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Zahlreiches 6t. 'Minen erbeten.

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Nr. 81 Zweites Blatt

Die törperliche Erziehung in den höheren Schulen yessens.

Don Oberreallehrer P. L u l e y , Vorsitzender des Hessischen Turnlehrer-Vereins.

Durch die neuen Stundentafeln wird die Stun­denzahl für die Leibesübungen in den höheren Schu- len Hessens verdoppelt. Zu den seither bestehenden zwei Turnstunden treten zwei StundenBewegungs­spiele" pro Woche hinzu. Das ist auf den ersten Anblick eine -Vermehrung, wie sie wohl noch keinem Zweig der geistigen Erziehung zuteil wurde: cs ist dies ober auch zugleich das Mindestmaß besten, was eine neuzeittiche Körperpflege und eine neuzeitliche Körperbildung erfordern, um alle Schädlichkeiten vom jugendlichen Körper fernzuhalten und charakter- volle Menschen wie wir sic gerade jetzt und in Zukunft besonders gebrauchen zu erziehen.

Was in Hessen mit Beginn des neuen Schul- johres in dieser Hinsicht geschehen soll, ist für Preu­ßen, Sachsen. Württemberg. Baden und Bayern ein schon längst überwundener Standpunkt. Dort be­standen obige Einrichtungen schon vor dem Kriege oder wurden während desselben eingeführt.

Auch in Hessen ist wiederholt ein Anlauf zur Vermehrung der Stunden der körperlichen Erziehung genommen worden. So wurde im Jahre 1884 von Seiten der Behörde auch das Turnspicl an höherdn Schulen (als obligatorische drille Kürturn- und Spielstunde) ins Auge gefaßt und zunächst am Gymnasium in Darmstadt durchgzeführt (Jahr­bücher 1884). Kurz vor dem Krieg war von der Skbulabteilüng eine Konferenz von Schulmännern und Fachleuten geplant, auf der eine Erweiterung des seither zweistündigen Turnunterrichts mit allen seinen Begleiterscheinungen beraten werden sollte. Diese geplante Tagung kam aber nicht über ihre Vorbereitungen hinaus. Wiederholt haben der Hess. Turnlehrer-Verein und andere Verbände eine Er­weiterung des Turnunterrichts in höheren Schulen gefordert. Nun soll die ersehnte Vermehrung end­lich zur Tat werden.

Da stellen sich neben den Schwierigkeiten, die die Durchführung der doppelten Stundenzahl mit sich bringt, die unten noch näher beleuchtet werden sol­len, noch andere Hemmnisse entgegen.

So werden Bedenken laut, daß eine Begünsti­gung des Sports bei all seinen Vorzügen doch ge­reifte Gefahren in sich trage. Diese Bestrebungen gehen doch im Grunde genommen darauf hinaus, von vornherein eine Vermehrung eines zielbewuß- ten Unterrichts in den Leibesübungen zu unterbin- ben oder wenigstens in Frage zu stellen, wenn auch einer etwaigen Bevorzugung dieses Unter- üchtszweiges als Mittel der Erziehung freundliche Worte gewidmet werden. Die erfolgreichen wißen- Ichaftlichcn Forschungen der Physiologen müssen in ben Dienst der Schulen gestellt werden, und die Er­teilung des Unterrichts in den Leibesübungen muß nach den erkannten oiologischen Gesetzen erteilt wer­ben. In dieser Beziehung stehen uns ausgezeichnete Werke von den Herren Professoren Dr. Schmidt <Bonn), Bier, du Bois-Reymond und Müller (Ber­lin), Hueppe (Dresden), Kaup, Hecker und Matthias ^München), Huntemüller (Gießen), Hug ^Zürich) u. a. zur Verfügung. Die Abhandlung von ^>rof. Dr. Matthias, früher Zürich, jetzt München, , Sie Bedeutung und Aufgabe der Leibesübungen »ii Dienste der Gesamterziehung" soll hiermit allen fahrenden Persönlichkeiten, die es mit der Erziehung ter Jugend wirklich ernst meinen, auf wärmste emp­fahlen werden.

