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Krj62 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen-

iiültwodj, H- Juli 1926

Aus dem Reiche der Frau

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Freitag, IG. Juli, abenbt- S U6r, im Slngfaal der Cbct- realschnie'.

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Der FamilicnauS- rlug am Sonntag, 18. Juli,ist nach der KM Dortselbst, ab 3 Ubr. AinderiPteleu^L-

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hitzte Milch darf im Haushalt nicht ein zweites Mal aufgekocht werden, sorrdern wird nur gleich abgekühlt und kühl aufbewahrt. Sie ist in einem Deckelgefäß in kühlem Raum aufzubewahren. Wo nur eine Speisekammer zur Verfügung steht, die schlecht kühl zu halten ist, empfiehlt es sich, das Gesäß mit der Milch in eine Schale mit kaltem Wasser zu stellen. Auf peinlichste Sauber­keit beim Reinigen von Flasche und Sauger ist zu achten vor dem Füllen der Flasche Hände waschen. Die trinkfertige Milch darf nie in der heißen Küche stehen bleiben. Haferschleim und ähnliche Zusätze müssen im Sommer täglich neu gekocht werden. Kommt es trotz aller Vorsicht vor, daß die Milch sauer wird, dann kann ohne Gefahr die saure Milch gegeben werden, wenn frische Milch nicht beschafft werden kann. Saure Milch ist nicht verdorbene Milch. Aengstliche Mütter können auch die Mahlzeit aussallen las­sen und statt der Flasche mit Sacharin ge­süßten Tee oder abgekochtes Wasser geben, be­sonders dann, wenn das Kind schon nicht sehr große Trinklust zeigt. Es ist nicht richtig, ein sonst gut gedeihendes Kind zum Trinken zu zwingen, wenn es bei heißem Wetter einmal aus Appetitlosigkeit oder Anbehagen die Flasche verweigert. Man biete die Rahrung dann nach 12 mal in Pausen an; hat man damit keinen Erfolg, so lasse man ruhig die Mahlzeit fort und gebe dem Kind, wenn es später unruhig wird, gegen den Durst etwas Tee. Auch Säug­linge und Kleinkinder können bei der Hitze Durst empfinden. Es ist besser, den Säugling während der Hitze in der Ernährung knapp zu halten, als ihn zu überfüttern: die Gefahren einer Er­nährungsstörung sind dann weit geringer. Tre- ten doch einmal plötzlich zahlreiche Durchfälle aus, so legt man eine Teepause ein. d. h. keine Milch geben, sondern nur Tee in reichlichen Mengen und soviel das Kind trinken will; wie lange, entscheidet am besten der Arzt oder die Fürsorgeschwester, die man gleich zu Rate ziehen sollte, um das Aebel möglichst rasch zu beseitigen. Wie ost hört man im Sommer auch die Mutter über Appetitlosigkeit beim Kleinkind klagen. 3ft das verwunderlich? Man braucht darin wirklich nicht gleich ein Krankheitssymptom zu sehen. Die Eßlust wird sich sicher bald wieder einstellen. Diel erreichen kann man meist schon damit, daß man die Art der Ernährung ein wenig ändert. Weniger Mahlzeiten, drei bis vier am Tag ge­nügen. Kalte Suppen oder Mehlspeisen, Gemüse, Kompott (besser als schlecht gewaschenes, frisches Obst) und Fruchtsäfte sind zu empfehlen Rervöse, zarte Kinder läßt man vor den Mahlzeiten kurze

