Einzelbild herunterladen

Nr. 2H Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Montag, Srpiember 1926

Gartenbau und Elektrizität.

auszuwechseln, da sie in einer rostartigen Dersen-

Die Glühkochplatte ist solid und geschmackvoll aus­

geführt, so daß auch den höchsten Ansprüchen ge-

le erzeugen,

iere Zeit warmhalten will, ist der elektrische

peisenwärmer gern gesehen. Mußte man

-Des Drehstroms normaler Spannungen

ange-

vorhanden sein, daß die Wäsche gut durchtränkt ist,

schlossen werden.

werden.

Ueberall da, wo man Speisen auf gut vorge­wärmten Tellern und Schüsseln servieren und län-

in bezug auf schöne Form und praktische Verwend­barkeit an ein neuzeitliches Kochgerät gestellt

kung liegen, die mit einer Verschlußplatte versehen ist. Sämtliche spannungsführenden Teile sind gemäß den DDE.-Dorschriften gegen Berührung geschützt.

Soll nur wenig Wasser zum Rasieren oder Mundspülen schnell erwärmt werden, so benutzt man zweckmäßig, auch auf Reisen, den Tauchsieder, der genau wie eine Tischlampe direkt an jede Steckdose angeschlossen weredn kann.

Der Wasserkocher, ein elektrisch beheizter vernickelter Topf von besonders gefälliger Form, ist als Heißwasserbereiter bereits allgemein bekannt und in Schlafzimmer und Küche sehr beliebt.

Eine ganz erhebliche Arbeitserleichterung bietet der Hausfrau neuerdings die K l e in k ü ch e. Sie ist ein Universalgerät zum Kochen, Braten, Backen, bei dessen Durchbildung alle Fortschritte der neuzeit­lichen Kochtechnik berücksichtigt worden sind. Der Wunsch jeder Hausfrau, mit den kleinsten Mitteln auch in ihrer Wirtschaft die größten Erfolge zu er­zielen, ist bei der Kleinküche verwirklicht. Die Be­reitung der Speisen nimmt weniger Zeit in An­spruch und erfordert weniger Fett, da das Kochen, Braten und Backen unter Luftabschluß geschieht, so daß die Wärme restlos nur dem Kochgut zugute kommt. Die lästige Schwadenbildung bei offenen Herden und die manchmal unerträgliche Wärme­entwicklung, unter der die kochende Hausfrau oft zu leiden hat fällt bei der Kleinküche vollkommen fort. Die jn der Kleinküche zubereiteten Speisen er­leiden einen weit geringeren Gewichtsverlust als die auf den sonst üblichen Herden hergestellten, da sie in ihrem eigenen Safte gar kochen. Die Schmack­haftigkeit und der Nährwert der Speisen und damit ihre Bekömmlichkeit werden dadurch wesentlich er­höht. Die Beheizung erfolgt durch Heizelemente, die oben und unten eingebaut sind, so daß die Kleinküche mit Ober- und Unterhitze arbeitet. 5m Innern be­finden sich Gleitschienen auf die Bratpfanne und ein Backblech ober zwei Backblecke zugleich auf­geschoben werden können. Der Anschluß der Klein­küche kann an jede Lichtleitung erfolgen, da die Nennaufnahme nur 600 Watt beträgt.

