Eintagsfliegen wie unsereins ist nichts für diese Herren."
Als sie aber auf ihrem Zimmer beim Zubettgehen noch einmal an Hanfes Worte dachte, kam ihr doch ein ganz leichtfertiges Gelüste, den eleganten Hamburger mit dem geraden, unbewegten Profil einmal ordentlich in Zorn und Hitze zu sehen. Man steigt in der eigenen Achtung, wenn so ehrenwerte Leute sich ein bißchen vermenschlichen. Daß Hanse diese Jugendliebe so ganz ausgeschaltet hatte! Der Vater war doch immerhin kein 'junger Mann mehr; die Praxis nahm ihn sehr in Anspruch. Was hatte eine junge Frau von ihm? Sie hörte den Wagen kommen, endlich. (Bing auf den oberen Flur, der ein Fenster nach der Straße hatte, und sah hinaus. Der Kutscher fuhr eben mit dem Fuhrwerk um die Ecke in den Stall; der Vater rief ihm noch ein Wort nach. Dann wandte er sich Hanse zu, die aus der Tür getreten war, legte den Arm um sie, und so gingen sie in das Haus. Ahnungslos, daß die große Tochter oben an der Treppe stand, sagte er drinnen: „Ein endloser Tag war das heute. Wie hast du es denn so lange ohne mich ertragen, Schatzliebste?"
„Das will ich dir lieber nicht sagen. Es ist gegen mein Prinzip, einen Mann eitel zu machen. — Ach, mein Mann, mein lieber Mann, hast du es denn nicht gefühlt, daß ich immer neben dir auf dem Wagen saß die ganzen langen Stunden? Du mußt mich immer mitnehmen; man soll keine Stunde mehr als nötig getrennt sein."
Leise glitt Ilse in ihr Zimmer zurück. Mehr als die Worte hatte deren Klang gesprochen.
Elf Jahre waren die Eltern verheiratet; fünfzig wurde der Vater im nächsten Jahr — sprachen sie nicht zusammen wie Maschen, die ein ganzes Glück zu hüten hatten?
Wenn sie selber einmal — —
Sie versuchte, sich Olaf Hammersmid vorzustellen als reifen Mann — das wollte durchaus nicyt gelingen. Den konnte man sich nicht anders denken wie so als halben Jungen, übermütig, leichtherzig, ritterlich, amüsant. Ja, aber wenn man doch das ganze Leben miteinander gehen wollte--
Wollte sie es denn? — Ganz ernsthaft? — Mit ihm gehen in guten und bösen Tagen und sprechen: Dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott, wo du bleibst, da bleibe ich auch? —
(Fortsetzung folgt.)
Wirtschaft.
* Deutschlands Außenhandel mit Amerika. Aach den soeben veröffentlichter! amerikanischen Angaben betrug die deutsche Einfuhr nach Amerika im Monat August 15 415 000 Dollar gegenüber 15 100 000 Dollar im Juli. Die Ausfuhr Amerikas nach Deutschland hatte einen Wert von 20 395 000 Dollar gegen 20200 000 Dollar im Vormonat.
* Vor einer 50-Millionen-An- leihe der Stadt Frankfurt a. M. Auf eine entsprechende Magistratsvorlage hin hat die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt a. M. seit dem 1. April 1925 eine Reihe von außerordentlichen Ausgaben zu Lasten künftiger Anleihen bewilligt. Der Magistrat beantragt jetzt bei der Stadtverordnetenversammlung die formelle Veschlußfassung über die Verrechnung dieser Ausgaben auf Anleihefonds, um beim Bezirksausschuß die Aufnahme einer Anleihe bis zu 50 Mill. Mark bewirken zu können. Unter den bereits bewilligten außerordentlichen Ausgaben befinden sich u. a. 9.5 Mill. Mark für Grund- stücksaniäufe und Bauten. 1,5 Mill. Mark für Kanalbauten and Wehranlagen. 1 Mill. Mark für Straßenbauten, 1H Mill. Mark für Tiefbauten (Brückenbau), 13,9 Mill. Mark für Marktverwaltung (Großmarkthalle), 2 Mill. Mark für Hasenbetrieb und 20 Mill. Mark für den Woh° nungs- und Siedluugsbau.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung.
