fein wird, da er sich durch eine solche Weiterung um die Frucht seiner einjährigen Arbeit bringen würde. Eine Tatsache hat sich jedenfalls bei diesem Pachtsystem als feststehend erwiesen, nämlich die, daß der Landwirt solange nicht aus seiner bedrängten Lage zu befreien ist, als er sich nicht entschliesst, sich »U organisieren und ein eigenes Kreditsystem zu schassen.
Bei der neuen Methode liegen die Vorteile hauptsächlich darin, daß der Eigentümer, der sich ja früher um seinen Grund und Boden absolut nicht kümmerte, nunmehr in direkten Kontakt mit den Kolonisten kommt, die gleichen oder noch bessere Garantie von der juristischen Charakter tragenden Gesellschaft erhält und die Ausbeutung seines Bodens im vorteilhaftesten Sinne orientieren kann, womit er in gewissem Sinne schon eine soziale Mission erfüllt hätte.
Welche Wirkungen dies neue System bei den Siedlern erzielt, kenn-eichnet am besten die Tatsache, daß die erste Kolonistenorganisation, die die lang ersehnte Stabilität ihrer Arbeit mittels einer Kollektivpachtung von 2000 Hektar auf fünf Jahre erlangt hatte, sofort daran ging, im Zentrum dieses Gebietes eine Schule zu errichten, in der heute bereits 70 Kinder unterrichtet werden, die andernfalls das Kontingent der argentinischen Analphabeten um die gleiche Zahl vermehrt hätten.
Eigentümer und Pächter haben ein gleich großes Interesse an dem Durchdringen dieses neuen Systems, das bei dem gegenwärtigen Stand der Zivilgesehgebung ohne Intervention der De- gierung durchgeführt werden könnte.
In verschiedenen Ländern Europas werden neuerdings Auswanderergruppen zufammenge- stellt, die nach entsprechender Organisation und mit einem eigenen Kreditsystem ausgerüstet, Grund und Boden im Auslande durch Kauf oder Kollektiv-Pachtung zu erwerben trachten. Hier sollte die argentinische Degierung den Hebel ansehen, um nicht nur den bedauerlichen Rück- gang der lehtjährigen Einwanderung wieder ein- zuhvlen. sondern sich auch ein gesundes, arbeitsames Menschenmaterial zu sichern, das Argentinien so dringend zur Erschließung feines reichen, ausaedehnten Bodens, der für den Frieden der Arbeit wie geschaffen ist. benötigt.
Au§ der provMMlhauMM.
Gießen, den 15. Iuni 1926.
Die Beisetzung des Geh. KirchenraLs D. Schlosser.
Gestern sand auf dem Alten Friedhof die Beisetzung unseres langjährigen früheren Pfarrers, Ehrendoktors der Theologie Georg Schlosser statt. In der Friedhosskapelle hatten sich überaus zahlreiche Leidtragende eingefunden. Der Daum reichte nicht aus, die Zahl aller Erschienenen zu fassen.
In zu Herzen gehenden und von Herzen kommenden Worten schilderte Pfarrer Mahr den Lebensweg des verstorbenen Seelsorgers, der zweiundvierzig Iahre lang in seinem Gießener Amte fegensvvll gewirkt und, teilweise zusanrmen mit feinem Freunde Wilhelm Stamm, auf dem Gebiete der Inneren Mission Großes und Bleibendes geschaffen habe. Georg Schlosser fei als Pfarrer ein Theologe und als Theologe ein Pfarrer gewesen, dessen Wirken stets ein Dienen am Dach st en, an seinem Mitmenschen, gewesen sei. So sei er zu einem weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannten Führer und Bahnbrecher auf dem Gebiete der Inneren Mission geworden, die ihm außerordentlich zahlreiche Anregungen und Werke der Däch- stenliebe verdanke. Seiner Matthäusge- meinde sei er ein wahrer Dater gewesen; das Evangelische Schwesternhaus, die Herberge zur Heimat, das Eleonoren-Hospiz in Bad-Dauheim seien u. a. m. sein Werk, der Kirchsngesang- verein und die lithurgische Ausgestaltung des Gottesdienstes hätten ihm regste Förderung zu danken. So werde das Andenken Georg Schlossers allezeit in ©egen bleiben.