Die seither einseitig bevorzugte geistige Ausbil­dung muß durch eine zielbewußte körperliche Er- -ziehüng ergänzt werden, um einen harmonischen -Nenschen zu erziehen.Es ist ein Unding, den Men- fchcn in Leib, Seele und Geist auseinanderezu- reitzen und an diesen Teilen nun fein säuberlich cctrennt das Erziehungswerk zu beginnen. Die Früchte sehen wir heute: höchstentwickelter Intellekt Fei allgemeiner Willenserschlaffung und Gefühlsoer- Fladiung, ein hoher Geist in müden Leibern und daneben ein Aufpeitschen physischer Kraft zur höch­sten Leistung bei kläglicher Gefühlsentwicklung und sittlicher Leere. So oft man auch das Wort harmo­nische Menschcnbildung hört es bleibt wahr, daß sie uns verloren gegangen ist im Getriebe der Ma­schinen und im Jagen nach technischer Vervollkomm­nung. Wir müssen sie wiedergewinnen in einer neuen Erziehung, an der auch die Leibeserziehung an ilrem Teil mithelfen soll." Wer wollte diese Tat- techen bestreiten, die Sttidienrat E. Rieß (Mün­chen) in seinem Vortrag auf der Deutschen Turn- lchrerversammlung im Juli 1923 in München zur örage der Turnlehrer(innen)ausbildung so herrlich gekennzeichnet hat.

Obige Gründe haben auch sicherlich das Landes- amt für das Bildungswesen bewogen, die Dermeh-

Gießener Stadttheater.

Darmstadter Qperngastspicl: Dorr PaSqualc".

Gaetano D o n i z e 11 i. geboren 1798 zu Ber- pimo und daselbst gestorben, erschien als kaum Äjähriger mit seiner ersten Oper in der Oeffentlich- Etit; da sie dem Geschmack des damaligen Publikums entgegentam, fand der junge Komponist die Ge- ügenheit günstig, aus dem österreichischen Heeres- dienst (wohin ihn Zerwürfnisse mit seinem Vater getrieben hatten) auszuscheiden und von nun an ge- nüssermaßen im Hauptberuf Opern zu schreiben. Er hat alsbald eine Produktion entfaltet, die einiger­maßen erstaunlich ist, und von der wir heute kaum noch etwas ahnen: als er 30 Jahre alt war, hatte tr bereits annähernd ebensoviele Opernpartituren aus Inner Feder auszuweisen, und da es ihm Jahre hin- darch zu einer leichtgeübten Gewohnheit geworden schien, jeweils drei bis vier neue Opern herauszu­düngen, so nimmt es nicht Wunder, daß man, als er. gerade fünfzig geworden, an ben Folgen eines schweren Gehirnleidens starb, über 60 Opern in i<mem Nachlaß fand: eine ganze Anzahl kirchen- rr.ufifalifdjer Arbeiten nicht gerechnet. Wer weiß heute noch etwas von dieser frappierenden Fülle? Vas ist geblieben?Lucia di ßannnermoor (1835), ^2a fille du Regiment" (1840) und derD o n P a s- quale", komische Oper in drei Akten, die, für Paris geschrieben, dort 1843 zuerst aufgeführt wurde: ein starker Erfolg. Vielleicht die beste Arbeit, die Lonizetti hinterlassen hat, vielleicht lag im Sonder- gmre der Buffooper überhaupt seine glücklichste Begabung.

