesmal sind es keine gebrechlichen Schiffe, die aus dem Hafen von Palos kühn in den unermeßlichen Ozean hinaussegeln. Diesmal ist es der Hydroplan des Fliegermajors Franco, der auf seinem Non plus ultra in das Luftmeer hinausflog unb binnen acht Tagen Buenos Aires erreichte. Große Feierlichkeiten fnnben in Pakos statt, die Spannung war allgemein, die Luftfchiffer, Major Franco und fein Begleiter Hauptmann Ruiz de Aida wurden in Reden unb Banketten gefeiert, unb der König hat ihnen aufgetragen, feine besonderen Grüße an die südamerikanischen Tochterländer zu übermitteln. Der Flug ging zuerst nach den Kapverdischen Inseln, von da in gerader Linie über den Ozean nach Pernambuco und von dort längs der Küste nach Buenos Aires. Zwei Kriegsschiffe hatten den Auftrag, sich Major Franco zur Verfügung zu stellen, ihn auf den Kapverdischen Inseln mit Benzin zu versehen und seinem Fluge zu folgen.
Major Francos Transozeanflug wird von den Spaniern als eine nationale Tat aufgefaßt. Der
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Wagemut des einzelnen wird von jedem Spanier mitempfunden. Das Ereignis in Palos überschattete alles andere Geschehen im Königreiche. Man ift der ewigen Krisen- unb Reoolutionsgerüchte überdrüssig geworden, bie alltäglich in ben Kaffeehäusern geflüstert werben, bie vielleicht von einem wirklichen Pronunziamento gefolgt sein werben, bie sich aber meistens in ein schemenhaftes Nichts auflösen. Denn, wie schon erwähnt, löst sich die Aspiration des spanischen Volkes nicht in der Politik aus, deren mögliche Segnungen mit großer Skepsis betrachtet werden. Für Spanien ist der Flug des Majors Franco eine glorreichere Tat als ein citeler Kampf um die Cortes.
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Adolf Hausrath, Landsmann und langjähriger Freund des Dichters, hat über Scheffels Leben als tragisches Motto das Wort „Zu spät" gestellt: „Zu spät ist es für ihn, noch Maler zu werden, zu spät denkt er an eine akademische Laufbahn, zu spät wurde er selbständig, zu spät hat er geheiratet." Aber die Gründe für das Scheitern seiner Hoffnungen und Ziele liegen doch tiefer, liegen vor allem in dem sensiblen, leicht aus dem Gleichgewicht gebrachten Temperament des Dichters. In wie weit etwa Vererbung mitwirkte, ist schwer zu sagen. Doch war sein Bruder Karl von Geburt an „geistig und physisch ein bedauernswerter Krüppel". „Die Lust zum Fabulieren" ist Scheffel von seiner Mutter überkommen, die bereits in dilettantischer, aber doch überraschend ähnlicher Weise die Grundakkorde seiner Poesie anschlug. Während die Mutter für die ihr verwandte Dichtergabe des Sohnes viel Verständnis hatte, kam es zwischen ihm und dem bürgerlich engherzigen, bei aller Güte doch zäh widerstrebenden Vater zu Konflikten, die tiefe seelische Verstimmungen in dem jungen Manne hervorriefen. Es mochte dem praktisch und ruhig Denkenden gewagt erscheinen, dah der Sohn, nachdem er feine Examina gemacht hatte und bereits in eine gesicherte Ve- amtenlaufbahn eingetreten war, Künstler, Maler werden wollte. Auch dieses Schwanken zwischen bildender und dichtender Kunst zehrte an seinen inneren Kräften, bis er schließlich in Italien einsehen lernte, daß „allen seine Geschichten mehr gefielen, als seine Zeichnungen", und er sich in dem begeisterten Schassensrausch seines „Trompeters" von dem Phantom der Malerkunst zu befreien suchte, ohne doch den schonen Traum je ganz aufgeben zu können. Tlnd es schien nun eine kleine Spanne Zeit, als sollte alles gut werden. Den nur so gelegentlich hingesungenen „Liedern eines fahrenden Schülers" folgten das treffliche Epos und der prachtvoll gestaltete große Roman. Reue Pläne drängten sich ihm in Fülle
Jahren seines Lebens wieder heftige „Paroxysmen" ausbrachen.
