Einzelbild herunterladen

orbmmg abgeseht werden, da noch ein deutsch- nationaler Antrag eingegangen ist mit folgcnfrTm Wortlaut: Zur vvM^mmenen Beur­teilung deS Falles Gold st ein sind die Ur­teile, Gutachten. Eingaben usw. des Senates der Technischen Hochschule und der in beregter An- gelcgercheit gehörten wissenschaftlichen Autori­täten unbedingt notwendig. Wir beantragen da­her, der Landtag wolle das Landesamt für das BiDungswcftm ersuchen, die angegebenen Schrift­stücke unverzüglich dem Landtag zur Ginsicht vor­zulegen.

Staatspräsident Ulrich und Abg. Kaul (Soz.) sind für die sofortige Beratung. Abg. Dingeldey (03.D.P.) vertritt den Wunsch nach Vertagung, d?mit die Regierung sich mit dem Senat der Hochschule ins Einvernehmen setzen könne, um die Akten zu erhalten. Abg. Dr. Werner (Dntl.) wünscht gleichfalls eine spätere 'Beratung. Präsident Dr. von H e l - molt weist auf die vorgeschrittene Zeit hin, die Angelegenheit forme heute doch nicht erledigt werden. Aach weiterer Geschäftsordnungsdebatte werden die Anträge von der heutigen Tages­ordnung a b g e s e h t.

Es findet schließlich noch eine Aussprache über einen Antrag der Abgeordneten H e i n - st a d t und '©edler betr. die staatliche Schreinerwerk statte in Bad Aau- h e i m statt. Die Abstimmung erfolgt in der morgen um 9 Uhr beginnenden Sitzung.

Die Zanuarmiete in Hessen.

Anfrage des volksparteilichen Abg. Hanry.

Durch Bekanntmachung des Gesamtministe­riums vom 11. Janaur 1926 ist die unterm 23. De­zember 1925 ebenfalls vom Gesamtministerium auf 93 Prozent festgesetzte Miete unter 'Berufung auf einen von einer politischen Parte» im Reichstag gestellten Antrag auf 88 Prozent herab­gesetzt worden.

Ich frage hiermit an: Ist der Hess. Regierung bekannt, daß

1. nach Paragraph 11 des Reichsmietengesetzes eine Aenderung der Hundertsätze erst mit dem auf die Bekanntgabe folgenden nächsten Monatsersten wirksam wird, daß infolgedessen die nachträgliche Aenderung der Januarmiete gesetzlich u n z u - lässig und deshalb unwirksam ist?

2. nach Paragraph 11, Absatz 3 über den Fi­nanzausgleich vorn 10. 8. 25 dem Eigentümer die zur Verzinsung des fremden und eigenen Kapitals in Gemäßheit des Aufwertungsgesetzes erforder­lichen Betrage in der M'iete berücksichtigt werden müssen?

3. die Verzinsung des eigenen und fremden Kapitals ab 1. Januar 1926 15 Proz. der Frie­densmiete beansprucht, in der seitherigen Miete und auch infolge der Herabsetzung in der Ianuar- miete nur 10 Proz. für die Verzinsung enthalten find? Ist die Regierung bereit, den reichsgesetz- lichen Bestimmungen Geltung zu verschaffen und evtl, den Zins en ausfall in der Mete durch ent­sprechende Herabsetzung der Sonder­st euer für den Monat Januar 1926 auSzu- gl eichen?

4. infolge der Rechtsunwirksamkeit der er« erfolgten Mietherabsetzung die Eigentümer einen klagbaren Anspruch auf Zahlung der für Januar rechtgültig festgesetzten Miete von93 Proz. haben und daß durch die Maßnahme der Reg'erung eine Unmenge von Prozessen und Streitig?eiten entstehen, die nur dazu geeignet sind, Gegensätze in der Bevblke- *tung hervorzurufen und zu vertiefen, - 5. die Mieterhöhung von 5 Proz. bei einer

'Durchschnittsarbeiterwohnung in der Stadt mit ,360 Mark Friedmsrniete täglich 3 Pfg. ausmacht und daß nicht die Miete, fondern die enorme Steuerbelast un g als ungerecht und drük- kend von der Bevölkerung empfunden wird?