Einen vollkommenen Ersatz für den Gasherd bietet die Glüh kochplatte. Sie kann zum Kochen, Anwärmen, Warmhalten von Speisen und Getränken, bei ihrer intensiven Wärmestrahlung zum Braten und Brotrösten sowie als Ersatz für Gasbrenner in Laboratorien und Apotheken ver­wendet werden, da sie wie eine glühende Herdplatte arbeitet. Am gelbroten Glühen der Heizstäbe ist I sofort zu erkennen, ob die Platte im Betrieb ist. In­folge des hohen Strahlungsvermögens der Heizstäbe, der geringen Speicherwirkung der Platte und des richtig bemessenen Leistungsverbrauchs ist die Glüh­kochplatte ein ausgesprochener Schnellkocher. Sie ist für jedes Kochgerät (Emaille- oder Metallgeschirr­verwendbar und hat den denkbar besten Wirkungs­grad, da ein Ausstrahlen der Wärme nach unten durch einen Reflektor aus nicht rostendem Spezial­blech verhindert wird, der sämtliche Wärmestrahlen nach oben zurückwirft. Der Reflektor ist leicht her- auszunehmen und zu reinigen, so daß aufspritzendes Wasser und überkochende Flüssigkeit keine Beschä­digung hervorruft. Schadhafte Heizstäbe sind leicht

Die Elektrizität im haushalt.

Von Adolf ©tolte, Direktor des Elektrizitätswerks der Stadt Gießen.

3n der heutigen Zeit müssen wir mehr denn je bestrebt sein, die Arbeiten im Haushalt zu vereinfachen und zu verbllligen. Hierbei hilft uns am besten und vielseitigsten die Verwendung elektrischer Energie im Haushalt durch den Ge­brauch der verschiedensten Apparate. 3e schwerer es fällt, die menschliche Arbeitskraft zu bezahlen, um so dringender ergibt sich die Notwendigkeit, sie durch technische Hilfsmittel zu ersetzen und dies um so mehr, als die Verbesserung und Verbilligung von elektrischen Heiz- und Kochapparaten von Jahr zu Jahr fvrtschreitet. Hand in Hand mit der Verbesserung per technischen Hilfsmittel sind die Elektrizitäts­erzeuger bemüht, ihre Strompreise zu ermäßigen und dadurch einerseits den Stromkonsum auszu- | gleichen, andererseits aber auch den Haushaltun- , gen die Möglichkeit zu geben, sich in weitestem | Maße, der elektrischen Heiz- und Kochapparate ; zu bedienen, deren Vorteile immer mehr erkannt werden.

Andere Länder, an der Spitze Amerika, haben es viel früher als wir verstanden, in den letzten zehn Fahren ihre Haushaltungen fast vollständig zu elektrifizieren. Den Hausfrauen in Amerika, Schwe­den, Norwegen, Schweiz und Holland stehen seit Jahren zur Erledigung der Hausarbeiten die mo­dernsten elektrischen Apparate, wie Staubsauger, elektrische Kochherde, Küchenmotoren, Speisewär­mer, Kaffee- und Teemaschinen, Waschautomaten und Bügeleisen, Heißluftduschen und Heizkisien, elek­trische Defen usw. zur Verfügung. Wir in Deutsch­land sind in den letzten Jahren ebenfalls dazu über­gegangen, die elektrischen Heiz- und Kochapparate uns durch weitestgehende Einführung zugänglich zu machen.

In den Handel werden Staubsauger als Topfapparate und fahrbare Stielapparate mit Staubsack gebracht. Der Topfapparat besteht aus einem Eimer, auf dem nach oben mit dem Deckel abschließend der Motor mit einem kleinen Ventilator eingebaut ist. Der Apparat bietet den Vorteil, daß er nicht nur zum Saugen verwendet werden kann, sondern auch zum Blasen, welches hauptsächlich da Anwendung findet, wo Beleuchtungskörper, Schnitz- müdel und Nippessachen vorhanden sind. Außerdem kann der Apparat im Sommer als Ventilator Ver­wendung finden. Der Staubsauger ist mit einem Universalmotor (verwendbar für Gleich- und Wech­selstrom bei normalen Spannungen von 110 und 220 Volt) ausgerüstet und kann an jede Lichtleitung angeschlossen werden. Die Stromaufnahme des Mo­tors beträgt etwa 150 Watt pro Stunde, verursacht also bei einem Strompreis von 45 Pf. pro Kilo­wattstunde 6,75 Pf. Stromkosten für eine Stunde Staubsaugen. Eine Schmierung des Motors er­übrigt sich, da der Motor in Kugellagern läuft.

