Schwäche. Aber Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. — Die „Germania" unterstreicht, Lab die von Frankreich gemachten Schwierigkeiten auf Erwägungen der französischen Innenpolitik zurückzufüpren sind. — Das ,B er - liner Tageblatt" zerzeichnet besonders den Fortfall der elements stables und stellt fest, dah in diesem Punkte dre Berechtigung der deutschen Weigerung anerkannt worben sei. — 3n der „Bossischen Zeitung" wird die Festsetzung eines bestimmten Termins für die Abberufung der interalliierten MUitärkontrollkommission und die Lösung in der Investigationsfrage als lOOpro» zentiger Erfolg Deutschlands bezeichnet. — Der „Berliner Börsenkurier" bezeichnet das in Dens Erreichte als Ausgleich zwischen den beiden Standpunkten. Das Endergebnis von Genf zeige, iah der Derständigungswille überall stärker sei als die hemmende Geste. — Die „Deutsche Zeitung" bezeichnet hingegen das Genfer Ergebnis als eine schwere Niederlage Deutschlands. — Der .Vorwärts" urteilt im groben und ganzen: Befriedigend für Deutschland i't die Umgestaltung der BölLerbundsaufsicht ausgefallen. Dafür sind die Verhandlungen über dir Beendigung der Militärkontrolle nicht ganz so erfreulich ausgegangen.
Entrüstung im Saargebiet.
Das Verbleiben der französischen Truppen.
Saarbrücken, 13. Dez. (TA.) Die erneute Verschiebung der Entscheidung deS Böllerbundsrates über die Zurück-, ehung der französischen Truppen aus dem Saargebiet löst hier überall starke Entrüstung aus. 3n einer Sitzung der hiesigen Zentrumspartei wurde eine Entschließung angenomm-m, die darauf hinwrist, dah nach dem Haren Wortlaut des Versailler Vertrages kein fremdes Militär tm Saargebiet kaserniert werden dürfe. Trotzdem ständen noch immer zwei Regimenter hier. Die Saarbevöllerung habe durch ihr besonnenes Verhalten gezeigt, dah zur Aufrechterhaltung der Ordnung die Anwesenheit fremden Militärs nicht erforderlich sei. Die Entschließung drückt zum Schluß derr dringenden Wunsch aus, dah das Saargebiet als rein deutsch-s Land dem Deutschem Reiche, von dem es gegen seinen Willen ab- getrennt wurde, bald wieder eing eg Hebe r t werde.
' Annahme des Arbeitsgerichtsgesetzes. Berlin, 13. Dez. Der Re'chstag setzt die zweite Beratung des Arbcttsgerichtsg.ffetzrnt- Wurfes fort
Abg. Lambach (Dn.) beantragt die W a h i der Beisitzer unter Bildung besonderer Äaufmannskammem. 3m Falle der Ablehnung dieses Antrages müsse mindestens von der Regierung mitgeteilt werden, unter welchen Dedrn- gungen O.grnisationen in die Vorschlagsliste aufgenommen werden.
Abg. G e r i g (Zentr.) erklärt, ein Teil feiner Freunde werde für die Zulassung von Rechtsanwälten in der ersten 3nstanz, aber nicht für den Anwaltszwang stimmen.
Abg. Dr. Pfeffer (D. Dp.) lehnt für die Mehrheit seiner Fraktion die von den Deutsch- nationalen beantragte Wahl der Beisitzer ab.
Ministerialdirektor Dr. Sihler erklärt die Einrichtung besonderer K auf m ai»n s käm ° mein für unzweckmäßig.
Rach weiterer Debatte wird der deutsch- nationale Antrag der Angliederung der Arbeitsgerichte an die ordentlichen Gerichte in namentlicher Abstimmung mit 227 gtg n 140 Stimmen bei zwei Enthaltungen ab gelehnt und § 1 wird gegen Deutschnationale, Wirtschaftliche Vereinigung, Kommunisten und einen Teil der Deutschen Dollspartei angenommen.
