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Lasser weich gekocht. Darauf gieht man sic ab und reibt sie durch ein Sieb. Inzwischen hat man eine gute Bechamelsoße mit reichlich Butter hergestellt, die mit Pfeffer. Zucker und Muskatnuß abgeschmeckt, dann mit den: Stachel­beerbrei vermischt wird. Dies wird alles auf ge­lindem Feuer gut verrührt, so daß eine dickliche, Ziemlich saure Soße entsteht, die mit etwas Sauerampfer- oder Spinatsaft grün gefärbt wird.

Stach cldeerauflauf.

P/3 Pfund unreife, vorgeputzte Stachelbeeren werden mit Wasser einmal aufgekocht und, nach­dem das Kochwasser abgegossen ist, mit einer Tasse Weißwein, 200 Gramm Zucker, etwas Zimt oder Vanille und Zitronenschale völlig weich gekocht und durch ein Sieb gestrichen. Zuvor hat man 200 Gramm seines Mehl und ebensoviel Butter in ' Liter Milch zu einem leisen Brei verkocht. Wenn dieser ausgekühlt st, mischt man 8 Eigelb darunter, die man mit 200 Gramm Zucker schaumig gerührt hat, fügt roch etwas Zitronenschale sowie unter sorg­fältigem Bühren den Stachelbeerbrei und den Lierschnee hinzu. In einer gut gebutterten Form wird der Auflauf eine Stunde gebacken und gut mit Zucker bestreut sofort auf den Tisch ge­geben, V

Stachelbeer-Charlotte.

P/2 Psund unreifer, vorbereiteter Stachel­beeren werden mit dem gleichen Gewicht Zucker zu Brei verkocht und durch ein Sieb gegeben. Mit Löffelbiskuit legt man eine glatte, runde Form aus und gibt den Brei darüber, bedeckt ihn, nachdem man itzn glattgestrichen hat, mit einer zweiten Schicht Biskuit, legt einen be­schwerten Deckel aus, damit die durch den Safi aufquellenden Biskuits nicht aus der Form fallen, und stellt diese über Nacht aus. Gis. Am andern Tage stürzt man die Speise und reicht sie mit Schlagsahne.

Stachelbeerpudding.

Die gut vorbereiteten Stachelbeeren werden weich gekocht in einem Gefäß im Wasserbade mit wenig Wasser, durch ein Sieb gerührt und der Fruchtbrei wird mit 50 Gramm Butter. 200 Gramm feinem Zucker und einigen Löffel geriebenem Zwieback gut verrührt. Zuletzt wird der feste Schnee der Eier untergezogen, die Masse nochmals nach Geschmack gesüßt und in einer gut vorbereiteten Puddingform eine Stunde gekocht. Man bestreut den Pudding reichlich mit Zucker und verspeist ihn ohne Soße.

Das teuere Hessen.

0 Wie wir hören, hot die Industrie - und Handelskammer Mainz bei dem hessischen Justizministerium den Antrag gestellt, die Geb ü h- r e n der Gerichtsvollzieher für d i e Aufnahme von W e ch s e l p r o t e st e n zu er­mäßigen. Ein Vergleich der z. Z. in Hessen er- hobenen Gebühren mit den von Preußen, Bayern und Baden erhobenen ergibt folgendes Bild.

Die Gebühr beträgt bei einer Wechselhöhe von in Hessen Preußen Bayern Baden

50 JLK 2. JUt 1. 5UC 1. JLK 1. -

200 2. 2- L . 1.80

300 X- . 2.50 . 1 - . 2.40

500 5.- , 3. . 1.- . 3.60

1000 10.- 4. 1. 5.

2 000 15. 6. 2. . 7.

3 000 . 20. . 8. 3. 9. ,

4 000 22.50 10. 4. , 10.-

5000 25. 11.- 5. 11.- ,

10000 ., 37.50 16.- 10. 14.-

Postautolinie GietzenKleebachtol.

