Wogung einer Ordmurgsstraje wegen dieser gegen ftine amtliche Tätigkeit gerichteten Ungebühr schreien konnte, sprang Rechtsanwalt Sturmfels, der die Klägerin vertrat, auf, verbat sich die anscheinend auch ihn berührende Bemerkuna Borgmanns und schlug diesem ins Gesicht. Borgmann schlug zurück und es drohte ein Tumult zu entstehen, dem der Amtsrichter nur dadurch Vorbeugen konnte, daß er die Ätzung schloß.
Borgmann hat bei der Staatsanwaltschaft gegen Rechtsanwalt Sturmsels Anzeige erstattet und Strafantrag gestellt. Da der Beschuldigte Mitglied des Landtags ist, bittet die Staatsanwaltschaft um die Genehmig u n g des Landtags zur Durchführung des Strafverfahrens.
Aus dem gleichen Anlaß hat der Borstand der Anwaltskammer bei dem Generalstaatsanwalt die Einleitung und Durchführung des ehrengerichtlichen Strafverfahrens beantragt Da auch zur Durchführung dieses Verfahrens die Genehmigung des Landtags erforderlich ist, hat der General- staarsanwalt die Einholung dieser Genehmigung bei uns beantragt. Er weist dabei daraufhin, daß die Durchführung des Verfahrens schon im Interesse des Ansehens des Anwaltstondes geboten fei. ganz abgesehen von der auch das öffentliche Interesse berührenden schweren Entwürdigung der Gerichksstätte.
Eine weitere Regierungsvorlage betrifft: Die Unterhaltung der Kreis st raßen im Rechnungsjahr 1^26, insbesondere die Materialienbestellung. Erfohrnngsgemäß ist es wirtschaftlich und vorteilhaft, die Materialien für die Straßenunterhaltung bereits im Winter zu bestellen und anliefern zu lassen. In dieser Zeit sind die Werke noch nicht so mit»Aufträgen überhäuft wie im Sommer zur Zeit des Beginns der Walzarbei- ich; weiter sind die Fuhrlöhne ganz wesentlich billiger, solange die Feldbestellung noch nicht begonnen hat und schließlich können beim Brechen und beim Ausladen der Steine im Winter Erwerbslose in größerem Umfange beschäftigt werden, während sie im Sommer eher die Möglichkeit zur Beschäftigung bei Bestellung der Felder oder beim Anziehen der Bautätigkeit haben.
ftfcrabc auf die Beschäftigung der Erwerbslosen muß in diesem Winter besondere Berücksichtigung genommen werden; ich beabsichtige daher, die Kreise anzuweisen, die Straßenunterhaltungsmaterialien unbedingt so bald als möglich zu bestellen. Dies ist aber nur möglich, wenn ihnen, genau wie im Vorjahr, für diese Zwecke ein Teil des nach Artikel 13 des Kunstsiraßengefetzes von 1896 zu leistenden Staatszuschusses für 1926 bereits jetzt zur Verfügung gestellt und ausbezahlt wird, sobald sie die Bestellung des Materials aufgegeben und mir hierüber berichtet haben.
Ich bitte deshalb ergebenst, die Genehmigung des Finanzausschusses zur Auszahlung der Hälfte des gesetzmäßigen Staatszuschusses in Höhe von 500 000 Mk. für vorgenannte Zwecke baldgefälligst herbeiführen zu wollen.
Der 3. D^rigenten-Kursus in Oberhessen.
: Stangenrod, 13. Ian. Linser kleine-, etwa 300 Seelen zählendes Dörfchen hatte am SamStag und Sonntag viele Gäste in seinen Mauern. Die Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung für Hessen, der Hessische Sängerbund und der Deutsche Arbeiter-Sängerbund hatten die Dirigenten der näheren und weiteren Umgebung zu einem Äu r<f u 6 eingeladen. . AuS nah und fern kamen sie zusammen: DaS Lumdatal, daS Ohmtal, der Vogelsberg, das obere Wettertal, daS Vuseckertal, ja sogar daS Lahntal hatten Dirigenten zu diesem Kursus ' entsandt. Selbst ein Dirigent deS preußischen Dorfes Vordeck war zur Tagung erschienen. Als Vertreter von Darmstadt waren anwesend: Direktor H a f s i n g e r, der Vorsitzende der Zentralstelle für Volksbildung, und Dundesschatzmeister Bitter vom Hessischen Sängerbund. 3m ..sän° gerlich" festlich geschmückten Schulsaal von Stangenrod hatten sich die Teilnehmer versammelt. Der Provinzialvorsihende für Oberhessen. Lehrer Gengnagel von Grünberg, eröffnete den Kursus und begrüßte in warmen Worten die Erschienenen. Leider war der vorgesehene Leiter des Kursus. Kantor 6amf er von Darmstadt. infolge schwerer Krankheit verhindert worden, die Leitung zu übernehmen. So war in letzter Stunde Dr. Roack von Darmstadt für den Kursus gewonnen worden.
