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Döllerbundssekretariat seinen Austritt

aus

einem Teil der Samstag-Auflage gemeldet, hat die spanische Regierung in einer Rote an das

soll. Die Vollversammlung würde also erst am Mittwoch die Diskussion über das Projekt der Ratserweiterung eröffnen. Aller Voraus­sicht nach findet am Dienstag eine Sitzung des Plenums statt, in der die Danziger Frage behandelt werden soll.

Spaniens Austritt aus dem Völkerbund.

Eine spanische Note an das Generalsckretariat. Genf. 12. Sept. (Wolff.) Wie schon

Die süddeutschen Herbstmanöver der Reichswehr.

Vorschau. - Manöverleitung. - Gelände. - Schlutz der Versammlung. - Truppsngliederung.

Von unserem miltärpolitischen K-Sonderberichterstatter.

Bevölkerung den Soldaten eine Freude bereitet, tut sw ein nationales Werk. Die deutschen «tämme brauchen ja leider noch immer solche gegen­seitige Annäherung, enge Fühlung unterein­ander, um sich kennen und schätzen zu lernen. Wenige derartige Manüvertage vermögen mehr als eine Mi- msterreise und freunbnachbarlkche Politikerreden: sie bringen das Vertrauen der deutschen Stämme und Stände zueinander und wirken dem Erbübl unserer politischen Selbstzerflei­schung besser entgegen als viele wohlmeinende Ver- Ordnungen über das Verhältnis des Reiches und der Lander.

Ein Blick auf die Karte zeigt, daß das Gelände mit feinem reichen Wechsel von Tälern und Höhen, Wald und Feld, mit seinen Höhenunterschieden bis zu 200 Meter, deren Ueberwindung an Mann und Roß und Kraftwagen ziemliche Anforderungen stellt, auch rem militärischen Gesichtspunkten aufs beste entspricht.

Am Samstag hat sich die Versammlung aller an den Feldmanövern der, 5. Division beteilig­ten Truppen in den württembergischen Oberämtern Gerabronn, Mergentheim, Oehringen, Künzelsau und den badischen Bezirksämtern Tauberbischofs- heim, Buchen und Adelsheim in der Hauptsache mit mit der Bahn vollzogen: gewiß eine recht schwierige Transportleistung der Reichsbahn insofern, als der normale Bahnbetrieb und Zugverkehr dadurch in feiner Weise gestört werden darf, obwohl nur memge nicht sehr leistungsfähige Linien zur Ver­fügung stehen. Den ganzen Tag über wurde in kurzen Zeitabständen auf fast jedem Bahnhof der Gegend em Transport ausgeladen und den Orts­unterkünften zugeleitet.

Die Masse der 5. Division bilden ihre drei Jn- fanterieregimenter: das 13. württembergische, unter Oberst v. Greiff, mit den Standorten Stuttgart, Ludwigsburg,, Ulm und Gmünd, das 14. badüche, unter Oberst Frhr. v. Rotberg, mit den Stand- or*en 'Instanz, Tübingen, Meiningen, Donau- eschingen und Villingen, und das 15. hessisch-preu- v'sche Infanterieregiment unter Oberst Fett mit öen Standorten Gießen, Kassel, Eisenach, Wei­mar und Marburg. Dazu kommt das 5. Artillerie« regimcnt und zwar mit Regimentsstab und bri: I. (hessisch-preußischen) Abteilung aus Fulda, mit der II. (badischen) Abteilung aus Ulm und Wieb­lingen lind mit der III. (württ.) Abteilung aus Lud­wigsburg. Das 5. Pionierbataillon wird aus Ulm abtransportiert, die 5. Nachrichtenabteilung mit 10«" amei Kompagnien aus Cannstatt, die 5. Kraft- fciörobteilimg mit je einer Kompagnie aus Cann- ftatt, Ulm und Kassel. Epdlich gehört noch zum Divlslonsoerband die 5. Fahrabteilung, die mit je einer hessischen und badischen Eskadron in Ludwigs­burg, einer württembergischen in Ulm und einer in Kassel liegt. An Stäben sind außer dem Divisionsstab zu nennen: der Stab des Jnfan- teneführers V mit dem Oberst v. Stülpnagel an der Spitze, der den Generalleutnant Wöll- warth Milte Juni in Stuttgart abgelöst hat, und der Stab des Artillerieführers V, dessen Komman­deur, Generalmajor Föhrenbach, seit Monaten schwer krank darniederliegt. Außer den Divisions­truppen beteiligt sich noch an den Feldmanövern das u- (preußische) Infanterieregiment unter Führung des Oberst Meyn, das seine Sommerübungen auf dem Truppenübungsplatz Münsingen soeben be­endigt hat. Es kommt aus den Standorten Pots­dam, Lichterfelde, Spandau und Wilnsdorf Von be- louderer Bedeutung ist ferner die Hinzuziehung des 18. Reiterregiments unter Oberstleutnant v. Kar - o? r Ur ^vei württembergischen und zwei badi- scheu Cskadrons aus Cannstatt und Ludwigsburg. EndÜch treten nach Abschluß ihrer Sommcrübungim n Münsingen noch zwei Eskadrons des 6. (preußi- 'Gen) Fahrabteilung aus Hannover und Celle hinzu.

