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Mittwoch, U. April 1926

176. Jahrgang

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Die Schweiz für Deutschlands Ratssitz.

Bern, 14. April. 3m schweizerischen Stände­rat erklärte Bundesrat Motta, daß die Schweizer Delegierten für die Herbsttagung des Völkerbundes im September den Auftrag er­halten werden, für die Aufnahme Deutschlands und die Bewilligung eines ständigen Ratssiyes an Deutschland einzutreten, aber gegen die Schaffung neuer Ratssitze zu stimmen.

lagert, was schließlich nur ein hirntranter Bol­schewist alsSieg der Weltrevolution" bezeichnen kann. Wenn Sowjet-Rußland den Westmächten die kalte Schulter zeigt, wenn es an ihrer Auf­richtigkeit zweifelt, das Abrüstungsproblem zu lösen, so läßt sich dieser Vorwurf m mehr als einem Sinn zurückgeben. Die nüchterne Wahr­heit ist, daß die Sowjet-älnion den Zu­sammenprall der ni achtpoli tischen Interessen erwartet, daß es olles tut, diplomatisch und agitatorisch, um iN^en Zu­sammenprall zu beschleunigen. Die West- staaten verharren demgegenüber in einem Ge­fühl der Abhängigkeit, das auch durch den Geist von Locarno nicht gebannt werden konnte. Deutschland ist einseitig entwaffnet wor­den. Es muh sich von der französischen Presse sagen lassen, daß diese Entwaffnung das end­gültige Ergebnis der Versailler Politik ist, aber nicht die Voraussetzung dafür, daß nun auch die Siegerstaaten abrüsten. Die Versailler Politik sucht ja auch nur gegenüber Deutschland vollen­dete Tatsachen zu 'schaffen, während die Sieger- taaten selbst mit der Teilung der Beute noch nicht fertig sind. Unö Tschitscherins Rote, deren Fanfarenstöße bewußt herausfordernd sind, ist alles andere eher als dazu geeignet, die furcht- baren atmoshärischen Spannungen, die über Gu- ropa lagern, zu entlasten.

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Tschitscherins Note.

Genf, 13. April. Heute früh ist der Wort­laut der Rote, die Tschitscherin als Antwort auf die Rote des Völkerbundes nach Gens gerichtet hat, bekannt geworden. In der an den Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric D r u m m o n d, gerichteten Rote, die vom 7. April datiert ist, heißt es:

Ich habe die Ehre. Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 18. März Rr. 48 346 zu bestätigen, durch welchen Sie die Güte hatten, mich zu informieren, daß der Rat des Völker­bundes seinen früheren Beschluß über die Wahl Genfs als Ort des Zusammentritts der vor­bereitenden Abrüstungstommission bestätigt hat.

Die Deklaration der schweizerischen Regie­rung, auf die Sie Hinweisen, und ihre Erklä­rungen bezüglich der Bereitwilligkeit, die Sowjet- delegierten auf dem Fuße der Gleich­berechtigung mit den Delegierten der anderen Länder zu behandeln, war der Sowjetregierung vor der Absendung Ihres Brieses an den Völkerbund vom 16. Ianuar bekannt. Diese Deklaration konnte keinen Ein­fluß auf den Beschluß haben, den die Sowjet­regierung in dieser Frage bereits gefaßt hat. Als 1922 die schweizerische Regierung die 2Jn° Wesenheit der Sowjetdelegierten auf der Kon­ferenz von Lausanne ermöglicht hat, indem sie ihnen diplomatische Visa gewährte, wurde gleich- ialls angenommen, daß die Sowjetdelegierten dieselben Rechte und Privilegien genießen wer­den, wie die Delegierten der anderen Länder.

Dessenungeachtet hat die schweizerische Regie­rung, trotzdem sie rechtzeitig von den Drohungen, die in den extremistischen Kreisen gegen Herrn Worowsti, den Sowjetdelegierten, offen ausge- stohen wurden, unterrichtet war, nicht nur keine Maßnahmen getroffen, die durch die Umstände zur Vorbeugung eines verbrecherischen Aktes erforderlich waren, sondern sie hat auch, nach­dem das Verbrechen bereits begangen war, alles getan, was in ihrer Macht stand, um den Ver­brechern Straflosigkeit zu sichern.

