hier überall das Packlager freiliegt In den unmittelbar anliegenden Gehöften in der Wetzlarer Straße wurde überall Schaden angcrichtet durch die in Scheunen und Ställe ein.dringenden Waffermalfen. Die etwas tiefliegende Küche einer 2lnüeaerin war von Waflcc überflutet Einem Kohlenhändler wurd. ein großer Teil der im Ho*e lagernden Kohlen vor das Hintergebäude gefchwemmi Die Beschwerden über dic'e Mißstände mehren sich bei den Betroffenen, weil durch den weiteren Ausbau oes höher gelegenen OrtSteilS das Wasser einen schnelleren Ab'luß findet, ohne daß die Wassermassen unterirdisch abgeleitet werden. Die beim Bau einer Wasserleitung notwendige Kanalisation dürste hier allein Abhilfe schassen. Es wäre jedenfalls angebracht, daß der Gemeinderat baldigst zu dieser Angelegenheit Stellung nimmt, um die betreffenden Anlieger und auch die Gemeinde selbst vor größerem Schaden zu bewahren.
L Wieseck. 12. 2lug. Die Verfass unas- feier am gestrigen Mittwoch fand unter stärkster Anteilnahme der Bevölkerung statt. Unter Bc- teiügung sämtlicher Vereine fand nach Eintritt der Dunkelheit ein riesiger Fackelzug statt. 3m Anschluß hieran fand die Feier statt, wobei Dur- oermeister S ch o m b e r die Anwesenden begrüßte. Die Festrede hielt Lehrer Petri der sich dabei eingehend mit dem Weimarer Verfassung öwerk beschäftigte. Gemeinsam wurde im Anschluß Hiera'., der dritte Vers des Deutschlandliedes gelungen. Strömender Regen machte ixe Fortführung der Feier im Freien unmöglich, die nitn- mehr ''im Saal ihre Fortsetzung fanb Konzert der Kapelle Mank-Wieseck, beifällig aufgenommene GcfangSvvrträgc der Gesangvereine „6än- gcrlrani“. „Sängcrvereinigung" und ..Harmonie", sowie mustergültig ?,u Gehör gebrachte Darbie- bictungen des Mandolinenchores 6er „Wandcr- vögel '-Wiescck füllten den Rest d:s Abends aus.
- Ölbad), 11. Aug. Die an dem Wiesentälchen nacy Lich herführenbe Kreis st raße bittet kurz vor ihrer Einmündung in die Staatsstraße Steinbach Lich eine recht gesählliche Kurve. Diese Kurve ist so eng und unübersichtlich, daß man sich wundern muu, daß dort noch Leine größeren Unglücke entstanden sind. Erst kürzlich begegneten sich an dieser Stelle ein von Lich kommendes Auto mit einem von Albach lommenden Radfahrer. Ei'.' Zusammenstoß träte unbedingt erfolgt wenn sich nicht der sehr langsam fahrende Radfahrer durch Abspringen von fernen; Fahrrad hätte retten können. Eine Warnungstafel müßte unbedingt dort angebracht werden.
4 L l ch, 11. Aug. Die am Ostabhange des 9tober- schiitts durch die S chü tz c n g c j c 11 f d) a '(11921 im Bau angelegten Schieß stände und das neue Schützerchaus gehen ihrer Vollendung entgegen. Die Aiilagen sind muftergiiltig und ganz modern hergerichtet. Den Schießübungen dienert Schlehständc von 300. 175 unb 100 Meter, ferner ein Kleinkaliber- unb ein Keilerstand. Die Abnahme der Arbeiten durch das Kreisbauamt Gießen steht bevor. Die OHittel wurden durch Mitglieder der Gesellfchast ausgebrachlt. Der rührige Verein wird durch den Oberfchüi'Liimeister 3 h r i n g geführt. Erster Schühenmcister ist gor ft- wart Textor. zweiter Schützenmeister Deckoffi- zier a D. Böhm. Die Cinweihungsseicrlichteiten sind für den ersten Sonntag im September vorgesehen. Ans dem alten Schießstand an der Hardt hielt brr hiesige Kriegeroerein, der diesen Stand täuflicb erworben hat, vor kurzem sein diesjäh- kriges Preisschießen ab.
