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Nr. 291 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag. (5. Dezember 1926

leben, baf) unser Recht

, . _ zu einem radikalen

Bruch mit seinen Grundsätzen, zum mindesten im Augenblick, keine Veranlassung besteht.

Die heutige Form der Aktiengesell­schaft genügt, um das vorweg zu nehmen, für die Unternehmungen völlig, deren Aktien nicht an der Börse gehandelt werden. Ihre Aktien find ein dauernder Besitz, und ihre In­haber pflegen zu den Mitgliedern des Vor­standes und des Aufsichtsrats in geschäftlicher und persönlicher Beziehung zu stehen, sie bilden

Drei Tage in den Bergen Sumatras.

Erlebnisse eines deutschen Seekadetten auf der Weltreise des KreuzersHamburg".

Aktioirarkreisen niedergestimmt wird, und das erregt naturgemäß Erbitterung. Gegen diese Ent- rechtung lehnen sich die Aktionäre aus. sie ver­langen Schuh gegen das Aebergewichl der Ver. waltung.

Mit diesem Anspruch stehen sie aus dem Boden des geltenden Rechts, ja sie fordern nur etwas, was ihnen das Gesetz schon in Gestalt des Aussichtsrates gewährt hat. Rach der Idee des Gesehgebers sollte er ein aus Zeit bestellter Aus schuh der Gesamtheit der Altio° näre sein und die Tätigkeit der Verwaltung überwachen. Unter den früheren kleinen Der- haltmssen war eine derartige Kontrolle möglich

nur räumlich-heimatlich in die Rachbarschaft dieser Rovellen.

In Preuhisch-Lttauen liegt auch das Gut der Vogelreuters. Außer den Eltern und dem Töchterchen Trude gehören zum engen Familien­kreis die beidenRotstanbskinber". Georg von Hartwig, ein junger Baumeister. Reffe Vogel- reuters und Verlobter Trudes. Und Marilke. die Pflegetochter, die man das Heimchen nennt. Georgs Vater hat sich im Rotjahr, als ihm die Schulden über s Dach wuchsen, aus Stolz, aus Trotz, aus Furcht vor der Schande erschossen. Do- gelreuter hat die Schulden gedeckt und den hilflos verwaisten Knoden ins Haus genommen. Alles wäre gut, wenn der nicht den Stolz des Alten geerbt halle und an der Dankespslicht erstickte.

Und wenn die Marille nicht da wäre, das andere Rotftandskind. Die haben die Vogel­reuters im Winter im Wald gesunden. Die Mutter, eine verrufene Landstreicherin, lag mit dem Säugling an der Brust quer über dem Wege und wollte sich wtfahren lassen. Sie haben baä Kleine der Mutter abgekaust und das Weib tot­gesagt. Sie ist aber immer wieder gekommen, die Mutter, die Wehkalnene, verlaust, versoffen, die­bisch, verkommen. Man hat sie abgesunden. dem Kinde ferngehalten. Ader die Marille weih: sie ist nicht tot, sie will sie sehen, mit ihr reoen, ihr helfen.

Georg wird ihr natürlicher Verbündeter, als sie gewahr wird, daß der schon seit Jahren sie liebt, und nicht die Reine Trude. Aber als sie es sich sogen, ist es für beide zu frätu

Da kommt die Iohannisnacht, und auf allen Höhen ringsum brennen die Feuer. Uralter Heidenglaube wird dämmernd lebendig im flackernden Schein. In den Feuern brennt unser aller erstickte Sehnsucht, lodern unsere begta-

Aktionär und Verwaltung

Don Proseffor Dr. Max I. Wolff.

Unser Aktienrecht ist gegenwärtig Gegen­stand ziemlich leidenschaftlicher Erörterungen. Auf dem letzten Kölner Juristentage wurden Wünsche vorgebracht die auf eine völlige Umwäl­zung des bestehenden Rechts hinaus- liefen. Die geschlossene Mehrheit lehnte sie zwar ab, aber sie gaben der Kritik in einzelnen Punk­ten, Recht, nur hoffte sie, die Mängel, auch ohne - die Gesetzgebung in Bewegung zu sehen, abzu- * stellen.

