Nr. 295 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, (5. Dezember 1926
geilungsfchau.
Die .Kölnische Zeitung" bespricht in ihrer letzten Llmschau die innerpolitische Krisis. Die Hauptschwierigkeiten stellen sich ihr dabei folgendermatzen dar. .Eine Partei, die. wesentlich konfessionell-kirchlich zusammengehalten, schon tn ihrem Hamen von zeher: einer politischen Firmenklarheit ausweicht, indem sie sich nach dem äußerlichen Kennzeichen ihres Platzes im Parlament das Zentrum nennt Eine sozialdemokratische Partei, deren Programm der ganzen bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entgegengesetzt ist und sie verpflichtet, in gemeinsamen Mionen mit den gleichgerichteten Parteien anderer Länder den internationalen Sozialismus durchzusetzen: deren Führer zwischen diesem Programm und den Erfordernissen einer nationalen Realpolitik hin und her rutschen und keinen festen Standort finden. Auf dem andern Flügel die Deutschnationalen: sie wissen: das Alt« stürzt, es ändert sich die Zeit, richten 'ich aber nicht geschlossen genug auf das Reue ein. Wir müssen über diese Schwierigkeiten Hinwegkommen. und einem nicht von Parteibefangenheit getrübten Mick erscheint als die am ehesten erreichbare Möglichkeit dafür der sogenannte Bürgerttock. Ein dummes, irreführendes Wort und ebenso falsch wie die politisch unmögliche und tatsächlich auch gar nicht gültige Llnterschei- düng von Bürger und Arbeiter. Würden die Beteiligten, von den Parteidemokralen bis zu den Deutschnationalen. mehr auf den Kern der Sache sehen, die sie doch gemeinsam für richtig halten, so käme eS aus den Hamen- des Mehrheitsblocks nicht an: er würde alle Parteien umfassen, die keine sozialistische Republik wollen, weil eS sonst gar nichts anderes gibt, als eben die demokratische Republik. Auf ihren Boden ftetlen sich ja auch wohl oder übel die Deutsch- nationalen: sie wollen sogar das demokratischste aller Regierungsmittel, den Volksentscheid, an- wenden, wie sie jüngst zur Frage des Reichs- scbulgesetzes angekündigt haben. Die Worte schrecken auf der einen wie auf der andern Seite, und der agitatorische Parieigeist tut das seimige dazu. Aber es hilft schließlich alles nichts, man muh sich entscheiden. Däh man ohne feste Mehrheit von einer Krise in die andre stolpern werde und möglichst bald eine feste Grundlage für eine konsequente Regierungspolitik schaffen müsse, ist eine Binsenweisheit, die noch dieser Tage das Berliner ZentrumSblatt ausgesprochen hat. ... 3n dieser nationalpolitisch schwierigen Lage hält die Sozialdemokratie es für ihre Aufgabe, um die Wette mit den ausländischen Kontrolleuren »Material" über-die Reichswehr zusammenzu- tvagen und auszubeuten, über unsre Beziehungen zu Rußland angebliche Enthüllungen, die zuvor von Berlin aus in die ausländische Presse gebracht wurden, sensationell aufzubauschen und Tag für Tag in die Welt zu schreien, dah Rutz- iand die deutsche Reichswehr bewaffnet habe. GS scheint, dah bei dieser zweiten Aktion der Hatz gegen die Bolschewiken, die die proletarische Ginheitsfront zerstört halben, die Sozialdemokratie vollends blind gemacht hat für die nationale Verantwortung, die es zu wahren galt. Es ist unverantwortlich, wenn der .Vorwärts" schreibt: »Die Beziehungen Ruhlands zum offiziellen Deutschland, dem Deutschland Hindenburgs, Dehlers und des 3ndustriekapita!ismuS, sind erst gestern wieder von Herrn Tschitscherin hier in Berlin alS ganz ausgezeichnet gepriesen worden. Sie sind es in der Tat. Unb was die Beziehungen der russischen Regierung zur Reichswehr betrifft, so sind sie — oder vielmehr waren sie biS vor ganz kurzer Zeit — noch viel intimer, als man öffentlich zugeben möchte." Wenn man es sich nicht '(fron vorher hätte zusammenreimen können, so toüue über Sinn und Hintergrund solcher Versündigung am eignen Lande der Schluh deS Artikels Aufklärung geben, der nichts andres besagt, als dah die wahre Einheitsfront deS Proletariats unter den Fahnen der Sozialdemv- kratte wieder heranwachfe. Dah es dem deutschen Volk in der Bedrängnis, der es durch die West- mächte auSgeseyt ist, von Wert sein muh, an dem groben, zukunftsreichen russischen Machbar einen Rückhalt zu haben und ihn zugunsten unsrer Freiheit und Gleichberechttgung ausspielen zu können, ist leicht genug zu erkennen, gleichviel, wie wir diesen Rückhalt sonst bewerten mögen, von dem wir wohl wissen, dah Ruhland auS kluger Berechnung die deutsche Karte in seinem k^omatischen Spiel haben will. Die Sozial- demokratte aber blickt nur gebannt auf das eine Ziel, die deutschen Kommunisten wieder um ihre
Der Wert
der Altdeutfchland-Marken.