Kreis Schotten.
ld. Schotten, 12. Sept. Obgleich die heißen Tage der letzten Zeit das von den zahlreichen Regenfällen des Sommers „zusammengeplatschte" Feld zu harten Schollen ausgedörrt haben, beginnt überall, wo die Grummeternte beendet ist, das Kartoffelaus machen. Wenn nicht demnächst ein Regen die verkrusteten Erdmassen etwas durchfeuchtet, wird die Kartoffelernte eine der anstrengendsten Arbeiten dieses Jahres. Es ist zu beobachten, daß Aecker geringerer Güte, die. weil auf den Bergen gelegen, die großen Riederschlagsmengen rasch abgeben konnten, einen weit besseren Ertrag liefern als Taläcker, auf denen die Knollen unter dem Einfluß übergroßer Feuchtigkeit zum großen Teile anfaulten, daß weiterhin rote und blaue Sorten weit weniger gelitten haben, als weiße und gelbe. Man erwartet hier nur eine Mittelernte an Kartoffeln.
ld. Aus dem vorderen Vogelsberg, 12. Sept. Die Jäger klagen über die geringe Zahl der Feldhühner, denn die Rässe des Sommers hat ganze Gelege zugrunde gehen lassen. Die Hasen sind etwas zahlreicher vertreten, so daß die Rimrode bei ihren Streifen durch die Felder doch auf ihre Rechnung kommen dürsten.
—8— Vom oberen Vogelsberg, 12. Sept. Unter ganz eigenartigen Verhältnissen hat dieses Jahr der Dauer des oberen Vogelsberges geerntet. Durch das periodisch auftretende Regenwetter im Juli wurde besonders die Heuernte verzögert und beeinträchtigt. Während in normalen Jahren die Heuernte Ende Juli beendet war, zog sie sich in diesem Jahr bis Mitte
August hinaus. Besonders die Ernte der sogenannten einschürigen Wiesen, die meistens im Oberwald, weit ab von den Dörfern, oft bis zu zwei Stunden, liegen, bereitete besondere Schwierigkeiten. So kam es, daß zwischen Heu- und Getreide- bzw. Grummeternte dieses Jahr überhaupt keine Pause eintrat. Die Hundstage Ende August brachten nämlich eine plötzliche Reife des ganzen Getreides. Und nun ist sämtliches Getreide in der verhältnismäßig kurzen Zeit von nicht ganz 14 Tagen bis auf etwas Hafer restlos geborgen. So waren es für den Vogelsberger Landwirt saure Tage, da hier nach Lage der Dinge neben der Getreideernte auch noch die ®rumincterntc zu bewältigen ist. Was das Ergebnis anbelangt, so läßt sich von der ®rummctcrntc berichten, daß sie weit über alles Erwarten einen guten Ertrag gebracht hat. Richt nur in der Quantität, sondern vor allem in der Qualität steht die Grummeternte gegenüber der Heuernte obenan. So haben die Wiesen beim zweiten Schnitt einen fast höheren Ertrag gegeben als beim ersten. Dazu kam noch, daß das Heu in den meisten Fällen durch das Regenwetter sehr «an seiner Güte gelitten hatte, während die wunderbaren Tage Ende August und Anfang September das Einbringen des Grummets in vorzüglicher Qualität ermöglichten. Auch die Getreideernte brachte vor allein hinsichtlich ihrer Quantität einen vollen Erfolg. Solche Mengen Frucht sind feit langen Jahren noch nicht geerntet worden. Manche Felder haben fast den doppelten Ertrag gebracht, so daß viele Landwirte mit den größten Raumschwierigkeiten zu kämpfen haben. Es ist in diesem Jahre durchaus keine Seltenheit, daß Oberstuben u. dgl. mit Frucht oder Grummet zugeseht werden müssen. Das Stroh der sämtlichen Getreidearten ist dank des herrlichen Erntewetters von vorzüglicher Beschaffenheit. Allerdings soll der Körnerertrag hinter dem in normalen Jahren weit zurückbleiben. Alle Getreidearten sind verhältnismäßig leicht. Dies ist dadurch leicht erklärlich, daß durch die schweren schlagartigen Regengüsse im Sommer noch dazu verbunden mit starken Stürmen sämtliches Getreide frühzeitig zum Lagern gebracht wurde. Auch die Hackfrüchte versprechen in diesem Jahre einen hohen Ertrag. Ganz besonders gilt dies von den Kartoffeln. Sie haben sich dank des guten Wetters der letzten Wochen sehr gut entwickelt, so daß man mit einer Vollernte rechnen kann. Weniger gilt dies von den Kraut- arten.