Die Aktie als Qkrmögenäanlage hat heute eine größere Bedeutung als vor dem Kriege. Infolge der Inflation ist sie in Kreise ein- gedrungen, die früher alten .spekulativen" An­lagen fern blieben, und die gesetzliche Anerken­nung der K l e i n a k t i e n bis zu 20 Mark gibt selbst dem bescheidensten Kapitalisten die Mög- lichtett, seine Ersparnisse m diesen Papieren an- zulegen. Wenn auch davon nicht in dem Maße Gebrauch gemacht wird, wie man befürchtete, so ist heute noch der Kreis der Akllonäre weit größer als in der Vorkriegszeit

Früher waren Aktien unter 1000 Mark in Deullchland nur ausnahmsweise zulässig, in England dagegen war die Pfundaktie (20 All.) allgemein erngcführt. Wenn sie bet uns auch nicht in Nachahmung der Engländer, sondern unter dem Zwange der Verhältnisse geschaffen wurde, so gab diese Angleichung an angel­sächsische Zustände doch den Anstoß zu der For- xrung, unser gesamtes Aktienrecht nach englisch-amerikanischem Muster umzugesta l - en. Der Vorschlag war in der Zeit unmittelbar nach der Inflation begreiflich und vielleicht bc- 'echtigt. Man wollte dem fremden Kapi­tal das Eindringen in die verarmte deutsche Wirtschaft erleichtern und man wollte untere anglisierten oder amerikanisierten Aktien in Lon­don und Reuyork marktfähig machen. Dieser Grund ist heute weggefallen. es besteht keine Veranlassung mehr, den Zustrom ausländischer Kredite zu begünstigen, und so bleibt nur die Frage, ob das englische uyb amerikanische Aktien­recht an sich besondere Vorzüge vor dem unseren besitzt. Das wird man nicht unbedingt bejahen. Es mag nachahmenswerte Einzelheiten enthal­

ten, aber als Ganzes ist es unter Bedingungen erwachsen uird auf wirtschaftliche Zustände zu- gefchnitten. die in Deutschland nicht vorhanden sind. Man wird auch zugebe sich soweit bewährt hat. daß

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Tenders.

(Aus der »Radio-Umschau".) Tienstag, 14. Dezember.

3,30 brs 4: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5.45: Soltsten-Rachmittag des Hausorche'ters. 5,45 bls 6,05: Die Lesestunde. 6.15 bis 6 45" Aortrag des Stadtmedizinalrats Dr. Keding vom Stadtgesundheitsamt Kassel über:Die gesund- deltl'che Rot des Kindes". 6.45 bis 7.15: Funk- hochschule:Krantheitsdämonen und Dämonen» Vertreibung.". Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Ftscher-Defoy 7,15 bis 7.45: Funk Hochschule: Alt­deutsche Tafelmalerei IX. Vortrag von Dr. Osw

Städelschen Kunstinstitut. 7.45 bts L,l5^Die Schachstunde. 8,15 bis 9,15: Klavier­abend Michael Zadora-Berlin. 9,15 bis 10,15: Uebertragung von Kassel: Flötenkonzert des Flotenvtrtuosen Alfred Lichtenstein. Berlin. 10,30 bus 11: Weihnachtswoche des armen Kindes: ^horabend des Caecilienvereins mit Ansprache fron Pfarrer Steubing.

mit ihnen eine einheitliche Gruppe, so daß ein Interessengegensatz so gut wie aus­geschlossen ist. Freilich sind das in der Regel kleinere Unternehmungen, während die größeren ihre Aktien beinahe durchgängig an die Börse gebracht haben. Hier bilden die Mtionare eine unbekannte, nicht homogene, beständig wech­selnde Vielheit, der die dauernde oder auf längere Zeit eingesetzte Verwaltung gegenübersteht. Dar­aus ergeben sich Schwierigteiten. Vorstand und Aufsichtsrat sind inniger mit dem Unternehmen verbunden als die Aktionäre. Diese werden mehr geneigt fein, an ihre Aktien und die Gegenwart zu denken, jene an das Werk und seine Zukunft.

