wesentlichen Baustoffe aller Lebewesen, sie kommen auch in gewaltigen Lagern in der unbelebten Statur vor und sind als Bestandteile des Ackerbodens von hervorragender Bedeutung. Wiederum läßt sich ein auffälliger Parallelismus .zwischen der Verbreitung der Gele und des Lebens feststellen: beide nehmen vom Pol zum Aequalor zu.
Aber auch erdgeschichtlich läßt sich eine Abhängigkeit des Lebens von den Bewegungszonen unseres Planeten nachweisen. Eine Fülle wechselnder Formen der Organismen tut sich dem Geologen auf, verfolgt er das Leben durch die weiten Zeiträume von etwa einer Milliarde von Jahren. Immer neue Bilder erscheinen, in den Versteinerungen treu aufbewahrt, viele absonderliche Lebewesen treten auf und verschwinden wieder, wenn im Wandel der Erdgeschichte das Antlitz des Planeten umgestaltet wird, und die Bewegungszonen der Erde das Leben unter immer neue Bedingungen stellen.
Entsprechend den gleichförmigen Bedingungen, die schon seit älrzeiten das Leben der Organismen in den Ozeanen umgeben haben, ist hier nur ein geringer Wandel der Formen eingetreten, wie uns die Vorgefundenen Versteinerungen lehren. Ganz anders als auf dem Festlande mit seiner großartigen Entwicklung und Differenzierung der Formen haben sich hier Dauertypen ausgebildet, die ihre vor langer Zeit erworbenen Formen bis zur Gegenwart bewahrt haben. Die höher entwickelten Formen, wie die Fische, haben ihren Ausgang vom Sühwasser des Festlandes aus genommen. Dieses Festland, den Veränderungen der Dewegungszonen in ganz anderem Maße ausgesetzt, beherbergt Organismen, deren Llmwell in bauernder Verschiebung und Bewegung begriffen ist: auf diese Reize reagierten die Lebewesen, und sie muhten sich den Veränderungen im Laufe der Jahrtausende anpassen oder allmählich absterben. So verschwindet die verwirrende Fülle der Reptilien mit der Oberkreide bis auf wenige überlebende Formen, und die Säuger breiten sich gleichermaßen an ihrer Stelle aus. Organismen, die sich den Veränderungen der ).Imwelt nicht durch Eigenbewegung entziehen können, wie die Pflanzen, werden viel eher reagieren müssen als andere. Aussterben und Weiterentwickelung müssen, wie auch die Erdgeschichte lehrt, früher bei ihnen eintreten als bei den Tieren.
Selbstverständlich ist auch der Mensch dieser Verschiedenartigkeit der Lebensbedingungen unterworfen. Ein Gleichmaß äußerer Bedingungen, wie in den Tropen, läßt ihn erschlaffen. Die Kultur entfaltete sich dort, wo das Wechselklima den Menschen ztvang, um die Erhaltung seines Lebens zu ringen und die Kräfte seines Geistes zu erfinderischer Hilfe zu entwickeln.
So läßt sich ganz allgemein das Leben als abhängig von Bewegung, Differenzen und Spannungen, als Bewegung selbst verstehen. Denken wir uns die Ursache aller Bewegungen fort, Berg und Tal ausgeglichen, den Rährboden vom Wasser ausgewaschen, die Sonne erkaltet, so müssen die Pflanzen und mit ihnen die Tiere aus- sterben: das Leben erlischt, wo nicht Bewegung herrscht. Dies gilt auch in der älebertragung auf das geistige Leben, das die uns äußerlich auf- gezwungene Anfreiheit der natürlichen Amwelt durch Geist und Willen zu überwinden berufen ist. L. H.
Gerichtssaal.
Der Mordprozeh Meon.