6. Ist es wahr, daß die Herabsetzung der Miete auf Antrag der sozialdemokra­tischen Fraktion erfolgt ist?

7. Beabsichtigt die Regierung ihre gesetz­geberischen Maßnahmen künftig von in ande­ren Parlamenten eingebrachten Einträgen maßgeblich beeinflussen zu lassen? Wenn ia, trifft d^s für Anträge aller Parteien zu?

8. Ist die Regierung bereit, durch Zurück­nahme ihrer Bekanntmachung vom 11. Januar 1926 den Rechtzustand wieder herzustel­len, evtl, ist sie bereit, ein Gutachten über die Rechtslage einzuholen?

Der hessische Staatsvoranschlag 1926.

G Der Voranschlagsentwurf für 1926 ist dem Landtage zugegangen. Die Abschlußziffern stellen sich im Verwaltungsteile im Vergleich mit dem Vorjahre wie folgt:

1926 1925 mehr

Mark Mark Mark Gesamtausgaben 128610367 112149439 16460928 Lfd. Einnahmen 119 462 465 103 631349 15831116 Fehlbetrag 9147902 8518090 629812

Zum formellen Ausgleich des Voranschlags ist der Fehlbetrag, wie im Vorjahre unter Kapitel 8 (Reste ufro.) in Einnahme gestellt.

Bon der gesamten ziffernmäßigen Ausgabe- erhok;ung (16,4 Millionen Mark) entfallen 13,4 Millionen Mark auf neue oder erhöhte durch­laufende Verrechnung von Einnahme und Ausgabe (stellen demnach keine Erhöhung des eigentlichen Bedarfs dar). Als wirkliche Steigerung des Staatsbedarfs gegenüber dem Vorjahre kom­men lediglich 3 Millionen Mark (Mehrcinstellung für Pensionen ufro. in Betracht. Der gesamte Per­sonalaufwand stellt sich auf 78,1 Millionen Mark (60,8 Prozent), die Ziffer für die sachlichen Aus­gaben auf 50,5 Millionen Mark (39,2 Prozent). Die Vergleichziffern von 1925 betragen 73 Millionen Mark (65,2 Prozent) und 39,1 Millionen Mark (34h Prozent).

Zur Deckung des Staatsbedarfs stehen folgende Quellen und Einnahmen zur Verfügung.

Millionen Gesamt-

Mark bedarf

Staatsgüter und Betriebe 17,4 13,5°/o

Reichssteueranteile 28,0 21,8°/o

Landessteuern 51,0 39,7°/0

Staatseinnahmen u. Anstalten 11,1 8,6"

Sonstige Verwaltungseinnahmen 8,1 6,3%

Ersatz des Reiches für Schupo 3,9 3,0°/n

zusammen 119,5 92,9"'»

Ülusgleichsposten als Deckung für

die Mehrausgaben 9,1 7,1°/«

128,6 100°/«

Den stärksten Anteil an der Deckung des Staats­bedarfs haben die Steuererträgnisse (Pos. 2 und 3) mit rund 79 Mill. Mk. (61,5 Proz.) des Gesamt- bcdarfs von 128,6 Mill. Mk.

Zur Deckung des Fehlbetrags von 9,1 Mill. Mk. (0,6 Mill. Mk. mehr als in 1925) sollen zunächst die Ueberschüsse der Jahre 1923 und 1924 herange­zogen werden. Verfügbar an solchen Ueberschüssen sind:

aus dem Rechnungsjahre 1923 3,7 Mill. Mk.

aus dem Rechnungsjahr 1924 6,8 Mill. Mk. zusammen 10,5 Mill. Mk. Wie sich das Rechnungsergebnis 1925 gestalten wird, läßt sich z. Z. noch nicht überblicken. Allem Anscheine noch wird der vorgesehene Fehlbetrag von 8,5 Mill. Mk. nicht voll erreicht werden: man wird, wie die Denkschrift besagt, wohl mit 7,5 Mill. Mark rechnen können, zu deren Deckung die vorge­nannten Restbestände dienen. Der alsdann noch verfübar bleibende Betrag von rund 3 Mill. Mk. soll zum teilweisen Ausgleich des Fehlbetrages 1926 (9,1 Mill. Mk.) Verwendung finden. Es verblei­ben dann immer noch 6,1 Mill. M k., für die zunächst Deckungsmittel nicht vor­handen sind.