Lauter, 12 Aug. Bei dem letzten Preisschießen des Kleinkaliber-Schühenver- eins errang den 1. Preis Wilhelm Zimmer, Lauter, mit 35 Ringen, den 2. Preis Karl Schlörb . Lauter, mit 35 Ringen, den 3. Preis Theo Männchen. Lauter, mit 34 Ringen, den 4. Preis Paul Gaat, Orünberg. mit 34 Ringen. Den Preis aus der Chrenscheibe errang Karl Schmidt, Lauter.
Aus der nördlichen Wetterau, 11. Aug. Das heutige Regenwetter hat eine kleine Pause für die Ernte verursacht. Hoffentlich erleidet sie keine allzulange Verzögerung. Infolge des prächtigen Sonnenscheins der letzten Tage sind Hafer unb Weizen zur Reife gelangt, unb der Landmann hat bereits mit dem Schnitt beider begonnen, eine ost recht mühsame Arbeit, weil infolge zu starlcr Lagerung eine Verwendung von Maschinen ausgeschlossen ist. Mit Rest und Sichel geht s nur langsam voran. Bei beiden Getreidearten ist die Aehre weit geringer ent- wickelt als in Vorjahren, so daß auch der Körnerertrag nicht an den früherer Jahre heranreicht.
Rauchen unb Gesundheit.
Don Dr. W. Schweisheimer.
Cs gibt kein Genuhmittei, das nicht int Laufe der Zeiten mißbraucht und daraufhin grundsätzlich von Gegnern an den Pranger der Verderblichkeit gestellt worden wäre. Mil den Jahrhunderten ändert sich die Einstellung dec Menschen zu verschiedenen Genuhmitteln. Kaffee und Tee, einst scheel angesehene Gifte aus eines exotischen Teusels Küa.e, gelten heute als verhältnismäßig harmlole Getränke. Heber die Wirkung alkoholischer Getränke (in mäßigem Umfange) sind die physiologischen und pathologischen Akten noch keineswegs geschlossen. Der Tabak, einst so verpönt, daß der leidenschaftliche Pfcifen- raucher Charnisso sich gleich einem Morphinisten aus der Gesellschaft immer für kurze Zeit weg- stehlen mußte, um seine Begierde zu füllen, — der Tabak ist salonfähig geworden und wird zur Zeit nur von einer kleinen und nicht gar rührigen Gemeinde als Quelle alles Hebels bekämpft.
Immerhin hängt man dem Tabak, da man ihm auf bösartige Weise nicht so recht zu Leibe kann, zuweilen ein kleines Mäntelchen der Lächerlichkeit um. Denn was anderes soll es heißen, wenn man die Zigarre des OHanne» dem Schnuller des Säuglings gleichsctzt? Hnd damit an» deuten will, daß der erwachlcne Mann genau so feilte Beruhigungsspielerei haben muß, wie sie das instinkt- und reflexverlorene kleine Kind herbeizwingt. ,
In Wirklichkeit handelt es stch oct dem Tabakgenuh durchaus nicht um die Befriedigung eines mechanischen Spieltriebes. 3m -iaba:. -n welcher Form er auch genossen wird, ob er geraucht, gekaut, geschnupft wird, ist ein äußerst starlwirlender Stoff enthalten, Der nicht zu den Spielzeugen zu rechnen ist: das Rikotin. Hm die Witte des 16. Jahrhunderts wurden Sabal- blätter erstmals von dem französischen Gc-andten Jean Rieot in Frankreich eingcsührt: daher der Name des hauptsächlich wirkenden Bestandteils. Zn chemischer Hinsicht handelt es sich um c.n Alkaloid, einen Abkömmling des Pyridin. R.'ben
Der Ertrag an Stroh ist dagegen ganz vvrzu p lich. Auch der Äomcr-rtrag b<i b?r Gerste laßt in Qrtschaften, die besonders HjcZ v'i den schweren Gewittern vor btet Wochen betroffen wurden, zu wünschen übrig. Mit dem Einfahren der Frucht hat es Heuer Der Landmann ei iger als in Dor)ähren. So ist die Gerste bereits vollständig. und der Roggen zum größten Teil in den Scheunen geborgen 3n den meisten Ortschaften surren schon die Dreschmaschinen. die nun ihre Runde antreten. — Kartoffeln und Dickwurz zeigen gegenwärtig einen prächtigen Stand. Für die ersteren wäre nun nur etwas trockeneres, warmes Wetter zu wünschen. Der Ertrag der Frühkartoffeln ist befriedigend. Infolge genügender Feuchtigkeit hat das GraS gut angefetzt. Bei weiterer, einigermaßen günstiger Witterung wird mit einer sehr guten Grummeternte zu technen fein.
