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Nr. 163 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Die Herren der Erde.

Don Otto Corbach

Dor dem großen Kriege machte jener be­rühmte Ausspruch eines Wissenden viel von sich reden, wonach ..dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt" die wirtschaftlichen Geschicke unseres Kontinents lenkten und sich Dachfolger aus ihrer nächsten Umgebung such­ten. wonach sich auf dem ,,demokratischen" Ge­biet des Aktienwesens eine Oligarchie entwickelt hatte, ..geschlossener, als die des alten Venedig". Aber w.eviele von jenen Dreihundert oder deren Dachfolgern mögen heute noch viel zu sagen yaben! Inzwischen fjat sich in der gesamten europäisch-amerikanischen Kulturwelt eine Kon­zentration wirtschaftlicher Führung vollzogen, der gegenüber die der Dorkriegszeit Kinder­spiel bedeutete. Eine führende englische Zeit­schrift. die ..Fourtnightly Deview" spricht von den drei Dankgewaltigen Strong, dem Gou­verneur der Federal Reserve Danken der Ver­einigten Staaten, Montagu Dorman. dem Gou­verneur der Dank von England und Dr. Schacht, dem Präsidenten der Deutschen Reichs­bank als von der ..mächtigsten Männergruppe der Welt". In diesem Gestirn bedeutet aber nicht einmal mehr Montagu Dorman, geschweige Schacht, eine aus eigener Kraft strahlende Sonne, sondern allein Strong, der Repräsentant des amerikanischen Finanzkapitals. Der Schahkonzler im Daldwmschen Kabinett. Churchill, huldigte schon am 26. März d. Is. im englischen Unter- Hause der ..bemerkenswerten Tatsache", daß der Betrag, den die Dereinigten Staaten auf Grund der schon fest vereinbarten Arrangements von Europa erhält, bereits so groß ist, wie der Ge­samtbetrag der Reparationen, den Deutschland zahlt. D'-e Ausdehnung des Außenhandels der Dereinigten Staaten innerhalb zehn Jahren nach Ausbruch des großen Krieges habe sich auf nicht weniger als 33 000 000 000 Dollar oder l1 2 soviel wie die gesamte Schuld der Union be­laufen. Der Exporthandel der Dereinigten Staa­ten sei gewachsen ..wie ein Pilz in der Dacht, befruchtet und genährt von dem Dlute Euro­pa-".

Frankreich hat sich recht lange ge­sträubt, unter der diktatorischen Führung eines Mannes in fester Dahn innerhalb des ameri­kanischen Finanz-Sonnensystems zu kreisen Auch die Zähmung dieses Widerspenstigen darf nach dem Kammersiege Caillaux' als geglückt gel­ten. Ein nochmaliger Sturz Cailloux' würde an dem Ergebnis der Entwicklung der letzten Mo­nate, die auch im politisch leidenschaftlichst er­regten Lande Europas das Primat der Hoch­finanz im öffentlichen Leben besiegeln, wenig ändern. Mit oder ohne Caillaux würde sich die Emanzipation wirtschaftlicher Führung von den Schwankungen politischer Volksst immun gen doch durchsetzen. Die Opposition, wogegen Cail- laux eine von Strong und Montagu Dorman geheischte Dlanko-Dollmacht ertrotzen muhte, ließ schon da« echte Pathos starken politischen Eigen­lebens vermissen, das ein Parlament beseelt, das die äußeren Geschicke eines Dolkes noch wirklich zu lenken vermag. Während in der Kammer entthronte Dolkstribunen Redekämpfe auf führten, die sich zu denen früherer Tage ver­hielten, wie in der Sage der Kampf der Geister der Gefallenen in den Lüften zu der wirklichen Schlacht auf Den katalaunischen Gefilden, span­nen in Antibes Strong. Montagu Dorman und Moreau, der Gouverneur der Dank von Frankreich, in aller Stille die goldenen Fäden für die wirklich nächste Zukunft eines samt seinem Franke^ stabilisierten Frankreichs. Als die fran­zösische Regierung am dritten Tage des eng­lischen Riesenausstandes ihren Finanzsachverstän­digen Parmentier nach London fliegen lieh, um mit Strong unmittelbar nach seiner An­kunft in Europa persönlich Fühlung zu nehmen, waren die französisch-amerikanischen Meinungs­verschiedenheiten über eine Stabilisierung des Franken noch so groß, daß die Aussprache völlig fruchtlos verlief Wie stark muh Frankreichs politisches Barometer seitdem gefallen sein, wenn sich Strong und Montagu Dorman so rasch zu einer Konferenz auf französischem Doden be­reit fanden.