Rach dem Gesetz sind die in der General­versammlung vereinigten Aktionäre die höchste Instanz der Gesellschaft, die jederzeit die Geschäftsführung durchkreuzen und sogar die Direktoren ab'etzen Fann. Die Verwaltung muß sich gegen solche willkürlichen Eingriffe schützen, nicht nur aus persönlichen Gründen, sondern im Interesse des Werkes, das einer ge­sicherten Gleichmäßigkeit bedarf. Sie wird daher versuchen, die Generalversammlung zu beherr­schen und zu diesem Zweck möglichst viel Aktien in eigener Hand oder in der ihrer Freunde zu bereinigen. Wenn das nicht ausreicht, wird sie zu Vorzugsaktien mit mehrfachem Stimmrecht, Schuyaktien. Vorratsaktien oder Depotaktien der befreundeten Danken ihre Zu­flucht nehmen. Gegen diese besonderen Aktien richten sich die Beschwerden in erster Linie. Man weist darauf hin, daß von gröberen Miß­ständen abgesehen durch sie die Rechte der Aktionäre illuf orisch gemacht werden und ein Zustand geschaffen wird, der dem Zweck und der Absicht des bestehenden Rechts nicht ent­spricht.

denen Hoffnungen noch einmal duf, rauschen die in geheimsten Herzkammern verschlossenen Wün- sche des Blutes wie Paradiesvögel über uns hin. In dieser Rächt fallen sich die beiden in die ^rmv- die Rollinder. die zueinander gehören, obwohl das Heimchen dem jungen Prediger oer sie auch lieb hat, sich widerwillig ver-' sprochen hat, und Georg am andern Morgen mit ber Trude Hochzeit machen soll. Im iibermäch- ligen, herzbezwingenden Zauber dieser einen Rächt stehen sie selig inemanber verloren.

Am Hochzeitstag bricht alles zusammen: Marille gibt dem Geistlichen ihr Wort zurück sie verschmäht es. sich bei dem Ungeliebten zu retten. In einer letzten Viertelstunde glimmt m den beiden noch einmal die helle Lohe der Rächt auf, sie wollen alles sagen, miteinander aus und davongehen. Aber sie bringen es beide nicbt über sich: die Marille mag der andern das Gluck nicht stehlen, wie ihre Mutter stiehlt, die irilt wieder im Hause ergreift und fortschleppt. Und beide wagen auch nicht die große Untreue gegen die. denen sie ihr Leben danken. Und dann ist die Viertelstunde um, die geschmückte Braut erscheint, die Glocken lauten, und Georg geht mit der kleinen Trude in die

L T ^.tlter ^ch läßt er sein Glück liegen. ®ic Iohannisnacht ist vorüber, und der bunte Paradiesvogel fliegt irgendwohin in die weite Welt.

Bkan mag den Kopf schütteln über das Ende, über dieses stille Auseinandergehen, mag eine Losung" fordern, eine Rare Entscheidung: dieser Ausgang ist fein und dichterisch, obwohl das Schauspiel mit diesem letzten Dorhangsall nicht »zu Ende ist, sondern vielleicht erst beginnt

Eine schöne, ausgefeilte Inszenierung. Dv l cks Regie weckte, mit liebevollen Einzelzügen, die

über ein Dierteljahchundert hinweg ungebrochene Leuchtkraft des Werkes, spürte dem eigentümlich bodenständigen Duft, den schwebenden Stimmun- gen nach und wußte um die großen Auftritte die mit innerer und äußerer Spannung gela- denen dramatischen Steigerungen. (Ein paar Striche sind vielleicht möglich.)

Auch die Besetzung war in allen Teilen ge­lungen. Die stärkste Leistung des Aaends war die glanzend gespielte Marille der Susanne H e y m. Ein Menschenwesen, schillernd in vielen Farben tote ein fremder Vogel, zwischen Licht und Schat­ten stehend. bald sanft, dankbar und demüttg bald innerlich gehetzt von der Unrast des Blutes von der Sehnsucht nach der Mutter, von der auf- gluhenden Liebe zu dem jungen Menschen, den Ite' doch nicht lieben und nicht besitzen darf. Reoen ihr und nächst ihr das tontraftierenbe Gegenspiel: Ingeborg Scherer, die die rübrenbe (uru) vom Dichter mit einer erstaunlichen Sicher- gestalt ber Trude gab; ein ganz 2ef$°S- unschuldiger, niedliche? herzfroher Back, «Ich, dein doch ein nachtwandlerisch sicheres, weibliches Ahnungsvermögen die däm­mernde Erkenntnis rätselhafter Irrungen. Wir­rungen und frühen Leides gibt Lenau (Georg) toar besonders im Anfang gut in der schroffen Starrheit eines stolzen und männltchrn Eigen­willens; cm dritten Akt stellenweise etwas kon­ventionell und äußerlich; zuletzt ebenbürtig zwi- I^en beiden Frauengestalten. Von den übrigen;