Im Zusammenhang mit dem Staubsauger, der den gefährlichsten Feinden unserer Gesundheit, den Bazillen, den Nährboden nehmen soll, verdienen zur Pflege unserer Gesundheit die Heißluft­dusche und das Heizkissen besondere Erwäh- yv |w ww|j___, o.

nung. Durch verschiedene Stellung des Schalters nügt wird. Sie verbindet daher alle Vorzüge, die kann man ganz nach Belieben einen warmen und j ' ..... ~ -----

kalten Luftstrom mit der Heißlustdusch, sie also auch als kleinen Ventilator zur Kühlung ver­wenden. Das Heizkisien mit Regelung kann ohne Spannungsumschaltung an jede normale Steckdose (bis 250 Volt) angeschlossen werden. Durch den i ge Regler wird das Heizkissen bei einer bestimmten

Temperatur selbsttätig abgeschaltet, gleichviel, an fj^ bisher mit spiritusbeheizten Apparaten (sog. welche Spannung es angeschlossen ist. Innerhalb Rechauds) begnügen, bei denen nie vollkommene dieses durch die Regelung gegebenen Temperatur- Sauberkeit, absolute Geruchlosigkeit, Ausschaltung spielraumes kann die Wärmeabgabe nod) durch jeglicher Feuers- und Explosionsgefahr zu erreichen einen dreifachen Regulierschalter, der in die Zu- roar, so vereinigt der elektrische Speisenwärmer alle führungsleitung eingebaut ist, beliebig gearibcr Vorzüge in sich, die an ein Tischgerät in hygie- werden. Außer der Regelung ist das Kissen noch mit nifdjer Beziehung gestellt werden müssen. In Re- oerschiedenen Temperatursicherungen versehen, die ftourants, Hotels', am Eßtisch ist es durch den elek- eine Uederhitzung und Zerstörung des Kissens aus- frischen Speisenwärmer möglich, die Speisen auf schließen. Der äußere Ueberzug des Stiftens kann einmal auf den Tisch zu bringen, ohne befürchten zu leicht abgeknöpft und gewaschen werden. Für nasse müssen, daß Suppe, Braten, Fischgerichte u. a. durch Behandlung wird auf Wunsch ein passender Gummi- Kaltwerden an Schmackhaftigkeit und Aussehen ver- überzug geliefert. Da das Heizkissen besonders bieg- [jeren. Damit fällt auch das lästige Hin- und Her- sam ist, schmiegt es sich als Umschlag der schmerzen- gehen der Bedienung während der Mahlzeit von den Stelle so an, daß eine überall gleichmäßige selbst fort. Besonders geeignet erweist sich der Spei- Erwärmung erzielt wird. Das geringe Gewicht von senwärmer für Familien, wo die einzelnen Ange- 600 Gramm wird selbst bei schmerzhaften Entzun- hörigen infolge beruflicher Abhaltung die Mittags­dungen von Kranken nicht lästig empfunden, eine 3eit nicht genau einhalten können. Hier leistet der Annehmlichkeit, die durch Wärmflaschen, Thermo- elektrische Speisenwärmer vorzügliche Dienste; aller phorn usw. niemals in so vollkommener Weise er- Berger und Verdruß, der mit dem Kaltwerden der reicht werden kann. Speisen verbunden war, ist gebannt. Um auf den