Der nächste Punkt auf Strongs Aktionspro­gramm bildet die Einberufung einer Konferenz der Leiter der hauptsächlichsten Staatsbanken, die schon den Gegenstand der einzigen wichtigen Entschließung des Gens er Komitees zur Dorbe-

wühl -es Zommeraufenthaltes.

Don Dr. W. Schweisheimer.

Haben Sie sich auf der Reise gut erholt ..Dein, offen gestanden gar nicht. Es war ja sehr schön, wir haben viel Deues gesehen, zu viel vielleicht: kunstreiche Städte, herrliche Land­schaften, Derge und Deen, sind viel in der Dahn gesessen, alles in drei Wochen. Aufhalten konn­ten wir uns nirgends länger und so sind wir eigentlich nervöser und weniger gesund als vorher zurückgekehrt. Dielleicht war doch das Gehetze zu groß. Aber was soll man schließlich sonst tun. als zur Erholung sortzugehen?

Die Antwort ist ganz einfach: richtig fort- gehen! Dicht die Reise allein bringt die Er­holung. nicht die Aenderung der gewohnten Um­welt, das Aufsuchen heilkräftiger Luft oder ge­sundheitsspendender Quellen. Was not tut, ist das Aufsuchen des richtigen Erholungsplahes und dort ein zweckmäßiges Verhalten. Alle Daturen sind verschieden, und so schickt sich auch da keineswegs eines für alle. Einer Mode nach- zulaufen wird so wenig helfen, wie sich durch befreundete Empfehlung leiten zu lassen, wenn die wichtigste Voraussetzung fehlt: sich vor der Reise zu überlegen, was man zur Erholung braucht, sich zu erinnern, was in früheren Jahren der Gesundheit echteste Förderung brachte.

Jeder muß den Ort aufsuchen, der ihm unb gerade ihm Erholung verspricht. Das Zeitalter des Individualismus leidet auch auf gesundheit­lichem Gebiet keine Massenabfertigung. Em Mensch, der das ganze Jahr auf tem Lande lebt, geht zur Erholung in die Großstadt. Es würde ihm lächerlich vorkommen, wollte man ihm Ruhe und ländliche Stille als Erholungs- mittel anraten. An diesem schärfsten Gegensatz sieht man schon, daß der Stadtbewohner^ als Hauptgrund!age der Erholung Rückft' zur Datur braucht. Aber auch das ist individuell ver­schieden. Körperlich ist allen gute Luft. Möglich­keit zu ausgiebiger Leibesbewegung, Ausspannen aus den Derufsgefchäften notwendig. Die Derden

rettung einer Weltwirtschastskon- ferenz ausmachte. Die Einladungen dazu wer­den zwar nicht von Strong, sondern von Montagu Dorman auSgehen. aber es scheint ja einem still­schweigenden Hcbcreintommcn zwilchen den die Erde beherrschenden Finanzgewaltigen zu ent­sprechen. daß sie sich an und für sich so wenig wie möglich öffentlich bemerkbar machen wollen und daß bei ihnen die größte Machtfülle sogar zu völligem Verzicht auf repräsentatives Her- vorireten verpflichtet Sie überlassen gern den Politikern die Lorbeeren für Dölkerfchicksall be­stimmende Entscheidungen, die sie in der Stil e getroffen haben, um von jenen auf Kongressen, von deren Lärm die öffentliche Meinung aller Länder widerhallt, nach langen Schein-Verhand­lungenbeschlossen" zu werden.

Europas finanzielle Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten trat zuerst deutlich auf der Londoner Konferenz im Jahre 1924 in Erscheinung, die über den Dawesplan für die deutschen Reparationszahlungen entschied. Es gab auf ihr drei Parteien: die Siegerstaaten, das besiegte Deutschland und die amerikanische Dank­welt. Das Dawes-Abkommen war das Ergebnis der Beratungen zwischen diesen Par­teien. Das Inkrafttreten des Dawesplanes war das Signal für ein Cinströmen amerikanischen Kapitals nach Deutschland. Seitdem kam es zu einem immer innigeren Zusammenwirken zwi­schen der amerikanischen Finanz und der Bank von England. Der Konferenz von Locarno ging eine Fühlungnahme zwischen der ameri­kanischen. englischen und deutschen Bankwelt vor­aus. Es mußte eine bestimmte politische Atmo­sphäre geschaffen werden, um die Voraussetzungen für die Befriedigung wachsender deutscher An- leihebedürfnifse zu schaffen. Die Politiker gingen nach Locarno, um die Wünsche der Bankiers zu erfüllen und den Beifall der Galerie für deren Wirken entgegenzunehmen.