liebevolles Elternhaus voll geistigen Lebens fehlt. Ellen Keys warmes Mitleid, ihr Erbarmen, ihr Wunsch zu helfen, damit das Los der von Ratur oder Schicksal benachteiligten Kinder und ihrer belasteten Mutter leichter werde, entspricht dem liefen Verständnis für Leid und Leiden, das sich nicht erschöpft, wenn wirtschaftliche Röte behoben werden.Denn bei seinen Eltern wohnen... ist nicht dasselbe wie in einem Heime leben", heißt es einmal bei ihr, an einer Stelle, wo sie von der Entfremdung von Eltern und Kindern, von der eigentümlichen Wurzellosigkeit der heutigen Jugend spricht, und sie schildert, wie das auch da der Fall ist, wo sich gewissenhafte Väter und Mütter mühen, nur für ihre Kinder zu leben oder ihnen ihre eigenen Entbehrungen verbergen oder viele Lasten auf sich nehmen, um die Jugend zu schonen. Ihr wlll scheinen, als ob der Mangel an gegenseitigem Verständnis dazu geführt habe, das Vertrauen der Kinder zu untergraben, die ihren Anteil am Leben des Hauses auch darin haben sollten, daß sie. ihren Kräften gemäß, mittragen helfen, was an Aufgaben und Pflichten dem kleinen Lebenskreis der Familie auserlegt wird. Ellen Key redet keineswegs einer schranken­losen Freiheit das Wort, obwohl sie für Indivi­dualismus eintritt. Sie erkennt viel zu sehr den Einfluß, der von den tieferen Bindungen des Lebens ausgeht. Sie will der Verwöhnung und Verzärtelung der Kinder wehren. Sie prüft Spiel­zeug. Bücher, Beschäftigung des Kindes und ver­wirft alles Gekünstelte und Seichte darin, sowie die Sucht, das Kind mit Geschenken und Zärtlich­keiten zu überhäufen. Sie tritt für eine gesunde Einfachheit ein, fürchtet, daß Mütter, die sich zu ausschließlich unb übereifrig mit pädagogischen Fragen beschäftigen, in übertriebener Weise auf die Spiele und Interessen der Kinder eingehen und einwirken werden. Sie schreibt, paradox wie Rousseau, aber selbst ein Erziehungsbuch, mit dem sich die Eltern auseinandersehen sollen, in der Hoffnung des Reformers, ungünstige Zu­stände beseitigen zu helfen und um mit Rousseau zu reden, zu verhüten, daß etwas geschieht:Das Kind nicht in Frieden zu lassen, das ist das größte Verbrechen der gegenwärtigen Erziehung gegen das Kind. Dahingegen wird das Ziel der zu­künftigen Erziehung sein, eine im äußeren, sowie im inneren Sinne schöne Welt zu schaffen, in der das Kind wachsen kann; es sich darin frei bewegen zu lassen, bis es an die unerschütterliche Grenze des Rechts anderer stößt." Dies ist einer der charakteristischen Aussprüche Ellen Keys, wie die anderen:Ein Kind erziehen das bedeutet seine Seele in feinen Händen tragen, seinen Fuß auf einen schmalen Pfad sehen."

Schon als kleines Kind beim Puppe nspiel beschäftigte sich Ellen Key mit Erziehungsauf­gaben:Damals wie jetzt bestand mein Er­ziehungsideal darin, daß die Kinder fröhlich sein und sich nicht zu fürchten brauchen sollten. Die Furcht ist das Anglück der Kindheit."Das am stärkstenkonstruktive" Moment bei der Er­ziehung eines Menschen ist die feste, ruhige Ord­nung des Hauses, fern Friede und seine Schön­heit. Die Herzlichkeit, die Arbeitsfreude, die Schlichtheit im Hause entwickeln Güte. Arbeits­lust und Einfachheit im Kinde.

Es ist immer derselbe Grundton: Das Kind muh in feiner Kindlichkeit verstanden werden, nicht die Aeberspannung der Autorität, nicht die Verweichlichung soll fein Leben bestimmen, son­dern: es soll mitBaumaterial für feine Per­sönlichkeit" versehen werden,um es bann selbst bauen zu lassen". Richt Worte. Ermahnungen, geschweige Schläge, sonbern Beispiel unb Hebung sinb die von Ellen Key angeratenen Erziehungs­mittel. ilnb wie sie verlangt:das Haus muh wieder ein Heim für die Seelen werden, nicht nur für die Körper", so fordert sie auch eine Schule, die nicht mit den SchlagwortenSelbst-

Ellen tteys Auffassung vom wesen der Erziehung.

Von Lili Droescher, Berlin.

