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über Albcunvr nach Griechenland zurück- gekehrt, um die Führung des Aufstandes zu übernehmen. Durch unvorhergesehene Ereignisse traf General Plast.iras zu spät in Saloniki ein und verlieb sofort wieder den Schauplatz der äln- ruhen. Sein jetziger Aufenthalt ist nicht bekannt.

Sieben Urheber der Offiziersverschwörung von Saloniki sind durch da§ Kriegsgericht zum Lode verurteilt worden. Das Urteil ist bereits vollstreckt. Unter den Füsilierten be­finden sich drei Abgeordnete des Athener Parla­mentes.

Die Friedensverhandlungen in Marokko.

Die Rolle Abd el Krims.

Paris, 13. April. (WB.) Ein Vertreter LesTemps" hat mit General Simon, der heute in Marokko eingetroffen ist und an der Spitze der französischen Delegation steht, eine Unterredung gehabt. Aus den Ausführungen des Generals sei folgendes hervorgehoben:

Abd el Krim, so erklärte er, ist der Führer eines der nördlichen Rifstämme. Er ist nicht der einzige Führer und man würde in Marokko selbst nicht sehr weit zu gehen brauchen, um gegenwärtig 5 oder 6 Agitatoren seines Schlages zu finden. Er verdankt seine Berühmtheit nur der außerhalb Marokkos zu seinen Gunsten be­triebenen Propaganda und den Ermuti­gungen überhaupt, die er erhalten hat. Wir werden nicht mit Abd el Krim, auch nicht mit einem Stamm verhandeln, sondern m i t den Vertretern aller Stämme, die zu uns gekommen sind. Es handelt sich nicht um Verhandlungen, die im Rainen Frankreichs und Spaniens geführt werden, sondern um Verhand­lungen im 71 a men d e r sherifischen Re­gierung, deren einer Vertreter an Ort und Stelle zu uns stoßen wird. Der Rifaufstand ist ein örtlicher A u f st a n d, ein die Innen­politik Marokkos interessierendes Ereignis. Des­halb kann die Frage nur durch die Marokko­regierung unter dem Bei st and der Pro­tektoratsmächte Frankreich und Spanien geregelt werden. Der Maghzen (Sul­tan) allein ist berechtigt, die Unterwerfung ent­gegenzunehmen.

Auf die Frage, wie die Pazifierung in der Praxis sich werde durchführen lassen, erwiderte General Simonr Durch die Wiederherstel­lung des Wirtschaftslebens werde der Herd des Rifaufstandes viel eher erstickt werden als durch irgendeine andere Maßnahme.

Ueber die drei Unterhändler, die im Rarnen Abd el Krims mit der französischen und spanischen Delegation in Ujda verhandeln wer­den, werden folgende Angaben gemacht: Si Mohammed Azerkane ist nicht nur Außen- Minister, sondern verwaltet auch das Marine- Ministerium und'ist der Schwager Abd el Krims. Der zweite Delegierte. Si Mohammed Hitmi, öfters Hady Ben Hitmi genannt, ist der Detter Abd el Krims und eine Art Ka­binettsrat im Außenministerium. Der dritte De­legierte, Hady Mohammed Scheddi, ist der Kammerherr Abd et Krims. Alle drei gehören dem Stamme der Beni Uriaghet an. dem auch 7lbd et Krim selbst entstammt.

Die

Rußlands.