Don M. Büttner.
Alten Geigen und alten Briefmarken ist eine merlwürdige Eigenschaft gemeinsam: Je bejahrter sie werden, desto höher steigt ihre Wertschätzung bei ihren Liebhabern. 3n zunehmendem Matze ist daS bei den Postwertzeichen der früheren deutschen Bundesstaaten und den damaligen selbständigen Marlenausgaben der Hansastädte der Fall. Während indessen der Wohlklang bet Violine für ihren Preis nahezu den einten Mähst ab bildet, ist die Bewertung der Briesrnarle ein dehnbarer Begriff, und mancherlei Faktoren sprechen dabei mit, wie vor allem die Erhaltung, die Art der Abstempelung. der Schönheitsgrad, die Gummierung. daS Zusammenhängen mehrerer Stücke, die unveränderte Ursprünglichkett auf dem „ganzen Brief" und ähnliches.
Aber ungeachtet dieser noch verhältnismätzig sachlichen Grundlagen für eine Wertbemessung handelt es sich frier doch um ein recht weites Feld, auf dem der Phantasie und zahlungssähi- gen ßiebfraberei keine Schranken gesetzt sind. Selbst die verschiedenen bewährten Postwertzeichen-Kataloge, deren Preisangaben sich heutzutage mit einem mehr oder minder hohen „Rabatt'^ verstehen, bieten In dieser Beziehung feine unbedingt sichere Führung, vielmehr weichen ihre Taxen oft genug erheblich voneinander ab. Unter diesen Umständen herrscht auch auf dem phila- telistischcn Marit eine gewisse Willkür und iln- sicherfreit, und der Markensreund, der etwa auf einem kleinen Spaziergang durch ein paar Brief- Markenhandlungen oder nur beim Betrachten ihrer Schaufenster die Preise für altdeutsche Marken ein wenig vergleicht, kann sein blaues Wunder erleben.
Fahne zu scharen. ... Die Sozialdemokratte hat zeitweise da und dort den Eindruck erweckt, dah sie für die in den letzten Jahren verfolgte auswärtige Politik Deutschlands eine zuverlässige Stühe und ein unentbehrlicher Faltvr fei. den man deswegen auch in der innem Politik zur Regierung heranziehen müßte. Dieser Glaube ist durch das Verhalten der Deutsdfrnationalen auch dann noch gestützt worden, als er sich mehr und mehr als irrig erwiesen hatte. Er kann heute, wenn man an die Durchführung des parlamentarischen Systems Herangehen will, keine Rolle mehr spielen. Für die innere Politik aber ist das Verhalten der Sozialdemokratte das Bekenntnis. dah ihr die ganze Richtung nicht patzt: und das Streben nach der proletarischen Einheitsfront, das ja nur mit einer Wellern Radikalisierung einhergehen kann, Warnung genug."