Leider entspricht ja die Zusammensetzung, Be° wassnung unb »(usruflung aller Me|« Zruppen nicht ben Ansprüchen die ein moderner Krieg stellt: das r JV jedensdiktat hat uns daran gehmdert die Erfayrungen des Weltkrieges bei der Neugestaltung unseres Heerwesens auszunützen.

Tas Jttsantelieregiment hat zwar drei' Feld- vataillone zu je drei Schützen- und je einer Ma­

schinengewehrkompagnie, außerdem eine Minen- werferkompagnie. Aber die Schützenkompagnien be- sitzen bei einer Kopfstärke von 164 Offizieren, Unter­offizieren und Mannschaften nur sechs leichte Maschinengewehre, obwohl die Kriegserfah­rungen eine wesentlich stärkere Ausstattung mit leichten Maschinengewehren verlangen. Die Ma- fchinengewehrkompagnie verfügt über 12 schwere Maschinengewehre bei einer Kopfstärke von 125 Unteroffizieren und Mannschaften, die vor dem Krieg nur 6 Maschinengewehre zu bedienen hatten. Auch sind 12 schwere Maschinengewehre für ein Bataillon nach der Ansicht der Sachverständigen keineswegs ausreichend. Die Franzosen haben, wenn man ihre Maschinengewehrbataillone in den Divisionsverband einrechnet, etwa die d r e i- fache Ausstattung an schweren Maschinen­gewehren bei einer Infanteriedivision und streben eine weitere Vermehrung an, da für die normale Gefechtsbreite und -tiefe von 500600 Meter in Angriff und Verteidigung selbst 36 schwere Ma­schinengewehre die mannigfachen Aufgaben des lückenloson Feuerschutzes für ein Jnfanteriebataillon kaum zu lösen vermögen. Auch ist uns die Schas- fun9 Don großkalibrigen Maschinengewehren 3ur Flieger- und Kampfwagenabwehr verboten. Während man uns als artilleristische, organisatorisch mit der Infanterie verbundene Feuerkraft beim In­fanterieregiment nur die Minenwerferkom- PJ1 ?-,n ' &re' leichten und einem mittleren Zug (Kaliber 7,7 und 17 Zentimeter) belassen hat, haben alle modernen Staaten sich außer dieser eine söge- nannte Infanterie-Batterie geschaffen, die aus 6 S ch n e l l f e u e r g e f ch ü tz e n von 3,57 Zentimeter Kaliber mit Pferde- oder Kraftzug be- steht, und dazu dient, feindlichen Widerstand, den die Infanterie mit Gewehr und Maschinengewehr nicht brechen kann, rasch zu beseitigen. Unsere Minen- merferfompagnien, ein Notgebilde des Stellungs­krieges, kommen mit ihren kurzen Schußweiten und ihrer Unbeweglichkeit für den Bewegungskrieg kaum in Betracht, in dem allein gegenüber der überlege, nen Materialausstattung aller unserer Nachbarn unser Heil liegen kann.

