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Wettervoraussage.

Zunächst noch lebhafte Luftbewegung und vereinzelt Niederschläge-, später wolkig und vor­wiegend trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16,5, Minimum 8,1 Grad Celsius. Niederschläge. 1,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,1 Grad Celsius.

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Kunst und Wissenschaft.

Berthold Litzmann f.

Das hessische Volksbegehren.

D a r m st a d t, 14. Okt. Der Gesetz­geb u n g s a u s s ch u ß des Hessischen Landtags beschäftigte sich heute mit dem Volksbegehren des Wirtschafts- und Ordnungsblocks zur Auflösung des Landtags. Zunächst fand eine Debatte statt, in der die Frage erörtert wurde, ob der Ausschuh überhaupt für diese Angelegenheit zuständig sei: es ergab sich eine Mehrheit für die Zuständig-- keitserklärung. Es wurde dann eine Erklä­rung des Wirtschafts- und Ord­nungsblocks milgeteilt, worin gesagt ist, daß nur der Landtag die Stelle sei, um eine Entscheidung zu treffen, ob ein Volksbegehren in der gesetzlichen Form vorliegt. Nach weiterer

Debatte wurde ein Deschluh gefaßt, der in einen Antrag gekleidet wurde und worin gesagt ist, daß der Ausschuß der Feststellung des Landes­abstimmungsleiters b e i st i m m t, wonach den gesetzlichen Vorschriften des Artikels 11 des Ge­setzes über das Volksbegehren und die Volks­abstimmung vom 11. März 1921 Genüge ge» schehen ist.

Die Waffenfunde auf dem Schiffenberg.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Storck und Genossen richteten am 12. Juli folgende An­frage an die hessische Regierung:

Nachdem in Groh-Bieberau ein größeres Waf­fenlager entdeckt war, wurden nun auch auf dem

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 15. Oktober 1926. ]

Gut gekaut, ist halb verdaut.

Es ist seltsam, daß die Menschen manche ein­fache und ganz selbstverständliche Dinge am schwersten durchführen. Dazu gehört das gründ­liche Kauen. 3m Gegenteil, es steht fest, daß diese Gesundheitsmaßregel mit fortschreitender Zi­vilisation immer mehr vernachlässigt wird. Der Mensch hat und nimmt sich nicht mehr die Zeit dazu.

Schon rein theoretisch leuchtet die Notwen­digkeit gründlichsten Kauens ein. Erstens ist der menschliche Magen und Darm doch nicht auf die Zerkleinerung der Speisen eingerich­tet. So wie sie die Zähne ihm liefern, muh er die Nahrung nehmen. Es ist klar, daß Darm und Magen auf die Dauer ungehalten werden, streiken oder versagen, wenn man ihnen immer zu große Brocken vorwirft. Sodbrennen, Magen- und Darinkatarrhe, Blähungen, Verstopfungen, aber auch gefährliche Magengeschwüre, Magen­krebs und Blinddärmen!; ndungen sind d e Folge! Zweitens ist in chemischer Beziehung die menschliche Verdauung derart aufgebaut, daß die Einwirkung des Mundspeichels eine ganz aus­schlaggebende Rolle bei ihr spielt. Der Mund- speich ei wird aber nur dann von der Mund- speicheldrüse in ausgiebiger Menge abgesondert, toerm dieselbe durch ausreichendes Kauen ange­regt wird. In mindestens dreifacher Weise wirkt übrigens der Mundspeichel auf die Nahrung ein: Einmal enthält er einen besonderen Stoff (ein

Es folgt die Besprechung des kommunistischen Antrages auf Einstellung der Renovierungsarbeiten an der

Berliner Siegesallee.