Auch Paul Harms macht in den »Leipziger Heue ft en Hackrichten" grundsätzliche Bemerkungen zur parlamentarischen Lage. Er schreibt: »Wo Demokvttie zum Parlamentarismus eines sich selbst regierenden Volkes ausgereift ist, da wird die Befugnis der Mehrheit, die Minderheit zu vergewaltigen, hübsch in den Hintergrund geschoben und daS Schwergewicht auf die verantwortliche Führung der Geschäfte gelegt, woran die Minderheit, eben durch ihre Pflicht zur Kontrolle, stillschweigend als mitbeteiligt betrachtet wird. Unter einem gesunden Parlamentarismus wird die Mehrheit ihre Geschäftsführung, wo es irgend angeht, so einrich- ten, dah die Minderheit, die Opposition, sie nicht als Vergewaltigung empfindet, sondern stets die Rücksicht herausfühlt, die von der Mehrheit auf das Wohl des Staatsganzen genommen wird. 3n keinem Lande der Welt ist soviel wie in Deutschland davon die Rede, das; das Wohl des Vaterlandes Über dem 3ntereffe der Partei stehen müsse: in keinem Lande der Welt wird das Parteiinteresse so rücksichtslos an die Stelle des Gemeinwohls gesetzt. Hätten wir einen aus- gereiften Parlamentarismus, so hätte die Frage, die neuerdings Stegerwald in Essen ausgeworfen hat, ob man der Sozialdemokratie nicht einmal wieder zeigen sollte, dah eS auch »ohne sie" geht, gar feinen Sinn. Unter einem geiunden und reifen Parlamentarismus wird niemals »ohne" irgendeine Partei regiert, die sich nach Zahl und Leistung als daseinsberechtigt erwiesen hat. 3ede Partei regiert „mit", entweder innerhalb der gcschästssührenden Mehrheit, ober innerhalb der aussichtsführenden Opposition. Die fin- dische Auffassung der deutschen Linken, dah die Mehrheit — zum mindesten bann, wenn die Linke die Mehrheit hat — der Minderheit andauernd den Daumen aufs Auge halten müsse, hat ihr Gegenstück im Bestreben der Rechten, die Eozial- bemofratie „auszuschallen", bürgerliche „Einheitsfronten" zu ihrer dauernden Hieberhaltung zu bilden. Die Sozialdemokratte, nebst demokratischem Anhang, kann die Zeit noch nicht vergessen, wo sie den Staat als Ganzes ablehnte, weil ihr die Staatsform nicht gefiel, unö wo sie von den Hauptnuhnießern der Staatsform daher mit Leichtigkeit im Zustande grundsätzlicher „Regierungsunfähigkeit" erhalten werden konnte. Und den- Deutschnationalen hängen immer noch die Eierschalen des altpreutzischen Konservatismus an, der ohne einen ober mehrere „Reichsfeinde" nicht glaubte aufitoirmen zu können, die s.ine und des Dreillc.ftenwahlrechts Unentbehrlichkeit an jedem Tage, den Gott werden lieft, neu zu beweisen hätten. Es wirb wohl noch eine Weile dauern, es- wird wohl ein ganz neues Geschlecht, rechts wie links, heranwachsen müssen, ehe das zur Selbstregierung verurteilte deutsch« Volk die Kinderkrankheiten dieses Zustandes überwunden hat. Wenn es sie je überwinden wirdl 3nzwischen hat das Zentrum die Ruhnietzung dieses Zustandes, wobei Rechte wie Linke sich gegenseitig die Gleichberechttgung abstreiten. Die Linke behauptet. die Republik sei ihre Erfindung, und es sei von der Rechten also eine Anmaftung, in der Republik überhaupt mitregioren zu wollen. Die Rechte kann — unseres Erachtens mit mehr Grund — geltend machen, datz eine Außenpolitik, die Deutschland wieder zu einigem Ansehen und leidlichem Wohlstand unter den Völkern der Erde bringen könnte, mit der Sozialdemokratie nicht zu machen ist, möchte daraus aber die zuwcit nicht zu machen ist, möchte daraus aber die zu weit gehende Folgerung ziehen, die Sozialdemo, fratie sei mithin nur als „Objekt der Gesetzgebung" daseinsberechtigt."
Lieber den Besuch deH russischen Hüften- kommissars in Berlin schreibt Theodor Wolff
3mmerhin läftt sich ein ziemlich zuverlässiger Maftstab für den derzeitigen tatsächlichen Wert altdeutscher Marttn aus einer ständigen aufmerksamen Beobachtung der Marktage und namentlich der Dersteigerungsergebnisfe getoinnen. Richt was geschäht ober gefordert, sondern was wirklich gezahlt wird, muft letzten Endes als Wert einer Marke gelten. Legt man der Betrachtung dieses Prinzip zugrunde, so findet man, baft ein großer Teil unserer guten alten Deutschland-Marken schon recht hoch im Kurse steht, und baft fast alle altdeutschen Staaten eine zunehmende Zahl „großer Kanonen" aufweisen, für die bereits hübsche Sümmchen gezahlt werden.
