vr. tu Zweites Blatt
Gießener Anzeiger <Seneral-Anzeiger für Gderheffen)
Zreitag, 14. Mai 1926
Die Franken-Währungen
(Bon unterem Pariser W. 6.Ȁorre|'ponbenten.)
Paris, 12. Mai 1926.
D,c Kursgejtallungen des belgischen und fron- pichen Franken stehen gegenwärtig mehr denn ie im Mittelpunkte des Interesses aller Volkswirtschaft- ler und Politiker. Um dies gleich oorwegziinehmen: im Interesse Deutschlands kann es nur liegen, wenn die Frankenwährung so rasch wie möglich stabilisiert würde. Feder deutsche Export wird durch das französische Valuta-Dumping austerordentlich gefährde!, und schließlich wird es schlechterdings unmöglich sein, die nun ichon so lauge dauernden deutsch französischen Wirtschaftsoer- Kandlungen zum Abschluß zu bringen, wenn diese Stabilisierung nicht so rasch wie möglich durchge fuhr» wird.
Die n e u e b c l g ! s ch e M i n i st e r k r i s i s wird lediglich durch den erneuten Sturz des belgischen Franken heroorgerufen. Seit Oktober v. I. schien der belgische Franken stabilisiert, als er plötzlich im März seine feste Haltung aufgab und ziemlich rasch in sinken begann. Die äußeren Gründe waren zv- nächst die Opposition einflußreicher Finanzkreise gegenüber dem Sanierungsprojekt der Regierung und den Schwierigkeiten für das Kabinett Poullet- Äinisen, eine Auslandanlcihe zur Stützung des Franken oufzunehinen. Die schwebende Schuld wurde immer größer und schließlich so besorgniserregend, daß ^der inzwischen eingetretene Finanzminister keinen anderen Rat mehr wußte, als seine Zuflucht zur Inflation zu nehmen Er bereitete einen (Gesetzentwurf vor, der die Vorschüsse der belgischen Rotionalbank an den Staat um 600 Millionen Fran len erhöhen sollte. Gleichzeitig plante er die Emission einer inneren Konsolidierungsanleihe Das Publikum war indessen gegen diesen Plan, das Vertrauen der Bevölkerung in die Finanzlage des Landes wurde immer schwächer, gleichzeitig wanderten immer größere belgische Kapitalien ins Ausland aus. Mit Reid beobachtete man noch vor einigen Monaten in Paris, daß der belgische Franken hier erheblich höher notierte als die eigene Währung, in zwischen ober ist der belgische Franken wieder weit unter die Pariser Parität gesunken.
Der K u r s st u r z des französischen Franken hängt natürlich mit dem der belgischen Währung zusammen, da die finanziellen und wirtschaftlichen Wechselbeziehungen beider Nachbarländer besonders nach dem .Kriege sich immer reger gestalteten. Selbstverständlich sprechen hier aber noch andere Momente mit. Alle behördlichen Maßnahmen gegen bie Kapitalflucht haben sich bisher als unwirksam erwiesen. Gewiß hat es Finanzminister P L r e t verstanden, das französische Budget auszugleichen. Inzwischen aber sank der Franken weiter, dadurch wurden die Ausgaben größer, die Einnahmen jedoch geringer, wodurch man nur mehr noch non einem Ausgleich auf dem Papier sprechen kann. Die Fortseßung des Marokko- Krieges erfordert natürlich weitere unvorhergesehene Ausgaben- außerdem erscheint die Schul- den Konsolidierung Amerika gegenüber durchaus nicht so günftig, wie die offiziösen Stimmen c • zunächst wahr haben* wollten, und die neuen Verpflichtungen England gegenüber zwecks Regelung der > icgsschuld stellen natürlich eine weitere starke Belastung für den Fiskus dar. Die jährlichen Raten , ihlungen. zu denen sich die französische Regierung :a Washington verpflichtet hat, und in etwa zehn ~ igen in London weiter verpflichten wird, erscheinen doch so hoch, daß — wie z. B. die „Basier Nachrichten" schreiben — „die Frage nach der Zukunft des französischen Budgets und damit auch der iranwsischen Währung offen bleiben wird". Man gebende Kreise fragen sich auch, warum die Regierung mit der ihr zur Verfügung stehenden Mor- g n n -Anleihe von 100 Millionen Dollar Nenn wert nicht entschiedener interveniert hat. denn diese Anleihe war als Manövrier-Masse gedacht, um ein weiteres Sinken der Valuta zu verhindern. Der Frankensturz darf nicht als Beweis dafür ausgefaßt werden, daß diese Manövrier-Masie erschöpft ist. Die Regierung verfügt vielmehr noch über 80 bis 90 Millionen Dollar aus dieser Anleihe. Selbstverständlich hat die französische Regie rang allen Grund, von diesen Plänen nichts in die Oeffentlichkeit bringen zu lassen, um der Baissespekulation gegen den Franken nicht etwa einen Wink zu geben.