Abg. Bartels- Krefeld (Komm.) begründet den Antrag, der darüber hinaus den Abbruch der Siegesallee als Notstandsarbeit fordert. Das Steinmaterial olle den Schülern der Kunstakademie und der Kunstaewerbeschule zu Lehrzwecken unent­geltlich überlassen werden. Der Redner zählt bann unter lärmenden Zurufen der Kommunisten Einzel­heiten aus dem Leben de» in der Siegesallee auf- gestellten Hohenzollern auf. Als et dabei meint, Zeit­genossen hätten die Königin Luise als leichtsinnige und leichtfertige Person bezeichnet, die es fertig­gebracht habe, in der Zeit tiefster Not des Volkes öffentliche Gelder für Putz und Vergnügen zu ver­prassen, ertönen bei den Deutschnationalen laute Pfuirufe. Deutschnationale und Deutsche Dolkspartei verlassen unter Händeklatschen der Kommunisten den Saal. Es entwickelt sich eine Schimpferei zwischen- Kommunisten und Völkischen. Präsident Bartels ruft den Redner zweimal, den völkischen Abgeord­neten Voß einmal zur Ordnung. Der kommu­nistische Antrag auf Einstellung der Renooierungs- nrbeiten an der Siegesallee wird abgelehnt. Am Freitag dritte Beratung der Hohenzollernvorlage.

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* Wechsel in der Leitung deS Landwirtschaftlichen Instituts. Nach­dem Geheimer Hofrat Profeffor Dr. G i s e v i u s, der nach seiner Emeritierung die Direktion des Landwirtschaftlichen Instituts weitergeführt hat. am 25. September von dieser Tätigkeit zurück- getreten ist, wurde Professor Dr. K r a e m e r die Direktion des genannten Instituts angeboten, der aber angesichts der weiten Entfernung des Tier­zuchtinstituts, dessen Direktor er ist, von der Stadt Gießen zugunsten des neuen Ordinarius für Pflanzenbau, Professor Dr. Sessvus, verzichtet hat. Die Direktion wird künftig im Sinne der allgemeinen neuzeitlichen Auffassung nur noch eine g^chästsführende" sein. Den landwirtschaftlichen Disziplinen werden jedenfalls in nächster Zeit die viel größeren und schöneren Räume des alten Physiologischen Instituts in der Senckenberg- strahe überwiesen werden.

** Dienstjubiläum bei der Reichs­bahn. Morgen. Samstag, kann der Reserve-Zug­führer Wilhelm Schmäht, Buddestraße 5 wohn­haft, in voller Rüstigkeit auf eine 25jährige Dienst­zeit bei der Reichsbahn zurückblicken.

RDV. Rückgang der Diebstähle bei der Reichsbahn. Aus der Großen Polizei- Ausstellung Berlin, die jetzt ihrem Ende entgegen- geht, ist in der Abteilung der Deutschen Reichs­bahn eine außerordentlich interessante Tabelle za finden. Sie zeigt eine Aebersicht über die Zahl der Diebstähle bei der Deutschen Reichsbahn in den Jahren 1921/1926, erstreckt sich also über em halbes Jahrzehnt. Dieser Tabelle ist zu ent­nehmen, daß ein ständiger Rückgang der Dieb- I stähle seit dem Jahre 1921, in dem fie ihren Höhepunkt mit mehr als 21000 Di^»stählen er­reicht hatte, eingetreten ist. Die Inflationszeit begünstigte naturgemäß Delikte aller Art: mit dem Beginn der Stabilisierung und dem Wieder-

Der Kirchenstreii in Mexiko.

Paris, 15. Okt. (WTB. Funkspruch.) Wie der »Chicago Tribüne" aus Mexiko gemeldet wird, wurden der Erzbischof von Puebla imb 10 Priester unter der Beschuldigung, an aufrührerischen Bestrebungen teilgenommen zu haben, verhaftet. In den religiösen Kreisen in Mexiko wurde dadurch große Erregung her- vorgerusen.

Der Reichspräsident in Braunschweig.