Will man bei einer solchen Raritätenschau etwa beim alten Baden den Anfang machen, so sieht man an der Spitze den ebenso berühmten wie seltenen Fehldruck 9 Kreuzer blaugrün von 1851 marschieren, der heute mit runden 15 OCX) Mark bewertet wird! Musterbeispiele für die großen Wertunterschiede zwischen ungebrauchten und gebrauchten Marken finb die 30 Kreuzer orange von 1864 und die Landpost-Portomarke 12 Kreuzer gelb aus dem 3afrre 1862; jene kostet ungebraucht nur 1.25 Mk., dagegen gestempelt 100 und auf ganzem Bries sitzend sogar 250 Mk., diese ungebraucht 1.75 Mk., mit dem seltenen Stempel aoer 1500 und auf Brief nicht weniger als 4000 Mk.
Unter den alten Wertzeichen Bayerns erfreut sich z. B. die Ausgabe 6 Kreuzer braun (1. Type) von 1849 besonderer Hochachtung, die sich in einem Preis von 450—500 Mk. für die ungebrauchte Marke ausdrückt: ähnlich wird die 9 Kreuzer blaugrün ungebraucht mit 350 Mk. und die 6 Kreuzer ultramarin von 1862 mit 400 Mk. veranschlagt. Von den jüngeren Ausgaben kostet die 1879 erschien enene 1 Mark rotlila ungestempelt bereits 375 Mk. und die noch jüngere 3 Mark olivbraun von 1905 gebraucht schon 35 Mk., auf ganzem Brief sogar
im „Berliner Tageblatt": 3n den, Augenblick, als bttesemann sich zur Reise nach Genf rüstete, traf Tschitscherin hier ein. Ganz wie damals, als ©trefemann nach Locarno abfahren wollte, war auch jetzt der Leiter der russischen Außenpolitik durch ein chronisches Selben genötigt, einen deutschen Epezialarzt — diesmal den berühmten Rovrden in Frankfurt am Main — zu konsultieren, und ganz wie damals fand er auch jetzt wieder die Kraft, in Unterhaltungen unter vier Augen und in einer für die Oeffvntlichkeit bcfHmmten Ansprache feine Ansichten mit Schärfe darzulegen und die konservativen englischen Polit.ker „unglaublich borniert" zu nennen. Wer Gelegenheit hatte, mit Herrn Tschitscherin in der ruhigen Abgeschlossenheit eines Votschaftszirnmers zu sprechen, bewunderte. mit aufrichtiger Freude an dem geistigen Reiz einer bedeutenden Persönlichkeit, auss neue seine sarkastische Art und die ©ctoanbt- freit, mit der er leicht und leise, von oben herab die Torheit aller kritisierenden „Klugköpfe" be- lächelnd, jede nicht in seinen 3deenkrecs passende Frage gleichsam vom Tisch hinunterschiebt ...
... Manche von Zweifeln gebissene Leute fragen, ob der russische Staatsmann nicht beab- sichttgt habe, durch seinen Herliner Besuch und feine Ansprache die Verhandlungen in Gens zu erschweren ober gar zu sprengen. Man unterschätzt ben klug überlegenden Tschitscherin, wenn man seinen Reisen zur deutschen medizinischen Wissenschaft eine solche Deutung gibt. Gewiß, diejenigen, die vor allem die Ausfuhr des sogenannten deutschen Kriegsmaterials einschränlen wollen, fanden in der Berliner Rede Tschitscherins ein brauchbares Argument. Aber gleich- zeittg konnte diese rhetorische Kundgebung doch auch die Ueberzeugung verstärken, baß es ein Fehler wäre, Deutschland durch ungerechte Mißachtung aller notwendigen Forderungen gegen seinen Willen von der Locarno-Politik abzudrängen. Tschitscherin dürste gewußt haben, baß fein Austreten in Berlin zwar in England unb anderswo mißfallen mußte, vielleicht die Kriegsmaterialstage verschärfte, aber auch diesen und jenen bewegen konnte, deutschen Wünschen williger sein Ohr zu leihen. Statt ein griesgrämig verlegenes Gesicht zu machen, wollen wir uns über jeden Besuch dieser ungewöhnlich interessanten Persönlichkeit herzlich und dankbar freuen.