Frauenchöre umrahmten stimmungsvoll diese Feier der Abschiedsstunde in der Kapelle.
Dach der Einsegnung am Grabe fanden noch das Mannhafte Wirken des Dahingegangenen im Dienste der Inneren Mission und seine sichtbaren Werke der Dächstenliebe durch zahlreiche Kranzniederlegungen, die im einzelnen aufzuführen hier der Raum mangelt, beredten Ausdruck. 11. a. legten Kränze und Dlumenspenden am Grabe nieder Landgerichtspräsident Deuen- hagen in erster Linie für die trauernde Mat- thäusgemeinde u. a. m., Pfarrer Bechtols- heimer für die Gießener Geistlichkeit, Dekan
darum die Spitze. Wir schlagen mit Wellington zusammen. Wir werden siegen, meine Herren, denn bei uns ist die größere Zahl der Bajonette. Hier sind die Marschbefehle/'
„Exzellenz, ich gratuliere zu diesem Entschluß!" rief Reinach.
Alle Gesichter waren gespannt. Die Offiziere fühlten mit Stolz die Größe der Aufgabe, das Ziel der Unternehmung. Tornister wurdey herbeigebracht. Neue Lichter flammten auf. Die Arbeit begann. Die Federn knirschten über Papiere. Adjutanten und Ordonnanzen kamen und gingen. Leise Stimmen fragten nach Ergänzungen, nach Berichtigungen. Durch die geöffnete Tür der Bauernstube klang der Lärm des beginnenden Kriegsmarsches. Trommelwirbel klang durch die Nacht. Roste platschten durch den nassen Lehm, Wagen knarrten.
Morgengrauen, das zur Tür hereinschlich, ließ die Lichter wie rote Bänder flattern. Uebermüdete Offiziere wurden von jüngeren Herren abgelöst. Einer diktierte dem andern Abschriften der Befehle.
Da drang ein Brausen von draußen herein: Stimmen, geisterhaft fern zuerst, schienen mit dem Wind heranzueilen. Es klang im Jubel: „Unser Vatter ist da! Unser Vatter ist da! Es lebe der Vatter Blücher!"
Von ein paar Landwehrleuten wurde der schmerzzerschlagene Greis in die Hütte hereingetragen. Hinter ihm her schritt die überlebensgroße Gestalt seines Adjutanten, des Grafen Nostiz.
„Jbr habt's jut bei eurer Schreiberei", rief der Alte übermütig trotz der blassen Lippen, wäh- rend er seine Arme um die zwei Soldatennacken geschlungen hatte. „Ick habe die Nacht über im Dreck gelegen, und beinahe hätten sie mir jekriegt. Aber Dogen haben die Kürassiere Milhauds nicht im Koppe. Keener dachte daran, daß ick im Drecke lag. Jut, daß meine Husaren es nid) jewesen sind, sondern diese welschen Eisenlümmels! Meine Husaren haben ood) Dogen unter den Bäuchen ihrer Jäule!"
Der Feldmarschall wurde auf die Pauke niedergelassen. Er ächzte und stöhnte: „Sachte, Männeken,
G u ß m a n n - Kirchberg, Deigeordn. Dr. Frey für die Stadt Gießen, ein Vertreter des Oberbürgermeisters von Frankfurt a. M., Landge- richtsrat Küchler für das Cvang. Schwestern- bans, ein Alter Herr und ein Aktiver des Wingolsbundes, Prof. Dr. Schmidt für die Evang. theologische Fakultät Gießen, ein Vertreter des Cleonoren-Hospizcs in Bad-Dauheim, das des Verstorbenen eigenstes Werk war, Stadtverordneter Kirchner für den Cvang. Arbeiterverein, Emil H o r ft u. a. für den Cvang. Kirchengesangverein u. a. m.
So konnten alle Leidtragenden, besonders aber die zum Teil aus weiter Ferne erschienenen Söhne und Familienangehörigen des Heimgegangenen, erkennen, daß das Andenken an diesen trefflichen, zielbewuhten Freund und Förderer wahren evangelischen Christentums an der Stätte seines Wirkens unvergessen ist und unvergessen bleiben wird. R. i. p.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Naturheiloerein: 8 Uhr, Großer Hörsaal der Universität, öffentlicher Vortrag.