Richt ganz ein Dierteljahrhundert ist es her, kl bedeutete Ellen Keys Ramen unb die Sache, die sie vertrat, weiten Kreisen ein großes Er- ebnis, ba war das Wort vomJahrhundert des lindes" in aller Mund, ba gab es bei alt unb iung heiße Kämpfe um ben Freiheitsgebanken in der Erziehung, wie ec von der schwedischen Schriftstellerin und Menschenfreundin verfochten vurde, deren Leben jetzt in aller Stille be- chlossen worden ist. Roch nicht ein Vierteljahr- junbert ist es her. daß es so schien, als würde >on ihr eine Revolution der Erziehung in Haus mb Schule ausgehen, unb heute, wer weih noch virklich von ihr? Wer unter bet Jugend kennt hren Ramen unb die Tatsache, baß dahinter eine narme, lebendige Persönlichkeit stand, die' für das Recht der Frau, des Kindes, det Jugend, iller llnterbrüdten und Hilflosen unerschrocken mb leidenschaftlich ihre Stimme erhoben hat? Die kommt es, daß all dieses so schnell in Der- zessenheit geraten konnte? Es geschah wohl nicht, veil die Dölket Europas, unser Dolk, seitdem so 'iel erlebt haben unb auss tiefste erschüttert tour­ten. Es lag für uns Deutsche auch nicht daran, ^ uns in den Jahren der Döllerentfremdung ie Ausländerin ferner gerückt war, sondern die lrsache ist wohl darin zu finden, baß die Ge­danken unb Forderungen nicht mehr so unerhört Lnb umstürzlerisch erscheinen wie damals. Die fotzen Weltbegebenheiten haben alte Traditionen und Dorurteile umgestoßen, haben ben Boden vmseres sozialen und pädagogischen Lebens ge­ackert und umgepflügt, so daß neue Saaten auf- Lehen konnten. Darüber geriet in Vergessenheit, don wem manches der wertvollen Samenkörner Itammte, das nun seine Kraft erwies. And die -lugenb selbst war aus ben Plan getreten, um Ihr Schicksal mit zu gestalten unb in bie Hand zu vehrnen Fast unmerklich toanbelten sich Crzie- tzungs- und Lebensformen in Familie unb Schule hinter dem Einfluß der Jugendbewegung; so wur­den Gedanken Gemeingut, bie vordem fremd und □ufregenb gewirkt hatten Man betrachte z. D. .^apitelüberschristen aus dem Buche:Das Jahr­hundert des Kindes" wie diese:Das Recht des lindes, feine Eltern zu wählen"Das neu­geborene Geschlecht unb Frauenarbeit"Hei- > Ratlosigkeit" -Die Seelenmorde in ben Schu- Em" - -Die Schule der Zukunft"Kinder- nrbeit unb Kinberverbrechen". so weht zwar dem Leser daraus etwas von dem Radikalismus öllen Keys entgegen, aber zugleich sind es ver- i raute Gedankengänge, bie sich auf den Zu­sammenhang von wirtschaftlichen Zuständen, Seelennöten unb Erziehungsaufgaben richten, die hier angeregt werden. Doch verdient Ellen Key. btfo wir sie in gutem Andenken behalten. Aehn- läch wie Rousseau, wenn auch nicht mit der ge­waltigen Kraft seines Protestes gegen alle Un- rtatur predigt Ellen Key bie Lehre von der Kind- b'eit als einer felbftänbigen Lebensepoche, von dem Recht bes Kindes auf ein eigenes Leben und ii.uf eine glückbringende Entwicklung seiner An­lagen. Mit gütigen Augen wirb bas Kinderleben, das Wesen des Kindes betrachtet und optimistisch «sehen. Der geistigen Atmosphäre des Hauses, b-m Gewohnheiten des häuslichen Lebens mit leinen Pflichten unb Freuden, der Beziehung von Mensch zu Mensch, auch in der Schule wird eine »rohere Bedeutung zuerkannt, als den audge­flügelten Systemen unb Methoben der Erziehung unb bes Unterrichtet, unb gerade, indem dem Werte der indirekten Erziehung das Wort ge­redet wird, muß die Entbehrung der Kinder |«hmerzlich ins Auge gefaßt werden, denen ein

EinWortanjungeFrauen

Don Irma K r ü tz n e r.