Der neue französische Botschafter in Washington.
Von unterem Pariser W. S.-Q3ericfrterftatter.~
Wie schon kurz berichtet, ist zum Rachfolger Bsrengers, des fvanzöftschen Botschafters in Washington, der bisherige französische Botschafter in Tokio, Charles Claudel, ernannt worden. Charles Claudel tone ursprünglich als Hach- folger des jetzigen französischen Bottchasters in Berlin, de Mckrgerie, ausersehen worden, doch kam Claudel wegen feiner ausgesprochenen deutschfeindlichen Haltung, die sich besonders in feinen Gedichten auSdrüctt, für diesen Posten ernstlich nicht in Stage.
Für die Regelung der für die französische Finanzwirtschaft so überaus wichttgen amerikanischen Kriegsschuldenfrage ist bieHeu- besehung des französischen Botschasterpostens in Washington überaus bezeichnend. Die französische Regierung dokumentiert damll, datz sie mindestens hofft, die ganze Frage zunächst noch dilatorisch behandeln zu können, denn hätte sie eine sofortige Entscheidung gewünscht, so würde sie einen Politiker ober mahgebenden Parlamentarier nach Washington entsandt haben, um eine grundsätzliche Klärung ber französisch- amerikanischen ©cfrulbenfrage herbei zusübren.
Glaubet ist am 6. August 1863 in Dilleneuve- fur Fin (Arsne) geboren. Er schlug zunächst bie Konsulatskarriere ein unb wurde 1893 Vi;e- konsul in Reuyork, 1894 Konsul in Shanghai, 1899 Konsul in Fou-Tchsou. 1903 kam er als Botschaftssekretär nach Peking, 1905 wurde er Konsul in Tientsin und drei 3ahre später in Prag. 3m Jahre 1911 kam er zum erstenmal nach Deuttchland, und zwar als Generalkonsul nach Frankfurt a. M. 1913 vertauschte er diesen Posten mit dem in Hamburg. 1916 wurde er Gesandter in Rio be 3an:irt> unb 1919 Äe- sandter in Kopenhagen. 3m 3ahre 1921 ging er als französischer Botschafter nach Tokio. Claudel ist nicht nur ein bekannter Diplomat, sondern ein außerordentlich fruchtbarer Schriftsteller.
baÄ doppelte. Für e.nen sog. Dreierstreifen ber ersten bayerischen Marke zu 1 Kreuzer schwarz (1849) wird man etwa 800 Mk. anlegen müssen, wenn man olche Spezialitäten liebt.
3n der Bewertung schnell gestiegen sind in den letzten Fahren bie a en Dergedors-Marien, von denen die enbgült ge Ausg ibe 1851 in ihren verschiedenen Werten gebraucht zwischen 80 uno 350, 7, Schilling dunkelblau sogar mit 1350 Mk. notiert, während ganze Briefe ncch mit wesentlich höyeren. vierstelligen Veträgen bezahlt teerten. Vom benachbarten alten Hamburg kostet heute die 9-Sch: Hing-Marke zitronengelb von 1859 gebraucht 230 Mr., auf ganzem Bries 1100 Mk., und in ähnl chen Regionen bewegen sich ole 4 Schilling des gleichen 3ahrgangs unb die gezähnte 9 Schilling von 1854. Auch die ersten Lübecker Marken — um bei den Hansestädten zu bleiben - werden in entwertetem Zustande schon mit 200 bis 600 Mk. bezahlt und erreichen auf ganzen Briefen dopvelte und dreifache Preise, während bestimmte Aastempelungen noch weitere, teilweise hundertprozentige Aufschläge erzielen. Verhältnismäßig erschw.nglich sind demgegenüber noch die allen Bremen, deren Preise für gebrauchte Marken sich zum Tell noch unter 100 Mk. bewegen: immerhin mutz man für die 7 Grote schwarz auf geloem Papier von 1867 doch 520 oder auf Dries 1800 Mk. anlegen.
