# Obbornhofen, 14. Juli. Die Vorbereitungen zu dem am 24.. 25. und 26. Juli hier statt- findenden Turnfest sind seit einiger Zeit m vollem Gange. Allabendlich finden Hebungen und sonstige vorbereitend« Veranstaltungen der Turner und Turnerinnen statt. Auch sonst sieht man dem Ltraßenbild unseres Ortes an. daß das Fest rn nächste Nähe gerückt ist. denn viele Hauser haben einen neuen Anstrich erhalten, andere sollen ihn noch bekommen, so baft die Handwerk-leute alle Hände voll zu tun haben, um noch alle Wünsche vor dem Fest befriedigen zu können. Mit dem Turn, fest soll gleichzeitig d,e B a n n o r w e , h e bet hiesigen Turnvereins stattfinden.
t. Grünberg. 14. 3ull DieLheo-Koch- Straße die die Londorfer Straße mit der Gießener Strafte verbindet, ist jetzt so weit fertig g e st e l l t, als Wohnhäuser an ihr errichtet sind. Der Teil an der Gießener Strafte ist zum Teil noch Wiesenpfad. Dort ist zunächst der Platz für das neue Finanzamt vorgesehen. Außerdem hat die Bauftrma Jäger- Queckbvrn einen Bauplatz für ein weiteres Wohnhaus erworben. Es kann damit gerechnet werden, daß in den nächsten Jahren die Strafte vollständig bebaut witL
□ fünfter bei Sich. 14. Juli. Heute wurde der älteste Mann unserer Gemeinde, der Landwirt und Fuhrmann Peter Heft, als der sog. „Schimmelpeter" weithin bekannt und beliebt, zu Grabe getragen. Durch einen Aln- glücksfall verlor der im 9 2. Lebonsj ahn stehende, aber noch ungemein rüstige Mann das Leben. Der alte" Mann, der noch landwirtschaftlich tätig war (er mähte noch wie ein Junger), hatte eine junge, lebhafte Stute mit einem Füllen im Stall, durch einen Lattenzaun abgeschlossen. Gr öffnete den Lattenzaun und schlug dem Pferde aus den Hals. Da« Tier bäumte auf, sprang ins Frele und warf den Greis um. An den Folgen dieses Falles ist Heß infolge innerer Verletzungen nun verstorben.
Kreis Friedberg.
r4 Vad-Nauheim. 14. Juli In der Wette rau werden seit einigen Tagen die ersten Frühkartoffeln geerntet. Es handelt sich hauptsächlich um die gelbfleischigen Sorten „Kaiserkrone" und „Gelbe Frühe", während die mittelfrühen Sorten „Böhms Heimat" und .Plaue Odenwälder" noch nicht zur vollen "Keife gekommen sind. Leider muß sestgestellt werden.
die Kartoffeln teilweise stark von Fäulnis befallen sind. Die ersten Frühkartoffeln, die hier auf den Markt kamen, kosteten 9 Mk. vro Zentner. Heute wurden sie aber bereits non umherfahrenden Landwirten zu 7 Mark „frei Haus" angeboten.
# Aus der nördlichen Wetterau, 14. Juli. Gegenwärtig sieht man in unserer Gegend viele Heibelbeerhänbler, bie dur« den Verkauf der Beeren bei uns, wo bie Wälder keine Heidelbeeren ausweiscn, eine lohnende Einnahme haben. In den Waldungen unserer Gegend beginnt man eben mit der Himbeerernte. Täglich sieht man Scharen, besonders Frauen und Kinder, mit allerhand Gesäßen ausgerüstet, in die Waldungen eilen, um die in diesem Jahr reichlich vorhandenen Himbeeren zu sammeln. Die Brombeeren stehen in vollster Blüte und zeia-n auch schon teilweise reichen Fruchtansatz, so daß mit einer guten Brombeerernle au rechnen ist. Die Kirsch e n e r n t e ist nun beendet, vereinrelt sieht man nur noch einen Baum Spätkirschen. A e p f e l und Z w e t s ch e n gibt es in diesem Jahr in hiesiger Gegend sehr wenig, dagegen zeigen die Birnbäume einen selten reichen Behang.