Vogelreuter, breit, behäbig und pa- tnarchalisch Hanke, der selffame Hrilige. un­gelenke und gutherzige Hilfsprediger, und L. Y u u g l i n g, Die Landstörherin Weßkalnene. vvr- überhuschend in phantastischer Verkommenheit. Es gab verdientermaßen starken Beifall.

Dr. Th«

Die Kritik ist richtig. Die Allmacht der Altionärversammlung steht in der Regel nur auf dem Papier, sie selbst ist nur eine lästige Veranstaltung ohne Bedeutung, der sich die Verwaltung wohl oder übel unterziehen muß. Es wird einiges geredet, es werden Vorwürfe, Bedenken. Anregungen vorgebracht, die Direk­tion und Aufsichtsrat entweder gar nicht beant­worten oder auf Grund ihrer besseren Sachkennt­nis überlegen abfertigen. Sie wissen, daß sie und ihr Anhang die feste Majorität haben und daß nichts beschlossen wird, was nicht in ihrer Gruppe vorher vereinbart ist. Dabei kann es kommen, daß mancher brauchbare Vorschlag aus

Bergauf, bergab, in (teilen Windungen aufwärts führt der Pfad, und unsere Pferdchen Rettern, als fei das gar nichts. Selten nur muffen wir absteigen, roenn ein Urwaldrieie quer über den Weg gestürzt ist. oder wenn der Schlamm bis an den Sattelgurt ftef)t. Weiter geht's durch tiefe Dachrinnen, fast senk- rccht hinauf, in reizvollem Wechsel. Einer hinter dem andern reiten wir in kurzen Abstanden. Eben habe ich auf der natürlichen Brücke, die ein Felsblock biß bet, eine tiefe Schlucht passiert, da steigt senkrecht eine kahle Geröllhalde vor mir empor. In roaghal- figen Windungen ist der Pfad hineingehauen.

Unwillkürlich verhalte ich die Zügel, auch um ben Abstand von meinem Vordermann etwas zu vergrößern, und genieße den unbeschreiblich schönen Blick, der über das Waldmeer zu meinen Füßen weit in die Ebene schweift. Ungeduldig scharrt mein Pony, nichts von Müdigkeit merkt man ihm an, wie er jetzt die zieriich-n Hufe auf den harten ivelsgrunb setzt. Und schon sind wir droben. Riesige tfarne bilden ein kunstvolles Tor, ich lege mich vor auf beji Pserdehals durch! Und er prescht die letzte Steigung hinauf, wo die Vorderiten schon abgesessen sind. Von hier aus geht's zu Fuß. Ich klopfe meinem Schecken den feuchten Hals, wiehernd läuft er ins schattige Unterholz, wo die Treiber schon das mitgebrachte Futter ausschütten.

Und wir voran unsere forsche Führerin stürmen den Gipfel! Keine Viertelstunde mehr, und wir blicken staunend in den mächtigen Kessel hinab, in dem ein graues Nebelmeer wogt. Ein starkes Zischen, wie von einer Lokomotive, dringt an unser Ohr in unmittelbarer Nähe unter uns fährt fauchend ein dicker Strahl Schwefeldampf aus dem Grunde. Hier ist der Boden wie ein Sieb, Loch an ßofyaüc erloschen bis auf den großen Schacht in öcr Mitte, aus dem der Dampfstrahl meterhoch herauszischt. Da hält es uns nicht länger: einzeln Rettern wir tiefer hinab. Mehr und mehr lichtet sich der Nebel, beizend legt sich Schwefelgeruch auf Hals und Nase da liegt, schwarz und schweigend, der Kratersee zu unseren Füßen. UebcraU die kreis- runden Schwefellöcher, nur wenige atmen noch «chwefeldämpfe. Und doch steckt noch eine ungeheure Kraft in dem letzten Atem des toten Feuerschlundes. Ein mächtiger Gesteinsbrocken, den wir von oben auf die fauchende Deffnung werfen, stiebt in Atome zersplittert in die Lust. Naturgewalten!