** Deffentliche Sammlungen nur mit behördlicher Genehmigung. Das Polizeiamt Gießen weist darauf hin, daß öffentliche Sammlungen behördlicher Genehmigung bedürfen. Dem Publikum wird daher empfohlen, sich von vorsprechenden Sammlern stets den polizeilichen Ausweis vorzeigen zu lasten.
4 Kursus für Werkunterricht. In der Stadtknabenschule wurde gestern morgen ein Kursus für Werkunterricht eröffnet. An dem Kursus, der 14 Tage dauert, beteiligten sich 25 Lehrer der Volks- und höheren Schulen. Infolge der überaus zahlreich eingelaufenen Meldungen konnten nicht alle Interessenten zugelassen werden. In dem Kursus sollen die Richtlinien und Stoffe des im Laufe deS Schuljahres erscheinenden Zeichenlehrplanes berücksichtigt werden. Ferner wird behandelt die Gestaltung des Werkunterrichts im Sinne physikalischer, geometrischer und biologischer Schülerübungen, Leiter des Kursus ist Schulrat Denzer von Darmstadt.
-d Städtische Heugrasversteige- rung. Bei der gestrigen Heugrasversteigerung der Stadt wurden im Durchschnitt folgende Preise pro Morgen erlöst: Von den Wiesen in der Hohleiche und auf der Insel 100 Mk., von bet Wiesen im Heegstrauch 60 bis 70 Mark, von den Wiesen im „Rußland" 90 Mk., von den Wiesen im Walde und Fürstenbrunnen 60 Mk.. von den Wiesen im Wiesecktal 90 Mk.
#. Die Elektrische gegen einFuhr- werk. Ein Zusammenstoß zwischen einem Wagen der Straßenbahn und einem Zweispännerfuhrwerk des Fuhrunternehmers Schneider ereignete sich gestern nachmittag gegen 5.30 Uhr auf dem Lindenplah. Das Fuhrwerk war im Begriff, vom Lindenplatz aus in die Wehsteingasse einzuviegen, als der Straßenbahnwagen aus der Walltor- straße herangefahren kam und das Gefährt in der Höhe der Pferde erfaßte. Das Handpferd kam bei dem Anprall zu Fall und trat hierbei das Sattelpserd. An dem Straßenbahnwagen wurde die Fensterscheibe zertrümmert. Beide Wagen konnten nach einigen Minuten ihre Fahrt fortsetzen. Personen kamen erfreulicherweise nicht zu Schaden, dagegen erlitt das gestürzte Pferd einige leichte Verletzungen.
** Die Schuhmacherfachschule Gie - ßen erhielt auf der diesjährigen Fachausstellung in Mainz folgende Auszeichnungen: zwei goldene, eine silberne und vier bronzene Medaillen sowie neun lobende Anerkennungen. Gewiß ein Zeichen dafür, daß die Leistungen der Fachschule anerkannt gute sind und daß der Vorstand, die Leitung und die Lehrerschaft alles daran setzen, bas Vertrauen all derer zu rechtfertigen, welche die Fachschule unter* stützen.
* Der Bezirksverband für Handwerk und Gewerbe im Kreis Gießen hielt am Sonntagvormittag in Lich eine gut besuchte Ausschuhsihung ab, in deren Mittelpunkt ein Bericht über die letzte Handwerkskammer- sitzung stand. Gewerbeschulrat Dr. Brünnings berichtete eingehend über die Verhandlungen zwischen Regierung. Handwerkskammer und Stadtvertretungen bezüglich Gewerbeschulen und über die Deueinrichtung einer Betriebswirtschaftsstelle für das Handwerk, die der Gewerbeschule in Gießen für Hessen angegliedert werden soll. In der eingehenden Aussprache, in der der Ausschuß die Stellungnahme der Handwerkskammer einmütig billigte, wurden noch zahlreiche Wünsche geäußert, die Besserungen auf den verschiedensten Gebieten (Fortbildungsschule, Gesellenprüfungen, Schwarzarbeit usw.) forderten. Am Dachmittag fand eine öffentliche Handwerkerversammlung
statt, in der Syndikus Röhr von der Hand- werkskammernebenstelle über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Handwerksbetriebe eingehend sprach.