Franziska.
Roman von LieSbet DllU
43 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Eine Viertelstunde spater fuhr das Auto vor dem Hotel Europa vor. 3m Vestibül meldete ihm der Portier, die Dame auf Rümmer acht erwarte ihn seit vier Llhr, sie fei, auf der Durchreise, gestern abend angekvmmen, eine Sängerin! Der Kellner führte ihn die Treppe hinaus zum ersten Stock und öffnete ihm das Zimmer, das im Sntresol nach dem Halteplatz der Kutscher hinauslag.
Als er eintrat, erhob sich eine ältliche Person aus einem Sessel am Fenster. Eine rosigbeschirmte tleine Lampe stand neben dem Bett, in deren Lichtkreis er eine Hand bemerkte, die sich aus den Kissen rhm entgegenstrecktc. Geblendet vom Licht trat er näher.
Ein Frauenkops, dessen rotgoldenes Haar im matten Licht flammte, hob sich lebhaft aus den Kissen. „Franziska!" entfuhr es ihm.
Sie nickte und versuchte zu lächeln, aber sie fiel matt in die Kissen zurück. „Es ist entsetzlich", stammelte sie und schloß die Augen. Sie wies auf den Samtstuhl neben dem Bett.
Hasse wartete, bis die Tür sich hinter der Zofe geschlossen hatte. Er zog die Handschuhe aus. Es blieb eine schwere, schwüle Stille in dem Zimmer. Eine kleine silberne Reiseuhr tickte rasch neben dem Bett.
„Verzeihen Sic, wenn ich Sie rufen ließ", sagte Franziska. ,.3ch weiß, Sie haben viel zu tun, ein berühmter Chirurg, man sagte es mir." Sie hielt die linke Hand auf das Herz gepreßt, als fühle sie dort Schmerzen.
„Sprechen Sie lieber jetzt nicht", sagte Hasse, der mit einer Bewegung kämpfte. Er erkannte sie fast nicht mehr. Sie war eine Goldblondine geworden. Ihr Gesicht war noch schön, aber verfallen, und es hatte in dieser ungewissen Beleuchtung wohl feine Gesundheit, nicht aber die edlen Linien eingebüßt. Dieser- Kopf, der ihn aus den Kissen heraus anlchaute, war ihm fremb. Einen Augenblick zögerte er. er wußte nicht, wie er sie anreden sollte. Franziska ging
Dr. Qload, vielen in OberHessen bekannt durch seine Konzerte, die er in Gründer«, Alsfeld, Lauterbach und vielen anderen oberhefsischen Landstädtchen mit der Darmstädter Madrigalvereinigung gegeben hat, verfügt über reiches Wissen auf dem Gebiete der Musik und besitzt große Erfahrungen als ®irigent. Leitet er doch außer obiger Vereinigung noch den Darmstädter Akademischen Gesangverein, einen Darmstädter Ktrchenchvr und den Darmstädter Arbeiterchor. In seinen Ausführungen behandelte er folgende Punkte: 1. Wen nehme ich als aktiven Sänger in einem Verein auf? (Prüfung des Reulings durch ben Dirigenten.', 2. Welches Lokal benutze ich zu den Proben und welches sind die Vorteile und Rachteile eines Wirtslokals? 3. Wie stelle ich den Chor nach Stimmen auf? 4. Wie soll sich der Dirigent verhalten bei Lauheit und Lässigkeit feiner Sänger? 5. Welches Instrument benutze ich zu den Proben? Am besten geeignet ist die eigene Stimme des Dirigenten. An nächster Stelle steht die Violine, dann das Klavier und er ft an letzter Stelle das Harmonium. 6. Wie soll der Dirigentenstab beschaffen fein? 7. Welches find die Arten des Taktschlages und wie wird derselbe ausgeführt? Anschließend an obige Ausführungen nahm Dr. Roack praktische Hebungen vor mit den Dirigenten.