Im letzten Kabinettsrat hat sich der Finanz- minifter P^ret von der Regierung ausdrücklich ermächtigen lassen, mit dieser Morgan-Manövrier Masse zu arbeiten. Außerdem hat er noch zahlreiche L "< 1.....1 11 " " 1 1
Sine Reger-Gedächtnisfeier.
Neger Konzert.
Es schien ein Verhängnis für bie Kunst Entwicklung und für das Lebenswerk Mar Regers, als er vor zehn Jahren dem deutschen Musikleben entrissen wurde. Unb dennoch, das. was die vielen Gegner Regers gern gewünscht halten und auch voraussagten, erfüllte sich nicht- statt der Vergessenheit zu verfallen, mehrt sich die Zahl seiner Verehrer, seine Werke gewinnen weiteren Voden.
Vielleicht gerade deshalb, daß es Werke der sich entwickelnden. auf steigenden Linie sind, wirken sich in ihnen noch jetzt die suchenden und formenden Kräfte aus und zeigen ihre vorwärtsdrängende Tendenz, während bei einem Reifewerk der Abschluß der Entwicklung ost einen Grenzstein, eine Festlegung bedeutet, die nicht weiter zu führen ist.
Das Gärende findet bei Reger seine Ent- wicklungsrichtung in alten Formen: feine starke Intuition ist fähig, in ihnen neue persönliche Werte zu künden. Beethoven schuf kaum grundsätzlich neue Formen, 1.6. Bach gab nur Formen seiner Zeit, aber mit persönlicher, fortwirkender .straft. Richt die Form erhält das Werk lebendig, sondern der innere, gebannte Geist.
Es ist bezeichnend für Reger, daß gerade die Weidener Zeit als Periode der größten Wandlung ihn auf die Aeußerungsin Ittel des Hochbarock hinführt. Das Strenge. Formale bindet et mit dem Impuls der Persönlichkeit: einem Instrument, das fast eineinhalb Jahrhunderte nicht mehr nach dieser Richtung hin ausgeschöpft worden war. der Orgel, verleiht er wieder die alten Rechte und eröffnet To * eine neue Epoche» des Orgelspiels
Die klassische Zeit stand unter dem Zeichen der Sonate und fand keinen Platz mehr für die Weiterbildung der Fuge. Die Sonate, in ihrem Bau auf Wiederholungen eingestellt, war für die Orgel tone geeignete Form, denn die an
andere Interventionen angel ünbigL Es müssen also schon die allernächsten Tage Aufklärung darüber geben, welchen Erfolg diese Inleroentionen haben werden. Von ihrer durchgreifenden Wirkung aber hängt ganz außerordentlich viel ab; nicht nur allein für Frankreich, sondern — wie schon anfangs her vorgehobcn — auch sehr viel für Deutschland.
Das französische Vorbild.