B. Rodheim vor der Höhe, 13. Juli. Am Sonntag beging die hiesige Kleinkinderschule ihr vierzigjähriges Bestehen in Anwesenheit ihres Gründers, des früheren Avdheimer Pfarrers und jetzigen KirchenvatS W i s s i g in Bad-Nauheim, der am 21. Juni 1888 im zweiten Pfarrhause die ersten Schüler ausgenommen hatte. Im Festgottesdienst predigte der Vorsitzende des Verbandes der evangelischen Kinderschulen in Hessen. Pfarrer Mangold-Griesheim. Vachmittags bewegte sich unter Vorantritt der Kleinen, an die sich die Eltern und die Freunde der Schule und die Be- fucher der Volksschulen mit ihren Lehrern an- schlossen, ein Festzug durch die Ortsstraften aus die Bleiche, wo ebenfalls unter überaus zahlreicher Beteiligung die Feier int Freien, verbunden mit Spielen und Liedern der Kinderschüler unter Leitung unserer Kiicherschulschwsster
Verroth. abgehalten wurde. Hier sprach Kir- chenrat Wissig über seine Gritndung und gab der Freude über das Gedeihen der Arbeit Ausdruck. Der Orts geistliche entwarf em Bild der Geschichte der Schule. Das Schlußwort sprach Pfarrer Mangold. Die Glückwünsche der Gemeindeverwaltung überbrachte Beigeordneter Grau die des Kirchenvorstandes Kirchenvorsteher R. Hofmann. Zur Ausschmückung des Festes trugen sämtliche vier Vvdheimer Männer- und Frauengesangvereine wesentlich bei. die -ucunr stellte die FeuerwehrkapeNe. Mit dem Jubiläum verbunden war eine DezrrkSkonf e- r enz der benachbarten Krnderschut- s ch W e st e r n aus dem Mutterhause Nonnen- toeier. das seit Bestehen die hiesige Anstalt nut Schwestern versorgt hat. Wie der Verlaus des Festes zeigte und wie es in den emzeln^ Veden zum Ausdruck kam. gehört der Kinderschule das allgemeine Interesse der Gemeinde, so Mft man für das Weiterbesteben und den Ausbau der Schule die besten Hoffnungen hegen darf.
Kreis Büdingen.
Kreistag in Büdingen.
ii Büdingen, 14. Juli. Die diesjährige ordentliche Kreistagssitzung fand zum ersten Male im Sitzungssaals des neuen Kreisamtsgebäudes statt. Von den 21 Kreistagsmtt« gliedern waren 18 erschienen
Der Vorsitzende, Kreisdirektor Dr. G a ft n e r, verpflichtete zunächst die neugewählten Mitglie* der die an die Stelle der in den Kreisausschuft ber'usenen und deshalb aus dem Kreistag ausgeschiedenen Herren getreten waren.
Die Rechnung der Kreiskasse für 192 4 wurde begutachtet; dem KreiSkafsenrechner wurde Entlastung erteilt. Der V e r w a l 1 u n g s- bericht des Kreisausfchufses für das Rj. 1924 wurde gebilligt und den darin aufgeführten Kro- ditüberschreitungsn und Verkäufen von Kreis- straßengelände zugestimmt.
Der Voranschlag der Kreiskasse für Rj. 1926 wurde rubrikenweise durchgesprochen. Dabei machte Medizinalrat Dr. Wagner interessante Ausführungen über seine Tätigkeit als Schularzt im abgelaufenen Rechnungsjahr. Er erwähnte u. a„ daß etwa 25 Proz. aller Kinder an Schilddrüfenwucherun- gen litten. Im kommenden Jahre sollen Heilversuche mit Jodtabletten gemacht werden. Der Vorsitzende teilte mit. daß das Kreis kinder- heim in Bingenheim einen erfreulichenAuf- schwung nehme. Er hoffe, daß daS Heim in absehbarer Zeit keine Zuschüsse aus der Kreiskasse mehr benötige. Es wurde beschlossen, Anfang September eine gemeinschaftliche Besichtigung des Kinderheims vorzunehmen. Beim Kapitel Vahrungs- und Genuftmittelkontrollo wurde nach längeren Erörterungen die Erhöhung des Zuschusses zum chemischen iln ter s u - chungsamt Gießen um 800 Mk. beschlossen. Aus Antrag des Kreisausschusses wurde die im vorigen Jayr beschlossene Kündigung der -Zugehörigkeit zum Verband der hessischen Kreise und Provinzen zurückgenommen. Die vom Kreisausschuß vorgeschlagenen Steuerausschlagssätze gaben zu lebhaften Debatten Aalaft. Ein Abänderungsantrag^ der die Grund- und Gewerbesteuer schärfer heranzieht und dafür die Sonder- steuer vom bebauten Grundbesitz ent- l a ft e t. fand gegen die acht Stimmen der Rechten Annahme. Schließlich wurde derVvr ans chlag. der in Einnahme und Ausgabe mit 648 159,52 Rm. abschlieftt und eine Kreissteuer von 270900 Mark, den gleichen Betrag wie im Vorjahr, vor- sieht, genehmigt
Die durch die Vidder-Regulierung entstandenen Aenderungen der Gemarkungs- grenzen Stockheim — Seustadt, Leu- stadt — Effolderbach und Seustadt — G l a u b e r g wurden gutgeheiften.
