Einzelbild herunterladen

Nr. 2$6 Zweiter olart

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 15. September 1926

Gartenbau und Elektrizität

Die Entwicklung der öffentlichen Elektrizitätsversorgung.

Bon Dipl.-Jng. Weber, Gießen.

Die überraschend schnelle Entwicklung der Elektrotechnik hat der elektrischen Energie im ge­samten Wirtschaftsleben unserer Tage eine Bedeu­tung von größter Tragweite geschaffen. Wie kein anderer Industriezweig sind die Elektrizitätswerke in alle Gebiete menschlicher Tätigkeit verflochten, kein Wirtschaftszweig kann mehr der Hilfe der elek­trischen Arbeit entraten, Industrie und Gewerbe, Handel und Verkehr wenden sie an zur Erzielung höherer Produktivität. Ihre Bedeutung in der Me­dizin, in der Chemie, in der Landwirtschaftslehre und anderen Wissenschaften, neben der vielfachen Verwendung im Haushalt zeigen dön über das Wirtschaftsleben hinaus bis in das Privatleben der einzelnen reichenden Einfluß. Noch nicht 50 Jahre find vergangen feit der Errichtung der ersten be­scheidenen Stromerzeugungsanlagen, eine kurze Zeit­spanne" beispiellosen technischen Erfolges, der in den modernen Großkraftwerken überzeugenden Ausdruck findet.

Jahrzehntelange Gclehrtcnarbeit, anknüpfend an die Namen Galvani, Oerftädt, Arago und anderer, bildete die Grundlage des technischen Fortschritts. Entscheidend war die Erfindung derDynamoelek­trischen Maschine" durch Werner von Siemens im Jahre 1866, die das Zeitalter der praktischen Ver­wendung des Starkstromes eingeleitet hat und im Prinzip, nur technisch vervollkommnet, noch heute ausschließlich angewandt wird. Nach mehr als zehn­jähriger rastloser Arbeit gelang es dem weitblicken­den Erfinder, die ersten Erfolge zu erringen und da­mit die praktische Verwendbarkeit seines Werkes zu erweisen. In der Folgezeit begann sich die Elek­trizität rasch einzuführen, ihr Wegbereiter hierbei war die Beleuchtung, in Form der damals allein bekannten Bogenlampe. Beso c s die Erfindung der Differenzialbogenlampe durch von Hefner- Alteneck, ein Mitarbeiter von Werner von Siemens brachte die Entwicklung einen großen Schritt vor­wärts, da sie in Verbindung mit den inzwischen ver­besserten Maschinenkonstruktionen die gemeinsame Speisung mehrerer hintereinandergeschalteter Lam­pen ermöglichte. Es entstanden die ersten größeren Einzelanlagen, neben anderen in der Gepäckannahme in Berlin im Jahre 1878 und in der Kaisergalerie im Jahre 1879.

Umwälzend wirkte die Einführung der von Edison erfundenen Glühlampe in Deutschland durch Emil Rathenau im Jahre 1883» War bis dahin die Anwendung der elektrischen Beleuchtung auf grö­ßere Gebäude mit besonderem Lichtbedürfnis, wie gewerbliche Räume, Theater, Festsäle usw. be­schränkt, so erweiterte die nunmehr mögliche Teil­barkeit des Lichtes dessen Aktionsradius, gab ihm neue Verwendungsmöglichkeiten speziell als Be­leuchtung für Wohnungen und sicherte ihm in Ver­bindung mit feinen großen Vorzügen vor den bis dahin bekannten Beleuchtungsarten, in bezug auf Feuersicherheit, Helligkeit, Sauberkeit, Bequemlich­keit usw. eine starke Verbreitung. Rathenau grün­dete zur Ausnutzung der Edisonschen Patente im Jahre 1883 dieDeutsche Edisongesellschaft für an­gewandte Elektrotechnik", späterAllgemeine Elek­trizitätsgesellschaft", die die ersten Elektrizitätswerke zur gewerbsmäßigen Stromabgabe an Dritte ein- richtete und betrieb, so in Berlin auf Grund eines Anfang 1884 mit der Stadt geschlossenen Vertrages die späterenBerliner Elektrizitätswerke". In rascher Folge entstanden gewerbsmäßig stromerzeugende Werke, die eine Anzahl Häuser, einen ganzen Häu­serblock versorgten und wurden Einzelanlayen aus- gebaut. Die Blütezeit dieser ersten Elektrizitätswerke, auch Blockzentralen genannt, fällt etwa in die Jahre 1884 bis 1890. Diesem Zeitabschnitt der Entwick­lung war noch die ausschließliche Verwendung der Elektrizität zu Beleuchtungszwecken charakteristisch.