Wiederholt ist seit dem Betanntwerden der u n garischen Frantenfäls ch u ngen darauf hingewiesen worden, daß für die Franzosen nicht der geringste Grund vorläge, sich über die Fälschungen aufzuregen, da noch vor gar nicht allzu langer Zeit die Pariser Regierung im besetzten Ruhrgebiet selbst deutsches Geld fälschte und in den Verkehr brachte. Inzwischen hat nun der Frankensäljcher Prozeß in Budapest feinen Anfang genommen, Selbftucr stündlich ist die Pariser Sensationspresse durch zahl reiche Berichterstatter vertreten, ebenso auch die fron zösischen Polizeibehörden durch eine Reihe von .Kriminalbeamten, die seinerzeit sofort nach Budapest in Marsch gesetzt wurden, als die ersten Anhaltspunkte dasür gegeben waren, daß sich die Fälscherwert ftätten in Ungarn befinden. Daneben ist auch die französische Gesandtschaft in Budapest durch einen Beobachter im Gerichtssaal vertreten, so daß also für eine ausreichende französische Kontrolle des gan zen Prozesses gesorgt ist. Run haben aber die Fran zosen am Dienstag eine böse Ueberraschung erleben müssen. Prinz Windischgrätz deckte plötzlich einige Karten auf, wodurch die ganze Frankensäl schungsafsäre eine besondere Rote erhält. Er erklärte nämlich, daß Schein Schitlze, eine der geheim nisoollsten Figuren dieses Prozesses, während der Ruhrbefetzung in Duisburg gezwun gen worden sei, an den Fälschungen deutscher Marknoten teilzunehmen, und daß die ungarischen Frankensälscher durch seine Vermittlung dasselbe Papier erhalten hätten, das die Franzosen im Jahre 1923 in ihren eigenen Falschmünzerwerkstätten benutzten. Mit dieser Feststellung des Prinzen Windischgrätz sind die Franzosen um die erhoffte große Sensation gekommen, dem Auslande aber, das ebenfalls den Budapester Prozeß interessiert verfolgt, sind jetzt die Augen darüber geöffnet morden, welche Verheerungen die französische Ge waltpolitik am Rhein nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch anderswo angerichtet hat. Darüber hinaus sind die Franzosen jetzt in die Linie der ungarischen Frankenfälscher einrangiert worden.
Manneswille oder Staats«) i He in der Mandschurei?
Von Dr. Karl Haushofer. Generalmajor a. D„ Professor an der Universität München.
K. K. Zum drutenmal läuft in diesen Mat- Tagen der starke Wille des Marschalls Chang Tso Lin, des Kriegsherrn von Mukden, in der Mandschurei, Sturm auf die Reichszentrale Peking. Einmal warf ihn der Leichtsinn des eigenen Sohnes, Chang Tsue-Liang, und der Verrat seines Mittämp fers Kuo fast aus die letzten Wurzeln seiner Macht um Mukden, die alle Kaiserstadt, zurück, und nur sein starker Jöerrenroille und sein märchenhaftes Glück hoben ihn wieder in den Sattel. Einmal überfluteten seine Heere das ganze Küstengebiet von Nord- und Mittelchina so beherrschend, daß jein Hauptgegner, neben 'Marschall Wu Pei Ftt, der christliche General Feng '2)u Hsiang, nur durch Kraft wagenschrnttggel von den Sowjets her über die Wüste Gobi feinen Waffennachschub erlangen konnte. Aber immer wieder bis heute blieb ihm der Sitz seiner Macht, der Kern der Mandschurei mit den rund 940 00(1 Quadratkilometern der drei oft lichen Provinzen (Tung san jcheng).
Eine von ihnen ist hochkultiviertes Land, nur von Waldgebirgen und einem Sieppenfluß-Tal (des Liauho) begrenzt- Fengtien, längst von chinesischen Auswanderern, meist aus Schantung stammend, überschwemmt, mit einer Bostsdichte, wie etwa der bayerifche Wald oder Mecklenburg (zwischen 30 und 40 auf den Quadratkilometer). Im russisch-japanischen Krieg schufen sich dort die Japaner längs der euva 20 000 Quadratkilometer autonomen Gebiets umfassenden Zone der Südmandschurischen Bahn und im südlichen, blutgetränkten Pachtbereich Liaii- tung eine beherrschende Stellung mit großen In- diistriegebieten, in der sie aber immer mehr auf Ab wehr gegenüber der chinesischen wirtschaftlichen Rück Eroberung geworfen sind. Ihre Zahl mag dort 150 000 nicht überschreiten, die unter den 29 Mil-
sich starre Struktur des Orgeltons fordert um so mehr einen inneren geistigen Fortschritt im Verlaufe des Werkes. Daß man unter dem Eindruck einer harmonischen Weiterentwicklung der Musik sich der inhaltlichen Darstellung, dem Programmatischen zuwendet, zeigt die Orgelmusik der Romantik. Das Gefühl für die Kraft der Linie war zu sehr durch die Betonung der Harmonie, durch die ständige Beziehung auf den Bahton. geschwunden, und die sog. lineare Kunst jener Zeit stellt lich dem kritische» Hörer als eine Stimmfortführung nach harmonischen Rücksichten dar. Besonders auch romanischer Einfluß brachte die Orgel immer in den Bann des Orchestralen, über der Klangfarbe verlor sich immer mehr das Gefühl für die Struktur des Orgelmähigen. allerdings mochten die rapiden Fortschritte in der Orgelbaukunst zu dieser Art der Orgelbehandlung geradezu herausfordern.
