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m. (61 Erster Blatt

176. Jahrgang

Dienstag, 15. Juli 1926

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruS vstb Verlag: vrühl'lche Univerfitätt-Vuch. und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr.

Chefredakteur:

Dr. Stiebt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in (Biefjen.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Viehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: ächriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686.

Neue Entwuffnungsnoten.

Die Botschafterkonferenz gegen Seeckt.

Berlin, 12. Juli. (TU.) Wie dieDeutsche lagesttifung aus unterrichteten kreisen erfährt, ist die MtlitärkontroUkommission kürzlich angewiesen worden, im Namen der Botschafterkonseren, einen neuen Vorstohgegen ole Stellung des Generals von Seeckt ,u unternehmen. Unter Bezugnahme auf den Erlaß über die fiommanbo- gewall in-der Reichswehr vom September 1919 und auf die Verfügung des Reichspräsidenten vom 2. Januar d. I. soll die deutsche Regierung ersucht worden sein, die Stellung eines General- inspektors der Truppen ,u schassen und einen der beiden Relchswehrgruppenkommcmdeure gleichzeitig ,utn Äneralinspektor zu ernennen. Außerdem hat die Militärkontrollkommission von Marschall Fach Anweisung erhalten, ihr besonderes Augenmerk auf die in letzter Zeit von einem Teil der deutschen Presse gemeldeten Waffen- und Munitionsfunde zu richten und von der deut­schen Regierung Aufklärung hierüber zu verlangen. Wie verlautet, hat General Walch sich des ihm erteilten Auftrages bereits entledigt und der deut­schen Regierung entsprechende Forderungen über­mittelt.

von zuständiger Seile wird hierzu milgeteilt, dah dem Reichskommissar für Entwaffnungsfragen mehrere Noten des Generchs Walch vom 2. und 3. Juli zugegangen find, die im Rahmen der schwe­benden Verhandlungen verschiedene Linzel­fragen der deutschen Lntwassnungs- und heeres- organisation behandeln. Die Forderungen der inner­alliierten Militärkontrollkommission wird zur Zeit von den beteiligten Restarts geprüft.

DieTägl. Rundschau" schreibt dazu: Dei der Behandlung dieser Angelegenheit wird man nicht außer acht lassen können, dah es sich um eine Aktion der Kontrollkommission, d. h. also um eine technische Beanstandung, handelt. Aber auch wenn man diesen Amstand in Betracht zieht, wird man doch nicht verkennen können, dah es sich um einen sachlich durch­aus ungerechtfertigten Borst oh han­delt, den. wir mit aller Entschiedenheit zurück- weisen müssen, lieber die Stellung des Gene­rals Seeckt ist, wie bekamrt, schon vor Monaten eine Vereinbarung erzielt worden. Den Forde­rungen der Botschafterkonferenz wurde damals durch eine Verordnung Rechnung getragen, die die Stellung eines Chefs der Heeresleitung auf­hob und Herrn v. Seeckt dem Reichswehr- ininister unterstellt. Es erscheint durch nichts gerechtfertigt, dah die Kontrollkommission diese Frage von neuem aufrollt, nachdem die da­mals gefundene Lösung der Streitfrage sich monatelang in Geltung befindet. Auf deutscher Seite besteht nicht die geringste Veranlassung, neuen Beanstandungen in dieser Frage Raum zu gewähren...... Cs würde

üweisellos eine schwere Belastung der Dölkerbundspolitil bedeuten, wenn Deutschland nun noch die Erfahrung machen mühte, dah die Militärkontrollkommission darauf ausgeht, die Entwasfnungsfrage wieder aufzu- rollen und die Streitfrage von neuem aufzuwer- sen, die zwischen der deutschen Regierung und der Botschafterkonferenz längst geregelt worden ist. Wenn man die Angelegenheit von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, so wird man wünschen müssen, dah aus der Rote der Kon­trollkommission keine weiteren Konsequenzen ge­zogen werden. Man ist auf deutscher Seite offen­bar gewillt, die Beschwerde der Kontrollkommis­sion der politischen Atmosphäre zu entziehen. Hoffentlich richtet auch die Gegenseite ihr Ver­halten so ein, dah neue politische Spannungen vermieden werden." Die Morgenblätter sehen allgemein in dem unerhörten Vorstob der Kontrollkommission den Versuch, ihr Dasein zu verlängern, das mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein Ende finden würde.