Als Arbeitnehmer werden auf Antrag der ; Regierungsparteien auch diejenigen Zwischrn-- " meister betrachtet, die einen überwiegenden Teil pihres Verdienstes aus ihrer eigenen Arbeit beziehen.
Der Antrag Dr. R aschig (Dem.), Dr. Pfeffer (D. Vp.) und Genossen, der auch in der ersten 3nstanz Rechtsanwälte bei Streitobjekten über 300 Mark zulassen will, wird im Hammelsprung mit 187 gegen 152 Stimmen abgelehnt.
Beim § 17, der die Bildung der Kammern re- gell, bleibt es bei dem Ausschußbeschluß, wonach die höheren Berwallungsbehörden im Einvernehmen mit dem Landgerichtspräsidenten die Beisitzer auf Grund von Vorschlagslisten der wirtschaftlichen Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.
Bei den Aussührungs- und llebergangsvor- schriften beantragt Abg. Riesenberg (Sn.) die Streichung der Bestimmungen, wonach auch die Gesetze oder Verordnungen aufgehoben werden, nach denen Innungsschiedsgerichte oder Innungen zur Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten zuständig sind. Sie Arbeitsgerichte könnten niemals die Schlichtungsarbeit leisten, die den besonderen Verhältnissen des Handwerks entspricht und die jetzt von den Innungen geübt wird.
Abg. Esser (Zentr.) begründet einen auch von der Deutschen Volkspartei, den Demokraten und der Bayerischen Volkspartei unterscbriebenen Antrag, wonach ein paritätisch aus Aroeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzter Ausschuß in den Innungen die Streitigkeiten zwischen M ei st er n und Lehrlingen entscheiden soll. Bei Nichtanerkennung der Ausschußentscheidung kann Klage beim zuständigen Arbeitsgericht erhoben werden.
Abg. Graß mann (Soz.) fordert, daß die in 3nnungsbetriebrn beschäftigten Arbeiter ebenso wie die übrigen die Vorzüge der Arbeitsgerichte genießen müßten.
Die innerpolitische Krisis.
Verschiebung bis nach Weihnachten?
Berlin, 13. Dez. (DDZ.) 3m Reichstag fanden heute nachmittag mehrere Stunden hindurch Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Jüfj- tern der Regierungsparteien über die augenblickliche politische Lage statt. An der Besprechung nahmen auch der Chef der Heeresleitung, General Heye und Admiral Zenker teil, denn es handelte sich im wesentlichen um eine Aussprache über die Reichswehrangelegenheiten. Sie gegenwärtige innenpolitische Situation wird gerade durch die (Erörterungen über die Reichswehr verschärft; aber es gingen heute im Reichstag Gerüchte um, daß nach der Möglichkeit gesucht werde, die bei der dritten Lesung des Rachtragsetats in Aussicht genommene große politische Aussprache über die 3nnen- und Außenpolitik zu v e r s ch i e - ben. Lin Moment dafür, es in diesen Tagen nicht zu einer Regierungskrise kommen zu lasten, liegt darin, daß der R e i ch sa u ß en m i n 1 st e r von Gens mit einem beachtenswerten Erfolg zurückkehrt. Es wird auf der anderen Seite lediglich als eine Kombination bezeichnet, dah man die politische Aussprache zu verschieben versucht. Die dritte Lesung des Rachtragsetats wird sicherlich vor der weih, nachtspause siattsinden müssen, und es läßt sich natürlich nicht verhindern, dah dabei die großen politischen Momente zur Aussprache gebracht werden. Aber es lugt doch nicht außer dem Bereich der Möglichkeit, daß man einer auf eine Regierungskrise zugespihten Aussprache noch entgehen wird. Es bliebe noch die Möglichkeit, zwar eine Aussprache zu führen, aber die Abstimmungen, die für den Bestand der Regierung entscheidend sein können, bis noch der Meihnachtspause zu vertagen, von den Sozialdemokraten ist indessen zu erwarten, dah sie nicht nur auf einer Aussprache, sondern auch auf einer Abstimmung über das Fortbestehen des jetzigen Reich7?abinetts, gegen das sie sich ja einen Miß- trauensamrag Vorbehalten haben, bestehen werden. 3n den Kreisen der sozialdemokratischen Fraktion meint man, dah die Feststellung des Rachtragsetats nicht verzögert werden dürfe. Unter Umständen würde a’krtings der Reichstag noch bis in die nächste Woche zusammenbehalten werden müssen, was natürlich in der Nähe des Meihnachtsfestes sehr schwer zu sein pflegt. Bis jetzt besteht noch der Beschluß des Aeltestenrats, die große politische Aus
sprache am Donnerstag und Freitag abzuhalten. Ueber eine Aenderung mühte der Aelleslenrat erst zu einer neuen Beratung zusammen treten.