Moskau. 13. April (Wolff.) Unter dem Vor­sitz Petrowskis wurde gestern bte zweite Tagung des Exekutivkomitees der Sowjetunion eröffnet. Die wichtigsten Punkte der Tagesordnung sind: Prüfung der Etats der Sowjetunion und der einzelnen Unionrepubliken und Reform des Systems der landwirtschaftlichen Steuern. Die Konferenz nahm einstimmig Den Vorschlag an, auf die Tagesordnung auch die Frage der Erweiterung des Präsidiums des Exekutivkomitees' durch die Wahl eines parteilosen Arbeiters und eines partei­losen Bauern zu setzen. Die Beratung des Etats wurde durch eine Rede R y k o w s eingeleitet, wel­cher auf das rasche Steigen des Etats hinwies, dessen diesjähriger Voranschlag vier Milliarden Rubel gegen 2.8 Milliarden im vorjährigen beträgt. Be­sondere Berücksichtigung im diesjährigen Etat fanden die Bedürfnisse der I n d u st r i e , für welche in den außerordentlichen Ausgaben 155 Millionen gegen 98 inj Vorjahre bestimmt sind. Trotz des raschen Wachstums, deren Produktion bereits 95 Proz. des Friedensstondes rreichte, fei sie nicht in der Lage, die rascher steigende Nachfrage der Stadt- und Landbevölkerung zu decken. Durch A b - bau der Preise des Detailhandels und durch Vergrößerung der Warenmenge hofft die Regierung in größerem Maße als bisher die Nachfrage der Bauernschaft zum Zeitpunkt der neuen Ernte befriedigen zu können. Ungeachtet der Passivität der Außenhandelsbilanz, welche durch die Forcierung der Einfuhr hervor- getufen wurde, verfüge die Regierung über eine ge­nügende Valuta und Goldreserven, um alle im Aus­lands gemachten Bestellungen zu bezahlen. Im April werde die Außenhandelsbilanz zum ersten Male im laufenden Wirtschaftsjahr aktiv aus- follen. Rykow betonte noch die Verminderung des Anteils der Steuereinkommen an den Gesamtein­nahmen von 60 Prozent im vorjährigen Etat auf 47 Prozent im diesjährigen. Die Einnahmen über­steigen die Ausgaben um 100 Millionen Rubel.

Auch das Zentralkomitee der Kommunisti­schen Partei prüfte in seiner letzten Vollsitzung eingehend die Wirtschaftslage der Union. Es faßte eine Entschließung, in der festgestellt wird, daß trotz des Abbaues des Wirtschaftspro- gramms, der sich daraus ergab, daß der Um­fang der Getreideeinkäufe ursprüng­lich die übertriebenen Erwartungen nicht ent­sprach, die Industrieproduktion im laufenden Wirtschaftsjahr sich um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahre erhöhen wird. Beobachtung äußer st er Sparsamkeit im Wirtschafts­leben und der Ausbau inländischer Kre - ditoperationen sollen zur Erhöhung der für die Industriealisierung des Landes not­wendigen Mittel beitragen. Die Entschließung betont die Rotwendigkeit des Ausbaus der Ausfuhr, wobei außer der Entwicklung der Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte und QRine- t allen energische Maßnahmen zur Entwicklung jener Wirtschaftszweige verlangt werden, in denen die Abhängigkeit vom Auslande am stärk­sten empfunden wird, so namentlich der Baum­wollkultur, Metallurgie und des Maschinenbaus. Zwecks Vergrößerung der Warenmenge zum Zett- punkt der neuen Ernte muß unter Erhaltung der Aktivität der Außenhandelsbilanz die Ein­fuhr von Rohstoffen für die Dextil- und Lederindustrie und nötigenfalls auch

die Einfuhr von Fertigfabrikaten erhöht wer­den. Die Emission von Umlaufmitteln darf nur so weit zugelassen werden, daß damit Erfolge in der Erhöhung der Kaufkraft des^ Ru­bels erzielt werden. Die Entschließung bekräftigt die von dem Parteitag festgelegten Grundsätze der Bauernpolitik der Korn. Partei und weist auf die Rotwendigkeit hin, die ärmsten Bauern­schaften von jederSefteuerung vollkommen zu be-- freien und die Steuern für die wirtschaftlich starke Bauernschaft zu erhöhen.

Der Oberste Wirtschaftsrat hält eine Er­leichterung der Bedingungen für tue Be­teiligung des Prrvatkapitals an der Industrie für möglich, und zwar durch die Er­laubnis zum Dau kleinerer Fabrikbetriebe durch die private Industrie und durch die Verlängerung der Pachtfristen für solche Privatpächter, welche die Produktion gut organisieren, sowie schließlich durch die Gewährung günstigerer Kreditbedin­gungen an Privatindustrielle. Zur Belieferung der Privatindllstrie mit Rohstoffen soll eine Aktiengesellschaft mit Beteiligung von Staats­kapital. begründet werden.

Die Spaltung in der sächsischen Sozialdemokratie.