Kreis Friedberg.
sf. Fricdbcrg, 12. Aug 3n bem Saale von Groß-Friedberg fand gestern abend zur Feier des Verfassungstages ein Festakt statt, der überaus zahlreich besucht war. Die Begrüßungsansprache hielt 'RegierungSrat Dr. Grein, Die sehr beifällig auf genommene. Der Bedeutung des Tages nngepafttc Festrede Dekan Vogel von Bruchenbrücken. Im musikalischen Teil wurde u. a. das Schubertsche Quintett op. 114 «das sog. Forcllenquintett) in meisterhafter Weise zu Gehör gebracht. Auch das Doppel-Quartett Friedberg-Fauerbach verstand es. den Abend durch seine ausgezeichneten Gesänge zu verschönen.
WER. Bad-Rau hei m, 11. Aug. Seit mehreren Wochen wurden in hiesigen Pensionen wieoerholt Ein st eigedieb stähle verübt. Der hiesigen Polizei gelang nunmehr die Festnahme eines Diebespaares auf frischer Tat, das sich nach anfänglichem Leugnen zu dem Geständnis bequemte, die in der letzten Zeit hier Borgetommenen Diebstähle ausgeführt zu haben. Sie drangen durch ofscnstehende Fenster und Ballons in Fremdenpensionen ein und stießen alles Erreichbare mitgeben. Es handelt sich um zwei in Frankfurt a. Oll. wohnende Personen, welche die gestohlenen Sachen dort absehten und dann zu neuen Taten stier erschienen. Seil vier Tagen wird der Musiker Martin Geißler vermißt, der sich unter Hmständen cnr3 seiner Wohnung entfernte, die daraus schließen lassen, daß er sich ein Leid angetan hat.
WER. Butzbach, 11. Aug. Hm einen Kinderluftballon wieder einzufangen, war in Der hiesigen Festhalte wahrend des Feuerwehrsestev ein Mann an dem Balkenwerk hinauf- geklettert. Plötzlich glitt er aus und fiel auf einen unten sitzenden Herrn. *cn er schwer verletzte, und der bewußtlos liegen blieb. Er selbst wurde mit einem doppel- ten Schenlelbruch und anderen Verletzungen ins Krankenhaus überführt.
Kreis Büdingen.
)( Herrn Haag, 12. Aug^ Dieser Tage fand in unsrer schön gelegenen Kirche unter außer» otbentlici) großer Beteiligung der zu unserem Kirchspiel gehörigen Gemeinden Vonhausen, Diebach und Lorbach das diesjährige Gustav- Adolf-Fest des Dekanats Büdingen stall. Die zu Herzen gehende Festpredigt hielt Pfarrer Werner über das Panluswori l.Kor. 2,2. Der Gottesdienst wurde weientlich verschönt durch zwei Sololieder von H. Appel, Büdingen, unter der Orgelbegleitung von Frau Pfarrer Aba in, Büdingen. An den Gottesdienst schloß sich folort eine Rachversammlung an, in der Dekan Schäfer Büdingen und der Ortsgeistliche sprachen, rind Pfarrer Werner den Rechenfchastsbericht über das letzte 3ahr gab. Mit herzlichem Dank schieden die Gäste von den gastfreien Gemeinden.
Starkenburg.
* Darmstadt, 11. Aug. Den befoldeten Beigeordneten der Stadt Darmstadt, Heinrich Delp und Karl Ritzen, wurde vom Minister des Innern die Amtsbezeichnung „Bürgermeister" verliehen. Außer dem Oberbürgermeister hat jetzt die Stadt Darmstadt nicht weniger als vier Bürgermeister. — Die Stadl hal das Hotel „Zur Traube", das größte Hotel in Darmstadt, gestern in einer Zwangsversteigerung zum Preise von 281 ODO Mark erworben. Der Zuschlag muß noch erteilt werden. Die Stadt wird das Hotel weiter betreiben.