Die Tatsache, daß die schweizerische Regierung sich hartnäckig geweigert hat, ihre elementare inter­nationale Pflicht zu erfüllen, und durch einen be- friedigenden offiziellen Akt ihre Mißbilligung über das begangene Verbrechen auszudriicken, beraubt die Versicherungen, die sie dem Völkerbunde gibt, jedes Wertes und gestaltet, anzunehmen, daß die schweize­rische Regierung sich in ihrer Stellungnahme gegen­über der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken noch immer durch die Mentalität derselben Preise leiten läßt, die erst zu dem Meuchelmord an .Herrn Worowski ermutigt und ihn dann beifällig aufge­nommen haben. Die Sowjetdelegierten können also nicht mehr als 1922 auf einen effek­tiven Schutz seitens der schweize- rischen Behörden rechnen.

Die Briefe, die mit dem 18. März und 12. De­zember datiert sind, enhalten kein positives Argu­ment zugunsten des Zusammentritts der vorberei­tenden Abrüstungskommission in Genf. Mehrere Male haben internationale Konferenzen, sogar wenn sie durch den Völkerbund organisiert roaren.Jn ver­schiedenen Städten Europas, außerhalb der--chwe^, stattgefunden. Der Sowjetregierung ist es nicht möglich, die Motive zu verstehen, durch welche eine Abrüstungskonferenz, an welcher die Beteiligung der U. d. S. S.R. als erwünscht präjümiert wird, an

keinem anderen Orte als in der Schweiz stattfinden» kann.

Die letzte Session des Völkerbundes, die in Genf abqehallen wurde, hat in dieser Stadt, dem Sitze des Völkerbundes, keineswegs die Existenz einer Atmosphäre bewiesen, die der Lösung der intemationaleu Jragcn im Geiste des Friedens, der Zurückstellung eigener Inter­essen und der gegenseitigen Zugeständnisse be- sonders günstig wären.

Wenn im Augenblick seines ersten Ent­schlusses über die Wahl von Genf für den Zu-

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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur:

Dr. Frredr. Wilh. Lang«. Derantworttich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämttich in Gießen.

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fammentritt der Kommission der Völkerbunds rat nur das Bestehen von Einwänden gegen diese ! Wahl seitens der Sowjetregierung im voraus annehmen konnte, so war dem nicht so, als er seinen Entschluß vom 18. März bestätigte, wo er bereits die kategorische und formelle Er­klärung der Sowjetregierung über ihren Ent­schluß, auf keinen Fall Delegierte in das Schwei­zer Gebiet zu entsenden, in seinem Besitz hatte. Wenn der Völkerbundsrat trotzdem glaubte, sich an den vorhergehenden Beschluß halten zu müs­sen, so muß notwendigerweise daraus geschlossen werden, daß er von Anfang an s ich bewuht das Ziel gestellt hatte, die Beteiligung der Union der S. S. R. an den Arbeiten der Abrüstungskonferenz zu verhindern, und daß alle seine formellen Deklarationen über die enorme Wichtigkeit, die der Mitarbeit der XL. d. S. S. R. bei dem Abrüstungswerke angeblich beigemessen wird, der Ausrichtigkeit und des realen Wertes entbehren. In der Voraussetzung, daß die Richtbeteiligung der U. d. S. S. R. an der Abrüstungskonferenz, die endgültig durch die Tatsache ihrer Abwesenheit an der Dorbereitungskommission gegeben wird,