O Aus dem Kleebachtal, 12. Juli. Die Wunsche aus dem Kleebachtol noch eter alsbal­digen Eröffnung der K r a f t p o st Gie­ßen Niederkleen werden immer lauter. Die Einwohner des Kleebachtales hotten nach Bekannt- werden der Genehmigung der Linie durch dos Reichspostministerium damit gerechnet, daß diese in Kürze eröffnet würde. Es ist inzwischen geraume Zeit verstrichen, ohne daß die Eröffnung erfolgte. Dem Vernehmen nach sollen alle Vorbereitungen für die Inbetriebsetzung getroffen sein, und es soll nur noch an der Gestellung des Wagens mangeln. Da nun, Zeitungsnachrichten zufolge, in letzter Zeit verschiedene Autolinien der Reichspost wegen Un­wirtschaftlichkeit eingestellt worden sind, sollte man annehmen, daß die Postoerwaltung einen der hier­durch freigewordenen Wagen für die Linie GießenKleebachtol zur Verfügung stellen könnte.

Maurer

Von Fritz Müller, Partenklrchen.

So leicht vergesse ich die erste Mathemotikstunde nicht. Der Professor kam hereingeschossen wie zu einem Sturmangriff. Aus einem verknitterten Ge­sicht sah ein böses Auge:Ich weiß es," schrillte er,Mathematik liebt man nicht. Ich seh 's euch an, am liebsten tilgtet ihr sie au sdem Stundenplan. Weil sie unbequem ist. Weil sie alle anderen Fächer überragt. Was ist Deutscher Aufsatz? Phrasen­drescherei. Was ist Geschichte? Kaleidoskop für Kinder. Was ist Geographie? Flüsse, welche heute so und morgen anders laufen.

Bestand allein hat meine Wissenschaft! Was sind Lehrer anderer Fächer? Maurer, bestenfalls Par­liere. Der Machematiker allein ist Architekt. In das Herz der Dinge sieht er, unerbittlich ist er der Erste in der ersten Bank: begreifft du das?"

Nein", sagte der Hausmann.

Hab' ich mir gedacht," höhnte der Schrillende, .der Zweite in der dritten Bank: Verstehst es du?"

Ja", sagte der Schwegerl.

Der Schrille wurde milder:Doch einer. Kinder, joltet fest: Wenn ihr heute vor den Richterstuhl des Höchsten trätet, und er fragte euch: .Was ist ge- miß?' was gäbst du ihm zur Antwort, Haus­mann?"

Nnichts", sagte Hausmann.

Hab' ich mir aedacht. Und was gäbst du zur Antwort, Schwegerl?"

Die Machematik."

Schön nun wollen wir ins Reich der Zahl cintreten, wo die Logik herrscht und jeder Irrtum ausgeschlossen ist. Alles lügt, nur wer lügt nicht, Hausmann?"

I-ich."

Unsinn!"

Sie."

Blödsinn! Schwegerl, wer lügt nicht?"

Die Zahl." (

Gut, Schwegerl, lies die Regeldetri-Aufgabe auf Seite dreizehn."

300 Maurer bauen einen Palast in 270 Tagen beinpunftünbiger Arheitszit, Wieviel Maurer bauen den gleichen Palast tn 30 Tagen bei zehnstündiger Arbeitszeit?"

Erhaltet Zeppelins Werk!

Von Dr. Hugo Eckener, Friedrichshafen.

Nachdem durch freiwillige Beiträge aus allen Kreisen der deutschen Bevölkerung seit dem Herbst vorigen Jahres schon ein sehr ansehnlicher Teil der Mittel zusammengebracht worden ist, die es dem Zeppelin-Bau ermöglichen sollen, den Betrieb der Friedrichshafener Werst aufrechtzuerhalten und daS Werk des Grafen Zeppelin fortzuführen, wenden wir uns heute zum letzten Riale an alle Deutschen mit der Bitte um Hilfe, damit der Zeppelin-Bau nicht gezwungen wird, auf halbem Wege stehen zu blei­ben und das Begonnene unvollendet zu lassen.

Das Ziel unserer Arbeit ist in Vorträgen und Zeitungsaufsätzen so oft und eingehend dargelegt worden, daß ich mich heute, kurz vor Beginn der Reichssammelwoche, die in den Tagen vom 11. bis 18. Juli d. I. abgehalten wird, darauf beschränken kann, das Wesentliche noch einmal kurz hervorzu- heben.