Eine besondere Beguemlichkeit im Schlafzimmer Speisenwärmer sowohl runde als auch ovale Keller und in der Küche bietet der Heißwasser- und Schüsseln erwärmen zu können, ist der Heiz­speicher, der uns je nach Größe des Apparats körper zum Kippen eingerichtet. Beim Umdrehen des ständig 152000 Liter heißes Wasser bereithält, Gestells legt sich das Kippelement so um, daß es Bei der Heißwasierbereitung nach dem Speicher- stets seine Wärme nach dem Gerät hinstrahlt, das Prinzip wird entweder das Wasser in etwa acht erwärmt werden soll. Beschädigungen des Tisches Nachtstunden auf die gewünschte Temperatur aus- durch nach unten fallende Wärmestrahlen sind durch gebeizt und steht bann während des Tages (bei aus- eine zweckentsprechende Isolation verhütet, geschaltetem Tagstrom) zur Verfügung (Nacht- Von den sonstigen elektrischen Haushaltungs­speicher) oder der Speicher bleibt dauernd (Tag und apparaten sind noch als besondere Helfer der Haus-

Nacht) unter Strom (Dauerspeicher); die Tempera- frau der Waschautomat und das Hochlei­turregelung und Stromzuführung erfolgt vollkommen st u n g s b ü g e l e i s e n zu erwähnen. Wie schon der selbsttätig. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Name sagt, ist der Waschautomat ein Apparat, der Aufladung in die Nacht verlegt wird, weil Nacht- die Wäsche selbsttätig reinigt und Waschkesiel und ström vom Elektrizitätswerk zu wesenllich niedrige- Waschmaschine in sich vereinigt. Seine Bedienung rem Tarif abgegeben wird als Tagstrom. Beim Heiß- ist leicht und mühelos. Sie beschränkt sich auf das wasserspeicher ist der Wasserbehälter aus Eisenblech Einschalten am Abend und das Ausschalten am ober Kupfer gefertigt. Wasser aus verzinkten Eisen- Morgen. Er macht unabhängig vom Waschhaus und dehältern ist hygienisch absolut einwandfrei. Zum kann in der Küche, ja sogar im Wohnraum gebraucht Schutze gegen Wärmeverluste sind die Speicher von werden, da keine Schwadenbildung auftritt. Das einer hochwertigen Isolation umgeben. Die Heiz- Prinzip beruht auf einer starken Durchflutung der einrichtung besteht aus Flachrohrelementen, die in Wäsche mit heißem Wasser mittels Dampfsprudlers. Heiztaschen eingesetzt sind und auch bei gefülltem Der Apparat ist außerordentlich wirtschaftlich und Wasserbehälter ausgewechselt werden können. Ein braucht nur wenig mehr Strom als ein elektrisches selbsttätiger Temperaturregler schaltet den Strom Bügeleisen. Die Zeitersparnis ist von großer Bedeu- aus, sobald die gewünschte Temperatur (meist 85 tung. Die Wäsche kann frühmorgens getrocknet wer- Grad Celsius) erreicht ist und wieder ein, wenn den, da das Waschen während der Nacht selbsttätig diese infolge natürlicher Abkühlung oder Zuströmens erfolgt. Es wird also der billige Nachtstrom ausge- oon Frischwasser unterschritten wirb. Bei den hän- nutzt. Der Waschautomat besteht aus einem ver­geuden Speichern (15 bis 100 Liter), bei Gleich- zinkten Eisenkessel mit elektrischer Heizeinrichtung. .. und Wechselstrom auch bei dem 120-Liter-Speicher Der Inhalt beträgt 50 bzw. 100 Liter, je nach (Badeofen), erfolgt die Ein- und Ausschaltung direkt I Größe. Die Wäsche wird morgens kalt eingeweicht, durch den Thermostaten, der auf eine Quecksilber- Für den 50-Liter-Kesiel braucht man ein halbes schalttöhre arbeitet. Der Einbau der selbsttätigen Pfund gutes Seifenpuloer, das man in etwa 50 bis Temperaturregelung drückt den Stromverbrauch auf 20 Liter Wasser auflöft. Im 100-Liter-Kessel dement- ein Mindestmaß herab und schließt die Gefahr des sprechend ein Pfund auf etwa 30 bis 40 Liter Ueberhitzens alls. Die Heißwasserspeicher können Wasser. Die gut ausgeschleuderte Wäsche, die auch ohne weiteres an Gleich-, Wechsel- und eine Phase gut ausgewrungen werden muß, schichtet man lose