** Aus d e m P 0 l l z e i b e r i cht. Festgenommen wurde hier eine Mannsperson von auswärts wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen, ferner ein Fahrraddisb, der in Hann.-Münden ein Fahrrad entwendet hatte. — Ein Bettler, der hier in ein Haus geriet, in dem er die Korridortür offfenstehend vorfand, erbrach auf dem Vorplatz einen Kleiderschrank und entwendete mehrere Kleidungsstücke. Der Polizei gelang es, den Täter festzunehmen und in Untersuchungshast abzuführen. — In den letzten Tagen wurden sechs weitere Personen wegen verschiedener Straftaten festgenommen.
k. DerBauerscheGesangverein veranstaltete am Sonntag zusammen mit dem „Union- Klub" Wetzlar auf der „Liebigshöhe" einen Sängertag. Um 2 Uhr trafen die Wetzlarer Sänger am hiesigen Bahnhof ein und wurden von den „Bauern" mit dem Sängergruß empfangen. Die Wetzlarer antworteten auf die gleiche Weise. Unter klingendem Spiel marschierten bann beide Vereine nach der „Liebigshöhe". In seiner Begrüßungsansprache betonte der 1. Vorsitzende des Bauerschen Gesangvereins, daß derartige Zusammenkünfte nicht nur der Pflege der Geselligkeit dienen, sondern in der Hauptsache den deutschen Männergesang fördern sollen. Die Pflege des deutschen Liedes trage wesentlich zum seelischen Wiederaufbau unseres Vaterlandes bei. Die von den beiden Vereinen im Laufe des Nachmittags abwechselnd vorgetragenen Volkslieder und Kunstchöre zeigten, daß Chormeister und Sänger es mit dieser Aufgabe ernst nehmen. Eine angenehme Abwechslung boten die von Kurt Richter zu Gehör gebrachten Soli. Die musikalischen Darbietungen trugen wesentlich zur guten Stimmung des Nachmittags bei. Um 10 Uhr abends verließen die Wetzlarer Sänger unsere Stadt in dem Bewußtsein, einige genußreiche Stunden nach echt deutscher Sängerart hier verlebt zu haben.
** V. H. C. Die am Sonntag vom D. H. C.- Gießen veranstaltete Familienwanderung hatte am Vormittag stark unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Das war sehr bedauerlich, denn zu dem Rundgang um Dauheim, der sich nach eurer flüchtigen Besichtigung des Bades anschloß, und der so recht die herrliche Umgebung der benachbarten Dadestadt, namentlich den prächtigen Dauheimer Hochwald zeigte, wäre die Unterftühung von Frau Sonne erforderlich gewesen. Trotz des unaufhörlich mederströmen- den Regens war die (Stimmung der 120 Teilnehmer recht gut, wozu auch wesentlich bei der ersten Rast auf dem reizend gelegenen Waldhaus her Vortrag von Musikstücken, sowie Lieder des Frauenchors und Solls des freundlichen Gast- Halters beitrugen. Auf gut gepflegten Waldwegen ging es über den Iohannisberg, der leider keine Fernsicht zuließ, und durch den schönen Frauenwald mit zahllosen Ruheplätzen zur Kaffee- Ration nach Dieder-Mörlen, wo wiederum Gesangs- und Musikvorträge dargeboten wurden. Der Weg zum Endziel Bad-Dauheim führte, nunmehr regenlos, jedoch auf wachsweichen Pfaden der Äsa. später dem Großen Teich mit hübschen Blicken auf das gegenüberliegende Teichbaus entlang und durch die Kuranlagen in das Gasthaus Waldlust, wo der Schlußtrank eingenommen wurde.
Oberhessen.
Fünszig-Iahr-Feier der Oberrealschure Butzbach.
pb. Butzbach, 14. Iuni. Mtt einer weihevollen Toten-Gedenkfeier am Gesallenen- Denkmal im Schulhof der Oberrealschule, wobei der 1. evangelische Geistliche, Pfarrer Schneider, die Gedächtnisrede hielt, begann am Samstag der Auftakt zur 50jährigen 3ubeifeier der Schuld. Im großen Saal des Hess. Hofes fand anschließend hieran ein Festakt statt.