Zentrum und 8inan;ou§gleich.
Berlin. 13. Dez. (TU.) Am 11. und 12. Dezember 1926 fand in Berlin eine eingehende Aussvrache zwischen Vertretern der Landtagsfraktionen der Zentrumspartei und dem Vorstand der Reichstagsfraktion im Verein mit dem Reichsparteivorstand statt. Gegenstand der Beratungen waren die mit dem Finanzausgleich zusammenhängenden Frazen. Es herrschte lieber- einstimmung darüber, daß die Zentrumspartei bemüht fein muh, den Ländern und Gemeinden die finanziellen Garantien zur Erfüllung ihrer verfassungsmäßigen eigenstaatlichen Aufgaben zu schaffen. 3n einem regen Meinungsaustausch sind auch die Grundlagen eintzs endgültigen Finanzausgleiches besprochen worden. Gesondere Betonung fand dabei die Rotwendigkeit, durch Vermeidung unnötiger Ausgaben sowie durch Vereinfachung der Verwaltung Im Reich, in den Ländern und Gern rinden den gewaltigen Steuerdruck herabzumindern. Eine planvolle Derwaltungsreform erlebten der Konferenz dringlich. Kompliziertheiten des 3nstanzenzuges müs en beseitigt werden. Eie haben erfahrungsgemäß zur Folge, daß die wirtschaftlich schwächeren Schichten der Bevölkerung immer schwerer zur Berücksichtigung ihrer besonderen Rotlage und Wünsche gelangen fönnen.
Die neuen Steuer* und gollvorlagen.
Berlin, 13. Dez. (WB.) Die beiden Gesetzes« Vorlagen der Reichsregierung über die Aenderung der Zuckersteuer und die Erhöhung der Branntwein- bektolitereinnahme einerseits sowie über die Erhöhung des Zuckerzolls anderseits, sind jetzt dem Reichsrat zugegangen. Nach der ersten Vorlage soll die Zucker st euer um ein Drittel ermäßigt werden. Entsprechend senkt sich die be« sondere Steuer für Stärkezucker von 8,40 auf 5 60 Reichsmark. Eine Ausnahme gilt nur für Stärkezucker mit einem Reinheitsgrad von mehr als 95 vom Hundert. Der durch diese Steuersenkung her- beigeführte Cinnahmeaussall von rund 75 Millionen Reichsmark soll wieder eingebracht werden durch eine Erhöhung der Hektolitereinnahme für Trinkbranntwein um 100 Mark von 280 Reichsmark auf 380 Reichsmark für ein Hektoliter. Nach der zweiten Vorlage sollen die Zollsätze für Zucker der Tarifnummer 176 10 Reichsmark und 8 Reichsmark auf 15 Reichsmark und 13 Reichsmark heraufgesetzt werden.
Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns betont, bas Arbeitsminsterium betrachte das Lehrlingsverhältnis in erster Linie als ein Erzieh ungs- und Ausbildungsverhält- n i s, dem aber auch starke arbeitsrechtliche Momente anhasten. Zur äleberwachung der Ausbildung und Erziehung seien in erster Linie die Handwerkskammern zuständig; aber die arbeitsrechtlichen Streitfragen würden am besten einheitlich durch die Arbeitsgerichte erledigt.
