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Ein Abgesandter Wupeifus ist In Peking eingetrofsen. Er hat mit Lutschunglin, den Ober- kommandierenden der „nationalen" Kräfte, verhandelt. Lutschunglin verpflichtete sich, nach der Räumung der Hauptstadt durch die „nationalen Truppen" die Ordnung durch Militärpolizei bis zu der Ankunft Wupeifus aufrecht zu erhalten.
damit diese chrer Familie wieder zurückgegeben wer« den könnte.
Krisis in der Tschechoslowakei.
Sil. Prag, 13. April. Das tschechische De° amtenkabinett Czerny steht wegen der vergeblichen Verhandlungen, die die Regierung mit den verschiedenen Parteien geführt hat. unmittelbar vor dem Rücktritt. Offenbar soll die Regierung Czerny durch ein anderes De- amtenkabinett abgelöst werden, an dessen Spitze Minister Schieß!, der gewesene Kabinett* direktor der Kanzlei des Präsidenten Masarhl, treten soll. Sollte auch das neue Kabinett, dessen Bildung vielleicht schon in den nächsten Stunden erfolgen kann, die ihm gestellten Aufgaben nicht lösen können, so werden mit Bestimmtheit Reuwahlen innerhalb einiger Wochen ausgeschrieben werden.
Die Reparationszahlungen.
Berlin, 12. April. (WB.) Die Monatsübersicht des Generalagenten für die Reparationszahlungen verzeichnet für März Gesamteinnahmen in Hohe von 86 460 966,34 ©oLntarf und einen Barbestand am Monatsende von 60680514,32 Goldmark. Die Einnahmen für die ersten sieben Monate des zweiten Reparationsjahres betragen einschließlich des Barbestandes von Ende August 1925 insgesamt 709 723 729,75 Goldmärk. An Zahlungen im März bzw. in den ersten sieben Monaten des zweiten Reparationsjahres sind u. a. ausge» wresen: Für Frankreich 47,5 Millionen Goldmark (insgesamt 316,3), England 17,5 Millionen Gol^mark (124,1), Italien 8 Millionen Gold- mark (37,7) und Belgien 10,1 Millionen Gold- mark (66).
Neue Kabinettskrisis in Belgrad
Belgrad, 13. April. (TL1.) Das Ka- binett Usunovic. das seit vier Tagen im Amte ist, sieht sich bereits ernsten Schwierigkeiten gegenüber, die auch diesmal auf den Führer der Kroaten, Unlerrichtsminister Radttsch zuruckzuführen sind. Radilfch richtete Sonntag in' emer Wählerversammlung schwere Angriffe gegen den Derkehrsminister und sprach von einer k o r - rupten Wirtschaft, die den Staat um Millionen geschädigt habe. Der VSrkehrsminister )at als Antwort hierauf dem Ministerpräsidenten einen Rücktritt angekündigt und die Beschuldigungen Raditschs als gemeine Lügen und Verleumdungen erklärt. In dem Schreiben heißt es, daß er nicht gesonnen sei, „mit einem Vagabunden und Taugenichts wie Raditsch" noch Anger an eurem Tisch zu sitzen. In politischen Kreisen erregt der bevorstehende Rücktritt des Verkehrsministers ungeheures Aufsehen.
Aus der Provinzlalhauptstadt.
Gießen, den 13. April 1926.
Gießener Wo cheuurarktp reise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkf Butter 180 bis 200, Matte 35 bis 40, Käse 50 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 18 b.s 25, rote Rüben 20, Spinat 45 bis 50, Gcünlohlsprossen 40, Feldsalat 120 bis 150, Endivien 100, Tomaten 150, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Rhabarber 40, Kartoffeln 4 bis 5 A^pfel 15 bis 30, junge Hahnen 110 bis 120 Suppenhühner 110 bis 120 Pf. das Pfund, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 60 bis 180, Salat 40 bis 45, Salatgurken 150, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 70 Pf. das Stück, Radieschen Bd. 25 bis 30 Pf. — Dom 15. April ab beginnt der Wochenmarkt um 7 ilf)c vormittags und endigt um 1 ülhr nachmittags.
Borrrotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7.30 Uhr „lieber unsere Kraft" (Ende nach 10 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hanseaten". — Astoria-Lichtspiele: „Der Pakt mit dem Tode".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es fei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die OpernauffühNlng- von ,.D o n Pasquale" am morgigen Mittwoch durch das Landestheater das letzte Operngastspiel der diesjährigen Spielzeit ist.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung der Deutschen Röntgengesellschafl.
In Berlin wurde die 17. Tagung der Deutschen Röntgengesellschaft, die sich auf drei Tage erstrecken wird, eröffnet. Der Kongreß ist nicht nur aus den: Reich, sondern auch aus Oesterreich, der Tschechoslowakei, Polen, Süd- slawien, England, Schweden, Holland und der Schweiz besucht.
Tagung der internationalen Studentenvereinlgung.
In Stuttgart begann die gemeinsame Sitzung des Hauptausschufses der Deutschen Studentenschaft und des Exekutivkomitees der Con- födöration Internationale des Etudiants, um über die von der Deutschen Studentenschaft dem Exekutivkomitee der Confedäration Internationale des Etudiants in Bordeaux überreichten Vorschläge zu dem im September 1924 in Warschau abgeschlossenen A rb e i t s a bko m m en s zu beraten.
Dritte Eisenbahnwissenschaflliche Woche.
Dio von der Derwaltungsakademie in Berlin in Verbindung mit der Reichsbahn veranstaltete 3. Eisenbahnwlssenschaftliche Woche wurde in der Universität eröffnet. Sie soll die Fragen einer wirtschaftlichen Betriebsführung der Eisenbahn in Vorträgen hervorragender Fachleute und Gelehrter behandeln. Verwaltungsdirektor Regierungsrat Pietsch begrüßte die zahlreichen Gäste aus Deutschland, Schweden, Dänemark, Finnland, Rußland und der Schweiz und entwickelte das Programm der Verwaltungsakademie.
Der Kutifker-Prozeß.
TU. Berlin, 12. April. Vor dem Dchöf- fengericht Berlin Mitte begann der Prozeß gegen Kutisker. Auf seine Frau und seinen Arzt gestützt betrat der Angellagte Iwan Kutisker den Gericytssaal. Er machte einen sehr gebrochenen Eindruck. Staatsanwalt Dr. Polzin teilte mit daß der Angeklagte Stern flüchtig sei. Auf den Antrag des Staatsanwaltes wurde die von Stern hinterlegte Kaution als der Staatskasse verfallen erklärt. Der Vorsitzende tellte zunächst mit, der medizinische Sachver» s'andige Professor Krauß habe erllärt, Iwan Kutlster werde vernehmungsfähig fein, wenn die Vernehmung mit der nötigen Schonung vorgenommen werde. Das Gericht werde alle Rücksicht auf den schwachen Gesundheitszustand Ku- trskers nehmen und abwarten. ob sich die Verhandlung aufrecht erhalten lasse. Während der Festlegung der geschäftlichen Dispositionen er- Irtt Kutisker plötzlich einen Ohnmachtsan - fall. Der bewußtlose Kutisker wurde von mehreren Iustizwachtmeistern zur Zeugenbank geführt, wo er sich langsam eryolle.
Rach längerer Befragung der Sachverständigen erklärt der Vorsitzende im Einverstöndnis
Wettervoraussage.
Heiter bis wolkig, Winde aus östlicher bis südlicher Richtung. Tagestemperaturen wenig verändert, durchweg trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 14 4 Grad Celsius. Minimum: Minus 1,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 2,3 Grad Celsius.
