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m. (61 Erster Blatt
176. Jahrgang
Dienstag, 15. Juli 1926
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vruS vstb Verlag: vrühl'lche Univerfitätt-Vuch. und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.
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Neue Entwuffnungsnoten.
Die Botschafterkonferenz gegen Seeckt.
Berlin, 12. Juli. (TU.) Wie die „Deutsche lagesttifung“ aus unterrichteten kreisen erfährt, ist die MtlitärkontroUkommission kürzlich angewiesen worden, im Namen der Botschafterkonseren, einen neuen Vorstohgegen ole Stellung des Generals von Seeckt ,u unternehmen. Unter Bezugnahme auf den Erlaß über die fiommanbo- gewall in-der Reichswehr vom September 1919 und auf die Verfügung des Reichspräsidenten vom 2. Januar d. I. soll die deutsche Regierung ersucht worden sein, die Stellung eines General- inspektors der Truppen ,u schassen und einen der beiden Relchswehrgruppenkommcmdeure gleichzeitig ,utn Äneralinspektor zu ernennen. Außerdem hat die Militärkontrollkommission von Marschall Fach Anweisung erhalten, ihr besonderes Augenmerk auf die in letzter Zeit von einem Teil der deutschen Presse gemeldeten Waffen- und Munitionsfunde zu richten und von der deutschen Regierung Aufklärung hierüber zu verlangen. Wie verlautet, hat General Walch sich des ihm erteilten Auftrages bereits entledigt und der deutschen Regierung entsprechende Forderungen übermittelt.
von zuständiger Seile wird hierzu milgeteilt, dah dem Reichskommissar für Entwaffnungsfragen mehrere Noten des Generchs Walch vom 2. und 3. Juli zugegangen find, die im Rahmen der schwebenden Verhandlungen verschiedene Linzelfragen der deutschen Lntwassnungs- und heeres- organisation behandeln. Die Forderungen der inneralliierten Militärkontrollkommission wird zur Zeit von den beteiligten Restarts geprüft.
Die „Tägl. Rundschau" schreibt dazu: „Dei der Behandlung dieser Angelegenheit wird man nicht außer acht lassen können, dah es sich um eine Aktion der Kontrollkommission, d. h. also um eine technische Beanstandung, handelt. Aber auch wenn man diesen Amstand in Betracht zieht, wird man doch nicht verkennen können, dah es sich um einen sachlich durchaus ungerechtfertigten Borst oh handelt, den. wir mit aller Entschiedenheit zurück- weisen müssen, lieber die Stellung des Generals Seeckt ist, wie bekamrt, schon vor Monaten eine Vereinbarung erzielt worden. Den Forderungen der Botschafterkonferenz wurde damals durch eine Verordnung Rechnung getragen, die die Stellung eines Chefs der Heeresleitung aufhob und Herrn v. Seeckt dem Reichswehr- ininister unterstellt. Es erscheint durch nichts gerechtfertigt, dah die Kontrollkommission diese Frage von neuem aufrollt, nachdem die damals gefundene Lösung der Streitfrage sich monatelang in Geltung befindet. Auf deutscher Seite besteht nicht die geringste Veranlassung, neuen Beanstandungen in dieser Frage Raum zu gewähren...... Cs würde
üweisellos eine schwere Belastung der Dölkerbundspolitil bedeuten, wenn Deutschland nun noch die Erfahrung machen mühte, dah die Militärkontrollkommission darauf ausgeht, die Entwasfnungsfrage wieder aufzu- rollen und die Streitfrage von neuem aufzuwer- sen, die zwischen der deutschen Regierung und der Botschafterkonferenz längst geregelt worden ist. Wenn man die Angelegenheit von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, so wird man wünschen müssen, dah aus der Rote der Kontrollkommission keine weiteren Konsequenzen gezogen werden. Man ist auf deutscher Seite offenbar gewillt, die Beschwerde der Kontrollkommission der politischen Atmosphäre zu entziehen. Hoffentlich richtet auch die Gegenseite ihr Verhalten so ein, dah neue politische Spannungen vermieden werden." Die Morgenblätter sehen allgemein in dem unerhörten Vorstob der Kontrollkommission den Versuch, ihr Dasein zu verlängern, das mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein Ende finden würde.
Das Neichsehrenmal.
Der Reichsinnenmittifter für Berka.
Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Der Ausschuß zur Vorbereitung der Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg Gefallenen hatte sich, wie gestern chon kurz gemeldet, in einer abschließenden Sitzung nWeimar, die Reichsminister Dr. Külz leitete, jur d i e Schaffung eines Heiligen Hains bei Berka ausgesprochen. Dr. Külz -rkliirte über die Gründe zu dieser Entscheidung iinem Vertreter des „Acht-Uhr-Abendblattes", tiefer Ehrenhain bei Berka verdiene den Vorzug khon aus dem Grunde, weil er wirklich im Her - den Deutschlands liege, die Rheininsel bei Lorch käme daher überhaupt nicht in Frage. Auch haben sich alle Frontkämpferverbände einmütig für den Wald bei Berka ausgesprochen. Lr. Külz wird in den nächsten Tagen dem Reichskabinett eine Vorlage überreichen, wonach der Ehrenhain bei Berka geschaffen werden soll.
Der Reichspräsident zum amerikanischen Ralionaltag
Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Anläßlich des Festes der 150. Wiederkehr des amerikanischen Anabhängigkeitstages •frat zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und dem Präsiden- l«n der Vereinigten Staaten folgender Telegrammwechsel stattaesunden:
„Zur 150. Wiederkehr des Tages, an dem die Bereinigten Staaten von Amerika ihr staatliches Leben begannen, beehre ach mich Ihnen, Herr Präsident, imb dem amerikanischen Volke meine
Der Katastrophensommer.
Von Rechts wegen warten wir schon längere Zeit, daß die berühmten ältesten Männer wieder ouferstehen, die sich eines solchen Sommers nicht entsinnen. Damit meinen wir nicht das Wetter allein, obgleich auch das schon genügen könnte, die Menschheit zu verärgern. Aber schließlich entspricht doch die dauernde Unzuverlässigkeit und Launenhaftigkeit selbst des Wetters dem Geiste der Zeit. Und daher soll man sich nicht allzu laut darüber beklagen.
Aoer das Wetter hat Erscheinungen zur Folge, die viel unerfreulicher und in ihrer Häufung ge- radezu tragisch sind. Ueberall in der ganzen Welt scheint der Teufel los zu sein. Hochwasserkata- strophen, Erdbeben, Feuersbrünste, Riesenexplosio- nen, Eisenbahnunglücke von gewaltigem Ausmaß, Wolkenbrüche und Hagelwetter jagen einander in bunter Folge. Es ist, als ob die ganze Welt unter einer Epidemie von Unglücksfällen und Katastrophen jeder Art leide.
Wenn sich der Zorn der himmlischen Gewalten in Hagel, Blitz und Donner entlädt, wenn die Erde toanit und die Wasser steigen, dann kann der Mensch wohl die Anzulänglichkeit seines Tuns fühlen und erkennen, sich aber damit trösten, daß er trotz aller technischen Fortschritte und Errungenschaft doch der höheren Gewalt als armes, vergängliches Geschöpf gegenübersteht. Schlimmer ist es, wenn sich der Mensch sagen muh, dah nicht nur die eigene Anzulänglichkeit, sondern mangeln» der Blick und mangelnde Vorsicht die Hauptschuld an solchen Vorkommnissen tragen, wie sie sich am Sonntag bei dem internationalen Automobilrennen auf der Avus-Bahn bei Berlin ereignet haben. Rach allen Berichten von Augenzeugen kann es keinem Zweifel unterliegen, dah sowohl die Polizei wie die Rennbahnleitung im Innern schon längst von der Unzulänglichkeit der Bahn für Rennen mit Kraftwagen modernen Typs überzeugt waren. Die Avus-Bahn ist für Renn- wagen, die mit so riesenstarken Motoren ausgestattet sind, wie die heutigen, und die eine Geschwindigkeit bis zu 175 Kilometer in der Stunde entwickeln, zu schmal und mit ihrer Teerpflasterung für Regentage noch weniger geeignet. Es gibt doch wirklich sehr viel zu denken, dah sich in wenigen Stunden nicht weniger als drei schwere Anglücksfälle auf der Bahn ereignet haben. Auch die Tatsache, dah für etwaige Anglücksfälle nicht durch Berettstellung von Aerzten, Sanitätspersonal, Krankenwagen und Tragbahren ausreichend Vorsorge getroffen war, enthält einen schweren Vorwurf für die Rennleitung. Hoffentlich wird nun wenigstens daraus die Lehre gezogen, dah man sich in Zukunft nicht mehr auf gutes Glück verläßt.