'* ~ 1 um den Sprudler herum. Es muß soviel Lösung

jedoch nicht ganz bis zum oberen Rand des Sprud­lers heraufreicht. Der Deckel wird geschloffen, der Strom eingeschaltet und die Wäsche bleibt während der Nacht mindestens acht Stunden sich selbst über* lassen. Früh wird die Wäsche so lange gut gespült, bis das Wasser klar ist. Die Hauptwascharbeit ver­richtet also der Waschautomat selbsttätig. Besonders festhaftende Flecken entfernt man durch leichtes Reiben, da der Schmutz, wenn überhaupt, nur noch lose haftet. Der Apparat muß vor dem Einschalten geerdet werden. Dies geschieht auf einfachste Weise, indem man die beigegebene zweite Leitung an der Erdungsklemme des Automaten befestigt und das andere Ende mit der Zwinge an den Wasser­leitungshahn anschließt.

Don allen elektrischen Haushaltapparaten ist wohl am bekanntesten und am meisten verbreitet bas elektris che Bügeleisen. Der Vorteil vor anderen (gas- und kohlebeheizten) Bügeleisen liegt in der Schnelligkeit des Anheizens und der Gleich­mäßigkeit der Wärmeabgabe. Außerdem atmet die Hausfrau beim Plätten nicht die schädlichen Gase und die verbrannte Lust ein. Je nach Art und Feuch­tigkeitsgehalt der Wäschestücke sit die Wärmeent­nahme vom Bügeleisen verschieden. Die Folge davon ist, daß bei leichter und trockener Wäsche das Eisen öfter ausgeschaltet werden muß, da es sonst zu heiß wird und sengt, baß aber bei schwerer und nasser Wäsche die Wärmeentwicklung unter Umständen nicht stark genug ist, um die abgegebene Wärme zu ersetzen. Man muß dann entweder im Plätten Pau­sen machen, damit sich das Eisen wieder erholt ober im Besitz mehrerer Plätteisen von verschiedener Lei­stungsaufnahme für leichtes, mittelschweres und schweres Plättgut fein. Auch diese Unbequemlich­keit ist nunmehr beseitigt, denn es ist gelungen, ein Bügeleisen zu schaffen, das sich s e l b ft t ä t i g in seiner Wärmezufuhr dem Bedarf des Plättgutes an- paht und dauernd die Temperatur behält, die für ein rasches Plätten bei schonender Behandlung des Stoffes am günstigsten ist. Dieser Erfolg ist da­durch erzielt, daß das Plätteisen zunächst für eine gesteigerte Stromaufnahme bzw. Wärmezufuhr ge­baut ist und einen selbsttätigen Stromregler besitzt. Der Regler ist eine selbsttätige Schaltvorrichtung, die bei einer bestimmten Höchsttemperatur den elek­trischen Strom unterbricht und erst wieder ein­schaltet, wenn die zulässige untere Temperatur­grenze unterschritten wird. Da der Schaltvorgang bei Bügeleisen mit Regelung von der Temperatur ab­hängig ist, war es möglich, dem Hochleiftungsbügel- eisen eine wesentlich höhere Wattaufnahme zu geben als dem Bügeleisen ohne Rege­lung, nämlich 600 Watt. Es liegt auf der Hand, daß die erhöhte Wattaufnahme des Hochleistungsbügeleisens ein bedeutend schnelleres Anheizen, aber auch ein schnelleres Bügeln, beson­ders von schwerer, nasser Wäsche gestattet, weil eine schnellere Ergänzung der hohen Wärmeverluste er­folgt, die beim Bügeln von sehr feuchten Stücken stets auftreten. Durch den Einbau des Reglers wird eine erhöhte Wirtschaftlichkeit des Eisens erreicht, da infolge des zeitweiligen Ausschaltens trotz der höhe­ren Wattaufnahme jeweils nur die zum Bügeln notwendige Strommenge zugeführt wird. Die Er­sparnisse gegenüber Bügeleisen ohne Regelung be­tragen etwa 20 Prozent des sonstigen Stromoer- brauches. Durch die mittels des Reglers erreichte Temperaturbegrenzung wird auch eine Ueberhitzung des Eisens vermieden. Dies bedeutet zugleich einen weitgehenden Schutz gegen Entzündungsgefahr; denn während sich das Eisen ohne Regler, wenn aus Nachlässigkeit oder Vergeßlichkeit der Strom nicht abgeschaltet wurde, hoch erhitzen konnte, kann dies bei dem Birka-Eisen nicht eintreten, da das selbst­tätige Abschalten des Eisens unterhalb der Entzün­dungstemperaturgrenze erfolgt. Die Hochleistungs­bügeleisen werden je nach Wunsch mit englischem ober Berliner Griff geliefert.