dem Nikotin spielen aber wahrscheinlich auch Pyridin- und Pikolin-Blasen, auch Kohlenoxyd, die im Tabak vorhanden stnd, eine wichttge Rolle
Das Nikotin wird von den Schleimhäuten des Mundes und der Atmungsorgane aufgesogen, gelangt ins Blut und damit zu allen Organen des Körpers. Seine Wirkung äußert sich in einer erst erregenden, bei Anwendung größerer Mengen lähmenden Wirkung auf das sympathische Nervensystem. Die im Tabak enthaltene Nikotinmenge ist groß, aber bei den Ver- brennungsvorgängen während des Rauchens verflüchtigt lich der größte Teil des Giftes — in isolierter Form ist Nikotin ein starkes Gift — ohne zur Wirksamkeit zu gelangen.
Das Nikotin äußert sich beim nichtgewöhnten Körper zunächst in Anzeichen einer Vergiftung. Das erstmalige Rauchen bringt bei der Mehrzahl der Menschen eine akute Vergiftung mit sich! ihre Symptome: Angstgefühl, Herzkloplen, Erbrechen, Schweißausbruch, Darmreizung u<to., beruhen auf einer Reizung der zu den betreffenden Ocgar.cn führenden Nerven. Charakteristisch für die akute Nikotinvergiftung ist auch der anfangs langsame, später beschleunigte Puls, ebenfalls die Leichenblasse und das Schwindel- und Ohn- machtsgefühl. Alle diele Symptome hängen mit einer Reizung bzw. einer Lähmung nervöser Zentralorgane zusammen.
In kurzer Zeit tritt Gewöhnung an kleine Nikotinmengen ein. Cs besteht kaum ein Zweifel, daß mäßiges Rauchen auf die daran Gewöhnten eine in vieler Beziehung günstige Wirkung auf Gesundung unb Wohlbefinden ausubt. Das Nervensystem, zumal das ermüdete, wird angeregt, das Denken fällt leichier. Der Einfluß auf die Gehirnrinde gibt sich in einer Beflügelung der Phantasie zu erkennen: der Raucher, der träumerifch dem Rauch seiner Zigarre nachschaut, ist ein bekanntes Bild. Hmgekehrt werden in einer bestimmten Richtung übermäßig erregte, abgespannte Nerven und Sinne durch den Reiz des Genutzmittels dazu gebracht, in ruhigere Bahnen zurückzulenken. Es ist keine leere Einbildung, daß Verhandlungen bei einer Zigarre
Preußen.
Äi'ciÄ l-rc^lar.
H Wetzlar, 11. Slug. Der heute hier ab- gehaltene Bullen markt mit Du'.lenprä milerung war trotz der an vielen Orten noch herrsche 'den Maul- und Klauenseuche von etwa 40 Stück beschickt. Außer dein Landrat nahmen Vertreter der KreisbLuernschaft und Mitglieder der Körkommission an de Schau teil Auch viele Landwirte hatten sich wie immer cingcfuiibcn. Die Bewertung der Tiere erfolgte durch Krcis- tierarzt Dr. Zürn und Administrator Siebold von Hol Altenberg. Cs waren ausschließlich Bullen Vogelsberger Rasse, darunter eine große Zahl hervorragend schöner Exemplare, aufge- tticber. Reben dem Dullenmarkt fand ein Schwemcmartt statt, bei Dem sich ein lebhaftes Geschäft in Ferkeln entwickelte. — Bekanntlich bcabsichttgt der hiesige Spar- und Bauverein eine größere Zahl neuer Wohnhäuser au errichten. mit deren Erstellung zum Teil schon begonnen ist. Bei dem Landerwcrd für die Bau- blocks am Riedergirmeser Weg stieß er jchod) auf mehrere Einsprüche von Grundbesitzern, denen der gebotene Preis zu niedrig loar. Da eine Einigung nicht herbeigcführt werden konnte, sah sich der Spar- und Bauverein veranlaßt, bei den Regierungsstellen die Enteignung der gewünschten Parzellen zu beantragen. Die Regierung hat nunmehr die Enteignung in zwei Fällen ausgesprochen während die Dringlichkeit in einem weiteren Falle nicht anerkannt worden ist. Den enteigneten Besitzern wurde ein Preis von 65 Mark pro Rute zugebilligt.