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Tschitscherin hat an den General- i sekretär des Völkerbundes eine Räte gerichtet, deren Tenor sich nicht einmal Muhe gibt, die blutige Verhöhnung des Völkerbunds unter diplomatischen Formeln zu verbergen. Daß Tschitscherin heftige Worte gegen die Schweiz schleudert, ist gewissermaßen nur Begleitmusik, denn die Bolschewisten haben am allerwenigsten Ursache sich über Meuchelmörder zu beklagen. Wesentlich ist. daß der sowjetrussische Außen- Minister dem Völkerbund, das HE den Staaten, die ihn leiten, schroff und ungeschminkt zu verstehen gibt, daß sie keinesfalls daran dach- ten, die Abrüstungskonferenz zu positiven Ergeb­nissen kommen zu lassen. Tschitscherin versagt es sich nicht, auf das gleichgeartete Urteil H o u g h - ton«, des amerikanischen Botschafters in Lon­don zu verweisen, der in seiner Denkschrift für den'Präsidenten Eoolidge bemerkte, daß auf der Abrüstungskonferenz nur Vorschläge untersucht würden, über die eine Verständigung weder erwünscht noch vorgesehen s«. Wer Sinn für stilistische Feinheiten hat, suhlt sogar das behagliche Vergnügen heraus, das Tschitscherin bei der Einflechtung des Houghton- schen Satzes in seine Rote verspürt haben. Da konnte er ruhig noch einen Schritt weiter gehen, indem er dem Völkerbund hinsichtlich der Abrüstungskonferenz einen Mangel an Auf­richtigkeit, sowie äl n f ä h i g k e i t und A b- geneigtbeit vorwarf, das umstrittene Pro­blem zu lösen. Das ist reichlich viel auf einmal, nachdem die Sowjet-Anion durch einen geräusch­vollen internationalen Presseseldzug förmlich ge­zwungen toerben sollte, sich an der Abrüstungs­konferenz zu Beteiligen.

Wer die Entwicklung der internationalen Machtverhältnisse überprüft, kann Tschitscherin in Hinsicht auf seine tatsächlichen Ausführungen nicht so Anrecht geben. Italien schickt fiq> an. Öen Spuren der ewigen Roma zu folgen. Uno diese Spuren bedeuten das bewaffnete Vortragen des römischen Imperiums. Sicher, daß Musso­lini nicht wie Trajan zu Fuß vor den faszrstischen Legionen einherschreiten wird, wenn er über die tunesische Grenze acht ober bie Faszis die Küsten des Roten Meeres grüßen .lassen wird. Aber was Mussolini will, das bedeutet zunächst einmal das Hochtreiben der militäri­schen Rüstungen in Europa, das selbst den bewaffneten Frieden von 1913 wie ein Kinderspiel erscheinen läßt. Das Unheil ist, daß Europa heute nicht fahre- und jahrzehntelang ein Aüstungs- trainina aushalten'kann, wie das von 1890 bis 1914 der Fall gewesen ist. Die wirtschaftliche und finanzielle Zerrüttung Europas wird die Reibungsflächen viel eher in Brand setzen, was auch die schlüssige Meinung Houghtons ist.

Wenn die Abrüstungskonferenz mehr sein soll als eine Geste, dann brauchten weder Eng­land noch Frankreich nach Vorwänden zu suchen, um die Besetzung im Rheinland aufrecht zu erhalten. Gewiß, sie geschieht auf Grund des Versailler Vertrages. Aber dieser Vertrag ist doch nur der Ausdruck einer Siegerwillkiir. die hinterher durch die wirtschaftliche, finanzielle und politische Entwicklung Europas zehnmal ge­schlagen worden ist. Was nicht hindert, daß Austen Chamberlain erklärt, die Frage der Rheinlandbesehung. der heißt ihre Abkürzung, sei zur Zeit gegenstandslos. Sie ist es nicht, i m Gegenteil, die Aufhebung der Besatzung würde eine politische Entspannung und Entlastung Europas bedeuten, ohne die» eine wirkliche Abrüstung Europas gar nicht in Frage kommen kann.