Jetzt aber fordert der Magen sein Recht und droben zwilchen den altersgrauen Opfersteinen, an denen die Bataker ihre Geister beschwören, steigt, rasch inszeniert, ein vergnügliches Picknick. Dann vernichtet ein luftigesScheibenschießen" auch die letzte der geleerten Flaschen, und es wird energisch Zum Aufbruch geblasen. Denn zu Mittag müssen wir drunten sein. Rasch sind wir bei den Pferden, die jetzt kaum zu halten sind nach der langen Rast. Wie die wilde Jagd geht's durch den Urwald berg­ab, nachdem der steile Felshang passiert ist. Und manch einer, der im Sattel nicht gerade zu Hause ist, findet sich plötzlich sonstwo vor, nur nicht mehr darin. UnserDicker" schlägt mit vierLandungs- manövem" das letzte elegant im Salto über den Pferdehals den Rekord, was aber feiner vergnügten Stimmung keinen Abbruch tut. Mel­den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!

Nach seuchffröhlichem Henkersmahl eine letzte herrlich kühle Gebirgsnacht unter dem Moskitonetz bann ruft die Pflicht und es heißt Abschied nehmen. Erfrischt und ausgeruht an Körper und Geist kehren wir nach wundervoller Talfahrt im Auto an Bord zurück. Nachmittags kommen die Letzten zurück, braungebrannt wie wir Offiziere, Kadetten, Mann- fchaften.

Früh am andern Morgen, es ist der 4. November lauft bieHamburg" aus Bölawan aus, um nach kurzer Zwischenstation in dem Kohlenhafen Sabanq Colombo auf Ceylon anzulaufen. F- K. B.

bei der heutigen Ausdchnuirg ber großen ilrrtec» nehmrmgen ist sie undurchführbar. Siiburd) bat lick die Stellung des Aufsichtsrates gehindert, er steht heute dem Vorstand näher als den Mtionären. und wenn er auch von diesen gewählt wird. Io ist doch dafür gesorgt, daß nur der Verwaltung genehme PeriönUchleilen berufen Serben. Sieht man von etwaigen dekorativen Mttgliedern ab. so hat der Aufsichtsrat die Ausgabe, nicht den Vorstand zu kontrollieren, son­dern ihn zu unterstützen und vor allem seine geschäftlichen und ixrionlicben Beziehungen im Interesse der Gesellschaft zu verwerten. Richt die große Masse der Aktionäre, sondern ge­wisse kapitalkräftige Gruppen erhal­ten durch den Aufsichtsrat beüimmenbcn Einfluß, sie reißen unter Umständen die Leitung an lich- Auch das entspricht nicht der Idee des Gesetzgebers.

Denn sich die ötrutlur der Aktiengesell­schaften in dieser Weise verändert hat, so ist das nicht das Ergebnis menschlicher Tücke und Bosheit, sondern der wirtschaftlichen S n t- DoS Leben schafft sich sein Recht frfrcr ffibt dem bestehenden einen neuen Inhalt. Die Derwertungsaktien und manche andere üble Hiitterlaffenschaft der Inflation, gegen die jetzt Sturm gelaufen wird, werden verschwinden, aber der Zustand, daß eine Aktiengesellschaft ein reines Privatunternehmen der Aktionäre ist. wird dadurch nicht Wied er bergest eilt werden. Unsere großen Betriebe sind darüber längst hinaus» gewachsen. Keynes bemerkte richtig, daß der Gedanke an die Aktionäre und ihre Div.dende ungefähr das letzte ist, nxtS die Leitung der Dank von England bei ihren Maßnahmen be­schäftigt. Das bestehende Gesetz behandelt die Altiengefellschaften ausschließlich unter dem pri­vatrechtlichen Gesichtspunkt als Personen des Handelsrechts, die größeren sind aber \u öffentlich-wirtschaftlichen An ml en geworden. Dadurch ergeben sich Widersprüche zwischen der Theorie und den wirllichen Ver- hältnissen. Wenn z. D. eine der O.-Banken ihr Geschäft ins Ausland verkaufen oder ein führendes Bergwerk seinen Betrieb schließen wollte, so wäre rechtlich nichts dagegen einzu­wenden; wie die Verhältnisse liegen, haben aber nicht etwa nur die Angestellten, sondern das gesamte Volk einen Anspruch darauf, daß diese Institute in einer der Allgemeinheit dienlichen Weise weitergeführt werden.