Dresden, 13. April. (TU.) Montagabend fand hier eine von den 23 R e ch t s s o z i a l i st e n des sächsischen Landtages einberufene Versamm­lung statt. Der ftühere Ministerpräsident und jetzige Kreishauptmann B u ck wies darauf hin, daß die Vergewaltigung durch die Linkssozialisten schon soweit gehe, daß den sozialdemokratischen Wählern verboten werde, ihre gewählten Ab­geordneten zu hören. Von anderer Seite wurde zum Ausdruck gebracht, daß man den Kampf mit dem Parteivorstand und den Linkssozialisten nicht scheuen werde und im schlimmsten Falle auch bei einem Wahlkampf zum selbständi- g en Vorgehen bereit sei. Schließlich fand eine Entschließung Annahme, in der die Ver­sammlung von der Fraktionsmehrheit fordert, daß diese ihre auf positive Staatsmit­arbeit eingestellte erfolgreiche Politik mit aller Konsequenz weiterführt.

Der sozialdemokratische Bezirksvorstand von Ostsachsen hat eine Reihe dem rechten Flügel der Partei angehörende Mitglieder aus der Partei ausgeschlossen, darunter den sächsischen Ministerpräsidenten H e l d t. den Innenminister Müller und den Dresdener Polizeipräsidenten Kühn.

Hessischer Landtag.

D a r m st a d t, 13. April. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 101 Uhr. Das Haus tritt sogleich in die Beratung des Staatsooranschlags für 1926 ein, und zwar bei den Kapiteln 21 bis 52 (Ti i n i ft e r i u in des Innern).

In der Generaldebatte macht Abg. Schreiber (Dem.) längere Ausführungen, in denen er erklärt, die Demokratisierung der Verwaltung fei weiter ent­fernt als je, Fortschritte Hu machen. Die Rechtspar­teien gäben unverhohlen ihrer Genugtuung darüber Ausdruck. Die Forderung nach einer Demokratisie­rung der Verwaltung muffe erneut und verstärkt er­hoben werden. Die Ausführungen des Redners wurden auf der Rechten des Hauses zum Teil mit lebhafter Heiterkeit ausgenommen. So, als er die Auffassung vertritt, daß ein Beamter, der eine mon archische Partei fördere, aus dem Dienst ausscheiden müsse. Wenn die Rechtsparteien in Hessen ans Ru­der kämen, würden sie die republikanischen Beamten aus ihren Aemtern entfernen. (Zurufe: Huhu!) In seinen weiteren Darlegungen erklärt sich der Redner gegen die Abbauanträge der Abgeordneten Dr. Leuchtgens und Dingelden und empfiehlt dafür einen Antrag der Demokratischen Partei. Weiter wird vom Redner eine Neueinteilung' der Kreise verlangt, dabei könnten ganz gut einige Kreise verschwinden. Auf eine Agitation, die dann einsetzen würde, sollte die Regierung fein Gewicht legen. Der kommunalpolitische Ausschuß für die Verwaltungsreform solle endlich einmal zu Be­schlüssen kommen; ein Vertreter der Demokratischen Partei sei bisher noch nicht gehört worden. Ein­gehende Betrachtungen widmet Abg. Schreiber Fra­gen der Selbstverwaltung, dem Gemeindebeamten­recht, der Beschränkung des Instanzenweges im Ver­waltungsstreitverfahren auf zwei Instanzen, den öffentlichen Sparkassen, der Polizei, den Mensuren, der Irrenpflege und anderen Punkten.

Präsident Adelung teilt zahlreiche Anträge mit, die zu Kap. 27 gestellt sind, zumeist sind es A b - bauanträge. Die Generaldebatte über die Ka­pitel des Ministeriums des Innern wird dann für geschlossen erklärt und in die Einzelberatung ein- getreten. Zu

Kap. 27 (Ministerium des Innern) liegt u. a. ein Antrag Dr. Leuchtgens vor, der verschiedene Stellen in der Zentralver­waltung gestrichen haben will. Er legt dar, daß in der Zentralverwaltung die Arbeit, die früher von 8 Beamten, jetzt von 19 geleistet werde. Gerade bei der Zentralstelle müsse gespart werden. Bei der Erläuterung der übrigen Anträge seiner Partei ver­langt der Redner eine größere Selbständigkeit der Selbstverwaltungskörper und der Lokalbehörden: nur dadurch würden Ersparungen gemacht werden können.