Da seht Regers Werk ein. Bach ifi ihm die Quelle. Gewiß hatte sich sein harmonisches Denken und Empkinden unter Hugo Riemanns Einfluß stark bereichert: aber trotz aller harmonischen Mannigfaltigkeit ist bei ihm die llebereinander- stellung der Linien in ihrer individuellen Ausprägung das Mittel zu persönlicher Aeußerung. Unb dennoch ist es nicht nur Bachsche Polyphonie die sich in seinen Schöpfungen auswirkt. Bei Bach zeigt sich doch immer wieder trotz allem persönlichen Verbundensein eine gewisse Objektivität der Aeußerung. ein Festhalten der einmal gewonnenen Grundeinstestung, bei Reger wird die Produktion viel stärker von dem persönlichen Erlebnis, im Fortschritte des Werkes von dem augenblicklichen Impuls beeinflußt. Ein so reiches Auswirken der Persönlichteit sand in dem modernen Orgelwerk das geeignete Ausdrucksmittel.
Regers Schaffenskraft befruchtet sich da am reichsten, wo ein bestimmtes Thema ihm die Anregung gibt. Dieses wiederkehrende Thema wird ihm zum Anreiz für immer neue Umwandlungen, führt zu neuen Evolutionen und so erwächst an ihm ein blühendes Rankenwert
honen Chinesen und Mandschuren vertchwinden. so- weit sie nicht in Fremdkörpern von Siedlungen längs der Bahn zujammenkleben. Die zweite, Kirin, ist lwrwiegend eine Urwaldprooinz, mit einer Volks dichte von 1 bis 10, mit gewaltigen Strömen, in einer Piifserlage zwischen dem russischen iinb japa nischen Einfluß, am meisten nach Rordosten vor geschoben. Die dritte, die Steppenprovinz, bünnbe siedelt, aber mit reichen Böden, fuhrt ihren Rainen nach dem Amur, dem Schwarz-Drachen-Fluß Hei Lung Kiang. der — einst ihre Lebensader — heute ihre Nordgrenze gegen das russische Amurland bildet. Dort tritt heute die chinesisch-russische Symbiose der ostchinesischen Bahn m den Vordergrund, nachdem die Landschast zuerst mehr idwinbor als wirk Och unter der Vorherrschaft des alten Zarenreiches geftanben hatte
Drei gewaltige Kultur- unb Macht-Körper ftrer tcu sich also um den reichen Raum, der Mitteleuropa am Umfang etwa gleichtomml, und der für die fünf lige Gestaltung aller ostasiatischen Fragen oielleicht eine ähnliche Bedeutung besitzt. Trotzdem hat es die Mandschurei verstanden, ihr eigene:- Leben zwischen 0 hina, Japan »nd Rußland zu führen, sich immer mehr zu behaupten: und heute stehen ihre Truppen wieder einmal vor Peking, das im Laufe der Ge schichte schon zweimal Dynastien aus der Man dschurci zu ihrem Herrensitz machten Japan und Rußlands sonst nicht durch ihre Zurückhaltung in solchen Fragen berühmte Mächte, haben sich vor sichtig aus der Schußlinie gehalten, sie haben in Fragen mit der Mandschurei paktiert, in denen sie herrisch ihren Willen behaupten, und mit Ehang Tso Lin Entschuldigungen gewechselt, wie mit ihres gleichen.
Ist es nur ein ungewöhnlicher Mann, icusäch- lid) aus einer Räuber Vergangenheil zu solcher Machtsülle aufgestiegen, der sich dort für eines Le bens Dauer unter schwantende» und unsicheren Ver hältnissen ringsum behauptet, oder handelt es sich hort um eine werdende staatliche Lebensform (etwa wie einst das.Preußen des Großen Kurfürsten), als deren Schicksalswerkzeug der Marschall mit seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit nach viel größere Be deutung gewinnen würde?