Rach einem gemeinschaftlichen Aachlessen sand die Taglmg abends ihre Fortsetzung. Der Provinzialvorsitzende, Lehrer Gengnagel von Grünberg, begrüßte die erschienenen Sänger des Stangenröder Mä nner g es a na verein s „Concordia" (Dirigent Lehrer G 5 r g), die sich in dankenswerter Weise für den Ab nid zur Verfügung gestellt hatten. Sodann sprach Direktor H a f f i n g c r von Darmstadt zu Herzen gehende Worte an alle Erschienenen. Er wies Sänger unb Dirigenten hin auf die hohen vaterländischen und sozialen Aufgaben der deutschen Gesangvereine. Gr gedachte aber auch der unermüdlichen selbstlosen Arbeit der oberhessischen Lehrerdirigenten, die keine Zeit, keine Mühe unb kein Opfer scheuen. den Gesang zu pflegen und zu heben und als Entlohnung in ganzer Jahresarbeit soviel wie nichts verdienen. Bundesschatzmeister Bitter sprach sodann als Vertreter des Hessischen Sängerbundes. Run nahm Dr. Roack die Führung des Vereins in die Hände und zeigte Klein- unb Feinarbeit an dem bereits tonlich eingeübten Choc von Beethoven: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". In beinahe zweistündiger Arbeit versuchte er aus dem Lied zu erarbeiten, was dem Komponisten vorgeschwebt hat. Anschließend trug der Verein unter feinem Dirigenten, Lehrer Görg, zwei bereits ausgearbeitete Lieder vor. Eine eingehende Besprechung über die Probe klärte noch manche Unklarheit auf. Damit hatte der erste recht arbeitsreiche Tag fein Ende erreicht unb die Gäste des Dorfes bezogen ihre Quartiere bei ben Dangesbrüdern von Stangenrod.
Am Svnntagmorgen fand nach kurzer Besichtigung der 800jährigen, im Jahre 1910 durch Professor Walbe neu hergestellten Dorf- kirche die Tagung ihre Fortsetzung Dr. Roack referierte über nachstehende Punkte: 1. Welche Aussprache haben beim Gesang Vokale und Konsonanten? Dr. Roack. der als Preisrichter vielen WertungSsingen und Wettstreiten beiwohnt, zeigte u. a. die am häufigsten vorkommenden Fehler in der Aussprache der Sänger. 2. Wie kann die Aussprache mithelfen, die gesangliche Bindung, die Land- und auch vielen Stadtvereinen so schwer fällt, zu heben? 3. Welches ist das richtige Atmen und was trägt es zur guten Tonbildung bei? 4. Wie erzielen wir daS Decken der Töne? 5. Rach welchen Gesichtspunkten wähle ich die zu singenden Chöre aus. und wie schütze ich mich gegen „Schundchöre"? Am Rachmittag brobte Dr. Roack mit den wieder erschienenen M'tgliedern des Gesangvereins Concordia das Volkslied „Cs waren zwei Körugskinder". Er zeigte in dieser Probe im Praktischen das, was er in seinen Vorträgen vom Morgen ausgeführt batte. Ein kurzer Versuch mit den anwesenden Dirigenten an dem Volkslied „Das Lieben bringt groß Freud" führte dann die Theorie der be b?n Tage in die PrariS um. Zum Schlüsse dankte der Kreisvorsihende, Lehrer und Komponist Eberle von Trais an der Lumda, allen Teil- nehmern des Kursus und auch ben Stangenröder Sängern für die M'tarbeit. Besondere Dankes-- worte aber widmete er dem Kursleiter, Dr. Roack. für feine rief'ge Arbritsleistung in den
es ebenso, sie sch nuten sich an, bann streckte sie ihm ihre Hand hin.
Er ergriff sie stumm. Als er ihre Hand wieder in der feinen hielt, durchschauerte es ihn warm.