So lobenswert die Erscheinung der beruflich tätigen Frau ist, die von wirtschaftlicher Rot g^toungen. ihre Kräfte daran sccht, tapfer dem Manne als Erhalterin der Familie zur Seite zu stehen, ebensowenig ist sie massenhaft auf- tretenb vom sozialen Standpunkte au's zu begrüßen. Wohl sind die Zeiten endgültig vor­über. die der verheirateten Frau Haus unb Familie als alleinigen Wirkungskreis zuwiesen, und wir können stolz und dankbar dieser Tatsache gegenüberstehen. Es ist jede Frau sicher zu loben, die von diesem Rechte der Reuzeit, sich nach Ge­schmack und Willen zu betätigen. Gebrauch macht. doch der jungen Frau und Mutter erwächst unerbittlich in erster Linie bie Pflicht, alle ihre Kräfte Familie und Heim zu widmen! WaS nützt cs uns. wenn wir Frauen mit Stolz darauf Hinweisen können, daß unsere Vertreterinnen im Reichstage rnitsprechen dürfen, bie Leitungen großer Unternehmungen in der Hand haben, in Wissenschaft und Kunst Vollwertiges leisten, wenn unterdessen bie Familie, deren Hochhaltung die Gesundung und Erhaltung des Volkes bedingt, mehr und mehr zu zerfallen droht?

Jede junge Frau, die in bie Ehe tritt, soll das nur tun mit dem vollen Bewußtsein unb der Kenntnis ihrer sittlichen unb sozialen Pflichten als Gattin und Mutter. Es ist nicht immer allein bie Wohnungsnot, die junge Eheleute veranlaßt, in möblierter, möglichst kleiner Wohnung außer dem Hause sich beköstigend zu leben. Oft genug bietet sie nur eine bequeme Ausrede für jene junge Frau, bie fürchtet. Haushaltungssorgen auf sich zu nehmen. Häufig zieht die junge Ehe­gattin es vor. ohne direkte Rötigung dazu beruflich tätig zu fein. Solche Chen find alles andere als das. was sie sein sollen, der Hort dec Erhaltung des Volkes. Sicher gibt es Frauen, bie imstande sind, sowohl den Pflichten, die ihnen Ehe und Haushaltung auferlegen, nachzukommen, dabei in bestem Sinne einen Beruf ausfüllend. Das sind jedoch Ausnahmenaturen, die für den Durchschnitt nicht als Beispiel gelten können.

Die Arbeitslosigkeit in allen Qänbern ist eine traurige soziale Erscheinung, deren tiefe Schä­digungen nicht bald beseitigt werden können. Sie wird vergrößert durch das massenhafte Angebot junger Frauen als Arbeitnehmerinnen, bie besser daran täten, sich den Pflichten als Gattin. Haus­frau und Mutter nicht zu entziehen. Mit Eifer müßte dafür gesorgt werden, diese jungen Uner­fahrenen zu der Ueberzcugung von der Voll­wertigkeit der Tätigkeit einer guten Gattin, Mutter und Hausfrau gegenüber dem Berufe zu bringen. Was unserer Zeit not tut, ist die Er­kenntnis von der Rotwendigkeit des Hochhaltens der Familie als einziges Mittel wahrer Volls- gefunbung. Die junge, gesunde, froh ihre Pflich­ten erfüllende Frau, sei einzig dazu ausersehen. Sie nehme diese schöne Berufung sollte sie auch Entsagung unb Opfer, größte Einfachheit der Lebensführung fordern. als ihre ureigent­lichste Bestimmung gerne auf sich und überlasse die Tätigkeit im Beruflichen der unverheirateten, der kinderlosen oder jener Frau, die ihre Pflich­ten als Gattin, Mutter und Hausfrau bereits erfüllt hat.

Für die Küche.

Gerichte von unreifen Stachelbeeren.

Englische Stachelbeersoße.

Die Engländer lieben sehr feine, säuerliche Soßen zu den verschiedenen Fleischgerichten. Ich erinnere nur an die Cumberland- und die Cran- berrhsoßen. So verstehen sie auch, aus den un­reifen Stachelbeeren auf folgende Art eine Soße herzustellen: */z Pfund grüner Beeren wird in