In der Folgezeit nahm die Benutzung der Elek­trizität als Kraftquelle ständig zu, zuerst für ge­werbliche, später auch für industrielle Zwecke, auch die elektrischen Straßenbahnen, deren erste bereits im Jahre 1890 von der AEG. in Halle erbaut wurde, gewannen langsam an Bedeutung. Steige­rung der Rentabiliät der Erzeugerwerke infolge besserer Ausnutzung der Anlagen, die zur Deckung des Lichtbedarfes nur wenige Stunden des Tages ausreichend belastet waren, sowie Verbilligung der Produktionskosten auf Seiten der Verbraucher bei Uebergang zur elektrischen Kraft, förderten die Aus­dehnung des elektrischen Kraftantriebes. Wirtschaft- liche Gründe waren es auch, die, nachdem die tech­nischen Voraussetzungen gegeben waren, dazu führ­ten, durch Errichtung großer leistungsfähiger Werke die steigenden Anforderungen zu befriedigen und die Versorgung für immer ausgedehntere Gebiete einheitlich durchzuführen. Die räumliche Ausdeh­nung der Versorgungsgebiete ist es, die das beste Charakteristikum der fortschreitenden Entwicklung gibt, in welcher man noch folgende Abschnitte unter­scheiden kann: Stadtzentralen etwa 1890 bis 1900, Ueberlandzentralen etwa 1900 bis 1913 und Großkraftzentralen feit 1913, wobei die Abgrenzung der Zeitabschnitte nur relativ zu werten ist, da die llebergänge fließend sind und Werke verschiedener Entwicklungsstufen nebeneinander bestehen.

Im Zeitabschnitt der Stadtzentralen blieb trotz der wachsenden Bedeutung des Kraftstromes auch noch über die Jahrhundertwende hinaus die Deckung des Lichtbedarfes die Hauptaufgabe der Elektrizitäts­werke, da immer weitere Kreise die Vorzüge der elektrischen Beleuchtung erkannten und infolge der sinkenden Strompreise sich auch nutzbar machen konnten. So betrugen im Jahre 1897 die Anschluß- werte für Licht 64 000 und für Kraft nur 19 600 Kilowatt, im Jahre 1900 noch 156 200 bzw. 95 700 Kilowatt, dagegen 1909 769 400 bzw. 1 065 400 Kilowatt, welche Zahlen den wachsenden Umfang der Elektrizitätsversorgung in jenen Jahren deutlich erkennen lassen. Einen starken Antrieb zum Fort­schritt bedeutete auch die elektrotechnische Ausstel­lung zu Frankfurt a. M. im Jahre 1891. Hier ge­lang zum ersten Male die wirtschaftliche Ueber- tragung der Energie einer Wasserkraft in Lauffen am Neckar mit etwa 300 P. S., mittels hochgespann­ten Drehstromes von 30 000 Volt nach Frankfurt, zur Beleuchtung der Ausstellungsgebäude. Ganz neue Wege eröffneten sich, neben den bis dahin ausschließlich angewandten Gleichstrom trat nun­mehr der Wechselstrom, vor allem der Drehstrom zur Versorgung größerer Gebiete, doch blieb noch einige Zeit der Gleichstrom auch zur Versorgung

großer Städte überlegen, infolge der Einführung der 220-Volt-Glühlampe und der damit beim Drei- leiterfnftem anwendbaren Spannung von 2 mal 220 Volt.