Der Gesetzgeber wird dieser Entwicklung über kurz oder lang Rechnung tragen müssen, aber er muh sich vor jedem Versuch hüten, sie zu beschleunigen oder gar die Hand zu sozialisieren­den Experimenten zu leihen. Der Äem des heutigen Streits um das Aktienrecht liegt darin, daß die privatwirtschastliche Auffassung mit öcr öffentlich-wirtschaftlichen ringt. Freilich scheiden sich die Geister nicht in der Weise, daß die eine Ansicht von den Aktionären, die airdece von der Verwaltung vertreten würde, im Gegenteil, beide stellen sich aus den Standpunkt des Prival- rechts, wenn es sich um die eigene n An­sprüche handelt, und beide betonen die öffent­lich-rechtlichen Gesichtspunlle, wenn sie die der anderen Seite zurückweifen, aber die Hauptsache ist. daß sich aus diesem Ringen all- eine neue Auffassung der Aktien­gesellschaft und des Aktienrechts heviusbildet Ob diese schon so weit ausgereift ist, daß eine Aenderung der Gesetzgebung notwendig ist, kann bezweifelt werden. Eine Eittwicklung ist durch Gesehesparagraphen iroch niemals aufgehalten durch toreilige Gesehemacherei aber sehr oft in falsche QMmen gelenkt worden

Tüllen schon sind wir 12 Kadetten bei Dem Besitzer der großen deutschen Pflanzung M a - L1 9 a t, nahe dem Städtchen S i a n t a in Nord- cumatra zu Gast, wohin uns die Eisenbahn aus ber brütenben Hitze des kleinen Hafens B c I a m a n entführt hat. 24 000 Morgen umfaßt heute der Bc- sitz, dessen größten Teil unser liebenswürdiger Gast- geber vor 28 Jahren, als Hauptmann a. D der holländischen Regierung abkauste, um aus den ric> figen Urwäldern in jahrelanger zäher Arbeit dieses Muster einer gepflegten Pflanzung zu schaffen. Oelpalmen, Kautschukwälder und große Teefelder umgeben rings das kleine Paradies, in dem er sich sein wundervolles Heim geschaffen. Wir haben die drei Fabriken besucht, die mit ihren neuen Krupp­schen Maschinen das modernste ihrer Art darstcllen. Ein eigenes Kraftwerk sorgt für Licht, eine Dampf, bahn bringt von weither die Ernte in die Fabriken und von hier die Fertigfabrikate direkt an die Staatsbahn. Deutscher Unternehmungsgeist, deutsche Arbeit im Auslande!

Eine prächtige Gebirgsfahrt führte uns im Auto an den 800 Meter hochgelegenen Tobafeo (100 Kilometer lang und 1300 Quadratkilometer groß). Die dunklen Fluten dieses Riesensees umschließen eine mächtige gebirgige Insel, in deren Urwäldern Me Pakpaks noch völlig wird leben; sie ver­schmähen auch heute noch nicht einen schmackhaften Menschen zu seiner Zeit (als besonderen Leckerbissen bezeichnen sic die Maus des Daumens!).