Im V e r m ö g e n s t e i l, der zum ersten Male wieder im Staatsvoranschlage 1925 erschienen ist, sind im ganzen nur 1,7 Mill. Mk. (Deckung aus Anleihemitteln vorgesehen. Abgesehen von einigen kleineren Aufwendungen handelt es sich im wesent­lichen um Bauzwecke größeren Umfangs. In bezug auf Reu- und Erweiterungsbauten hat man sich größte Beschränkung auferlegt und nur einige dringlichste Fälle vorgesehen, wie z. B. Erweite­rungsbauten am Gerichtsgefängnis in Offenbach und in der Heil- und Pflegeanstalt Philippehospi­tal. Neubauten für Dienst- und Wohngebäude sind nur vorgesehen für das Kreisamt Alzey, Vermes- sungsamt Fürth, Polizeiamt Lampertheim.

Für Beschaffung von Beamtenmietwohnungen ist mit Rücksicht auf die gesamte finanzielle Lage des Staates eine Vorsehung hierfür unterblieben.

Die finanzielle Lage der Deutschen Reichsbahn.

Berlin, 14. Jan. (WTB.) Das Geschäftsjahr der Reichsbahngesellschaft und das Reparationsjahr, das am 31. August d. I. abgelaufen ist, überschnei­den sich. Infolgedessen fallen auf das erste Ge­schäftsjahr der Reichsbahngescllschaft, das am 31. Dezember 1925 obgelaufen ist, noch die Lasten der ersten vier Monate des zweiten Reparations­jahres. Demnach hatte die Reichsbahn an Lasten aus Reparationen nmd 512 Millionen Reichsmark im Geschäftsjahr 1925 zu tragen. Die gesamte R e - parattonsbelastung für 1926 beträgt rund 690 Millionen Reichsmark. Auf Grund der Steige­rung der persönlichen Auslagen sowie der Gehalts- erhöhungen, Sozialzuschlaae und Lohnaufbesserun­gen und auf Grund von Aenderungen der sozialen Gesetzgebung ergibt sich für dieses Konto eine Jahres mehrvela st ung von insgesamt rund 280 Millionen Reich smart. Die Steigerung der P e v s i o n s l a ft der Reichsbahn ergibt sich aus folgender Gegenüberstellung: Im Jahre 1913 betrug sie 114 Millionen Reichsmark und im Kalenderjahr 1925 398 Millionen Reichs­mark. Auch auf dem Gebiete der Bauten und Beschaffungen ist eine große Reihe von Kostensteigerungen im Laufe des Geschäftsjahres 1925 eingetreten, die gleichfalls für die Wirtschaft der Reichsbahn eine dauernde Verteuerung mit sich bringen.

Zu den Forderungen, die eine Verminderung der bisherigen bevorzugten Stellung der Reichs­bahngesellschaft in der Entrichtung von Steuern, Stempelgebühren ufro. herbeiführen sollen, bemerkt die Gesellschaft, daß hierdurch eine steigende Belastung von vielen Millionen sich er­geben würde. Die Mehrbelastung konnte im Ge­schäftsjahr 1925 dadurch abgedeckt werden, daß die Gesellschaft, wie sie ausführt, auf ihrer Ausgaben­seite eine sehr vorsichtige Wirtschaft führte. An Unterhaltungs- und Erneuerungsarbeiten wurde nur das Notwendigste ausgeführt. Die Erneue­rung des Oberbaues betrug z. B. im Frieden 5 Prozent, jetzt 3,5 Prozent. Nach Aufzählung der Maßnahmen, die eine Verbesserung der Wirtschaft des Unternehmens bedeuten, wird auf die allge­meine günstige Entwicklung des Verkehrs im letz­ten Jahre hingewiesen. £>eit Anfang November aber spüre die Reichsbahn in steigendem Maße ein Nachlassen der Beanspruchung im Per­sonen- und Güterverkehr. Im Novem­ber und Dezember fehlte gegenüber den erwarteten Bruttoeinnahmen täglich ungefähr eine Million Reichsmark. Die Hoffnungen für eine weitere gün­stige Entwicklung sind gering. Es wird also die Frage der Deckung für alle Lasten, die die Wirt­schaft der Reichsbahn schon jetzt erschweren, nicht unerhebliche Schwierigkeiten machen.