Das Disziplinarverfahren gegen den Schwieger, ahn des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, dem Attache im Auswärtigen Amt Dr. Wil- helm Jaenecke, der von der Disziplinarkammer zu einem Verweis und 100 Mark Geldstrafe ver- urteilt worden war, geht an den Reichsdiszj- orm\n ° J £ 0 r' n n(ld>bem sowohl das Auswärtige Amt, dessen Vertreter die Entlassung beantragt f)Qtte, als auch die Verteidigung Berufung eingelegt.
die das Attentat auf Mussolini verübte, hat W a h n s, n n s a n f ä l l e gehabt die JS“Endige Ueberwachung erforderlich marfjen (F^rnnh h ° m b,e .Absicht haben, den König von England um G n a d e für die Attentäterin zu bitten,
mit der Verteidigung, er werde versuchen, einige Stunden die Verhandlung mit Kutisker zu führen und im Bedarfsfälle Pausen eintreten lassen. Der Eröffnungsbeschluß liegt sämtlichen Angeklagten vor, durch Betrug und il r - kundenfälschung bzw. Beihilfe die preußische Staatsbank um 14 300 000 Goldmark geschädigt zu haben. Rach der Anklageschrift hat Kutisker bei der Staatsbank große Darlehen ausgenommen. Gr bekam einen Lombardkredit und ein laufendes Konto eingerichtet. Hauptsächlich wohl mit Rücksicht auf den immer mehr sinkenden Wert der Kaufkraft des Geldes soll Kutisker die Kredite sehr bald weit überzogen haben. Es war nun Sache Kutiskers, für eine anderweitige Deckung zu sorgen. Da soll er eine ülnmasse von faulen Wechseln der von ihm aufgekauften oder begründeten Gesellschaften im Betrage von vielen Millionen als Deckung bei der Staatsbank untergebracht und darauf Millionenkredite bekommen haben. Schließlich war die Staatsbank innerhalb noch nicht eines Iahres durch Kutisker um 14 Millionen geschädigt.
Die Angelegenheit des Hanauer Lagers soll später verhandelt werden. Auch hier hat Kutisker mit Hilfe von verschiedenen Personen bei der Staatsbank den Eindruck erweckt, daß dieses Lager, das tatsächlich nur einen Werl von 500 bis 600 000 Mark hatte, einen solchen von 10 bis 12 Millionen repräsentierte. Auch dadurch hat er große Kredite von der Staatsbank bekommen. Kutisker soll weiter einen Blankowechsel des Angeklagten Blau, der für eine Summe von etwa 50 000 Mark Schulden des Blau frei war, über 475 000 Marl ausgestellt haben. Die Verhandlungen werden mit Rücksicht auf das Befinden Iwan Kutiskers durch eine Pause unterbrochen.
** Der Sonntag-Sonderzug Gießen — Frankfurt — Baden-Baden. 3n Ergänzung unserer gestrigen kurzen Mitteilung sei noch berichtet: Arn Sonntag, 18. April, verkehrt ein Sonderzug 3. und 4. Klasse mit einer Fahrpreisermäßigung von einem Drittel des gewöhnlichen Fahrpreises von Gießen über Frankfurt nach Baden-Baden mit folgendem Fahrplan: Hinfahrt: 5.50 Uhr vorm. ab Gießen, 6.14 Uhr vormittags ab Butzbach, 6.26 Uhr vorm. ab Bad-Nau- beim, 6.33 Uhr vorm. ab Friedberg, 6.52 Uhr vormittags ab Vilbel-Nord, 7.21 Uhr vorm. ab Frank- furt-Hmiptbahnhof, 7.50 Uhr vorm. ab Darmstadt, 10.40 Uhr norm, an Baden-Baden. Rückfahrt: Baden-Baden ab 7.50 abends, Darmstadt an 10.19 abends, Frankfurt-Hauptbahnhof an 10.48 abends, Vilbel-Nord an 11.25 abends, Friedberg an 11.46 abends, Bad-Nauheim an 11.54 abends, Butzbach an 12.10 nachts, Gießen an 12.30 Uhr nachts. Die Fahrpreise für die Sonderzugskarten betragen: ab Gießen 4. Klaffe 11.50 Mk., 3. Klaffe 17,10 Mk., ab Butzbach 4. Kl. 10,70 Mk., 3. Kl. 15,70 Mk., ab Bad-Nauheim 4. Kl. 10,30, 3. Kl. 15,10 Mk., ab Friedberg 4. Kl. 10,10 Mk., 3. Kl. 14,70 Mk. Bei der Lösung