Vor allem ist es notwendig, die Arbeit auf der Zeppelin-Werft in Gang zu halten, damit das dort arbeitende Personal, Ingenieure wie Arbeiter, eine lohnende und befriedigende Beschäftigung finden kann und nicht genötigt wird, sich nach anderen Stel­lungen umzusehen. Ginge das Personal der Fried­richshafener Werft verloren, so durfte es kaum ge­lingen, eine so bis ins letzte geschulte Arbeiterschaft von Spezialtechnikern und Facharbeitern jemals wie­der zusommenzubringen. Die aanze Schöpfung des Grafen Zeppelin mußte bestenfalls, wenn das über­haupt noch möglich wäre, in einem späteren Zeit­punkt von Anfang an neu aufgebaut werden. Fünf­undzwanzig Jahre zielbewußter Arbeit wären fast nutzlos vertan, da sich das Ausland, das heute noch die unbedingte Ueberlegenheit des deutschen Luft­schiffbaus anerkennen muß, inzwischen die Früchte deutschen Erfindergeistes und deutscher Technik auf diesem Gebiete nutzbar zu machen verstanden haben würde. Hieraus ergibt sich, daß die Arbeit in Fried- richshafen auch nicht vorübergehend unterbrochen werden darf, wenn Deutschland die Weltführung im Luftschiffbau behalten will.

Aber nicht nur den Luftschiffbau selbst, sondern auch die Ziese, denen er dient, müßten wir aufgeben, wenn es nicht gelingen sollte, den Bestand der Fried­richshafener Werft zu sichern. Durch die Zeitungen gingen in der letzten Zeit wiederholt Nachrichten über die Weltiuftverkehrspläne, die auch im Aus­land erwogen werden. Der Wunsch und das Streben unserer Zeit geht dahin, große Entfernungen im Fluge zu überbrücken. Dem Weltluftverkehr gehört unzweifelhaft die Zukunft. Die Fahrt des Z. R. III hat gezeigt, daß wir Deutsche noch den Vorsprung vor anderen Völkern auf diesem Gebiete besitzen. Diesen Vorsprung und damit die Führung werden wir aber nur behalten, wenn wir ihn auch durch un­unterbrochene praktische Betätigung ausnutzen kön- nen. Wer rastet, der rostet! Das gilt, wenn irgendwo, auf dem Felde der Betätigung im Luftverkehr.

Es handelt sich hier nicht allein um eine mate­rielle, sondern in erster Linie auch um eine kulturelle Frage, die das deutsche Volk in ihrer vollen Be­deutung erkennen muß. Ein Volk, das als mitfüh- renbe Kulturnation auftreten will, muß führenb auch auf dem Gebiete der Luftfahrt ooranschreiten. Uns Deutschen ist es verwehrt, Machtmittel in die Wag- schale zu werfen und die Welt und ihre Geschicke politisch in entscheidender Weise zu beeinflussen. Aber es steht uns frei, da, wo Kulturschlachten geschlagen werden, getreu dem Geiste unserer Väter und Vor­väter uns mit den anderen führenden Völkern zu messen und hier die Siege zu erringen, die die Dor- bedingung für unsere künftige Weltgeltung sein werden.

Gerade auf dem Gebiete der Luftfahrt sind wir durch die unlängst gefaßten Pariser Beschlüsse frei geworden, und mir haben nunmehr zu zeigen, daß wir diese Freiheit zu nutzen entschlossen sind trotz aller Not, ja gerade um dieser Not willen.

Als bekannt darf ich voraussetzen, daß die Mittel, die durch die Dolksspende aufgebracht werden, nicht dem Zeppelinbau als wirtschaftlichem Unternehmen zufließen, sondern ledialich zum Bau eines neuen Luftschiffes bestimmt sind, mit dem das Problem des Luftschiffverkehrs in entscheidender Weise geför­dert und gelöst werden soll. Die Verwaltung der Spende untersteht einem besonderen Kuratorium, das über deren Verwendung im einzelnen entscheidet.

Die führenden Männer aber in Friedrichshafen, einst Mitarbeiter des Grafen Zeppelin und nun die Vollstrecker seiner Ideen, fühlen sich nur als aus- führende Organe, die das Werk, dos Graf Zeppelin dem deutschen Volke hinterlassen hat, und das, aus

Hausmann, weißt du, wie man dos heraus­bringt?"