Nach der Jahrhundertwende, mit dem Auf­kommen der Ueberlandzentralen, der Ausdehnung der Versorgung auf das flache Land gewann der Drehstrom an Bedeutung. War eine Aufgabe1 zur Versorgung umfassender Gebiete, die wirt­schaftliche Uebertragung größerer Leistungen auf weite Entfernungen seit der Frankfurter Ausstel­lung bereits gelöst, so beseitigte die Einführung der Dampfturbinen, deren erste mit einer Leistung von 5000 Kilowatt im Jahre 1904 vom Rheinisch-West­fälischen Elektrizitätswerk aufgestellt wurde, das letzte Hindernis, da sie gestatteten, große Leistun­gen bei kleinem Platzbe'darf in einem Werke zu vereinigen. Im gleichen Werke kamen 1912 die erste 15 000=kW=2urbine und 1920 der erste 50 000-kW-Turbosatz (= 68 000 P. S.) zur Auf­stellung. Die Schnelligkeit der räumlichen Ausdeh­nung der Versorgungsgebiete in jenen Jahren zeigen deutlich die Zahlen der versorgten Orte, die von 2160 im Jahre 1906 auf 17 500 im Jahre 1913 stie­gen. In den Zeitabschnitt der Ueberlandzentralen fiel auch kurz > nach der Jahrhundertwende die Grün­derzeit der Elektrizitätsversorgung, eine Krise, in deren Verlauf viele auf ungesunder Grundlage ent­standene Werke eingingen bzw. von kapitalkräf­tigeren Unternehmen übernommen wurden. Es be­gann hier unter natürlichem Einfluß die erste Kon­zentration der Versorgung, die später auf Grund wirtschaftlicher Ueberlegungen immer weiter durch- g'eführt wurde und zu einer Stillegung kleinerer Werke bzw. deren Uebergang zum Fremdstrom­bezug von großen wirtschaftlicher arbeitenden Wer­ken führte. Neben der Verwendung des Kraft­stromes zu gewerblichen Zwecken trat die Abgabe von Kraftstrom an industrielle Werke immer mehr in den Vordergrund, eine Entwicklung, die durch den Krieg beschleunigt dahin geführt hat, daß heute etwa 80 Prozent der Gesamterzeugung öffentlicher Elektrizitätswerke als Kraftstrom verbraucht wird. Erwähnung verdient hier auch der in den letzten Jahren sehr stark gestiegene Anteil der Haushalts­apparate zu Koch- und Heizzwecken.

Unter dem Einfluß des Krieges und seinen Aus­wirkungen aus die deutsche Nachkriegswirtschaft haben sich in der Elektrizitätsversorgung einschnei­dende Veränderungen vollzogen. Die Notwendigkeit schneller Produktionssteigerung in vielen Industrien ließ nicht die (£rrid)tung eigener Kraftanlagen zu, sondern forderte den Anschluß an bestehende öffent­liche Werke. Diese Entwicklung wurde in der Nach­kriegszeit verstärkt durch den Kohlenmangel, da viele Industrielle nun den großen Vorteil er­kannten, der für sie in einer Entlastung von der Eigenerzeugung der Kraft lag. Auch eine bedeutende Steigerung des Lichtbedürfnifses sowohl in den Städten, wie auf dem Lande wirkte in der gleichen Richtung einer Steigerung der Nachfrage aus öffent­lichen Elektrizitätswerken. Diese sahen sich vor die Aufgabe gestellt, umfangreiche Erweiterungen vor­zunehmen, was unter den gegebenen Verhältnissen und bei der Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Not­wendigkeiten das Beschreiten neuer Wege not­wendig machte. So entstanden die auf der Kohle und an den Wasserkräften gelegenen Großkraftwerke. Welche Bedeutung die öffentliche Elektrizitätsver­sorgung in den letzten Jahren gewönnen hat, zeigen wenige Zahlen. Im Jahre 1913 betrug die in öffent­lichen Werken eingebaute Maschinenleistung 1 643 000 kW und im Jahre 1924 4 271 000 kW. Die Gesamterzeugung betrug 1913 2,86 Milliarden Kilowattstunden und 1924 8,31 Milliarden Kilowatt­stunden. Die Zahl der versorgten Orte ist von 19 450 im Jahre 1914 auf 42 000 im Jahre 1924 gestiegen, so daß im letztgenannten Jahre in Deutsch­land etwa 70 Prozent aller Orte angeschlossen waren und etwa 80 Prozent der Gesamtbevölkerung die Möglichkeit hatte, sich der Elektrizität als Licht- und Kraftquelle zu bedienen.