Dem Vorschlag des Landwirtschaftskammerausschusses aus Wiederwahl der seitherigen Mitglieder der KreiSkörkommisfion wurde nicht stattgegeben. Bei der Veuwahl mittels Stimmzettel wurden zu Mitgliedern Landwirtschaftsrat Wenzel- Büdingen. Landwirt Schmidt- Echzell. Bürgermeister Jakobi- Rohrbach, zu Stellvertretern Landwirt Hamme rsch midt - Mndsachsen. Landwirt Oft* heim- Echzell und Landwirt Hch Kraft Rohrbach gewählt
Zu Punkt Verschiedenes lag ein Antrag aus Offenlegung von SonntagSfahrkar- t e n auf verschiedenen Stationen des Kreises vor, der 'Annahme sand.
!! Büdingen. 14. Juli. Seit einiger Zeit schweben wieder Verhandlungen über den Vau einer Seementalbahn. Es ist nunmehr geplant, die Bahn von Büdingen über Rinderbügen Wolferborn — Kefenrod — Allenrod — Wenings nach Viederseemen durchzuführen. Am letztgenannten Ort würde die Bahn in die Strecke Stockheim — Lauterbach einmünden. Dem Bahnbau wird allseitiges Interesse entgegengebracht. Gleichzeitig wird z. Z. verhandelt über die Durchführung dieser Dahn nach Hanau. Dieses Projekt würde insbesondere den Orten um Langenbergheim und Eckarts- Hausen große Vorteile bringen.
ld. Vidda, 14. Juli. Die Pserdezuch- t e r aus der Umgegend, die hofften, auf unserem Pferde- und Fohlenmarkt ihre Saugfohlen ab- setzen zu können, mußten diese wieder mit nach Hause nehmen. Der geringere Pferdebedarf, die gedrückte wirtschaftliche Lage und die gleichzeitig stattfindende Foblenauktton in Reichelsheim machten unseren Markt zu einem Versager. Zur Zeit suchen Fohlenaufkäufer die Fohlen- besiher auf, um aus den zum Verkauf stehenden Tieren die besten herauszusuchen. Vur für gut gebaute Stutenfohlen, Belgier Rasse, werden Preise bezahlt (250 bis 280 Mk.), die die Pferdezucht noch einigermaßen rentabel machen. Geringere Ware bleibt stehen und soll auf dem Schottener Gommermarkt oder dem Ortenberger „Kalten Markt" an den Mann gebracht werden. Da ein Pferdezüchter bei zu langem Halten eines Saugfohlens, das er bann noch zu niedrigem Preise absetzen muh, nicht auf seine Rechnung kommt, werden alle Züchter, die nicht über ein erstklassiges Zuchttier verfügen, die Pferdezucht notgedrunaen einstellen müssen.
)( ß i ft 6 c r g, 14. Juli. Nachdem Pfarrer Adam wegen Krankheit in den vorläufigen Richestand verseht wordek ist, wurde die Verwaltung der hiesigen Pfarrstelle zunächst bis zum 1. Oktober Pfarrer Kahn- Ortenbevg übertragen.
# Berstadt, 14. Juli. Die Heuernte ist hier beendet. Man ist sowohl mit der Quantität als auch mit der Qualität dieser Ernte sehr zusrieden. Infolge der feuchten Witterung steht bas Gras bereits schon roieber in kräftigstem Wuchs, so baft bie Wiesen eben einen prächtigen grünen Teppich bilden. Der Landmann kann bei fortdauernder günstiger Witterung auf eine reiche Grummeternte hoffen.
Kreis Schotten.