Strafkammer Gießen.
Freigesprochen wurde ein Arbeiter, der vom Amtsgericht Gießen wegen Mißhandlung eines Studenten zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Er bestritt die Tat und war bei der herrschenden Dunkelheit nicht bestimmt erkannt worden.
10 Septbr.
11. Scvtbr.
Banknoten.
Amtliche 9?oit rnng
Amtliche Notierung
ffictb
Brief
Geld
Brief
Änis».. Ron.
168,14
168.56
168,18
168.60
Bncn.-Aires
1.694
1,703
1,700
1,704
Brss.-AnNv.
11,53
11,57
11.465
11,505
ilfjriffiania.
91,89
92.13
91,92
92,16
111,75
Kopenhagen
111.48
111,76
111,47
Stockholm . HelsingforS Italien . .
112,14
112.42
112,18
112,46
10,553
15,21
10,593
15,25
10,555
15,13
10.595
15,17
vondon. •
20,362
20.412
20,366
20.416
'Ji'eubort .
4,193
4.203
4,194
4,202
Pari». . .
12,16
12,20
12,10
12.14
Schweiz .
80,98
bl.18
61,05
vT, 25
Spanien -
64,20
64,56
64.17
64,33
Japan . .
'Hio de Jan
2.025
2,029
2,026
2,030
l1.6.' 4
0.636
0,633
0,635
Dien in D.«
CeiL abgeft
•19,20
59,34
59,20
59,34
Prag ....
12,416
12,458
12,419
12,459
Belzrad . .
7.418
7,438
7.422
7,442
Budapest. .
3,875
5,895
5,872
5,892
Bulgarien
„J-43
3,053
3.043
3,053
Lissabon
21 445
21.495
.1,48
-1,53
Danzig. .
Konstantin.
61,37
81,57
81,36
81,46
2.215
2,225
2,20
2,21
Athen .
4.84
4,86
4,79
4,81
Kanada. .
4.197
4.207
4.197
4,207
Hnrauat)
4.20 |
4.21
4.19
4.20
Berlin. 11. Septbr.
(Held
Bries
Amerikanische Note».....
4,175
4,195
Belgische Noten .......
11,47
11,53
Tonische Noten ........
111.24
111 Rn
Englische Noten. .......
20,335
20,435
Franzöiilche Noten .....
12,37
12,43
Holländische Noten.....
167,83
168.67
Italienische Noten......
15,41
15 49
Norwegische Noten......
91,67
92,13
Deuisch-Oesterr., ä ioo .Kronen
59,12
59,42
Rumänische Noten......
2,07
2,11
Schwedische Noten.....
Ul,77
112 31
Schweizer Noten.......
80,68
81*28
Spanische Noten.......
64,04
64 36
Tschechoslowakische Noten . .
