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Nr. 241 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (Mnercil-Anzelger M Gderyeyei. vuiuieisiuy, Mrover 1926

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Der Sammler aus Kunst und Wissenschaft.

Vie Stellung der Physiologie in der Biologie.

Von Prof. Dr. Ernst Küster, Gießen.

Die nachfolgenden Zeilen geben mit ge­ringen Aenderungen die einleitenden Bemer­kungen wieder, welche der Verfasser nm 4 Oktober vor den Teilnehmern desBwlo- gisch-phnsiologischen Fortbildungskursus an der Landesuniversität Gießen seinen pslan- ,zenphysiologischen Vorträgen vorausfchickte.

Als die ersten Beratungen über den Stoff statt­fanden der unserem Gießener Fortbildungskurse zu­grunde zu legen wäre, konnte kein Zweifel daran bestehen, daß er in erster Linie dem physiologischen Wissen zu dienen haben müßte. Eine solche Stoff­umgrenzung schien nm besten der Wendung und der Entwicklung gerecht zu werden, die sich seit Jahr­zehnten in den biologischen Wissenschaften auswirkt, und die immer mehr zu einem zielbewußten Ab­rücken von der beschreibenden Naturforschung wird und zu einer Durchdringung der ganzen Biologie mit dem physiologischen Gedanken.

In der Botanik haben bereits Männer der letzten und vorletzten Generation de Bary, Pringsheim, Jul. Sachs, Ferd. Cohn u. a. die Morgenröte der neuen Zeit und den neuen Geist des Forschens begrüßt und gefördert, und in der Botanik ist die Physiologie schon längst diejenige Disziplin, deren Probleme uns für die brennend­sten gelten, und aus deren Gebiet sich die reichsten Forschungsmöglichkeiten selbst für ferne, vorläufig nicht absehbare Zukunft auftun. Prüfen Sie die Arbeits»tchtung der Fachvertreter, welchen die Lehrstühle unserer Hochschulen anvertraut sind oder vertiefen Sie sich in die ständig wachsende Schar unserer wissenschaftlichen botanischen Zeit­schriften oder fragen Sie die Taaespresse, über welche Befunde sie einem großen Leserkreis zu be­richten für unerläßlich hält überall werden der Sieg des Physiologischen und die allgemeine Ver­breitung des ihm geschenkten Interesses deutlich werden.

Dieselbe Wandlung, die in der Botanik bereits ihre letzten Phasen erreicht zu haben scheint, hat in der Zoologie erst später eingesetzt begreif­lich, da die in der medizinischen Fakultät gepflegte Physiologie allen neuorientierten Bestrebungen zunächst noch zu genügen vermochte; inzwischen hat aber das Forschungsinteresse der Zoologen sich in demselben Sinne wie in der Botanik umgestellt, und wir stehen nun auch für die Zoologie in einer Periode, die durch ständig fortschreitende Ausbrei­tung der physiologischen Forschungsweise gekenn- zeilynet wird.

Das Recht zu einem so vollkommenen Siege, wie ihn die Physiologie daoongetragen hat oder zu er­ringen im Begriff ist, erhellt aus ihrer Fähigkeit, alle anderen Disziplinen der Biologie gleichsam mit ihrem Geiste zu durchdringen und wahrhaft zu ver­jüngen: die beschreibende Anatomik, Morphologie und Entwicklungsgeschichte sehen in der experimen­tell arbeitenden Entwicklungsphysiologie oder Ent­wicklungsmechanik ihre Erbin; neben die registrie­rend und kartographisch arbeitende Geographie der Organismen ist die physiologische getreten; eine ehedem teleologisch spekulierende Biologie wird zu­sehends von einer experimentellen Oekologie ver­drängt; für die Systematik der niederen Organis­men sind längst die Methoden der künstlichen Züch­tung unentbehrlich geworden, die auf der Einsicht in die Stoffwechselphysiologie der Lebewesen be­ruhen; die Systematik der Samenpflanzen bedient sich mit den serodiagnostischen Methoden ebenfalls eines Geschenkes der chemisch-physiologischen For­schung; vor der beschreibenden Rassen- und Sorten­kunde und den Theoriegebäuden der Phylogenetiker schließlich sehen wir die gewappnete Phalanx der experimentellen Vererbungslehre in unwidersteh­lichem 'Anmarsch. Ueberall im Wettstreit der biolo­gischen Disziplinen untereinander ist der Sieg der physiologischen gewiß, und die Forderung des Tages ist überall das Experiment.