-h Schotten. 13. Juli- Vor dem Kriege gab es eine Zeitspanne, in der man glauben konnte, die schwereren Viehschläge der Ebene und das Fleckvieh Süddeutschlands würden im Laufe der Jahrzehnte das mitteldeutsche R o t v i e h aus dem Vogelsberg verdrängen. Allein es zeigte sich, baft diese fremden Viehschläge beim Weidegang in der Entwickelung zurückblieben. Die Nach* zucht ergab hohes, schmalrückiges Vieh, das sich nicht mehr mit dem Fleckvieh der Ebene messen konnte. Als nach dem Kriege der Zuchtverband für oberhessisches Rotvieh im Wettbewerb mit anderen Zuchtverbänden glänzende Erfolge zu verzeichnen hatte, wandte sich das Interesse der Viehzüchter im Vogelsberg wieder mehr dem Rotvieh zu; heute erfreut sich die Vogels* bergerZucht wachsender Beliebtheit, und immer größere Gebiete werden ihr erschlossen. Sogar verschiedene Gemeinden der Wett er au, die sonst nur Neckvieh züchtet, sind dazu übergegangen, durch Einstellung von Vogelsberger Bullen die Aufzucht deS Rotviehs zu begünstigen.
xlx Schotten, 14. Juli. Die Heuernte kann hier als beendet angesehen werden. Vur in den höher gelegenen Gemeinden dürften noch acht bis zehn Tage zur Bergung erforderlich sein. Die Körnerfrucht steht stellenweise gut, stellenweise hat sie durch den Strichregen gelitten. In etwa 14 Tagen dürfte mit dem Schnitt begonnen werden, natürlich nur, wenn das gute Wetter anhält. — Hier hat sich ein Ausschuß gebildet zur Durchführung der Vorarbeiten für oaS im nächsten Jahre abzuhaltende Sänger- s e st, verbunden mit dem 90jährigen Jubiläum des Männerchors Schotten. Das Fest soll im großen Stile abgehalten werden. Der Neu-
Y)otiei Schottener Mannerchor hat kxckanittlich sein Erscheinen zugesagt.
n 2au6ad), 14. Juli. Die Heuernte, die sehr gut ausfällt, geht jetzt ihrem Ende entgegen. Sie dauert hier etwas länger, da die hiesigen Bewohner Wiesen haben, die stundenweit (bis 2Vs Stunden entfernt) abliegen. Diese Wiesen liegen in den Gemarkungen der verschiedenen ausgegangenen Dörfer, deren Bewohner nach Laubach zogen. Der Besitz der Gemarkung aber vererbte sich vier Jahrhunderte hindurch. Die Sommerfrucht (Hafer und Gerste) steht sehr gut, jedoch hat sich die Gerste etwas gelagert, was dem Körnerertrag schadet. Der Roggen steht ebenfalls gut, dagegen hat der Weizen durch Rost gelitten. Schön stehen die Hackfrüchte.
ld. Aus dem vorderen Vogelsberg. 14. Juli. Die Ferkelpreise. die um Pfingsten, in der Zeit, in dec von jeher viele Klein* bauern und Arbeiter unserer Gegend ihre Schlachtschweine für den kommenden Winter kauften, so hoch waren, daß viele Kauflustige von den Märkten heimgingen, ohne eingekaust zu haben, haben sich wider Erwarten auf gleicherHöhe gehalten. Für 6 bis 7 Wochen alte Tiers werden immer noch 40 bis 42 Mk. bezahlt. Da es jetzt Zeit wird, Schweine für hre Hausschlachtung zu kaufen, müssen alle, die auf billiger« Ferkel warteten, in den sauren Apfel beißen und nun einkaufen.
=.= Aus bem Kreise Schotten. 14. Juli. In vielen Gemarkungen bes Kreises stößt man auf Wildkirschenbäume von mächtigem Wuchs, bie sich sehr gut zur Veredelung eignen, sofern sie nicht mehr als acht Jahre alt sind. Der Lanbwirtschafiskarnmerausschuß für bie Provinz Oberhessen beabsichtige nunmehr in einigen Orten bes Kreises, wo solche Bäume Vorkommen, einerlei ob im Privat- ober Gemeinbebesitz, gegen Mitte Augast burch Obstbauinspektor Wiesner praktische Unterweisungen von je eintägiger Dauer in ber Sommerveredelung junger Wildkirschenbäume stattfinden zu lasten.