Eine wirkliche Stabilisierung der französischen Wirtschaft würde das Haupthindernis für eine endgültige älnterwerfung Gesamteuropas außer Sowjetrußland unter das Diktat des angelsächsischen Finanzkapitals besei­tigen. Wer mag bestreiten, daß eine solche Ver­einheitlichung der gewissermaßen zwangsläufig entstandenen Verschuldung Europas dem gegen­wärtigen Zustand vorzuziehen wäre? Und doch wird kein Vernünftiger in solcher Herausbildung einer absoluten Geldherrschaft das Heil der Völ­ker Europas erblicken wollen. Diese Geldherr­schaft hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der der römischen Kirche vor Ausbruch des Reforma­tio ns- und Entdeckungszeitalters. Die Simonie war das Symbol des Zustandes, zu dem die ursprünglich organische und gesunde Einheit des christlichen Abendlandes entartet war. In jenen Zeiten wie heute, drohte eine östliche Ge - fahr denUntergang des Abendlandes" herauf-- zuführen. Damals handelte es sich um den Islam, heute um den Bolschewismus. Die Ruhe, die das Primat des Finanzkapitals Europa bringt, ist die Ruhe des Kirchhofes. Aus den lebenden Leichnamen der Völler Europas wer­den wirkliche werden, wenn sie nicht mit der Zeit die Kraft in sich zu wecken verstehen, sich zu verjüngen und durch Erschließung neuer eigener produktiver Kräfte ihre Abhängigkeit von frem­der Finanzdiktatur zu überwinden.

Ein Kostspieliger Kampf.

Erst am Jahresende wird sich mit ziemlicher Sicherheit feftstellen lassen, welche Verluste die eng­lische Volkswirtschaft durch den Streik der Bergarbeiter erlitten hat. Aber schon jetzt ist es an Hand einiger Zahlen möglich, sich ein Bild von den enormen Schäden zu machen, die die eng­lische Wirtschaft mit jedem lag weiteren Anhaltens des Bergarbeiterstreiks erleidet. In erster Linie ist es selbstverständlich die englische Kohlenindu- ft r i e selbst, deren Gesamtverluste bisher auf 45 Millionen Tonnen im Werte von 36 Millionen Pfund geschätzt werden, und die ohnmächtig zusehen muß, wie das Ausland, also Amerika, Deutschland, Frankreich, Belgien und Polen,.die englischen Ab­satzgebiets abgrafen und sich bemühen, die vorüber­gehende Ausschaltung der englischen Kohle nach besten Kräften auszunutzen.

Interessant für uns ist vor allem die Steige­rung der deutschen Ausfuhr, für die noch keine abschließenden Ziffern vorliegen, die aber mit jeder neuen Streikwoche sprunghaft in die Höhe

des einen brauchen aber dazu wirkliche Ruhe und Einsamkeit, die des andern dagegen Anregung, Geselligkeit, Spiel und Tanz.

Sinnlos ist es, hier etwa einen sogenannten moralischen Maßstab anzulegen. Auch wer zu seiner Erholung Tanz und Vergnügen braucht, ist noch lange nicht seelischweniger wert" als der Eins am keitf uchende. Der Erfolg entscheidet. Wer sich am besten und ausgiebigsten erholt hat, der hat richtig gehandelt. Gleichgültig, wie er im einzelnen die Dotwendigkeit der Entspan­nung seinen inneren Bedürfnissen angepaht hat.

Freilich gilt es auch, sich unbedingt von dem gleichmäßig weiterlaufenden Zwang der Gewohn­heit freizumachen. Mancher nervöse, überarbeitete Mensch glaubt, es in ruhiger Umgebung auf dem Lande nicht aushalten zu können. So stürzt er sich in den Strudel geselligen Hotellebens unb kommt am Schluß abgespannt und erst recht überreizt nach Hause. Hätte er sich statt dessen das Mottoruhiges Landleben" gesetzt, so wären ihm möglicherweise die beiden ersten Tage langweilig vorgekommen, aber der dritte und vierte hätte seine Nerven in bereits abgeregtem Zustand angetroffen, und Gewöhnung an den neroenwohltuenden Einfluß der Stille wäre alsbald eigetreten.

