Nr. ’36 Zweites Blatt
Mstener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Deur,cylands Einkreisung im Fernen Osten?
Der Eintritt Japans in den Weltkrieg auf eiten der Entente wurde in Deutschland zunächst mit ungläubigem Staunen, dann mit doppelter Entrüstung ausgenommen. Unb doch bildete de» elbe nur den Abschluß einer Entwicklung, die ich in den letzten Vorkriegsjahren sehr offen- ichtlich und für den aufmerksamen Politiker klar erkennbar angebahnt hatte. In den Akten des Berliner Auswärtigen Amtes, die durch die Dokumentensammlung der AeichSregierung nun auch der weitesten Oeffentlichkeit zugänglich gemocht werden, finden sich eine ganze "Reihe von Schriftstücken, die von der zunehmenden Entfremdung zwischen Deutschland und Japan zu berichten wissen. Dor allem war es der ausgezeichnete angelsächsische "Rachrichten- und Pro- vagandadienst, der für eine einseitige, ja gehässige Orientierung der japanischen Oeffentlichkeit über die politischen Dorgänge in der Welt Sorge trug und so in der öffentlichen Meinung Japans den Boden für das deutsch-feindliche Vorgehen von 1914 bereitete. Mochte es sich nun um die deutsch-sranzösische Marokkokrise von 1911 oder etwa um die revolutionären Dorgänge in China handeln, immer muhte der deutsche Vertreter in Tokio von einer gleich einseitigen und tendenziösen Haltung der japanischen Presse melden.
Die folgenden Schrislilü^e entnehmen wir mit Erlaubnis der Deutschen Derlagsaesellschaft für Politik und Geschichte dem in Kürze erscheinenden 32. Bande der groben Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes.
Der Geschäftsträger in Tokio, von Radowih, an den Reichskanzler von Bettjmann hollweg.
(Ausfertigung.)
Vr. A 148 Tokio, den 21. Sept. 1911.
(pr. 8. Oktober).
Seit dem Beginn der Derhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über Regelung der Marokkosrage hat es sich wieder recht deutlich gezeigt, wie wenig die hiesige Presse und öfsentliche Meinung geneigt ist, deutscher Politik Wohlwollen oder auch nur Verständnis entgegenzubringen. Beeinflußt durch die stets alarmifti- 'chen und tendenziös gefärbten Meldungen englischer und amerikanischer Telegraphenagenturen, ist fast die gesamte hiesige Presse seit Beginn der Derhandlungen auf einen Ton gestimmt, der deutlich erkennen läht, dah man Deutschland leben Mißerfolg gönnen würde und mit hämi- lchem Uebelwollen jeden Erfolg Herunterzusehen lucht. In Leitartikeln und Entrefilets sucht die Presse ihren Lesern klarzumachen, daß Deutschland in gewinnsüchtiger Absicht den Frieden Europas gefährdet, dah es nur der rechtzeitig angewandten drohenden Haltung Englands zu verdanken ist, wenn der Friede noch ausrecht- erhalten worden ist. Deutschland sucht Frankreich xu brutalisieren, sucht ihm unberechtigte Konzessionen zu erpressen, kurz, wenn man aus der hiesigen Presse sich ein Urteil bilden mühte, so würde man einen traurigen Begriff von der politischen Moral unserer Staatsmänner bekommen. Dabei wird alles, was zugunsten einer gerechten Deurteilung spricht, geflissentlich ignoriert. Die aus Tatsachen und statistischem Material basierten vernünftigen Artikel der „Deutschen Japan-Post" oder des „Daily Heralb" finden ebensowenig Berücksichtigung wie die telegraphischen Meldungen unseres Kabeldienstes, obwohl gerade letztere sich durch die sachliche Behandlung der schwebenden Fragen und das Fehlen jeder gehässigen Aussälle gegen andere Länder
•) Wir entnehmen diese Darstellung dem umfangreichen Werk „Die Gröhe Politik der Europäischen Kabinette 187 1—1 9 1 4". Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsius (t), Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Thimme. 5. Reihe. Zweite Abteilung: „Weltpolitische Komplikationen". Band 30—33 (5 Teile». Im Verlage der Deutschen Derlagsge- sellschaft für Politik und Geschichte, Berlin W. 8.