Evolutionen wie die hier geschilderten, sind die Sache von Jahrzehnten, deren Zahl wir in unse­rem Falle namentlich bann beträchtlich finden wer­den, wenn mir nicht nur prüfen, welchen Gang die Dinge an den Stätten.der Forschung genommen haben, sondern auch, wie sie an den der Lehre wie unseren Schulen sich ge­staltet haben. Wir alle reichen mit unse­ren Erinnerungen noch in die nicht eben fernen Zeiten zurück, in welchen die Biologie der Schulen fast ausschließlich das Deskriptive kannte; sie hat längst den Anschluß an die physiologische Forschungs­tendenz unserer Zeit gefunden. Daß sie sich vorn Deskriptiven nicht trennen durfte, ist selbstverständ-

znnddericht des veukmalpflegers für die Lodenaltertümer in Gber- hefien, (926.

Bon Prof. Dr Paul Helmke, Gießen.

I. Ober-Lais.

Im Jahre 1923 hatte bas Oberhessische Museum am Eichholz bei Oder-Lais Untersuchungen von Grabhügeln vorgenommen unb babei einige wich­tige Funde der Hügelgräber-Bronzezeit erhoben; im Februar 1926 lief von bem Vertrauensmann für die Denkmalpflege, Lehrer Sauer in Ober- Lais, bie Nachricht ein, baß in einem ber schon untersuchten Hügel beim Verschleifen von bem Be­sitzer bes Ackers Otto B i e r m a n n aus Fauerbach Scherben gefunden worben feien. Da sich deshalb eine Nachuntersuchung notwenbig machte, würbe trotz bes wenig verlockenben Wetters am 6. März von bem Denkmalpfleger eine Grabung ins Werk gesetzt; 3 Meter nördlich von bem früher aufgedeck- ten Hauptgrab fanb sich eine Steinpackung, zwi­schen ber Gefäßtrümmer lagen. Diese gehören brei, vielleicht auch vier kleinen bombenförmigen Ge­fäßen an, van denen eins mit fischgrätenartigen Strichen verziert war; darin befand sich nach An­gabe bes Finbers weißlichgraue (vielleicht Asche hal­tende) Erbe; Genaueres mar nicht mehr fest- zustellen.

Während der Arbeit mar das Schneetreiben so stark gernorden, bah an ber hochgelegenen, sturm­gepeitschten Stelle an ein längeres Verweilen nicht zu bsnken war; so mürbe beim bie Absicht, zwei weitere berselben Gruppe angehörende Grabhügel zu burchfarschen, auf eine geeignetere . Zeüt ver­schoben unb an einer anberen benachbarten Stelle,

lich zu allen Zeiten werben nur auf dem Wege schlichter Beschreibung des von ber 'Natur Gelie­ferten vom Biologen bie Kenntnisse erworben wer­ben können, bie bas physiologische Arbeiten voraus­setzt; aber ber Prozeß, den wir vorhin bie Durch­dringung ber Biologie mit bem physiologischen Ge­bauten nannten, scheint im Betrieb der Schulen unb ihrem Wissensstoff gegenüber noch keineswegs ab­geschlossen unb noch lange nicht bis zu bem Punkte gelangt zu sein, an bem eine optimale Ausnutzung bes von ber Forschung Gegebenen für bie Zwecke ber Schule gewährleistet wirb. Noch ist alles im Werben; noch bleibt ein großes Maß von Arbeit zu leisten. Einen Teil bieser Arbeit wenigstens vor­zubereiten, wird auch die Aufgabe unserer pflanzen­physiologischen Unterhaltungen sein. Wo die Freude am Experiment erblüht unb bie Freube an allem, was bas Experiment zu geben hat. wirb auch auto­matisch bas'Interesse am teleologischen Spekulieren zurückgehen, bas jetzt noch hie und ba beim Schul­unterricht eine unoerbiente Rolle spielt und so viele Lehrer und Schüler daran hindert, mit eigenen sehenden Augen sich an derschönen grünen Weide" des Erforschbaren zu freuen.