Abg. Anger meier (Korn.) verlangt Ver­einfachungen imRechnungswesen. Die Gemeinsderechnungen würden zweimal geprüft, was überflüssig sei.

Minister von Brentano erklärt, man könne nicht abbauen, wenn nicht die Aufgaben des Ministeriums des Innern vermindert würden. Gegen eine Vereinfachung des Instan­zenweges, gegen eine Übertragung von Auf­gaben an die Lokalbehörden und gegen die ande­ren Forderungen in diesem Hause habe er nichts einzuwenden, wenn ihm ein Abbau der Auf­gaben vorgeschlagen werde. Man könne die früheren Verhältnisse nicht mit den jetzigen ver­gleichen. Der Minister zählt eine Reihe von neuen Aufgaben auf, die dem Ministerium über­tragen worden sind, wie die Jugendpflege, das Wohnungswesen, die Polizei, Verkehr mit Kir­chen und Schulen usw. Die Einläufe seien un­geheuer gewachsen. Die Beamten erfüllten in vollem Maße ihre Pflicht: solange der Acht­stundentag bestehe, mühten allerdings auch Beamte mehr eingestellt werden. Zum Schluß seiner Rede erklärt sich der Minister ncch uals bereit, den Abbauwünschen im Hause entgegen- zukommen, wenn ihm annehmbare Vorschläge gemadjt würden, die Ausgaben zu vermindern.

Abg. Kindt (Dn.) verteidigt die Mensuren gegenüber den Angriffen des 2lbg. Schreiber. Vertrete das Waffenstudententum demokratische Grundsätze, so wäre dieser der erste, der die

Mensuren verteidige. Abg. Kindt erklärt dann, daß seine Partei dem Antrag Dr. Leuchtgens zustimmen werde. Es folgen die Abstimmun­gen über Kap. 27. Die Einnahmen des Ka­pitels werden mit 1500 Mark und die Aus­gaben mit 409 591 Mark bewilligt. Der An­trag Dr. Leuchtgens wird abgelehnt: die wei­teren Anträge werden in 11 ebereinstimmung mit den Ausschußanträgen erledigt. Genehmigt wer­den die Kapitel 28 (Stellvertretungs- und Aus- hilfskosten) mit 125 000 Mark, Kap. 29 (Postge­bühren) mit 150 000 Mark, Kap. 30 (Regierungs­blatt) mit 20 000 Mark Ausgabe. Bei

Kap. 31 (Provinzialdirektionen und Kreisämter) macht Abg. Schott (D. Vp.) auf Mißstände bei den Wahlen der Bürgermeister und der Bei­geordneten aufmerksam, die sich durch die ver­schiedene Dauer der Amtszeit ergeben haben. Die Verschiedenheiten in den Wahlperio­den wären nur durch die Zufälligkeit der An­beraumung des Wahltags verursacht. Der Red­ner spricht sich gegen eine Umgruppierung der Kreise Rheinhessens aus, durch diese Frage werde die Bevölkerung stark beunruhigt. Weiter ver­langt der Redner ein schärferes Einschreiter, gegen den wilden Hausierhandel.

Kapitel 31 wird dann mit 23 000 Mk. Ein­nahme und 1 389 114 Mk. Ausgabe genehmigt. Die anderen Anträge zu diesem Kapitel werden nach den Ausschußanträgen erledigt. Die Kapitel 32 bis 34 (Gendarmerie, Polizei usw.) werden vorläufig zurückgestellt. Die Kapitel 35 und 36 fallen aus. Kapitel 37 (Zentralstelle für die Landesstatistik) wird genehmigt, und zwar mit 500 Mk. Einnahme und 90 562 Mk. Ausgabe, ebenso Kapitel 38 (K i r ch en), für die 622 721 Mk. in Ausgabe vorgesehen sind. (Die Sozialdemo­kraten und Kommunisten enthalten sich der Ab­stimmung.) Einstimmig wird ein Antrag des Abg. Dr. Werner angenommen, daß das Gut­achten über das finanzielle Verhältnis von Staat und Kirche von der Juristischen Fakultät der Universität Gießen bald vorgelegt wird. Kapitel 39 wird zurückgestellt. Kapitel 40 (Tierärztlicher Dienst) wird angenommen mit einer Einnahme von 154 000 Mk. und einer Ausgabe von 423 299 Mk. Bei

fiap. 41 (hebammen-Lehrcmslatt Mainz) macht Abgeordnete Frau Roth (Komm.) längere kritische Ausführungen gegen die Zustände in der Anstalt, ähnlich denen vor wenigen Wochen.