In Vorstehendem sind nur einige von den vielen Apparaten erwähnt, die der Hausfrau die tägliche Arbeit erleichtern ober ganz abnehmen, Bei der vom Elektrizitätswerk veranstalteten Ausstellung wird jeder Gelegenheit haben, sich über viele andere Haushaltungsapparate wie Küchenmotor, Tee- und Kaffeemaschinen nsw. sowie über nähere Einzel­heiten der beschriebenen Apparate zu informieren. Deshalb sollte es niemand versäumen, diese hoch­interessante und lehrreiche Ausstellung zu besuchen.

Gegenwartsaufgaben unfers Obstbaues.

Von Friedrich Rehnelt, Univ.-Garten- Inspektor, Gießen.

Wer Obstbäume Pflanzt, schafft verzinsliche Werte, umgibt die Wohnstätten mit freundlichem Grün, verschönt die Fluren und sät Hoffnung, die der heimatlosen Freizügigkeit, dem Streben nach dem Großstadtleben, nicht ohne Erfolg entgegen arbeitet. Diese idealen Gesichtspunkte einer richtig angelegten Obstpflanzung sind unver­kennbar. Sie sollten in ihrer Gesamtheit nicht unterschätzt werden. Allein maßgebend sind sie nicht. Hierfür kommt lediglich der Ertrag in Betracht. Wo dieser zu gering ist, als daß er Ausgaben und Mühe lohnte, oder wo die Absatz­möglichkeit für reiche Ernten fehlt, kann von einem gedeihlichen Obstbau nicht die Rede sein. Beides ist bei uns nicht der Fall. Sowohl die schnelle Ver­bindung mit Dem Industriegebiet, wie auch die Rähe größerer Badeorte würden für den Obst- Handel einen mächtigen Anreiz geben, ihren gro­ßen Bedarf in unserer Gegend aufzukaufen, wenn das gewünschte Obst in ausreichender Menge und guter, gleichmäßiger Beschaffenheit zu haben wäre. Ein Gang über unseren Wochenmarkt be­lehrt uns jedoch, daß beträchtliche Mengen an Obst hier ihre Käufer sinden, die aus oberhessi- fchem Boden nicht gewachsen sind. Man wird einwenden, es handle sich hierbei hauptsächlich um Frühobst, das im sonnigen Rheintal zwei bis drei Wochen früher zur Reife kommt. Der Umstand jedoch, daß man auch im Oktober und Aovember an den Standen der Obstverkäufer für besonders schöne Aepfel die empfehlende Be­merkung zu hören bekommt, diese seien kein hiesi­ges Obst sondern von weither, gibt allerlei zu denken.

Gepflanzt wurden in den letzten-20 Jahren sehr viele Obstbäume. Fast ausnahmslos sind die vor dem Kriege gesetzten Bäume ertrags­fähig geworden. Wenn wir dennoch trotz reich­licher Anpflanzungen den einheimischen Markt noch nicht zu versorgen in der Lage sind, so

müssen Fehler begangen sein, die in Zukunft zu vermeiden sind.