Das Neichsehrenmal.

Der Reichsinnenmittifter für Berka.

Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Der Ausschuß zur Vorbereitung der Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg Gefallenen hatte sich, wie gestern chon kurz gemeldet, in einer abschließenden Sitzung nWeimar, die Reichsminister Dr. Külz leitete, jur d i e Schaffung eines Heiligen Hains bei Berka ausgesprochen. Dr. Külz -rkliirte über die Gründe zu dieser Entscheidung iinem Vertreter desAcht-Uhr-Abendblattes", tiefer Ehrenhain bei Berka verdiene den Vorzug khon aus dem Grunde, weil er wirklich im Her - den Deutschlands liege, die Rheininsel bei Lorch käme daher überhaupt nicht in Frage. Auch haben sich alle Frontkämpferverbände einmütig für den Wald bei Berka ausgesprochen. Lr. Külz wird in den nächsten Tagen dem Reichs­kabinett eine Vorlage überreichen, wonach der Ehrenhain bei Berka geschaffen werden soll.

Der Reichspräsident zum amerikanischen Ralionaltag

Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Anläßlich des Festes der 150. Wiederkehr des amerikanischen Anabhängigkeitstagesfrat zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und dem Präsiden- l«n der Vereinigten Staaten folgender Telegrammwechsel stattaesunden:

Zur 150. Wiederkehr des Tages, an dem die Bereinigten Staaten von Amerika ihr staatliches Leben begannen, beehre ach mich Ihnen, Herr Präsident, imb dem amerikanischen Volke meine

Der Katastrophensommer.

Von Rechts wegen warten wir schon längere Zeit, daß die berühmten ältesten Männer wieder ouferstehen, die sich eines solchen Sommers nicht entsinnen. Damit meinen wir nicht das Wetter allein, obgleich auch das schon genügen könnte, die Menschheit zu verärgern. Aber schließlich entspricht doch die dauernde Unzuverlässigkeit und Launen­haftigkeit selbst des Wetters dem Geiste der Zeit. Und daher soll man sich nicht allzu laut darüber beklagen.

Aoer das Wetter hat Erscheinungen zur Folge, die viel unerfreulicher und in ihrer Häufung ge- radezu tragisch sind. Ueberall in der ganzen Welt scheint der Teufel los zu sein. Hochwasserkata- strophen, Erdbeben, Feuersbrünste, Riesenexplosio- nen, Eisenbahnunglücke von gewaltigem Ausmaß, Wolkenbrüche und Hagelwetter jagen einander in bunter Folge. Es ist, als ob die ganze Welt unter einer Epidemie von Unglücksfällen und Katastrophen jeder Art leide.