Er tat mit ruhiger Stimme, in der auch nicht die leiseste Erschütterung zitterte, ein paar ärztliche Fragen. Sie beantwortete fie ohne Zögern. Er war sofort im Bild. Wie für den Kenner der Wert eines Kunst gegenständes durch die Marke auf der Rückseite bestimmt wird, so gibt es für den Arzt untrügliche Krankheits-- anzeichrn. Die Farbe ihrer kranken Haut, der Rägel sagt ihm das übrige. Er stellte die Fragen eigentlich nur, um ihr einen Aufschub zu geben.
Sie hatte dieser 'Begegnung entgegengesehen mit Herzklopfen und einer tödlichen Angst. Seit er neben ihr sah, fühlte fie, wie fie ruhiger wurde, die Schmerzen ließen nach.
Sie tarn von Rußland. Auf ihren Gast-- spielen war fie bis Moskau gekommen, und sollte am Sonntag hier als Octavian im „Rosenkavalier" gastieren. Es stand ja an allen Litfaßsäulen. Sie war zwei Tage früher angekommen, um sich noch etwas von ben Reiseanstrengungen zu erholen. Morgen früh sollte die Generalprobe fein, um zehn Uhr. Jetzt kamen ihr diese ent- sehlichrn Schmerzen dazwischen... Vorhin, beim Ankleiden, sie hatte den Wagen bestellt, um etwas durch die Stadt zu fahren, war sie ohnmächtig geworden. „Da gehört schon was dazu, bei meiner Ratur". fuhr sie erregt fort. „Mein Gott, was die Leute hier ängstlich sind, gerade, als ob man Scharlach hätte."
Man hatte sie hier ausweisen wollen. Der Hotelbesitzer war selbst vorher bei ihrer Jungfer gewesen. Es ginge nicht, daß Schwerkranke im Hotel blieben, der anderen Gäste wegen. Zu einer Hintertür hinaus wollten sie fie über den Hof ins Diakoniffenhaus bringen. Da hatte sie nach ihm geschickt.
„Vorige Woche, am Frcckag. bin ich noch in Moskau aufgetreten", erzählte sie. „Die San- tuzza hab id> gespielt. Es ärgert mich eigentlich immer, daß ich mit so einer Forcerolle in Rußland den größten Beifall gehabt hab’, sie spirit sich ja von selbst Ich war schon ein
beiden Tagen unb für die vielen Anregungen, die er ben Dirigenten mitgegeben hat zur praktischen Durchführung in ihren Vereinen.
Alles in allem kann man sagen, daß auch dieser 3. Dirigentenkursus in Oberhessen einem großen Bedürfnis entsprochen hat. Dies zeigte schon die große Teilnahme. Mögen die Anregungen dieser Tagung auf fruchtbaren Boden gefallen sein zum Besten des deutschen Liedes und damit zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes.
Oberhessen.
Watzenborn-Steinberg, 13. Januar. Arn Sonntag hielt die Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, angeschlossen an den Reichsbund, im Saale „Zum goldenen Stern" ihre diesjährige Weihnachtsfeier ab. Der 1. Vorsitzende Karl Becker begrüßte die Gäste in einer sinnreichen Ansprache, hierauf wurden Gedichte vorgetragen und Theaterstücke gegeben, zu denen die Kinder unter der Leitung der Lehrerin Frl. Damm prächtig gelernt hatten. Mit einer Bescherung der Kinder fand die Feier ihren Abschluß.
* Alten Buseck, 13. Jan. Zu dem Bericht über das Konzert des hiesigen Arbeitergesangvereins ist berichtigend festzuftellen, daß es sich hierbei um den Arbeitergesangverein „Germania" handelte, nicht „Eintracht", wie irrtümlich mitgeteilt wurde. Daß die vielseitigen und hochstehenden Darbietungen des Vereins allgemein lebhaften Beifall fanden, wurde schon gebührend hervorgehoben.
t. Reiskirchen. 12. Ian. Im vorigen Winter wurde der 1. Teil detz Bethe 1 films hier gezeigt, heute kam der 2. Teil durch den Diakon der Bodelschwinghfchen 'Anstalt, Herrn Walter mann, in der hiesigen Kirche für hier unb die Orte der näheren Umgebung zur Vorführung. Am Nachmittag fand die Vorführung für die Kinder, am Abend für die Erwachsenen statt. Man erinnerte sich noch gern der Darstellung im vorigen Winter, und jo fanden beim auch die heutigen Vorführungen am Nachmittag unb am Abend ein vollbe- setzes Gotteshaus vor. Der Film zeigte, in welch ebler Hingebung dieses Liebeswerk für die Armen unb 'Ilermften unseres Volkes arbeitet und für sie sorgt, unb die große Andacht, die während der ganzen Aufführung herrschte, ließ erkennen, daß die Bilder einen tiefen Eindruck auf die Zuschauer aueubten.