WSR Mainz, 13. Ott. In der gestrigen Rachmittagssitzung wurde das Verhör des Angellagten Joseph Meon fortgesetzt. Er er- ftärte, daß er sich nach der Tat in die Stadt begeben und erst abends wieder in seine Wohnung zurückgekommen sei. Der Angeklagte schilderte dann, wie er die Leiche fortgeschafft und im Wald verborgen habe. Er sei dann nach Franksurt gereist, und einige Tage später nach Bensheim zu seiner Mutter. Von Gewissens- . bissen gepeinigt, sei er dann ständig hin- und her- gefahren und habe sich u. a. in Darmstadt, l Frankfurt, Offenbach, Bebra und Eisenach aus- gehalten. Inzwischen habe er auch mehrere Kof- jF ‘er- und andere Diebstähle verübt. In Gotha sei er alsdann auf Veranlassung eines ihm * von früher her bekannten Dundesbruders verhaftet worden.
Dann folgte die Vernehmung des Sachverständigen Dr. L an ge m a nn - Darmstadt, der betonte, daß Ersticken als Todesursache wahrscheinlich sei. Zeichen einer Gegenwehr hätten sich nicht ergeben. Rachdem noch zwei weitere ^Sachverständige vernommen worden waren, begann das Zeugenverhör.
Der erste Zeuge, ein Frankfurter Kaufmann, bekundete, daß die getötete Anna Gillmann, die bei ihm sechs Monate angestellt gewesen sei, sich sehr gut geführt habe und daß ihm nichts Rachteiliges über sie bekannt geworden sei. Damit schloß der erste Verhandlungstag.
Am Vormittag des heutigen zweiten Verhandlungstages wurde in der Zeugenvernehmung fort- gefahren. Zunächst wurde der Vater der ermordeten Gilltnann vernommen. Der Zeuge stellt feiner Tochter das beste Zeugnis aus. — Weiter wurden die Frauen vernommen, die am Morgen der Tat in der Wohnung des Meon verdächtige Geräusche vernommen haben. Die Zeugin Loeb, die in demselben Hause wohnt, hat Würglaute und Stöhnen von einer Frauenstimme vernommen. Sie war es auch, die bann die Polizei auf den Täter aufmerksam machte, als bei der Leiche eine Decke, die mit I. M. gezeichnet war, gefunden wurde. Die Zeugin Frau v. R ö n n e d hat gleichfalls Stöhnen :nb Röcheln gehört und die von einer Frau aus- geftoßenen Worte: „Ach Gott, Vater, Mutter!" Auch die Zeugin Frau B r e i t e n b a ch hat an dem fraglichen Morgen erstickte Laute gehört.
Es folgte bann die Vernehmung der Beamt e n, die bei der Verhaftung Meons in Gotha mitgewirkt haben und die ihn zunächst vernommen hatten. Der Vorsitzende versuchte bei diesen Zeugen vor allem festzustellen, ob der Angeklagte aus freien Stücken die Aussage gemacht habe, daß das Geldbeschaffungsmotiv bei der Tat eine Rolle gespielt habe. Die beiden Zeugen, Kriminalkommissar Riethc und der Kriminalwachtmeister Mayer aus Gotha, glauben dies bejahen zu können. Auch bei der Vernehmung der beiden Darmstädter Kriminalwachtmeister Schönfeld und Ianz, die Meon von Gotha nach Darmstadt geführt haben, drehte es sich in der Hauptsache um die Feststellung, wie der Passus, der das Motiv der Tat behandelt, in das Protokoll gekommen sei. Die beiden Beamten waren sich damals bei der Vernehmung Meons darüber Har, wie wichtig gerade die Be
gründung für die Beurteilung der Tat wäre. Sie haben die Formulierung der diesbezüglichen Angaben im Protokoll unter der tätigen Mitwirkung des Angeklagten gemacht, der selbst einzelne Redewendungen wie, daß er u. a. durch seelische Zerrüttung zu der Tat gekommen sei, angab.
Rach der Vernehmung der Darmstädter Beamten wurde die Sitzung auf den Rachmittag vertagt und die bisher vernommenen Zeugen entlassen.
Dalum:
Geld
4,19 11,66
111,42
20,315 12,04
167.50 16,71 92,52 59.03
2,21 111,95
80,80 62,04 12,39 5.835
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. T e l e g r a p htfche Auszahlung.