Wenn sich der Zorn der himmlischen Ge­walten in Hagel, Blitz und Donner entlädt, wenn die Erde toanit und die Wasser steigen, dann kann der Mensch wohl die Anzulänglichkeit seines Tuns fühlen und erkennen, sich aber damit trösten, daß er trotz aller technischen Fortschritte und Er­rungenschaft doch der höheren Gewalt als armes, vergängliches Geschöpf gegenübersteht. Schlimmer ist es, wenn sich der Mensch sagen muh, dah nicht nur die eigene Anzulänglichkeit, sondern mangeln» der Blick und mangelnde Vorsicht die Hauptschuld an solchen Vorkommnissen tragen, wie sie sich am Sonntag bei dem internationalen Automobil­rennen auf der Avus-Bahn bei Berlin ereignet haben. Rach allen Berichten von Augen­zeugen kann es keinem Zweifel unterliegen, dah sowohl die Polizei wie die Rennbahnleitung im Innern schon längst von der Unzulänglichkeit der Bahn für Rennen mit Kraftwagen modernen Typs überzeugt waren. Die Avus-Bahn ist für Renn- wagen, die mit so riesenstarken Motoren ausge­stattet sind, wie die heutigen, und die eine Ge­schwindigkeit bis zu 175 Kilometer in der Stunde entwickeln, zu schmal und mit ihrer Teerpflaste­rung für Regentage noch weniger geeignet. Es gibt doch wirklich sehr viel zu denken, dah sich in wenigen Stunden nicht weniger als drei schwere Anglücksfälle auf der Bahn ereignet haben. Auch die Tatsache, dah für etwaige Anglücksfälle nicht durch Berettstellung von Aerzten, Sanitäts­personal, Krankenwagen und Tragbahren aus­reichend Vorsorge getroffen war, enthält einen schweren Vorwurf für die Rennleitung. Hoffent­lich wird nun wenigstens daraus die Lehre gezogen, dah man sich in Zukunft nicht mehr auf gutes Glück verläßt.

Von einer Katastrophe anderer Art ist Ame­rika heimgesucht worden. Dort hat der Blitz in ein gewaltiges Munitionslager eingeschlagen, und nun fliegen tagelang haufenweise aufgestapelte Granaten jeglichen Kalibers und Explosivstoffe in die Lust, wobei ganze Ortschaften und Wälder ver­wüstet werden. Wer zu Hohn und Schadenfreude neigt, könnte sagen, daß auf diese Weise auch die Amerikaner in ihrem eigenen Lande eine kleine Probe von dem erhalten, was der große Krieg be­deutet, und daß ihnen ein solches Stück Anschauungs­unterricht nichts schaden könnte. Aber von so klein­herzigen Gesichtspunkten sollte man doch nicht aus- gehen. Vielmehr wird man sich in Amerika sehr ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen haben, wie es gekommen ist, daß fast die gesamten Munitions- Vorräte für Armee und Marine 'm einer einzigen Stelle vereinigt worden sind. Das widerspricht vor allen Dingen sämtlichen Erfahrungen, die man im Weltkriege gesammelt hat, wo man eben infolge der Explosionsgefahr und in Anbetracht des großen materiellen Verlustes den Grundsatz aufgestellt hat, die Munition auf möglichst zahlreiche kleine Lager zu verteilen. Man geht wohl nicht fehl in der An­nahme, daß sich einmal die begreifliche Abneigung der Zivilbevölkerung gegen die unheimliche Nach­barschaft solcher Mordwerkzeuge gegen eine größere

Verteilung geltend gemacht hat, und daß man auf der anderen Seite den sprichwörtlichen Leichtsinn der Amerikaner in solchen Dingen mit in Rechnung stellen muß. Glücklicherweise waren die ersten Nach­richten es wurde von mehr als hundert Toten gesprochen über die mit dem Unglück verbundenen Menschenoerluste übertrieben. Aber wenn in größ­ter Eile ganze Ortschaften in weitem Umkreis von der Bevölkerung geräumt werden mußten, so läßt das doch die Größe der Katastrophe einigermaßen ermessen. Auch dort wird nun wahrscheinlich eine Untersuchung einsetzen, mit dem Ergebnis, daß es für eine Weile besser wird, bis sich menschliche Un­zulänglichkeit von neuem dartut.

Die Katastrophe von Lake Denmark.