Flucht Ho z nanns.

D r e s b e n , 14. Jan. (Wolfs.) Der im Barmat- Kutisker-Skandal schwer belastete russische Kauf­mann Michael Holz mann ist aus dem Sana­torium^ Löschwitz, das er zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit vor mehreren Monaten ausgesucht hat, spurlos verschwunden. Es besteht kaum ein Zweifel, daß Holzmann die Flucht ergriffen hat, um sich dem Prozeß, der jetzt stattfinden sollte, zu entziehen. Man rechnet damit, daß er bereits im Auslande ist. Holzmann hinterläßt durch seine Flucht eine große Anzahl Leidtragender, darunter auch die Gerichts- kasse. Als er seinerzeit auf freien Fuß gesetzt wurde, mußte er 15 000 Mark Kaution hinter­legen, die er auch ausdrachte und einzahlte. Als er dann zur Besserung seiner angegriffenen Gesund- hett in das Sanatorium Löschwitz ging, teilte er m verschiedenen Briefen dem Gericht mit, daß er v ö l l ig mittellos sei und für Wiederherstel­lung seiner Gesundheit dringend Geld brauche. Das Gericht bezahlte darauf auch aus dem hinter­legten Betrag die Aufenthaltskosten in Höhe von mehreren tausend Mark. Es ist immerhin eigen­artig, daß die Polizei und die Gerichtsbehörden einen so schwer belasteten Mann nicht genügend beobachtet haben, um eine Flucht zu verhindern. Holzmann selbst hat seinen Anwälten und auch anderen Personen erzählt, daß gewissen Per- sönlichkeiten daran liege, das; er selbst aus Deutschland verschwinde und in diesem Zusammenhang soll er auch seinem Anwalt mitgeteilt haben, daß gleich nach seiner Verhaftung vor nunmehr fünf Diertcftahren eine gewisse Per­sönlichkeit in das Gefängnis gekommen sei und ihm dort vorgeschlagen habe, er solle schleu­nigst Deutschland verlassen. Von der Kutisker- Gruppe werde ihm ein Betrag von einer halben

Million Reichsmark zur Verfügung gestellt, wenn er Deutschland sofort den Rücken kehre.

Die Fincmzkrifis in Frankreich.

Zuspitzung der parlamentarischen Lage.

Täl. Paris, 14. 3an. Die Finanzkommis- fion der Kammer hat heute nachmittag mit 21 gegen 5 Stimmen bei 13 Stimmenthaltungen die Regierungsvorlage über die Verkaufssteuer ver­worfen. D.'.s Finanzprogramm der Regierung, das auf dieser Steuer aufgebaut war, bricht damit völlig zusammen. Die Kommission hat ferner einstimmig einen Antrag Leon Blums angenommen, worin die Regierung aufgefordert wird, eine neue Vorlage über die bi retten Steuern auszuarbeiten. Ein weiterer Vorschlag Leon Blums, der sämtliche indirekten Steuern ablehnte, gelangt mit 18 gegen 12 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen zur Annahme. Doumer ersuchte darum von der Kommission sofort ge­hört zu werden und wird im Laufe des heutigen Abends vor ihr erscheinen. Es verlautet er­neut, daß die Regierung entschloßen sei, sich über die Beschlüsse der Finanzkomn.ission hinweg, direkt an die Kammer zu wenden und ihr Verbleiben im Amte von der Entscheidung des Parlomentes abhängig zu machen. Die Kom­mission wird wahrscheinlich der Kammer nach Ablehnung der Regierungsvorlage die Finanz­entwürfe der Kartellparteien unterbreitm. In diesem Falle wird Driand die Regierungsvorlage in Form eines Gegenentwurfes durch ein Mit­glied der Linksradikalen einbringen und gleich­zeitig die Vertrauensfrage stellen. Wird der Entwurf der Finanzkommission abgelehnt und der der Regierung angenommen, so tritt die gesamte Finanzkommission zurück.