- - H o ch e l h e i m. 12. Aug. Unter bem Einfluß der hochsommerlichen Hitze der letzten Tage ist das noch auf dem Halm stehende Getreide vollends gereift, so baß die Ernte- arbeiten hier wieder in verstärktem Maße in Angriff genommen werden. Das diesjährige Ernteergebnis ick unserer Gemarkung ist, abgesehen von der starken Lagerung, als recht gut zu bezeichnen. Glücklicherweise ist das Auftreten des Brandes nur ganz vereinzelt zu beobachten. Hm eine gute und billige Dreschgelegenheit zu bekommen, haben sich die hiesigen Landwirte schon vor mehreren Jahren zu einer D r e s ch g e nasse nfchasi zusammcr.geschlosscn und eine eigene Drdchmaschine angekauft, die bald wieder die Reise von Hos zu Hof antreten wird. — Auf manchen Äartoffelädcrn zeigt das Kraut bräunliche Flecken, die das Kraut bald zum Absterben bringen Es handelt sich um die Ärautfäule, die auch oft auf die Knollen einen schädigenden Einfluß ausübt. Die Hackfrüchte und auch die Grummctwicsen haben einen sehr schönen Stand.
- - Dornholzhausen, 12. Aug. Mit der Abschlachtung des mit der Seuche behafteten Gemeindebullen ist die Maul- und Klauenseuche in unferm Dorfe endgültig erloschen. Die <5‘. rrmahnahmen wurden vom Landratsamt aufgehoben.
Tillkreis.
bl. Dillenburg, 11. Aug. Rach dem neuesten Stande beträgt die Zahl der männlichen Vollerwerbslosen des Dillkreise» 1368 Personen, die der weiblichen 21. An Zuschlagsempfängern find 2327 Personen vorhanden. Die Zahl der NotstandSarbeiter hat sich durch Feriigstellung einer Reihe von Projekten von 600 auf rund 400 herabgemindert. Die Zahl der Vollerwerbslosen ist durch Stillegung der Grube Beilstein der Mitteldeutschen Hartstein- industrie um rund 80 Personen gestiegen.
bl. Ha iger, 11. Aug. Die Oberbauarbeiten der Bahnstrecke von hier nach Gustern- hain werden nun vis nach bem Bahnhof in Rabenscheid vergeben. Hoffentlich finden nunmehr die Bauarbeiten keine unliebsame Störung mehr.
bl. H a i g e r, 11. Aug. Der Au 1 oomnr - bus-Verkehr von Breidenbach nach hier wurde wieder in vollem Maße ausgenommen. Damit ist der Bevölkerung sehr gedient.
bl. Eibelshausen (Dillkr.). 11. Aug. Der Turnverein erbaut eine neue Turnhalle. Das Haus steht in seinen Außenmauern fertig da. Leider fehlen zurzeit die Mittel, um die Halle mit der notwendigen Beschleunigung fertigzustellen. Die von dem Verein seinerzeit dureygesührle Lotterie hals sehr wohl, das Werk fördern, doch konnten die Mittel den Dau nicht doü finanzieren.
bl. Hirzenhain (Dillkr.). 11. Aug. Zu dem Kreisjugendiag am 29. August wird der bekannte Segelflieger Espenlaub mit
zwei Maschinen nach hier kommen, um auf den Höhen unserer Gemarkung Flugversuch« zu machen.
Kreis Marburg.
sch. Marburg. 11. Aug. Ein in Ilschhausen bedienstetes Mädchen fuhr auf einen Herrenfahrrad durch den Wald nach Allendocf an dec Lumda, um von dort in ihre Heimat, nach RuddingShausen. zu gelangen. Aus dem heilen Berge, der sog Eisenschart, vertagte die Rücktrittbremse. daS Mädchen verlor die Gewalt über da» Rad, jagte in wildem Tempo zu Tale und blieb schließlich mit zerschmetterten Gliedern liegen. Rach Awei Stunden wurde die Schwerverletzte schließlich auf gesunden und zum Arzt gebracht! ihr Zustand ist hoffnungslos. — Ein Au t o un f o 11 ereignete lich in der Nähe von Albshausen (Kreis Kirchhain). Ein Auto der Grube Abendstern bei Gießen, das mit zwei Personen besetzt war. geriet ins Schleudern und stürzte um. Der Besitzer des Autos erlitt habet einen Echlüsfelbcinbruch. der Führer deS Wagens kam mit bem Schrecken davon Aerztliche Hilfe wurde dem Verletzten in einer Marburger Kkmik zuteil. — Auf der Fahrt nach bem Eberfee erlitt das Auto des Tierarztes Dr. Euler aus Neustadt IKreis Kirchhain) bei Frankenau einen Reifenbruch. Der Lenker und fern Begleiter. Post- inspektor ©timbert nebst Tochter, wurden hcr- ausgeschleudcrt. Die männlichen Insassen erlitten schwere Verletzungen und mußten sich in ärztliche Behandlung begeben, während die Tochter Stimberts nur leicht verletzt wurde.