Kreis Alsseld.
-er. Homberg a. d. Ohm, 14. Juli. In dem Steinbruch im Distrikt Hermannsberg ereignete sich ein Tlnglücksfall mit tödlichem Ausgang. Der in der Mitte der dreißiger Jahre stehende Arbeiter Kraus von hier wurde an einer Durchbruchsstelle von herab st urzenden Erd- und ©fein» massen derart getroffen, daß ihm zertrümmerte Kopfkttochen das Gehirn durchbohrten, wodurch dieses fteigelegt wurde und der Tod auf der Stelle einttat. Der Mann hinterläßt Frau und Kinder. — Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird in etwa vierzehn Tagen die Nrma Gebr. Himmelsbach. V e u h a u s. ihren Betrieb nach Aufarbeitung sämtlicher Vorräte wieder stille gen. Diese Absicht wird allgemein bedauert, da hierdurch wieder Arbeitslosigkeit hervorgerufen wird und übrigens in dem Nieder-Ofleidenev B a s a l t w e r k der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie nur die Hälfte der früheren Arbeiter seit dem vorigen Freitag wieder eingestellt wurde.
Homberg a. b. O h m, 14. Juli. Der Auftrieb zum heutigen Ferkelmarkt war gering. Kaufliebhaber waren dagegen reichlich vorhanden, was naturgemäß ein leichtes Anziehen der Preis« zur Folge hatte. Bezahlt wurde für etwa sechs Wochen alte Tiere durchschnittlich 40 Mk.. füt 8 Wochen alte durchschnittlich 48 Mk., für 10 öis 12 Wochen alte 50 bis 60 Mk.
Kreis Lauterbach.
4 Lauterbach, 14. Juli. Der Stadt. vorstand beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung zunächst mit dem Ersuchen deS Landes* sinanzamts um Bewilligung eines Zuschusses für die Errichtung einer Dienstwohnung für den Amtsvorstand des Finanzam ts. Dis Finanz* und Daukommission empfahl, dieses Ersuchen nicht abzulehnen, zumal der ursprünglich geforderte Zufchuß von etwa 4000 bis 5000 Mk. nunmehr auf 1200 Mk. ermäßigt worden sei und sich das Reich außerdem bereit erklärt habe, im jetzigen Finanzamtsgebäude für einen Beamten eine Wohnung, bestehend aus Küchq und vier Zimmern, herzurichten. Es wurde beschlossen, den geforderten Zuschuß in Höhe von 1200 Mk. zu leisten, sowie das gesamte Bruche steinmaterial bis zur Sockelhöhe ab Bruch kostenlos zur Verfügung zu stellen. An diesen Beschluß wird jedoch die Bedingung geknüpft, daß
Die Krummhölzer.
Roman aus den bayerischen Bergen.
Von Michael Wagner.
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Toni! durchzuckte es Zeno. Wortlos öffnete er auch bann bas Kästchen, entnahm ihm Glas unb Flasche und schenkte bem Alten ein.
»Da Gori — G'sundheit!" Ganz ernst jagte es Zeno, aber schon mußte er roieber lachen. Das Gläschen nehmen, mit einem Ruck leeren unb es Zeno wieder in bie Hand drücken, war beim Gori eins.
»Ah!" — Dann: „Tua 's Stamperl wieder weg, Zsno! Wenn g'rab der Toni — Ießmaria!"
Gori faßte ihn bei ber Hanb.
»Herr, vergelt'- Gott tausendmal, Zeno — du hast halt noch a guat's Herz?" Ganz gerührt war her Alte.
„Schon recht, Gori!"
Gori aber trollte sich unter allerlei unverständ- iid? opr sich hingebrummten Segenswünschen auf Zenos künftiges Wohlergehen wieder aus ber Stube . . .
Nach bem Mittagesten ließ Uracher ben Schlitten einspannen unb fuhr mit Zeno hinunter in den Markt, um sich bas bewußte Fürleaersche Sacherl vn)uschauen, bas Nest, in welchem sich Zeno ein* lichten sollte.
Um es im voraus zu sagen: bem gefiel es gut, überaus gut sogar.
Das hübsche, kleine Haus machte schon äußerlich einen ungemein anheimelnben Einbruck. Gleich neben ber eichenen, verzierten Haustüre befanb sich ber Eingang zum Laben, hinter besten schmalen Schaufensterchen in buntem Durcheinander die 'Dhifterftüde der Schnitzerkunst bes verstorbenen alten tüchtigen Meisters Fürleger ausgestellt waren.