Wohl sind and) die drei östlichen Provinzen ein selbstverständlicher Teil des alten Mandschn Kaiser reichs in China gewesen, bis zu seinem Zusammen brud) an der Jahreswende 1911 bis 1912. Sie waren die bevorzugten, aber leer gewanderten Stammpio- vinze» des Kaiserhauses, dessen wundervolle Grab landschasten um Mukden liegen mehr dynastisch als staatsrechtlich und gefühlsmäßig den Söhnen Han, dem übrigen China verbunden. Run aber fährt seit der Errichtung des Volksstaates der blühenden Mitte, zersetzend und lösend ein 16 Jahre währender Bürgerkrieg durch die Lande. Der Zusammenhalt der großen chinesischen Landschaften ist ja immer reichlich so lose gewesen, wie der des heiligen römischen Reichs deutscher Ration: „Lang getrennt, gehen nur zusammen, — lang beisammen, trennen wir uns leicht —" sagte mir einmal ein chinesischer Staatsmann in der Spruchfvnn der alten chinesischen Kultur über das Wesen der viertausendjährigen Reichserfahrung mit dein Zusammenhang der Länder, lieber 1600 von diesen Jahren gemeinsamen Schicksals hat China im Stand der Trennung und Länder auftöfung verbracht.
wohl durch die Sck)uld des Verrats von Mian Shi Kai an dem armen jungen Reformkaifer Khwang Hsu und dem Reformer Kong Pu Wei China an dem Ausweg^ einer evolutionären Entwicklung im japanische» Stil vorübergeglitetn war, und den Dornenpfad revolutionären Vorgehens einschlug, des | Mandalswechjels (ko ming) ohne neue Zentralherr schäft, von diesem Zeitpunkt — 1911 — an hat sich fast jedes der großen chinesischen Länder jeweils unabhängig erklärt, wen» ihm etwas nid)t paßte, das die 'Mehrheit der andern tot. So verfuhr der ganze d)inefifd)c Süden, so verfuhr das große Szerchuan im wilden Westen und Wnnan an der indischen Grenze, so versuhren die Pangtseländer: Tibet, die Mongolei trifteten ab: was hätte die großen Einheiten im Rordosten abhasten sollen, zu tun, was sie so viele Beispiele lehrten ^
Sie fühlten sich innerhalb der chinesischen Knl- türmest als engere Einheit in der Rassenzui'ammen- setzung, wenn nrich der eiaentlid) mandschurische Einschlag in der heutigen Bevölkerung höchstens neun Millionen betragen mag, während die Rvrdchinesen überwiegen, die alt-asiatischen Stämme bald völlig aufgesogen sein werden. Zwischen dem Drei-Strom- Problem des Amur und seiner gewaltigen Reben flüsse llssuri. Sungori und Ronni mit ihren mehr als 6000 Kilometer natürlicher Wasserstraßen, des Palu im Südosten und des Liauho im Südwesten,
iiin Gerüst der |eu der Iahrhunderiwende ge,chai senen Bahnen Halle sich über bem uralten Straßen jyftcm eine neue Wirtschajtseinhcit nufgebuui. der unberührter Rohstossreichtum und immerhin eine gewiße Kultur-Tvoditton zugrunde lag, aus der po lttische Erinnerungen schnell eine neue politische Forderung eigener Staatlichkeit erwachsen ließen
So erleben mir dort vor unfern Augen uieUeidu dos (Entflehen eines jehi ledenskräf ligen P u fserstoates zwischen 3opan. China »nd den eowjetbünben. der in der Raun.wenc Mil teleuropas, oder Deurichlands und Frankreichs y. jammen, heute $0 Millionen beherbergt, aber viel leicht 80 bis 10V leid» ernähren kann, her Gold. Kupfer, Eisen unb Kohle im Uebersluß und ziistun menhangende Wälder von der Größe des Freistav les Hesieu befstzt. der heute schon einen Siapelwen des Weltverkehrs, Bohne» und Bohnenöl hervor bringt, Reis, Hirsen. 'Weizen unb Zuckerrübe» Ernten von Wettrns auf jungfräulichen Böden tragt, und von Amerikaner» ihrem Weste» beqebrlid) vergliche» wirb.