Und ist der Hohn Tschitscherins nicht auch deshalb berechtigt, wenn sich heute die betrieb­same französische Publizistik abmüht, den st a n - big en Ratssitz für Polen zu sichern, ehe auch nur die Studienkommission zusammen­getreten ist? Ausgerechnet für Polen, das un­mittelbar vor dem wirtschaftlichen und finan­ziellen Zusammenbruch steht, also morgen sehr wahrscheinlich Objekt der Dölkerbundshilfe sein will? Paul Boneour, Frankreichs Völker- bundsdelegierter, bereist doch nicht nur zufällig Polen, fährt nicht nur zufällig über Danzig nach Hause. Vielleicht hat er in Danzig fest- steilen können, daß dieser Freistaat ein durch und durch deutsches Gepräge trägt, daß es also eine außerordentliche Verletzung des Selbstbe­stimmungsrechtes ist,'diese Stadt gewaltsam dem bankerotten Polen zuzuschlagen.

So wenig Tschitscherins Absage überschätzt werden darf, so wenig darf sie unterschätzt wer­den Daß Sowjet-Rußland sich an einer Ab­rüstungskonferenz beteiligen würde, war an sich schon unwahrscheinlich. Die Sowjet-Union hat ein doppeltes Interesse daran, die Rote Armee kampffähig auszubauen. Lind zwar deshalb, weil sie nicht nur mit außenpolitischen Gegnern rech­nen muh. vielniehr auch mit solchen inneren, bie der Sowjet-Llnion den Todesstoß versetzen wollen. Mag Tschitscherin auch zehnmal ver­sichern. daß die Sowjet-Regierung zahlreiche Be­weise ihres friedlichen Geistes und ihres auf­richtigen Wunsches gegeben habe, den Gedanken der allgemeinen Abrüstung zu verwirklichen, so reden die Tatsachen doch eine andere Sprache. Die bolschewistische Politik in Mittelasien und im fernen Osten hat sich weder friedfertiger Mit­tel bedient noch hat sie überhaupt em fried­fertiges Ziel. Cs sei denn, daß das kommu­nistische Leichentuch über As en und Europa

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Rußlands Absage an den Völkerbund

Keine Teilnahme an der Genfer Abrüstungskonferenz.

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Deutschlands Beteiligung an der Senser Studienkommisfion.

Berlin, 13. April. (1DIB.) Die Erkundi­gungen der deutschen Missionschefs in Paris, London und anderen hauplftäbten haben soweit befriedigt, daß die einmütige Aufsafsung des Reichskabinetts zur IN i t w i r k u n g bei der verein- fachung der Ratsreform aufrechterhalten werden konnte. Das Reichskabinett hat den Wortlaut einer Rote feftgeftellt, die wahrscheinlich am Donnerstag in Genf durch den deutschen Generalkonsul über­reicht werden würde. Der Wortlaut der Role soll dem Reichsauhenminlster nach Locarno übersandt worden fein, der sie unterzeichnen und dann nach Genf roelterleiten werde. Die deutsche Regierung teilte in der Rote mit, daß ein Vertreter Deutschlands an den Verhandlungen der Studienkommission teilnehmen werde, hinzugefügt ist, daß die deutsche Regierung die Aus- i gäbe Der Kommission nur in einem Studium der 3rage einer Erweiterung des Völkerbundsrats, der Wahlmethode und der Methode des Wechsels der nichtständigen Mitglieder sieht. Außerdem soll in der Rote betont sein, daß für die deutsche Regierung dabei der Grundsatz der Aniversalilät des Völkerbundes maßgebend fein werde. Die perfonenfrage bei der Beschickung der Stu­dienkommission ist vorläufig noch nicht entschieden. von den Morgenblättern werden Minifterialdirektor Gaus oder Geh. Rat von Bülow als Vertreter Deutschlands genannt.

Keine Einigung im englischen Bergbau.