Mit dieser unholden Trübsal keines Lebensganges ist die künstlerische Tragik in Scheffels Werk unauflöslich verknüpft. Die nervöse Haft seiner Phantasietätigkeit, die fahrige Tlnruhe seines Schaffens steht im engsten Zusammenhang mit seinen äußeren Schicksalen. Er war eine Ratur, deren glänzende Begabung vom glücklichen Moment, von einem Tleberschwang der Stimmung emporgetragen wurde. So entstanden seine prachtvollen Trinklieder: sie blühten aus dem rebenumkränzten 'Weinglas hervor und rankten sich um die Arabesken der „Kneipzettung". die das Mitglied der Burschenschaft Frankonia und später der Codale der fröhlichen Gesellschaft des „Engeren" dirigierte. Als echter Lyriker war aber Scheffel nicht auf Burschenlieder und Zechhumor beschränkt, sondern hat auch andere Töne angeschlagen, vom jubelnden „Ausfahrt" bis zum ernst-wehmütigen »Dem Tode nah" und den pathetischen Orgelklängen so mancher „Bergpsalmen", ünb auch der „Trompeter" war im Grunde persönlichstes Bekenntnis, vom römischen Recht, das auch dem Karlsruher Juristen wie ein Mühlstein im Magen gelegen hatte, bis zur romantischen Romfahrt. Die humorvoll weiche Märchenstimmung, die sich im Stofflichen noch ganz mit Eichendorfss „Taugenichts" berührt, hatte durch den kecken Atta- Troll-Ders etwas pikant Belebtes erhalten und bot Raum zu subjektiver Aussprache. Die kraus verschnörkelte, behäbig ungefüge und zugleich lustig verzierte Kultursphäre des Spätbarock, wie sie der malerisch gestimmte, die Sprache der Kunstwerke so gut verstehende Dichter in Bruchsal unb Saeckingen in sich auf genommen, bot den prächtigen Hintergrund, schuf ein ausgezeichnetes Zeitkolorit für das Lied von „Liebe unb Trompetenblasen". Sogar beim „Ekkehard", ’.j r ci fff er künstlerischer Leistung, muh das persönliche Erlebnis stark' betont werden. Wie
Lin tragisches Dichterschickfal.
(Zu Scheffels 100. Geburtstag.) Don Dr. Paul Landau-
Scheffels Leben und Schaffen ist so recht ein Beispiel dafür, wie eng die Sonnenhelle des Humors mit der Rächt der Tragik verschwistert sein kann. Wie anders wirkt dieses Dichterleben auf den nachdenklichen 'Betrachter, als die Gestalt des trinffrohen Poeten im 'Bewußtsein der Allgemeinheit sich spiegelt! Wenn wir sein Standbild heute sehen, an einem der schönsten Flecken deutscher Erde, unter den Bäumen des Heidelberger Schloßgartens, den stolzen Ruinen des herrlichen Baues gegenüber, so erscheint dies Bild als das Ideal des gottbegnadeten Sängers, der von Jugend und Weltlust, von Siebe und Wein geschwärmt hat. Wo der heitere Geist Alt-Heidelbergs, die Poesie des Studenten- tums, die Freude am reinen Sang und reinen Trank waltet, da leuchtet Scheffels Muse als „ein Bildchen, ein göttliches" vor: „Wir klingen und singen: Bibamus!"... Doch neben dieser leuchtenden Gestalt, die ein Gewinn unseres Volksgemüts ist und deren Wirkung bleiben wird, steht bie reale Persönlichkeit des Ekkehard-Schöpfers, wie sie eine umfangreiche Scheffel-Forschung uns geschildert hat, in viel düsteren, ja tragischen Farben da. Wer mit den Augen des Wissenden, das Heidelberger Denkmal betrachtet, wird in dem gestiefelten Wanderer nicht mehr ben rüstigen „ Fahrenden Scholaren" erblicken, sondern ben verzweifelten „Irregang", den rastlosen, von innerer Qual hin unb her getriebenen „ Fremdling und LInbehausten": das Rotizbuch, bas ihm in die Hand gegeben ist, wird bann zu einem Symbol bes ihn verzehrenden künstlerischen Zwiespalts werden, bet ihn zum Sammeln gelehrten Krams, zu einer verhängnisvollen Vermischung von Dichtung unb Wissenschaft trieb und die innere Stimme immer wieder erstickte.