Die ältesten Draunschweig-Marken find wieder ungebraucht am kostspieligsten, beispielsweise 1 Silbergroschen rosa (1852) etwa 2500 Mk. über 3 Silbergroschen ziegelrot 1500 Mk., während sie gestempelt nur 100 bzw. 60 Mk. kosten Ein esonders seltener Vogel dieses Landes ist die Marke zu 3 Silbergrvschen rosa von 1864, linienförmig durchstochen, auf ganzem "Brief, der auf 10 000 Mk. geschätzt werden kann. Einigerrnatzen billig sind noch die damallgen Postwertzeichen Hannovers: für einige Mark kann man sich noch manches zulegen. — es muß ja nicht gleich die erste Ausgabe von 1850 sein, die ungebraucht mit
Wirtschaftliche Probleme der Luftfahrt.
lieber dieses Thema sprach am Montagabend tm Verein für Luftfahrt in Gießen Dr. Büscher von den Iunkerswerken in Dessau. Der Vortragende führte in etwa zweistündiger Rebe u. a. aus: Der Verkehr auf dem Lande hat gewisse Un- Zulänglichkeiten: er ist an bie Dimensionen der Ber- kehrsweae gebunden und erreicht deshalb nicht alle Wirtschaftsgebiete. Die Anlage unb Unterhai tuns ber Verkehrswege, sowohl der Eisenbahnen als auch ber Landstraßen, erfordert die Festlegung eine» großen Kapital». Weitaus günstiger ist es mit dem Verkehr auf dem Meere bestellt. i)ie Seestraßen sind veweg- lieft; sie erfordern keinerlei Bau- unb Unterhaltungskosten, haben aber den großen Nachteil, bah sie da aufhören, wo der Mensch lebt und wirtschaftet. Der idealste Verkehrsweg ist die Luft. Lust ist überall; aus dem Luftweg kann man überall hin- gelangen, wo Menschen wohnen und Güter erzeugt werden. Der seitherige Luftverkehr spielte sich nur ab in Staaten mit hochentwickelter Wirtschaft, nicht in unerforschten Gebieten. Stellt man die Frage nach der größtmöglichen Wirtschaftlichkeit des Sufiotr- kchrs, fo ist diese in Wirtschaftsstaaten nach ganz anderen Grundsätzen zu beurteilen, als in unerforschten Gebieten. In den Wirtsckaftsstaaten Hal man den Luftverkehr mit der Personenbeförderung begonnen. Wie bei der Eisenbahn, so ist auch hier reiner Personenverkehr unrentabel. Deshalv hat man alsbald die Güterbeförderung ausgenommen. Diese ist aber naturgemäß begrenzt. Die Rentabilität kann hier nicht erreicht werden durch Beförderung großer Massen von Gütern, weil dazu das Flugzeug bis jetzt noch nicht imstande ist, sondern durch schnelle Beförderung leichtverderb- kicher und hochwertiger Fracht. Die Zetter« sparnis spielt die wesentlichste Rolle. Hand in Hand mit der Zeitersparnis geht eine bedeutende (Erfpar- nis an Geld, wenn man z. B. Schecks oder andere Dokumente, die den Kapitalverkehr betreffen, in möglichst kurzer Zeit ihrem Bestimmungsort zu^ührt: die Ersparnis an Zinsen ist bann oft sehr groß.
In den unerforfdjten Gebieten wlld die Luftfahrt in Zukunft noch eine große Rolle spielen. Zwei Drittel der gesamten Grboberflädx ist bis jetzt noch nicht erschlossen. Reiche Bodenschätze harren dort noch der Ausbeutung, große Wirtschaftsgebiete können gebildet werden. Eisenbahn- unb Kraftfahrzeugverkehr kann dort oft nur unter großen Opfern an Menschenleben unb Kapital eingerichtet werden, denn die klimatischen, und Bodenverhältnisse bieten oft fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Hier ist das Flugzeug das einzige rentable Verkehrsmittel, denn es P uw- abhängig von ber Bobenbefchaffenheit und vam Klima. Will man z. B. ein in der Nähe des Tstch« Sees in Afrika gelegenes Gebiet, das ftocftu ertine Bodenschätze enthalt, erschließen, so wird man za- nächst durch einen unregelmäßigen, dem tatsächlichen Bedarf entsprechenden Luftverkehr diese Ba- denschäße nach einem Hafenort an die Küste bringen. Dieser Verkehr wird sich allmählich zu einem regelmäßigen gestalten, weil der Bedarf sich Helgert, Schließlich wird der Güterverkehr eine derartige Frequenz aufweisen, daß der Bau einer Eif.'nbohn oder einer Autostraße sich rentiert. Hieraus sieht man, daß das Flugzeug kein Konkurient der Eisenbahn ober bes Kraftwagens ist, fort- bern der Pionier des Verkehrs. Mit feiner H'lfe ist es möglich, neue Wirtschaftsgebiete zu erschließen.