12,377
12,437
Ungarische Noieo . . .
5.84
5.88
Berliner Börse.
Berlin, 13. Sept. Bei Börsenbeginn fand die ---pekulation unter Vernachlässigung der großen Marktgebiete ein Betätigungsfeld am Renten- markt, ivo Vorkriegs-Hypotheken-Pfandbriefe schon mährend der ersten Stunde nach den letzten Steigerungen weitere etwa 0,25 Prozent gewannen. Alte preußische Rentenbriefe und einige Ausland r e n t e n waren lebhaft gefragt. Auch für Schifsahrtsaktien (besonders Rordlloyd) und einige Elektro werte zeigte sich größeres Interesse, wobei man auf die Vernachlässigung der Schifsahrtsaktien in der letzten Zeit und auf die großen In- und Auslandaufträgc der Elektroindu- strie verwies. Rach Festsetzung der ersten Kurse fan- den Medioglattstellungen und angeblich auch einige Selbsterekutionen statt, die auf die Tendenz drückten. Vereinigte Stahlwerke gaben dabei von 137 auf 136,5 Prozent und J.-G.-Far- ben von 272 auf 270,5 Prozent nach. Man beobachtete späterhin allgemein ein Abbröckeln d e r Kurse bei großer Lustlosigkeit an der Mehrzahl der Aktienmärkte. Einen Rückhalt
sturm in schmalebeck
Roman von Sophie Kloerss.
Copyright 1926 by Aug. Scherl G. rn.b.H., Berlin.
20. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wie gehetzt siehst du nicht aus."
Sie sah ihn von der Seite an und dachte, was sie schon manches Mal in den letzten Monaten gedacht: „Er hat ein Gesicht wie der ewig junge Dichter deutscher Freiheit, wie Theodor Körner." So dunkel lockte sich ihm das Haar in die Stirn, so gerade geschnitten waren die Züge, und an den Wangen zeichneten sich die kleinen dunklen Bartstreifen, das schmale Oval des Kopfes noch betonend. Als er zum erstenmal von Hamburg gekommen, war sein Gesicht mit Stubenfarbe gezeichnet, wie es alle die haben, die in den Bureaus und Kontoren ihr Leben hinbringcn. Doch bei jedem Besuch in Schmalebeck mit den vielen Fahrten auf Güter und Dörfer, war die blasse Farbe mehr einem gesunden Bronzeton gewichen. Jetzt sah er so gesund aus, so jung und frisch, wie nur ein Mann von vierunddreißig aussehen konnte, der seine Nerven und Muskeln nicht in Faulheit erschlafft und nicht in Ueppigkeit verschwendet hatte.
Es war einmal Gefahr gewesen, daß dies eintreten könnte. Hatte ihm das Schicksal mit dein Unglück seiner Jugend zugleich den Erfolg und die Tüchtigkeit der Mannesjahre geschenkt?
„Was denkst du?" fragte Naben.
Und als sie es ihm gesagt, nickte er, „Wie immer b'st du die kluge Hanse. Ja, damals, als Vater fallierte, war ich ein unreifer Junge. Verwöhnt, verzärtelt, immer überzeugt, mir müßte überall eine Extrawurst gebraten werden. Es hat mich hart gerüttelt Daß ich dich so leicht aufgab damals, Hanse--es geschah in der ersten Verwirrung.
Und nachher, als ich einsah, was ich mit dir verloren hatte, da warst du mir wirklich verloren."
.,Cs ist besser gewesen so", sagte die blonde Frau. „Ich wäre zu alt gewesen für dich. Lache nicht, wenn ich auch an Jahren nicht älter war, wir Mädchen sind gerade in den Jahren den Männern voraus."
„Die kluge Hanse! — Wir nannten dich immer so. — Es ist gut, daß ich hierher gekommen bin.