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bekanntlich seinerzeit alle Mächte Geschenke gestiftet. I genügende Vorstellung von der oft genialen Freude Von Deutschland stammt das schöne schmiedeeiserne I des Spaniers an der plastischen Herausforderung Gitter um den Park. Es ist zweifellos eine hervor- | feiner Mitteilungen, an der Anhäufung hübscher " " ' und treffender Worte. Er trägt nicht schwer an
Sorgen und Kümmernissen, er hat die große Be-
Spanien und der Transozeanflug.
Don unserem v. U. St.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Madrid, Mitte Februar.
Um ein Volk, feine Politik, seine Freuden und Hoffnungen, feine Tugenden und Fehler beurteilen zu können, soll man sich die Menschen ansehen, aus denen sich die Nation bildet. Man steht in Spanien selten tief vergrämte Gesichter, so mit Problematik beladene Gestalten, Menschen mit angeborener Zerissenheit wie bei uns. Es ist wahr, selten haben die Spanier jene geistige Lebendigkeit und Schönheit, die dem Kämpfer dann zuteil wird, wenn er nach überstandenen Mühen sich selbst und die Ordnung findet. Dafür hat er den Gewinn, daß fein Leben nicht gestört und vergiftet wird von Menschen, denen die Sonne fehlt.
Der Spanier gibt im allgemeinen der Form vor dem Sinn den Vorzug. Das ist ein Vorteil unb ein Nachteil, der ober dem hiesigen Leben einen besonderen Stempel ausbrückc. Er liebt die Form des Umganges und der Darstellung, er veräußerlicht. Er ift darin ganz verschieden von dem innerlichen Typus des Deutschen. Er hält sich frei von den Spannungen unausgewirkter Energien. Da der Spanier nach außen lebt, so ist ihm die Höflichkeit des Wesens eine notwendige Lebensbedingung. Man ist deshalb oft versucht, ihm Falschheit oder Spekulation uorzuwerfen, man lächelt, wenn einem mit breiter Geste Haus und Hof zur Verfügung gestellt wird, wenn der Springbrunnen zierlicher und überschwänglicher Worte zu sprudeln beginnt. Gewiß soll man alle diese Floskeln nicht ernst nehmen, sie enthalten aber auch keine bewußte Falschheit, sie sollen nur die Form der Begrüßung usw. verschönern und liebenswürdiger gestalten. In allen spanischen Kreisen lebt noch die höfische Art früherer Jahrhunderte. Es gibt einen über die Stanbesunter» schiede hinwegreichenden, oft beim Maultiertreiber, beim Bauern, beim kleinen Angestellten, bei der Verkäuferin anzutreffenden inneren und äußeren Adel der Form, der eine Zierde des spanischen Volkes ist. Man macht sich als Fremder kaum eine
Oderhessen.
Kreistag in Lauterbach.