tätigtet!",individuelle Entwicklung",Wahlfrei- heil" operiert, ohne die dahinter stehenden gro­ßen Prinzipien zu verwirklichen. Sie entwirft das Dlld einer Schule mit allen ben Einrich­tungen, die uns jetzt nicht mehr nur als Traum erscheinen, sondern in der Idee wenigstens zum Ausbau unserer Bildungsanstaiten gehören, wenngleich unsere Armut uns noch daran hindert, an allen Stellen Ernst damit zu machen. Garten, Werkstätten, Spiel- und Sportplätze, Büchereien, die Möglichkeiten zu freiem Wissenserwerb und Schassen werden liebevoll von ihr geschildert, in Ablehnung derDüffelmethode". Ellen Keys optimistischer Glaube an das Kind zeigt sich auch darin, daß sie einerWahlfreiheit in allen Gegenständen" das Wort redet: sie erstreckt sich über die Dinge, Lehrfächer und Methoden hinaus auch auf die Lehrer, über deren Anstellung bie Kinder mit entscheiden sollen! Wir haben ja Ansätze und Versuche heutzutage, bie sich in dieser extremen Richtung bewegen, nicht zum Segen für Kindheit und Volk, tote mir scheinen will; liegt ihnen doch eine ileberschätzung her Reise- unb Urteil&fähigfeit der Kinder zugrunde, denen man dabei ihre Ruhe unb Unbefangenheit raubt. Ein gesundes Maß von Freiheit verträgt sich gut mit sicherer, liebevoller Führung. Dies gilt besonders für den Kinbergarten, den Ellen Key mit Recht als eine Rothilfe betrachtet. Die Erfahrung bestätigt ihre Meinung nicht, baß es für bie Kinder im Kindergarten besser sei. wenn siedieselbe Freiheit wie Kätzchen ober Hünd­chen haben". Wenngleich ihr zugegeben werben muß, daß sie ein anziehendes Bild von der mütterlichen 5rau als Mittelpunkt des Kinber- gartenlebens entwirft, so enthält es nichts Ueber- raschendes für das deutsche Kindergartenwesen, das für sich einen Sah wie den folgenden ab- lehnen muß:Der Kindergarten ist nur eine Fabrik." Aber es liegt ja dieser harten Ver­urteilung toieber ihre warme Empfindung für das Kind zugrunde, das dich vom Erwachsenen geprägt, dem nicht in zartem Alter auf gezwungen werden soll, was erst Zukunftswert hat, aber nicht auf dieser Stufe Bedürfnis ist. Bei ihrem Besuche des Pestalozzi-Fröbelhauses vor etwa xtoei Jahrzehnten haben wir Ellen Key auf ihrem Rundgang durchs Haus gefragt, ob sie ihr Urteil über ben Kindergarten aufrecht erhalten müßte, ob sie verwürfe, was sie sähe. Sie hat geantwor­tet, unser Weg entspräche dem von ihr gesuchten, unb ganz besonders interessierte unb erfreute sie damals unsere Elementarklasse, in der bie Kinder gerade mit großem Eifer dabei waren, Tannen- famen aus den Zapfen zu holen unb einzu­pflanzen, um zu sehen, ob sie kleine Bäume be­kommen würden. $>ie Freude der Kinder, ihre Wißbegier, ihr Tatendrang waren nach Ellen Keys Herzen. Das Kind soll ja, nach ihrem Wunsche, sinden, erfinden und entdecken. Wie es im Kindergarten nicht modellierenlernen" soll, sv soll es in der Schul« nicht von Stunde zu Stunde ein anderes Lehrfach, ohne innere Be­ziehung zu Kind unb Leben, über sich ergehen lassen.

Ganz gewiß wollte sie nicht wörtlich genom­men toerben. Sie lehnte bie Verantwortung für mißglückte Erziehungsversuche ab, bie voll Enthu­siasmus von Müttern unternommen worben waren, bie sich auf sie beriefen! Was sie wollte, war, Auge unb Herz für das Wesen der Kind­heit öffnen, war eine größere Ehrlichkeit, Ein­fachheit, besonnene Liebe um Umgang mit Kin­dern, mehr Freiheit für das Heranwachsende Geschlecht und eine andere Orientierung der Mütter, denen einerseits Lebensnot, andererseits gesellschaftliche Konvention ben Blick trüben. Ihr letzter Wille hat gebrückten und müben Frauen gegolten, benen sie auf ihrem Besitztum eine Stätte der Ausspannung und Erholung geschaffen hat, noch über ben Tod hinaus in schlichter Güte hartes Los mildernd!

Die Gefahren der Sommerhitze. Lon Emma Chappuzeau. Oberschwester im ^aiserin-Augusta-Victoria-Haus, Charlottenburg.