äOIes, was Anfang hatte im Leben, soll auch seinen Schluß haben. Nicht ein Ende, versteh' mich recht Der Schluß unserer Juaendzeit ist nur der Anfang einer echten Freundschaft. Oder denkst du onbers?2 „Nein, ich denke wie du. Und wünsche dir von Herzen einen neuen Anfang und einen besseren Schluß dazu."
Thomas Raben sah über das Feld, wo Ilse in mrern rosenroten Kleidchen wie eine große Mohn- blute zwischen den Geschwistern und ihrem ungelenken Mentor stand. „Ja, ein neuer Anfang__
Und wenn der schon seinen Schluß gefunden hat, ehe er noch recht begonnen?"
„Thomas? Ach, Thomas!" — Er sah ein Erschrecken in ihren Augen.
JBin ich nicht gut genug für deinen Liebling? — Sei unbejorgt, zu einer verliebten Torheit bin denn doch nicht mehr jung genug. Wenn man da ist schon ein anderer, dann macht man ganj still die Tur zum Festsaal zu, durch die man eben nur ein bißchen hineingespäht hat." gebe als fcinen' bcm i(t) unser Kind lieber
Mündlich gesagt, aber es kann mir nuht viel Helsen. Auch wenn der Danska nicht wäre der außer seiner Jugend auch noch seine Munterkeit und den Baron in die Wagschale £c." kann, wäre ich wohl nicht der Mann diese Libelle zu fangen. Last dir, bitte, nie etwas merken aucy nicht gegen deinen Mann. Da kommen sie' Hanse lach doch. Du kannst doch sonst lachen, wenn deine Kinder kommen."
„Du, Onkel Thomas," schrien die Kinder, „lauf du eins nut dem Drachen. Ilse sagt, du hast die längs en Beine. Und Ilse will ihn abwerfen. Mach' unrei -Lijomas. '
Ilse drückte ihm bereits den Bindfaden in die ?punbTOnb M® ■!!d) ^.dem roten Luftkobold be- reit. Was bl.eb ihm übrig, als querfeldein zu ga- loppieren, bis lauchzendes Kindergeschrei kündete daß der Drachen stieg. Nun ließ er, immer tapfer m f.n ulhnbh Ä"nb 00,1 dem Bott ab- laufen und dachte dabei: Sie läßt mich schon an ^em Seil laufen, als mußte das so sein. Aber wenn es der Baron wäre, liefe sie am Ende neben ihm. -
(Begen Abend gingen Mutter und Tochter noch zusammen die Lindenallee auf und ab und horchten nad) dem Rotten aus, das den nahenden Doktor
wagen kündete. Da fragte Ilse: „Sag' mal, Hanse- mutter, du kennst doch Thomas Raben von Kind auf. Er sieht doch immer noch sehr gut aus — ja wirklich, für seine Jahre sehr gut. (Armer Thomas, dachte Hanse.) War er dir nicht gefährlich damals?"
Und kurz entschlossen sagte Hanse: „Wir waren ein halbes Jahr lang verlobt."
„Ach!"
„Die Rubens waren von Öen ganz großen Hamburgern. Wir reichten trotz unseres Vermögens nicht entfernt an sie heran. Da verkrachte das $aus. Sie halten zu großen Kredit im Ausland gegeben; das riß sie mit. Schiffsverluste, schlechte Ernten — sie waren in der Hauptsache Kornhändler —, man sagte auch, der alte Rabe sei kein vorsichtiger Kaufmann gewesen, es kam eins zum andern. Ein furchtbares Aussehen gab es in der Stadt, als das bekannt wurde. Ein Bankerott — die Schande war schlimmer als jeder Verlust. Der Vater hat die Sache nicht lange überlebt, kaum zwei Jahre. Unsere Verlobung löste sich von selber, Thomas ließ sich nicht mehr sehen und antwortete auf keinen Brief. Da sie noch nicht bekanntgemacht war — er sollte erst ausstudie- sen —, brauchten sich die Menschen wenigstens darüber nicht aufzuregen. Er ging fort aus Hamburg und kam erst zurück, als er alle juristischen Examina hinter sich hatte. Da war ich schon zwei Jahre hier in Schmalebeck." — Sie zögerte eine Weile, ehe sie wieder anfing. „Es ist wohl besser so gewesen. Damals schon hatte ich das Gefühl, daß wir nicht zusammenstimmten wie zwei Menschen, die das ganze Leben miteinander gehen wollen, es müßen. Ich war der antreibende, der tragende, der handelnde Teil. Er ließ sich treiben und vom Leben verwohnen. Liebenswürdig, leichtlebig, leicht aufbrausend —" *
„Aufbrausend? Thomas Raben?"