Die Anträge auf Aufrechterhaltung der Innungsschiedsgerichte werden m.t 212 gegen 150 Stimmen abgelehnt. Der Antrag auf Bildung von Innungsschlichtungsausschsissen für Lehrlinge wird mit 329 g'gen 23 Stimmen angenommen. Der Rest der Vorlage wird ohne wesentliche Aenderungen in der Ausschußfassung angenommen. 3n der namentlichen Schlußabstimmung wird das Gesetz mit 211 gegen 140 Stimmen der Deutschnationalen, Kommunisten und der Wirtschaftlichen Vereinigung bei sieben Enthaltungen angenommen.
Das Haus vertagt sich auf Dienstag.
England und die Bolschewisten. Gegen die Ernennung eines Nachfolgers für Krassin.
London, 13. Dez. (WTB.) Der politische Berichterstatter der „Daily Mail" meldet, unter den Kabinettsmitgliedern finde die Auffassung immer mehr Geltung, daß eine Nachfolge Krassins angesichts der feindlichen Propagande der Moskauer Regierung nicht zugelassen werden soll. Dieser Ansicht sei in einer von 200 konservativen Parlamentsmitgliedern unterzeichneten, dem Premierminister zugestellten Denkschrift Ausdruck gegeben worden. Es verlaute jetzt, daß der Staatssekretär für Indien, Lord Birkenhead, dessen Auffassung bei seinen Kollegen große Beachtung zu finden, pflege, eine Denkschrift vorbereite, welche den anderen Kabinettsmitgliedern zugestellt werden soll, in der er energisch gegen die Zulassung eines Nach, folgers Krassins protestiere.
Die Erkrankung des Mikado.
Tokio, 13. Dez. (Havas.) Das Befinden des seit langem gelähmt rn Kaisers von 3 a p a n hat sich verschlechtert. DaS gesamte Kabinett hat sich in den kaiserlichen Palast begeben, da der Zustand des Kaisers kritisch geworden ist.
Die Krankheit des Kaisers hat im ganzen Lande lebhafte Besorgnis hervorgerufen. Die Zeitungen melden in Extrablättern jede Aenderung in seinem Befinden. 3n den Tempeln beten Tausende für seine Wiederherstellung. Da sich der P r i n z r e g e n t in unmittelbarer Rähe seines Vaters aufzuhalten wünscht, hat das Kabinett eine Regierungsabteilung in Hayama er
öffnet, wodurch der Prinzregent in die Lage versetzt ist, die laufenden Geschäfte zu erledigen, ohne den Kaiser zu verlassen.
Unabhangigkeitsbewegung in Franzöfisch-Indockina.
Paris, 13. Dez. (TU.) Nach Meldungen aus Saigon nimmt die Unabhängigkeilsbewegung in Französisch-Indochina bedrohlichen Umfang an. In einem Vorort von Saigon kam es zwischen Studenten und der Polizei zu Zusammen- stößen, wobei mehrere Polizisten verwundet wurden. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen worden. Die Arbeiter einer großen Automobil- fobrik sind in den Streik getreten.
Aus aller Welt.
Neubauten des Norddeutschen Lloyds.
Die Verwaltung drs Rorddeutschen Lloyd hat den Dau von zwei Schiffen im verbesserten und vergrößerten Kolumbustyp für den Dienst Bremen—Reuyork beschlossen. Die' Schiffe sollen je etwa 46 000 Bruttoregistertonnen groß werden und eine Geschwindigkeit erhalten, die es aeftalie., die Reise Bremerhaven- Re u h o r k in sechs Tagen und die Reise von den Kanalhäfen nach Reuyork in fünf Tagen zu vvyenden. Sines der Schiffe soll auf der Werst-A.°G. Weser in Bremen, das andere bei Blohm & Voß in Hamburg gebaut werden. Die Schiffe sollen den Ramen „"Bremen“ und „Europa" erhalten. Das Dauprogramrn erfordert keine neue Beanspruchung des Kapitalmarktes.