Tierpsychologie und Tierschutz.

Vom 24. bis 29. September fanb in Kassel bie Herbstversammlung ber Deutschen Lanbwirtschafts- gesellschasl statt. Anläßlich bieser Tagung hielt ber Verein für Züchtungs künde eine Ver­sammlung, in ber Prof. Dr. Craemer, Direktor des Tierzucht-Institutes ber Lanbesunioersität G i e- ßen, überTierpsychologie unb Tier­schutz" einen Vortrag hielt.

Der Rebner ichilberte zunächst, wie verschieben im Laufe ber Jahrtausenbe über die tierische Psyche geurteilt worben ist. Der Hauptbegriff war der des Instinktes, durch den bie Tiere unbewußt zweck­mäßige Hanblungen von oft ganz bebeutenber Höhe verrichten, Leistungen, bie wir ja besonbers an den sozialen Insekten bemunbern. Heute aber wissen wir zunächst einmal, baß bie Stufenleiter bes ganzen geistigen Geschehens viel feiner aufgefaßt werden muh, unb baß sie unmittelbar von ber ganzen Ent­wicklung bes Gesamtneroensystems abhängig ist. Währenb bie Urtiere nur Reaktionen auf bie Reize der Außenwelt zeigen, ba sie überhaupt noch kein Nervensystem besitzen, entwickelt sich bieses mit ben aufsteigenben Gewebetier-Reihen zu ganz bestimm­ten Formen unb Anorbnungcn, unb im Kreise ber Wirbeltiere erkennen mir gegenüber bem primitiven Althirn" (Palaeenzephalon") bei ben ältesten Fischen bie Entrnicklung bes sogenanntenNeu- hirnes" (Neenzephalon") mit seiner Rinbe. Ebin - g e r in Frankfurt, ber berühmte Gehirnforscher, hat biese Verhältnisse trefflich erforscht unb be­leuchtet. Wir sehen hier bie Leistungen ber Reflexe unb Instinkte, Rezeptionen, Relationen unb Mo- tus bereu Träger das Urhirn noch ist, allmählich anfteigen zur Gnosis, dem Erkennen, ben Assozia­tionen unb ber zweckmäßigen Praxi, ber Handlung, wobei scharfe Trennungen auch gegenüber Verstan­desleistungen schließlich unmöglich werben. An Bil- bern mürbe bas Ansteigen ber Entwicklung bis zum Gehirn bes Menschen erläutert. Die Leistungen ver- schiebener Stufen hängen babei nicht nur von ber Größe unb bem Gewicht, sonbern vor allem auch von ber Oberslächengestaltung unb ber Jnnenstruk- tur ab, b. h. ber Neuronenzahl auf ben Kubikmilli­meter. Hochstehenbe Tiere vermögen auf bem Ge­biete ber Gnosien unb Praxien sehr viel zu leisten unb auch schon bis zu gewissen kinblichen Graben zu benken. In biesem Sinne waren bie Erfahrungen im Unterricht von Pferben, Hunben unb Affen hoch- grabig interessant, unb es ist tief zu bebauern, baß sie burch Torheiten ber menschlichen Psychologie nicht zur richtigen Auswirkung kamen. Was uns aber über alle 'Mitgeschöpfe erhebt, bas ist die Ent­wicklung ber Stirnlappen bes Gehirnes als Sitz ber Sprache unb bamit ber Begriffsbilbung unb logi­scher Denkfähigkeit. Doch ging auch hier bei bieser Entwicklung nach oben bem homo sapiens ber homo faber voraus, beraufgezogene Mensch", ber von Iugenb aus schließlich auch nur auf Grunb ber Assoziationen von Sinneseindrücken und einer ge­wissenDressur" sein Tagewerk verrichtet^und nur auf gewisse Eindrücke von außen, Reize, Töne und auch Schlagworte eingestellt ist. Den Sieg über alle Geschöpfe verdankt Der Mensch ber Entwicklung seines Gehirnes, boch soll ihn ber Sieg nicht hoch­mütig machen. In diesem Sinne schließt ber Rebner mit herzlichen Worten für bie Tierschutzbewegung, bie ein Ausbruck ist für ein wahres Menschentum unb Kultur bes Gemütes.