Konjert des hessischen Lyzeums.
Die Dorherrschaft des Intellektuellen in den letzten Jahrzehnten mußte notwendig zu einer Reaktion führen, zur Hinwendung zum Gefühl: zur Besinnung auf das Emotionale. Uns allen war mehr oder minder die Fähigkeit entschwunden, mit der umgebenden Welt uns eins zu fühlen, Unfere Derstandeswelt hatte sich von der Umwelt abgespalten. — Da trat die Jugend auf den Plan, ihr war noch jene Kohärenz eigen. Umwelt und Innenwelt durchdrangen einander, waren noch in der Einheit. Da mußten die Gefühlswerte wieder erwachen: die Romantik mußte neu erstehen: Die Jugendbewegung...
Aber was in der jugendlichen Geistesstruktur noch Einheit ist, verliert sich meistens für spätere 3elten. Rur dem Künstler bleibt jene innige Integration von Ich und Außenwelt, wenn auch in höherer Form. Der Künstler ist meist ein Stück Romantiker, — und die Jugend steht dem Künstler nahe durch die gleiche Struktur des Geistes.
Lind es ist die natürliche Folge einer einseitigen Entwicklung, daß die Werte, die dem Gefühlsleben nahestehen, die der Kunst, immer mehr in den Dienst der Erziehung gestellt werden. Richt, dah man nur Künstler heranziehen möchte —, wohl aber, daß es neben der intellektuellen Erziehung auch andere Eingangspforten zur kindlichen Psyche gibt — die eben in jener zugendlichen Geistesstruktur gegeben sind, die es so ermöglichen, den ganzen Menschen zu erfassen. Richt, daß man nur Gefühlsmenschen (Phantasten) heranbilden möchte, im Gegenteil: die Kunst ist ja Künderin der Weltanschauung, die inneren Gesetze der Kunst sind, so frei sie auch erscheinen mögen, doch von einer strengen, unerbittlichen Logik: und wer daran vorüber geht, verkennt ein wesentliches Moment des künstlerischen Schaffens.
Verfehlt wäre es aber, Kunst nur intellektuell zu erfassen: da wird vieles verblassen, was dem Kinde groß, wert und reizvoll in seiner persönlichen Verbundenheit mit den Dingen, mit der Ratur erschienen ist. Ein Ausfluß jener Verbundenheit mit der Ratur ist die Schwärmerei
auszeichncn. Man gibt fich den Anschein, nur in den deutsch-feindlichen Aeußerungen aus Europa die Wahrheit zu finden, und scheut lich nicht, noch nach Wochen längst amtlich oder halbamtlich richtiggestellte falsche GQklö. ngen seinen Geiern von neuem als unwiderlegliche Tatsachen auszutischen, fofern sie geneigt sind. Deutschlands Vorgehen in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Besonders drastisch wirlk diese Haltung der hiesigen Presse, wenn man sie mit deren Verhalten gegenüber Rußland. Amerika oder England vergleicht, denen gegenüber nicht genug Lobsprüchc und Verbeugungen gemacht werden können...
Es geht daraus hervor, wie die Logik der politischen Entwicklung Japan auch ohne innere Freudigkeit dazu zwingt, sich an England anzuklammern und mit Amerika sich auf guten Fuß zu stellen Reuerdings kommt noch dazu das Bestreben, unter allen Umständen mit Rußland gut Freund zu sein, das in den Handlungen der Regierung und in der Presse unzweideutig zum Ausdruck kommt
W. Radowih.
Der Geschäftsträger in Tokio, von Radowih, an den Reichskanzler von Lethmcmn Hollweg.