Zusammenfassung der Erzeugung zur Verringerung der Produktions- k o st e n elektrischer Arbeit ist das Ziel der Großkraftwerke. Die billigeren Anlagekosten pro Kilowatt Maschinenleistung, die bessere Ausnutzung der Anlagen, der geringere Brennstoffaufwand, um wenige Gründe zu nennen, gestatten eine Senkung der Erzeugungskosten großer Werke, ein volkswirt­schaftlich bedeutsamer Fortschritt, der der Elektrizität immer neue Verwendungsgebiete erschließt. Welche Ausdehnung die Konzentration der Erzeugung be­reits genommen hat, zeigt die Zunahme des Fremd- strombezugs der Werke. Wurden im Jahre 1913 nur 12 Prozent der gesamten Erzeugung als Fremd- ftrom bezogen und weiter verkauft, so waren es im Jahre *1924 bereits 42 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich der wachsende Einfluß der Großkraftwerke darin, daß von den 4 271000 Kilowatt Maschinen­leistung im Jahre 1924, die sich auf ca. 3500 Werke verteilen, auf bid 10 größten öffentlichen Elektrizi­tätswerke allein 1 537 000 Kilowatt ober 36 Prozent der gesamten Maschinenleistung sowie 45 Prozent ber gesamten Erzeugung entfielen.

Noch sind bie Entwicklungsmöglichkeiten nicht er­schöpft: viele Gebiete können ber Elektrizität noch erschlossen werben. Krieg unb Inflation haben Deutschland in ber Anwendung ber Elektrizität stark beeinträchtigt gegenüber anderen Staaten, wie Amerika, Schweiz unb Norwegen, ein Nachteil, ber im Interesse ber beutschen Wirtschaft behoben wer­den muß. Welche Anstrengungen seitens der Elektro­industrie unb ber Elektrizitätswerke gemacht werben, wird bie Elektrizitätsausstellung in Gießen zeigen, bie zu begrüßen ist, ba sie weiteste Kreise ber Ver­braucher mit ben vielfachen unb günstigen An­wendungsmöglichkeiten der Elektrizität bekannt machen kann.

Ziele des deutschen Obstbaues.

Don F. Kilp, Kreisobstbaulehrer, Wetzlar.

Eingebettet in einen Kranz von Obstbäumen liegen die hessischen Dörfer. Unb so wie hier ist's in vielen Gegenden Deutschlands, namentlich in Mittel-, West- und Süddeutschland. Der kleine Bauer ist in seiner Gesamtheit der Träger des deutschen Obstbaues. Ar ist es, der in der Haupt­sache das deutsche Volk mit Obst aller Art ver­sorgt. Die Entwicklung des deutschen Obstbaues ging, wie die der Gesamtlandwirtschaft, schritt­weise, langsam vor sich. Bei ber oft recht kon­servativen Einstellung des beutschen Klein­

bauern bauerte unb bauert es heute oft noch recht | lange, bis er in seinem Betrieb den Anforberun» gen ber Zeit folgt. Dies gilt besonbers vom Obstbau. Der ländliche Obstbau unserer Groß­väter und Urgroßväter biente in der Hauptsache dem Bedars der eigenen Familie. Erst mit dem Ausstieg des deutschen Dolkes im 19 Jahrhundert wurde ber Obstgenuß allgemein, das Obst wurde ein begehrtes Genuß- unb Nahrungsmittel und ein gesuchter Handelsartikel. Die Einnahmen, bie dem deutschen Kleinbauern aus seinem Obst­bau als einem Nebenbetrieo seiner Wirtschaft zu- flossen, waren recht beachtenswert. Um so be­dauerlicher ist es, daß der deutsche Obstzüchter, namentlich der kleine, vielfach mit seinem Obst­bau in den Forderungen ber Zeit nicht Schritt gehalten hat. Dies soll in fclgenbem bargelegt werben.