Moralische Abrüstung".

Paris, 14. Jan. (WTB.) Heute nachmittag hielt die Leiterin der deutschen ZeitschriftFür neue Erziehung", Frau Elisabeth Rotter, unter den A'^spiz.en der pädagogischen Abtei­lung der französischen Gesellschaft für wissenschaftlichen Fortschritt und der nationalen Gewerks chaft fran­zösischer Lehrer und Lehrerinnen einen Vortrag über das ThemaFür die mo­ralische Abrüstung! Für die Annäherung der französischen und deutschen Lehrer!" Professor Langevin f chrte die Rednerin ein und wandte sich in seiner Ansprache gegen den militaristischen Geist der Vorkriegszeit, der mehrere Genera­tionen vergiftet habe.

Die deutsche Rednerin zeigte in großen Linien, welche großen Anstrengungen Deutsch­land unternommen habe, um den Friedensgeist zu erlangen. Dies sei vor allem die Aufgabe der Lehrer.

Gleich zu Anfang der Sitzung protestierten mehrere Delegierte der französischen pädagogi­schen Gesellschaft gegen die Benutzung des Romens der Gesellschaft in der An­kündigung dieser Konferenz Mehrere Personen muhten aus dem Saal verwiesen werden. Wah­rend der ganzen Sitzung kam es zu zahlreichen Unterbrechungen. Verschiedene Teilnehmer warfen in öen Sitzungssaal Tränen und Äebelkeit er­regende Geschosse. Der RufBoches heraus!" und ähnliche Schimpfworte ertönten. Der Tumult dauerte eine halbe Stunde. Die Polizei konnte erst nach langen Bemühungen die Ruhe wieder­herstellen.

Großbritannien und Amerika auf der Abrüstungskonferenz.

London, 15. Jan. (WTD.-Funkspruch.) Der Daily Telegraph" schreibt, Großbritannien würde auf der bevorstehenden Sitzung der vorbereitenden Kommission für eine Abrüstungskonferenz in Gens durch Lord Cecil vertreten werden, dem Sach­verständige des Foreign Office und der drei Waf­fengattungen zur Seite stehen würden. Diese ge­ringe Stärke der Delegation weise auf den rein vorbereitenden und beratenden Charakter der Konferenz hin. Washington vertrete die­selbe Auffassung wie London über den Charakter dieser Besprechungen. Es werde daher nicht er­wartet, daß irgend ein amerikanisches Kabinetts­mitglied persönlich kommen werde. Vermutlich werde der amerikanische Gesandte in Bern mit den ameri­kanischen Militär-, Marine- und Luft-Fahrt- Attachös die Vereinigten Staaten vertreten.

Kunst und Wisienschaff.

vom Schuhkartell deutscher Gristesarbetter.

Die imSchutzkartell deutscher Geistesarbeiter" zusammengeschlossenen großen Verbände traten zu einer Vertreteroersammlung zusammen. Der Präsi­dent des Schutzkartells, D. Dr. Otto Everling, gab einen Ueberblick insbesondere über die Frage der Aufwertung, Stellenvermittlung und Alters­und Hinterbliebenenversorgung für Geistesarbeiter. Sodann wurden die Referentenentwürfe zu einem Gesetzentwurf über den Reichswirtschafts- r a t behandelt. Das Schutzkartell, das in den vor« liegenden Referentenentwürfen keine ange­messene Vertretung der geistig schaffenden Berufsstande sehen kann, fetzte einen Ausschuß für die Ausarbeitung einer Eingabe an das Reichs- wirtschaftsmimsterium und einer begründeten Kundgebung für die Öffentlichkeit ein.

Erzbischof Eoederblom.