5°/o Deutsche Reichsanleihe . 4°/ö Deutsche Reichs an leihe . 8Vi% Deutsche Reichsanlcthe 3% Deutsche ReichSauleihe . Deutsche Svarprämieuanleihe 4% Preußische Konlols • . . <°/o Hessen • . . .
3'/.% Hessen........ •
3°/o H^sen...........
Deutsche Wertb. Dollar-Aul. dto- Doll -Schatz-ArUvetlog.*)
4*/o Zolltürlen 5% Goldmettkaner ....
Berliner Handelsaesellschast. Kommerz- and Privat-Bank Darmst. imd Nationalbank ■ Deutsche Bank.........
Deutsche Bereulsbank .... Disconto Commandit . . . Meiallbank..........
Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesterreichische Kreditanstalt. Wckibauk ..... .
Bochumer Guh....... .
BuderuS...... . » . .
Karo Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvener Bergbau......
Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte » • • • Oberbedars Phönir Bergbau ..... Rheinstahl
Riebeck Montan ....... Tellos Bergbau......
Gereinigte Stahlwerke A.-G- Hamborg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . , Lhcramischc Werke Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann SInglo-Cont.-Guano.....
Chemische Mover Alabin . . I. G- Farbenindustrie, A.-lJ. Goldschmidt . . .......
Holzverkohlung........
Rütgerswcrke Scheideanstalt ........
Allg. ElettrtzttätS-Gesellschast Bergmann Mainkrastwerke ....... Schurken ....... Siemens L Halske .....
Ldlerwerke Klever ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt ........ Meguin....... . . . .
Motorenwerke Mannheim
Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Brann . . . MeMllgesellichafi Frankfurt. Del. Union A.-G Schuhiabrik Herz . . . . . . Sichel • ■ Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . .
Brief
4,21 11,72
111,98
20,415
12,16
168,34
16,79
92,98
69,33
2,25 112,51
81,2(1 62,36 12,45 5.875
Wirtschaft.
* Lieberzeichnung der zweiten Tranche der 7 proz. Berliner Stadtanleihe von 1 92 6. Die Zeichnungen für die gestern morgen aufgelegte zweite Hälft: b:r Iproz. Berliner Stadtanleihe von 1926, insgesamt 22,5 Millionen Rm. mit 20jädriger Laufzeit, mußten wegen erheblicher ^leberzeichnung bereits im Laufe des Vormittag geschlossen werden.
tBörlentnrte.
frankfurter Börse.
Frankfurt a. M, 14. Ott. Tendenz: Fest. Farbenaktien erneut haussierend. — Die bisher andauernd wirksam gewesenen hoffnungsvollen Rachrichten über die Wirtschaftslage bewirkten auch an der heutigen Börse eine zum Teil recht ansehnliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung, wobei Montanaktien den größten Ruhen ziehen formten. Bereits vorbörslich fand in diesen Werten eine lebhafte ^Imsahtätigkeit statt, so daß nahezu alle Werte dieser Gruppe um 2 bis 3 Prozent anzogen. Stimulierend wirkte hier besonders die Rach- richt, daß die günstige Konjunktur im Ruhrbergbau die Einstellung einer weiteren größeren Zahl von Arbeitern notig macht. Bei Beginn des offiziellen Verkehrs gewannen wiederum I. G. Farben unter Vernachlässigung der Montauaktien beträchtlich an Bedeutung. Der Eingang größerer Kaufaufträge für dieses Papier gab der Spekulatton Anlaß, sich in Der-
Berlin, 13. Oktbr.
Amerikanische Note» .... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten ..... Italienische Noten ..... Norwegische Noten .....
Deutsch-Oesterr-.Lioo Kronen Rumänische Noten......
Schwedische Noten . . . . . Schweizer Noten Spanische Noren Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten.......
Frankfurt a.M.
Berlin
5d)iutj»|
1-Ubr.