Für zahlreiche 'Nervöse, namentlich jugend­lichen Alters, sind die schärferen Reize des Hoch­gebirges oder Meeresklimas vorzuziehen. Die Be­schäftigung mit Bergwanderungen und Wassersport zieht die Gedanken in heilsamer Weise von den sonstigen Beschwerden ab. Es bedarf keiner Be­tonung, daß ein Uedermaß an Sporttreiben, allzu rasche Steigerungen der Anforderungen an den Körper in jeder Hinsicht ungünstig wirkt unb ins- befonbere nervöse Beschwerben nur noch steigert. Das gilt ebenso für übermäßiges Bergsteigen, wie ganz befonbers für allzu langes Baben. Unb bazu neigen erfahrungsgemäß gerabe nervöse Menschen: über bem gebantenbannenben Reiz ber Wellen ver­gessen sie ganz, wie anftrengenb ein solches Seebab bei zu langer Dauer ist. Sie erholen sich nicht, aber bie Schuld daran trägt ihre eigene Unvernunft und Unmäßigkeit, nicht dasanstrengende" Seebad ober basungeeignete" Höhenklima.

geht. Wies bie Statistik unter der Einwirkung ber Derschleuberung ber mit ben Staatszuschussen ver­billigten englischen Kohle einen starken Rückgang unserer Kohlenausfuhr auf, so ist jetzt festzustellen. baß allein für Mai bie Ausfuhr in bie englischen Absatzgebiete ein erfreuliches Anwachsen zeigt. H o l- land nahm im April 628 000 Tonnen, für Mai aber schon 750 000 Tonnen. Rach ausländischen Zei- tungsmelbungen ist die Ausfuhr nach dzw. über Hollanb schon so stark, baß die Verladeeinrichtungen im Rotterdamer Hafen nicht mehr ausreichen, in dem itN-vorigen Monat nicht weniger als 2 Mil­lionen Tonnen Ruhrkohlen verschifft worden sein sollen. Mag auch die Ziffer übertrieben hoch fein, so zeigt sie doch, daß deutsche Kohle sehr begehrt ist. Frankreich hat außerhalb des Reparations­kontingentes die Einfuhr von 27 000 Tonnen im April auf 81 000 Tonnen im Mai gesteigert. Bel­gien. das im April nur 68 000 Tonnen abnahm, hat für Mai 140 000 Tonnen eingeführt, Italien hat 103 000 Tonnen abgenommen, und Skan­dinaviens deutsche Kohleneinfuhr ist von 98 000 Tonnen auf 179 000 Tonnen gestiegen. Für Juni sind bie Abtransporte beutscher Kohlen in bas eng­lische Absatzgebiet wesentlich höher. Eine birefte Verschiffung nach Englanb selbst finbet kaum statt, weil sich bie Englänber bie Blöße nicht geben wollen, beutsche Hilfe in Anspruch zu nehmen, nach­dem sie mit ihrem Versuch, die deutsche Kohlenindu­strie zu zerschlagen, kläglich gescheitert sind. In- direkt wird aber England von holländischen und belgischen Kohlenhändlern mit deutscher Kohle be­liefert. Als wesentlichster Vorteil für ben deutschen Bergbau mag wohl die Tatsache zu buchen fein, daß bie Abnehmer beutscher Kohle, soweit sie bireft von Deutschlanb beliefert werben, mit ben gelieferten Sorten überaus zufrieben sinb unb ihr Vorurteil gegenüber ber beutschen Ware wesentlich abgeänbert haben. Für ben beutschen Bergmann bagegen hat ber Streik ben Vorteil gebracht, baß jetzt keinerlei Feierschichten mehr verfahren werden. Wie stark sie waren, zeigen die arbeitstäglichen Förderziffern, die für Juni 387 787 Tonnen betragen, während im April nur 323 000 Tonnen gefördert wurden, der Bergmann also in ber Woche mehrere Tage feiern mußte.