Das deutsche Obst wird in den Hauptmengen, gerade so wie das ausländische, durch den Handel seiner Bestimmung zugeführt. Der Handel muh daraus bedacht sein, ben Ansprüchen ber Obst­verbraucher gerecht zu werden. Der deutsche Obstesser verlangt mittelgroße bis große schön gefärbte, wohlschmeckende Früchte, bie in Ernte und Sortierung sorgfältig behandelt sind. Die Verpackung ber besseren Obstsorten Mußan­sprechend" sein, bieAufmachung" muß zum Kauf reizen. Die sorgfältige Ernte unb eine gewisse gröbere Sortierung ist Sache bes Obstzüchters, während die feinere Sortierung unb bie Ver­packung in ber Hauptsache vom Hanbel burch- geführt werben muß. Auf Einzelheiten einzu­gehen, würbe im Rahmen bieses Aussatzes zu weit führen, es sei nur erwähnt, daß bas beste Obst burch unsachgemäße Ernte verdorben wirb. Waren vor bem Kriege burch Belehrung ber Obstzüchter schon recht beachtenswerte Erfolge erzielt worden in ber Ernte und Sortierung des Obstes, so sind diese Erfolge durch die Zwangs- bewirtschaftung des Obstes während unb nach dem Kriege wieder ganz verloren gegangen. Da­mals kam es weniger aus Güte als auf Menge an, denn das Obst wurde fast restlos zu Marme­lade verarbeitet. Heute ist die Marmeladefabri­kation auf ein Minimum zurückgegangen, der Markt verlangt Obst bester Güte in sorgfältiger Sortierung unb Verpackung. Der deutsche Obst­züchter muh fernen von seiner ausländischen Konkurrenz. Warum wird seit einigen Jahren der deutsche Markt mit amerikanischen Aepseln zu gewissen Jahreszeiten überschwemmt? Weil ber amerikanische Exporteur es versteht, sein Obst in tadelloser Beschaffenheit und sorgfältigster Verpackung auf ben Markt zu bringen. Es ist beschämend für die deutschen Obstzüchter, aber auch in gewissem Sinn für ben beutschen Obst- verbraucher, wenn ein amerikanischer Obstexpor­teur erklärt, baß in Europa Hamburg ber beste Markt für amerikanische Aepfel sei. Freilich, das Publikum fragt nicht viel darnach, woher bie Ware stammt, die es lauft, es greift nach ber Ware, bie ihm am besten gefällt. Deshalb, deutscher, und insbesondere hessischer Obstzüchter, bekämpfe die ausländische Konkurrenz mit ihren eigenen Waffen, b. h. ernte bein Obst recht sorg­fältig unb behanble es bis zum Verkauf recht sorgfältig, damit es in bester Beschaffenheit in bie Hände ber Käufer gelangt. Es ist dies bein eigener Vorteil.

Unser beutscher Obstbau unb ganz besonbers ber Obstbau des Kleinbauern krankt noch an einem besonderen Uebel, und zwar einem Hebel, das den Absatz des Obstes sehr erschwert. Wir bauen zu viel Obstsorten an. Die Lieferung großer Men­gen gleichartigen Obstes wird hierdurch zur Un­möglichkeit. Unser Handel hat aber ein sehr großes Interesse daran, große Posten einheit­lichen Obstes zu kaufen. Denn nur dann ist er in der Lage, eine weitgehende Sortierung und sachgemäße Verpackung durchzuführen. Da nun aber ber deutsche Obstzüchter, wie schon oben erwähnt, mit bem Absatz seines Obstes in ber Hauptsache auf ben Obsthandel angewiesen ist, so muh der Obstzüchter bestrebt sein, unb zwar zu seinem eigenen Vorteil bestrebt fein, ben Wünschen des Hanbels cntgegenzukommen. Hierzu gehört bie Verminderung ber zu großen Sortenzahl. Diese Maßnahme muh sich aus­wirken bei ber Anpflanzung von Obstbäumen sowie burch Umverebeln ber vielen, fast in jeber Gemeinbe vorhandenen, aus irgendeinem Grunde unrentablen Obstbäume mit nur wenigen be­währten Sorten. Dabei darf die Sortenauswahl niemals jedem einzelnen Obstzüchter überlassen bleiben, sonst kommen wir aus der großen Sorten­zahl nicht heraus, sondern bie Gesamtheit ber Obstzüchter muß unter Zuziehung des Obst- handels über bie wenigen auszuwählen den Sorten entscheiben. Hier bis ins einzelne zu erörtern, nach welchen Gesichtspunkten bie Sortenauswahl stattzufinden hat, würde zu weit führen. In der Hauptsache läuft bie Sortenauswahl darauf hin­aus, bah nur wenige Sorten gewählt werden, die sich für die betreffende Gegend eignen, die gesunde, tragbare Bäume bilden und deren Früchte leicht und zu lohnenden Preisen ab­zufetzen sind. Auch in diesem Punkte können wir von unseren ausländischen Konkurrenten sehr viel lernen. Dabei brauchen wir garnicht nach Ame­rika zu gehen. Das kleine Holland z. B. hat es rechtzeitig verstanden, feine Obstproduktion ganz auf die Bedürfnisse des Obsthandels unb bamit ber Obstkonsumenten einzustellen unb ist beshalb heute in ber Lage, große Mengen einheitlichen Obstes zu liefern. Deshalb, deutscher, unb vor allem hessischer Obstzüchter, sorge zu deinem Teile dafür, daß die zu große Sortenzahl in abseh­barer Zeit verschwindet. Es geht zwar nicht von heute auf morgen, aber es geht. Baue nur solche Sorten an, bie bie obengenannten Eigen­schaften besitzen. Lah dich bei der Sortenaus­wahl nicht von deinen eigenen Liebhabereien leiten, sondern richte ben Blick aufs große Ganze. Es ist bies bein eigener Vorteil.