Berlin, 14. Okt. (WTB.) Reichspräsi­dent v. Hindenburg hat sich nach Braun­schweig begeben, um einer Einladung zum Be­suche der braunschweigischen Regie­rung zu folgen. Der Reichspräsident ist von Staatssekretär Dr. Meißner, Major v. Hinden­burg und dem braunschweigischen Gesandten in Berlin, Exzellenz Boden, begleitet. In Braun­schweig wird ein großer Empfang vorbereitet. Begrüßungen erfolgen im Rat hause und' in der Burg. Der Rcichspräsident wird im Schlosse Aufenthalt nehmen. Für den Abend ist eine große Galavorstellung im Landestheater onge­tagt. Im Schloß wird sich ein Festabend an- schliehen.

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Kaufina sprach am S.S-31? Frankfurt - M Bunde um die fi# gung der - sind di? 3$ rungen dvr Mtikämpfs. gung und vir- der - L-vriinnai die Zu ervr prüsun-Z i der insol Aussicht tommen. Lehrling Aussühl erörtert« gebotene! tetlMeru un' M Jjinblid a M Lchrl übrnb toa' den W D.H.D.)

das Ordinariat, das er bis zu seiner Emeritierung rung im Munde gar nicht genug einspeicheln, 1921 innehatte. man kann die Mundspeicheldrüse gar nicht ge-

Von Litzmanns zahlreichen Arbeiten kann hier mig zur Tätigkeit zwingen. Das geschieht aber nur einiges herausgegriffen werden: Günchers Ge° einzig und allein durch ganz gründliches, oft- dichte (1880), Schiller in Jena (89, 2. A. 90), Das maliges Kauen. Wer seine Nahrung hinter­deutsche Drama in den literarischen Bewegungen schlingt, wie etwa ein Hund, handelt gründ" der Gegenwart (94, 5. A. 12), Ibsens Dramen (01), verkehrt, denn der Magen und Darm des Hun- Der große Schröder (04), Goethes Faust (04); in des ist auf dieses rasche Fressen eingestellt, späteren Schaffensjahren hat sich der Verstorbene der menschliche nicht im mindesten. Für den vorzüglich mit dem Geben und Werk Ernst von Menschen gllt als unbedingte Kauregel: Kaue Wildenbruchs beschäftigt: die Ergebnisse dieser Ar- jeden Bissen so lange, bis er vollständig flüssig

Aus aller Welt.

Beisetzung des Generalobersten von heeringen.

In der Gnadenkirche am Invalidenpark zu Berlin fand die Trauerfeier für Generaloberst von Heeringen statt. Der Reichspräsident sowie Reichswehrminister Dr. Gehler nahmen an der Trauerfeierlichkeit teil. Die Gedächtnis­rede hielt Feldprobst D. Schlegel. Reichs- | wehr, Kriegervereine, vaterländische Verbände mit zahlreichen Fahnen bildeten Spalier, als der Sarg auf der Lafette einer Feldkanone unter Voran tritt des Stadtkommandanten von Ber­lin mit seinem Stabe, eines Musikkorps der Reichswehr, der Kranzträger und der Träger der Ordenskiffen nach dem Invalidenfriedhvf überführt wurde. Am Grabe gab eine Wache der Reichswehr eine Ehrensalve ab.

Die Reise des KreuzersHamburg".

Der KreuzerHamburg" ist am 14. Oktober in T a n d j v n g - Pr i ck, dem Hafen von Batavia, ein- getroffen. Die Weiterfahrt erfolgt am 21. Oktober nach B e l a w a n.

Abd el Krim auf der Insel Reunion eingetroffen.

Paris, 15. Oki. (WTB. Funkspruch.) Nach Blättermeldungen ist Abd e l Krim am 10. d. M. auf der Insel Reunion eingetroffen.

Die Sturmschäden.