Sicher ist jedenfalls, daß das Werk, nachdem Otto Julius Bierbaum (dem dergleichen sicherlich viel Freude machte) das Libretto von Cam marano einer neuen Bearbeitung unterzogen hatte, eine zveite Blütezeit erlebte und bis heute kaum etwas

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)

rung des Turnunterrichts in die Wege zu leiten. Diese Vermehrung ist eine unabweisbare Pflicht des Staates und der Kommunen, da durch autorita­tive Untersuchungen feftgeftellt worden ist, daß un­sere Jugend durch den langen Krieg und die Nach­kriegszeit außerordentlich schwer gelitten hat und noch leidet in jeder Beziehung, und weil außerdem unser deutsches Volk einen seiner besten und wich­tigsten Gesundheitsfaktoren, die allgemeine Wchr- ptticht, verloren hat. Die körperliche und seelische 'Jiotlage des deutschen Volkes erfordert entscheidendes Eingreifen, damit der durchschnittliche Gesundheits­wert des Volkes wieder gehoben wird und dadurch die Krankenhäuser und ähnliche Anstalten wieder entlastet werden.

Die vier Wochenstunden find das allermindeste, was jetzt in Hessen erreicht werden muß. fein Wenn und Aber darf es da geben. In Preußen hat man einer Anzahl größerer Schulkörper einer Volks­schule in Halle und einigen Schulen in Berlin die Gelegenheit gegeben, die tägliche Turnstunde zur Probe einzuführen. Der Reichstag hat in der dritten Beratung des Etats für 1925 u. a. folgende Ent­schließung angenommen: Die Reichsregierung wolle

Bei einigermaßen gutem Willen lasten sich Mit- tcl und Wege finden, um wenn auch vorerst bc- belfsrnäßig Räumlichkeiten für die vermehrten Stunden zu erhalten. Durch Verhandlungen mit den Leibesübungen treibenden Vereinen können deren Räume auch den Schulen überlasten werden, wie seither schon viele Vereine Gäste dec Schulen waren. Gerade in Garnisonsstädten, wie z. B. Darmstadt eine war, sind freie Plätze genug, die den Schulen zur Verfügung gestellt werden können. Darmstadt mit seinem Exerzierplatz und seinem neuen Flugplatz, der doch sicher zu gewissen Zeiten teilweise für die Schulen Verwendung finden kann, bietet doch keine allzu große Schwierigkeit, man muß nur wollen. Die Beschaffung des Sportplatzes und der Turnhalle der Technischen Hochschule geben einen Wegweiser zur Behebung der Schwierigkeiten in der Platzfrage und ein erhebendes Beispiel eines ernstlichen Wollens.

Eine weitere Schwierigkeit bildet die Frage der Lehrkräfte, die die vermehrten Stunden erteilen sollen. Ein bekannter Schulmann bestätigt diese Schwierigkeit, indem er betont, daß die sachlich aus- gebildeten Lehrer fehlen. Er sagt weiter, daß seither

Bas Heimatblatt

Gießener Anzeiger

Oas große ^nzeige^biatt

mit den Ländern in Fühlung treten, um zu erreichen, daß in allen Ländern sechs Wochenstunden für Lei­besübungen eingeführt werden." Was hier erstrebt wird, ist bei den in Waffen starrenden Nachbarn ringsum, auch in Ungarn, schon gesetzlich feftgclegt.

Daß der Reichstag die Frage der körperlichen Erziehung der Jugend ernst nimmt, beweist die von ihm am 17. v. M. erfolgte Gründung einesInter­fraktionellen Ausschusses für körperliche Erziehung", der sich durch nichtparlamentarische Sachverständige beraten läßt. Wenn auch den Einzelländern im all­gemeinen die Erziehungsaufgaben zukommen, so wird doch durch diese Gründung betont, daß auch das Reich vor wichtigen Pflichten in dieser Hinsicht steht.

Auch der Preußische Landtag hat in allerjüng- fter Zeit einen interfraktionellen Ausschuß für Lei- besübungen gebildet.