Ausfertigung
Ur. A 178 Tokio, den 2. Dezember 1911 spr 19. Dezembers
Eine Zeitlang hatte cs den Anschein, als habe die japanische Pres'e sich aus sich selbst besonnen und die Zwecklosigkeit der gehässigen Ausfälle gegen Deutschland erkannt. Gelegentlich des Abschlu-ses des Marokkoabkommens haben fast alle Blätter sich einer neutralen und sachlichen Ton".k befleißigt. Leider aber hat dieser Zustand nicht lange angehalten. Wit erneutem Eifer machen sich die bekannten deutschfeindlichen Blätter, wie „Hochi", „Vorudza", „Richi Richi" und ,.Mai- nichi" wieder an eine ausgiebige Hetze, die in der Behauptung gipfelt, Deutschland wahre die Reutralität in China nicht, indem es den kaiserlichen Truppen Offiziere stelle. Waffen liefere, Transportmöglichkeiten gewähre usw. Die Berichterstatter wollen aktive deutsche Offiziere im kaiserlichen Lager gesehen haben, die in ihren eigenen Uniformen hörumgehen und sich gleichzeitig sorgfältig versteckt halten — besonders vor den Japanern. (!) Solche und ähnliche Märchen werden in Mengen ausgetischt und daran der Äommentar geknüpft, die Hanleute würden sich das Vorgehen Deutschlands nicht gefallen lassen, sondern mit einem Boykott deutscher Waren antworten. Diese Insinuationen lassen den tieferen Sinn der Hetze erkennen. Es soll ä tout prix bei den Revolutionären Mißtrauen gegen Deutschland erzeugt werden, um für den Fall der Wiederherstellung der Ruhe den deutschen Einfluß lahmzulegen. Man rechnet damit, daß. wie die Sache auch ausgehe.i möge, jebeifaJ» die neue Partei in China Einfluß haben wird. Daher versucht man ihre Meinung über Deutschland zu vergiften.... v. R a d o w i tz
So wirkte das englisch-japanische Bündnis, das nach der endgültigen Aussöhnung Japans mit Rußland 1910 seine eigentliche Spitze verloren hatte, nunmehr gegen Deutschland. Als Preis für eine der Entente genehme Haftung im Fall der großen kriegerischen Auseinandersetzung aber konnte man Japan die deutsche Musterkolonie Kiautschou bieten, für das in Tokio vor allem wegen der damit verbundenen Anwartschaft aus das Hinterland Schantung großes Interesse bestand. Im Rovember 1912 gelangte nach Berlin die Rachricht von einem japanischrussischen Geheimvertrag, in dem Japan Kiaut- schvu in Aussicht gestellt wurde. Die Meldung fand in Berlin, wo man mitten in den Wirres des Ersten Dallankrieges stand, nicht die Beachtung, die sie verdiente: sie ist inzwischen durch bolschewistische Enthüllungen bestätigt worden und wirft ein bezeichnendes Licht auf die Methoden, mit denen die Tripelentente den Weltkrieg vorbereitete.
Der Gesandte in Peking, von Haxthausen an den Reichskanzler van Belhmann Hallweg.
Ausfertigung.
Rr. A 265. Peking, den 5. Rovember 1912.
(pr. 17. Rovember.)