Von einer Katastrophe anderer Art ist Amerika heimgesucht worden. Dort hat der Blitz in ein gewaltiges Munitionslager eingeschlagen, und nun fliegen tagelang haufenweise aufgestapelte Granaten jeglichen Kalibers und Explosivstoffe in die Lust, wobei ganze Ortschaften und Wälder verwüstet werden. Wer zu Hohn und Schadenfreude neigt, könnte sagen, daß auf diese Weise auch die Amerikaner in ihrem eigenen Lande eine kleine Probe von dem erhalten, was der große Krieg bedeutet, und daß ihnen ein solches Stück Anschauungsunterricht nichts schaden könnte. Aber von so kleinherzigen Gesichtspunkten sollte man doch nicht aus- gehen. Vielmehr wird man sich in Amerika sehr ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen haben, wie es gekommen ist, daß fast die gesamten Munitions- Vorräte für Armee und Marine 'm einer einzigen Stelle vereinigt worden sind. Das widerspricht vor allen Dingen sämtlichen Erfahrungen, die man im Weltkriege gesammelt hat, wo man eben infolge der Explosionsgefahr und in Anbetracht des großen materiellen Verlustes den Grundsatz aufgestellt hat, die Munition auf möglichst zahlreiche kleine Lager zu verteilen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß sich einmal die begreifliche Abneigung der Zivilbevölkerung gegen die unheimliche Nachbarschaft solcher Mordwerkzeuge gegen eine größere
Verteilung geltend gemacht hat, und daß man auf der anderen Seite den sprichwörtlichen Leichtsinn der Amerikaner in solchen Dingen mit in Rechnung stellen muß. Glücklicherweise waren die ersten Nachrichten — es wurde von mehr als hundert Toten gesprochen — über die mit dem Unglück verbundenen Menschenoerluste übertrieben. Aber wenn in größter Eile ganze Ortschaften in weitem Umkreis von der Bevölkerung geräumt werden mußten, so läßt das doch die Größe der Katastrophe einigermaßen ermessen. Auch dort wird nun wahrscheinlich eine Untersuchung einsetzen, mit dem Ergebnis, daß es für eine Weile besser wird, bis sich menschliche Unzulänglichkeit von neuem dartut.
Die Katastrophe von Lake Denmark.
Dover, 12. Juli. (WTD.) In den den Munitionsdepots am Denmarksee benachbarten verwüsteten Städten explodierten noch die ganze Rächt hindurch 12- und 14zöllige Granaten. Als die Explosionen heute früh zeitweilig aufhörten, drangen Marinesoldaten in das verwüstete Gelände des Marinedepvts vor, um nach Leichen zu suchen. Sie fanden 17- Tote, von denen einige furchtbar verstümmelt waren. Das umliegende Gelände wird von Truppen bewacht. Rur den früheren Bewohnern der verwüsteten Häuser wird gestattet, die Trümmerstätte zu betreten, um nach ihrem Hab und Gut zu sehen und etwa noch lebende Haustiere iir Sicherheit zu bringen. Eine der in der Rachbarschaft gelegenen Ortschaften ist vollkommen vom Erdboden weggefegt. In einer anderen sind alle Häuser in Trümmerhaufen verwandelt. Das Rote Kreuz läßt etwa 1000 Flüchtlingen seine Hilfe angedeihen, und die Angestellten der Hilfsstattonen des Roten Kreuzes sammeln die Kinder derjenigen Familien, die, um aus der Anglückszone herauszukommen, sich in wahnsinniger Flucht in die Umgebung zerstreut haben.
Die in dem Munitionsdepot herrschende Feuersbrunst hat infolge eines Wechsels der Windrichtung ein bisher verschont gebliebenes Sprengstofflager ergriffen. Auch die Munitionsbestände dieses Lagers gingen infolgedessen in die Luft. 14 weitere Sprengstosflager sollen stark gefährdet sein. Sachverständige des Marinedepots erklären, daß das Lager mit 75-Millimeter-Bomben und 14er Flugzeugbomben noch nicht explodiert fei, und daß die Gefahr, daß dieses Lager ebenfalls auffliegen und auf das Armeearsenal übergreifen werde, bisher das Einrücken von Truppen in das zerstörte Gebiet verhindert habe.
Rach einer Besichtigung der Trümmerstätte des explodierten Depots erklärte Marineminister Wilbur, die Baracke, in der die getöteten Mannschaften gefunden wurden, beweise, daß sie alle bei dem Feuersignal, das nach dem Blitzschlag gegeben wurde, auf ihrem Posten waren. Die Berichte von Offizieren, wonach das Depot nicht sachgemäß angelegt gewesen sei, seien unrichtig. Es hätten Sicherheitsmaßnahmen gegen Gefahren aller Art, auch gegen Blihgefahr, bestanden.