Man man probiert 's."

Was probiert man?"

Das Bauen."

Rettungslos! Schwegerl, an die Tafel, zeig 's ihm."

Der Schwegerl zeigte es ih man der Tafel mit hageldichten Kreideziffern: 2430 Maurer.

Siehst du, Hausmann, so was braucht man nicht probieren, so was macht man aus dem Hand­gelenk und haargenau mit Zahlen, die"

..nicht lügen", ergänzte Hausmann gehorsam, aber mit einem heimlichen Zwinkern in den Augen. Darf ich noch was fragen, Herr Professor?"

Frage!"

M u ß das Resultat bei allen eingesetzten Zahlen stimmen?"

Wie oft muß ich dir noch sagen: Zahlen irren nicht!"

..Und wenn man den Palast In einem Tag bauen wollte, Herr Professor?"

So braucht man eben so viel Leute mehr. Ein­mal wirst du's doch begreifen an die Tafel!"

Hausmann ging an die Tafel, rechnete und ver­kündete:In einem Tag wird der Palast gebaut von 72 900 Maurern."

Stimmt", sagte Schwegert

Hm!" sagte der Professor.

Schwegerls Kreide hagelte:1 458 00 Maurer", verkündete er.

Darf ich noch was fragen, Herr Professor?" sagte der Hausmann scheinheilig.

Wir kommen jetzt zu anderen Dingen," sagte der Professor eilig.

Ob ich noch was fragen darf?" beharrte der Hausmann.

Die ewige Fragerei! was noch?"

3n der Geschichte haben wir gehabt, daß an einer ägyptischen Pyramide oft viele Königsge- schlechter gebaut haben."

Na, und?"

Wenn an unserem Palast 450 Jahre gebaut worden wäre, kann man da auch die Maurer­anzahl ?"

Natürlich kann man wir kommen jetzt zur Ketterechnung, Kinder "

der Echterdinger «pende errichtet, längst nationales Eigentum ist, weiter auszubaucn und zur Vollendung zu führen haben. Eingedenk jener schönen Kund­gebung des großen Pioniers der Luftschiffahrt, die er an sei/c deutschen Zeitgenossen richtete:lind darum sollen meine Worte mein Testament bedeuten, mit dem ich dem deutschen Volke vermache, was ich bis dahin schaffen durfte, auf daß es sich die Seg­nungen herausholen möge, die ihm darin noch schlummern." Will das deutsche Volk diese hohe Auf­gabe den Friedrichshafener Erben und Sachwaltern anuertrauen und ihnen mithelfend auch die Mittel an die Hand geben, diese Aufgabe zu erfüllen, so ist das für sie der schönste Lohn, den sie für sich und ihre Sorgen um Zeppelins Vermächtnis erhoffen durften. Denn nur der Dienst und die Arbeit für eine Idee, für eine Sache macht das Leben groß und lebenswert dem einzelnen, wie dem ganzen Volke.

Deutschland und Abessinien.

In der englischen Presse herrscht einige Auf­regung darüber, daß es die deutsche Reichsregie' rung für geboten erachtet hat, bei der Londoner Regierung weniger nach dem Inhalt als nach den Zielen des englisch-italienischen Abessinien-Bertrages sich zu erkundi­gen. Der Schritt des deutschen Botschafters ist vielfach so dargestellt worden, als habe Deutsch­land die Absicht, sich zwischen Italien und Eng­land einzuschalten oder sich gar an Frankreich, das bekanntlich mit den Vorgängen in Abessinien höchst unzufrieden ist, anzulehnen mit dem End­ergebnis. aus dem Vertrag ein bedeutsames Streitobjekt zu machen und eventuell die italie­nisch-englischen Pläne zu durchkreuzen. Ganz so steht die Angelegenheit nicht. Wie erinnerlich, ist im Jahre 1906 ein Vertrag zwischen England. Frankreich und Italien abgeschlossen worden, der den Grundsatz der offenen Tür für alle Mächte in Abessinien vorsah. Dieser Grundsatz schien erschüttert, darum wurde die Reichsregie- rung in London vorstellig.