Die zahlreich erschienenen Lanbwirte folgten mit regem Interesse ben interessanten Ausführungen bes Rebners unb bankten burch starken Beifall.

am Buchkopf, wo bas Museum ebenfalls schon gegraben hatte, nach erteilter Zustimmung bes Forstamts N i b b a (Forstrat Lipp) ein Grabhügel in Angriff genommen, besten Lage im Buchenhochwald wenigstens einigermaßen Schutz vor bem Wetter gewährte. Dem Denkmalpfleger macht es Freube, hier bie Namen ber freiwilligen, eifrigen Helfer zu nennen, bie ohne Entgelt trotz bes scheußlichen Wetters mit Hacke unb Schippe ge­kommen waren, um mitzugraben. Es waren aus Ober-Lais neben Lehrer Sauer unb Förster S d) i d c b a n a: Wilhelm unb Hermann Nau­mann, Wilhelm Rack, Hermann Schöbel, Karl N i e ß, Otto Schauermann, Abolf Simon II., Karl Schäfer unb Felbschütz Häh - mel; aus Fauerbach: Otto Sier mann, Adolf unb Karl We st e r w e 11 e r.

Der untersuchte Hügel liegt 30 Meter nordwest­lich von dem früher aufgegrabenen; er erhebt sich 1,10 Meter über dem Walddoden und ist im Durch­messer 13,70 Meter lang; feine Form ist kreisrund. Er wurde von Osten nach Westen durchschnitten und förderte mehrere wertvolle Fundstückc zutage, die sich sämtlich in ber westlichen Hälfte des Hügels be­fanden; bas Skelett, zu dem sie gehörten, war voll­ständig vergangen, boch ließ sich aus ber Lage ber Beigaben feststellen, daß es sich um einen Mann handelte, dessen Leiche in nord-südlicher RiAtung, Kopf im Norden, bestattet worben war. Die tfunbe setzten sich zusammen aus einem Bronzenagel, einer Bronze nabel mit geriefeltem Hals (ber Kopf ist nicht mehr vorhanben) unb einem Bronzebolch. Alle Stücke lagen 20 Zentimeter über bem gewachsenen Grunb auf einer weißlichen Erbschicht; barüber mar bie Erde meid) unb locker. Am Dolch befanben sich noch Reste ber aus Rinde bestehenden Scheide, sowie bas oermulmte Holz bes Griffes; letzterer war genau so lang wie ber Dolch,

Oderhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

Anläßlich des von Oberstubiendircktor Bei sing er, Heppenheim an der Bergstraße, geleiteten biologischen Fortbildungskurses für Studienräte veranstaltete die Oberhessifd)e Ge­sellschaft für Ratur- und Heilkunde eine Sonder­sitzung, in Der der Vorsitzende, Professor Eer - m a k, Gelegenheit nahm, die auswärtigen Gäste unserer Tlniversität namens der Gesellschaft zu bewillkommnen und dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß, ähnlich wie schon in früheren Zeiten, wieder zwischen ihr und den Freunden der Natur­wissenschaften im weiteren Hessenlande festere Verbindungen entstehen mögen; seit jeher seien insbesondere zahlreiche heimatkundliche Beobach­tungen an dieser Stelle mitgelcilt und in den Be­richten der Gesellschaft veröffentlicht worden, und es bedarf daher nur erneuter Einladung zur Mit­arbeit und Mitgliedschaft an die auswärtigen Vertreter der Raturkunde, um diesen ursprüng­lichen Zusammenhang wieder herzustellen. Zu besonderer Freude gereiche es daher der Gesell­schaft, in dieser Sitzung auch eine kurze wissen­schaftliche Mitteilung aus dem Kreise der Gäste entgegennehmen zu können, zu der Studienrat Dr. Spilger, Bensheim, das Wort erteilt wurde.

Romens der in Gießen zur Teilnahme an dem Fortbildungskurse versammelten Studienräte bewillkommnete Dr. Spilger die Gelegenheit, wieder einmal Fühlung mit der alma water und insbesondere mit den Vertretern der Wissenschaft nehmen zu können, indem er dabei der wert­vollen Mitarbeit gedachte, die durch Sammlung namentlich heimatlicher Beobachtungen seitens der durch beobachtungsfreudige Schuler unterstützten Lehrerschaft zugunsten der Wissenschaft geleistet werden rönne und schon vielfach geleistet worden sei. Er sprach den Wunsch aus, daß die Ober- hessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in diesem Sinne ein Forum für ganz Hessen werden mochte und richtete an den Vorstand wie an die Universität die Bitte, sich für eine weitere For­derung des biologischen Unterrichts einzusehen.

Anschließend an diese allgemeinen Ausfüh­rungen sprach Dr. Spilger über eine neue Tomatenmutation unter Vorführung der lebenden Pflanze und einer Anzahl erläuternder Licht­bilder, die ähnliche Mutationen insbesondere an Exemplaren von Löwenmaul zeigten. Es handelt sich dabei um eine eigentümliche Verkümmerung der Blätter, die nicht in normaler Weise groß­flächig ausgebildet werden, sondern sich saden- und rautenförmig entwickeln und somit der Pflanze ein ganz ungewöhnliches Aussehen ver­leihen.

In einer weiteren kurzen Mitteilung sprach Professor Dr. Küster von einer im Lahntale bei Braunfels gefundenen Abnormität des Knäuelgrases (Dactylis glomerata) und erläuterte die verschiedenen Grade der zur vegetativen Or­ganbildung führenden Metamorphose. Es handelt sich dabei um die Entwicklung vegetativer Sprosse an Stellen, an denen normalerweise Blüten er­wartet werden. Indem eine oder mehrere Deck- svelzen zu besonderer Größe anwachsen und Laub- cyarakter gewinnen, tritt zunächst eine Vergrünung bereits vorliegender Organe ein. Die zweite Stufe der Metamorphose besteht üj der sogen. Prolifikation, indem an Stelle der Blüte ein vegetativer Sproß zur Entfaltung gelangt, der sich auch am Ende der primären Achse eines AehrchenS ausbilden kann. Wenn außer dem Sprotzvegetationspunlte auch noch Wurzelvege­tationspunkte ausgebildet werden, somit, wie im vorliegenden Falle, mit der nötigen gärtnerischen Vorsicht der vergrünte Sproß unter Zucht eines Stecklings zur Wurzelbildung veranlaßt werden kann, liegt eigentliche Viviparie (Lebendgebären) vor, die den dritten Grad jener Metamorphose darstellt.

Den beiden wissenschaftlichen Mitteilungen folgte ein durch Lichtbilder und Demonstrationen erläuterter Vortrag von Professor Dr. Har­ras so Witz über die B e we g ung s z o n e n der Erde als Bedingungen des Le­bens, in dem der innere Zusammenhang geo­logischer und biologischer Wandlungen aufgezeigt wurde.

Aach der Ueberzeugung der Geologen und Geophysiker erscheint die Erde aus Kugelschalen zusammengesetzt, bereu Dichte vom inneren etwa Vs des ganzen Erdhalbmessers ausmachenden Nickel-Eisenkerne von innen nach außen abnimmt, indem darum immer schwächere und zunehmend leichtere Schalen angeordnet sind, bis wir in der

verhältnismäßig sehr dünnen Erdrinde als Bau­stoffe die Sauerstoff Verbindungen der Elemente Silicium und Aluminium vorherrschend finden, zusammen mit Alkalien, Erdalkalien und Eisen. Schreibt man dem Kerne das mittlere spcz.fische Gewicht 8,5 zu, so betrag das unserer Erdkruste weniger als 2,8. An dec Oberfläche der Erdrinde nimmt die Dichte im liebergang zur Wasjerhülle und insbesondere zur Lustyulle sprunghaft ab. Auch letztere verändert sowohl ihre Dickte als auch ihre Zusammensetzung mit der Hohe. B s zu einer Höhe von etwa 10 Kilometer, innerhalb der das Gebiet des Wetters, Windes und der Wolken liegt, weist die Luft bei abnehmender Dichte die Zusammensetzung unserer Atemluft aus, Darüber hinaus nimmt ihr Reichtum an Stickstoff zu, bis oberhalb 70 Kilometer Hohe die Ausbildung einer Wasserstoffatmosphäre angenommen werden muß.

Besteht mithin im Innern der Erde wie in den Hohen der Lufthülle ein Sedimentations- gleichgewicht, dem schweigende Ruhe entspricht, so wird andererseits in einem ganz bestimmten Gürtel der Schauplatz grobsinnlich wahrnehm­barer Bewegungen und Veränderungen gegeben sein: an der Fläche (Profiten Dichteunterschiedes, an der Grenze festslüssig zu gasförmig. Hier liegen die Bewegungszonen der Erde. Dewegtm- gen des tieferen, g lut flüssigen Magmas finden hier eine Ausweichmöglichkeit und die durch die Sonne erwärmte Luft wird zu gerichteten Strö­mungen veranlaßt.

Die Ruhelosigkeit des unteren Teiles der Atmosphäre ist eine Erscheinung, die dem Be­wußtsein des Menschen täglich eingeprägt wird: anders die der festen Erdrinde, von der Erschütte­rungen und Eruptionen wohl hier und da Kunde geben, nach dem Augenmaße des Geologen trotz ihrer vom Menschen so gewaltig empfundenen Wucht indessen unbedeutend erscheinend gegen­über der immerwährenden Dauer eines Wechsels, der sich dem forschenden Geologen erschließt und über Jahrtausende hinweg dem Aeuheren der Erde immer neue Züge aufprägt. Gebirge erheben sich und werden abgetragen, Meere gehen vor und zurück, in unerschöpflicher Mannigfaltigkert cr- scheinen immer neue Bilder. Aber alle hiese Erscheinungen greifen nicht weit in das Erdinnere hinein; wie die Wellen des Ozeans nur den Wasserspiegel kräuseln und über abgrundtiefer Ruhe rauschen, so handelt es sich auch hier nur um oberflächliche Runzeln und Verschiebungen, die sich nur in eine Tiefe von rund Vso des Erd­radius erstrecken dürften. Als Folgeerscheinungen gestörten Gleichgewichtes äußern sich die Be­wegungen sowohl der festen Erdrinde wie auch der Atmosphäre in der physikalisch ähnlichen! Gestalt von Fließ- und Strömungsbewegnngen. so dcch sie im ganzen als wesensverwandt be­zeichnet werden müssen.

Aber beide Gebiete bleiben vor allem auch nicht ohne gegenseitige Beeinflussung. Die Be­wegungszone der Erde zwingt der Dewegungs- zone der Lufthülle mehr oder weniger ihren Einfluß auf. Richt nur infolge der Umdrehung der Erde, sondern auch auf Grund des auf ihr stattfindenden Wechsels von Kontinent und Ozean. Gebirge und Ebene, Gipfel und Tal. So mar­kieren sich z. B. auf einer Riederschlagskarte! die Gebirgszüge in ganz entsprechender Weise wie auf einer rein topographischen Karte, ein deutliches Zeichen für die gegenseitige Abhängig­keit beider Dewegnngszoncn, die aber auch in umgekehrtem Sinne besteht, indem innerhalb der Verwittemngszone eine Beeinflussung der Erd­rinde durch die Lufthülle stattfindet. Langsam, doch unaufhaltsam, schafft sie gewaltige Werke der Zerstörung, wovon die Schutthalden der Ge­birge wie die Salzlagerstätten beredtes Zeugnts ablegen.

In diesem Derwitterui^sgürtel der Erde nun, an der Grenze von Erdrinde, ßuft und Wasser, findet auch das Leben der Organismen seinen Raum, und so geraten Lebens- und Ver­witterungszone, Lebens- und Bewegungszonen der Erde in unmittelbare Wechselwirkung. Richt nur in der Pflanzen- und Tiergeographie spielt das Klima eine entscheidende Rolle bei Form und Verbreitung, sondern auch die Art und Weise der Verwitterung und der Charakter ihrer Er­zeugnisse sind verschieden, je nachdem, ob sie in glacialem, aridem oder humidem Klima ftatt- findet, und die Farbe des Bodens vermag dem Kundigen schon zu verraten, welcher Art das Klima über ihm ist. In chemischer Beziehung ift das Vorherrschen der Gele in der Verwitterungs­und Lebenszone außerordentlich charakteristisch; nicht nur sind Gele und kolloide Losungen die

14 Zentimeter, er hatte ovale Form unb war 4 Zentimeter breit und 2 Zentimeter dick. Das Grab gehört bemnach ber Hügelgräber-Bronzezeit, b. h. ber Mitte bes zweiten vorchristlichen Iahr- tausenbs, an.

Seinem Dank für bie geleistete Hilfe gab ber Denkmalpfleger in einem in ber Ortsgruppe Ober- Lais bes Vogelsberger Höhenclubs aehaltenen Vor­trag am folgenben iTage herzlichen Ausbruck.

II. Reimenrob (Kreis Alsfeld).

Vom 10. bis 13. März mürben bei gleich un­günstigen Witterungsverhältnisfen Grabhügel unter­sucht, bie burch Winbbruch zerstört waren unb des­halb untersucht werden mußten. Sie liegen in der Gemarkung Reimenrob, Distrikt Spielberg 7 b unb 7 a unb gehören zu einer Gruppe von 10 Hü­geln, von benen einer schon früher geöffnet worben ist, währenb anbere durch Wegbauten zerstört waren. Das Totenfeld befindet sich neben ber alten Straße (vorgeschichtlich) L i n g e l° bach Maar an einem sanft nach Südwester, ge­neigten Abhang. Forstmeister Zimmer in Gre­benau unterstützte bie Untersuchung in entgegen- tommenber Weise.

1. Grabhügel im Di st r i ft Spiel­berg 7 b. Der Tumusus erhebt sich 1,30 Meter über bem gewachsenen Boben unb hat einen Durch­messer von 10e(NS) bzw. 11 Meter (OW); er ist von einem i Meter breiten Steinkranz umgeben, auch bie Hügelwölbung ist mit Steinen belegt. Das Innere ergab folgenben Befund: Auf bem gewach­senen Grunb lag, einen Meter von bem Jnnenranb Des Steinkranzes entfernt, eine 15 Zentimeter hohe Brandschicht; darüber befand sich eine 60 Zentimeter hohe Steinpackung von gelegten Platten (Bunt- lanbftein), die drei Meter im Durchmesser maß. Mitten darin, 25 Zentimeter über ber Branbschicht,

erhoben wir eine Bronzenabel mit geriefeltem, ver­rücktem Hals, ohne besonders atisgebilbeten Kopf. Aus den Funbumstänben läßt sich also auf ein bem Uebcrgang von ber Bronze- zur Hallstattzeit an- gehörendes Grab schließen.

2. Dicht baneben, aber schon in Distrikt Spiel­berg 7a gelegen, wurde ein anderer Hügel der­selben Gruppe geöffnet, dessen höchster Punkt 1,30 Meter über dem gewachsenen Grund lag, währenb seine Durchmesser 13 (NS) unb 14 Meter (OW) betrugen. Hier fanb sich eine aus liegenden Platten fast rechteckig aufgebaute Steinpackung von 2,20:3 Meter Ausdehnung unb 55 Zentimeter Höhe; sie saß auf bem gewachsenen Grund auf unb war von einem kreisförmigen Gräbchen von 0,45 Meter Breite und 0,20 Meter Tiefe umzogen. Außer ver­kohlten Holzkeilchen wurde kein Fund gemacht.

3. Südlich neben der Straße Eifa Eulersdorf, Distrikt Langer Tannen­wald, liegen in Eulersborfer Gemarkung bei Kilometer 5,8, 6,0 und 6,2 drei Grabhügel, von denen ber erstere schon durchgraben war. Bei den beiden anderen wurden keine Funde erhoben. Sie hatten ungefähr ben gleichen Aufbau: Auf einer hanbbreithohen Sandschicht saß eine unregelmäßige Packung aus Sandstein, durchsetzt mit Kohlen- nestern; sie war 60 bzw. 90 Zentimer hoch.

III. Nieber-rNockstadt.

Eine über mehrere Monate ausgedehnte Arbeit beendete die Durchforschung des großen Grab­hügelfeldes von Nieder-Mockstabt. Es wur­den über 30 Hügel untersucht unb babei außer­ordentlich reiche und wertvolle Funde gemacht. Hierüber wird nach Durcharbeitung des Materials ein besonderer Bericht erscheinen. Das Oberhessische Museum in Gießen hat durch Zuweisung der Funde wieder eine prächtige Bereicherung erfahren.