Ministerialdirektor S p a m e r legt dar, warum das Hebammengesetz dem Hause noch nicht vorgelegt werden konnte. Es wären noch verschiedene strittige Fragen zu klären, wie das Riederlassungsrecht. Das preußische Gesetz habe eine Genehmigungspflicht hierfür eingeführt, das Oberverwaltungsgericht habe sich jedoch dagegen erklärt. Jetzt müsse das Reichsgericht über die Gültigkeit einet Bestimmung in bezug auf das Riederlassungsrecht entscheiden ober erklären, ob eine Aenderung der Gewerbeordnung vorgenom­men werden muß. Zu den Beschuldigungen der Frau Roth erklärt der Redner, daß die Regie­rung dazu keine Stellung nehmen könne, weil ihr das Material nicht vorgelegt worden sei, bevor es hier dem Hause unterbreitet wurde. Die Untersuchung über die Verhältnisse der Heb- ammen-LehranstÄt werde zur Zeit vorgenommen: nach deren Abschluß werde dem Hause das Er­gebnis bekanntgegeben.

Abg. Frau Heraus (Dntl.) tritt den Be­schuldigungen der Abgeordneten Roth entgegen.

Abg. Frau Steinhäuser (Soz.) bringt ebenfalls Klagen über die Mainzer Anstalt vor.

Der Antrag des Ausschusses, die Einnahme mit 129 580 Mk. und die Ausgabe mit 167179 Mark zu genehmigen, wird angenommen. Ka­pitel 42 wird zurückgestellt. Kapitel 43(Alice- ftift bei Darmstadt) wird mit Einnahme und Ausgabe von 145 440 Mk. angenommen. Bei Kapitel 44 (Volksgesundheitspflege) bemängelt es Abg. Kindt (Dntl.), daß in das Kuratorium des Eleonorenheims, das aus zwölf Mitgliedern bestehen soll, je 4' vom Staat und der Stadt gestellt werden und nut 3 vom Ver­ein selbst. Das Eleonorenheim sei ein Privat­unternehmen.

Abg. Hardt (Soz.) stellt in längerer Rede eine Reihe von Forderungen zur Bekämpfung der Tuberkulose und äußert bann noch zahlreiche andere Wünsche zur Dolksgesundheitspslege.

Abg. Dr. Greiner (Komm.) leitet die Bolkskraniheiten aus der Wohnungsnot her und fordert, daß Hol^- und Stahlhäuser gebaut wer­den. Im Anschluß daran erörtert der Redner noch weitere Forderungen zur Gesundheitspflege.

Um V/< Uhr werden die Beratungen ab­gebrochen und die nächste Sitzung auf Mittwoch vormittag 9 Uhr anberaumt.

Aus aller Welt.

Dec Rordpolflug Amundfeus.

Das Luftschiff51 o r g e" wird frühestens Mitt­woch früh 7 Uhr in O s l o erwartet. A m u n b f e n und Ellsworth reiften über Trondjem nach Spitzbergen. DerAstenvosten" gegenüber er­klärte Amundsen, Staatsminister Lykke habe ihn beauftragt, während des Polfluges entdecktes Laad für Norwegen zu annektieren.

Nach einer Meldung derVoff. Ztg." wird mög­licherweise Arnundsens Luftschiff feinen Weg von England längs der deutschen Nordsee- und Ost- seeküste fortsetzen, um in dem ostpommerschen Flug­hafen S e d d i n bei Stolp in Pommern eine Zwi­schenlandung oorzunehmen. Das Regiments­kommando des Stolper Reiterregiments hat bereits Befehl erhalten, sofort 150 Mann Landungsmann- fchaften bereit zu halten.

Der fünffache Raubmörder von Rockenberg verhaftet.

Eger, 14. April. (WTB. Funkspruch.) Unter dem Verdacht, den fünffachen Raubmord in Rocken­berg bei Eger verübt au haben, wurde ein 40 Jahre alter Häusler, L a n f f aus Rockenberg verhaftet. Auch fein Schwager, Moisl, ist feftgenommen worden.