Dover, 12. Juli. (WTD.) In den den Munitionsdepots am Denmarksee benachbarten verwüsteten Städten explodierten noch die ganze Rächt hindurch 12- und 14zöllige Gra­naten. Als die Explosionen heute früh zeitweilig aufhörten, drangen Marinesoldaten in das ver­wüstete Gelände des Marinedepvts vor, um nach Leichen zu suchen. Sie fanden 17- Tote, von denen einige furchtbar verstümmelt waren. Das umliegende Gelände wird von Truppen bewacht. Rur den früheren Bewohnern der verwüsteten Häuser wird gestattet, die Trümmerstätte zu be­treten, um nach ihrem Hab und Gut zu sehen und etwa noch lebende Haustiere iir Sicherheit zu bringen. Eine der in der Rachbarschaft gelegenen Ortschaften ist vollkommen vom Erdboden weggefegt. In einer anderen sind alle Häuser in Trümmerhaufen verwandelt. Das Rote Kreuz läßt etwa 1000 Flüchtlingen seine Hilfe ange­deihen, und die Angestellten der Hilfsstattonen des Roten Kreuzes sammeln die Kinder der­jenigen Familien, die, um aus der Anglückszone herauszukommen, sich in wahnsinniger Flucht in die Umgebung zerstreut haben.

Die in dem Munitionsdepot herrschende Feuersbrunst hat infolge eines Wechsels der Windrichtung ein bisher verschont gebliebenes Sprengstofflager ergriffen. Auch die Munitions­bestände dieses Lagers gingen infolgedessen in die Luft. 14 weitere Sprengstosflager sollen stark gefährdet sein. Sachverständige des Marinedepots erklären, daß das Lager mit 75-Millimeter-Bomben und 14er Flugzeugbomben noch nicht explodiert fei, und daß die Gefahr, daß dieses Lager ebenfalls auffliegen und auf das Armeearsenal übergreifen werde, bisher das Einrücken von Truppen in das zerstörte Gebiet verhindert habe.

Rach einer Besichtigung der Trümmerstätte des explodierten Depots erklärte Marine­minister Wilbur, die Baracke, in der die getöteten Mannschaften gefunden wurden, beweise, daß sie alle bei dem Feuersignal, das nach dem Blitzschlag gegeben wurde, auf ihrem Posten waren. Die Berichte von Offizieren, wonach das Depot nicht sachgemäß angelegt gewesen sei, seien unrichtig. Es hätten Sicherheitsmaßnahmen gegen Gefahren aller Art, auch gegen Blihgefahr, be­standen.

Ohne auf die Gefahr zu achten, die ihnen durch die Explosionen drohte, haben Diebe, wie berichtet wird, die Haustrümmer nach Wert­gegenständen durchsucht, Behälter erbrochen und sich Habseligkeiten des Lagerpersonals angeeignet.

Deutschlands Veileid.

Neuyork, 12. Juli. (WB.) Die Associated Preß meldet aus Washington, die erste Sympathie- Kundgebung, die den amerikanischen Marinebehör­den aus Anlaß der Explosionskatastrophe von Lake Denmark zugegangen sei, sei ein Telegramm des deutschen Admirals Zenker an den Marine- fekretär Wilburn gewesen, in dem er die tiefste An- teilnahme der deutschen Marine zum Ausdruck brachte.

unb_ des deutschen Volkes aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen.

gez. von Hindenburg, Deutscher Reichspräsident."

Die Antwort des amerikanischen Präsidenten lautet:

Euerer Exzellenz beehre ich mich, meinen und meiner Landsleute wärmsten Dank für die Glückwünsche auszusprechen, die wir aufrichtig begrüßt haben. gez. Calvin Coolidge."

Bestätigte Todesurteile.

Der Döberitzer Fememord.