Dem Erzbischsf der schwedisch-lutherischen Kirche, D. Dr. Soederblom, her durch seine hohen Verdienste um das Liebeswerk Schwedens zugunsten Deutschlands während und nach der Kriegszeit bekannt wurde und bei der Organisation und bei den Beratungen der Stockholmer Weltkirchenkonferenz im vergangenen August eine hervorragende Rolle spielte, hat der Präsident des deutschen evangelischen Kirchenausschusses, Dr. Kapler, namens der deutschen evangelischen Landes­kirchen die herzlichsten Wünsche zum 60. Geburts­tag übermittelt. tWir werden demnächst eine eingehende Würdigung des schwedischen Kirchen­fürsten aus berufener Feder bringen. D. Red.)

Eino Leino f.

Der finnische Dichter E'no Leino ist nach kurzer Krankheit im Alter von 49 Jahren ge­storben. Er hat zahlreiche Romane geschrieben und viele Werke der ausländischen Literatur in das Finnische übersetzt. Der Dichter wirb auf Staatskosten beigeseyt.

Die Robelpress-Struer.

Die schwedische Regierung w ll die Steuer auf den Nobelpreis von 4 auf 3 Prozent herab­

setzen, wodurch ein Betrag von 275000 Kronen freigemacht wird.

Professor Hagemann f.

Der Rektor der Landwirtschaftlichen Hoch­schule in Bonn-Poppelsdorf, Geheimra-t Prof. Hagemann ist unerwartet an einem Herzschlag gestorben.

Der Grillparzerprels für Werfel.

Das Preisgericht hat den Grillparzer-Preis für das relativ beste deutsche dramatische Werk, das im Laufe des letzten Trienniums auf nam­haften deutschen Bühnen zur Aufführung gelangt ist, dem DramaZuarozundMaxim ilian von Franz Werfel einstimmig zuerkamtt.

Aus aller Wett.

Schnee im Schwa zwald.

Freiburg i. Br., 15. Jan. (WTB. Funkspr.) Der strenge Frost der letzten Tage hat seit gestern abend etwas nachgelassen. Heute nad)Lfeßte leichter Schneefall ein, der ganze Schwarzwald" und die Rheinebene haben eine Schneedecke, die auf den Hohen über 1000 Meter durchschnittlich 75 Zenti­meter beträgt, unter 1000 Meter bis in die Ebene hinein etwa 10 Zentimeter. Heute vormittag schneit es weiter. In Norditalien dauern Kälte und Schneefälle an. Aus Genua werden 13, aus Mailand 10 Grad unter Null gemeldet. In Flo­renz soll der Schnee gestern abend 35 Zentimeter hoch gelegen haben. In Rom fällt warmer Regen. Im Gebiet von Wilna hat unter dem Ein­fluß des starken Frostes eine wahre Wolfs­plage eingesetzt. Fast täglich laufen Nachrichten von Ueberfäüen von Wolfsrudeln auf menschliche Siedlungen ein. In den Vororten von Wilna selbst sind schon Wölfe gesichtet worden.

Aus dem holländischen hochwassergebiet.

A m st e r d a m , 15. Jan. (TU.) Der scharfe F r o st bedeutet einen schweren Schlag für die von der Ueberschwemmung heimgesuchten Ge­biete. Das Gebiet zwischen Maas und Waal ist eine unübersehbare Eisfläche, die noch nicht stark genug ist, um einen Verkehr zu gestatten. Die Zu­fuhr von Lebensmitteln durch Boote nach den überschwemmten Gebieten ist aber unmög- l i ch geworden. Die Bewohner, die ihre Häuser nicht verlassen können, leben auf ungeheiz­ten Dachböden und leiden sehr unter der Kälte. Jetzt droht auch noch Lebensmittel- mangel. Aus Nord-Holland wird ft a r k e s E i s t r e i b e n gemeldet, das die Brücken bedroht. Pioniertruppen haben die ganze Nacht bei größ­ter Kälte gearbeitet, um das unter den Brücken an- gestaute Eis zu sprengen. Gestern sind neue Trup­pen eingetroffen, die das Eis sprengen wollen. > Zwei Millionen Kilogramm Tabak verbrannt.