Noch viel trauriger ist die Verstümmelung unserer Artillerie. Das schwerste Kaliber, das man uns gelassen hat, ist die 10,5-Zentimeter- !5eldhaubitze. Wahrend jede moderne Division des Auslandes über nahezu zwei Artillerieregimenter verfügt, wovon das eine nur schwere und schwerste Kaliber umfaßt, hat die Reichswehr- divlsion nur neun leichte Feldbatterien mit unge­nügendem, von der Kontrollkommission feftgefehtem Munitionsbestand. Besonders empfindlich ist ferner der Mangel an modernen Artillerie, beobachtungsmitteln, die wir gegen Ende öeg Änegcs in der fog. Beobachtungsabteilung mit ^'cht- und Schallmeßtrupp, Ballontrupp und'Kar- tenftefle zusammengefaßt hatten. Daß uns Flieger und 6licgerabwehrmittel, chemische Kampfmittel, Kampfwagen und Kampfwagenabwehrmittel ganz genommen sind, ist zwar allgemein bekannt, darf aber hier nicht unerwähnt bleiben wegen der großen Schwierigkeiten, vor die Führung und Truppe mit Der Annahme und Andeutung nicht vorhandener Kampfmittel in jeder Gesechtslage gestellt werden.

Auch die Bewaffnung und Zufammenfetzung un- ferer Reiterregimenter entspricht neuzeitlichen Anforderungen nicht.. Es fehlt an Maschinengeweh- ^^ftwagengeschützen, Strahenpanzerwagen, ^ch.P^tanks und Radfahrkompagnien. Jede aus- ländische, Division verfügt über eine sogenannte 21uf tlarungsabteilung, die schnell beweg- !$ 'st und die Kraft besitzt, auch stärkeren feind­lichen Widerstand rasch zu brechen. Bei uns steht für diesen Zweck jeder Infanteriedivision eine ein« ,vge esfaöron mit ungenügender Bewaffnung zur Verfügung. ä °

_ '-^a' wenn unser Heer tatsächlich eine so geringe Schlagkraft hat, wozu halten wir dann u b e r h a u p t f oftfpielige Manöver a b?" konnte man sich fragen.Warum verzichten wir dann nicht überhaupt auf eine Armee und verstärken dafür zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung unsere Polizei?" - Eine solche Frage kann nur stellen, wer den Wert des M a t e r i a l s überschätzt, und den Geist, die Moral, die Erziehung zum Glauben an eine selbsterkämpfte Zukunft, zur Opferwilligkeit, zur Leistungsfähigkeit und steten Kampfbereitschaft unter den widrigsten Verhält- nifien, die Ausbildung in der vollendeten Führung aller Arten von Truppen und Waffen, einerlei ob man sie besitzt oder nicht, mißachtet. Was nützen die schwersten Kaliber, wenn sie für eine Infanterie Öen Weg bahnen sollen, die die moralische Kraft zum Sturm, zum Kampf Mann gegen Mann, zu Hunger, Durst und Entbehrung aller Art, die Ner­ven für die Todesgefahr nicht mehr besitzt? Und umgekehrt, wer eine 7,5-Zentimeter-Kanone bedie- »en kann, wird sich auch mit größeren Ka. l i b e r n zurechtfinden, und wer ein kleines Heer gut fuhrt, wer eine kleine in der Ausrüstung und Bewaffnung beschränkte, aber an körperlichen und sittlichen Kräften von niemand zu übertreffende, mit Den vorhandenen Mitteln wohlorganisierte Truppen sicher geführt hat, der wird auch Die zehnfache o Y l von Streitern ausgerüstet mit der zehnfachen Materialmenge zum Siege bringen; es gibt ja noch beute keinen Führer ober Feldyerrn, der sich über die zu große Zahl seiner Soldaten und seiner Streit- kraste beklagt hätte.

Die Hauptsache ist, daß man bei unserem Reichs- Peer das Bewußtsein nicht verliert:Dieses Heer 'st n i ch t S e l b st z w e ck, es kann nur die Vor- 'ch"le oder der Uebergang zu etwas Anderem, Voll- fommeneren fein!" Und daß man aus den Gefechts« bildern und den Gefechtsverfahren, das sich ohne Gas, ohne Flieger, ohne Kampfwagen, ohne moderne Ar- tllleriebeobachtungsmittel und Artilleriesernwirkung abfpielt, nicht falsche Schlüffe zieht. Die Geistes- kraft, die Phantasie, die heute für die nutzbringende Verarbeitung eines Manövertages vom einfachen Schützen bis zum höchsten Führer verlangt wird, ist wesentlich größer als vor dem Krieg, wo die An­schauung alles ersetzte, wo die Wirklichkeit unver­kennbar die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der ge- saßteu Entschlüsse nachwies und allgemein zum Be­wußtsein brachte, da die Waffen und Truppenein- heiten, mit denen im Manöver der Krieg vorgeübt wurde, durchaus dem Ernstfall entsprechen.