Ein der chinesischen Regierung nahestehender Mittelsmann, dessen frühere Meldungen bisher
der Romantiker für das Freie, Ungebundene, Unverfälschte. Das Wandern bringt den Einzelnen wieder in den rechten Kontakt mit der Statur. Der Wald mit seinen Schauern, seinem Halbdunkel läßt in dem Menschen wieder ein Stück romantischer Veranlagung wach werden, das jedem Deutschen von Ratur aus gegeben war. Die Romantik erschloß uns den Wald mit seiner Dämonik und seiner Innigkeit in ihren Werken („Freischütz"). Ein Romantiker war es, dem fern von der Heimat die Sehnsucht nach dem deutschen Wald erwachte: Richard Wagner in Paris, als er den „Freischütz" wieder gesehen hatte: „O mein herrliches deutsches Vaterland, toie_ muß ich dich lieben, wie muß ich für dich schwärmen, wäre es nur, weil auf deinem Do den der „Freischütz" erstand. Wie muh ich das deutsche Doll lieben, das den „Freischütz" liebt, das noch heute an die Wunder der naive- sten Sage glaubt, das noch heute, im Mannesaller, die süßen, geheimnisvollen Schauer empfindet, die in seiner Jugend ihm das Herz durch- bebten. Ach, die liebenswürdige Träumerei! Du Schwärmerei, vom Walde, vom Abend, von den Sternen, vom Monde, von der Dorfturmglocke, wenn sie sieben schlägt! Wie ist der glücklich, der euch versteht, der mit euch glauben, fühlen, träumen und schwärmen kann! Wie ist mir wohl, dah ich ein Deutscher bin i"
Und ein Wiederbringenwollen und Wieder- erweckenwollen von Werten, die uns fremd werden, verloren gehen wollten, war es. das zu dem Konzert des Hessischen Lyzeums führte. Waldesleben und Waldeszauber — der Jugend wieder das ganz geben, was das Eigentum, Erlebnis unserer Dorväter war. Und als Drücke die Musik, die ..romantischste aller Künste", die mit ihrer Loslösung vom Realen um so mehr das Reich der Romantik zu erschließen vermag, jenen geheimnisvollen, unbestimmten Regungen in uns Raum gibt, denn die Jugend muh wieder den Weg zur Kunst finden, in der Musik ein Lebensbedürfnis sehen. Und wenn man in den letzten Jahren dem Gesang- unterricht der höheren Schule ein weiteres Ziel gesteckt, ihm im Unterrichtskreis größere Bedeutung zuerkannt hat, so ist das für die Musik als Kulturmacht zu begrüßen. Und je weiter man die Kreise schlägt, um fo mehr erfennt man.
bestätigt worden sind, teilte mir streng vertraulich folgendes mit:
Die russische Regierung habe im H.nblick auf die Möglichkeit einer durch die Dattonereignisse hervorgerufenen eventuellen Verwickelung in einen europäischen Krieg ganz kürzlich mit Japan ein Abkommen getroff.'n das ntchstehendr Punk:e enthielte.
1. Im Fall der Verwickelung in einen europäischen Krieg zieht Rußland seine Truppen bis auf zwei Armeekorps aus Sibirien und China zurück. Japan übernimmt für diesen Fall den Schutz der russischen Interessen in China.
2. Japan verpflichtet sich, während der Teilnahme Rußlands an einem europäischen Kriege russisches Gebiet, insbesondere Wladiwostok, nicht zu okkupieren.
3. Rußland wird dagegen keine Einwendungen erbeben, falls Japan im Kriegsfälle Kiautschou beseht
Die beiden ersten Punkte des Vertrages will mein Gewährsmann schwarz auf weiß gesehen haben, ob der dritte Punkt schriftlich in den "Vertrag ausgenommen fei oder nur eine mündliche Rebenabrede bilde, habe er bisher noch nicht seststellen können. Zur Bestätigung feiner Angaben zu 3 führte er an. daß der hiesige japanische Militärattache. General Aok. kür'lich heimlich sich in Tsingtau aufgehalten habe. Dem Militärattache der Kaiserlichen Gesandtschaft. Hauptmann von Pappenheim, hat Aoki die Tatsache des Besuches zugegeben. Wegen d^r Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich habe er dem Gouverneur mit einem Besuch aber nicht lästig fallen wollen.
Ich habe diese allerdings etwas auffallende Meldung mit Rücksicht auf die bisherige Glaubwürdigkeit meines Gewährsmannes und den Umstand. daß feine Mitteilung über den Aufenthalt Aokis in Tsingtau bestätigt wird. Euerer Er- zellenz nicht vorenthalten zu müssen geglaubt.
v. Harthausen.
Die Wahrheit über Syrien.
Don unserem Pariser W. S.-Korrespondenten.
Paris, Anfang Juni 1926.
Wir veröffentlichen nachstehend einige äußerst interessante Dokumente über Syrien, die bis jetzt geheim gehalten waren. „La Tribüne d’Orient" und „Les Documents Politiques Di- plomatiques et Financiers" haben sich der dankenswerten Ausgabe unterzogen, endlich den Schleier zu lüften über einige Tatsachen, die die Franzosenherrschast in Syrien, ihre Vorgeschichte wie ihre Folgen, vor der ganzen Welt rücksichtslos enthüllen.