Kreis Friedberg.
Bad-Rauhei rn, 13. 3an. Ein Ereignis im d'.eswinterlichen Unterhaltungsprogramm war der Vortragsabend, ben der Vortrags- und Mufikverein im sehr gut besuchten Kurhaussaale am Montag veranstaltete. Prof. Leo Frobenius von der '5ranffurter Universität, Der bekannte Kultursorscher und Vertreter der Lehre von der Kulturseele. sprach über „Die Polarität der Kultur". In feinen feffelnben Ausführungen, die den Vorzug hatten, von der strengen wissenschaftlichen Terminologie nach Möglichkeit losgelöst und methodisch und bildlich sehr anschaulich zu fein, gab er In einzelnen Ausschnitten überzeugende Einblicke in seine kulturmorphologische Forscherarbeit, für die der von europäischer Kultur noch ziemlich unberührte Erdteil Afrika ein besonders geeignetes Objekt war. Das im Saharagebiet herr- scherche Mutterrecht (Matriarchat) und das im Sudan geltende Daterrecht (Patriarchat), diese sich entgegenstehenden kulturellen Urformen, waren besonders geeignet, den Begriff der Polarität auch dem Laien verständlich zu machen. Ausgezeichnete Lichtbilder und ethnographische Kartogramme auS den von Leo Frobenius durchforschten afrikanischen Gebieten waren jeweils der Ausgangspunkt der feingeistigen Betrachtungen. Dem Vortrags- und M 'sikverein und den „guten Beziehungen" feiner führenden Männer gebührt Dank dafür, daß es gelungen, Leo Frobenius in einer Kleinstadt als Redner persönlich kennen zu lernen.
WSR. Bad-Rauheim. 13. Ian. Eine hiesige Pensionsinhaberin, eine ältere Dame ans.'.ngs der 70er Jahre wurde am Sonntag tot in ihrer Wohnung aufgefun- den. Der Tod war infolge von Gasvergiftung eingetreten. ES soll sich um ein Unglücks- fall handeln.
WSR. Butzbach 13. 3ait Die Butz- bach »Licker Eisenbahn A. G. hat beantragt, ihr die Genehmigung zum Bau und Be-
bißchen abgehetzt, und wie ich in der Garderobe frisiert wurde, sind die Schmerzen gekommen. Es wer ein Freitag, an dem Tag hab' ich immer Unglück, aber heut ist ja auch einer", fügte fie läch lnd hinzu. „Sie werden mir doch keins bringen ?"
„Ich denke nicht."
„Als ich mich In der Garderobe schminkte, hab ich mir den Partner kommen lassen, einen Hünen, und hab' ihm gesagt: „Werfen Sie mich nur gleich im Anfang zu Boden, ich kann heut nur auf der Erde liegend spielen, und packen Sie mich, so stark Sie können, ich fühl', ich kann sonst nit fingen.“ Ra. der hat mich herunter- gerissen, daß ich auf den Boden flog, und fie haben geklatscht und Beifall gerufen. Aber als es aus war, war ich auch fertig. Ich legte mich auf das Sofa in der Garderobe, aber fie riefen mich heraus, immer wieder schleppten sie mich vor den Vorhang, gesehen hab' ich nichts wie ein dunkles Loch mit tausend Lichtern, und nachher im Wagen hab' ich eine Art Ohmnacht gekriegt. Dann bin ich die Rächt im Zug durchgefahren dis hierher. In meinem ganzen Leben hab ich das nie gehabt. And diese Schwache! Denken Sie, wenn ich morgen bei der Generalprobe umfalle! Dann kann ich nicht auftreten, das wäre schrecklich, ein Ausfall sondergleichen. Ja, Wenns der „Troubadour“ wär' brauchten sie nur ein Telegramm nach Frankfurt zu schicken, aber Strauß — öen Octavian! Gott, mir wird ganz heiß, wenn ich mir das Gesicht vom Herrn Grafen vorstelle! Er war so liebenswürdig gestern. Schlohweiß ist er geworden, aber ein sehr netter Mensch, der Herr Graf. Ach Gott, helfen Sie mir nur. geben S' mir Morphium, soviel Sie wollen", bat sie. „Vor einem Jahr, in Reu-- york, hab' ich Morphiumeinspritzungen gekriegt, and wie fortgezaubert waren die Schmerzen."