Ohne auf die Gefahr zu achten, die ihnen durch die Explosionen drohte, haben Diebe, wie berichtet wird, die Haustrümmer nach Wertgegenständen durchsucht, Behälter erbrochen und sich Habseligkeiten des Lagerpersonals angeeignet.
Deutschlands Veileid.
Neuyork, 12. Juli. (WB.) Die Associated Preß meldet aus Washington, die erste Sympathie- Kundgebung, die den amerikanischen Marinebehörden aus Anlaß der Explosionskatastrophe von Lake Denmark zugegangen sei, sei ein Telegramm des deutschen Admirals Zenker an den Marine- fekretär Wilburn gewesen, in dem er die tiefste An- teilnahme der deutschen Marine zum Ausdruck brachte.
unb_ des deutschen Volkes aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen.
gez. von Hindenburg, Deutscher Reichspräsident."
Die Antwort des amerikanischen Präsidenten lautet:
„Euerer Exzellenz beehre ich mich, meinen und meiner Landsleute wärmsten Dank für die Glückwünsche auszusprechen, die wir aufrichtig begrüßt haben. gez. Calvin Coolidge."
Bestätigte Todesurteile.
Der Döberitzer Fememord.
Leipzig, 12. Juli. (TA.) Vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichtes sand heute die Revisionsverhandlung gegen Schirmann, ©tein, Aschkampff, sowie den Leutnant Benn statt. Alle vier Angeklagten waren vom Schwurgericht Berlin I am 2. Februar dieses Jahres zum Tode verurteilt worden. Die Angeklagten waren beschuldigt, im Frühjahr 1922 cen Schützen Pannier, der als kommunistischer Spitzel verdächtigt wurde und der Schwarzen Reichswehr angehörte, in einem Wäldchen bei Döberitz mit Beilschlägen getötet und die Leiche hierauf vergraben zu haben. Später war die Leiche an einem anderen Ort verscharrt worden. Alle vier Angeklagten hatten die Tat gemeinschaftlich begangen und mit Aleberlegung ausgeführt. Gleich bei Beginn der Revisions- Verhandlung wurde auf Antrag des Reichsan. waltes die Oefsentlichkeit und die Presse während der ganzen Dauer der Verhandlung wegen
Staatsgefährdung trotz des Widerspruchs der beiden Verteidiger ausgeschlossen. Rach mehrstündiger Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: „Sie Revision aller vier Angeklagten wird verworfen und somit alle Todesurteile der Vorinstanz bestätig t."
Der Smyrnaer Atlenlatsprozeh.
Smyrna, 11. Juli (Wolsf.) In dem Verfahren gegen die Teilnehmer an der Verschwörung gegen Kemal Pascha beantragte der Anklagevertreter die Todesstrafe für folgende Angeklagte: den Angeklagten Schuekri, den Abgeordneten Oberst Arif, den Abgeordneten Abi- dinle, den früheren Abgeordneten Zia Hurchid, den früheren Iustizminister Hassze Mehmed, den Oberst Rasim, den Mazor Edib und drei andere Personen, gegen den früheren Ernährungsminister Kara Kemal und den früheren Gouverneur von Angora Abdul Kadir in absentia. Wetter tourbe beantragt die Verurteilung zu längeren Zuchthausstrafen gegen Ruschdi Pascha und vier weitere Abgeordnete sowie den früheren Gouverneur von Smyrna Rahmi in absentia. Freisprechung wurde beantragt für die Generale Karabekir, Fuad, Reefet, Tahar, Dsche- mal und neun weitere Mitglieder der Fortschrittspartei.
Das französisch-britische Schuldenabkommen.
Caillaux unterzeichnet.
London, 13. Juli. (Wolfs.) Caillaux und Churchill sind über die dir Konsolidierung der französischen Schulden betreffenden Punkte zu einem vollkommenen Einvernehmen gelangt Das endgültige Abkc^nmen ist von beiden Ministern im Rainen ihrer Regierungen unterzeichnet worden. Der Text des Abkommens wird heute abend veröffentlicht werden. Im Unterhaus erklärte Churchill auf eine Anfrage über den Besuch Caillaux, er Höfte, int_ Bureau des Hinterhauses morgen die die französischen Schulden betreffenden Dokumente niederlegen zu können.
Caillaux verläßt heute vormittag London, trifft mittags in Paris ein und wird nachmittags um 4 Ahr zur gleichen Zeit, zu der Churchill das Dchuldenabkommen dem Anterhaus vorlegt, es der französischen Kammer unterbreiten.