In diesem trotzigen Geist, der sich durch keine Schwierigkeiten unterliegen läßt, ist unser Reichs- Heer feit Jahr und Tag am Werk, den Willen zur Wehrhaftigkeit im deutschen Volk zu förubern und zu festigen und bie Mittel unter schwerstem äußeren Druck bereitzusiellen unb wirk­sam zu erhalten, ohne bie ein Staat keine Geltung auf ber Welt besitzen kann.

Die 5. Division wird in ben nächsten Tagen unter den Augen ihrer höchsten Vorgesetzten unb ihres obersten Kriegsherrn, bes Re i ch s p r ä f i b e n - t e n v. 5) i nb e n b u r g, Gelegenheit haben, dem deutschen Volke zu zeigen, in wieweit ihre Ausbil­dungsarbeit diesem Geiste entspricht und den Dank des Vaterlandes verdient.

beteiligten Organe angesichts bet vertrauens, fdfe, bie unsere Rechtspflege bebroht.

Aus lebhaften und zum Teil leidenschaftlichen Erörterungen klingt der Ruf: Das Recht in Rot! Alle Mann an Bord! Wenn diese Sorge berechtigt ist, wenn Wunden am Rechtskörper zu heilen sind, so liegen hier Aufgaben, an deren Lösung jeder deutsche Jurist sein Bestes sehen soll. 3m vaterländischen Interesse gebietet sich aber die beschwörende Mahnung, bei aller Kritll den Boden der Sachlichkeit nicht zu ver­lassen und sich vor verallgemeinernden Schlußsolgerungen zu hüten. Ver­hängnisvolle Ungerechtigkeit würde es vor allem sein, den deutschen Richterstand für Verfehlungen und Mißgriffe einzelner, die uns mit ernster Sorge erfüllen, verantwortlich zu machen. Mit Freude haben wir es auch begrüßt, daß sich die Organisationen des deutschen Rickterstandes die anerkennenswerte Aufgabe gestellt haben, rück­haltlos Selbstzucht und Selbstkritik zu üben und dadurch zur Festigung des Vertrauens in unsere Rechtspflege beizutragen. 3n die Gewissens­freiheit der deutschenRichter darf nicht eingegriffen werden. Vor ihre älnabhängigkeit werben wir uns nach wie vor schützenb stellen. Wir wissen alle, baß ben beutschen Richtern ihr Unab­hängigkeit nicht als einseitiges Vorrecht gewährt ist, sondern als Mittel zur Erfüllung ihrer höchsten rich­terlichen Aufgabe, nämlich bes gleichmäßigen Schutzes aller Staatsbürger unb ber un­parteiischen unb gerechten Rechtspflege. Treue Hin­gabe zum Staat unb zur Reichsverfassung muß ben Richter, der im Namen bes Staates Recht spricht, an erster Stelle auszeichnen unb ihm bie Staats« Verbundenheit zur Gewissenspflicht machen. Ver­gegenwärtigt sich ber deutsche Richter, was wir zu­versichtlich erwarten, bei allen feinen Amtshanb- lungen unb vornehmlich bei ber Strafrechtspflege, daß ihm ber Volksgenosse unb ber Mitmensch gegen- übersteht, bann wirb feine gerechte unb unparteiische Rechtsprechung das Vertrauen aller Volksschichten finden.

Bestandteil des großen deutschen Wiederaufbau- Programms sein. Von einem großen Zuge muß das gesamte Reformwerk der Rechtsentwicklung beherrscht sein.

Die durch Krieg unb Sriegswirkungen ver­ursachte Hypertrophie der Gesetzgebung muh tunlichster Vereinfachung in den Grundgedanken unb Zusammenfassung in den Zweckbestimmun­gen ben Platz räumen.

Dabei dürfen Rechtsfindung und Rechtssprechung der Fortentwicklung in Staat und Gesellschaft, Wirtschaft und Sozialleben nicht nachhinken, son­dern müssen mit ihnen in gleichem Schritt mar­schieren. Von staatspolitischer, wirtschaftlicher und sozialer Fortentwicklung sollen auch die auf den verschiedensten zivil- und strafrechtlichen Gebieten gelagerten Reformwerke durchdrungen fein, die jetzt in Vorbereitung sind und der möglichst baldigen Verabschiedung entgegengeführt werden sollen.