Durch die Sturmfluten der letzten Tage sind die unterelbischen Ziegeleien besonders schwer heimgesucht worden. In der Bützflether Ziegelei wurden rund 14 Millionen Steine zerstört. Der I Schaden am Husumer Außendeich ist grö­ßer, als zunächst angenommen wurde. Die frühere Bruchstelle hielt stand. Insgesamt sind 40 tiefe Löcher zu zählen. Das herausgerissene Erdreich ist ver­schwunden. In Rothenkrug in Nordschleswig wurde das Zelt des Wanderzirkus Belli vollkommen zer­stört. Der vergangenes Jahr auf dem Neuwerk er­richtete Uferschutz ist streckenweise zerstört. Die orkan­artigen Stürme haoen auch auf Norderney schweren Schaden angerichtet. Der beim Leuchtturm neu erbaute Deich ist gebrochen. In W y ck auf Föhr stürzte die südliche Strandmauer in einer Länge von 200 Meter zusammen. Auch die anderen Nordsee­bäder haben sehr unter den Stürmen und Sturm­fluten gelitten. Der auf den nord- und ostfriesischen Inseln angerichtete Schaden ist zur Zeit noch un­übersehbar, zumal neue schwere Stürme wüten und die Verbindungen unterbrechen.

Schweres Eisenbahnunglück bei Leningrad.

Leningrad, 15. Okt. (WTB. Funkspruch.) 160 Kilometer von Leningrad entfernt ist ein Personenzug auf der Strecke nach Pleskau ent­gleist. Sechs Personen wurden getötet, 15 Per­sonen verletzt, darunter 6 schwer.

Schiffenberg bei Gießen Waffen, Munition und anderes Kriegsgerät gefunden. Obwohl die Gießener Polizei von diesem Waffenlager schon seit acht Tagen Kenntnis hatte, wurde von ihr bis heute nichts unternommen, um das illegale Depot aufzuheben, sondern es wurde nur die Holz­tür zu dem Aufbewahrungsraum von der Kriminal­polizei zugenagelt. Ich frage an:

1. Wurde die Regierung |ofort von der Gießener Polizei von dem Vorhandensein des Waffen- unb Munitionslagers benachrichtigt?

2. Wenn ja, was hat die Regierung zur Beseiti­gung des geheimen Depots getan?

3. Wenn nein, welche Maßnahmen gedenkt die Regierung gegen die verantwortlichen Beamten zu ergreifen?

4. Billigt die Regierung das Verhalten der Gie­ßener Polizei?

5. Was gedenkt die Regierung zu tun, um endlich diese geheimen Waffen- und Munitionslager in Hessen, die den zum Bürgerkriege rüstenden Rechtsoerbänden ihre staatszerstörende Arbeit ermöglichen, restlos zu beseitigen?

Darauf hat der Minister des Innern von Brentano unter dem 27.August folgende, soeben in den Landtagsdrucksachen veröffentlichte Antwort erteilt:

Auf die Anfrage der Abg. Storck und Genossen über Waffenfunde auf dem Schiffenberg beehre ich mich folgendes zu erwidern:

Zu 1.4. Das Polizeiamt Gießen berichtete der Regierung unverzüglich über die Funde auf dem Schiffenberg und ergriff auch sofort die er­forderlichen Maßnahmen zur Aufklärung der Sache und zur Sicherstellung und weiteren vorschrifts­mäßigen Behandlung der Funde. Die Regierung billigt das Verhalten des Polizeiamts und ist mit seinen Maßregeln, die sie auch selbst unterstützte, einverstanden.

Zu 5. Nach dem Untersuchungsergebnis ist die Annahme unbegründet, daß die auf dem Schiffenberg gefundenen Gegenstände Rechtsverbän­den zu verfassungswidriger Betätigung hätten dienen sollen. Die Regierung wird selbstverständlich alles tun, um etwa vorhandenen unerlaubten Waffenbesitz aufzudecken. Etwaige Funde werden sofort beschlagnahmt, sichergestellt und der zur Zer­störung zuständigen Stelle übermittelt.

Preußischer Landtag.

Die Erwerbslosigkeit.

Berlin, 14. Oft. Der Preußische Landtag tritt in die Beratung der Anträge zur Er- werbslosenfrage ein. Der Hauptausschuß schsägt u. a. vor, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß baldmöglichst die geplante E r - werbslosendersicherung zur Verabschie­dung gelangt und daß bei der voraussichtlich langen Dauer der Erwerbslosigkeit die produktive Erwerbslosenfürsorge in Form von Notstands- arbeiten von Reich, Staat und Gemeinden in Angriff genommen wird. Außerdem wird das Staatsministerium beauftragt, unverzüglich wei­tere 35 Millionen für die produktive Erwerbs- losenfürsorge zur Verfügung zu stellen und ein verstärktes Wohnungsbaupro­gramm durchzuführen.