„Ihn hat das Leben erzogen. Und doch, wer ihn so kennt wie ich, der sieht noch bisweilen den roten Je»««?1 ln ^tneP Augen, wenn er innerlich erregt i|t. Aber er hat sich in der Hand. Ein ganzer Mann ist er geworden. Einer, der jetzt das volle Recht hat auf ein volles Glück."
rrJ'?JJinbc<^nja fel)r ne"; aber ich hielt ihn doch für solchen Hamburger Pedanten. Immer so ein b'b-hen Uber den Menschen stehend. Immer o mit Staatsanwa tsaugen die Menschen betrachtend. Na, er wird nichts nach meiner Meinung fragen. Solche
gab die flüssige Verfassung des Geldmarktes, namentlich in Tagesgeld. Der Satz stellte sich auf 4,5 bis 6 Prozent. Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent unoerckndert. Im Devisenverkehr ließ sich die neue Woche außerordentlich ruhig an. Die Kurse eröffneten auf der letzten Basis. London stellte sich gegen Kabel auf 4,856.
Börsenkurse.
cher. — Nack der günstigen Veranlagung an den Äortagen eröffnete die heutige Börse die neue Woche in überwiegend schwächerer Haltung. Der Tendenzumschwung war in der Hauptsache durch Mediorealisationen verursacht. Die Spekulation beobachtete Zurückhaltung und blieb bestrebt, in der Herabdrückung der Engagements fortzusah- ren. Anregungen von Bedeutung lagen nicht vor, o daß sich infolge der geringen Kauflust das Ge- chäft in den engsten Bahnen bewegte. Immerhin zeigte der Markt ziemliche Widerstandsfähigkeit, denn die Rückgänge hielten sich zumeist im Rahmen von 1 Prozent und gingen nur vereinzelt darüber hinaus. So waren J.-G.-Farben infolge von Abgaben stärker gedrückt und büßten etwa 3 Proz. ein. Der Montan markt lag uneinheitlich. Etwas höher wurden Bochumer, Kali Westeregeln und Klöcknerwerke. Riebeck blieben gehalten. Die übrigen Werte dieses Gebietes gaben etwa 1 Proz. nach. Ein stärkerer Verlust trat bei Rheinischen Braunkohlen ein, die 3,5 Prozent nachgaben. Am Elektromarkt war die Haltung ebenfalls unregelmäßig. Während Bergmann um 1,25 Prozent, Felten um 1,25 Prozent und Schuckert um 0,37 Prozent höher gingen, hatten AEG. und die übrigen
Frankfurt a.M
Berlin
SMuK-l 1-llhr.
Schlich.
! Anfang 1 flut'-.
flurs
Kur«
kur«
Datum:
11. 9.
13. 9.
11.9
13. 9
5% Deutsche Neichsanleihr
0.5025
0.50
0.505
||.5O
4% Deutsche ReichSanleihe
-
—
0.4725
■ 0 47
Deutsche ReichSanleihe 3®/n Deutsche ReichSanleihe
0.465
—
0,47
0.4625
0,49
—
0,54
0.5425
Deutsche Svarpräinienanleihe
0,28
—
0,28
—
4% Preußische .ffonlolS ■ • .