Habe ich mich in vorstehendem in der Haupt­sache an unsere Obstzüchter gewandt, so soll das nun folgende mehr dem Obstverbraucher gelten, lieber den Wert des Obstes als Rahrungs- und Genuhmittel zu schreiben, dürfte sich wohl er­übrigen, denn es dürften wohl nur wenige fein, die von dem wohltätigey Einfluh des Obstes aus den Körper nicht überzeugt sind. Aber auf etwas fei aufmerksam gemacht. Viele Pflanzen, die dem Menschen als Nahrungsmittel dienen, enthalten Stoffe, die auf die Tätigkeit gewisser menschlicher Organe sehr anregend wirken, ja für dieselben ge­

radezu notwendig find, während anderen Nah­rungsmitteln diese Stoffe ganz fehlen. Ich meine die Vitamine. Fast alle Obstarten sind reiche Vitaminträger. Die neueren Vitaminforschungen haben ergeben, daß durch Kochen der vitaminhal­tigen Nahrungsmittel die Vitamine zerstört wer­den. Man soll deshalb Obst möglichst in rohem, aber reifem Zustand genießen. Bei gekochtem und eingemachtem Obst, das durch Erhitzen bis zum Siedepunkt unter Luftabschluß haltbar gemacht wird, sind die Vitamine nicht mehr wirksam. Es besteht aber begründete Hoffnung, daß Haltbar­machungsverfahren gefunden werden, bei denen die Vitamine erhalten bleiben. Soviel haben die Vitaminforschungen bis jetzt erwiesen, daß reich­licher Obstgenuh in zweckmäßiger Form dem menschlichen Körper sehr zuträglich ist. Deshalb eßt reichlich Obst, es gereicht euch zum Vorteil. Aber, wenn irgend möglich, eßt deutsches Obst. Deutschlands Gaue erzeugen reichlich Obst bester Art und besonders bie Güte des deutschen Apfels wird nirgends in ber Welt erreicht. Deshalb laßt ausländisches Obst beiseite, solange gutes deut­sches Obst zu haben ist. Tut's um zweier Dinge willen. Der kleine deutsche Bauer und Obstzüchter ist heute wahplich nicht auf Rosen gebettet, im ' Gegenteil, er ringt, wie auch mancher andere Berufsstand, schwer um seine Existenz. Treten noch Fehlemten hinzu, wie in diesem Jahre in vielen Gegenden beim Apfel, bann fliehen bie Einnahmen aus bem Obstbau recht spärlich. Der Zollschuh, ben ber beutsche Obstbau bem Aus­land gegenüber genieht, ist derartig gering, bah er praktisch nicht in die Wagschale fällt. Ihr unterstützt deshalb den deutschen Obstzüchter, ben Volksgenossen, wenn ihr deutsches Obst kauft. Zum zweiten. Die Mahnung, deutsches Obst zu essen, geht euch näher an als viele meinen. Das verarmte deutsche Volk hat im Jahre 1925 über 100 Millionen Mark mehr an das Ausland be­zahlt für Obst und Gemüse als das reiche Deutsch­land im Jahre 1913. Dabei sind unter dem Aus- landobst Fruchtarten wie Bananen, Apfelsinen, italienische unb französische Weintrauben, deren Genuh wir uns in bem Umfange, wie es tatsäch­lich geschieht, versagen konnten. Im Jahre 1924 gingen grohe Mengen guter beutscher Dirnen wegen Abscchmangel zugrunde, während zu glei­cher Zeit ungeheure Mengen französischer Wein­trauben auf ben Markt geworfen wurden. Alles Geld, das wir für entbehrliche Dinge an bas Ausland bezahlen, geht bem beutschen Dolks- bermögen verloren. Und das deutsche Dolksver- inögen das find letzten Endes wir selber. Deshalb eht deutsches Obst, euch selber und euren Volks­genossen zum Wohle.