DerArbeitgeber", eine Zeitschrift der Industrie, befürwortet die Eingabe des Reichsausschusses an Reichstag und Preußischen Landtag, die dort vorge­sehenen Mittel für Leibesübungen um ein Bedeuten­des zu erhöhen, damit von Reich und Ländern den Fragen der sportlichen Ertüchtigung des Volkes vollste Beachtuna geschenkt und zum Ausdruck ge­bracht wird. Diese Zeitschrift weist einerseits auf die ungeheure Belastung durch soziale Aufwendungen hin, andererseits auch auf die vorbeugenden Maß­nahmen zur Erhaltung der Volksgesundheit, zu der in erster Linie Turnen, Sport, Spiel und Wandern gehören.

Ueber die Schwierigkeiten einer plötzlichen un­vorbereiteten Einführung der verdoppelten Stun­den der Leibesübungen ift man sich in Fachkreisen klar. Die Fragen, die eine Vermehrung mit sich bringen, hätten aber auch schon vorher geklärt sein müssen.

Wie lange schon wurde die Frage der Räumlich­keiten Spielplätze und Turnhallen erörtert. Das Spielplatzgesetz schwebt schon viele Jahre in der Luft und ist den Stadtverwaltungen schon so oft ans Herz gelegt worden. Viele Städte haben in vor- bildlicher Weise den Notwendigkeiten der Zeit Rech­nung getragen. Freilich, wo man dies versäumte, glaubt man bie Sache einfach abtun zu können, in­dem man sie von der Tagesordnung absetzt und sich hinter die finanziellen, wirtschaftlichen und sonstigen Schwierigkeiten verschanzt oder behauptet, daß keine neuen Ausgaben den Gemeinden jetzt und für die Zukunft zugemutet werden dürfen.

von der Frische und Unmittelbarkeit der Wirkung eingebüßt hat, mit der es vor langen Jahren die Zeitgenossen entzückte. Immerhin wird auch in der neuen Form des Stückes deutlich, daß die innere Elastizität und überdauernde Unverwüstlichkeit mehr im Musikalischen als im Dramatisch-Textlichen sich begründet.

Avas in den drei Akten sich begibt, ist eine an Boccaccio erinnernde, den Formen der italie­nischen commcdia dellarte angenäherte Liebes­und Jntrigengescknchte alten Stils und bewährter Schablone. Don Pasquale oder: der vom Ehe­stand gründlich geheilte, alte Hagestolz. Es ist nicht gut. (so lautet ungefähr die erbauliche Moral und schone Auhanwendung, mit der der ausklingende dritte Akt das Ganze beschließt) wenn em alter Mann ein junges Weib nimmt. Dottore Malatesta verspricht dem vom Johannis­feuer ergriffenen, befreundeten Pasquale ein schön, jung Eheweib: Malaiestas leibliche Schwe­ster soll er heimführen. Lind bann wird der Alte seinen halsstarrigen und bockbeinigen Aeffen Ernesto aus dem Haute werfen, weil der die reiche Partie, die ihm fein Onkel zugedacht hat, nicht mag und feiner Aorina (einer jungen Witwe) treu bleiben will. Die Pointe liegt hanö- lungsmäßig und theatralisch darin, daß Aorina, ins Komplott gezogen, die AoUe dec (unsicht­baren- Schwester des Doktors zu spielen hat, und daß die im Mittelakt mit Avplomb voll­zogene Trauung des ungleichen Paares eine gröbliche Täuschung ist. Die Bekehrung Pas­quales. der sich unvermutet in die Aefseln gesetzt hat, ist hart und gründlich; er hat sich mit feiner jungen Frau ein übles Hauskreuz auf gepackt: Aorina, anfangs bescheiden, sanft und unschulds- voll, ein wahrer Ausbund aller weiblichen Tu­gend, wandelt sich alsbald zum Erstaunen, sie wird puhsüchtig, eitel, verschwenderisch und schwingt mit spitzer Rede und handgreiflichen Argumenten das Zepter ehelicher Tyrannei, daß

schon der Turnunterricht an den höheren Lehranstal­ten daran gelitten hat, daß es an den rechten Turn­lehrern fehlte. Er fragt dann, wo nun auf einmal für die doppelte Stundenzahl die Turnlehrer her- genommen werden sollen.