In längeren Artikeln wild zunächst die lügenhaste Berichterstattung gegeißelt, die die großen Pariser Zeitungen aller Parteirichtungen — der „Matin" sowohl wie der „Duotibien" — glauben, ihren Lesern oorsetzen zu dürfen. Es wird der Nachweis erbracht (f. La Tribüne d’Orient nom 26. Januar und 12. Mai 1926) wie die syrischen Berichterstatter dieser Blätter (von Oberkommissar de Jouvenel scharf kontrolliert) bewußt falsche Darstellungen nach Paris berichten, die nichts weiter sind als gröbste Entstellungen von Tatsachen, reine Mystifikationen. Die französischen Verlustziffern, die sie mitteilen, bleiben z.B. weit hinter der Wahrheit zurück. Auch die Rolle, die die im Jahre 1919 mit 10 Millionen Franks gegründete Syrische Bank spielt, erscheint nach diesen Schilderungen in einem recht bedenklichen Lichte.
Von größtem Interesse aber sind die nachfolgenden fünf Dokumente, die jetzt erstmalig (auszugsweise) der deutschen Oesfenttichkeit unterbreitet werden.
I. Ausruf des syrischen Bundes in Paris (Januar 1926).
Franzosen! Syrien appelliert an Eure Liebe zur Freiheit und Gerechtigkeit. Es bittet Euch um Eure Mithilfe, um seine gerechten und legitimen Ansprüche zu erreichen. Franzosen! Man verheimlicht Euch die Wahrheit über Syrien. Die im Dienste der Hochfinanz stehende Presse stellt Euch diesen kleinen Winkel 1m Orient dar als bevölkert von Fanatikern, zerrissen von inneren Kämpfen. Dieses Volk, das alle Wertschätzung und Sympathien vor dem Weltkriege verdiente, soll heute in den Augen
wie doch die Musik überall tief verankert ist, wie die Musik in den Perioden, wo ihre Wert- geltung eine allgemeine war, noch heute uns den Charakter ganzer Zeitalterprobleme zu erschließen vermag.
Zwar wird man in her Schule für die Musik als Hauptausübungsmöglichkeit den Gesangunter- richt ansehen müssen. Und das mit Berechtigung, beim Singen wächst die körperliche Funktion mit der geistigen zusammen zu einer Einheit, die zur Erhebung des Geistigen, zur Steigerung des Lebensgefühls führt. Im Gesang wird die Kunst zum Leben, das Leben zur Kunstäuherung. Was durch planmäßige Arbeit geweckt worden ist. das findet dann seine Kündung gelegentlich der Ausführungen, die ein Ansporn zu weiterer Arbeit sind, die das Interesse für dieses Unterrichtsfach zu vertiefen vermögen.
Die Originalliteratur für Frauenchöre ist im Vergleich zu der für gemischte Chöre gering, und nur ganz selten haben unsere Großen etwas für diese Art geschaffen. Zudem erfordert der Schwierigkeitsgrad dieser Werke eine besondere Auslese, namentlich auch mit Rücksicht auf die jugendlichen, in der Entwicklung stehenden Stimmen. Da müssen Bearbeitungen geschaffen werden, denn es gibt viele Werke, deren geistiger Gehalt es gebietet, sich mit ihnen zu befassen. Größere zusammenhängende Werke für Frauenchor entstanden oft nur für besondere Zwecke und Gelegenheiten, ohne dah vielleicht ein innerer Drang den Komponisten dazu führte: Arbeiten von Routiniers, die bei näherer Beleuchtung in ihrer Wirkung verblassen.