In der allgemeinen Besprechung erklärt Abg. Rüffer (Dn.). daß seine Freunde die Haupt­ursache für die Wirtschaftskrise von gestern und die Arbeitslosenkrise von heute im Vertrag

von Versailles sähen, der auch eine I drückende Steuerpvlittk zur Folge gehabt hätte. Wenn es nicht gelänge, die Wirtschaft wieder I gesund zu machen, würde der Kampf gegen die Erwerbslosigkeit vergeblich fein. (Sehr richtig I rechts.) Eine gesunde deutsche Wirtschaft sei auch die beste Sozialpolitik. Das Arbeitsbeschaf­fungsprogramm habe nur sekundäre^ Be­deutung und muffe schneller durchgeführt werden.

Abg. Hart leib (Soz.): Man müsse über­legen, ob die Arbeitslosennot nicht eine Folge des kapitalistischen Systems sei. Dis jetzt habe die Rationalisierung immer nur mehr Arbeiter erwerbslos gemacht. Den Unternehmern fehle leider noch das Verständnis für die sozialen I Notwendigkeiten ihrer Arbeitnehmer. Der deutsche Arbeiter brauche keine Dienstpflicht.

Abg. Hoff (Dem.) erklärt die Zustimmung seiner Fraktion zu den Ausschutzbeschlüssen. Wir werden noch lange beim besten Willen schwere I Steuerlasten als Folge des verlorenen Krie­ges tragen müssen. Zu einer Ermäßigung der Steuern fönren wir nur kommen, wenn wir kon- I sequent den Gedanken durchführen, daß wir in I Reich, Staat und Gemeinden wieder zu einer Scheidung der ordentlichen und außer­ordentlichen Ausgaben kommen müssen.

Den Anträgen des Hauptansschusses tritt das Haus bei und geht über zur

Weilerbesprechung der Jusiizvorgänge in Magdeburg.

Abg. Müller- Franken (Wirtsch. Vergg.) wendet sich dagegen, daß immer wieder eine parteipolitische Einstellung des Richtertums behaftet und kritisiert werde. Eine derartige Polemik gegen das Richtertum schade letzten Endes der Republik. Die Ein­mischung des Ober Präsident en Hör- s i n g sei grundsätzlich zu verurteilen. Der Fall zeige andererseits, wie leicht heute jemand ins ' LlntersuchungSgefängnis kommen könne. Wenn i man bedenke, wie es darin zugehe, so sei dies um so bedauerlicher.

Abg. Korner ^völkisch) betont, die Richter hätten das Empfinden, daß sie von ihrer vor­gesetzten Behörde nicht genügend geschützt und gestützt würden. Die Mißbilligung für Herrn Hörsing es sei ja nicht die erste würde bei diesem nur ein Schmunzeln hervorgerufen haben. Die Gründe des Eingreifens des Herrn Oberpräsidenten Hörsing lägen lediglich im Par­teiinteresse.

Abg. Bohner (Dem.) fragt, ob der Magde­burger Fall eine solche Ausdehnung hätte ge­winnen können, wenn beim ersten Auftauchen eines scheinbaren Widerspruch zwischen Justiz und Verwaltung die Staatsanwaltschaft entspre­chende Anträge gestellt hätte. Die Studenten- romantif und die unbegreifliche Vorliebe des deutschen Publikums für sieIch hab' mein Herz in Heidelberg verloren" habe in Magde­burg eine blutige Abfuhr erlitten. Herr Hörsing sei in seinem Empfinden diesmal Sprecher der Masse gewesen.