Die Reform des Strafrechts ist in vollem Gange, so daß bereits zu Beginn des kommenden Monats der Reichsrat an die mündliche Be­ratung des ihm vorgelegten Entwurfs Heran­gehen wird.

3n gleichem Zusammenhang sind unter den Reformarbeiten die Regelung eines durchgreifen- den Ehrenschutzes unb die Revision des Straf- Prozeßrechts sowie die Erledigung des den Stuscnstrafvollzug festlegenden Strafvollzugs­gesetzes herauszuheben. Reuregelung der Ilntersuchungshaft unb darüber hinaus dec Voruntersuchung wird sich auch mit dem be­sonders wichtigen und zeitgemäßen Thema ber Kriminalpsychologie und ber kriininellen Vor­bildung und Ausblldung der für die Vorunter­suchung zuständigen Organe zu beschäftigen haben. Dabei gilt es, unter Auswertung aller krimi­nellen Erfahrungen unb Heranziehung krimina­listisch geschulter Kräfte im Interesse gerechter Strafrechtspflege klare Richtlinien zu schaffen unb einheitliches wie zielbewutztes Zusammenwirken herbeizuführen.

Tiefer Schmer; erfüllt alle an der Rechtspflege

Manöver!" Das alte Zauberwort zieht noch immer; wer bie Reichswehrherbstübungen ber letzten Jahre mitgemacht hat, ber weiß es, unb wer aufmerk­sam bie Aufnahme ber ersten Ankündigung ber dies­jährigen süddeutschen Manöver in der Öffentlichkeit beobachtet hat, ber ist nickt im Zweifel barüber, daß ber größte Teil bes beutfqjen Volkes mit der Reichs­wehr auf diesen unentbehrlichen Abschluß ihrer all­jährlichen Ausbildungsaroeit sich freut.

Manöver haben ja heute eine noch größere Be­deutung für unser Heer als vor dem Kriege.

Die Hebungsplätze sind für die heutigen Marsch­tiefen und Artilleriesckuhweiten zu klein, so daß schon Hebungen im Regimentsverband nur unter großen Schwierigkeitn nutzbringend abgehalten wer- den können.

Auch kennen sich unsere 12 Jahre dienenden Sol­daten wie auf dem Kasernenhof allmählich auf den zur Verfügung stehenden Truppenübungsplätzen aus, o daß bie Art unb ber Verlauf ber bort möglichen Hebungen ihnen nichts Neues mehr bieten; um so notmenbiger finb Hebungen in freiem Gelänbe. bei benen bie Führer burch keine unkriegsmäßigen Rücksichten in ihrer Entschlußsreiheit gebunben finb, bie Truppen vor ungewöhnliche Ansorberungen ge- teUt werben; Hebungen, bie mehrere Tage ununter­brochen fortbauern, bei benen ber gesamte Nachschub an Munition, Verpflegung unb Kriegsmaterial zum Ausbruck kommt.

Völlig befriebigenb lassen sich solche Hebungen nur im Herbst gestalten, wo keine ober nurmehr geringe Rücksicht auf ben Anbau ber Felber genom­men werben muß. Im Winter verbietet bie Witte­rung unb bie kurze Dauer des Tageslichts längere derartige Übungen, und im Sommer können außer­halb ber Truppenübungsplätze nur Rahmentruppen üben, bei denen zwar alle Befehlsstellen kriegs­mäßig mit Offizieren und Nachrichtenorganen besetzt inb und Gefecht unb Befehlsgebung wie in Wirklich­keit im Gelänbe durchgeführt wirb, aber bie Truppe ehlt.

Die Rücksicht auf bie schlechte Lage der Reichs- inan$en schränkt heute bie Manöver fast unerträg­lich em. Was sind 57 kriegsmäßige Hebungstuge im Jahr für ein Heer? Dabei sind bie Kosten heut­zutage geringer als früher. Bei ben heutigen lichten Kampfformen kommt bas Vorgehen in breiten unb tiefen Massen, baS Reiten in geschlossenen Abteilun­gen, bas vor dem Krieg ben meisten Flurschaben und erhebliche Kosten verursacht hat, nicht mehr vor. Auch ist, wenn alle 7 Infanterie- unb bie 3 Kavallerie­bivisionen an ben Manövern beteiligt finb, noch nicht einmal ber achte Teil bes Vor- kriegsheeres ausgerückt.