Lin glücklich verlaufener Autounfall.
Ein Melsunger Lastauto, das von Kassel kam, überfuhr das Geländer der Fulda- brücke und stürzte aus einer Höhe von 8 Meter in d ie Fulda. Die drei auf dem geschlossenen Führersitz befindlichen Insassen kamen dabei wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon. Zum Glück lag das von den Fluten umspülte Auto so. daß die nur an einer Seite befindliche Tür oben roar unb den Weg ins Freie freigab. Aus dem umgestürzten Auto sitzend, warteten die Verunglückten die Ankunft eines Kahnes ab, der sie dann aufs Trockene brachte.
Ein brutaler Autofahrer.
Em Auto, das Die Weima r—G r f urter Landstraße in rasender Fahrt Dabineilte, überfuhr unweit des Dorfes Mönchen-Holzhausen die auf der linken Straßenseite gehende Frau eines Milchhändlers. Der Frau wurde die Schädcldecke zertrümmert und ein Drin abgefahren. Der Führer des Autos legte die sterbende Frau in den Straßengraben und enttarn unerkannt. Der Ehemann der unglücklichen Frau, der ein Stück hinter ihr her kam,
fand sie in ihrem Blute llegend. Sie ist inzwischen im Erfurter Krankenhause ihren schwere.r Verletzungen erlegen.
Line soziale lat
In Pirmasens hat die Firma Ed. Rheinberger A.-G. in ihrer Aufsichtsratssitzung und Generalversammlung die Errichtung einer Pension s t a s s e für die Angestellten beschloßen und dieser die Summe von 100 000 Mark überwiesen. Für die Erstellung eines Altersheims wurden ebenfalls 100 000 Mark bereitgestellt.
Tödlicher Sturz vom pserde.
Montagnachmitt.g stürzte in B^rlin-ZLhIen- dorf die Gattin eines Bankiers vom Pferchs Die Verunglückte erlitt so schwere Verletzungen» daß sie kurz nach ihrer Aufnahme im Krankenhaus verstarb.
Todessturz vom Felsen.
Der 16’äbnge Leopock) Meßmer aus Karlsruhe, der mit mehreren F.eunden einen Ausflug in das badische Wolfental unternommen hatte, stürzte aus großer Höhe von einem Felsen ab. Er war sofort tot.
Linsturzunglück In einem ägyptischen Kino.
In einem Kinotheater in Alexandria stürzte während einer Vorstellung das Dach ein. Sieben Personen wurden getötet, 30 verletzt.
19 lot’ bei einem Explosionsunglück.
3n St. 21 u b a n bei D-gne (Such rankreich) ist ein Behälter mit 25 000 Kilo flüssigem Chlor explodiert. Bisher wurden 19 Lote und mehr als 30 Verletzte gezählt. Unter den Loten befindet sich auch ein Önreveur. _
Der deutsche Flieger Übet spricht in Paris.
Der dcu.sche F.ieg.r U_>et hielt ge.iern auf Deranlas ung deS Verbandes der französischen Flugzeugführer im Dortragssaal der Pariser Zeitung ,Ce Journal" einen Vortrag über daS Lbema: „Die Orientierung deS deutschen Flugwesens".
T7?1tcrvorattssaae.
Wenig Aenderung des im ganzen verhältnismäßig milden, vorwiegend trüben Wetters mit Neigung zu unbedeutenden Niederschlägen.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 2,9 Grad Celsius, Minimum: 1,5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 2,8 Grad Celsius.
Aus der provinzialhauptstadt.
Gießen, den K Dezember 1926.
Die Allee in der Stabt: Schönheit oder Gesundheit?