Stände Marschall Chang Tso Lin nur für einen der Triumvirn, die fid) nun um die Fetzen des im nier mehr zerreißenben einst jo kostbaren altdiim fischen Staatsgewandes streiten, io würden wir nicht ohne weiteres Veranlassung haben, bie Auf merffomteit auf ihn unb fein mögliches Werk als Vollzieher einer neuen Staatsverkörperung (Inkarnation) zu leisten. Als Schicksalswerk zeug des Voll uigs einer solchen Gründung aber kann er weit geschichtliche Bedeutung erlangen, und deshalb sind die Augen der Vereinigten Staaten, Rußlands, des britischen und japanischen Reiches, wie natürlich des von einem schweren Verlust bedrohten chjne sischen .Kulturgebietes längst mit berechtigter Ain merksamkeit aus den Raum zwischen Peking, Shan Hai, Kwan. Mukden und Iehol gerichtet, in dein sich die Entscheidung über die ostasiatische Zukunft: rolle der Mandschurei abspiel i
Ein tiefliegender geopolitischer, raumbeftimmicr Grund ist es auch, der eine wirkliche Versöhnung zwischen Marsd)all Wu Pei Fu, dein Heerführer der Pangtse-Landschaflen, unb (Ehang Tso Lin u n • möglich macht. 'Nur ein starkes El)ina kann von Peking aus in seiner heutigen Form überhaupt regiert werden, und nur ein China, zu dem die drei östlichen Provinzen mit ihrer Wirtschaswmachi unb kriegerischen Kraft vollen Herzens gehören Sonst muß der Reichs Schwerpunkt südwärts gletten, etwa nach Nanking, oder Hanka»: dann aber ist es wie her fast unmöglich, die Hochsteppenlandschaften und die Mandschurei beim Reiche zu hasten. Der Rar den. politisch, misitärisch und or^anrfatorifd) be gabter, wird sich in China dem Süden nie dauernd unterwerfen, »nd jo vielleicht eine Trennung unvermeidlich sein. Denn der Süden hat die vitalen Kräfte der Revolution geliefert, empfindet sich als in Kultur und Wirtschaft immer mehr erstarkend, und hat die lebendigere Außenfühlung.
So rührt das mandschurische Problem an die Wurzeln der dstnesischen Frage, nicht anders, als jahrhundertelang bas preußische an die Wurzeln der deutschen. Schon die viele» Gleichlüuflgkefte» zwischen beiden Entwicklungen zu verfolgen, wäre eine kutturwissensd)afUiche Aufgabe von höchstem Reiz, wenn unsere Zeit in Mitteleuropa noch die Organe zum Emsühlen in völkerpfycholoqisd)e Aus- gaben solcher Art und den nötigen Nachrichte» dienst hätte, und aus ihr herausziilesen verstände, was auch für uns darin von höchstem Lehrwert für die eigene Zukunft ist.
Der hessische Gesandte m verfin. <^ine Vorstellung der Zndnßirie- unb Handelskammern.
Im Auftrag her sämtlichen sieben Industrieland Handelskammern des Volksstaates Hesse,i überreichte» am 10. Mai 1926 hie Vorsitzende» her Hessischen Industrie- urtb Handelskammern Worms und Darmstadt, Geheimrat F. Doerr und E. Schenk, dem Herrn Staatspräsidenten des Volksstaates Hesse» unter näheren mündlichen Erläuterungen nachstehende Erklärung der Industrie- und Handelskammer Mainz al» Vorort des Hessischen Industrie und Handelskam- mertages: „Seit geraumer Zeit wird die Oefsent- lichkeit in Hesse» durch die widersprechendsten Mitteilungen über eine bevorstehende Veränderung in der Besetzung der Stelle des Hessische» Gesandten in der Reichshauptstadt beunruhigt. Der derzeitige hessische Geschäftsträger zu Berlin hat die vielfältige» Belange der hessischen Wirtschaft stets in wirkungsvollster Weise ver-
Daruni ist Regers Schaffen in den Formen, die der Bariation nahestehen, am mannigfachsten und ausdrucksvollsten. Die Fuge mit ihrem zwar ständig wiederkehrenden Thema, das sich aber doch ständig durch feine Beziehung zu anderen Stimmen abwandelt, lebt bei ihm in barocker Kraft wieder auf.