Leipzig, 12. Juli. (TA.) Vor dem zwei­ten Strafsenat des Reichsgerichtes sand heute die Revisionsverhandlung gegen Schirmann, ©tein, Aschkampff, sowie den Leutnant Benn statt. Alle vier Angeklagten waren vom Schwurgericht Berlin I am 2. Februar dieses Jahres zum Tode verurteilt worden. Die Angeklagten waren beschuldigt, im Frühjahr 1922 cen Schützen Pannier, der als kommunistischer Spitzel verdächtigt wurde und der Schwarzen Reichswehr angehörte, in einem Wäldchen bei Döberitz mit Beilschlägen getötet und die Leiche hierauf vergraben zu haben. Später war die Leiche an einem anderen Ort verscharrt worden. Alle vier Angeklagten hatten die Tat gemeinschaftlich begangen und mit Aleberlegung ausgeführt. Gleich bei Beginn der Revisions- Verhandlung wurde auf Antrag des Reichsan. waltes die Oefsentlichkeit und die Presse wäh­rend der ganzen Dauer der Verhandlung wegen

Staatsgefährdung trotz des Widerspruchs der beiden Verteidiger ausgeschlossen. Rach mehr­stündiger Beratung verkündete das Gericht fol­gendes Urteil:Sie Revision aller vier An­geklagten wird verworfen und somit alle Todesurteile der Vorinstanz be­stätig t."

Der Smyrnaer Atlenlatsprozeh.

Smyrna, 11. Juli (Wolsf.) In dem Ver­fahren gegen die Teilnehmer an der Verschwö­rung gegen Kemal Pascha beantragte der An­klagevertreter die Todesstrafe für folgende Angeklagte: den Angeklagten Schuekri, den Ab­geordneten Oberst Arif, den Abgeordneten Abi- dinle, den früheren Abgeordneten Zia Hurchid, den früheren Iustizminister Hassze Mehmed, den Oberst Rasim, den Mazor Edib und drei andere Personen, gegen den früheren Ernährungsmini­ster Kara Kemal und den früheren Gouverneur von Angora Abdul Kadir in absentia. Wetter tourbe beantragt die Verurteilung zu längeren Zuchthausstrafen gegen Ruschdi Pascha und vier weitere Abgeordnete sowie den früheren Gouverneur von Smyrna Rahmi in absentia. Freisprechung wurde beantragt für die Generale Karabekir, Fuad, Reefet, Tahar, Dsche- mal und neun weitere Mitglieder der Fort­schrittspartei.

Das französisch-britische Schuldenabkommen.

Caillaux unterzeichnet.

London, 13. Juli. (Wolfs.) Caillaux und Churchill sind über die dir Konsolidierung der französischen Schulden betreffenden Punkte zu einem vollkommenen Einvernehmen gelangt Das endgültige Abkc^nmen ist von bei­den Ministern im Rainen ihrer Regierungen unterzeichnet worden. Der Text des Ab­kommens wird heute abend veröffentlicht wer­den. Im Unterhaus erklärte Churchill auf eine Anfrage über den Besuch Caillaux, er Höfte, int_ Bureau des Hinterhauses morgen die die französischen Schulden betreffenden Dokumente niederlegen zu können.

Caillaux verläßt heute vormittag London, trifft mittags in Paris ein und wird nachmit­tags um 4 Ahr zur gleichen Zeit, zu der Chur­chill das Dchuldenabkommen dem Anterhaus vor­legt, es der französischen Kammer unterbreiten.

Pressevertretern gegenüber erklärte Caillaux: Das Abkommen ist unterzeichnet. Das ist alles, was ich mitteilen kann. Auf Befragen sagte er noch, er werd« heute vormittag 9 Ähr im Flugzeug nach Paris zurückkehren, da er um 12 Ahr an einem Frühstück im Kriegsmini­sterium teilnehmen wolle, bei dem die Generäle der französischen Armee anwesend sein werden. Er hofte, daß das, was erreicht worden sei, künftig auf den Frankenkurs einwirken werde. Er sei aber, wie er achselzuckend hinzufügte, nicht Herr und Meister über die Börse. Caillaux be­tonte weiter Churchills Liebenswürdigkeit und sagte, er sei so angenehm berührt von dem Er­gebnis seines Besuches, wie das nur möglich fei, wenn man etwas unterzeichnet habe, was an und für sich nicht sehr angenehm sei.

primo de Rivera in Paris.