Man schreibt uns: Unlängst lasen wir im „Gieß. Anz." eine Notiz über Fällungen hohlxr B ä u m e in der Kaiseralleee, Licher Straße, Garten- straße und Selterstor. Sie erweckte den Eindruck, als sei eine Entschuldigung für diese Tatsache angebracht, und es müßte deshalb die N e u - anpflanzung an Stelle der gefällten Invaliden in Aussicht gestellt werden.
Demgegenüber dürfte es sich lohnen, diese Frage vom Standpunkte der im Schatten alter Baumriesen lebenden Menschen zu beleuchten. In gesundheitlicher Hinsicht ist das Wohnen unter großen Kastanien, Linden und Platanen nachteilig. Die Wohnungen find im Erdgeschoß und im ersten Stock dunkel und eucht. Solange die Bäume grünen, bringt kein Sonnenstrahl in die beschatteten Fenster. Nie kann hier eine Mutter den Pfühl ihres Säuglings in den Strahlen der Sonne ausbreiten. Und dabei wissen wir heute, daß der Mensch im Kampfe gegen Rachitis, Skrophulose, Tuberkulose und andere Krankheiten des Lichtes und der Sonne bedarf. In einer düsteren, dumpfen, vornehmlich feuchten Atmosphäre aber gedeiht gerade der Tuberkelbazillus von Generation zu Generation. — Zur Zeit der heißen und schwülen Sommertage läßt das geschlossene Blättergewölbe großer Bäume die Staubwolke des oft rasenden Verkehrs nach oben nicht entweichen. Dann bringt der mit Bakterien aller Art beladene Staub in die beiderseits geöffneten Fenster hinein. In den dunklen Wohnungen müssen Erwachsene und Kinder des Tages Pflichten und Schularbeiten erledigen. Namentlich die alten Leute fühlen sich infolge der dauernden Dämmerung wegen ihrer herabgesetzten Sehfähigkeit außerordentlich beeinträchtigt. Geschäftsleute arbeiten an den vielen trüben Tagen im Halbdunkel, wenn sie es nicht vorziehen, sich sogar am Taae des künstlichen Lichtes zu bedienen.
Doch nicht allein in hygienischer und wirtschaftlicher Hinsicht, auch oerkehrstechnisch sind die vielen alten, starken Bäume innerhalb der Stadt störend. Man sehe nur, wie sich in der Kaiserallee die Men- schenmassen in Schlangenlinien um die alten Recken der Vergangenheit herumwinden! Also gerade in der Straße, die an Sonn- und Feiertagen unsere Einwohner hinausführt zum nächsten Walde, zu den Sportplätzen und zur Volkshalle!
Vor allem in der Kaiserallee hat sich, von solchen Gesichtspunkten aus betrachtet, die ..Allee" als solche längst überlebt. Deshalb ist ein Nachpflanzen der alten Bäume abzulehnen. Wäre es nicht schöner, wenn die heute so verkümmert aussehenden Bor- aärtchen grünen und aufblühen würden? Leuchtende Frühlingsblumen sollten hier in wohlgepflegten Beeten Auge und Herz erfreuen, blühende Magnolien, Flieder, Jasmin oder Goldregen, das mannigfachste Buschwerk während des Sommers bis zum Reisen des letzten Zwergobstes. Sicherlich würde die Kommission des Derkehrsvereins, welche sich seicher so liebevoll der blumengeschmückten Häuser annahm, auch hier ihres Amtes walten. Man könnte sogar die Zäune der Vorgärten in Ordnung bringen und durch freundliche Farben hervorheben. Wäre es nicht ein Genuß, durch eine solch „lichte" Straße hinauszuwandern im Vergleich zu der sich als unfreundlich düster darbietenden Schattenstraße, wo fein Borgarten gedeiht, wo die Häuser den vom Regen ab- geschwemmten Staub der Blätter annehmen und monoton erscheinen, grau in grau?
Hat die Allee mit riesenhaften alten Bäumen eine intensivere Durchfeuchtung des beschatteten Ge-
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Praktisches Weihnachtsgeschenk:»
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