Schluh-lAnfana
Kurs ।
Kur,
Kur»
Riirc
13. 10. |
14.10.
13. 10.
14. 10.
U.7025
6.7025
0.7!
0.70
—
—
0.68
0.695
0,71
—
0,6705
0,67
0,34
—
0.8905
0,88
0,44
—
0.455
—
0,7
—
0.68’7
0,6225
0,7
—
0.60
—
-
—
0.65
—
-
—
0.66
—
95,25
—
100
—
——
—
—
16.2
16,75
16,13
—
46
50
232
_
230
231
164.75
157.5
154.7*
156
35»
236
236.2*
237
185.2*
185
185,7*
185,5
100
—
—
172,9*
171
172
171,25
158.5
169
155
—
146,5
—
147
147
8.7
8.5
* 8,75
8,5
( 0
—
—
—
164.5
166
164
167.5
105,5
107,25
105
107,5
—
72.5
—
164
165.5
164
165,9
173,5
175
172,2-
174.5
177
182,5
176.6*
179
147.75
—
147*
148,4
159
159,5
158
159
79
85.5
79,5
84
74,75
74
72.5
73.5
122
128
122*
128
164.5
166,75
164
167.9
165
—
163.9
166
92
90
—
—
-
-
147.28
—
171
171
170
169.5
167
167,9
167.75
166,5
—
—
—
—
135
136
—
—
137,25
142
135,75
—
—
100
99
—
——
318.2*
322
316.7*
322
132.5
136
133
135
53
54.75
—
—
131
135
131,75
133,75
194
188
—
—-
165
165,5
164,13
165
163
—
163,13
164
1'5.6
—
—
—
141.75
—
141.25
142
205,75
207,25
206
208
91.25
93
91,4
93,5
86
88,5
87
90,25
27
—
—
—
48
—
49
—
—
—•
—
17
—
—
—
50
—
—
——
177.5
182
—
—
98
—
100
—
65
_
67
—•
3,25
—
2.75
—
209.25
207,5
210
210
86.5
85,75
—
102,25
—
102.25
—
13 Oktbr.
14. Oktbr.
Amtliche Notierung
Amtliche Notierung
Geld !
Bries
Geld
Brief
Smft.» Ron
167,87
168,29
167,81 1,711
168,22
Buen.-AirrL
1,710
1,714
1,715
Brsi-'Anllv.
11,65
11,69
11,90
11,94
Christiania.
97,<8
111,71
98,02
99,87
100,13
Kopenhagen
111,99
112,42
111,71
111,99
Stockholm -
112,14
112,16
112,45
Helssngfors
10,552
10,592
10,55
10,69
Italien. .
16,62
16,66
16,96
17,00
London. .
'0,356
'0,406
'0,355
20,405
Neuyork . -
4,195
4,205
4,195
4,205
Parts. . .
Schweiz . .
11,90
11,94
12,01
12,05
81,08
81,28
81,04
81,24
Spanien. .
62.22
62,38
62,52
62,68
Japan . . ■
2.029
2,032
2,033
2,037
Rio de Jan Wien in D--
0.583
9.585
0.583
59,21
0.585
59,35
Oest. abgeft.
59,21
59,35
Prag ....
12,42
12,46
12,423
12,463
Belgrad . .
7,412
7.432
7,417
7,437
Budapest. . Bulgarien
5,87
3,045
5,89
3,055
SöS
5,89
3.05
Lissabon -
-1,475
41,525
21,475
21,525
Danzig. . . Konstantin.
81,38
81,58
81,38
2,175
81,58
2,17
2,18
2,185
Athen. .
5,19
5,20
5,19
5,21
Kanada. . .
4.199
4,209
4,199
4,209
Urngnat) . .