Noch stärker fallen bie Verluste, die ber Kohlen- streik mit sich bringt, ins Auge, wenn man einen Blick auf bie Beschäftigung ber übrigen eng­lischen Inbustrie wirst. Hier fehlt es überall an Kohle, folglich haben zahlreiche Werke ihre Betriebe ft i l (e g e n müssen. Wie umfangreich bie Still­legungen sinb, geht aus ber Arbeitslosenzisfer her­vor, bie im Juni 1,6 Millionen betrug, zu ber noch über eine Million ftreifenbe Bergarbeiter stoßen. Am schwersten betroffen ist die E i se n i n d u st r i e. Schon im Mai stellte sich die Eisenproduktion auf nur 90 000 Tonnen, das sind ein Sechstel der April­gewinnung. An Stahl wurden im Mai nur 46 000 Tonnen erzeugt, also 7 Proz. der Aprilproduktion. Für Juni ist die Erzeugung noch weiter zurück­gegangen, wenn auch bie englische Regierung sich alle Mühe gibt, bie auslänbische Kohleneinsuhr zu heben. Hanb in Hanb mit ber einschlasenben Eisen- unb Stahlproduktion geht eine Räumung ber eng­lischen Lager, so daß die englischen Verbraucher heute schon kontinentales Material kaufen. Hält der Streik noch einige Zeit an, bann ist bamit zu rechnen, baß ganz wesentliche Verträge zwischen kontinentalen Eisen- unb Stahlerzeugern unb englischen Abnehmern abgeschlossen werben. Neben ber Kohle muß also jetzt auch englischer Stahl unb englisches Eisen als Folge Des Streiks ben ausländischen Erzeugnissen weichen. Wie groß ber Eisenmangel ist, zeigen bie Schwierigkeiten in ber Maschineninbustrie. Die Wersten selbst liegen völlig still, ba kein Baumaterial zu be­schaffen ist. Auslänbische Auftraggeber menben sich an nichtenglische Werften. An Rohstoffen sinb im Mai für 21,3 Millionen Psunb weniger herein- gekommen, was ein bezeichnenbes Licht barauf wirtf, wie gering bie Derarbeitungsmöglichkeiten zur Zeit sind.

Für Juni erhöhen sich bie Verlustziffern in noch stärkerem Maße, bie selbstverstänblich im übrigen Auslcmb als Gewinne auftaudjen. Dieser Streik zeigt in schärfsten Umrissen, wie gefährlich es ist, Lohn- unb Arbeitszeitstreitigkeiten auf anberem Wege als dem der Verhandlungen auszutragen. Den Schaden trägt in England nicht nur der Kohlenbergbau, sondern bie gesamte englische Wirtschaft unb bas gesamte englische Volk. Dor allem aber auch ber Arbeiter in ben übrigen Jnbustrien, ber zum Feiern gezwun­gen ist, weil bie Defen erkalten unb bas zu Der- arbeitenbe Material- ausbleibt. Viel ernster sinb aber

Bei nervösen Erregungszustänben sinb mittlere Höhenorte, walbreiche Oegenben, angebracht. Bei Neigung zu ©emütsDerftimmungen, zu Melancholie unb Angstzustänben wirb man von vornherein eine Gegenb wählen, bie burch Licht- unb Sonnenreich- tum wohltuenb auf bie Seele einwirkt, fein enges, buntles Tal, keine schroffen, rauhen Felsen- ober einsame Meeresgegenben. Schöne Fernblicke, ab­wechslungsvolle Spaziergänge, freunblich-ruhige Ge­selligkeit werden hier rasch Gutes schaffen.

Die Erkältungen und Staubschädigungen des städtischen Lebens lassen Katarrhe der oberen Luftwege oft lange nicht zum Ausheilen kommen. Bronchialkatarrhe, Hals- und Rachenentzündungen, Störungen in ber Nase ziehen sich monatelang hin, ohne richtig besser zu werben. Ein aut gewählter Lanbausenthalt in staubfreier, waldreicher, nicht feuchter Gegenb bringt bie Beschwerben in ber Regel rasch zum Abheilen. Namentlich bie lästigen unb langwierigen Katarrhe, bie sich an eine burch- gemachte Grippe anschließen unb bie aller Behand­lung trohteq, erfahren burch geeignete klimatische Beeinflussung schnell eine entschiebene Wenbung zum Besseren. Für manche Formen von Asthma (Bron­chialasthma) ist ein Aufenthalt im Hochgebirge äußerst günstig. Das gilt namentlich auch für Kinber, die an nervösem Asthma leiden. Zu bauernder Be­hebung ist hier allerdings meistens ein längerer Aufenthalt in der Höhe vonnöten.