6 Lauterbach, 14. Febr. Bei der gestrigen Wahl des Kreisausschusses deS Kreises Lauterbach wurden gewählt als Mitglieder: Friedrich I o st. Bürgernreister. Bermuthshain, Dr. Friedrich R i e p o t h, Bürgermeister, Schlitz, Heinrich Ferdinand R o d e m e r, Bürgermeister, Angersbach. Johannes Fischer, Bürgermeister, Pfordt, Heinrich Schaaf VI., Bürgermeister, Eichelhain. Hermann Walz, Bürgermeister. Lauterbach: als ($rfat)mitglkbcr: Engelbert Friedrich Kübel. Bürgermeister, Herbstein, Albrecht Riedesel Freiherr zu Eisenbach auf Hof Sassen, Karl Sandmann I., Kaufmann, Lauterbach. Christian Hofmann. Bürgermeister, Queck. Thomas Stock, Bürgermeister, Blihenrod, Karl Maurer, Studienassessor, Lauterbach. Es waren zwei Wahlvorschläge abgegeben worden. Die bürgerlichen Parteien hatten sich auf einen Wahlvorschlag geeinigt, während die sozialdcmotratische Partei einen Wahlvorschlag für sich allein aufgestellt hatte. Aus den ersteren Wahlvorschalg wurden 15, auf den letzteren 6 Stimmen abgegeben. Bei der Verteilung der Sitze mußte für den sechsten Sitz das Los gezogen werden, das zugunsten des Wahlvor- schlags der bürgerlichen Parteien entschied. Rach der Wahl fand unter dem Vorsitze des Kreisdirektors Dr. Michel eine konstituierende Sitzung des Kreistages statt. Die Kreistagsabgeordneten wurden hierbei durch Handschlag verpflichtet, die Kreisausschußwahlen für gültig erklärt und auf Antrag der Abgeordneten Dr. R i e p o t h, I o st und Walz die Tagegelder der Kreisausschuß- und Kreistagsmitglieder um ein Drittel der seitherigen Sätze ermäßigt.
Landkreis Gießen.
Bg. Großen-Buseck, 14. Febr. Heute veranstaltete der Gesangverein „Germania" im Saale des Gastwirts Brück ein Konzert, auf das er mit Genugtuung zurückblicken kann. Nach Worten der Begrüßung an die Erschienenen unb besonders an die beiden Solisten, Frau Rose Diehl und Herrn Bruno Herrmann aus Gießen, dankte der 1. Vorsitzende Bona rius dem Chorleiter, Musiklehrer Kasten aus Gießen, für seine unermüdliche Arbeit im Dienste des Vereins und forderte die Sänger auf, sich auch ferner mit Eifer der schönen Sangeskunst hinzugeben. (Bereits der erste, von Hch. Wagner IV. gestiftete Chor „Nachtzauber" und mehr nach die .Kunstchöre „Sturmwogen" und „In den Alpen" zeigten, in welch hohem Maße der Chorleiter die Sänger beherrscht. Mit feinem Verständnis seitens des Dirigenten und eifriger Hingabe der Sänger waren alle Stimmungsbilder fein herausgearbeitet. Auch die übrigen Chöre sowie die beiden Quartette kamen schön zur Geltung, mit sympathischer Stirne, in schlichter Weise und daher um so eindrucksvoller brachte Fran Rose Diehl eine Reihe Lieder für Sopran zu Gehör, die teils stürmischen Beifall ernteten, wie das tiefempfundene „Der letzt« Gruß" und „ Trennung". Auch einige der herrlichen Löns-Lieder wußte die Sängerin den Zuhörern recht nahe zu bringen. Hatte man schon bei dem „Larghetto" von Mozart den Eindruck, daß der Verein in Herrn ft ermann als Solisten für Violincello einen guten Griff getan habe, so konnte man sich während der weiteren Darbietungen Überzeugen, daß dieser ein Meister dieses Instrumentes ist. Seine Vorträge, die ebenso wie diejenigen der Frau Diehl von Herrn Kasten auf dem Klavier begleitet wurden, sprachen von tiefer Einfühlung und zeigten, daß er auch technisch sein Instrument vollkommen beherrscht. Mit Recht dankte der Vorsitzende am Schlüsse den beiden Künstlern besonders dafür, dah sie es nicht verschmäht haben, ihr hohes Können auch einmal Landbewohnern zugänglich zu machen. Das Konzert stellte in dieser Form wohl einen Versuch des Gesangvereins „Germania" dar,
Dor Dem höchsten Gerichtshof der Welt.