Dach einem von Prof. Dr. Werner gedichteten Vorspruch, den ein ehemal. Schüler, stuck, phil. Held, vortrug, schilderte Oberstudiendirektor Dr. B i n z e l eingehend die Entstehung und Entwickelung der höheren Schule in Butzbach. Er betonte hierbei, daß bereits im Iahre 1540 die erste höhere Schule, die damals weithin bekannte Lateinschule gegründet worden sei. In 14 Jahren würde sonach Butzbach die Feier des 400jährigen Bestehens einer höheren Schule begehen können. Er erwähnte ferner, daß Rektor Clermont im Iahre 1762 tausend Gulden stiftete, deren Zinsen als Lateinprämien verwendet werden müssen. Durch die Inflatton sei auch diese Sttstung, wie so viele anderen, entwertet worden. Er könne jedoch
sachte; es tut verdammt weh. Nostiz, jeden Sie den Kerls ein paar Goldstücke von mir und jedem eine Boutelje Wein! Alle Tage tragen sie nicht einen zerschundenen Feldmarschall Huckepack!"
Seine Blicke fielen auf den Tisch.
„Da ist ja auch meine Mütze. Wie kommt denn die hierher?"
„Ein Ulan brachte sie von der Attacke zurück!" erklärte Gneisenau.
„Na, etwas von mir war ja bei euch", rief Blücher lachend; er wurde aber ernst als er fortfuhr: „Während ihr inzwischen hier auskochen konntet, was ihr wolltet!"
„Die Befehle sind bereits hinaus!" antwortete der Generalstabschef. „Die Armee geht auf Wavre zurück!"
Blücher horchte auf und pfiff durch die Zähne.
„Dann kommen wir morgen zum Schlagen?"
Gneisenau nickte mit dem Kopfe. Blücher reichte ihm die Hand hin, die Gneisenau ergriff und drückte.
„Ich danke dir, alter Kamerad", sagte der Feld- marschall. „Morgen werden wir's dem Scheusal Bonaparte wieder besorgen. Morgen kriegt er die Dresche!"
Ein verschollener deutscher Bericht über Kapitän Cook.
Die berühmten Entdeckungsfahrten des englischen Kapitäns Cook sind in klassischer Weise durch das große Reisewerk der beiden Forster geschildert worden, und so sind diese Taten eng mit der deutschen Geistesgeschicht« verknüpft. Es gibt aber noch einen anderen deutschen Bericht, | der von der Weltreise Cooks erzählt. Es ist dies das 1781 in Mannheim erschienene Buch „Eine Reise rund um die Welt mit Kapitän CocL von Heinrich Zimmermann aus Mihloch in der Pfalz". Dieses 110 Seiten starke Werk war aber volllommen verschollen und ist erst jetzt, wie ein Bericht der „Times" aus Wellington
auf Neuseeland meldet, in der Alexander-Turn- bull-Dibliothek dieser Stadt aufgefunden worden. Diese Bibliothek besitzt eine große Anzahl wertvoller Manuskripte Cooks und Bücher, die sich mit ihm beschäftigen, darunter das Logbuch, das der Kapitän auf feinen Reisen führte und die Aufzeichnungen William Daylehs von der zweiten und dritten Reise. Der Bibliothekar Johannes C. Andersen hat wichtige Stellen aus dem Buch Zimmermanns in der Wellingtoner Cvening Post mitgeteilt. Zimmermann, ein armer Gürtel- macher, der nach mannigfachen Wanderungen in London landete und sich bei der letzten Fahrt Cooks 1776 als Matrose anwerben lieh, erzählt die Reise nach Van Diemens-Land und nach Neuseeland und verweilt eingehend bei den Vorfällen der Rcise an der amerikanischen Küste und der Rückkehr zu den Hawai-Inseln. Seine Darstellung von Cooks Tode weicht in mancher Hinsicht von denen der anderen Berichte ab. Gr erzählt, daß der Kapitän aufs äußerste gereizt war dadurch, daß ein paar Zangen von den Eingeborenen gestohlen und ein Boot vom Schiffe abgeschnitten wurde. „Es war Cooks Absicht," schreibt er, „den König gefangen zu nehmen, ihn an Bord des Schiffes zu bringen und als Geisel zu behalten, bis die Eingeborenen das Boot zurückgegeben hätten. Dies