der Sonderzugskarten werden Führer von Baden-Baden unentgelllich ausgehändigt. Die Sonderzugteilnehmer haben gegen Vorzeigung der Sonderzugkarte freien Eintritt zu den Kurkonzer- ten, freie Besichtigung der Trinkhalle, der Prachtsäle des Kurhauses, der Bäder und der römischen Badruine, ferner 50 Proz. Ermäßigung auf der Bergbahn zur Merkur einschl. der Zufahrt mit der Straßenbahn von jeder beliebigen Haltestelle au«. Es ist weitestgehende Vorsorge getroffen, daß jjeder, Reisende in dem Sonderzug einen Sitzplatz erhält. . ,** Elektrizität im Haushalt. Im früheren Restaurant „Einhorn" hielt Frau Dr. Bolton vor einem" überwiegend weibliche» Hörerkreis gestern abend einen Demonstrationsoor- trag über die „Verwendung der Elektrizität Im Haushall". Die Vortragende ging aus von der heute vielfach notwendig gewordenen Umstellung des haus- wirtschaftlichen Arbeitsbetriebes auf Elektrizität. Was früher Petroleum, Gas, Holz und Kohlen leisteten, diese Arbeit verrichten heute die Elektrizität und neuzeitlich ausgebaute, praktische Apparate. Die Notwendigkeit der Umstellung begründet sich vor allem im immer weiter greifenden Mangel an menschlichen Arbeitskräften; zudem wirtschaftet man mit Elektrizität billig, sauber und rationell. Von den oor- geführten Apparaten ist zunächst der elektromotorisch arbeitende Staubsauger zu nennen, der sowohl zum Blasen, als auch (hauptsächlich) zum Saugen verwendet wird und der Ventilatton und der Reinigung dient. Die übrigen Apparate, die gezeigt wurden, sind Elektrowärmeapparate. Wichtig für die neuzeitlich eingestellte Hausfrau ist das elektrische Bügeleisen; der Wäschekocher arbeitet praktischerweise nachts und vollzieht einen gründlichen chemischen (nicht mechanischen) Reinigungsprozeß. Die Strahlensonne dient nicht zur Raumbeheizung, sondern ist auf kleinere und speziellere Wirkung eingestellt. Weiterhin sah man eine Reihe sinnreicher kleinerer Apparate,, die allerdings teilweise noch so teuer sind, daß es noch eine Weile dauern wird, bis sie die populäre Verbreitung und Anwendung des elektrischen Lichtes erreichen. Hier gab es verschiedene Modelle von Wasserkochern, auch Tauchsieder (zur Erwärmung geringer Flüssigkeitsmengen), Heizkissen mit Sicherung gegen Bettbrand (vor allem für Krankenpflege beachtlich), Heizplatten, Speisenwärmer, elektrische Defen, kleine Herde (zum Kochen, Braten und Backen) und Fußwärmeplatten. Der in Rechnung zu stellende Stromverbrauch bzw. die Betriebskosten sind in den verschiedenen Städten bestimmten Schwankungen unterworfen; für die Gießener Verhältnisse können diese Aufwendungen für den elektrischen Strom als verhältnismäßig niedrig bezeichnet werden.
** Fe ft genommen. Gestern abend gegen 6V2 älhr wurde von einem Herrn, der durch unfern Artikel „Ein gemeiner Kerl" auf ben hier sein Unwesen treibenden Sittlichkeitsverbrecher hingewiesen worden war. ein solch ubeles Individuum in der Ostanlage in unmittelbarer RÜhe des Liebigdenkmals auf frischer Tat erwischt und sofort dingfest gemacht. Der Fremde setzte seiner Festnahme keinen be- fonöeren Widerstand entgegen und suchte sein r,n rrmi^ 'kercn Redensarten als harmlos hin- zusteilen. Er wurde heute dem Gericht vor- geführt Er ist ein Mensch von 45 bis 50 Iahren, tragt schlechte Kleidung und einen graugrünen Rucksack. Die angestellten Ermittelungen wer- • rm1 3^9en- ob er der von uns beschriebene Mensch ist, der bisher hier und in der nahen Umgebung fein Unwesen trieb.