][ Marburg, 12. Aug. 3m großen Saale des PhilippShauses sand gestern anläßlich des Aersassungslages unter Mitwirkung der Reichswehrkapelle ein Festakt statt, bei bem Privatbvzent Dr. Gerber bi« Ansprache hielt.
][ Fron Hausen, 12. Aug. Vorgestern nachmittag wurde in Gegenwart zahlreicher Bewohner der Hmgcgenb der erste Teil des neuen Lahnbettes unter Wasser geletzt.
Maingau.
WSA. Franksurt a. M., 11. Aug Heute mittag gegen >/,! Uhr zog ein Zug Stahl- Hel m l e n t e, die von der Beerdigung des kürzlich ermordeten Stahlhelmführers Lrppold zurückkamen, mit Fahnen über bte Kaiser strafte. Eine Menge Ko mm um st en und Reichsbannerleute folgte auf bem Bürgersteige dem Zuge. 'Nachdem auf beiden Seiten allerlei Schimpfworte gefallen waren, kam es trotz des großen Polizeiaufgebotes, daS den Zug umgab, zu einer Schlägerei, in deren Verlauf es auf beiden Seiten blutige Köpfe gab. Die Polizei mußte von ihren Gummiknüppeln Gebrauch machen, um die Streitenden zu trennen. Ein Angehöriger her Links gruppen wurde durch Messerstiche schwer verletzt. — 3n inter- cifierten Kreisen wird gegenwärtig eifrig das Projekt einer Eisenbahnlinie „Quer durch den Taunus" erörtert, die ’oon Niedernhausen über Schmitten nach Anspach und von dort als Hsatalbahn über Hfingen weiter nach Bad-Nauheim fuhren würde. Bereits vor dem Kriege stand der Bau einer Bahnlinie durch den TaunuS und einer Hsatalbahn bevor, formte aber infolge des Krieges und seiner Nachwirkungen nicht durchgefüßrk werden. Der lebhaften Industrie in zahlreichen Launusorten ist die ReichSbahn- bireftion Frankfurt a. M. bereits durch Einrichtung einer Autogüler-DerfehrSlinie entgegen- aekommen, die aber niemals dem Gesamiverkehr Rechnung tragen unb namentlich nicht den zahlreichen Fremdenverkehr in wünschenswertem Maße bewältigen kann.
Große Straffammer Gießen.
Gießen, 10. August.
Dor dem Schöffengericht waren Ende vorigen Jahres ein Geschäftsmann und eine Frau von hier wegen Abtreibung zu Gefängnisstrafen von 8 und 6 Monaten verurteilt worden, wahrend eine Stütze, bei der die Schwangerschaft beseitigt worden war, auf Grund bc$ § 51 St. G. D. freigesprochen worden war. Heute wurde Über die Berufung der beiden Verurteilten unb über bic vorsorgliche Berufung der Staatsanwaltschaft unter Ausschluß der Qeffentlichkelt verhandelt. Das Gericht vertagte die Sache auf unbestimmte Zeit: eS soll noch weitere Ermittelungen angestellt werden.
leichter und angenehmer von statten gehen-, diese taulendfach beobachtete praktische Edahrung beruht auf physiologischen Grundlagen.
Das Bedürfnis tabakgewohnter Menlchen nach einer Zigarre nach dem Essen, oder wenigstens einer Zigarette ist daher kein leerer Wahn: es wird dadurch die Sekretion der Verdauungssäsle angeregt, was sich in günstiger Beeinflussung der Nahrungsverbauung geltend macht. Tabalgenuß stillt auf lange Zeit Hunger- und Durstgefühl: das hat man während der Kriegsjahre oft erfahren können.