Zu dieser Gruppe von Werken gehören leider die „Waldbilder" von Carl Julius Schmidt, die einer Reche von stimmungsvollen Texten folgen, die aber nicht in allen Einzelheiten musikalisch durchgearbeitet wurden und nicht mit dem Text zu einer organischen Einheit verschmelzen. So wechselreich die Bilder sind (Ruine im Walde, Märchenzug, Gewitter, Zigeunerlager usw.), nirgends erhebt sich die musikalische Schöpfung über eine gewiße Mittellinie heraus, der große Zug fehll: billige, ansprechende Melodien bedeuten aber noch nicht Musik. Und gerade der Jugend sind die besten Werke gut genug; denn der Grund zur musikalischen Geschmackbildung kann nicht früh genug gelegt werden. — Und daß bei diesem Derk der recht zahlreiche Chor nicht so recht
INoniag, (4. Fünf 1926
der Franzosen seiner Frechen und Unabhängigkeit nicht mehr würdig (ein. 'Beim ersten Ausrus haben sich 15 000 Syrier gemeldet und haben Schulter an Schulter mit Euch aus französischer Erde gekämpft für Recht und Freiheit der VUkcr. 100 000 andere haben im Orient - m den Reihen der Alliierten Kriegsdienste getan. So haben die Syrier gearbeitet für ihre Heimat und ihre Unabhängigkeit. Die Syrier wünschen nichts sehnlicher ai» Frieden, streben nach völliger Unabhängigkeit, und man unterwirft uns einem Mandats-Regime, wohinter sich der Geist der Eroberung und der Kolonisation nur schlecht verbirg:. Syrien war ein Ganzes: es wurde ausgeteilt. Syrien glaubte an ho- Recht: es wurde enttäuscht.
IL Brief des ErekuUo-Ausschusses des Syrien - Palästina Kongresses an Herrn Henry de Jouvenel vom 30. Rovember 1925.
Wir schlagen Ew Exz. folgendes vor: Unsererseits begibt fich sofort eine Delegation nach Syrien, um dort sofort dem Blutvergießen Einhalt zu tun und das Terrain ssir Verhandlungen zwischen Vertretern Ew. Exzellenz und denen der Führer der Ausstän- digen oorzubereiten. Um einen Erfolg solcher Verhandlungen von vornherein zu gewährleisten, bitten wir um Ihr Einverständnis mit folgenden unseren Grundsätzen
1. Bildung eines syrischen Staates, der alle Gebiete unter französischem Mandat umfaßt. Was den Libanon anbelangt, so soll eine Volksabstimmung darüber entscheiden, ob seine Bewohner sich dem syrischen Staat anschließen oder davon getrennt bleiben wollen. 2. Sofortige Errichtung einer vorläufigen nationalen Regierung, zu der die Bevölkerung Vertrauen hat und die Wahlen zu einer gesetzgebenden Nationalversammlung ausscheiden soll. 3. Einberufung einer verfassunggebenden Nationalversammlung auf Grund des allgemeinen direkten Stimmrechts. 4. Abschaffung des Mandats und Fest- legung der Beziehungen zwischen Frankreich und Syrien durch ein Abkommen von begrenzter Dauer. 5. Abtransport der Besatzungsarmee vom syrischen Gebiet nach Bildung der provisorischen Regierung. 6. Hinterlegung dieses Vertrages beim Völkerbünde und Aufnahme Syriens in den Bund.
III. Denkschrift an Henry de Jouvenel, die Ihm bei feiner Durchreife in Kairo von den syrischen
Parteien überreicht wurde.