Die Vervosität der Engländer zeigt aber doch, daß man tn England befürchtet, Deutschland könne vielleicht zu einem unangenehmen Zwischenspieler werden und das Mißtrauen Frankreichs benutzen, für sich Vorteile irgendwelcher Art herauszu­schlagen. Dabet denlen die Engländer in erster Linie an die Kolonien, weil sie nun einmal nicht den eroberten Besitz bzw. das ihnen als Völker­bundsmandat übertragene Territorium wieder herausgeben wollen. Sie wollen überhaupt nicht, daß Deutschland sich jemals wieder kolonisatorisch betätigt, sondern dulden lieber die Kolonialpolitik Mussolinis, obwohl sie sich eine Zeitlang auch auf das ehemalige Dcutsch-Ostafrika, jetzt eng­lisches Gebiet, erstreckte. Der Londoner Regierung ist es aber gelungen, die Italiener mit dein Abcssintenvertrag zufriedenzustellen und im übri­gen Mussolini in Rordafrika freie Hand zu lassen, also gerade dort, wo Frankreichs Interessen be­sonders fest verankert sind. Frankreich, England und Italien mögen sehen, wie sie miteinander ins Reine kommen. Deutschland spielt lediglich die Rolle eines interessierten Zuschauers, ebenso auch die Reichsregierung, die nicht im entfern­testen daran denkt, zwischen den Vertragsparteien hin und her zu lavieren.

Ganz unabhängig von dieser Einstellung ist selbstverständlich unsere Forderung nach kolonialem Besitz, deren Erfüllung uns erst vor gar nicht allzu langer Zeit in Locarno in Aussicht gestellt worden ist. Wehren mutz sich dagegen die Reichsregierung, gerade unter Zu­grundelegung der uns gemachten Versprechun­gen, daß Italien und England womöglich in Abessinien eine Lage schassen, die gegen den Grundsatz des Vertrages von 1906 versÄßt und uns aus Abessinien aus schließt, ob­wohl auch uns vertraglich und rechtlich die offene Tür zusteht. Die Vorstellungen des deut­schen Botschafters haben hierüber Klarheit gebracht, es ist ihm von der Londoner Regierung die bestimmte Versicherung gegeben worden, daß her Vertrag lediglich bezwecke. - Italien in West- Abessinien keine Konkurrenz zu machen und eng­lische Konzessionsgesuche nicht zu unterstützen. Diese Erklärung hat die Reichsregierimg.be- friedigt, womit das Interesse des amtlichen Deutschlands am Abessinien-Vertrag erschöpft ist. Auch die englische Presse dürfte inzwischen über die Gründe der deutschen Vorstellungen unter­richtet worden sein, so daß die ungerechtfertigten Angriffe wohl bald eingestellt werden dürften.

Können wir nicht vorher die 450 Jahre?"

Ich hab's!" schrie der Schwegerl, der's schon vorgerechnet hatte,der Palast würde in 450 Jah­ren von von" Er stockte.

Hausmann sah ihm ins Heft und ergänzte ehern: von 0,5 Maurern gebaut werden."

Der Professor wurde nervös. Gut, daß es läutete.

Was der Hausmann und der Schwegerl in der Pause miteinander disputierten, ist eine Geschichte für sich. Nur meinen Traum in dieser Nacht muß ich noch erzählen.

An einem Palast sah ich 1 458 000 Maurer bauen. Sie wuhrlten durcheinander, üebersinandcr, übereinander. Sie traten einander auf die Hühner­augen. Sie schrien und schwangen ihre Mörtelkellen. Ein furchtbarer Kampf drohte auszubrechen. Da er­schien auf einmal ein einziger Maurer, nein, ein halber Maurer. Einer mit der oberen Hälfte, sonst hätte er nicht seine Stimme erheben können:Friede sei mit euch. Ich komme euch zu künden, daß der Pharao leinen Sinn geändert hat. Ihr seid ent­lassen. Ich allein werde den Bau ausführen."

Wie!" brüllten die anderthalb Millionen Mau­rer,du du allein?"

Ja, ich kann in der nüu bewilligten Bauzeit dasselbe leisten, wie ihr alle zusammen."