4.205
4.215
4.205
4.215
Banknoten.
stärktem Maße hier für zu interessieren. Der Kurs dieses Papieres, der gestern abend mit 315 schloß, ging sprunghaft auf 323 bis 322 Proz. in die Höhe. Diese Haussebewegung drängte alles andere in den Hintergrund. Von M o n - tanwerten wurden höher: Phönix plus 3,42, Rheinische Braunkohlen plus 3, Klöckner plus 2,37, Buderus plus 2,75, Bochumer plus 2, Gelsenkirchen plus 2, Deutsch-Lux plus 1,8, Har- pener plus 1,75, Rheinstahl plus 1,75 Proz. Von Chemieaktien zogen Goldschmidt 2 Proz. an. Der Elektromarkt war heute etwas günstiger veranlagt bei Kursbesserungen von 1 bis 2 Proz. Siemens plus 1,75, AEG. plus 1,5 Proz. Von Dankakt ien waren Mttall- bank start gesteigert plus 8, Barmer Bankverein plus 1, Deutsche plus 1 Proz., die übrigen Werte waren nur leicht gebessert. Darmstädter unverändert. Reichsbank plus 1,75 Proz. Schifffahrtsaktien strebten nach oben. Hapag plus 1 Proz., Rordd. Lloyd plus 1,2 Proz. Motoren- a ft ien tendierten gleichfalls fest. Kleyer plus 2, Daimler plus 2,5 Proz. Von Zellstoffaktien zogen Aschaffenburger 1,25 Proz. an, dagegen schwächten sich Waldhof ab. Von Baustoff- aktien bestand lebhafte Rachfrage für Holzmann, die gut befestigt waren. Zement Heidelberg plus 1 Proz. O elaktien fuhren in der Aufwärtsbewegung fort. Rütgerswerke plus 3,5 Proz., Deutsche Erdöl plus 1 Prozent. Von sonstigen Werten waren Metallgesellschaft gut befestigt plus 2,5 Prozent. Zuckeraktien leicht anziehend. Deutsche Anleihen lagen ruhig und mäßig höher. Von ausländischen Renten neigten besonders Türken zum Rachgeben. Der Freiverkehr zeigte bei umsatzlosem Geschäft behauptete Kurse. Growag 60,5 Prozent, Brown Boveri 136 Prozent, Ufa 41,5 Prozent. Der weitere Verlauf der Börse blieb lebhaft und fest unter Bevorzugung von I. G. Farben. Am Geldmarkt hält die Flüssigkeit an. Tagesgeld 4,5 Prozent, Monatsgeld 5,5 Prozent, Privatdiskonten 4,75 Prozent, Industrieakzepte 5,25 Prozent. Im Devisenverkehr waren wesentliche Veränderungen nicht zu verzeichnen. Paris gegen London 170,75, Brüssel 174, Mailand 120,75. London gegen Kabel 4,8520, die Reichsmark gegen Kabel 4,2001.
Berliner Börse.
Berlin, 14. Ott. Die Realisationsneigung ist rasch vorübergegangen. Der Auftragseingang, vor allem aus der Provinz und dem Auslande, war anfangs sehr rege. Die Spekulation schloß sich mit umfangreichen Anschaffungen an, da der Medio als überwunden betrachtet wird und die Lage am offenen Geldmarkt nach wie vor flüssig ist. Die Sähe blieben unverändert für Tagesgeld 4 bis 5,5 Prozent (für erste Firmen bereits 3,75 Prozent). Das Hauptinteresse der Börse konzentrierte sich aus Farbenwerte und die damit im Zusammenhang stehenden Aktien unter Einschluß von Oelaftien, ferner auf Montanwerke unter Führung der Vereinigten Stahlwerke und deren Muttergesellschaften, weiter auf Bankaktien und auf Elektrowerte. Die Steigerungen in diesen Papieren betrugen bis zu 4 und 5 Prozent. An den Rebenmärkten schloß sich eine größere Anzahl von Papieren der Haussebewegung an. Die Gesamttendenz der heutigen Börse war daher sehr freundlich und fest. Auch Kassawerte waren Gegenstand lebhafter Käufe. Im Devisenverkehr lagen die lateinischen Valuten, sowie Spanien und Rorwegen befestigt. Gegen London notierten: Oslo 20,32, Madrid 32,57. Mailand 119,75, Paris 169,50, Brüssel 171. Mark und Pfund zeigten feine nennenswerten Veränderungen.