London, 13. April- (Täl.) Die heutige Antwort der Bergarbeiter auf die Dor- I schlüge der Bergwerksbesitzer hat keine Klärung der Lage gebracht. Die Führer der englischen Bergarbeiter waren durch ihre Anhängerschaft, eine Lvhnherabsetzung, Verlängerung der Arbeits- I zeit und örtliche Lohnabkommen abzulehnen, gebunden. Die Zc sammenkunst zwischen den Ver­tretern der Bergarbeiter unb dem Zentralkomitee der Bergwerksbesiher brachte infolgedessen nicht viel Reues. Die Bergarbeiter erklärten, daß sie nur einer Lösung zustimmen könnten, die. den englischen Bergarbeiter eine angemessene Lebensführung gewährleiste. Im übrigen müßten sie auf ihrem bei früheren Zusammen­künften zum Ausdruck gebrachten Standpunkt be­harren. Man hält es in unterrichteten Kreisen für wahrscheinlich, daß der Premierminister morgen die Parteien zu einer gemeinsamen Zu­sammenkunft nach der Downing-Street einladen I wird, wo der Versuch gemacht werden soll, ein Kompromis zustande zu bringen. In Regicrungs- I kreisen wird großer Wert auf die Tatsache ge­legt, daß das Industriekomitee des Gewerlschaflö- I jongresses gegen einen Streit ist und einen Versuch für Beseitigung der bestehenden Meinungsverschiedenheiten auf srieolia)ei.! Wege wünscht. Maßgebende Stellen erklären mit gröfr ter Bestimmtheit, daß von einer Fortsetzung der Subventionszahlungen in der bisherigen Höhe [eine Rede fein könne. Morgen vormittag wird I der Arbeitsminister Steel-Maitland dem Kabi- | nett über die heutige Zusammenkunft zwischen Dergwerksbesitzern und Bergarbeitern Bericht er­statten.

verworrene Lage vor Peking.

London, 13. April. (Sil.) Meldungen aus Peking besagen, daß das Geschühseuer im Süden und Osten Pekings während der ganzen Rächt andauerte. Eine Reihe von Ausländern, die sich gestern morgen im Automobil von Peking nach Tientsin begeben wollten, wurden fünfzehn Meilen östlich von Peking angehalten und zur Rückkehr gezwungen. Vier Flugzeuge warfen gestern vierzig Bomben auf Peking ab. I Rach chinefischen Berichten wurden durch den Bombenangriff 23 Personen getötet und 100 verwundet. Das Ziel des Angriffes war die Suchan - Eisenbahn. Unter der Bevölkerung i herrscht große Beunruhigung.

Der ehemalige Premiermmister S ch i a Te - Hha 0, der sich in das Legationsviertel flüchtete, hat an den Doyen der Minister eine Rote ge­sandt, in der er erklärt, der Reichsverweser, Tuan Schi Pui. der durch Gewalt verhindert I fei, seine Funktionen zu erfüllen, sei nicht zurück» getreten. Tuan Schi QJui habe Instruktionen nach den Provinzen gesandt, damit die Ordnung aufrechterhallen und keine der Weisungen der i Zentralregierung ausgeführt werden. Die mili­tärischen und zivilen Führer billigen den Staats­streich nicht. Tuan Schi Pui hoffe, die Be­wegung eindämmen und die Regierung 1 wiedereinsehen zu können. Tien Wei Schin

1 sei gestern in Peking angekommen und habe

mitgeteilt, daß 40 000 Wann heute Ran Iuan besehen würden. Die Streitkräfte Kuo Min

I Schungs hätten gestern die Truppen Li Schin

Lings bis über Feng Tai zurückgeworfen. Sie I hätten ebenso auch die Truppen der Mukden- Armee aus Tung-Scheou vertrieben. In der Stadt herrsche Ruhe.

Die Mittlärrevolte in Griechenland.

i Belgrad, 13. April. (Täl.) Wie aus Athen berichtet wird, greift die revolutionäre Bewegung s trotz Riederwerfung des Aufstandes von Salo- 1 niki weiter um sich und macht sich bereits in » mehreren anderen Garnisonstädten bemerkbar. Der geächtete General P l a st i r a s ist auf dem Wege

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen:

Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle.

Msnatr-Vezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger^ lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer (Berodlt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten- Anzeiger Eiehen.

Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686.