würde ihm wohl auch gelungen sein, wenn er die Bewaffneten zurückgelassen und den König auf gütlichem Wege aufs Schiff gebracht hätte. Aber leider war er zu zornig, und das war, die Ursache seines bejammernswerten Todes. Während der Zeit, in der Cook den König von seinem Hause nach dem Strand brachte, hatte die Mannschaft der vier Boote, die den Hafen versperrten, einige Male auf die Boote der Inselbewohner gefeuert und wahrscheinlich einige der Leute verwundet. Die Eingeborenen, von denen sich eine große Schar versammelt hatte, rieten dem König, nicht mit uns zu gehen, und infolgedessen weigerte sich der König. Eine alte Frau breitete ein Tuch zwischen uns und
heute die Mitteilung machen, daß dank der Gebe» freutigfeit und Anhänglichkeit eines früheren Schülers, des Direktors Dr. W i l h. Müller in Barcelona, diese S t i f t u n g wieder auf- gefüllt worden sei und die Prämien nun wieder verteilt werden könnten. Aus der ehemaligen Lateinschule entwickelte sich später die deutsche Schule, die die Realfächer mehr betonte, Latein jedoch als fakultatives Fach stets beibehielt. In dieser älebergangszeit wirkte ein Mann als Rektor an der höheren Schule, der beseelt von hohem Idealismus und getragen von heiliger Vaterlandsliebe, ein Vorkämpfer deutscher Einheit und Freiheit war, dessen Dame noch heute in Butzbach einen hohen Klang hat, Rektor Dr. Friedrich Ludwig Weidig, ein vorbildlicher Jugenderzieher, an dem seine Schüler mit wahrer, aufrichtiger Diebe hingen. Auf Antrag der Schule beschloß die Stadtverord- neten-Versammlung einsttmmig, vom Tage der Jubelfeier ab der Schule zu stetem ehrenden Gedächtnis dieses vortrefflichen Volkserziehers den Damen: „W eidi g - O be r r ea l schule" beizulegen. Diesem Beschluß erteilte das hessische ©efamtminifterium seine Zustimmung. Weiterhin gedachte Oberstudiendireitor Dr. B i n z e t mit besonderer Wärme deS erft§n Direktors der Realschule, der von 1891 bis 19T2 die Schule leitete, des i. R. lebenden Geheimen Schulrats Jäger, der sich sowohl um die Schule, als auch die Stadt Butzbach besondere Verdienste erworben und deshalb auch bereits früher zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden sei. Er führte weiter noch die Damen der späteren Direktoren auf und gedachte hierbei auch der verstorbenen Lehrer, wie des Reallehrers Rumpf und des in Turnerkreisen in ehrendem Andenken stehenden Prof. Wämser.
Anschließend hieran wurden Glückwünsche zur Jubelfeier überbracht. Als erster sprach Bürgermeister Dr. Jansen die Glückwünsche der Stadt Butzbach aus, dem Rektor Hensel folgte, der unter Tleberreichung einer auf Pergament geschriebenen Glückwunschadresse die Wünsche der Stadt- und Fortbildungsschule ausdrückte. Ihm schloß sich Oberftudiendirektor Dr. QIIlen botf- Friedberg an, der namens der Schulen der ober- hessischen Dachbarftädte der Jubilarin ein vivat floreat crescat in acternum zurief, während Ober- studrendirektor Dr. Kalbfleisch-Gießen namens der früheren Direktoren und Lehrer die besten Wünsche darbrachte. Seitens aller früheren Schüler wünschte Weingutsbesitzer Mangel- Traben-Trarbach der lieben alten Schule weiters glückliche Zukunft. Mit den. Wünschen der evang. Gemeinde, die Pfarrer Schneider ausdrückte, schloß der Reigen der Glückwünsche. Erwähnt sei noch, daß das Landesamt für das Di l- dungswesen keinen Vertreter entsandt, jedoch schriftlich die Glückwünsche übermittelt hatte. Der Vertreter des Kreisamts Friedberg, Kreisdirektor Gebhardt, war zu seinem Bedauern am Erscheinen verhindert und sandte daher auch schriftlichen Glückwunsch.