0.47
—
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—
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—
—-
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—
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Deutsche Werlb. Dollar-Di l.
—
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—
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—
—
—
—
4% Zolllitrken.........
5% Sotomcrtfaner ... .
13.25
13.12
13.3
—
46
—
45,75
—
Berliner Handelsgesellschaft Commerz- trüb Privat-Bank
206
—
207*
207,2*
136.7*
136,7*
137,2*
136.7*
Darmli. und Nationalbank
213.7*
213*
213.7*
213,5*
Deutsche Bank.........
166.5*
166,4*
166,5*
166.7*
Deutsche BcreinSbank ...
96
—>-
—
—
DiSconto Commandit ■ .
161,5*
160’
162'
161,2*
Metallbau!...........
133,25
133
Mitteldeutsche Trrditbank .
136.1
135*
134.2*
Oesterreichische Kreditanstalt
8.85
—
9
9.1
Weltbank .......
—
—
Bochumer Huß . ......
144.5*
-
144,7*
145.7*
BudernS ..........
95,5
94,75*
95*
94.75
Earo ............
76
—
79 25
79.25*
149.5*
163.5*
118 5*
162.2*
148.5* 163*
149* 162*
Gelsenkirchener Bergwerke. .
üarpcner Bergbau ......
Kaliwerke Aschersleben....
155*
135
156,5
156*
135.1*
167.2*
Kaliwerk Weitcregelo.....
143.75
144,7.5
144
Laurahülte....... .
54
53
52,25
Oberbedarf...........
Phönir Bergbau .......
Ryrinstahl . . .......
70.25
118.5*
117*
147,7*
70
118.5*
148.7*
69
118* 148.7*
119
Riebeck Montan........
152
153*
151,2*
TelluS Bergbau......
68
Bereinigte Stahlwerke A.-G-
—
137,25
137,5
Hamdurg-Dncrika Paket. . .
Norddeutscher Llovd.....
157.5*
158*
159,2* 152*
157.2*
157,9*
160,9*
153.5*
Tberamtschc Werke Albto . .
69
Zementwerk Heidelberg . .
130.75
-
Philipp Holzmann......
116,25
115,75
117,5
Anglo-Cont.-Guano.....
95
Chemische Matter Sllapiu . .
—
96
I. G- Farbenindustric, A.-G.
274*
271,2*
272*
Goldschmidt..........
Holzverkohlung.....
105,1
107
51
117
tb9
108.5
Rütgcrswerke.......
117,25
117.5
117 fiv
Schcidcanstalt ......
162,75
157,7*
Mg. ElektrtzitätL-Gesellschaft
156,5*
158.6*
158*
Bergmann .........
Momkraftwerke........
156*
157.2*
156,7*
157,5*
109
Schuckert . . ........ .
135*
135,4*
136.7*
135 7*
Siemens * Halske......
197,75
196' '
195*
rldlcrwcrke .Klevcr ......
82,25
82,5
83
83.75
Daimler Motoren. ......
82
82,91
82.5
Hettligenstacdi.........
28
_
Meguin.............
45
Motorenwerke Mannheim
—
41.5 ।
_
Frankfurter Armaturen . . , Konservenfabrik Braun . . .
17
—
_
4U
—
—
Mekallgcscll'chast ftranrfnrt .
144
144
—
—
Pet. Union ?l..G......
92,75
—
91,5
_
Schublabrik Her; ......
59,5
_
58,75
Sichel. ... ......
Zellstoff Waldhos......
_
3 1
178
—
•178
178.5
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
74.9
90
—
76
90,25
frankfurter Börse.