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einen Vorwand f ü r andere Staaten, nach den früheren Deklarationen dieser Staaten zu urteilen, bilden, um das Werk der allgemei­nen Abrüstung oder ö?r Rüstungsverminderung zu sabotieren, könnte man zu der Schlußfolgerung kommen, daß der Völkerbund, oder die, die ihn leiten, keinesfalls daran interessiert sind, daß die Konferenz zu positiven Er­gebnissen kommt. Mit anderen Worten, um den berechtigten Ausdruck einer führenden Per­sönlichkeit der europäischen Diplomatie zu ge- | brauchen:

Die vorbereitende Abrüstungskonferenz wird in Genf zusammentreten, wenn sie überhaupt je­mals zufammentreten wird, um Vorschläge zu untersuchen, über die eine Verständigung weder erwünscht noch vorgesehen ist, und die mit dem entschlossenen Ziel formuliert werden, den Miß­erfolg des Anternehmens zu sichern?

Eines der Mittel, die gebraucht werden, um diesen Mißerfolg zu garantieren, ist eben der tatsächliche Ausschluß der Union der Soziali­st i s ch e n Sowjetrepubliken von der Konferenz, die als erste während der Genua- Konferenz 1922 die Frage der allgemeinen Abrüstung in ihrer ganzen Breite gestellt hat, die zur Unter­suchung derselben Frage eine Konferenz der Randstaaten zusammenberufen hat, wo sie kon­krete und vollständig zu verwirklichende Vor­schläge machte, und die dann spontan ihren Wehr­stand bis zur niedrigst möglichen Zahl rebuüert hat, die für. die U. d- S. S. R. angesichts der Wei­gerung der anderen Staaten, ihre Rüstungen zu beschränken, annehmbar war.

Rachdem die Sowjetregierung somit zahlreiche Beweise ihres friedlichen Geistes und ihres auf­richtigen Wunsches gegeben hat. den Gedanken der allgemeinen Abrüstung verwirklicht zu sehen, oder wenigstens die Militärlasten, die Den Völ­kern auferlegt find, zu erleichtern, hat sie niemals ihre Skepsis in bezug auf die vom Völkerbund einberufene Konferenz verheimlicht. Sie war trotz­dem mit der Beteiligung an ihr einverstanden, wenn auch die Ersolgchancen minimal waren.

Die Stellungnahme der Leiter des Völkerbundes in bezug auf die Mahl des Ortes dieser Kon­ferenz hat die Sowjetregierung endgültig von dem wenig ernsten Charakter und von dem Mangel an Aufrichtigkeit In dieser Initiative des Völkerbundes überzeugt sowie von seiner Unfähigkeit und Abgeneigtheit, ein so wichtiges Werk wie die Einberufung einer allgemeinen Abrüstungskonferenz zu verwirklichen.

Die Sowjetregierung wird mit dem tiefsten Interesse und in der Absicht, dazu in breitestem Maße beizutragen, den Tag erwarten, an dem eine Initiative von einer für diesen Zweck speziell gebildeten Kommission ergriffen werden wird, der die Atmosphäre der Tradition und der Intrigen von Genf fremd ist, und die bessere Garantien des Erfolges wird bieten können als der Völkerbund. Die oben ausge­führten Betrachtungen befreien mich von einer Antwort auf Ihren Brief vom 19. März Rr. 48 317 -.

Ich erlaube mir, zum Schluß die Hoffnung auszudrücken, daß der Völkerbund sich in Zu­kunft bemühen wird, die Sowjetregierung zu Konferenzen nur in den Fällen einzu­laden. wo die Leiter des Völkerbundes auch tatsächlich wünschen, daß sie sich daran beteiligt.

Ich bitte Sie, Herr Generalsekretär, die Ver- sicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung entgegenzunehmen.

gez. Tschitscherin.

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M. 86 Erstes Blatt

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrittk und Verlag: vrühl'iche Univerfilätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. ZchriftlettMlg und Seschästsstelle: 5ch«lftrahe 7.

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