Seit gestern wohnen wir nun in dem Städtchen Sraftagi, inmitten der landschaftlich wunder­vollen Karo-Hochebene, deren kühles Klima wir mit wahrer Begeisterung genießen. An dem Ba- takerdorf K a b a n d j a i trafen wir leider den dor­tigenKönig" nicht zu Hause an; er feiverreist". So_ mußten wir uns schon mit dem Schauspiel be­gnügen, daß uns die Weiblichkeit des Dorfes bot, bie mit ihren indigoblauen Händen in höchst primi­tiver Weise den mittäglichen Reis zerstampften, von einem quiekenden und gackernden Tiergewimmel idyllisch umlagert. Blau ist die einfache Kleidung, die aus Tuck und Kopftuch besteht, blau die Hauptfarbe ber hübschen Giebelverzierungen ihrer Häuser, bie das Gehörn eines Wasserbüffels tragen, um bie bösen Geister abzuschrecken. In langer Reihe stehen die Töpfe mit der dunklen Flüssigkeit vor den Häu- sern. In demSpielhaus", das besonders reich ver­ziert ist und in der Dorfmitte steht, spielen die Männer Schach, worin sie erstaunliches Geschick be­sitzen, gegen das der Europäer in der Regel unter­liegt.

Heute nun soll der über 2000 Meter hohe Si­baja k erstiegen werden, einer der zahlreichen er- loschenen Vulkane, die rings die Hochebene begren­zen. Weithin ist er kenntlich an einer tiefen Schlucht, aus der tagaus, tagein weiße Schwefelwokkchen stei­gen, die seinen Gipset umlagern.

Ein Bad im eiskalten Wasser oerireibt rasch die letzte Müdigkeit, als es in aller Herrgottsfrühe aus den Federn geht. In Reithosen und Gamaschen gießt bereits draußen bie junge Hausdame, eine flotte Holländerin, den Kaffee ein und verteilt das Frühstück, das in den Brotbeuteln verschwindet. Nach einer Viertelstunde Autofahrt sind wir plötzlich mit­ten in einem Schwarm schreiender Bataker, die alle ihre kleinen Pferdchen gestikulierend anpreisen. Jeder will dasFräulein" für sein edles Roß ober wenigstens den leichtesten Reiter Kleine untersetzte Tiere sind es, deren Ausdauer wir bald bewundern sollten. Direkt von der Fahrstraße führt ein schma­ler Pfad seitlich, in tiefen Urwald. Steil und steiler wird der Weg, dichter und undurchdringlicher zu beiden Selten das Pflanzengewirr, aus dem ber tausendstimmige Vogelstimmenchor bringt und ab und zu der heisere Schrei eines Affen Einer be­gleitet uns eine gute Weile, doch aus dem Lianen- gewucher mißtrauisch neugierig diesereitende Ge- birgsmarine" beäugenb. Urroalbmuber, wie er im Traue jedes jungen Seemanns lebt!

Gießener Stadttheater.

Hermann Ludcrmann:Johannisfeuer."

Wir haben bei einer früheren Suber mann- Aufführung bereits betont, daß es sich nicht nur fast immer ber Mühe lohnt, feine Stücke zu spielen, sonbern daß es auch ein Verdienst be­bautet, ton Zett zu Zett wieder an einen Dichter zu erinnern, über den herzuziehen bereits eine gern geübte, literarisch-snobistische Geste geworden war.

Wir können, was wir damals sagten, heute nur unterstreichen. Gerade jetzt, wo man in der jungen, höchst problematischen und nicht gerade unter den glücklichsten Vorzeichen ins Leben ge­rufenen deutschen Dichterakademie den fast Sieb- zigjährigen kühl übergangen und ihm einen sehr verdienten Ehrenplatz verweigert bat: und gerade auch, nachdem wir dieses Schauspiel gesehen haben, das (ein großer Erfolg vor 26 Jahren) eine ber glücklichsten Dramengestaltungen Suder­manns barsteltt, ein Werk aus einem Guß, stark und gut, viel einheitlicher, als jene ,Schmetter­lingsschlacht", wachsend und gesteigert von Akt zu Akt.

Das Werk ist ein echtes Kind seines Schöp­fers; das heißt zunächst: es ist ein Theaterstück, tadellos gearbeitet, unbedingt sicher in jedem Satz, in jeder Szene. Obwohl es zuerst eine Rovelle hat werden sollen. Wertvoller ist: alle Menschen In diesem Drama sind erlebt und gesehen, nicht ausgedacht und gemacht. Die vier Akte werden zudem in einer auf dem Papier kaum sestzu- ßaltenden Stimmung als ein Ganzes zusammen- gefaßt, das an bie reifsten Schöpfungen Super­manns erinnert, vielleicht an bieLitauischen Geschichten"; das Schauspiel gehört wohl nicht