Er ist verrückt total verrückt!" rollte es durch die anderthalb Millionen.

Ich bin nicht verrückt,"sagte gemessen der halbe Maurer,ein Mann aus dem Westen ist zum Pha­rao gekommen und hat es ihm berechnet."

Wo wo ist die Rechnung?" rief es durch­einander.

Da hob der halbe Maurer ein Blatt Papier in die Höhe. Ich konnte es im Traume deutlich sehen. Unsere letzte Regedtri-Ausgabe stand darauf.

Da ergriff die anderthalb Millionen Maurer ein fürchterlicher Zorn und sie erhoben sich und

Gut, daß die Mutter mich gerade weckte.

Frankfurter Theater.

Unter her Leitung Direktor Müller-Wie­lands hat in der Oper die Sommerspielzeit be­gonnen mit der OperetteAdrienne" von Walter W. Goehe. Er bringt dankenswerter Weise den Frankfurtern keinTheatersaison- A^sverüMssstuck" wie daS um die schöne Sommer-

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

f. Klein-Linden, 13. Juli. Am Sonn­tag veranstaltete die Iugendgruppe des Raturheilvereins Gießen im Saale zur Deutschen Eiche" einen Ll n t e r Haltungs­abend. Das Programm brachte Volkstänze. Vorträge in oberhessischer Mundart, Musikvor- iräge und einige Theateraufführungen. Letztere wurden flott gespielt, wie man überhaupt die ganze Veranaltung als sehr anregend und gut verlausen bezeichnen konnte. Der Besuch hätte allerdings besser sein können.

t Aus de in nördlichen Kreise Gie­ßen, 13. Juli. Die starken Regengüsse und das wanne Wetter haben das Unkraut in den Hackfrüchten im Wachstum sehr begünstigt. In der vorausgegangenen Heuernte, die alle Kräfte in Anspruch nahm unterblieb bei vielen Aeckern das Durchstreichen mit dem Häufelpflug. Das Linkraut ist infolgedessen auf solchen Aeckern größer als die Dickwurzpflanzen. Vergangene Woche sah man nun überall fleißige Hände beim Ausrupfen des Llnkrautes. Die Sonnen» Periode erlaubt nun den Dauern das Hacken und damit einer einfachen und raschen Bekämpfung der Verunkrautung, bei der die Sonne einen großen Teil der Arbeit durch Kraft tut. Das Getreide steht sehr gut, bet starkge- Mtngten Aeckern gab es viele Lagerftucht.

v. Londorf, 13. Juli. Am Sonntagabend hielt Landwirtschaftsrat Dr. S e l z e r von der landwirtschaftlichen Schule zu Grünberg nach einem Rachmittagsrundgang durch die hiesige Gemarkung einen sehr lehrreichen, gemeiiwer- ständlichen Vortrag über Düngung, be­sonders über Kalkdüngung. In der anregenden Aussprache beantwortete der Vortrageitde eine große Anzahl Fragen in belehrender Weise.

- Saasen, 13. Juli. In der Rächt zum Sonntag rissen dumme Iungenhqnde den 3aim eines Hausgartens eines Ortsbewohners um. Beim Versuch, den Zaun wieder aufzurichten, ' bi ß sich ein zu Hilfe herbeigeholter junged Mensch f a st die Z unge ab , so daß er Hilf« in der Klinik in Gießen suchen mußte.