Hiermit wollte dieser Schulmann sicher nicht be­haupten, daß es seither in Hessen gar keine sachlich ausgebildeten Turnlehrer gegeben habe, obwohl man seine Darstellung so auf fünfen könnte. Wohl hat er aber gemeint, daß eine viel zu geringe Zahl von derartigen Kräften an den hessischen höheren Schu­len vorhanden ist. Warum auch angesichts der Um­wälzung auf dem Gebiet der körperlichen Erziehung, besonders wegen deren höheren Bedeutung keine Fachlehrer weiter herangezogen wurden, ist eigent­lich nicht recht verständlich. Es wartet eine Reihe als Turnlehrer staatlich geprüfter seminaristisch gebilde­ter Lehrer auf Einberufung an höhere Lehranstalten. Don sämtlichen höheren Knabenschulen Hessens find nur neun mit Fachturnlehrern versehen, in den wei­teren 20 Dollanstalten des Landes sowie an sämt­lichen Realschulen fehlen solche. An großen Volks» schulgruppen und an den Fortbildungsschulen fehlen sie ebenfalls. Daß die seitherigen Fachturnlehrer, die sich durch ihre oft aufopfernde Tätigkeit in Verein und Schule durch fleißiges Selbststudium geeignet machten zu einer erfolgreichen Tätigkeit auf dem Ge­biet der körperlichen Erziehung, ihre vom Staat ge­botene Ausbildung für völlig unzulänglich halten und daher eine den übrigen akademischen Lehrkräften gleichartige und gleichwertige Ausbildung gefordert haben, wurde durch dieHessennummer" der Blätter für körperliche Erziehung" weiten Kreisen zur Kenntnis gebracht.

Um nun die Einführung derBewegungsspiele" in den höheren Schulen Hessens schnellstens einzu- führen, wäre es ratsam, wenn den wenigen Fach­turnlehrern noch eine Anzahl hinzugefügt und die jüngeren wissenschaftlichen Lehrer, die den Leibes­übungen zugetan und freundlich gegenüberstehen, in kurzen Lehrgängen zu Spielleitern herangebildet würden. Ohne Kenntnis der wesentlichsten Spiele, besonders der großen Kampfspiele und die Art ihrer wirkungsvollen Einübung, wird der Erfolg sicher ausbleiben und die Ouelle von Aerger imb Verdruß bei Lehrern und Schülern bilden. Wie man in dem wissenschaftlichen Unterricht, im Zeichnen und in der Musik nur solche Lehrkräfte verwendet, die das be­treffende Fach beherrschen, ebenso sollte es auch un­bedingt bei der körperlichen Erziehung fein. Der Fachturnlehrer, der sick) den modernen Bestrebun-

dem bedauernswerten Pasquale die Augen über­gehen. Dies aber schlägt dem Faß den Boden aus: er findet einen Liebesbrief, ertappt die Gesponsin bei einem Rendezvous nächtlicherweile im Garten; fühlt sich darob im siebenten Himmel, einen Scheidungsgrund gefunden zu haben. Be­freit, bekehrt und heftig überrascht, entdeckt er endlich Aorinas Doppelspiel und muß auch noch dem (nunmehr passenden) Paare seinen onkel­haften Segen geben, dieweil aufs Stichwort der entflohene Liebhaber zurückkehrt, als welcher sich der widerspenstige Ernesto entpuppt. Aun ist es füglich an der Zeit, daß die Aorina den Beschluß macht mit den erwähnten, nützlichen Lehren für alte und junge Leute.