Hasse ließ sie sprechen Er kannte die vagen Berichte der Patienten Rur in den seltensten Fällen stimmten sie mit dem Krantheitsbild. Ohne (ich durch diese Abschweifungen irremachen zu lassen, nahm er ihre Hand. Der Puls war klein und sehr schnell, kaum fühlbar in feiner Hand.
Eie fieberte, die fllegende Röte, die auf ihrem lebhaften Gesicht stand, tagte es. ihr un
trieb einer den Vorschriften des preußischen Ei' senbahnaesetzeS vom 3. Rvvember 1838 und der Eisenbaynbau- und Betriebsordnung unterworfenen vollspurigen Rebeneisenbahn von Oberkleen bis zur preußisch- hessifchen Grenze zu erteilen. Zweck des Antrages ist, die jetzt vorhandene Kleinbahn von Oberkleen bis zur preußisch-hessischen Grenze in eine Eisenbahn des allgemeinen Verkehrs uw- zuwandeln.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 12. Jan. Gestern abenb fand hier die erste Sitzung des Stadtoorstandes in die fern Jahre statt. Dabei wurden die neuen Gemeinde ratsmitglieder, die ohne Wahl durch eine Einheitsliste zu dem Ehrenamt berufen worden waren, einer eindrucksvollen Ansprache über die Rechte und Pflichten eines Stadtverordneten in ihr neues Amt eingeführt und durch Handschlag verpflichtet, nämlich Kaufmann Hans Schmoll, Bankvorstand Hermann S e u m und der Rektor der Gewerbeschule Hermann Vitt. Den Verhandlungen auf dem Rathaus folgte ein gemütliches Zusammensein des gesamten Stadtoorstandes in dem Gast haus des Beigeordneten R u l l m a n>ri-wobei die Vertreter der verschiedenen Parteien in bester Har monie vereinigt waren. Möge es immer so bleiben. — Bei dem Hirtenlaufen der Schäfer und Schäferinnen und ihrer Angehörigen in Hungen gewann die 14 Jahre alte Tochter des hiesigen Stadtschäfers Pfannkoch den 1. Preis, ein Mutterschaf nebst Lamm.
* Nidda, 14. Jan. Zu unserem Bericht vorn 11. Januar über Betriebseinstellung der Möbel fabrik C. Ringshausen (Inh. F. Reuning» teilt die Firma uns heute mit, daß diese Nachricht nicht zutriftt. Die Firma habe natürlich auch start unter dem wirtschaftlichen Druck zu leiden. Infolge dessen habe sie zunächst nur für eine Woche und auch nur für den größeren Teil der Arbeiter Kurzarbeit eingeführt.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 13. Jan. Der hiesigen Turn- gemeinde wurde die Abhaltung Der Wett kämpfe im volkstümlichen Turnen durch den Vertretertag des 2. Turnbezirks des Hessengaues übertragen, der vorgestern in Gießen tagte. Die Wettkämpfe, deren Ausgang mit Span nung entgegengesehen wird, werden im Juni ausgefochten werden. — In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurden zunächst die neu gewählten Mitglieder, Ober-Reallehrer Ger Hardt, Fabrikant Kari Michel, Justizfekretär Becker, Kaufmann E m m e l i u s auf ihr Amt verpflichtet. Als neue Mitglieder des Schulvorstandes wurden Fabrikant Karl Michel und Kaufmann Einmelius gewählt. Betreffs des Bezugs von Loosholz soll eine Entscheidung durch das Kreisamt eingeholt werden, ob das alte Regulativ noch zu Recht besteht. (Nach altem Herkommen bezieht ein Laubacher Bürger 3 Meter Buchenscheit und 4 Meter Reisig.) Die Eingabe des Kunstmalers Barnas um Uebcriaffung von Gemeindegelände zwecks Errichtung eines Nebenbaues wurde grundsätzlich genehmigt, jedoch soll noch vorher Augenschein genommen werden zur Wahrung der Rechte des Nachbars. Außerdem wurde noch beschlossen, am kommenden Sonntag die Oerilichkeiten zu besichtigen, die für die zu errichtende neue Badeanstalt tn Betracht kommen (Obersee, Schellenbach).