* Langsdorf, 13. Juli. Ein seltener Kunstgenuß wurde am Sonntagnachmittag in der hiesigen Kirche geboten. Organist Fritz aus Offenbach, ein geborener Langsdörfer, gab mit seinem Sohne ein Orgelkonzert zum Besten des Orgelbaufonds. In einem einleitenden Vortrag teilte er das Wichtigste über die Einrichtung der neuen, von der Firma! Förster & Rikolaus in Lich erbauten Orgel mit, und führte dann durch passende Erläuterungen in das Wesen seiner Orgelvorträge ein. Mit der herrlichen Tokkata und Fuge in v-Moll von I. S. Bach beginnend, spielte er einige Choral­vorspiele alter Meister wie Walther, Pachelbel und Böhm und Mendelsohns Sonate in E-OItoH. Von modernen Komponisten waren Malling, Re­ger und Guilmant vertreten. Das Programm war abwechslungsreich und feinsinnig zusammen- gestellt, und in der Ausführung der einzelnen Rummern zeigte sich Herr Fritz als Meister seines Instruments. Sowohl seine Technik, wie seine Registrierkunst waren bewundernswerte Herr Fri h j u n. zeigte durch den Vortrag des 1. Sat- zes des O-Moll-Konzerts von Händel und der Idylle von Rheinberger, daß er das musikalische Talent feines Vaters geerbt hat, und bereits auf einer hohen Stufe künstlerischen Könnens ange­langt ist. Die beiden Darbietenden haben einer zahlreichen Gemeinde weihevolle Stunden berei­tet; sür diese und für ihre uneigennützige Tätig­keit ist man ihnen hier herzlich dankbar.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 13. Juli. Auch das drifte der von Professor K. Schmidt in diesem Schul­jahre veranstalteten Schülerkonzerte der Augustinerschule bot den Zuhörern einen erlesenen Genuß. Als Solisten traten Rudolf Schütt auf, Soloflötist des Frankfurter Sin­fonieorchesters, sowie Frau Ida Ratorp von Mülheim (eine Schwester des Veranstalters). Die Sonate von Beethoven op. 17 für Pianoforte und Flöte, eine Suite von Dach für Flöte mit Cembalo, sowie eine Suite von Godard für Flöte bildeten die Programmpunkte des So­listen, Frau Ratorp sang vier Lieder von Mendelssohn, sowie eine Arie von Dach, letztere mit obligater Flöte, die Begleitung lag in den Händen von Prof. Dr. K. Schmidt. Auch

zeit meist der Brauch ist, sondern eine voll­wertige, musikalisch jenseits der modernen Ober­flächlichkeit stehende Operette, die in ihrer or­chestralen Bearbeitung stellenweise an die Spiel­oper gemahnt. Im Vordergrund der von Por- des-Milo und Günther Bibo verfaßten Hand­lung steht die historische Persönlichkeit der Adrienne Lecouvreur von der Comedie Fran- caise ihreeinzige Caprice ist ihr cher, Petit Maurice", nämlich der tolle Herzog Moritz von Sachsen. Ihrem geliebten Morrtz verdirbt sie die aus Ehrgeiz ersehnte Heirat mit der verwit­weten Herzogin Anna Iwanowna von Kurland, einer sehr forschen, stets branntweindurstigen Dame, die dem Grundsatz huldigt:Was der Mensch braucht, nruß et haben!" Der gute Mo­ritz steht zwischen beiden, es zieht ihn nach rechts, es zieht ihn nach links, aber Anna gibt ihm den Laufpaß und so wird er anstatt Herzog von Kurland, Marschall von Frankreich, Anna macht den Baron v. Kayserling zum Vertrauten ihres Herzens und nur der arme Tänzer Fleury geht leer aus. Das leichtbeschwingte, farbenfreudige Rokoko bildet den prächtigen Hintergrund zu dieser Operette und gibt Anlaß zu entzückenden Kostümen. Die Darstellung unter der Regie Alois Resnis. der diesmal nur in einer kleinen Rolle seinen Humor entfalten konnte, war ausgezeichnet und holte alle Spielmögiich- leiten aus dem an und für sich famösen En­semble heraus. Mimi Brix (vom vorigen Sommer her in bester Erinnerung) war eine äußerst temperamentvolle kurländische Herzogin, sie sprühte nur so von Einfällen. Martha Se- r ä k sah blendend aus als Adrienne und wußte schöne Stimmittel zu entfalten, ebenso Walter I a n k u h n als eleganter Moritz von Sachsen. Alfred Marwilsky gab dem Tänzer Fleury ausdrucksvolle Geschmeidigkeit und Alfred Scher- zer belebte die Episodenrolle eines Geheim­sekretärs. Das Publikum hatte seine Helle Freude an dem Werk, der Potsdamer Marsch muhte allein viermal wiederholt werden. Der Kom­ponist Walter Goehe, Günther Bibo und Franz Schönbaumsfeld, der die musikalische Lei­tung des Abends hatte, muhten sich wiedech« auf der Buhne zeigen. L. W.

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