So (ungefähr) läuft die leichtgeschürzte Hand­lung, der die ebenso leichtflüssige Vertonung Donizettis (Puppentheatermusik" hat Schumann sie einmal genannt) die Begleitung und Ver­brämung gibt. Dies ist das hervorstechendste Merkmal der Partitur (und charakteristisa) wohl für alle Musik, die der Italiener schrieb): die ausgesprochene Heraushebung und Unter» streichung der Vokalpartien (gegen die das Or­chester als solches sekundär und eben üöectoiegenö begleitend wirkt); italienischer Opernstil alter Schule, mit einer markanten Alternation zwi­schen Parlando und Belcanto-Arie in vielen Wiederholungen. Alles ist. in dieser Musik, leichtflüssig, melodiös, sormalistisch sehr korrekt; ohne zwar in die Tiefe zu gehen, aber ein­schmeichelnd und gefällig. Besonders geglückter musikalischer Zierrat: das Quartett im Mittelakt und die Gartenserenade im letzten Aufzug.

Das Gastspiel des Hessischen LandeStheaters brachte eine liebenswürdige, abgerundete und eingespielte Aufführung unter der exakten Stab­führung von Berthold Sander, der feine Leute gut in der Hand hielt und aus der Partitur alles herausholte, was fie hergibt. Die Spiel­leitung (Charles Moor) hatte eine dankbare

Donnerstag, 15. April 1926

gen mit vollem Herzen gewidmet hat, ist der ge­gebene Führer.

Hessischer Philologentag in Gießen.

teilte Äunb'icbuttq qcqcn den 9lbbntt iill höheren Schulwesen.

Der Vor st and des Hessischen Philo- logen ocreins hat in feiner Sitzung am Vortag seiner Gießener Hauptversammlung beschlossen, dieser folgende Entschließung zur Annahme vor­zulegen:

Der Hessische Landtag hat in seiner letz­ten Sitzung vor den Osterferien zwei Beschlüsse ge­faßt, die das höhere Schulwesen Hessens schwer zu schädigen drohen. Durch den ersten Beschluß wird bestimmt, daß sofort 35 Studienassesso­ren st eilen freizu machen seien, und bis auf weiteres jede zweite frei wer­dende Stelle unbesetzt bleiben solle, durch den zweiten wird die Regierung ersucht, eine Verminderung der höheren Lehr- a n ft a l i e n in Hessen ins Auge zu fassen und eine Aenderung der Bestimmungen über die Beitrags- vflicht der Gemeinden zu den Kosten der höheren Schulen burd) die baldige Vor­lage eines neuen Gesetzes in die Wege zu teilen.

Der Hessische Philologenverein er­hebt zunächst entschiedenen Einspruch gegen dieArt und Weise, wie der er sie dieser beiden Beschlüsse zu ft an de gekommen ist. Er wurde im geheimen vorbereitet und völlig un­erwartet eingebracht und angenommen, ohne daß der Negierung und der betroffenen Deamtensd;ast Zeit blieb, sich zu äußern.

Jnhalllich bedeutet er eine Wiederholung der allgemein als verfehlt angesehenen A b b a u a r t vom Jahre 1923, Personalabbau vor Auf- gabenabbau, und zwar in verschlimmerter Form. Denn während damals sämlliche Beamtengruppen und die Beamten aller Dienstalter getroffen wurden, was eine weitgehende Rücksichtnahme bei besonders gelagerten Fällen ermöglichte, wird diesmal eine kleine Gruppe allein getroffen, und zwar eine solche, in der eine sonst nirgends bestehende, jedes erträgliche Matz weit überschreitende Ucberalterung besteht. Das ift eine Maßregel von uner­hörter, dem Zeitgeist, der sich gerne sozial nennt, hohnsprechender Schärfe und Rücksichtslosigkeit.

Dabei entbehrt diese Maßregel jeder sachlichen Begründung. Denn bei den höheren Schulen liegen die Verhältnisse doch nicht so wie bei den Volksschulen, wo man glaubte,der verminderten Schülerzahl durch eine entsprechende Einsparung von Lchrlraften Rechnung tragen" zu müssen, sondern hier hat die Schülerzahl beträchtlich zugenommen, der Umfang der Amtsarbeit ist also vergrößert.