Das Ende dreier hungerkunftler.

In Halle bekam der Hungerkünstler Jackie Jack, der feit 23 Tagen hungert, einen Tob­suchtsanfall und zerschlug die Scheiben seines Käfigs. Der in Hamburg seit 30 Tagen fastende Hungerkünstler Horst ist b^ute in be­denklichem Zustande ins Krankenhaus überführt worben. 2n D r e s b e n ist der Hungerkünstler Harry, der feit 31 Tagen fastet, ausgebro­chen. Mit ihm soll feine Braut, der die bis­herigen Gewinnanteile in Hohe von 3 bis 4000 Mark ausgezahlt wurden, verschwunden fein.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 14. April 1926.

Jur Gietzener PHUologentagung

Am 15. und 16. April weilen aus Anlaß der 41.Hauptversammlung des Hessischen Philo­logenvereins Hunderte in allen Teilen Hessens an höheren Schulen wirkende akademisch gebildete Lehrer als Gäste in unserer Stadt. Die weitaus meisten von ihnen sind ehemalige Gießener Studen­ten. Viele wird außer der Absicht, an den Ver­handlungen ihrer Berufsorganisation teilzunehmen, auch dec Wunsch leiten, ihre alte Musenstadt wieder­zusehen, Freunde aus der Studentenzeit aufzusuchen und zu treffen, die Stätten jugendlichen Frohsinns besserer Zeiten in unserer Stadt und ihrer schonen, an akademischen Erinnerungen reichen Umgebung zu besuchen.

Gießen ist wie kaum eine Stadt Hessens eine Stadt der Schulen und Philologen. Seit vor 320 Jahren erst das Gymnasium, dann die Universität begründet wurden, ist es allezeit ein Bildungsmittel­punkt für die nähere und fernere Umgebung ge­wesen. Nachdem zwei Jahrhunderte lang das Gym­nasium (Pädagogium) die höhere Schule Gießens uvar, hat eine weitschauende Stadtverwaltung im 19. Jahrhundert den Bedürfnissen der neuen Zeit entsprechend die Realschule, die höhere Mädchen­schule und das Realgymnasium ins Lsben gerufen, und Gießen besitzt heute ein blühendes höheres Schulwesen. Der Gedanke, von dem man bei Grün­dung all dieser Schulen zu den verschiedenen Zeiten ausging, war doch wohl der, gut erzogene und gründlich ausgebildete Menschen zu erhalten, die Staat und Kirche, Gemeinde und freien Berufen für leitende ober besonders verantwortungsvolle Stellen tüchtige und brauchbare Männer zur Ver­fügung stellen sollten. Diejenigen, die dieses Er- ziehungs- und Bildungswerk durchzuführen Haden, waren und find die Philologen.

Gießen, die Stadt, in der als betonte Lehrer wirkten Konrad Dieterich, Franz Rambach, Christoph leimig, Kilian Rudrauff, Hermann Benner in alter Zeit, Friedrich Gottlieb Welcker, Josef Hillebrand. Hermann Schiller, Nodnagel, W. Stamm und O Buchner in neuerer Zeit, begrüßt die heute und morgen in seinen Mauern weilenden Philologen, wünscht ihren Verhandlungen guten Verlaus, ihrer Bestrebungen Gedeihen und hofft, daß auch bet Frohsinn trotz der schweren Zeit nicht ganz fehler möge. Dr. W. H.

Die Schlaflosigkeit.

Von Privatdozent Sanitätsrat Dr. Hanauer. Frankfurt a. M.

Die Schlaflosigkeit zählt zu den häufigsten und quälendsten Hebeln. Wenn der Kranke über Schlaflosigkeit klagt, so ist das allerdings nicht wörtlich zu nehmen, denn in der Regel handelt es sich nicht um vollständige Schlaflosigkeit, sondern es ist meist der verkürzte und wenig er­quickende Schlaf, manchmal auch ein oberfläch­licher, häufig unterbrochener, der den Kranken quält. Oft glaubt er, dauernd wachgelegen zu sein, während er in Wirklichkeit zeitweise ge­schlummert hat, öfers aber wieder aufgewacht ist.