Der cantus finnus des Chorals zündet in ihm. und es erwachsen daraus die Choralfantafien
Man hat Regers Choralfantasien gern aus Bachsche Vorbilder zurückgeführt und !o diesen Werken fein eigentlich neues Moment abgewinnen wollen Gewiß, auch die Bachschen Werke sind in ihren einzelnen Teilen Interpretationen des Choraltextes, aber doch mehr im epischen Erleben: bei Reger dagegen nimmt das Erleben des Textes weit subjektivere, eindringlichere Formen an. Die hohe geheiligte Distanz bei Bach dem Inhalte des Textes gegenüber schwindet bei Reger, er wird ganz in den persönliche» Kreis gezogen. spontan impulsiv erfaßt und iubjektiv gefärbt. Jede Choralzeile, jeder neue Gedarrte im Text wird als Ausdruck eines neuen, innerlich geschaute» Erlebnisses angesehen, und so folgt mit den einzelne» Choralzeilen ein reicher Wechsel an stark erlebten Stimmungen
Aber diesem Wechsel wird die Eiicheitlich- feit durch den cairtu- finnus gegeben, der durch die ihm innewohnende Energie im Verein mit den im Tert kristallisierten Erlebnissen zu harmonischen und komrapunliische» Künsten erregt Unb in diesem Sinne müssen wir Regers Wort verstehen: .Die Protestanten wissen nichl was sie an ihrem Choräle haben
Und er als Anhänger der katholische» Kirche bearbeitet als erstes Werk dieser neuen Art Luthers ..Ein feste Burg' Ein Erstling und doch welche elementare Kraft, welcher Reichtum der Bilder, welch ein Betcnntnis des Glauvens- mutes! Ganz im Gegensatz dazu. „5traf mich nicht in deinem Zorn?" Unb dann ..Wachel aus. ruft uns hie Stimme", mit feiner Wucht der Kontrapunktik
Diese drei Choralsantafien. für eine Re- gcr-Gedächtnisfeiei eine glückliche Wahl: denn sie zeigen Reger in feiner charakteristischen Wesensart. Unb sie wurden zum Erlebnis durch Adols Wieder kHalle) an der Orgel Wer schon verschiedentsich Gelegenheil hatte. Wieher als Regerspieler zu hören, wird feststellen könne», wie er von Mal zu Mal innner mehr in seine Aufgabe hineinwächst
Regers Werte sind aus Dem Impuls geboren, sie verlange» ihn auch bei ihrer Darstellung, nur so erschließt sich ihr pcrfönl-.-hcv (Schall. Der große Zug muß den Regerspieler auszeichnen, selbst bas tleinste Jntermez-'. muß er in ben Rahmen des Ganzen zu stellen wiflcn. Und bei aller Großzügigkeit erfordern sie eine Menge a» Kleinarbeit unb Sauberleit in der Durcharbeitung. Diesen Anforberungcii entsprach A. Wieber voll und gaiiz, die Durchführung der Fugcnteile in ihrer Einzelphrasierung war meisterhaft. Dielleichi war die Einleitung zur „Straf mich nicht in meinem Zorn" etwa- zu gedehnt: mehr Straffung hätte bei bene» bie bas Werk erümalig hörten, bie EitiwicHifng le'.-'r ter erfassen lassen. In der Wahl bei- Register war er an das Vorgefundene Orgelwerk gebunden: aber er stellte Regers Linie plastisch und damit klar heraus (3n Anbetracht bei günstigen Akustik her Stadtkirche rourbdk gerabe bei diesem Konzert der Wunsch nach einer Renovierung des Orgelwerkes wach.»
Claere von (Eoniii ((Erfurt) bot Proben von Regers geistlichen Lieder». Gaben, die einem ginn bigen Gemüt erwachsen sind (z. T. 3eugniffe des ab geklärten Reger), unb die in ihrer jchlichie» t)in- gcbenden Innigkeit keine gewollte Kunst in der Gc ftalrung vortragen. Claere von Conta fand den red) ten Ton dafür
Für alle, die sich zu dieser Gedächtnisfeier ein gefunden hotten, ein Erlebnis, das ganz im Sinne Regers war. Zonzertverein und Regergcmcinbc hätten für ihr Bemühen einen weit stärkeren Beftich erwanen können. Das Werk Regers hefte das Recht, das zu fordern. —in—