Von unserem R.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) DenHaag, Februar 1926.
„La Cour!" — kündigt der Diener mit lautem Ruf den Eintritt der Mitglieder des Ständigen Internationalen Gerichtshofes in den großen Saal des Friedenspalaftes im Haag an. Die Versammlung erhebt sich. In dem etwas fahlen Licht des nebligen Vormittags, das durch die großen Kronleuchter unterstützt wird, schreiten die Mitglieder des höchsten Gerichtshofes der Welt langsam in den Saal. Voran in schwarzer Robe der Gerichtsschreiber H a m m e r s k ö l d , der Sohn des berühmten schwedischen Juristen, mit schmalem, klugem Gesicht. Danach die Richter selbst in schwarzen, famt-- üerbrämten Talaren mit Spitzenjabots. An der einen Längsseite des Saals nimmt das Kollegium an einer langen, erhöhten Tafel Platz. Im Saale vor dem Richtertisch sind rechts und links die Tische der Stenographen und Uebersetzer, davor wiederum die Tische der Parteien, in der Mitte das Rednerpult. Rückwärts und an den Seiten stehen Reihen von Sesseln für das Publikum, das sich ziemlich zahlreich eingefunben hat.
Während der Formalitäten der Eröffnung der Sitzung hat man Muße, sich im Saale umzufehen. Zwölf Richter aus zwölf verschiedenen Ländern bilden das Kollegium, fast durchweg erste Autoritäten ihrer Wissenschaft. Meist weißhaarige, würdige Erscheinungen. Der Senior ift der in den Achtzigern stehende Lord Finlay, dessen faltiges Greisenantlitz aber trotz der gebückten Haltung seine geistige Frische zeigt. Neben ihm auf der einen Seife der Spanier Altamira, der so recht wie ein deutscher Professor aussieht, auf der anderen die massige Lutherfigur des Holländers Loder. Neben Loder wiederum als Vorsitzender der Züricher Völkerrechtslehrer Huber, ber mit seinem pechschwarzen vollen Haar und Schnurrbart als der jüngste des Kollegiums erscheint, obwohl auch schon er ein halbes Jahrhundert zählt. An ihn schließt sich der aus dem Elsaß stammende Vertreter Frankreichs, Weiß, der in Gesichtsschnitt und Bartttacht eine verblüffende Aehnlichkeit mit dem alten Kaiser Franz Joseph aufweist. Weniger professoral sind die klugen Köpfe des Italieners Anzilotti, des Norwegers B e i ch m a n n und des deutschen Richters Professor Ra bei. Der polnische Richter, Graf Rostwo- rowski, verleugnet in seinem Typus seine Nationalität nicht. Ausgeblieben sind leider der japanische unb ber chinesische Richter, die in früheren Sessionen einen ausgezeichneten Eindruck gemacht haben. Ihre Plätze nehmen weniger bekannte Juristen aus Rumänien und Jugoslawien ein.