Tie heißen Sommertage stellen die Mutter imtb Pflegerin vor neue Aufgaben; es gilt ben Säugling ungeschäbigt über bie Zeit der großen Ditze Hinwegzubringen. So sehr wir uns auf Me Sommersonne unb Wärme gefreut haben und to günstig beide auch auf die Entwicklung des Säuglings und Kleinkindes einwirken können, so barf doch nicht versäumt werden, an die Gefahren zu bmken. die den Kleinen daraus erwachsen können. Ker Säugling leidet noch mehr als der Crwach- lene unter Wärmeübermaß und ist machtlos sich dagegen zu schützen, wenn eine verständnislose Mege ihn den Qualen der Hitze ausseht. Cs ist nxie mit den Blumen: sie brauchen bie Sonne zum beißen unb müssen doch verkümmern, wenn > liw zu sehr der Svnne preisgegeben sind. Ein kllcines, zartes Kind ist besonders empfindlich sjagen Temperaturunterschiede und je schroffer öec itebergang von falten Tagen zu sommerlicher hkihe, um so mehr muß man auf der Hut sein, damit der Säugling nicht durch Unachtsamkeit Schaden an seiner Gesundheit leibet. Man hat aBlo eine Umgebung zu schaffen, in der er sich wßl fühlt. Das zu erreichen, ist nicht so schwer, jwmn man nur ein wenig nachbenken will.

Zuerst das 'Dettchen ober der Wagen: Fort mitt den Federbetten, bie unnötig Hitzen; eine ininnc Wolldecke genügt für den Sommer, auch .Kopfkissen sind entbehrlich. Das Kind soll 'nicht M fest eingepackt sein. Ein Hemdchen unb eine Sinbel dürften am Tag genügen; sind die Rächte !m-l. so kann man ein Jäckchen ober Rachtröckchen aberziehen unb eine zwette Decke geben. Wenn ;S möglich ist, sollte ein Körbchen oder Wagen |it den Tag vorhanden sein, um eine bessere Lüftung der Matratze unb der Decken des Bett- hens zu ermöglichen.

Der Raum, in dem sich das Kind aushätt, miß stets gut gelüftet fein; die Fenster sind wäh­lend der heißen Monate nach Möglichkeit die «Lize Rächt offen zu halten. Um das Kind vor Zugluft zu schützen, stellt man einen Wandschirm titi das Bettchen. Das Zimmer kann man dadurch M halten, daß man früh am Morgen die Fen- fervorhänge gegen die Sonne vorzieht. Die iüren sollen geschlossen bleiben, damit nicht- «rüche und bie unvermeidlichen Fliegen ins zimmer ziehen, lieber das Bettchen spanne man eiten Fliegenschleier aus Süll ober Gaze, um ias Kind vor Insektenstichen zu bewahren. Steht int Balkon zur Verfügung oder ist ein Garten

Zett rußen. Ein erhitztes, übermüdetes Kind wird niemals Reigung zum Essen verspüren.

Cs kurz noch einiges gesagt werden über die beliebte Sonnenbäder- und Freiluftbehand­lung, die man bereits dem Säugling zukommen lassen kann unb bie sogar ein wichtiges Mittel ist, um die Anlage zur englischen Krankheit zu bekämpfen. Sie wird aber nur dann die Ent­wicklung pes Kindes fördern, wenn sie zweckent­sprechend vorgenommen wird. Wie hat sich die Mutter oder Pflegerin dabei zu verhalten? Vor allen Dingen hüte man sich vor einem Zuviel und Zulange der Bestrahlungen. Auch darf nicht der ganze Körper auf einmal der Sonne aus­gesetzt werden. Bei älnvorsichtigkeit entstehen sehr leicht schmerzhafte Verbrennungen der Haut, die ernstliche Folgen haben fönneut Man gehe