Herzbeschwerden verlangen gleichfalls richtige Auswahl des Sommeraufenthaltsortes. Men­schen mit Herzleiden tun gut daran, auf der Reise allzu heiße Tage, überfüllte Züae (zu Beginn der Ferienzeit) zu vermeiden. Die Unannehmlichkeiten der Reise sollten durch längeren Aufenthalt wieder ausgeglichen werden. Ist bas nicht möglich, so ist es sehr zu überlegen, ob bie georbnete häusliche Lebens­weise wegen kurzer Abwesenheit aufzugeben ist. Der Ort bes Erholungsaufenthaltes sollte von Herzleiben­den nicht ohne ärztliche Beratung gewählt werden. Hochgebirgsorte (über 1000 Meter) kommen für Kranke mit Herzleiden ober stärkerer Arteriosklerose im allgemeinen nicht in Betracht. Es gibt ja nicht wenige Leute mit ausgeglichenen Herzfehlern, bie vorzügliche Bergsteiger sinb. Aber ein großer Teil

Donnerstag, 15. Juli 1926

die Auswirkungen des Streiks, die sich erst in ben nächsten Monaten übersehen lassen. Denn viele Ver­braucher englischer Erzeugnisse unb auch englischer Kohle sinb heute mit nicht englischen Erzeugern langfristige Verträge eingegangen. Noch nicht zu übersehen ist vor allem auch, ob die englische In­dustrie wegen ber jetzt erlittenen Verluste in Zu­kunft so billig verkaufen kann, wie «ruher, und ob sie vor allem in der Lage ist, die ausländische Kon­kurrenz zu unterbieten, um ihr die zugesattenen Aufträge wieder abzujagen.

Oberhessen.

Fahrplanänderungen auf der Strecke Hungen -

Laubach - Mücke.

WSR. Vom 19. Juli an treten auf ber Strecke Hungen-Laubach Mücke bie folgenden Fahrplanänderungen in Kraft:

4268 Pelsoncnzug Mücke -Laudach Hungen: Mücke ab 7,12, Laubach ab 8,10, Wetterselb ab 8.17, Villingrn ab 8,28 Hungen an 8.40 norm.

4270 Personcnzug MückeHungen: werktags Mücke ab 1,22, Laubach ab 1,53, Wetterselb ab 2,02, Villingen ab 2,11'... Hungen an 2.20 nachm.

4271 Personenzug HungenMücke: werktags Hungen ab 2,55, Laubach ab 3,29, Mücke an 4,09 nachm.

4274 Personenzug MückeHungen: werktags Mücke ab 4,57, Laubach ab 5,58. Hungen an 6,29 nachm

Landkreis Gichen

:: Aus bem Dusecker Tal. 14. Juli. Die ft arten Regenfälle ber vorigen Woche haben einem Teil ber Getreidefelder arg zugeseht. Diese Aecker liegen wie gewalzt. Das Vlähen wird auf ihnen in diesem Jahr mit vielen Schwierigkeiten verknüpft sein. Der Körnerbildung beim Roggen tut die Lagerung keinen Schaden mehr. Der Weizen hat sich nur selten ge­lagert und steht eben in voller Dlüte^ er verspricht eine gute Ernte. Anders sieht es beim Som­mergetreide aus. Durch starke Lagerung, namentlich bei gut gedüngten Böden, leidet die Körnerbildung empfindlich. Der Strohertrag wird bei der gesamten Frucht gut ausfallen. Roch jetzt sind vereinzelte Landwirte am Aufziehen der Kartoffeln. Die Entwickelung der Knollen ist schon sehr weit fortgeschritten: stellenweise haben die Früchte schon bie Dicke eines Gies er­reicht. Die nasse Witterung kam auch den Dick- wurzeln sehr zustatten. Untere Landwirte brauchen in diesem Jahr über Mangel an Grün- futter nicht zu klagen. Diele haben noch nicht ihren ersten Klee abgeerntet, und auf den früh gemähten Kleeäckern wird der zweite Schnitt bereits vollzogen.