Staatssekretär Fritze spricht die Bitte aus, daß alles Material, welches Belastendes für Iustizbeamte enthält, dem Justizministerium zugeleitet werde. Er tritt schließlich der Auffassung entgegen, daß bei der Bearbeitung der Strafsache Schröder ein Gegenein- anderarbeiten von Justiz und Verwaltung Vorge­legen habe. Die Anträge zu den Magdeburger Vorgängen werden darauf dem Rechtsausschuß über­wiesen.

Herriot verteidigt sich.

1 Auf dem Parteitag der Radikalen.

Bordeaux, 14. Okt. (WTB.) Aus dem Kongreß der radikalen Partei hielt H errio t eine politische Rede, in der er erklärte: Man habe ihm den Vorwurf gemacht, daß er den Sturz des Kabinetts Briand-Carl- laux veranlaßt habe. Man habe ihm bei dieser Gelegenheit Machtgelüste untergeschoben. Das sei nicht wahr. Er habe keinen Ministerwechsel Her­vorrufen wollen, habe er doch kurz darauf unter den bekannten Schwierigkeiten ein kurzfristi- ges Kabinett bilden müssen. Sein Kabmett sei am 20. Juli gebildet worden. Arn 21. Juli habe er vorn Gouverneur der Bank von Frank­reich einen Brief erhalten, in dem ihm mitgeteüt wurde, daß das Schatzamt nur noch über 60 Millionen flüssiges Geld verfuge. Ihn träfe also für diese Lage keine Verantwor­tung, aber die Kammer habe ihn ja an dem­selben Tage, an dem er sein Kabinett vorgesteltt habe, g e st ü r z t. Herriot erläuterte schließlich die Gründe, die ihn veranlaßt hätten, in das Kabinett Poincare einzutreten. Er habe damals nur eine persönliche Entscheidung getroffen, und zwar auf Grund der Situation, in der sich das Schatzamt befunden habe. 3n einem Augenblick, in dem Theorien wirkungslos ge­teerten seien, sei er ter Ansicht gewesen, daß er nicht das Recht gehabt habe, Poincarä seinen Beistand zu verweigern. Eine Katastrophe hätte nicht die Spekulanten beunruhigt, denn sie schlü­gen aus allem Geld, sondern die, die arbeiten und sparen wollen. Eine solche Katastrophe hätte das ganze Programm der Radikalen und alle seine Hoffnungen undurchführbar gemacht. Er frage sich, ob bai. was einem belgischen Sozia­listen (Vantervelde) im monarchischen Staat ge­stattet sei, einem Radikalen unter einem republi­kanischen Regime untersagt werten könne. Die Rete Herriots fand starken Beisall. Die Dor- sitzenden der Departementsorganisationen der Partei nahmen nach langer und lebhafter De­batte eine Entschließung an, in ter dem schei­tenden Vorsitzenden Herriot der Dank für seine Bemühungen und das volle Vertrauen ausge­sprochen wird. Er wird gebeten, die Leitung der Partei beizubehalten. Denselben Beschluß dürste auch das Plenum des Partei­tages fassen.

Demission

des ungarischen Kabinetts.

Budapest, 14. Okt. (Wolff.) Die königliche Kurie verkündete heute das nunmehr rechtskräftige Urteil im Frankenfälfcherprozeß. Darnach ist die Strafe des Prinzen Windischgrätz, da er des Ver­brechens an der Dokumentenfälschung nicht schuldig befunden wurde, von vier Jahren Zuchthaus auf vier Jahre Kerker ab geändert worden. Die Strafe N a d o z f y s wurde von vier Jahren Zucht­haus auf 3i Jahre Zuchthaus herabgesetzt. An dem Strafmaß der übrigen Angeklagten wurden kleinere Aenderungen vorgenommen. Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Graf Bethlen hielt die Regierung einen außerordentlichen Minister- rat ab, in der der Beschluß gefaßt wurde, daß die Regierung, nachdem der juristische Teil der Franken­fälschung von der königlichen Kurie rechtskräftig erledigt wurde, es als verfassungsmäßige Pflicht er­achtet, die Vertrauensfrage aufzuwersen und zu die- fern Zwecke dem Reichsverweser die Gesamt­demission der Regierung einzureichen. Der Reichsoerweser nahm die Unterbreitung des Ministerpräsidenten zur Kenntnis, ließ die end­gültige Entscheidung über diese Demission in der Schwebe und beauftragte die bisherige Regierung mit der vorläufigen W e i t e r f ü h r u n g der Ge­schäfte.