** Gewerbesteuer der Gemeinden und Gemeindeverbände, lieber die vorläufige Gewerbesteuer der Gemeinden und Ge- meindeverbände für das Rechnungsjahr 1926 veröffentlicht das Gesamtministerium nachstehendes, durch den Landtag beschlossene Gesetz, das damit in Kraft tritt: Bis zur Zustellung der ©teuer- Mdjeibe über die auf Grund eines besonderen Gesetzes erfolgende endgültige Gewerbesteuerveranlagung sind die Gemeinden und Gemeinde- Verbände im Rechnungsjahr 1926 berechtigt, ihre Gewerbesteuer auf Grund der nach Maßgabe des Gesetzes über die Gewerbesteuer für 1925
Kleine politische Nachrichten.
3rn Auftrag des deutschen Reichsministeriums des Qnnem ist Geheimer Ministerialrat Horning m Uesfüb eingetroffen. Er wird die deutschen Soldatenfriedhöfe in llestüb, Prilep und “^naftir besichtigen. Die deutsche Regierung beab- ichtigt, die Ueberreste der dort Beigefetzten nach Deutschland zu überführen. Geh. Ministerialrat Horning wird sich auch nach Griechenland und Rumänien begeben.
Der französische Großindustrielle Loucheur, dör sich besuchsweise in Locarno aufhielt, hat dem gleichfalls in Locarno zur Erholung weilenden deutschen Außenminister Dr. S t r e s e m a n n seinen Besuch gemacht.
Reichskanzler a. D. Dr. Wirth hat eine Reise nad) Rußland in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Hemmer angetreten. Dr. Wirth wird sich einen Tag in Riga aufhalten und sodann nach Leningrad Weiterreisen, wo sich die Zentralverwal- ung der M 0 l 0 g a - H 0 l z i n d u st r i e A.-G. be- inbet, deren Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Wirth ist.
Die Präsidentenwahl in Griechen- l a n d fand in 23 Bezirken bei vollkommener Ruhe statt. Mehr als 90 Prozent der Wähler gingen zu den Urnen. Der Diktator, General Pangalos, wurde mit erdrückender Mehrheit, an manchen Orten einstimmig, gewählt.
Aus aller Welt.
Die Eigenlumsfrage des Großglocknergebiets.
Zu der Meldung, wonach der Eigentümer des Grohglocknergebietes, ein Herr Weiler aus Essen, beabsichtige, dieses für den Touristenverkehr hoch- bedeutsame Gebiet zu sperren, erfährt die „Wiener Sonn- und Montagszeitung" von bestunterrichteter Seite, daß der rechtmäßige Eigentümer des fraglichen Gebietes der Deutsch- Oesterrelchische Alpenoerein sei. Als kurz vor dem Krieg bekannt wurde, daß ein Herr Weiler aus Bochum das Gebiet des Großglockners ankaufen wollte, setzte eine sehr hestige Protestbewegung gegen diesen Plan ein. Der Deutsch- Oesterreichische Sllpenverein leitete Sammlungen cm, um den Kauf zu verhindern. Mit Hilfe einer großen Spende eines Großindustriellen aus Villach gelang es dem Alpenverein im Jahre 1918, bas Gebiet in feinen Besitz zu bringen. Dem Einspruch Weilers gab die Landesregierung nicht statt. Somit kann Weiler seine wie audj immer gearteten Befugnisse nicht ausüben und auch keine Sperrung des Gebietes für Touristen erwirken. Der Alpenoerein besitzt im Großglocknergebiet nicht weniger als drei Hütten, die auch in diesem Jahre wie bisher immer den Touristen zur Verfügung stehen.
Demonstration italienischer Studenten in Wien.