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a.M., 14.Oft. Es wurden notiert: Weizen (Wetlerauer) 28,75 bis 29, Roggen (inl) 23, Sommergerste (für Brauzwecke) 24 bis 28, Hafer (inl.) 18,75 bis 19,25, Mais (gelb) 19 bis 19,25, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 41,50 bis 42, Rvggenmehl 33,25 bis 34, Weizenkleie 10 bis 10,25, Roggenkleie 10,50.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 14. Ott. Auftrieb: 45 Rinder, 45 Kühe, 709 Kälber, 1003 Schafe, 203 Schweine. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 85 bis 90, mittlere Mast- und Saugkälber 75 bis 84, geringe Kälber 68 bis 74. — Schafe: Maftlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 38 bis 42, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 33 bis 37, fleischiges Schafvieh 25 bis 32. — Marktverlauf: Kälber werden bei lebhaftem, Schafe bei schleppendem Handel ausverkauft. In Schweinen unterblieb die (Kotierung wegen des schwachen Auftriebs.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die bauliche Verbesserung an der Vahnhofplah- freppe
ist sehr zu begrüßen. Man sollte diesen Anlaß aber benutzen, um zugleich einen störenden Mißstand abzustellen. Wer vom Wetzlarer Weg kommend bei Dunkelheit die Treppenstufen hinabgeht, wird sich wundern, daß sich an dieser Stelle bisher ttoch kein ernsterer Unfall ereignet hat. Die Treppe ist nämlich nicht beleuchtet, und die Gefahr des Ausgleitens wird noch dadurch vergrößert, daß man von den Lichtern des Bahn
hofs geblendet ist. Das kann, besonders bei Regen, Schnee ober Glatteis, leicht verhängnisvoll werden. Alte Leute, Kurzsichtige, Kriegsbeschädigte, von den Kliniken kommende Kranke würden es dankbar begrüßen, wenn auf der Trevpe eine Beleuchtung angebracht würde, welche die Treppenstufen bet Nacht deutlich erkennbar machte. Hst.
Schafft Rodelbahnen?
Wer ein Freund des Wintersportes ist — und deren gibt cs mehr, als man glaubt —, wird in jedem Winter von neuem das Fehlen einer ordentlichen Rodelbahn in der Nähe unserer Stadt bedauern. Der „Gießenr Anzeiger" brachte vor kurzem die Mitteilung, daß die Stadt Marburg eine groß- ziigig angelegte Rodelbahn einrichte. Sollte dies nicht auch der Stadt Gießen mögUch sein? Unsere Stadt, die doch in vieler Hinsicht vorbildlich ist, könnte hiermit ohne allzu große Mittel ein gutes Werk schaffen. Der Trieb, der seither als „Rodelbahn" benutzt wurde, ist in seinem jetzigen Zustande für den Zweck ungeeignet, liehe sich aber mit geringen Geldausgaben, evtl, unter Be|chäftigung Erwerbsloser, zu einer Rodelbahn für die Kleinen ausbauen. Für richtige Rodelbahnen ist m. E. das Gelände an der Hardt, am Schiffenberg und Gleiberg durchaus geeignet. Die betr. Gastwirte dürften an der Errichtung von Rodelbahnen in der Nähe ihrer Gaststätten ebenfalls Interesse haben. Der Allgemeinheit wird mit der Anlegung von Rodelbahnen unbestritten sehr viel geboten: Den älteren und nicht sportlustigen Mitbürgern ein immer interessantes Ziel ihrer sonntäglichen Spaziergänge, der Jugend ein gesundes Sichaustoben in der klaren Winterluft, und den vielen Freunden des Rodelsports Erfüllung ihrer schon lange gehegten Wünsche. Daher: Bringt eine gesunde Abwechslung u» j^e dumpfe Enge des Winters! Schafft Rodelbahnen! Ns.