Pressevertretern gegenüber erklärte Caillaux: Das Abkommen ist unterzeichnet. Das ist alles, was ich mitteilen kann. Auf Befragen sagte er noch, er werd« heute vormittag 9 Ähr im Flugzeug nach Paris zurückkehren, da er um 12 Ahr an einem Frühstück im Kriegsministerium teilnehmen wolle, bei dem die Generäle der französischen Armee anwesend sein werden. Er hofte, daß das, was erreicht worden sei, künftig auf den Frankenkurs einwirken werde. Er sei aber, wie er achselzuckend hinzufügte, nicht Herr und Meister über die Börse. Caillaux betonte weiter Churchills Liebenswürdigkeit und sagte, er sei so angenehm berührt von dem Ergebnis seines Besuches, wie das nur möglich fei, wenn man etwas unterzeichnet habe, was an und für sich nicht sehr angenehm sei.
primo de Rivera in Paris.
Paris, 13. Juli. (WTB. Funftpruch.) General Primo de Rivera ist gestern abend in Begleitung seines Sohnes und des spanischen Botschafters in Paris, Quinones de Leon, in Paris eingetroffen. Zum Empfang hatten sich Ministerpräsident Brian d, der Kriegsminister, Marschall P 6 t a i n, und eine Reihe französischer und spanischer Persönlichkeiten auf dem Bahnhof eingefunden. Beim Verlassen des Bahnhofes wurden von mehreren Zuschauern feindselige Rufe und Psiffe ausgestoßen, was zur Verhaftung von 17 Personen führte. Es kam hierbei zu einem Handgemenge, bei dem ein Polizist — nach dem „Journal" sollen es zwei gewesen sein — verletzt wurde. Mehrere der Verhafteten, darunter ein Spanier und ein Stabsarzt Tricoire wurden in Haft behalten. Tricoire soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Die sozialistische Vereinigung des Seinedepartements hat einstimmig eine Tages, ordnung angenommen, in der sie gegen die Reise Primo de Riveras, die auf Einladung der französischen Regierung erfolgt ist, P r 0 t e st erhebt, da dessen Anwesenheit in der französischen Hauptstadt als eine Beleidigung und eine Herausforderung der Arbeiterklasse angesehen werden müsse. Die Tagesordnung fordert sämtliche Sozialisten und demokratisch gesinnten Elemente aus, sich bei Primo de Rivera einzufinden, um hier ihre Geringschätzung zu befunden. Sie fordert die sozialistischen Vertreter und Gemeinderäte von Paris und Umgebung auf, an keinem Empfang, der im Rathaus zü Ehren Primo de Riveras und auch des Sultans von Marokko ftattfinbet, teilzunehmen.
Primo de Rivera hat den höchsten spanischen Orden, das goldene Vlies, mit sich geführt, das König Alfons dem französischen Präsidenten überreichen wird.
Die französische Regierung hat dem Kriegs- Minister Herzog von T e t u a n und dem Marineminister Vizeadmiral E 0 r n e j o das Groß- kreuz der Ehrenlegion verliehen.
Die Opposition gegen den spanischen Diktator.
Paris, 12.Juli. (Wolff.) Wie .Chicago Tribüne" meldet, haben General W e y l e r und General Aguilera, die sich vor einem für die Aburteilung der Teilnehmer an dem letzten Komplott eingesetzten Eondergerichtshvf zu verantworten haben, die Echtheit ihrer Anter- schriften auf dem Manifest, dessen Auffindung zur schriften auf dem Manifest, dessen Auffindung und erklärt, ihre Handlungsweise fei verfassungsmäßig getoefem da das Vorgehen sich nicht gegen den König, sondern gegen Primo de Rivera gerichtet habe, der weder des Königs noch des Landes, sondern nur seine persönlichen Interessen vertrete.
Der Sultan von Marokko in Paris.
Paris, 12. Juli. (Wolff.) Der Sultan von Marokko ist in Begleitung seiner drei Söhne, des französi' scheu Generalresidenten in Rabat und mehreren marokkanischen Würdenttägern heute vormittag von Toulon kommend hier eingetroffen. Zu seiner Begrüßung hatten sich u. a. der Präsident devRepublik, die Präsidenten von Senat und Kammer und Ministerpräsident Briand auf dem Bahnhof eingefunden.
Der Sultan hat dem Präsidenten der Repu- blick einen formellen Besuch im Elhsee abgestattet. Daraus besichtigte er das Grabmal des unbekannten Soldaten, an dem er einen Lorbeerkranz niederlegte. Die Bevölkerung brachte dem Sultan grvße OvakiotzVH dar.