Bei der Vorstellung der Haller-Revue im Apollotheater kam es, als ein Komiker eine scherzhafte Bemerkung über Mussolini mochte, zu einer italienischen Demonstration. Ungefähr 15 italienische Studenten auf der Galerie brachen auf einen Sionalpfiff in wüstes Lärmen aus und riefen einen tosenden Tumult im ganzen Hause hervor. Das Publikum wies die Ruhestörer energisch zurecht, die aus dem Hause entfernt und auf die Polizeiwache gebracht wurden. Die weitere Dorstellimg verlief ohne jede Störung.
Feuersbrunst.
Am Sonntagabend gegen 10 Uhr brach auf einem Gehöft in Kirchheim bei Schwetzingen ein Großfeuer aus. Durch das Eingreifen der Heidelberger Feuerwehr konnte eine Vernichtung der ganzen Siedlung verhindert werden; jedoch brannten der Gasthof und drei Scheunen nieder. Der Besitzer des Gasthofes wurde in der gleichen Nachl wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet. Der Schaden beträgt etwa 100 000 Mark.
Aus dem Wagen geschleudert.
Bei Achern (im mittleren Baden), ereignete sich am Bahnübergang ein schweres Unglück Ein mit 11 Personen besetzter Wagen fuhr die abschüssige Straße herunter:. Da zur gleichen oeit ein Schnellzug heranbrauste, scheute das Pferd und ging durch. Das Gefährt schlug um und sämtliche Insassen tourben aus dem Wagen herausgeschlmdert. Sechs Personen erlitten schwere Verletzungen und muhten in das Krankenhaus verbracht werden.
Banunglütf in Leipzig.
Montag vormittag stürzte aus den städtischen Reubauten in der Südvorstadt eine 50 vis 60 Zentner schwere Erdmasse ein und begrub dabei eine Anzahl Arbeiter unter sich. Ein Ar- beiter wurde getötet, während ein anderer schwere innere Verletzungen davontrug. Durch das anhaltende Regenwetter der letzten Tage hatte sich das Erdreich gelockert.
Eisenbahnkataslrophe bei Neuyork.
Der Expreßzug Neuyork—Allantic-Citn, bekannt als „Millionärszug", ist im Staate New-Persey an einer scharfen Kurve c n t g I e i ft. Nur drei Wagen blieben unbeschädigt. Bisher wurden drei Tote und fünfzig Verletzte festgestellt, unter denen sich viele Neuyorker befinden. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden getötet.
Schulfragen im Preußischen Landtag.
Derlin, 12. April. Der Hauptausschutz des Preußischen Landtages begann die Vorberatungen des Kultushaushalts beim Abschnitt „Ministerium und allgemeine Verwaltung". Verbunden wurde damit der Abschnitt „geistliche Verwaltung".
Abg. O e l z e (Sil) erklärte, er habe schwere Bedenken gegen die Erhöhung des Schulgeldes um 66-z Prozent. Die Gehälter seien nicht annähernd so gestiegen. Die Aufhebung der Privatschulen für 1929 führe zu großen Härten. Der Redner fordert die Entpolitisierung der Schulen.
Staatssekretär Schleusner vom Reichsfinanzministerium äußerte sich zur Finanzlage. Größte Sparsamleit sei notwendig, deshalb könne auch von einer Erhöhung des Schulgeldes nicht abgesehen werden.
Abg. D 0 e l i tz (D. Dp.) bemängelt den Rückgang des Gesamtanteils des Kultushaushalts und die zunehmende Abhängigkeit vorn Finanzminister. Cs treffe leider nicht zu, daß der Minister, wie er in dem verflossenen Iahre betont habe, über den Parteien stehe, denn er habe es bedauerlicher Weise verstanden, die wertvollen Kräfte der Opposition für seine Ar- be'ckspolittk fruchtbar zu macheiu Das ganze Land erwarte mit älngeduld die endliche Herausbringung des Reichsschulgesetzes, damit die Frage der weltlichen Schule durch eine legale Grundlage gelost werden könne.