-s-Herchenhain, 12. Jan. Gestern abenb fand in der hiesigen Ki rche ein Lichtbildervortrag statt, der auch auS den Filialdörfern Hartmannshain und Sichenhausen gut besucht war. Veranstaltet wurde der Abend vom Verein für äußere Mission. Der Vortragende^ Missionar Sch mahl, behandelte In sehr eingehender Weife „China, sein Land mrd seine Leute". Es war dem Redner vergönnt, in mehr als zwölfjähriger Tättgkeit in dem weiten Mis» sionsgebiet zu wirken. Unterstützt wurden die Worte des Redners von prächtigen 2id)tbi(bern, die ein gutes Anschauungsmaterial darstellten. In bewußtem Gegensatz zeigte der Vortragende das China des Aberglaubens und des heidnischen Götzendienstes und das des christlichen Glaubens. Er verstand es, in seinem überzeugenden Vortrag die Herzen für das Werk der äußeren Mission warm zu machen und die Rotwendigkeit der Missionstätigkeit klar vor Augen zu führen.
* Eichelsdors, 13. Ian. Bei der jüngsten Nutz- und Brennholz-Verfteigerung des Hess. Forstamts Eichelsdorf aus den Staats» walddiftrikten Katzenbern nid Merloh der Försterei mJMHWIin'MIMlWWI ’HIH »MME- ■■ iwwi 1 ram iraiM—Mn— natürlich rasch schlagender Puls, ihre tiefliegenden, glänzenden Augen
Er sah, daß es ernst stand. Sie sah blau* grau im Gesicht aus, die Züge schon verfallen.
Sie sprach immer von einem Unglück, das fie befallen hatte, fie ahnte nicht, daß das liebel ein schleichendes war, daS sich wie ein Gift tn ihren Körper eingefressen hatte und fich nur schmerzhaft bemerkbar machte, wenn es bereits zu spät zu einer Hilfe war.
Haffe war mit seiner Untersuchung fertig, „Können Sie vernünftig fein, Franziska?"
Sie zitterte und wollte sich auf richten. •; „Was ist mit mir?“ stammelte sie.
Er zögerte. „Ich muß Sie operieren, und zwar gleich."
Sie stieß einen tiefen Seufzer- aus und schloß die Augen. Ihre Brust ging heftig unter den Spitzen und mattgrünen Bändern,
„Gleich... Franziska. Es ist besser, wir machen es bald. Ich kann Ihren Zustand fönst nicht beurteilen. Ich muß nachsehen, waS es ist
Franziska blieb mit geschlossenen Augen heftig atmend liegen. „Rachsehen nennen Sie daS" sagte sie tonlos. „Gott! Es gibt doch so gute Hrilmittcl. Kann ich denn kein Opium kriegen und wir warten damit bis nach dem Sonntag? Wenn ich nur wenigstens hier auf treten könnt'.' Sie hoben mich aus Rußland Herkommen taffen, die ganze Stadt freut sich schon aus mich — In oem Laden neben dem Hotel stehen Kränze mit Widmungen: Unserer geliebten und gefeierten Künstlerin die Stimme brach ihr.
„Ihre Gesundheit geht aber doch vor?"
„Rein, zuerst kommt meine Kunst, die steh! über allem, der dien' ich, seit ich lebe, und auf dieses Gastspiel hier in dieser Stadt hab' ich mich so gefreut. Ich hab' mich gestern von, Bahnhof durch alle Straßen fahren lassen, um noch einmal alles recht genau anzuschauen. Alles sieht verändert aus und doch wie immer. Am Bahnhof die Großstadt, dann wird die Stadt enger und kleiner, altmodischer und traulicher, mrd der Wald da oben hat mich gegrüßt. —• Also, 's geht nicht bi» Sonntag?"
„Rein, es muß heut noch geschehen." (Forsietzrng folgt)