Der Hessische Philologenverein fühlt sich ver­pflichtet, mit allem Ernst auf die schwere Verantwortung hinzuweifen, die mit einer solchen Maßregel verbunden ist. Die Ent­ziehung der notwendigen Lehr­kräfte wird auf Kosten der unter­richtlichen und erzieherischen Ar­beit an der Äugend und der Gesund­heit der überlasteten Lehrer erfol­gen. Bei überfüllten Klassen ist an eine wirk­lich ersprießliche Arbeit nicht zu denken. Wie sollte es z. D. möglich fein, in Unterklassen von über 40 Schülern im fremdsprachlichen Unter­richt die feste Grundlage zu legen, die für dqn ganoen weiteren Unterrichtsbetrieb unumgäng­lich notwendig ist? Hm) wo sollen die an sich schon überlasteten Lehrer Zeit und Kräfte her- nehmen, die vermehrte Arbeit zu leisten? Die Lehrer der höheren Lehranstalten in Deutschland hatten bisher schon eine höhere Pflicht stundenzahlals ihre Amtsgenossen in allen übrigen europäischen Ländern. Sie soll in Hessen nach dem neuerlichen Abbau noch vermehrt wer­den und einen Stand erlangen, wie er sich nir­gends sonst in den deutschen Ländern findet. Das bedeutet gleichzeitig eine entsprechende Ver­mehrung der Vorbereitung, der Korrekturen- last. Dazu bringt die für das kommende Schul­jahr angeordnete Einführung der neuen Lehrpläne eine Fülle von Mehrarbeit. Jeder einzelne Lehrer sieht sich in feinen Lehrfächern einer neuen Lage gegenüber. Der Wechsel des Lehrstoffes, des Lehrverfahrens, der Lehrbücher erfordert eine persönliche Umstellung urü) Aeu- einstellung. In zahlreichen Fachberatungen muß eine Verständigung über die einheitliche Durch­führung erzielt werden. Vergegenwärtigt man

Aufgabe darin gefunden, die italienifchen Eulen­spiegeleien auf der Bühne mit der immer be­grüßten und gern gesehenen, spielerischen Gra­zie und beweglichen Anmut des Rokokojahrhun­derts zu umkleiden. Die hübschen, stilgerechten Formen der leicht andeutenden Dekoratton (Büh­nenbilder: Löffler) würden bei größerer Spar­samkeit und Änheitlichkeit der Farben mehr gegeben haben.

Aus der Besetzung möchten wir Gertrud Cal kam an erster Stelle nennen; sie war die jugendliche Witwe Aorina, um die sich eigent­lich das Ganze mehr dreht, als um den recht passiv angelegten Pasquale. Ein schalkhaftes, scharmantes und amouröses Rokokofigürchen, schauspielerisch von erfrischendem Temperament und einer (gerade für diese Rolle unbedingt notwendigen» mimisch prägnanten, übergleitenden Wandlungsfähigkeit; ihr sympathischer .biegsamer und auch in sehr hohen Lagen reiner Sopran be­wältigte die nicht leichte, mit Koloraturen reich­geschmückte Gesangspartie tadellos. Heinrrch Kuhn machte aus seinem Pasquale die typische Possenfigur der italienischen Stegrcifcomödie. in der grotesken Gegensätzlichkeit des hochzeitlich auf- getaielten, grellgekleideten Alten, mit einem pro­funden Organ die komischen Pointen seiner Rolle auch rnusitalisch belebend. Leo Darczinski, der über einen geschmeidigen, weichen Bariton verfügt, gab den intrigierenden Dottore elegant, weltmärmifch und mit angenehmer Zurückhaltung. Ernesto, der im Irrgarten der Liebe herum- taumelnde, zuletzt glücklich errettete Kavalier, war Werner Schumacher, in guter Maske, stimm­lich frisch und gewandt, darstellerisch mit Ge­schmack und Politesse, wie eS einem jugend­lichen Galant aus guter Familie zukommt. Das Haus war recht gut beseht, unterhielt sich angeregt und dankte mit lebhaftem Beifall.

Dr. Th.