Zenos Augen leuchteten: Hier war er so ost als Bub geftanben, um bie Herrlichkeiten zu bewundern, unb nun würden in Zukunft die Erzeugnisse seiner eigenen Kunst ausgestellt fein unb die Irem- b$n nicht minder anziehen. Oh, schaffen wallte er, schassen, ganz aus eigenem . . .
„Schöne Monderl hat er g'schnitzelt, ber alte Fürteger — und a tauberes Sacherl z'sawmbracht", meinte Uracher in bleberer Anerkennung.
Zeno nickte nur bazu, gebantenuerloren.
„Also nachher geh'n wir halt hinein zur Für- legerin!" sagte ber Vater.
Die ehrsame Witwe Korbula Fürleger empfing bie betbon Besucher mit lauter Freundlichkeit.
„Ja. was is denn dös, der Uracher mit bem Herrn Sohn! Griiaß Ihnen Gott! Ja, wie mich bös freut!"
„(Brunft bi Gott. Fürleaerin!" crwiberte Ura- cher in feiner bünbigen Art, „da wär' j also mit bem Zsno, damit er sich jetzt bös Häusl unb alles übereinanb anschaugt!"
„Ja. freili, freili, wenn's auch ber Herr Uracher schon kauft hat. — Ihnen muaft schon g'fallen! — Heilige Mutter Anna! Gel, Sie haben ja bloß mehr ein Fuaß! Oh, mein Gott!"
Wenn bie Fürleaerin mal in's Zeug ging, horte sie im allgemeinen nicht so schnell auf. Uracher wußte bas unb wandte sich sofort an Zeno, ben drohen- ben Redeschwall ber guten Frau schlicht unb bestimmt abjchneibeub:
„Ja, Zeno, unb jetzt moan i, schauen wir halt!"
Seufzend fügte sich bie Fürlegerin ins Unvermeidliche.
Zeno gefiel alles sehr aut. Der saubere Verkaufsraum mit der babinteruegenben kleinen Werk, stätte. in der aller Werkzeug und auch Rohmaterial vorhanden war, die hübschen Zimmer, kurz und gut es wurde ihm nämlich ganz warm unterm Brustlatz, wenn er sich ausmatte • ■ .
Unb als sie sich befriedigt verabschiedeten, sagte Zeno zur Frau Fürleger: „Kann schon sein, daß Sie bald nach Rosenheim zu Ihrer Tochter übersiedeln müssen!"
Dann schieb man in Wohlgefallen voneinander.
Als die beiden Uracher hernach im Sternbräu sich bei einer Brotzeit stärkten, zeigte vor allem der Vater eine recht gute Laune.
„Ja, Freunderi!" sagte er schmunzelnd. „Gel, bös war halt a Griff nut dem Kauf! Sakkra noch amal, sag' selber?"
„Du hast ganz recht, Vater," erwiderte Zeno, „i bin dir echt dankbar dafür!"
„Gilt schon! Wenn's dir nur paßt in dem seinen neuen Nester!, dos is d' Hauptsach' Unb nachher halt — schau bald zua —" Eine Be- roegung mit bem rechten Arm folgte, als wollte er lemonb um bie Tmlle fasten. Zeno verstand sie
nur zu gut. Er lachte hell auf.. So hatte er beir Vater in feinem Leben nicht gesehen.
„Oha, Vater, kannst es vielleicht gar nimmer bermarten, bist b' Schwieger- unb Großvater wirst?"
Nun war bie Reihe zu lachen an Uracher.
„Grad extra!"
Zeno fuhr fort:
„Guat also! Dio nächsten Tag fahren wir nüber nach Reichenhall. Da find' sich bann alles andere schon!" Er streckte dem Vater die Hand hin. Der schlug mit lachendem Gesicht ein.
„Gilt schon! Kreuzsakkra! Grad wild muaft auf- geh'n!"
Heute war die Heimfahrt in bie winterliche Abenbdämmerung hinein nicht so schweigsam als gestern. Der Bräunt griff wacker aus. unb zuweiten scholl luftiges Männerlachen aus dem flott dahinklingelnden Schlitten in die klarkalte Abendluft hinein.