An das Flugzeug selbst müssen eine große Zahl von Anforderungen gestellt werden, wenn der Luft- verkehr wirtschaftlich sein soll. Dor allem muft es so gebaut sein, daß ein möglichst geringeren,!- widerstand vorhanden ist, weil sonst eine zu große Kraftleistung notwendig ist, da» Flugzeug fort- zubewegen. Dann muß es eine große 71 u h I a ft zu tragen vermögen. Am schwersten ist ber Motor; man versucht jetzt den Dieselmotor zu verwenden, weil man bann weniger Betriebsstoff mitzuiuhren hat. Das Flugzeug muß aufterbem große B e - triedssicherheit besitzen. Dazu gehött die möglichste Beseitigung der Brandgefahr und der Motorendefekte. Auch die Bruchgefahr |piclt eine Rolle. Sie ist eine Materialfrage unb ist bei bem Metallflugzeug stark herabgemindert. B e - quem lieft feit und eine gewisse Geschwin » bigfeit sind weitere Eigenschaften, bie ein Flug- zeug, das wittschaftlich arbeiten soll, besitzen muß. Es muß außerdem roetterfeft unb leicht reparaturfähig sein unb eine langeCebens- dauer besitzen.
Die Ganzmetallflugzeuge der 0 unter s roe r f e , bie erstmals im Jahre 1910 zum Patent angemelbet würben, haben sich Im Laufe der Jahre in einer ganzen Reihe von Typen in stetig
250 Mk. bewertet wird, oder die l/io Ifralet orange von 1856 für 350 Mk. Die allmählich steigend« Preiskurve ist auch bei den Marlen Helgolands aus seiner englischen Zeit deutlich zu erkennen. Einzelne gebrauchte Werte der Jahrgänge 1867 und 1873 bewegen sich freute bereits über 100 Mk Die teuerste Mecklenburg-Schwerin ist die durchstochene rote */4 Sch Hing auf punk- tiectem Grund von 1854, von der ein gebrauchtes Stück mit 350 Mk. bezahlt wird, e n Detrap der beim benachbarten Stcelih von mehreren Marlen der ersten Ausgabe 1834 erreicht wird.
Don den übrigen altdeutschen Postgebieten seien nur noch die höchstnotiert rn philateli'tischcn „Wertpapiere" kurz erwähnt, norddeutscher Post- bezirk, etwa die gestemmte D.enstmarke 2 Kreuzer schwarz und grau des 3afrret> 1870 für 115 Mk.: aus derselben Zeit die Elsaft-Lothnn,ea zu 5 Centimes grün (mit den Sp.tzen des Hez- untergrundes nach unten) für 700 Mk. ungebraucht Oldenburg: y8 Groschen grün von 1859 gebraucht 750 Mk., auf Dries doppelt soviel, im zusammenhängenden Dreierstreifen rund 3500 Mark. Preußen 1857 : 2 Silbergrvschen 6tmfelb.au auf glattem Hintergrund ungebraucht 300 Mk. Die beliebte „rote Sachsen" von 1850 zu 3 Pfennig bezahlt man ungebraucht — selbstverständlich immer in bester Erhaltung — mit 900 Mtt, auf Drief mit 1400 Mk. und im ungetrennien Paar mit 2200 Mk. Der seltene sächsisch? Fehldrua von 1851, Vi Heugroschen hellblau statt grau, erreicht sogar 2500 Mk. für daS ungebrauchte Stück. Dee höchsten Bewertung erfreut sich bei Schlesw g- Holstein die 2 Schilling rosa von 1850 mit 800 Mark auf Drief, bei Thum und Taxis y4 Silbergroschen schwarz, farbig durchstochen (1866), mit 300 Mk. auf Brief und endlich bei Württemberg 1856 die ungestempelte 6 Kreuzer grün ofrn« Seidenfaden mit runden 1000 Mk. Man sieht also, die ursprünglichen „Änlagewerte" am Post^ schalter haben sich recht nett verzinst!