Die Ausstellung.

Die SchniLtblumen-AbLeilung.

Dahlien.

Die Bedeutung der Dahlie als herrschende Modeblumc kommt schon rein äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß man ihr die südliche Giebelseitc der Empore in der ganzen Breite einräumte. Trotz­dem staute sich die schaulustige Menge an dieser Stelle zeitweilig in beängstigender Weise, so daß mancher Liebhaber cs vorzog, seinen Besuch an einem der stilleren Wochentage zu wiederholen. Zwei hiesige Firmen, Döll und Hahn, haben hier einen Teil ihrer Sammlungen ausgestellt. Sie voll- ständig zur Schau zu bringen, war wegen Raum­mangels nicht möglich gewesen, es soll darum im Lause der Woche ein wiederholter Wechsel auch in den Sorten vorgenommen werden. Diese Vereini­gung der Dahlienaussteller, in Verbindung mit der dekorativen Art des ganzen Aufbaues, Hunderter von herrlichen Sträußen ergibt einen wirkungs­vollen Abschluß des weiten Raumes. Die Gärt­nerei Weber hat außerdem noch eine kleinere Sammlung im Erdgeschoß untergebracht. Die neuere Richtung in der Züchtung von Dahlien be­wegt sich in den von der Mode bevorzugten Far- bentönen zwischen Gelbrot, Orange und Kupfer­farben nach Scharlach, die mit den (Blutfarben des Abendhimmels wetteifern wollen. Bevorzugt wer­den Sorten mit drahthartem, langen Stiel, welche die Blüte frei zur Schau tragen und wenig Blätter­masse. Wir glauben es unseren blumenliebenöcn Lesern schuldig zu fein, eine kleine Auswahl solcher Sorten zu nennen, die in den letzten vier Jahren in den Handel gegeben wurden.

Andreas Hofer, fatinrofa; Artis, leuchtend orange; Dichtertraum, malmnifonrofa; Engelmanns Lieb­ling, lila; Freude, blendend scharlach; Freudensonne, dunkelscharlachrot mit gelber Scheibe, einfach; Kupferkönigin, leuchtend kupferrot; Mauerblüm­chen, kirschrot mit weißen Spitzen, ungemein reich- blühend; Mein Ideal, lilarosa; Meisterstück, flieder- farbig; Morgensonne, kupfrig chamois mit gelber Mitte; Mount Everest, reinweiß; Nachbars Gretel, bläulichlila; Rheinisches Mädel, karminrosa mit weißen Spitzen, eine sehr schöne Form; Schlageter, feurig, scharlachrot; Schöne Wienerin, lachsrosa; Dellow Perfection, schwefelgelb.

Blutenstäuben.

Die neueren unb neuesten Züchtungen herbst- blühenber Dlütenstauben zieren die linke Seite der elektrischen Abteilung im Erdgeschoß, wo sie auf eigens für diesen Zweck hergestellten schmalen Tischen Aufstellung fanden. Sie unterbrechen hier in angenehmer Weise bie nüchtern wirkenben Kraftmaschinen, Räder und Transmissionen. Ihr leuchtend Farbenspiel, aus welchem das herrliche Blau der herbstblühenden Rittersporne mit dem Gelb der verschiedenen Goldblumen und bem Rot ber Flammenblumen kontrastiert, verleiht biefer Seite bes Raumes erst jenes festliche Gepräge, bas Gartenbau-Ausstellungen vor allen anderen stets und überall beliebt werden läßt. Hebet die Verwendung ber Stauben als Gartenschmuck wird an anderer Stelle gelegentlich berichtet. Hier soll nur auf den bisweilen gehörten Einwand erwidert werden, welcher lautet: Wir Gärtner haben an der Verbreitung ber Stauben ein be= sonberes Interesse nicht. Sie blühen jedes Jahr wieder und das Publikum hat bann nicht nötig, andere Dlumenpflanzen zu kaufen. Dieser Stand­punkt ist nicht richtig. Die Dlumenliebhaberei ist wie jede andere Liebhaberei nie mit dem gegen­wärtigen Besitz zufrieden, sie verlangt nach mehr und wie der Sammler von Gelb, Bildern, Büchern ober Freimarken nie satt, unb mit ber