Natürlich ist das Hebermah beim Nauchen schädlich, und ihm ist mit Recht energischer Kampf anzusagen. Besonders verderblich ist hier gc- wohnheitsmäßiges Einatmen („Inhalieren") des Rauches in die Lungen oder Verschlucken des Rauches, denn auf solche Weile kommt der Rauch mit 'ehr großer Schleimhautfläcken in Berührung: es wird in!o gebeffen viel Nikotin ausgenommen, und Schädigung tritt in kurzer Zeit ein. Die Folge ist eine akute Nikotinvergiftung, von deren Anzeichen bereits die Ncde war, oder bei lange fortgesetztem Mißbrauch eine chronische Nikotinvergiftung.
Viele nichtgewöhnte Leute vertragen schon kleine Mengen nicht, die Schleimhäute ihrer Augen, ihrer Atmungsorgane werben gereizt: die Forderung, in gemeinsamem Raum auf solche Leute Rücksicht zu nehmen, ist durchaus begründet. Andererseits hat mancher schon die Beobachtung gemacht, die ein so guter Beobachter wie der Greifswalder Phacmatologe Schulz nicht aufzuzeichnen vergessen hat; befindet man sich in einem Raume, in dem stark geraucht wird, wie zum Deispiel in einem Abteil auf der Eilenbahn, und es treten infolgedessen unangenehme Empfindungen an der Augenbindehaut ein, so verschwinden diese bald wenn man sich dazu entschließt, zu rauchen.
Für die Beurteilung der Zuträglichkeit des Rauchens ist die allgemeine Konstitution, die die Körperbeichaffenhett, von Wichtigkeck. Der eine verträgt mehr, der andere weniger. Es ist r.icht mög.ich, a.l;cmeine R chtlinien anzu eben. Es gilt hier daZielbe, wie auf jedem Gebiet ge
sundheitlicher Fürsorge: wo Hebertrelbung unb Hebermaß herrscht, da wirb Dernunst Hnsinn, Wohltat Plage. Auch ein in mäßiger Nlenge genossenes, angenehmes und das Gelundheite- gefühl erhöhendes Genußmittel, wie der Tabak, wird im Hebermah zum schweren Gift.
Zu Heilzwecken macht die Volksmedizin von Räucherungen mit Tabakkraut bei der Behandlung von gichtUchen Anschwellungen der Gelenke Gebrauch. Abkochungen von Tabak werden von der Volksmedizin auch zur Behandlung hartnäckiger Haurleiden benutzt. Während dec Grippeepidemien der letzten Jahre wurde angenommen, daß die Ansteckung vielfach vom Eindringen der Erreger in die Mundhöhle ihren Ausgangspunkt nehme: auch von ärztlicher Seite wurde damals das Rauchen zur Desinfektion der Mundhöhle empfohlen. Es ist schwer, genau festzustellen, was an derartigen Behauptungen Wahres ist. Aber viele Leute, und nicht wenige Aerzte, schwören darauf, sich lediglich auf diele Weise vor der Grippe bewahrt zu haben. Hnd es gibt viele Aerzte, die sowohl nach der Hntersuchung eines Grippekranken, als auch nach der eines Diphtherie- oder Anginakranken prinzipiell rau» chen, weil sie von der desinfizierenden Wirkung auf die Mundhöhle überzeugt sind. In der Tat ist eine solche Wirkung des Tabakrauchens durchaus wahrscheinlich.
Der greise Prinzregent Luitpold von Bayern hat bekanntlich bis ins hohe Alter die ..schwersten" Zigarren geraucht und ohne Schaden vertragen. Das dürfte ihm nicht jeder ungestraft nachmachen. Aber weniger bekannt ist wohl die Geichichte von jenem unentwegten Tabakgegner, der beim 90. Geburtstage des Prinzcegenten, als ihn ein Tabakfreund Darauf aufmerksam machte, welch hohes Alter der Prinzregent erreicht habe, obwohl er so viel rauch«, ingrimmig brummend entgegnete: „Aber wie alt wäre der Prinzregent heute erst, wenn er nicht geraucht hätte!"
Gegen solche Logik läßt sich schwer aufkommen. Zusammenfas end aber kann man fügen: mäßiges Rauchen, feien es Zigarren, Zigaretten oder-Pfeife, hat keine ernstlichen Folgen.