Eine Stunde nach bem Abendessen, als bie Stube vom Gesinde sich geleert unb in dämmerigen Winkeln bie Heimeliakeit des Winterabends kauerte, saßen Uracher unb Zeno allein unter bem milbröt- lichen Lampenlicht. Die unvermeidlichen Pfeifen qualmten. Im behäbigen Ofen krachten bie Buchen, jcheite.
Vater und Sohn hatten das Hauptthema bes Tages nochmals burchbesprochen. Nun war es an. scheinen!) erschöpft, unb über Zukunftsbiiber sich Aii unterhalten, lag nicht in ihrer Art. Nach längerer Pause sagte Zeno ganz unvermittelt:
„Dem Veri sollt man doch schreiben!"
„Was schreiben?" Uracher schaute dorn Sohne ruhig ins Gesicht.
„Daß er hoamkommt!"
„Warum denn dos?"
Es war, als huschte auf diese trockene Frage der Vaters ein Schatten des Unmutes über Zeno- Züge.
„Warum? — Aber Vater — er hat doch nix mehr verloren in München!"
„Wenn er doch beim Soldatenrat is!"
„A was — Sotdatenrat! Daß t net lach!" ent- gegnete Zeno ärgerlich.
Der Uracher zog die Achseln hoch. Dann meinte er bedächtig:
„Mein — mir patzt bis G'schicht \a selbst net recht, verstehst — ber ganze Verhau übernananb!
Kaa alte Sau kennt sich nimmer aus! — Aber deswegen — wenn ber Bua grab was werden könnt dabei — rechtschaffen freitt — warum denn net? Der hat a hell's Köpferl!"
Zeno schüttelte bas Haupt.
„Vater, sei mir net bös, aber bu reb'ft halt so, weilst es net anbers verstehst!"
„Kann schon sein."
„Und sag' — mär' der Veri da am Hof net bester z'brauchen?"
„I- net aus — jetzt hab' i ja meine Leut wieder alle. Und Überhaupts — ber Veri hat'r noch nie nit 'rausg'risten!"
„Ja, aber Vater — mir kommt'- schier vor, als ob du den Veri selber ganz gern in München drin siehst!"
Da lachte der Uracher, breit unb behäbig.
„Halt stab, Zeno! — Jetzt haft baneben g'raten! — Paß auf: I für meine Person hätt' ben Veri lieber ba! Aber mir hat's recht sein müssen, roie's ’n nach München zum Militär g'holt haben — also kann's mir o recht sein, wenn ber Bua bort bleibt! Net? Und ber Toni moant a, er soll nur dort bleiben, vielleicht, baß er’n selber noch guat brauchen könnt —"
Der Toni! durchzuckte es Zeno.
„Aber zu was denn?"
„Mein — zu was! Zu was! — I hab dir dach g'sagt, baß der Toni allerhand anders machen will — wenn alles auseinander is!"
„Und du glaubst, Vater, daß bös guat is -» für ben Hof?'
Hellauf lachte ber Uracher.
„Frag' nur den Toni selber! — Zeno, bu gchorft sonst net zu die Dummen — aber in bene Sachen bist net bewandert!"
In Zenos Gesicht stieg eine heiße Blutwelle und färbte es tiesrot.
„I hab' im Schützengraben draußen koa Oe« legenheit g'habt, mich damit z' befassen — so was lernt man bloß dahoam!"
Uracher in seiner urwüchsigen Geradheit fühlte den Stachel in Zenos Widerrede. Da saß die gemähte Gewichtigkeit und der Ernst ihm wieder in den Zügen, als er antwortete:
„Zeno — wenn der Toni was Unrecht's vor, hätt', so wär’s mir gar niemals recht!"
(Fortsetzung folgt.)
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Obervostdir Dickung v qen wurde, Hauptsache nähme voi auf die « etwa 190 auf die & anschkag jaijr 192?
Zuschuß in mifligt — 1 Schreiben an Sen Klein bene Mahw unb des Da fordern, des Jtanal-, ebenfalls w stellen unb für diele 5 Auch der lei so niebi träge wurd Semeindera Abgabe dvi gleichen dk Der Antrü! beim Jttehi mtfrftit ab rat Mauti /ich bem angt ffinoyfommil für einen A W gewinnen, gab bet Tu ben in ben le mangel, b grvhen Dru< zumal bie Wellungen liefern und ötadt täglic oerbrauchi wies noch bemüht fei, mit berßunt
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