Die Leitung ber diesjährigen Feldmanöver ber 5. Division liegt wie im vorigen Jahre in den Händen bes Befehlshabers im Wehrkreis V, bes Generalleut­nants Haffe, unb feines Chefs bes Stabes, bes Obersten Fleck. Bei ber Manöveranlage hat ferner ber von Ludenborff in feinen Kriegserinnerungen als besonders geschätzter Mitarbeiter ber O. H. L. ruhmenb hervorgehobene Major i.G. Geyer, in ber 5. Division, in erster Linie mitgewirkt. Man tann baher mit besonderer Spannung bem Verlaus unb Ergebnis bie,er Manöver entgegensetzen.

Die Frage bes Manövergelänbes würbe in glücklichster Weise gelöst. Württemberger, Babener, Hessen unb Preußen aller Provinzen sollen zunächst die weinbcruhmten, schloßreicken unb burggekrönten -taler bes Kochers, ber Jagst unb ber Tauber mit Den bazwischen liegenben Höhen ber Hohenloher tebenc unb des badischen Baulanbes kennen lernen. Spater wirb die Division in ben unter ber Leitung bes Oberbefehlshabers der Gruppe 2, bes Generals ber Infanterie Reinhardt, ftattfinbenben grö= »eren Manövern im Kampfe gegen bie 7. (baye- rttae) D'v.sion das Gelänbe zwischen Tauber- bischofsheim, Ochsenfurt unb Würzburg durch-

Ü $e<Ü ?C5 Kriegsschauplatzes von 1866, wo Schwaben, Babener, Hessen unb Bayern Seüc an Seite im 8. beutschen Bundeskoros noch den Bruberkampf gegen bie Preußen führten mit h°Pnrilsnb9lCfel)en xnD°r' bie Manöverleitung nut ber Verlegung der Herbstübungen in eine den metften unbekannte Gegend, zu ftammesfrember

dem Völkerbund notifiziert. Die Rote hat fol­genden Worllaut:

San S e b a st i a n, den 8. Sept.

Die Regierung Sr. katholischen Majestät be­dauert, indem sie sich des Rechtes bedient, das chr der 2lbsah 3 des Artikels 1 des Völker­bundes gewährt, Ew. Exzellenz notifizieren zu müssen, daß sie der Auffassung ist, daß d i e zweijährige Kündigungsfrist, die durch den fraglichen Artikel für den Austritt aus dem Völkerbund festgesetzt ist, für Spanien in seiner Eigenschaft als Mitglied vom Tage der Uebcrgabe des vorliegenden Schriftstücks ab zu laufen begonnen hat. Die spanische Regie­rung hat diese Mitteilung nicht übermitteln wol­len, bevor nicht die Versammlung auf Vor­schlag des Rates in Gemäßheit der vom Prü­fungsausschuß formulierten Ankündigung die Reform der Zusammensetzung des Rats billigte, insoweft die ständigen Sitze in Frage kommen. Indem sie so handelt, hat sie ihre Hochachtung gegenüber dem Völkerbund bekunden und Den Beweis der Kor­rektheit gegenüber allen Mitgliedern lie­fern wollen, die ihn zusammensetzen. Sie hat weiter durch ihr derartiges Vor­gehen abwarten wollen, bis sich die Versammlung über den Eintritt Deutsch­lands aussprach, ein Ereignis, wovon Spanien dringend wünsH.t, daß die Folgen die glücklich­sten für den Vollerbund sein mögen. Spanien ist überzeugt, daß seine Entscheidung kein Wesens liches Interesse und keinen Grundsatz des Völker­bundes in Frage stellt, für dessen Wohlergehen,' Spanien, sein König und seine Regierung die heißesten Wünsche hegen. Die spanische Regierung ist glücklich, die Gelegenheit benutzen zu können, die ihr diese Mitteilung bietet, die sie die Ehre und gleichzeitig das Bedauern hat, dem Völler- bund zu übermitteln, um mit tiefer Dankbarkeit gegenüber allen befreundeten Staaten zum Aus­druck zu bringen, deren Vertreter Spanien Worte des Dankes und des Lobes für die von ihm inner­halb ber verschiedenen Organe des Bundes voll­brachte Arbeit und ihre hohe Wertschätzung und Zuneigung für unser Land aussprachrn, Worte, denen wir immer ein unauslöschliches Gedenken bewahren werden. Im Augenbkick, wo sich Spa­nien vom Völlerbund trennt, um der gebiete­rischen Pflicht zu gehorchen, will es noch einmal den Wunsch formulieren, dahingehend, daß sich das hohe Ideal des Weltfriedens vollkommen verwirklichen lassen werde. Möge dieses Ziel, für dessen Erlangung der Völkerbund geschaffen ist, und in dessen Dienst unser Land bisher mit soviel Eifer und Erfolg arbeitete, voll verwirklichen.