Sorgt für Sonnlagsheiligung?
Seit einiger Zeit macht sich in Gießen ein g e - steigerter Viehverkehr, besonders mit Schlachtvieh, bemerkbar. Das wäre an sich recht er- freulid) — wenn dieser Viehverkehr sich nicht hauptsächlich an den Sonntagen abspielle. Stundenlang plärren Kälber, brüllen Kühe, quieken Schweine; das Vieh, das in der Regel frei getrieben werden muß, füllt die Straßen, verschmutzt den Boden und gefährdet die Passanten: Schweinetransportwagen verunzieren das sonntägliche Straßenbild: Dutzende von Beamten, Bahn- und Privatangestellten müssen ihre Sonntagsruhe opfern, damit dieser sonntägliche Viehverkehr bewältigt werden kann. Die Frage liegt nahe: muß das so sein? Diese Frage ist entschieden zu verneinen. Wenn einigermaßen guter Wille dazu vorhanden wäre, wäre diesem Mißstand leicht zu steuern. Aber es sind vielfach Leute dabei interessiert, die an ihrem Feiertage keine Nadel in die Hand nehmen, denen aber offensichtlich an der Heilighaltung des Sonntags nicht viel liegt. Nur in Ausnahmefällen kommen Transporte in Frage, die von Märkten kommen, die Ende der Woche abgehalten werden und von denen deshalb das Vieh zwangsläufig an Sonntagen ankommt. Die meisten Tiere werden im freien Verkehr erworben und absichtlich so verladen, daß sie an Sonntagen hier ankommen. Soweit die Schuld des Handels an diesem Umstand. Die Händler wieder erklären, die Metzger seien an allem schuld. Die meisten Metzger wollten Montags schlachten; das seien sie so von alter her gewöhnt. Deshalb müsse der Handel — um rechtzeitig Ware anbieten zu können — diesx Ware am Sonntag bringen. In der £at unterstützen Ineresfenten, denen am Sonntag nicht viel liegt, vielfach den ganzen Vorgang, indem sie als Käufer auftreten und an Rampen und in Stallungen kleine Viehmärkte inszenieren. Was liegt am Sonntag und an der Sonntagsruhe anbeter, wenn dabei was zu verdienen ist? Die Verwerter des Schlachtviehes brauchten nur ihren Haupt- f ch 1 a ch 11 a g auf den Dienstag oder Mitt- w o ch zu verlegen und ihren Bedarf am Montag oder Dienstag zu decken — und der ganze fonntaglichg Viehverkehr wäre beseitigt. Ob es dazu jemals kommt? Die Behörden bemühen sich feit Jahren — leider vergeblich — diese Sonntagsschändung von den Freunden der sonntäglichen Ruhe fernzuhalten. Wenn nicht andere Kräfte mitwirken, wird es wohl- beim Alten bleiben.
Ein Freund der Sonntagsheiligung.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 16. Oft 1926. Freitag Abend 5 05, Samstag Vormittag 8.30, Nachmittag 3.30, Sabbatausgang 6.20, Wochengottesdienst: morgens 6.45, abends 5.00.
Isr. Religionsgemeinde. Gottesd. i. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 16. Ott. 1926. Vorabend: 5.15, morgens: 9.00, abends: 5.40 und 6.20.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Amschau".)
Freitag, 15. Oktober:
3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag. 5.45 bis 6.05 Uhr: „Die Lesestunde". 6.15 bis 6.45 Uhr: „Die sozialen Probleme des Theaters: Theater, Politik, Staatszensur, Theaterskandale", Vortrag von Dr. Ludwig Marcuse.7.15 bis 7.45 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8.15 bis 9.15 Uhr: Uebertragung aus Mannheim: Romanzen- und Balladen-Abend. 9.15 bis 10.15 Uhr: Kammermusik für Bläser.
DR.THOMPSON'5
SEIFENPULVER
k54
Zusammen:
so wenig He/ck/
Dr. fäompson's Seifenpulver 304 tyuni fäleieh&i:


