Abrüstungssragen in Genf.
Genf, 13. Sept. (WB.) Der Abrüstungsausschuß der Dölkerbundsoersammlung beschloß einstimmig, der Vollversammlung eine Entschließung vorzulegen, durch die für den Fall, daß die internationale Abrüstungskonferenz nicht vor der nächsten Vollversammlung Zustandekommen sollte, die Einberufung einerbesonderen Konferenz zur Ausarbeitung einer internationalen Konvention zum Zweck der Kontrolle der privaten Waffenherstellung in Erwägung gezogen werden soll. Die Türkei und der Völkerbund
Genf, 13. Sept. CSU.) Wie bekannt wird, hat Ende der Woche eine Besprechung zwischen dem türkischen Gesandten in Bern und dem Mitglied der französischen Delegation L o u-- ch e u r, stattgefunden, in der Loucheur den Wunsch der französischen Regierung betonte, die Türkei innerhalb des Völkerbundes zu sehen. Herr Loucheur glaubte gleichzeitig auch die Gefühle der anderen Staaten in dieser Beziehung der Türkei gegenüber zum Ausdruck bringen zu dürfen. In türkischen Kreisen betrachtete man nach dieser Unterredung den Weg für den Eintritt der Türkei in den Völkerbund für geebnet. Ob allerdings die Regierung von Angora bereits in den nächsten Tagen einen entscheidenden Schritt unternehmen wird, ist zur Stunde noch ungeklärt.
Das Attentat auf Mussolini.
Einberufung des Parlaments. — Einführung der Todesstrafe.
Rom, 14. Sept. (TU.) Am Montag früh empfing Mussolini das Direktorium der faszistischen Partei, das ihm nahelegte, sobald wie möglich das Parlament zur Verabschiedung des im Justiz- Ministerium vorbereiteten Entwurfs über die W i e- dereinführung der Todesstrafe einberufen zu lassen. Kammerpräsident C a s e r t a n o ist am Montag früh nach Rom zurückgekehrt und von Mussolini empfangen worden. Auch T i t t o n i, der Senatspräsident, hat seinen Urlaub unterbrochen und wird am Dienstag in Rom zurückerwartet. Das neue Gesetz soll nicht nur alle Attentatsversuche gegen den König und die Minister bestrafen, sondern auch die Verschwörung gegen den faszistischen Staat unter Todes st rase stellen. Der Generaldirektor der italienischen Polizei und der Polizedirektor in Rom sind ihrer Posten enthoben worden. Eine Reche Anbänger der ertremen Parteien, darunter auch der Anarchistenführer M a l a t e st a , wurde verhaftet. Wie nunmehr von der „Agenzia Stefani" bestätigt wird, hat der Urheber des Attentats auf Mussolini bei der Verhaftung falsche Personalien angegeben. Er heißt in Wirklichket Gino Lucetti und ist 1900 in Aoenza geboren.
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In Genf hat der italienische Unterstaatssekretär des Auswärtigen G r a n d i mit B r i a n d die Frage der politischen Flüchtlinge italienischer Nationalität in Paris, die onsifaszistische Propaganda treiben und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gefährden, besprochen. Briand sicherte gewisse Maßnahmen zu und machte Grandi auf gewisse Treibereien in der Presie aufmerksam, die dazu angetan seien, die guten Beziehungen zwischen den befreundeten und benachbarten Staaten zu trüben.
Italien und Deutschland.
®enf, 14. Sept. (Wolff.) Der italienische Unter- ftcatsfefretär des Auswärtigen, Grandi, Italiens zweiter Delegierter am Völkerbund, stattete dem deutschen Außenminister Dr. S t r e s e m a n n einen Besuch ab. Nach Verlassen des Hotels Metropole erklärte Grandi, es sei nach seiner Auffassung jetzt mit den kühlen Beziehungen zwischen den beiden Landern vorbei. Stresemann habe erklärt, weder die Anschlußfrage noch eine andere brauche die Beziehungen beider Länder zu stören, und manche Frage könne von beiden Ländern gemeinsam wirkungsvoll behandelt werden.
Die Lage in Griechenland. Eine Intervention der Mächte? — Konflikt zwischen Kondylis nnd dem
Präsidenten der Republik.
Belgrad, 14. Sept. (TU.) Aach Meldungen aus Athen ist die Lage in Griechenland noch immer ungeklärt. Die Athener Zeitung „Hefpe- rini“ bringt die aufsehenerregende Meldung von einer internationalen diplomatischen Intervention zu Gunsten der Wiedereinsetzung des Königs Georg II. Nach dieser Meldung hätten sich die Regierungen von England, Iugoslavien und Rumänien bereit erklärt, bei dem Kabinett Kondylis Schritte zu unternehmen wegen einer Rückberufung des verbannten Königs auf den Thron. An zuständiger Stelle wird bestritten, daß eine derartige Intervention erfolgt sei. In royalistischen Kreisen erklärt man, daß diese Meldung von den Gegnern des Königtums verbreitet würde, um dieses zu kompromittieren. Trotzdem hält man eine derartige Intervention nicht für unwahrscheinlich.
Die mazedonischen Garnisonen sollen starke Feindseligkeit gegen die neue Regierung Kon- vhlis zeigen. Ebenso machen sich auch in anderen Teilen des Landes Bewegungen in der Armee bemerkbar. In Athen wird das Parlament mit Infanterie und Maschinenge- w ehrenbewacht. Einige royalistische Politiker smo wieder freigelassen worden. Admiral Kon - duriotis hat sich geweigert, eine Prollamation gu unterzeichnen, die General Kondylis vorbe- reitet hatte und die die Haltung der Regierung bei Unterdrückung des letzten Aufstandes rechtfertigen sollte. Admiral Konduriotis hat Athen verlassen.
Die Lage in China.
London, 13. Sept. (Amts. brit. Funkdienst.) Wenn man auch annehmen darf, daß die süd- chinesischen Truppen nunmehr S) anlau beherrschen, so befindet sich doch ein Teil von Hanjang und das Flußufer auf der anderen Seite des Pangtseflusses bei Wutschang noch in der Hand der Truppen Wupeisus Das Beschießen ausländischer Kriegsschiffe und Dampfer ist häufig, hat aber nur geringe Unfälle zur Folge gehabt. Diese Beschießungen sind zum großen Teil auf unverantwortliche Teile der Truppen zurückzuführen, ebenso aus die Abwesenheit der Kontrolle der Behörden. Soweit bekannt ist, haben die ausländischen Kriegsschille
auf diese Beschießungen nicht geantwortet. Biele Einwohner der kleinen in der Provinz Tsche- chuan gelegenen ausländischen Kolonien haben sich an Bord der britischen, amerikanischen und japanischen Schiffe begeben und dort Schutz gesucht: dagegen haben einige britische Missionsstationen erklärt, unter allen Umständen im Lande verbleiben zu wollen. Von Tschunking, wo sich eine britische Kolonie mit einigen hundert Einwohnern befindet, liegen beruhigende Rachrichten vor. Die ausländischen Konzessionen in Hankau werden ebenfalls als nicht gefährdet betrachtet.
Wie ferner amtlich mitgeteilt wird, hat die Beschießung ausländischer Schiffe in Hankau durch die Kantontruppen nachgelassen. Die Sage der Kanton-Armee hat sich durch die Kriegserklärung des Generals Suntschuanfang verschlechtert, da ihre Verbindungswege nach Süden von dem neuen Gegner ernstlich bedroht werden. Inzwischen haben sich Möglichkeiten ergeben, den Streit über die Wegnahme der zwei englischen Dampfer durch einen Unterführer Wupeisus auf dem Verhandlungswege beizulegen. Der General hat sich zur Herausgabe der Schiffe bereiterklärt.
Der Reichsfinanzmmister in Darmstadt.
Ein Reichsdarlehen für Hessen.
D a r m st a d l, 13. September. (Eigener Bericht. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold traf heule zu einem Besuche des Finanzministers Henrich hier ein. Es fand eine Besprechung im Allen Palais stall, die sich, wie verlaulet, hauptsächlich umR ü ck- erstatlung der Summe handelt, die Hessen durch die Aenderung des Verteilungsschlüssels der Ueberweisungen des Reichs an die Länder, weniger erhalten Hal, sowie um gewisse Entschädigungen Hessens für den Sleueraussall im befehlen Gebiet. Es soll eine Kommission ernannt werden, die die gesamte hessische Finanzwirtschaft einer Prüfung unterzieht. Die von Hessen benötigten Summen sollen von der Reichsregierung als Darlehen gewährt werden. 3m Anschluß an die Besprechung fand ein Essen statt im Hotel „Zur Traube", in dessen Verlaus Reichsfinanzminister Dr. Reinhold ein f)od; auf Hessen ausbrachte und in seiner Rede erwähnte, daß in Darmstadt das Elternhaus seiner Frau stehe. Nachmittags besuchten Reichsfinanzminisler Dr. Reinhold und die Mitglieder der hessischen Regierung Main; und besichtigten den Mainzer Dom. Der Reichsfinanzminister betonte bei dieser Gelegenheit wiederum, daß die Reichsregierung bereit sei, Mittel zur Erhaltung des Domes bereitzustellen. — Dr. Reinhold begibt sich im Anschluß an seine heutige Darmstadter Reise direkt in Urlaub. Er fährt zunächst nach Spanien. Seine Rückkehr wird für Mitte Oktober erwartet.
Des NeichspräsidenlenRückkehr nach Berlin.
Dietramszell, 13. Sept. (Wolff.) Die bereinigten Gemeinden Dierramszell und S ch ö n e g g ernannten gestern vormittag in feierlicher Weise Reichspräsident v. Hindenburg zum Ehrenbürger. Die Vereine der beiden Ortschaften nahmen im Schloßhof von Dietramszell Aufstellung. Die Bürgermeister, in deren Begleitung sich eine Abordnung befand, überreichten dem Reichspräsidenten die Ehrenbürgerurkunde und ^gleich ein Gemälde von dem Kunstmaler Geistler, welches Schloß Dietramszell in der Herbstlandschaft darstellt. Der Reichspräsident zeigte sich sehr erfreut über die Aufmerksamkeit und sagte, er hoffe im nächsten Jahre wiederkommen zu können. Der Reichspräsident ist dann nach München abgereift, wo auf feinen Wunsch ein offizieller Empfang nicht stattfand. Bei der Einfahrt des Zuges wurde der Reichspräsident mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Der Reichspräsident, der mehrere Male am Fenster sich zeigte, und für die Begrüßung dankte, verblieb in seinem Salonwagen. Der Reichspräsident zog die erschienen Herren, sowie eine Abordnung der 1901—1903 von ihm geführten 23. Brigade in ein längeres Gespräch. Bei der Abfahrt grüßten erneut wiederholte Hochrufe den scheidenden Reichspräsidenten, der heute abend wieder in Berlin eingetroffen ist.
Keine Einigung Zwischen den Beamtenorganisalionen.
Berlin, 13. Sept. (WB.) De Einigungsverhandlungen zwischen dem Deutschen Deamten- bund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund wurden heute fortgesetzt. In der Frage der sogenannten gemischten Verbände standen sich zwei unvereinbare Auffassungen gegenüber. Während der Deutsche Beamtenbuno den Grundsatz der reinen B e a m t e n - Organisation vertrat, verlangte der Allgemeine Deutsche Deamtenbund die Anerkennung der gemischten Verbände als gleichberechtigte Organisationsform. Der Deutsche Beamtenbund war bereit, für eine gewisse Übergangszeit Zugeständnisse zu machen. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen.
Kunst und Wissenschaft
Die Macburger 3ubiläumsspende.
Der Ausschuß für die Iubiläumsgabe zur 400-Iahrseier der Philippuniversität im Juli 1927 und der Universitätsbund Marburg erlassen einen neuerlichen Aufruf, in dem mitgeteilt wird, daß trotz der großzügigen Unterstützung, die der Ausschuß von allen Seiten erfahren habe, die Mittel für den geplanten Iubiläumsbau noch nicht voll ständig gesichert seien. Damit der Bau rechtzeitig zum Iubiläumstage fertig- gestellt werden könne, sei trotzdem am 9. Mai die Grundsteinlegung gewagt worden. Das begonnene Werk dürfe sich aber am Iubiläumstage den Freunden und Gönnern der Universität nicht als Torso, sondern als fertiges Ganzes barbieten Don den mindestens eine Million Mark betragenden Baukosten fehlten noch etwa 130 000 Mark jur Fertigstellung des Baues. Auch Spenden in Gestalt von Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen feien hoch willkommen.
Der Vorsitz des Deutschen Aeczkevereinsbundes.
Der langjährige Vorsitzende des Deutschen Aerztevereinsbundes, Geheimer Sanilätsrat Dr ®1 d p e. Leipzig, hat den Vorsitz int Bunde mit sicht auf sein Alter niedergelegt An seiner Stelle wurde vorn Geschäftsausschuß des Deut
schen Aerztevereinsbundes in Düsseldorf der bisherige stellvertretende Vorsitzende Sanitätsrat Dr. Dr. h. c. Stander, Nürnberg, gewählt.
Aus aller Welt.
Generalversammlung der deutschen Lokomotivführer.
Am Montag hat in Dortmund die vierte ordentliche Generalversammlung der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer begonnen. Die Gewerkschaft umfaßt über 70 00 Angehörige des Zugförde- rungsdienftes der Eisenbahnen Deutschlands, die 200 Delegierte aus allen Teilen des Reiches entsandt haben, um gemeinsam mit der Leitung der Organisation über Berufs-, Rechts- und Wirtschaftsfragen der deutschen Lokomotivführer und -anwärter zu beraten. Einer der brennendsten Punkte des Tagungsprogramms ist die Stellungnahme zur „Einmann- befetzung" der Lokomotiven, in deren allgemeinen Einführung die deutsche Lokomotivführerschaft die größte Gefährdung der Betriebssicherheit sieht. Ferner wird zu den Dienstdauervorschriften und zu der durch die Einführung des Gesellschastscharakters der Reichsbahn stark erschütternde Recytslage des Berufsbeamtentums Stellung genommen werden. Die Tagung wird bis zum 18. September dauern.
Deutscher Architekten- und Jngeuieur- tag.
Der 51. Deutsche Architekten- und Ingenieur- tog in Dresden, der in der Abgeordnetenversammlung je eine 90prozentige Beteiligung aller Abgeordneten der akademisch gebildeten Techniker Deutschlands aufweifen konnte, hat eine Entschließung gefaßt, in der es u. a? heißt: „Der Architekten- und Ingenieurtag tritt dafür ein, daß nunmehr beschleunigt die Begründung eines Reichsmini st eriums für Verkehr und Technik unter Zusammenfassung aller dem Reiche zustehenden technischen Arbeitsgebiete durchgeführt wirb. Er tritt weiter für die Zusammenfassung der noch heute zersplitterten technischen Arbeitsgebiete unter technischer Leitung ein. — Die Entscheidung über dos Reichsehremnal darf nicht nach politischen und einseitigen Gesichtspunkten getroffen werden. Vor der Sntscheiäma müssen die berufenen Vertretungen der Kunst und Technik Gelegenheit zur Stellungnahme und zu Vorschlägen erhalten. Der Verband beauftragt seinen Vorstand, alsbald die Einsetzung eines Ausschusses aus allen berufenen Kreisen zu fordern. Der Verbandsvorstand wurde ferner beauftragt, Schritte gegen die Auswüchse in den Amtsbezeichnungen zu unternehmen.
30. Generalversammlung des Evangelischen Bnndes.
Als Einleitung für die 30. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Dresden fand ein B-egrüßungsabend im Gewerbehaus statt, bei der Oberfonfifforialrat Superintendent Dr. Dr. Kölsch die erste Begrüßungsansprache hielt, an deren Schluß er mitfeilte, daß die gesammelte Sachsenspende als Geburtstagsgeschenk für den Evangelischen Bund 12 000 Mark betrage. Der Präsident des sächsischen evangelisch-lutherischen Landeskonsistoriums Dr. Dr. Böhme begrüßte den Evangelischen Bund im (Hamen des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes und des Landes- konsistoriums. Die Segenswünsche des Kirchenrates zu Berlin übermittelte Oberfonfiftorialrat Dr. T. Lang-Berlin. Er dankte dem Evangelischen Bund dafür, daß er unverdrossen für die evcmgelische Sache streite. Im (Hamen der evangelischen Einwohnerschaft Dresdens begrüßte Oberbürgermeister Dr. Blüh er den Bund. Als kirchlicher Laie wünschte er, daß der Bund die große und schwierige Arbeit, die die Trennung der Kirche vom Staate zeige, lösen und lebendige Kräfte entfalten möge, die Schwierigkeiten zu überwinden. Professor Dr. Herrmann begrüßte den Bund im ‘Hamen der evangelischen theologischen Fakultäten der deutschen Universitäten. Die Professoren und Studenten seien besonders auf die Arbeit des Evangelischen Bundes angewiesen. H. v. Wyngaärden sprach über die protestantische Bewegung in Holland, die einen gewaltigen Aufschwung genommen habe. 2lur durch Einigkeit könne der Protestantismus die Welt erobern.
Bundestag der Elsaß-Lothringer im Reich.
In Karlsruhe wurden die Verhandlungen des 7. Vertretertages des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer im Reiche eröffnet. Es find runb 100 Ortsgruppen vertreten. Ramens der badischen Regierung begrüßte Innenminister Remmele die Versammlung. Für die Reichsregierung sprach Ministerialrat Dr. Kneip , wobei er das lebhafte Interesse des Reichsministeriums des Innern an den Zielen und Bestrebungen des Hilfsbundes befunbete. Darauf übermittele Oberregierungsrat Löffler die Grüße des Reichsentschädigungsamtes und betonte, daß die Rachentschäd igungsaktion beinahe zu Ende geführt sei. Das Aeichsentschädi- gungsamt habe nicht kleinlich gedacht, sondern in der letzten Zeit Mittel angeforbert, die beti Reichstag auch bereitwillig zur Verfügung gestellt have. Der Redner erhofft auch für die Zukunft das enge Zusammenarbeiten zwischen Behörden und Organisation. Der Vorsitzende des Bundes, Dr. Donnevert, erstattete Bericht über das letzte Geschäftsjahr, und dementiert« gegen dir Geschäftsführung erhobene Vorwürfe. Die Zahl der Mitglieder beträgt runb 20 000. Ueber die Cnfschädigungsfrage referierte bann Pur der, ber bedauerte, daß man in der Gnt- r|Qun9^.rage noch nicht weiter gekommen sei. Er schloß mit dem Wunsche, daß die Reichsregie- rung endlich in dieser Frage Hand antegen Jolle, damit der darbenden Bevölkerung geholfen werden könne. Im badischen Kunstverein sand bann die feierliche Eröffnung der vorn Wissenschaftlichen Institut ber Elsaß-Lothringer im Reich an ber Universität Frankfurt a. M. im Verein mit Sammlungen des Dablschen Kunstvereins und einigen Privatsammlungen veranstalteten Ausstellung elsässischer Graphik ftejtoertretenbe Direktor der Badischen Kunsthalle, Dr. Curjel, hielt dabei «inen Vor- tcr?9 über die gegenseitige Befruchtung der mittelalterlichen Kunst in dem durch die Städte Straß- burg Freiburg und Basel gekennzeichneten pro- buktiven Kulturzentrum. Abends folgte ein Vor-
Msicnschaftlichen Instituts ber Elsaß-Lothringer im Reiche an der Uniberfi- Frankfurt a. M.. Geh. Regierungsrat Prof, ^r. Wolfram i-ber „Die kulturellen Wechsel- ringen“"9™ ‘d)cn Vaden und Elsaß-Loth-
Wiener Tagung des Vereins für Kommunalwirtschaft.
Die Tagung des Vereins für Kommunalwirtschaft, Sitz Berlin, an der außer Kommunalpolitikern Deutschlands, Oesterreichs, der Tschechoslowakei und Ungarns auch Reichsinnenminister Dr. Külz und Ministerialrat Keudell teilnehmen, wurde von Oberbürgermeister Dr. Lücken (Kiel) mit einer Ansprache eröffnet, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß diese Tagung dazu dienen möge, neue freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen und die bereits vorhandenen zu stärken. Sodann sprachen eine Reihe auswärtiger Vertreter, worauf nach der Erstattung des Tättgkeitsberichtes durch Generalsekretär Stein (Berlin) der Präsident des Deutschen Städtetages ein Referat über Verwaltungsreform hielt, in dem er betonte, daß die deutsche Derwaltungsreform davon ausgehe, das Verhältnis zwischen Reich, Ländern und Gemeinden so zu gestalten, daß die Erfüllung ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aufgaben den Gemeinden erhalten bliebe. Ueber dasselbe Thema sprach Magistratsbirektor Dr. Hartl (Wien) und als Wer Referent Dr. Rudolfs S-v dg ema nn (Teplih-Schonau) über die Derwaltungsreform in der Tschechoslowakei.
Die Typhusepidemie in Hannover.
Die Zahl ber Typhuserkrankungen in Hannover Ä ^.gestiegen. Der B. zufolge sind 15 Falle tödlich verlaufen. Eine dem Krankenhause Siloah gegenüber liegende Schule wurde geräumt und zur Krankenaufnahme eingerichtet. Es sollen ca. 300 Betten ausgestellt werden. Alle öffentlichen Badeanstalten in Hannover wurden geschlossen. Die Stadt hat sich an die Universitäten Frankfurt a. M., Kiel und Göttingen gewandt und von dort die Hilfe von Kapazitäten auf dem Gebiete der Infektionskrankheiten erbeten. Auch geprüfte Krankenwärter sollen von außerhalb zur Hilfe herangezogen werden.
Die Leiferder Attentäter.
Bei der Kriminalpolizei von Crimmitschau in Sachsen meldeten sich zwei Wanderburschen, die ausfagten, W al t e r W e b e r, mit dem sie am 10. August in Helmstedt bekannt geworden seien, hätte ihnen erklärt, daß er spätestens am 23. August in Berlin sein müsse, um dort 30° bis 40 000 Mark ab^uheben. Die Polizei schließt aus diesen Angaben, daß Walter Weber wahrscheinlich schon über eine Woche vor dem Leiferder Attentat Kenntnis von der beabsichtigten ver- brecherischen Tat hatte.
Wettervoraussage.
Vorwiegend heiter, nachts kühl, tagsüber ansteigende Temperaturen, wechselnde Winde, trocken.
Das Hochdruckgebiet, dessen Kern über dem Atlantischen Ozean liegt, hat seine Ausläufer bis nach Mitteleuropa ausgedehnt, so daß sich überall ein Ansteigen des Luftdruckes bemerkbar macht.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,5, Minimum 7,2 Grad CelsiuS. Riederschlage 1,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 11 Grad Celsius.