Frankfurt a. M.,
13. Sept. Tendenz:
chwä-
Werte dieser Gruppe niedrigere Kurse aufzuweistv. Bankaktien bröckelten ab. Darmstädter minus 0,7, Disconto minus 1,5, Dresdner minus 1,25 Proz. Eine bessere Haltung nahmen Schifsahrts- a k t i e n ein, die infolge neu auflebender Freigabe- Hoffnungen Käufer fanden. Die Besserungen betrugen 2 bis 3 Prozent. Rordlloyd wurden exklusive Bezugsrecht gehandelt. Alle übrigen Aktienwerte neigten eher zum Nachgeben. Von B a u a f t i e n verloren Wayß & Freytag 2, Holzmann 0,5 Proz., während Zement Heidelberg 1 Proz. höher gingen. Auch O e l a k t i e n gaben etwas nach. Zucker- a k t i e n zunächst gehalten. DeutscheAnleihen litten unter Angebot und waren allgemein etwas abgeschwächt. Etwas regere Umsätze hatten Vor- kriegspfandbriefe aufzuweisen, und auch am Auslandrentenmarkt entwickelte sich lebhafteres Geschäft, wobei sich das Hauptinteresse wieder auf Goldrumänen konzentrierte, die mit 20,5 gehandelt wurden. Daneben waren auch Russen, Türken und Herben bei steigenden Kursen im Geschäft. Der Freiverkehr blieb umsatzlos. Gro- wag 60 Prozent. Der weitere Verlauf brachte eine etwas freundlichere Stimmung. Es zeigte sich etwas Deckungsbedürfnis, wodurch sich die Kurse mäßig erholen konnten. Am Geldmarkt herrscht weiter Angebot. Monatsgeld 5Z bis^,.^Prozent, je nach Adresse. Tagesgeld 4 Prozent. Warenwechsel o,5, Privatdiskonten 4,75 Prozent. Im Devisenwerte h r traten wesentliche Veränderungen nicht ein. Pans notierte gegen London 168, Brüssel 176 50 und Mailand 134,50. London gegen Kabel 4.85a. Die Markt behauptet ihrer festen Stand.
Ara nk mvtev Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M, 13. Sept. Auftrieb: 1522 Rinder (darunter 468 Ochsen, 67 Bullen, 987 Färsen und Kühe), 403 Kälber, 129 Schafe' 4275 Schweine. — Rinder (Ochsen): Voll- fleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 57 bis 61, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 56, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 40 bis '49? (Bullen): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 53, vollfleischige jüngere 40 bis 49; (Färsen und Kühe): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 56 bis 60, vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 51 bis 55, wenig gut entwickelte Färsen 45 bis 55, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 41 bis 50, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 40, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 29. — Kälber: Feinste Mast- kälber 83 bis 88, mittlere Mast- und beste Saugkälber 74 bis 81, geringere Mast» und gute Saugkälber 60 bis 72. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 38 bis 44, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzscha e) 30 bis 36.— Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm SO bis 85, unter 80 Kilogramm 74 bis 79, von 100 bis 120 Kilogramm 80 bis 84, von 120 bis 150 Kilogramm 80 bis 83, Fettschweine über 150 Kilogramm 80 bis 83, unreine Sauen und geschnittene Eber 65 bis 75. — Marktvcrlauf: Sperrmarkt. Bei Rindern und Schweinen langsamer Handel und Ueberstand. Bei Kälbern und Schafen lebhaftes Geschäft und ausverkauft.
Wettervoraussage.
Winde aus südwestlicher Richtung, meist heiter, keine wesentliche Äenderung der Tempera' turen. trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 27,2 Minimum 11,4 Grad Celsius. Riederschläge: 9.4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 13.7 Grad Celsius.
Letzte Nachrichten.
Dom StaMtfyeater Gretzen.
Wie uns nach Redaktionsschluß vom Stadtthca> terburcau mitgeteilt wird, fällt die für morgen abend vorgesehene Aufführung „Das goldene Kalb" aus. Die Vorstellung findet an einem späteren Tage statt.
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Prospekte durch I>r. M. Schnlee-Kahiey«N« Nervenarzt.