Man erinnert sich des Antagonismus des arabischen und türkischen Elements im türkischen Reich. Der Grundsatz der „türkischen Nationalität", die von den Jungtürken nach der Proklamation der Ver- fassung propagiert wurde, erregte Anstoß bei der „arabischen Nationalität". Die Araber-Bünde hielten im Jahre 191.3 ihren berühmten Pariser Kongreß ab, um die arabische Frage auf die Tages- ordnung der wichtigsten in der Türkei zu lösenden Fragen zu stellen. Die Türken verschlossen siR nicht der Bedeutung der Lage und suchten, der G fahr zuvorzukommen, indem sie den Arabern gewisse Konzessionen machten. Doch die Araber begnügten sich nicht damit. Daher benutzten die Türken den Weltkrieg, um die arabische Frage Im Keime zu ersticken. Sie verhafteten die Führer der Bewegung, schleppten sie vor ein Kriegsgericht in Aley (Libanon) und verurteilten die meisten von ihnen zum Tode. Die Todesurteile wurden auf zwei öffentlichen Plätzen in Beyruth und Damaskus vollstreckt, die seitdem „Märtyrer - Plätze" heißen. Doch die Araber, insbesondere die Syrier, verloren den Mut nicht. Nachdem sie von den Türken enttäuscht waren, wandten sie sich an die Verbündeten. Nachdem sie von diesen, namentlich von den Franzosen und Engländern, zahlreiche Versprechungen erlangt hat- ten, traten sie zu Tausenden in die Armeen der Verbündeten ein. Ganz Hedjaz erhob sich gegen die Türkei. Eine ganze, aus sämtlichen arabischen Provinzen zusammengestellte Armee, nahm am Kriege gegen die Türken teil. Beim Kriegsschluß erkannte Lord Allenbey den hervorragenden Anteil der arabischen Armee am Siege in Palästina öffentlich an. Aber der Hauptzweck, weswegen die Araber im allgemeinen und die Syrier insbesondere all diese großen Opfer gebracht hatten, erfüllte sich keineswegs. Im Jahre 1919 erschien eine amerikanische Kommission, um über das Schicksal des Landes zu entscheiden. Im Dezember 1919 begab sich Emir Faloal persönlich nach Europa, um mit dem französischen Außenministerium selbst wegen der Schaffung eines syrischen Staates zu verhandeln. Er kehrte nach Syrien mit der Hoffnung zurück, die
zur Geltung kam, lag nur an dem Werk. Die beiden Einlagen wirkten belebend für das Ganze: ein anderer, frischerer Geist sprach aus ihnen. Die einzelnen Chöre wurden durch sorllaufende Deklamationen verbunden, und die Sprecherin wußte mit feinem Geschmack und Empfinden den poetischen Gehatt zur Geltung zu bringen.
Ganz andere Geistesart sprach aus Ferdinand Hummels: „Herr Oluf» Eichendorffs „Nachtzauber" führte auf die Gedankenwelt hin.
Die romantische Musik erschloß den Ton des Waldhorns in seiner magischen Gewalt. Und der romantischen Art folgt Hummel: Cello und Horn werden zum Träger des instrumentalen Gedankens. Die Durcharbeitung des Chorischen geht auf die Einzelheiten des Textes genau ein; es ist eben Musik, die aus der echten Wurzel entsteht, aus dem romantischen Erschauern, dem dämonischen Erlebnis, die aber auch darum stets wirken und packen wird. Um so mehr, wenn sie so sorgfältig durchgearbeitet erklingt. Da war keine Regung, der nicht nachgegeben wurde, bei den Begleitinstrumenten (besondere Anerkennung dem Hornisten) sowohl wie beim Chor. Das Wohlabgewogene der Deklamation, trotz aller Deutlichkeit im Text keine Vernachlässigung des Klanglichen, die sorgsam herausgestellten dynami- schen Abstufungen, der Aufbau der Steigerungen. Das erhob diesen Chor erheblich über die übliche Höhe von Schulleistungen.
„Waldharfen" von Edwin Schultz (für Frauen- chor, Klavier, Harmonium und Streichquartett bearbeitet von Leopold Geller) bewegt sich in der gleichen Linie wie das Hummelsche Werk: nur daß an Stelle des Fortschritts der Handlung die Stimmung in ihrer vielfachen Abstufung tritt. Auch hier hob sich wieder die Herausarbeitung der Gegensätze und Steigerungen (besonders zum Schluß) recht deullich hervor.
Für die in der Schule geleistete Arbeit mar die Aufführung ein ehrendes Zeichen, eine Anerkennung für die Muhe, Arbeitskraft des Leiters (Gesanglehrer Leopold Geller). Aber noch sei derer gedacht, die sich mit Liebe für die Werke ein setzten, an den In- ftrumenten als auch der Vertreter der Gesangssoli. Dem Ganzen gab Studienrat Freytag den Auftakt mit seinen begeisterten Worten vom deutschen Walde und seiner Auswirkung auf das deutsche Volk.