Abg. Lauscher (Ztr.): Die Schuldgelderhö- hung sei nicht tragbar. Das Hochschulstudium Dürfe nicht unnötiger Weise verteuert werden. Die Eimultanakademie in Frankfurt a. M. sei erst zu errichten, wenn die Einsprüche auf Grund bes einschlägigen Derfassungsartikels erledigt seien.
Abg. König (Soz.). In die höhere Schule kämen viele unbegabte Kinder auf Drängen der Eltern. Hier müsse strenger vorgegangen werden. Begabte Kinder seien vom Schulgeld zu befreien. Die privaten Vorschulen mühten verschwinden.
Abg. Hoff (Dem.) wendet sich gleichfalls gegen eine Heraufsetzung des Schulgeldes und fordert für die begabten Kinder minderbemittelter Eltern Freilassung.
Kultusminister Professor Dr. Lecker:
Die Fincmznot des Staates erfordere sicherlich größte Sparsamkeit, doch hi ein schematischer Abstrich auf dem Gebiete der Volksbildung außerordentlich bedenklich. Die Erhöhung des Schulgeldes, an die die ülnterrichtsoerwaltung mit schmerzlichen Bedenken htzrangegangen sei, wäre auf Beschluß des Staatsministeriums erfolgt, um der Finanznot des Staates Rechnung zu tragen. Die Initiative hätte dabei in erster Linie bei den Städten gelegen. Die älnterrichtsverwaltung gäbe sich alle Mühe, Härten zu mildern, etwa durch weitere Schuldgeldbefreiung der Minderbemittelten. Der Minister wünschte den baldigen Erlaß eines Re i ch sschulaesetzes. Das Gesetz müsseein Werk der Versöhnung aller Weltanschauungs- gruppen fein. Er habe zu dem jetzigen Reichs- mnenminister das Vertrauen, daß er diese Arbeit objektiv durchführe. Auf dem Gebiete der Personalpolitik bemühe sich der Minister größter Objektivität. Es fei nicht richtig, daß die Anhänger irgendeiner Partei übergangen wurden. Der Minister gab seiner Freude dar- uber Ausdruck, daß die Gründung der neuen pädagogischen Akademie nunmehr erfolgen könne. Die Unterrichtsverwaltung betrachte die Gründung als ein pädagogisches Experiment,_ zu dem sie allerdings großes Ver- - trauen hätte. Das Staatsministerium stehe auf dem Standpunkt, daß gegen die Gründung einer hmulfanen Akademie keine verfassungsrechtlichen Bedenken vorlägen. Da aber Einspruch erhoben )ei würde die Entscheidung eines höchsten Ge- richtshofes artgerufen werden. Die entscheidendste uvd drückendste Frage, mit der sich die Unter- rcchtsverwaltung seit langem beschäftige, sei die der Iunglehrer. Wenn es sich ermöglichen ließe, zur Linderung der Rot der Iunglehrer noch größere Beträge flüssig zu machen, so würde das niemand freudiger begrüßen, als er. Die Lage der nationalen Min- derhettM sei eine Existenzfrage für Preußen. Die Regierung habe den festen Willen, eine Ver- lohnungspolltik zu betreiben. Die gleiche Hoffnung hege der Minister auf dem Gebiete der internatwnalen geistigen Zusammenarbeit.
Abg. Frau Kulesza (D.Vpt.) betont, daß die bewußten evangelischen Kreise allen Grund hatten, an der Personalpolitik und Geschäftsführung des Ministeriums Krittk zu üben. Der Minister möge auf das Reich emtoirfen, daß die Eröffnung der pädagogischen simultanen Aka- demie in Frankfurt a. M. nach Erledigung des Einspruches der katholischen Kreise noch zum 1. Iuli möglich werde.
2lbg-. Dr. Bohner (Dem.) forderte, daß das JJroIefariat ms Volk ein^efügt werde. Das könne nur innerhalb des neuen Staates geschehen. Die -Ueberspannung des konfessionellen Gedankens fordere die weltliche Schule. Die private Vorschule müsse fallen. Die simultane Akademie müsse kommen.