Aus der Provinzialhauptsta-t.
Gießen, den 14. September 1926.
Der Schaufenster - Wettbewerb.
Was man sonst nur selten ober überhaupt kaum sieht, kann man in diesen Tagen recht oft bemerken: Das Publikum wandert sehr sorgsam und mit gespannter Miene von einem Schaufenster zum andern und betrachtet jedes mit großer Gründlichkeit. Der Schaufenster-Wettbewerb hält alle diele Weiblein und Männlein, alle großen und noch nicht ganz großen Kinderchen in Atem, ihre Schau- enfterkontrolle bedeutet die Ausübung des Preis- :ichteramtes, das in diesem Wettbewerb ja dem Volke selber übertragen worden ist. Und nun wird eifrig amtiert, denn die vom Vvkehrsverein ausgesetzten Preise als Lohn für die befähigtesten und eifrigsten Preisrichter sind schon der Mühe wert.
Die „Abzuurteilenden", unsere Geschäfte, machen den gestrengen Richtern den Urteilsspruch nicht leicht. Alle Geschäfte haben sich Mühe, viele sogar ehraroße Mühe gegeben, um beim Urteil gut wegzukommen. Ihnen winkt für ihre Taten ja nicht etwa die Ostanlage ober Butzbach, sondern sie ollen durch den Spruch des Volksgerichts geehrt und vom Derkehrsverein mit Diplomen ausgezeichnet werden. Und im Hinblick darauf die An- trengungen bei den Taten, durch die ganz oortreff- liche Wirkungen auf unser Straßenbild ausgelöst wurden.
Es soll nicht ber Zweck dieser Zeilen fein, heute schon zu sagen, was unserer Meinung nach als die besten Taten anzusprechen wäre. In ein chwebendes Verfahren des Gerichts, auch dieses Volks-Preisgerichts, soll man nicht eingreifen. Das Publikum als hoher Gerichtshof möge nur ckwn allein urteilen. Wir wollen heute nur in Stoßen Strichen festhalten, was alles getan und an geistiger unb materieller Kraft aufgeboten! woroen ist, um vor den Richtern eine gute Figur nuufjen zu können. Vor allem hat man sich nahezu überall in den Schaufenstern in lobenswerter Weise ber Blumen bedient unb damit einer ber Grundlagen dieser Werbewoche gebührend Rechnung getragen; die Verwendung der Kinder Floras ist in gar mannigfaltiger Art erfolgt. Daneben hat man alle möglichen ® eg en- i ä n b c des täglichen unb auch des nicht alltäglichen Bedarfs, ferner Dinge, die mancher im ganzen Leben nur einmal oder paarmal, ober aber überhaupt nicht in Besitz bekommt, zur Herrichtung des Schaufensterbildes benutzt. Diese Reichhaltigkeit der angewandten Mittel ist begrüßenswert, denn selbstverständlich ist nicht die Besitz- und Gebrauchsmöglichkeit des Gegenstandes für den einzelnen Zeitgenossen maßgebend, sondern allein nur, daß dieser Gegenstand überhaupt im Leben ber Menschheit Raum und Zweck hat. Unb nun der Ausbau bzw. die Anwendung der Mittel. Da sieht man, daß unsere Kaufleute große Erfindungsgabe besitzen unb zum großen Teil auch beachtenswerten Geschmack zu entwickeln verstehen. In Einzelheiten sei aus den oben angeführten Gründen hier nicht eingegangen, in ber Gesamtheit ist aber zu sagen, daß hier gut unb sehr eindrucksvoll gezeigt wirb, daß nicht nur die Großstadt, „ sondern auch die M i 11 e I ft a b t ganz Tüchtiges in der Schausensterauf- machung und mithin auch im Warenlager zu bieten vermag. Das lobenswerte, von ernstem