!! Daubringen, 14. Juli. Da unsere neue Lehrerwohnung jetzt fertiggestellt ist, konnte Lehrer Henkel aus Bisses, bem bereits im vorigen Herbst eine Lehrerstelle hier befinitio übertragen worben war, in ben letzten Tagen einziehen. Damit sinb unsere brei Schulstellen bie vierte ging infolge ber Abbaumaßnahmen an Ostern ein befinitio besetzt. Hoffentlich ist nun für lange Zeit bem für bie Schüler so unangenehmen öfteren Wechsel ber Lehrer ein Enbe gemacht.

!! Aus bem Cumbatal, 14. Juli. Einen hoffnungsvollen Anblick bietet zur Zeit ber gute <5tanb ber Winter- unb Sommer« frucht. Hoffentlich oerbirbt kein weiteres lln- weiter bem Bauersmann bie aussichtsreiche Ernte. Nachbem bas Heu gut hereingebracht worben ist, werben bie T> i ck w u r z gehackt, mit beren gutem Wachstum auch bas Unfraut Schritt gehalten hat. Bereits sieht man auch schon recht hell in bie wogenben Kornähren, ein Zeichen, baß in zwei bis brei Wochen ber Winb roieber über bie Stop­peln fegen wirb. In schöner Blütenpracht stehen bie Kartoffeläcker berDbenroälber Blauen", eine Frühkartoffelsorte. bie in ben letzten Jahren hier Eingang gefunben hat unb sich für unseren Boben, wie ber Lanbmann sagt, fehr gutartet".

' Lang-Göns, 14. Iulü Am Sonntag feierte die Hebamme Wenzel dahier ihr 40- jähriges Dienstjubiläum. In Aner­kennung .ihrer treuen Pflichterfüllung wurden ihr zahlreiche Geschenke dargebracht. Pfarrer Wahl überreichte der Jubilarin im Auftrag der Kirchengemeinüe ein wertvolles Geschenk. Abends brachte ihr der Posaunenchor ein Ständchen.

erholungsuchenber Herzleibenber fühlt sich in ber bünnen, sauerstoffarmen Lust bes Hochgebirges nicht wohl. Auch bie wichtige Möglichkeit zu ebenen ober langsam ansteigenben Spaziergängen ist hier vielfach nicht gegeben. Auch ber Aufenthalt am Meer, na- mentlich in winbreichen Gegenben. tut vielen Herz- leibenden nicht gut. Unb roieberum wirb von zahl­reichen Herzkranken, die ben Aufenthalt am Meer selbst angenehm empsinden, bas Baben im Meer nicht vertragen. Don ausgezeichneter gesundheitlicher Zuträglichkeit sinb für die erholungsuchenben Herz­kranken bie Waldgegenben. bie Mittelgebirgsorte unb bie Binnenseebäder. Für manche leichteres Herz­beschwerden wird ein ruhiger Aufenthalt in nMlbigec Gegend mit schönen, nicht anstrengenden «azier- gängen, die sich methodisch steigern lassen, zum radi­kalen Genesungsmittel.

Für Menschen mit Blutarmut irgendeiner Form ober Ursache kommen vor allem Seebäber unb ganz befonbers Höhenkurorte in Bettacht. Bei 93 er­bau ungs ft ör ungen unb Stoffwechsel- leiden wird immer geeignete Kost die Grund­lage der Lebensführung bilden. Die Wahl des Som- mernufenthaltes wird daher nach dem Gesichtspunkt erfolgen, wo die notwendigen Erfordernisse bzw. Beschränkungen durchgeführt werden können. Wer an Gicht oder Rheumatismus leidet, wird warme, sonnige Gegenden wählen.

Wer sich klarmacht. was i h m und gerade ihm zur Sommererholung nötig ist, wird nicht in die Lage kommen, am Schluß unerholt und unfroh heim­kehren zu müssen. Die wichtige Reserve von Kraft und Freude, die im Sommeraufenthalt geschaffen wird, muß für lange Stadlmonate reichen. Bei Familien, deren einzelne Mitglieder verschiedene ßrtfolungs- bedürsnisse haben, wird sich meistens ein Ort finden, ber ben verschiebenen Ansprüchen gerecht wird. Nur feiten wird aus solchem Grunde eine Trennung der Familienmitglieder im Sommer notwendig werden. Der Obergutachter über alles, auch über den ärztlichen Rat, ist freilich bei ber Wahl des Sommeraufenthaltsortes die ftncmzielle Frage. Auch mit ihr wird sich bei vernünftiger Ueberlegung ein Kompromiß schließen lasten, das gesundheitliche Erfordernisse nicht zu kurz kommen läßt-