Zunächst muh sich jeder Blitzer darüber klar sein, daß Obstbau immer nur als eine Reben- nuhung bei unS in Frage kommen kann. Grund- stückspreis und Arbeitslöhne sind zu hoch, als daß Jemand zu hohe Erwartungen an eine Obst­pflanzung stellen könnte. Dementsprechend ist auch die Pflanzweise zu wählen. Sic muß im Garten, wie im Feld soweit bemessen werden, daß die Untcrfulturen von Gemüse. Beerensträucheim, Feldfrüchten usw. nicht allzusehr beeinträchtigt werden. 3m Feld muh außerdem Rücksicht auf die Bodenbearbeitung und Bestellung mit Ma­schinen walten, ohne die ein Landwirt nicht mehr auskomml. Aepfel- und Birnbäume dürfen nicht enger als 10, Süßkirschen nicht unter 12 Meter allseitigen Abstand gepflanzt werden. Sauerkirschen, die man bei uns kaum kennt. Zwetschen und Pflaumen können etwas enger stehen. Am bequemsten werden solche Feldpflan» zllngen am Rande eines Grundstückes an Ab­hängen und Rainen angelegt, sofern der Boden sich dafür eignet. 3n den Gärten wird immer noch viel zu dicht gepflanzt. 3n jedem Haus­garten muh ein Teil für Gemüseanbau ohne Baumwuchs bleiben. Unter Bäumen wächst nicht viel, weil Nahrung. Tau und Regen hauptsächlich dem Baum zu Gute kommen.

3eder Landwirt weih, daß Weizen, Roggen, Gerste und Hafer ganz bestimmte Ansprüche an Boden und Düngung stellen, daß Gerste beispiels­weise nicht überall mit Erfolg gebaut werden kann. Genau ebenso verhält es sich mit Obst- bämnen, nur mit dem Unterschiede, daß Der Baum zwei bis drei Menschenalter die benöttgte Nahrungsmenge dem Boden zu entnehmen hat, auf den er gepflanzt wird. 3st dieser ungeeignet, so werden auch die Früchte des Baumes darnach ausfallen. Kirschbäume stellen an den Boden nur geringe Ansprüche. Süßkirschen gedeihen so­gar noch auf steinigem Boden, wenn dieser nur zerklüftet ist, so daß die Wurzeln einzudringen vermögen, wie Die tollten, kleinfrüchtigen Baum­riesen im oberen Vogelsberg beweisen. Die Kirsche liebt jedoch die freie, den Winden ausgesetzte Höhe. Dennoch sind die von Ginster und Schwarzdorn besiedelten Hügel fast immer mit Zwetschen bepflanzt. Auch sie gedeihen daselbst noch, aber sie werfen in trockenen 3ahren drei­viertel ihrer Früchte aus Mangel an Feuchtig­keit vor der Reife ab. Die Zwetsche ist der Fruchtbaum der feuchten Wiesentäler, durch welche die Nebel ziehen, sowie der daran grenzen­den Hänge und Grabenränder, wo wegen Nässe andere Obstbäume nicht mehr gedeihen. Daß die Zwetsche bisweilen erfriert, ist ein Mißstand, Der aber durch die Eigenschaft, Wurzelschößlinge zu bilden, zum Teil wieder ausgeglichen wird. Bei der gemeinen Hauszwetsche wäre eine Sich­tung zugunsten Der großfrüchtigen Spielarten und Ausmerzen der Bäume, Die zum Fuchsigwerden neigen, eine zeitgemäße Aufgabe jedes Obst­züchters.