Zur Verhandlung steht ein deutsch-polni- scher Streitfall. Wie vor dem Völkerbund in Genf, so ift Polen auch vor dem Tribunal im Haag ein besonders häufiger Angeklagter, was allein schon gewisse Schlüsse zuläßt. Heute handelt es sich um widerrechtliche Liquidationen und Enteignungen in P v k n i s ch - O b e r s chl e- f i e n. Die schriftlichen Verhandlungen sind oorange- gangen. Die mündlichen Plädoyers beginnen mit einer mehrstündigen Rede des Vertteters des Deutschen Reiches, des hervorragenden Bonner Rechtslehrers Kaufmann, der in glänzendem Französisch das Ergebnis der schriftlichen Verhandlungen zusammenfaßt. Die weinfarbenen Aufschläge seines schwarzen Talars bringen eine bunte Note in das feierliche Bild. Hinter den Tischen der Parteien verfolgen der polnische Gesandte und der deutsche Geschäftsträger den Sitzungsverlauf. Abschnittweise wird bas Plädoyer unmittelbar von den Uebersetzern englisch vorgetragen, wie überhaupt jedes Wort von ihnen englisch wiederholt wird. Deutsch hört man nur, wenn in den Plädoyers ein deutscher Name ober ein deutsches Zitat vorkommt.
Die Versammlung lauscht gespannt, die Richter piüfen Zitate und machen sich Notizen. Nach dreistündiger Dauer des Plädoyers legt ber Vorsitzende eine Pause ein, und mit derselben Feierlichkeit wie bei seinem Einzug verläßt der Gerichtshof den Saal.
Wir benutzen die Zwischenzeit, um uns in dem Friedenspalast, in dem der Internationale Gerichtshof zu Gaste ist, etwas umzufehen. Zweierlei fällt auf. Einmal bie Gediegenheit aller Ausstattung, die zeigt, daß die Stiftung Carnegies nicht zu sparen brauchte, und zweitens die Anklänge an eine Kirche, wie sie bie bunten Glasfenster, die Christusstatue im Vestibül — ein Geschenk Perus unb Chiles —, selbst ber Turm bes Palastes Hervorrufen. Auch hier spricht wohl ber amerikanische Ursprung des Hauses mit. Zur Ausstattung haben
zu, und der heimischen Misere mit dem zürnen- oen Vater entzog er sich durch die Llebersiedlung nach dem „Künstlerparaüies" München. Da vernichtete ein Schlag all seine Blütentränme: die über alles geliebte Schwester starb plötzlich, und der Bruder, der gegen den Willen des Vaters ihren Besuch in München durchgefetzt hatte, zermarterte sich in selbstquälerischen Anklagen, er habe sie getötet. Ein erstes Auftreten fixer Ideen, die sich dann später in dem Glauben, der Großherzog von Sachsen-Weimar werde die Vollendung des versprochenen Wartburg-Romans erzwingen, zum Verfolgungswahnsinn steigerten. Seine Rerven waren durch den Tod der Schwester furchtbar angegriffen; feinen völligen Zusammenbruch veranlaßte dann eine traurige Liebesaffäre. Der Sänger beglückter Liebe ist selbst in feinen Beziehungen zu Frauen von schlimmem Mißgeschick verfolgt gewesen. Seine Münchner Freundin, die schöne Clise von Moy, ging ins Kloster; die Angebetete seiner Karlsruher Iünglingszeit, die schlanke Emma Heim, an die die Lieder Jung-Werners gerichtet waren, zog dem von seinem Vater abhängigen Poeten eine „gute Partie" vor. Diese Liebe hat lange als ein Unftern über Scheffels Seelenleben geschwebt; das Gemütsleiden, das sich Ende 1860 in ihm entwickelte, war jedenfalls durch die Untreue der Iugendgeliebten stark mitbedingt. Als der wieder Genesene dann 1864 die Che mit Karoline von Malzen schloß, war er zu alt geworden, um glücklich zu sein. Rach schweren inneren Kämpfen trennten sich die beiden Gatten bald wieder, und erst an Scheffels Totenbette haben sie sich versöhnt. Er selbst lebte nun, während der Ruhm und Erfolg ihn umrauschten, als ein einsamer, müder, mürrischer Einsiedler, glücklich nur als Gutsbesitzer auf seinem eigenen Grund, sich hauptsächlich der Erziehung seines Sohnes widmend. Rur selten noch bettickste ibn die Muse, häufiger firnen die grimmigen cjp. ■ der Melancho.ic Unrast, dis ü; Den letzten'I
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