München, 14. Okt. (Wolff.) Der Literar­historiker Geheimrat Berthold Litzmann, zuletzt Professor in Bonn und seit einiger Zeit in München lebend, ift im Alter von 69 Jahren g e - ftorben. Es ist fast unheimlich, wie der Tod die . ,

Reihen der älteren Generation der deutschen Ger- tee unlösliche Stärke ter Nahrung in leicht maniften lichtet: in ganz kurzer Zeit starben nach- löslichen Zucker verwandelt. Dann ist ter Mund- einander Gustav Roethe (Berlin), Franz fpeicher alkalisch und ergänzt so in höchst not- Muncker (München) und Franz Sauer (Prag), wendiger Weise die Säuren des Magensaftes: Nun hat die Wissenschaft auch den Heimgang des bet »u geringer Einspeichelung wirken diese schäd- ehemaligen Bonner Ordinarius zu beklagen. lich (Sodbrennen). Endlich enthält ter Mund-

In Kiel 1857 geboren, wurde Litzmann 1883 speichet eine älnmenge Bakterien, welche gleich- daselbst Privatdozent und ging ein Jahr später nach falls bei der Zersetzung der Nahrung eine un- Jena, wo er bald zum ao. Professor aufrückte. 1892 ersetzliche Bedeutung haben, kam er nach Bonn: hier erhielt er fünf Jahre später Man kann demnach die

beit sind u. a. niedergelegt in einer Ißbänbigen Ge- geworden ist und von selbst im Munde ver- famtausgabe (11, II. B.: 16), die als grundlegend schwindet. Dr. Grundmann,

angesprochen werden darf. r - ....

Dtutto-ungadtoe Archä°<°g-n.Zu,°mm-°«u^ LahnkanalisierUNg.

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ergab vollständige älcbereinftimmung zwischen den f^eiftaat Hessen zwecks Schis f b arm a djung Altertumsforschern beiter Nationen. Hierauf gab b*Vat)n b,s 3Ur ®tabt ®,e&cn "«zu- ter Minister zu Ehren des teuffcherl Gastes ein rrcicn-

Frühstück. _______ | Die Reformattonsseier in Gietzen

Die evangelische Kirchengemeinte Gießen be­absichtigt, die 400jährige Wiederkehr ter Ein­führung der Reformation in Hessen durch ver­schiedene Veranstaltungen zu feiern. Am Sonntag, 24. Oktober, abends 8 Llhr, soll in ter Iohannes- kirche ein Familienabend ftattfinten; den Vor­trag wird Geh. Kirchenrat Llniversitätsprofessor D. Dr. Krüger halten, Orgelvorträge und Dar­bietungen des Kircte^lgescmgveveins werden diesen Vortrag umrahmen. Die eigentlichen kirchlichen Feiern sollen Sonntag, 31. Oktober, ftattftnten. Die Kirchengemeinde beabsichtigt, an diesem Tage, vormittags 11 ÜIHr, auf dem Platze zwischen Ivhanneskirche und Südanlage eine R e f o r - mativnslinde zu pflanzen. Die Stadtver­waltung hat in entgegenkommender Weise sich bereit erklärt, den Platz hierfür zur Derfügurrg zu stellen und künstlerisch herzurichten.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7.30 Uhr,Der Kaufmann von Ve­nedig" (Ende 10.15 Uhr). Nadioklub Gießen: 8.30 Uhr, Hörsaal des Physikalischen Instituts, Stephan- straße 24, Versammlung mit Lichtbtldervortrag., Gewerkschaftsbund der Angestellten: 8.30 Uhr,Hes­sischer Hof", Monatsversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Die elf Schillschen Offiziere . Astoria-Lichtspiele:Rund um den Alexanderplatz".