Eine Feuersbrunst zerstörte in Po la (Istrien) große Tabakniederlagen. Zwei Millionen Kilo­gramm Tabak im Werte von 25 Millionen Lire verbrannten.

Die Lage der eingefrorenen Schiffe.

Reval, 14. 3an. (TU.) Die Lage der im Finnischen Meerbusen eingeschlossenen Schiffe wird immer hoffnungsloser. Der Geleitzug kommt täglich nur etwa drei Seemeilen vorwärts. Die Dampfer leiden unter großem Kohlen­mangel. Infolgedessen geht heute der dritte große russische Eisbrecher auf Veranlassung des deutschen Konsulates in Leningrad zur Hilfe­leistung ab. Rach einer Woffmeldung soll es den russischen Eisbrechern am Mittwoch gelungen sein, von zwanzig eingeschlossenen Schiffen 15 ab­zuschleppen. Die übrigen fünf sind im Eise fest­gefroren und mußten zurückbleiben. Die abge- schleppten Schiffe befanden sich heute mit den Eisbrechern westlich von Hogland.

Aus der Provinzialhauptstadt.

G i e ß e n, den 15. Zanuar 1926.

Der Werkunterricht

der nach der neuen Reichsverfassung Unterrichts­gegenstand in allen Volks- und höheren Schulen unseres Vaterlandes wurde, stößt hier und da be­sonders auf dem Lande auf ziemlich großen Wider­stand. Viele Leute finden es unbegreiflich, daß die Schüler zuweilen mit Laubsäge, Hammer, Schere, Holz und Pappe u. dgl. zur Schule kommen. Be­sonders sind es die älteren Leute, Schüler der frühe­ren Lernschule, die die Leistungsfähigkeit der Schule und des Lehrers nach der Zahl der auswendig ge­lernten Bibelsprüche, Liederoerse, Katechismusstücke und Realienbuchabschnitte beurteilen, können sich mit dem heutigen Schulwesen, besonders aber mit dem Werkunterricht durchaus nicht befreunden. Deshalb fei hier ein kurzes Wort über diesen neuen Unterrichtsgegenstand gesagt. Die Bedingungen für ein günstiges Fortkommen im Leben sind heute ganz anders als wie vor 100 Jahren. Die Maschine greift umgestaltend in das Leben ein. Die körper­liche Arbeit wird vielfach ausgeschaltet. An ihre Stelle trit vielfach die Kontrolle der Maschine durch Auge und Hand. Diese Entwicklung hat der Volks- schule z. T. ganz neue Pflichten auferlegt. An Stelle des Wortwissens muß die Selbständigkeit durch Selbsttätigkeit treten, durch eigenes Beobachten, eigenes Denken. Der Betrieb in unserer Volksschule muß deshalb so vielgestaltig sein, daß jedem Schüler Gelegenheit geboten wird, die Fähigkeiten, die in ihm schlummern, voll und ganz zur Entfaltung zu bringen. Durch ß^geübungen mit Stäbchen und Knöpfen, durch Malen werden auf der Unterstufe die feinen Muskelpartien der Hand geübt, gleich­zeitig aber auch Kenntnisse und Fertigkeiten er­worben. Aus Holz und Pappe verfertigt sich der Schüler die wichtigsten Apparate und Modelle, und gewinnt so durch eigene Anschauung die Hauptlehr- sätze aus der Naturlehre und Geometrie. Das so Erarbeitete wird dauerndes Eigentum der Schüler bleiben, während das Wortwissen schnell wieder verloren geht. K.

v.; "avvVia'tic.

Halb bis ganz bedeckt, Winde aus nördlicher Richtung, mäßiger Frost, noch Schneefälle.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum mi­nus 3,8, Minimum minus 4,7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperaturs: Minus 3,4 Grad Celsius.

** Von der Anleihealtbe fitz st eile beim Finanzamt Gießen wird uns ge­schrieben: Die Anträge von Anleihegläubigern, die ihren Altbesitz an Markanleihen unmittelbar beim Reichskommissar zum Umtausch anmelden und Gewährung von Auslosungsrechten beantragen, werden immer zahlreicher. Es wird darauf hinge­wiesen, daß die Anleihegläubiger sich bei Geltend-