Umrahmt wurde der sttrnmungsvolle Festakt durch Gesänge der Schülerchöre der Anstalt. Beethovens Adagio, ausgeführt durch das Orchester der Oberrealsch'Ule, schloß den Akt wirkungsvoll ab.
Qlbends sand im gleichen Saale ein gemütlicher Festabend statt, bei welchem ein von Prof. Dr. Werner verfaßtes Festspiel von Schülern der Anstalt ausgeführt wurde. Treffliche Reden wechselten ob mit Musikstücken und gesanglichen Darbietungen des Gemischten Chors und der Chöre der Schule.
Am gestrigen Sonntag fand vor und in der Festhalle am Wetzlarer Tor Juaendfest statt, dem am Abend in der gleichen Halle die öffentliche Schluhseier mit Tanz folgte. Auch diese beiden Feiern nahmen einen gemütlichen, sttmmungs- frohen Verlaus, so daß die Weidig-Oberrealschule mit Stolz auf ihre Fünfzig-Jahrfeier zurückblicken kann.
Landkreis Gießen.
n. Grohen-Linden, 14. Juni. In dem benachbarten Leihgestern wird die Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr erstrebt. Um den Ortsvorftand für die Sache zu gewinnen, hatten einige Leihgesterner Einwohner die hiesige freiwillige Feuerwehr gebeten, in Leihgestern eine Fe u erweh rü bu n g abzuhalten Diesem Wunsche wurde entsprochen. Vorgestern abend zog die hiesige freiwillige Feuerwehr mit Musik und Löschgeräten nach Leihgestern und veranstaltete dort die gewünschte Hebung. Gegen 9.30 Tlhr zog die Wehr wieder beim; einige Stunden später entstand in Leihgestern ein Brand, dem zwei Scheunen zum Opfer fielen.
X Lang- G ö n s, 14. Juni. Am Sonntag, 20. Juni, feiert die Gemeinde Lang-Göns ihr alle
dem König aus und erklärte Cook, er werde den König nicht über dies Tuch wegbringen.' Der Kapitän versuchte den König zu zwingen, mtt ihm zu gehen, aber die Eingeborenen warfen auf ihn mit kleinen Steinen. Dadurch wurde er, der bisher von diesem Doll als Gott verehrt worden war, besonders wütend, schoß mit seinem Gewehr auf die um ihn, packte den Köniz nochmals bei der Hand und versuchte ihn über das Tuch wegzuziehen. Einer der Eingeborenen, der gerade hinter Cook stand, stieß ihn mit einem eisernen Dolch zuerst in die rechte Schulter und dann von vorn ins Herz. Cook hatte einige Se eisernen Dolche nach dem Muster dev idolche der Eingeborenen anfertigen lassen und ihnen zum Geschenk gemacht. Der Kapitän fiel tot zu Boden, und diejenigen der Mann^ schäft, die an der Küste waren, eröffneten daS Feuer auf die Eingeborenen. Diese griffen uns darauf an, töteten vier unserer Leute und verwundeten drei." Zimmermann schildert dann daS Gefecht und die Rettung der verstümmelten ileberrefte des Kapitäns; er schließt daran ein interessantes Charakterbild Cooks, in dem er seine Strenge hervorhebt, aber auch seinen untadeligen Charakter, seine Selbstzucht feiert „Ich glaube kaum," schreibt er, „daß England jemals einen tapfereren Seeoffizier hatte als Cook. In Zeiten der größten Gefahr war er der tapferste, der entschlofs.enste und der fröhlichste; in solchen Momenten war sein Hauptaugenmerk, Ruhe und Ordnung auf dem Schiss zu halten. Dabei war er so erfolgreich, daß alle. Augen stets auf ihn gerichtet waren. Er bat tri ein instinktives Gefühl für die Behandlung der Eingeborenen, und man merkte ihm die Freude an, wenn er mit ihnen verhandelte. Er liebte die Eingeborenen, verstand die Sprache der meisten von ihnen und besaß die Kunst, sie zit bezaubern. Ans diesem Grunde wurde er auch von den Inselbewohnern so verehrt. Deswegen wurde er aber auch so wütend, wenn sie chn nicht ehrten oder ihn lächerlich machten."
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