Die wichtigste Ursache der Schlaflosigkeit sind fortwirkende Erregungen, die durch geistige Ar­beit und lebhafte Ge. Slewegungen Ec ingt sind.

Weitere Ursachen der Schlaflosigkeit sind zu starke Mahlzeiten vor dem Zubettgehen oder zu geringe Nahrungsaufnahme. Darmträgheit. Genuß von starkem Kaffee oder Tee in später Abendstunde. Tabakmißbrauch, störende Licht- und Gehörseindrücke u. a. In physiologischer Be­ziehung ist zu beachten, daß bis zum Eintritt des Schlafes eine gewisse Blutleere des Gehirns notwendig ist. Das Blut fließt bekanntlich den Organen in vermehrter Menge zu, die es zu ihrer Arbeit brauchen: in besonders sinnfälliger Weise ist dies bei der Verdauung der Fall, das Blut wird hier dem Gehirn entzogen, und so erklärt sich das Gefühl der Müdigkett und Schläfrigkeit nach dem Essen. Umgekehrt kann bei UeberfüIIung des Gehirns mit Blut ein richtiger Schlaf nicht zustande kommen.

Zur Verhütung der chronischen Schlaflosig­keit ist körperliche und geistige Hygiene not­wendig. wechselnd zwischen Arbeit, Rahrungs­aufnahme und Ruhe, Gewöhnung an Ordnung und Regelmäßigkeit im Aufstehen und Zubett­gehen. richtige Gestaltung des Schlafzimmers, Abhaltung aller störenden und ungewohnten Sinnesreize, vor allem der störenden Geräusche. Ausschaltung aller Lichtquellen, Durchwärmung des Bettes und Schlafztmmers in kalter Jahres­zeit. Auch die Körperlage im Bett ist von Be­deutung: da das Liegen mit erhöhtem Ober­körper den Dlutabfluß begünstigt, so ist diese der Tieflage des Kopfes vorzuziehen. Verkehrt ist es. mit gespannter Aufmerksamkeit dem Ein­tritt des Schlafes entgegenzufehen. Man soll den Schlaf erwarten, indem man sich ganz der Ermüdung überläßt.

Was die Bekämpfung der Schlaflosigkeit an- belangt, so ist von dem gewohnheitsmäßigen Gebrauch von Schlafmitteln auss ernstlichste zu warnen. Eine Heilung der Schlaflosigkeit wird durch Schlafmittel überhaupt nicht herbeigeführt. Die Beseitigung der Schlaflosigkeit muß durch allgemeine Maßnahmen erfolgen. Manchmal tut ein Ortswechsel, ein Aufenthalt Im Gebirge oder an der See zur Beseitigung der SchlafLsigkeit gute Dlenste. Bei hochgradiger Reizbarkeit und 6rreg6arfeit ist ein beruhigendes Klima ange­bracht, z. B. Riederungs- und mittleres Gebirgs- flima. Es wird ferner allgemeine Massage am Mend und Kopfmassage empfohlen, desgleichen Widerstandsgymnastik.

Viel und mit Erfolg gebraucht werden Wasseranwendungen. Zu den wirksamsten Mit­teln gehört die feuchte Ganzpackung von 3/<- bis Istündtger Dauer, die feuchte Leibbinde. Kühl­kappe am Kopf, feuchtwarme Wadenwickel, Priehnitzumschläge um den Leib, feuchte Um­schläge um den Racken. Ilnterschenkelgüsse. kurze kalte oder warme Fußbäder, feuchte Strümpfe, über welche trockene gezogen werden, auch Sitz- und Halbbäder werden empfohlen.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch Stadttheater: 7 UhrDon Pasquale" (Ende 9.3C Uhr). Radclub Germania: 8.30 Uhr, Vereins- lokal, Monatsversammlung. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Hanseaten". Astoria-Lichtspiele. Der Pakt mit dem Tode".

Der Goethe-Bund bittet uns. noch« mals auf den Vortragsabend des Weimarer Dichters Dr. Heinrich ß i I i e n f ein aufmerksam zu machen. Lilienfein, dessen literarisches Schaf­fen weithin bekannt ist, wird einen Vortrag halten überSchiller und die deutsche Gegen­wart. (Siehe heutige Anzeige.)