Gleichwie die Krone des Birnbaumes ener­gisch nach oben strebt, so gehen auch seine Pfahl­wurzeln tiefer in den Boden. Geraten diese auf ihrem Wege auf Ortstein oder eine andere, ver­härtete. undurchdringliche Bodenschicht, so ver­wandelt Der bis dahin ungestüme Holztrieb sich zu kurzem Fruchtholz. Der Baum blüht über­reich. Seine Früchte werden, wenn es sich um eine edle Sorte handelt, außen vom Schorf be­fallen. 3m 3nnern sind sie steinig und dadurch wertlos. Edle Sorten verlangen tiefgründigen, guten Boden. Nur in solchem bilden sie ihre guten Eigenschaften voll aus. Bessere Winter­birnen gedeihen bei uns höchstens als Zwerg- und Spalierobst. Frühbirnen, wie Grüne Som­mer-Magdalene und Stuttgarter Geishirtle sollten bei uns nicht angepflanzt werden. Die Heinen Früchte sind zu vergänglich. 3n guten Obstjahren lohnt sich ihr Pflücken nicht und geschüttelt sind sie erst recht nichts wert. Jeder zehnte Obstbaum sollte erst ein Birnbaum sein. Gänzlich zu verwerfen ist die Anpflanzung von Frühbirnen auf freiem Felde. Die unter solchen Bäumen in Grund und Boden getretene Feld­frucht sollte eine Warnung sein.

Den besten Boden, Den man besitzt, gebe man den Aepfelbäumen. Der Apfel ist die Haupt­frucht. Von allen Obstarten ist er Der anspruch­vollste. Er liebt mäßig feuchten Lehm- ober lehmigen Sandboden, wurzelt flach, so daß die Pslanzgruben nicht tiefer als 60 Zentimeter, dafür aber 2 Meter im Geviert angelegt werden sollten. Stauende Nässe verträgt er ebenso wenig, wie brandigen heißen Boden Es würde weniger krebskranke Aepselbäume geben, wenn Die Be­sitzer vor Der Anpflanzung auf Das Vorkommen von WasseraDern achten unD solche entweDer aus­sparen oder durch offene Gräben entwässern wollten.

Wir kommen zum Pflanzgut. Der Landwirt weih, daß er erntet, was er sät. Er spart am Saatgut nicht. Wie aber sieht es damit im Obst«- bau aus! Schon an den -Unterlagen wird ge­sündigt, wenn diese aus Kernen erzogen werden Die von Früchten eDIer Sorten stammen. Dei Same wilder Holzäpfel aber ist teuer und kommt es denn, daß die jüngeren Obstbäume nicht mehr das hohe Alter erreichen, was viele kern­gesunde Obstbaumriesen aus alter Zeit noch aus- weisen können. Denn Sämlinge guter Sorten fallen schwächlich aus und haben von Blutlaus und anderem Ungeziefer zu leiben. Diese Eigen­schaften üben ihren Einfluß mehr oder weniger auch auf Die vereDelte Sorte aus.

Sodann wird immer wiederholt Darauf hin­gewiesen, Daß es wichtig sei, Bäume zu pflanzen, Die an Die BoDen- und Klimaverhältnisse gewöhnt sinD und es ein Unding sei, Bäume aus dem Rheingau in den Vogelsberg zu verpflanzen. So einleuchtend dieser Gedankengang auch sei, ge­handelt wird danach nicht blei. Sonst kämen nicht soviel Waggonladungen auswärtiger Bäume nach Gießen, die als hier gewachsene Ware gepflanzt! werden. Wer daher im Herbst oder Frühjahr Bäume braucht, bemühe sich bei Zeiten selbst in Die Baumschulen unD suche sich Dort seinen Bedarf aus, auch auf Die Gefahr hin, einen kleinen Betrag mehr zahlen zu müssen.

Was Die Sortenwahl betrifft, so Pflanze man zunächst das, was in Der Gegend am besten ge­deiht. Man bevorzuge Sorten mit schön gefärbten, großen Früchten. Sauer aussehende, grünliche und trnb gefärbte Ware ist im Ueberfluß auf