gez. Fez Jose V a n g u a s.

Der Reichskanzler an Dr. Luther

Berlin, 11. Sept. (Wolff.) Anläßlich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund hat Reichskanzler Dr. Marx an den Reichs- kanzler a. D. Luther folgendes Telegramm gerichtet: Rachdem Deutschlands Eintritt in den Völkerbund vollzogen ist, ist es mir ein Bedürf­nis, der verdienstvollen Arbeit mei­nes Amtsvorgängers zu gedenken, die die Grundlage des für Deutschland so bedeut­samen Ereignisses geschaffen hat. Richt zuletzt Ihrem unermüdlichen vorbereiten­den Wirken ist es zu verdanken, daß der Schlußstein zu diesem Werk nunmehr gelegt wer­ben konnte. Mit den besten Wünschen für ein tveiteres Wohlergehen und einen erfolgreichen Verlauf Ihrer Reise gez. Reichsianzler Marx.

Der deutsche Iuristentag in Köln.

Eine Rede des Reichsjnstizministers.

Köln, 12. Sept. (WTB.) In bem mit ben tfarben ber deutschen Länber schlicht geschmückten großen Saale im Gürzenich wurde heute von bem Senatspräfibenten unb Hniversitätsprofefsor Dr. Wieruszowski in Köln ber 34. Deutsche Juristentaa eröffnet. Unter ben Ehrengästen befan­den sich Karbinalerzbifchof Dr. Schulte, Reichs- justizminister Dr. Bell unb zahlreiche Vertreter ber Reichs- unb Staatsmlnifterien aller Länber unb freien Stäbte, ferner Vertreter ber beutschen lunstischen Vereinigungen in Deutsch-Oesterreich unb ber Tschechoslowakei. Auf Vorschlag Professor Wie- ruszowskis würbe burch Zuruf Hniversitätsprosessor Geheimer Justizrat Dr. Wilhelm Kahl, M. b. R., zum Vorsitzenden des Juristentages gewählt. Nach Begrußungsworien bes Vorsitzenben ergriff dann

Rcichsjuftizminifter Dr. Bett bas Wort zu einer großangelegten Rede, in ber er u. a. folgenbes ausführte:

Don hoher Warte überschaut der Deutsche Suriftentag der deutschen Justiz brennende Ge­genwartsfragen und Rechtsprobleme. Wissen- vereinigen sich hier zum Lebensbund, durchdrungen von dem Bestreben über der gewaltigen Fülle weittragender Einzel- Probleme das erhabendste Ziel der Verwirk- lichung der Gerechtigkeit zu erreichen und den alten Rechtsspruch wahr zu machen:salus publica suprema lex csto,f.

Wollen wir der nationalen Wiedergeburt unseres Volles und dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes zielbewußt und wirksam dienen, dann müssen totr über alle Hemmungen und Erschwer- Nisse hinweg tatkräftig auch öer Reform des deutschen Rechts dienen. Für diese Reformarbeit muffen bie ewigen Sittengesetze die unwandelbar wie die Sterne sind und 'nicht dem Wechsel der TageSanschauungen und Zeit­strömungen sich unterwerfen lassen, als feste und unerschütterliche Grundlage dienen. Gesetzgebung und Rechtsprechung dürfen kein Fremdkör­per im Volksorganismus sein, sondern müssen tief im Volksbewußtsein wurzeln und gesunder Vollsanschauung entsprechen. Rechts­entwicklung und Rechtsreform müssen unlösbarer