B. folgendermaßen vor: k.Tag, Beine frei­machen unb fünf Minuten vorn bestrahlen, wenden und fünf Minuten rückwärts. 2. Sag, Deine, Oberschenkel Bauch wieder fünf Minuten von vorn unb von rückwärts. 3. Sag. den ganzen Körper fünf Minuten von vorn und von rück­wärts; am nächsten Tag verlängert man bie Zeit bei Säuglingen unter einem halben Jahr auf zweimal sieben Minuten; bei größeren Kin­dern zweimal zehn Minuten uff., jeden Tag um einige Minuten steigend bis zu einer Viertel­stunde vorn unb rückwärts. Auf diese Art ge­wohnt man den Körper des Kindes langsam an Licht und Sonne, ohne das Kind zu sehr anzu- ftrengen. Cs ist ratsam, vor der Bestrahlung die Haut mit einer milden Salbe, z. B. Vaseline einzureiben. Ganz besonders send die Augen durch eine Binde oder durch eine Brille zu schützen. Bei Luftbädern genügt als Bekleidung für das ältere Kind ein Badeanzug ober Höschen mit Trägern unb Sandalen, um bie Füße vor Verletzungen zu schützen. Bei starker Sonne soll­ten die Kinder stets einen Hut zum Schuhe des Kopfes tragen. Spielen im Sande, Turnen und im Wasser planschen werden bie Kleinen sehr glücklich machen. Es muß nur alles, ben Kräften des Kinbes entsprechend, betrieben toerben, so- balb sich Spuren von ilebermübung ober zu starker Erhitzung zeigen, ist eine Pause zu machen, eine halbe Stunbe Liegeruhe auf dem Rasen ober auf einer Bank im Schatten genügen meist schon, um bas Kinb toieber munter spielen zu lassen. So angetoanbt, werben Luft unb Qonrtfl dazu beitragen, bie Gesundheit unb das Gedeihen des Säuglings und Kleinkindes zu fördern, ftgtt Schädigungen herbeizuführen.

in der Rühe des Hauses, so stellt man das Kind am besten frühmorgens, bald nach dem Baden, int Körbchen ober Wagen heraus. Ein schattiges, staubfreies Plätzchen ist der prallen Sonne vor­zuziehen. Wirb es mittags gar zu heiß, so nimmt man das Kleine für ein paar Stunden wieder herein unb läßt es im kühlen, dunklen Zimmer schlafen. Hitze macht auch den Säugling matt und müde! Schlimm ist es in allzu heißen, sonnigen Wohnungen. Hier sollte man wenigstens Schalen mit Wasser aufstellen, feuchte Tücher aufhängen, Wasser sprengen oder mehrmals am Säge den Fußboden naß aufwischen, um durch Wasserverdunstung die Luft einigermaßen frisch unb kühl zu erhalten» Auch für eine Ausfahrt sind die Morgenstunden ober der Spätnachmittag zu empfehlen. Auf dem Lande ist das alles sehr viel leichter als in der Stadt. Aber auch trotz der größeren Schwierigkeiten sollten alle Mütter bestrebt fein, die Kleinsten wenigstens einmal am Sag ins Grüne, nicht nur auf die staubige Straße zu bringen. Manche Mutter ist wohl gezwungen, chre Kinder im Wagen zu Besorgun­gen in die Stadt mitzunehmen, um sie nicht allein in der Wohnung zu lassen. Aber auch sie wird mit einem bißchen guten Willen ein paar Stunden am Sage erübrigen, um mit ihren Kleinen in einen Park oder in Anlagen zu fahren.

Der Säugling braucht im Sommer unbedingt das tägliche Bad; am besten wird man ihn auch abends außerdem noch einmal lauwarm ab­waschen. Die Haut ist gut zu pflegen, kühl und trocken zu halten. Das läßt sich auch bei stark schwitzenden Kindern durch kühle Abwaschungen, leichtes Pudern und häufiges Wäschewechseln erreichen. Die Gefahren des Wundwerbens sind im Sommer besonders groß, darum darf der Säugling nicht in nassen oder schmutzigen Win­deln liegen, die nicht nur die Fliegen anziehen, sondern auch bie Luft verderben und darum schleunigst zu entfernen lind.

Bezüglich der Ernährung sind natürlich die Brustkinder den Flaschenkindern gegenüber im Vorteil. Ihre Milch kann nicht verderben. Für das Flaschenkind muß daher in den heißen Mo­naten die Rahrung ganz besonders forgfältig zubereitet werden. Frisch gemeßene Milch, am besten aus einem einwandfreien Stall, muß, so­bald sie morgens roh ins Haus kommt, ab­gekocht, und schnell gekühlt werden. Beim Bezug vonKindermilch" in plombierten Flaschen müs­sen wir uns stets beim Lieferanten erkundigen, ob die Milch roh ober schon keimfrei gemacht (pasteurisiert, ftertiifiert) ist. Schon einmal er-

General- oersannnluS