Paris, 13. Juli. (WTB. Funftpruch.) Ge­neral Primo de Rivera ist gestern abend in Begleitung seines Sohnes und des spanischen Botschafters in Paris, Quinones de Leon, in Paris eingetroffen. Zum Empfang hatten sich Ministerpräsident Brian d, der Kriegs­minister, Marschall P 6 t a i n, und eine Reihe französischer und spanischer Persönlichkeiten auf dem Bahnhof eingefunden. Beim Verlassen des Bahnhofes wurden von mehreren Zuschauern feindselige Rufe und Psiffe ausgestoßen, was zur Verhaftung von 17 Personen führte. Es kam hierbei zu einem Handgemenge, bei dem ein Polizist nach demJournal" sollen es zwei gewesen sein verletzt wurde. Mehrere der Verhafteten, darunter ein Spa­nier und ein Stabsarzt Tricoire wurden in Haft behalten. Tricoire soll vor ein Kriegs­gericht gestellt werden.

Die sozialistische Vereinigung des Seinedepartements hat einstimmig eine Tages, ordnung angenommen, in der sie gegen die Reise Primo de Riveras, die auf Einladung der fran­zösischen Regierung erfolgt ist, P r 0 t e st erhebt, da dessen Anwesenheit in der französischen Haupt­stadt als eine Beleidigung und eine Heraus­forderung der Arbeiterklasse angesehen werden müsse. Die Tagesordnung fordert sämtliche Sozialisten und demokratisch gesinnten Elemente aus, sich bei Primo de Rivera einzufinden, um hier ihre Geringschätzung zu befunden. Sie for­dert die sozialistischen Vertreter und Gemeinde­räte von Paris und Umgebung auf, an keinem Empfang, der im Rathaus Ehren Primo de Riveras und auch des Sultans von Marokko ftattfinbet, teilzunehmen.

Primo de Rivera hat den höchsten spanischen Orden, das goldene Vlies, mit sich geführt, das König Alfons dem französischen Präsidenten über­reichen wird.

Die französische Regierung hat dem Kriegs- Minister Herzog von T e t u a n und dem Marine­minister Vizeadmiral E 0 r n e j o das Groß- kreuz der Ehrenlegion verliehen.

Die Opposition gegen den spanischen Diktator.

Paris, 12.Juli. (Wolff.) Wie .Chicago Tribüne" meldet, haben General W e y l e r und General Aguilera, die sich vor einem für die Aburteilung der Teilnehmer an dem letzten Komplott eingesetzten Eondergerichtshvf zu verantworten haben, die Echtheit ihrer Anter- schriften auf dem Manifest, dessen Auffindung zur schriften auf dem Manifest, dessen Auffindung und erklärt, ihre Handlungsweise fei verfas­sungsmäßig getoefem da das Vorgehen sich nicht gegen den König, sondern gegen Primo de Rivera gerichtet habe, der weder des Königs noch des Landes, sondern nur seine persönlichen Interessen vertrete.

Der Sultan von Marokko in Paris.

Paris, 12. Juli. (Wolff.) Der Sultan von Marok­ko ist in Begleitung seiner drei Söhne, des französi' scheu Generalresidenten in Rabat und mehreren marok­kanischen Würdenttägern heute vormittag von Toulon kommend hier eingetroffen. Zu seiner Begrüßung hatten sich u. a. der Präsident devRepublik, die Präsidenten von Senat und Kammer und Ministerpräsident Briand auf dem Bahnhof eingefunden.

Der Sultan hat dem Präsidenten der Repu- blick einen formellen Besuch im Elhsee abge­stattet. Daraus besichtigte er das Grabmal des unbekannten Soldaten, an dem er einen Lorbeerkranz niederlegte. Die Bevölke­rung brachte dem Sultan grvße OvakiotzVH dar.