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richteten, dessen guten Vorsah England ;u unterstützen verpflichtet war, und dann gegen ! Schweden, das die eigentlich (Großbritannien I zufallende Pflicht erfüllt habe, eine Tatsache, die jeden, Engländer die 5d>amröfe aus die

Wangen treiben müßte.

Das Blatt fragt, wie lange Baldwin dies noch weiter gehen lassen wolle. Roch gäbe es einen Rückweg zum gesunden Menschenverstand, nämlich ein einfacher Aufschub dessen. waS niemals auf die Tagesordnung hätte gesetzt wer* den dürfen. Wenn Brasilien oder Spanien dar­aufhin den Völkerbund verlassen würden, so brauche man ihnen keine Träne nachzuweinen, denn ihre Gesinnung würde dann mit der Mit­gliedschaft im Völkerbünde unvereinbar sein. Aber weder ein Austritt noch ein Veto Brasiliens sei wahrscheinlich. Die Mehrheit der kleinen Mächte stehe nicht hinter den Kandidaten- Mächetn. Die kleinen Mächte wissen, daß der schwedische Standpunkt richtig sei. ..Dailh Rews" lagt: Die Deutschen hatten eine vollständig korrekte Haltung eingenommen und keinerlei falschen Schritt oder unvorsichtige Geste gemacht. Infolge vollkommener Unverständigkeit und unbeugsamen Eigenwillen habe Chamber­lain Großbritannien zu einer Politik verpflichtet, von der er wisse, daß sie eine vollkommene Verfälschung der Anschauung der britischen Ration sei. Zweifellos sei nie­mals ein größeres Meisterstück perverser Un­fähigkeit von einem englischen Staatsmann vollbracht worden.

Der Druck auf Schweden.

Die Internationale wird bemüht.

Paris, 13. März. (TU.) Pariser Blätter lassen sich aus Genf melden, daß die schwedische Delegation sich bereit erklärt habe, eine feierliche Erklärung abzugeben, nach der Schweden im Septem­ber die Kandidatur Polens auf einen n i ch t st ä n d i g e n Ratsiitz unter st üßen würde. (?) Die Stellungnahme der schwedischen Delegation ist nach derselben Nachricht darauf zu­rückzuführen, daß -schweben beweisen wolle, daß seine bisherige Haltung nichts mit deutsch­freundlichen Gründen gemein habe. Im Falle Schweden glaube, im September nachgeben zu können, weil Deutschland zu dieser Zeit schon vollwertiges Mitglied des Rates sein werde, so dürfte dieses Prinzip schon jetzt Schweden zur Nachgiebigkeit bewegen. Weiter wird aus Genf berichtet, daß heute abend die in Genf anwesenden Vertreter der sozialistischen Inter­nationale, Vanderoelde, Paul Boncour und Albert Thomas erneut Schritte bei dem schwedischen Außenminister unternehmen werden, um ihn zu veranlassen, seine Haltung zu revidieren. Man erwartet zudem die Antwort der schwedischen Regierung auf das Telegramm, da­von den sozialistischen Vertretern nach Stockholm gerichtet wurde.

Spanische Drohungen.

Eine spanische Demarche in Stockholm

Stockholm, 12. März. (Wolff.) Zwischen Spanien und Schweden haben sich die Gegensätze im Streit um die Ratssitze bedenklich zugespiht. Die spanische Regierung hat eine offizielle Demarche in Stockholm unternommen, in der die Haltung Schwedens als unfreundlicher Akt bezeichnet wird. Schweden hat in Madrid gegen Liesen Schritt energisch protestiert und auf8 neue Len grundsätzlichen Charakter seiner Haltung be­tont. DerSozialdemokrat" schreibt zu der spani­schen Aktion gegen Schweden: Gin solches Vor­gehen lasse jedes Verständnis der schwedischen Mentalität vermissen. Schwedens Haltung in der Ratsfrage sei keine Konjunkturfache. Das ganzeVolk stehe hinter der Auf­fassung der Regierung, die grundsätzlich von der Erienntnis der Pflichten gegenüber dem Völkerbund und seiner weiteren glücklichen Ent­wicklung geleitet werde. An Meier Erkenntnis könnten auch Drohungen nichts andern. In andern Blättern spricht man vonBriands offizieller Schönfärberei" und hält eher zu Cham­berlains Auffassung, der vonder drohenden Katastrophe für Völkerbund und Europa" spricht. Man betont aber, daß vor allem Mussolini eine Krise offenbar heraufbeschwören wolle. Die polnischen und spanischen Drohungen zeigten an der gestrigen Stockholmer Börse keinerlei Wir­kung.Dagligt Allehanda" sagt, Schwedens Ver­treter brauche unbedingt starke Verven. Briand würde gern Mussolini unterstützen, laufe aber Gefahr, dadurch den für Frankreich vorteil­haften Locarnopakt zu gefährden. Es liege also in Frankreichs Interesse, Oel auf die etwas stürmischen Wellen zu gießen.Aftonbladet" glaubt, daß die spanische Demarche in Stockholm Briand nicht willkommen gewesen sei. Briand müsse die Zwecklosigkeit und Unflugbeit dieser spanischen Erpressungsversuche einsehen. Die spanische Drohung mit wirtschaft­lichen Repressalien macht nicht den geringsten Eindruck.Svenska Dagbladet" schreibt: Die ein­fältigen, schamlosen Drohungen enthüllen, was sich hinter den Kulissen des Völkerbundes in Wirklichkeit abspielt. Frankreich versuche mit allen Mitteln trotz seiner permanenten Kabinetts­krise seine dominierende Stellung im Rate der Völker aufrechtzuerhalten.

Italienische Freundlichkeiten.

Rom, 13. März. (Sil.) DieTribuna" cha­rakterisierte gestern den schwedischen Außenmini­ster Unden als deutschen Agenten, der den Auftrag habe, deutsche Politik'im Völkerbund oc räuber eiten. Run dürfe Chamberlain nicht un­verrichteter Dings wieder abreifen und auch Briand habe vom Kartell eine bestimmte Marsch­route erhalten. Man erlebe daher jetzt das gro­teske Schauspiel, daß England und Frankreich den Eintritt desguten, braven und friedfertigen Deutschlands" begünstigen. Eine belfereDra­matisierung des Blödsinns" hätte nicht zusammenphantasieri werden können. Allein die Politik Mussolinis habe eine neue Diplomatie geschaffen, die den Pangermanismus imGeiste von Locarno" rechtzeitig enthüllt habe. Diese Politik Mussolinis, die mit ihrer gesun­den Realistik, auf Raffe und Kultur aufge­baut, allen Elaboraten ber Kanzleien vorausge­eilt sei. bedeute eine gesunde europäische Reu- Orientierung. Mit dieser Reu or ien t i e r u n g wird auch die Bemühung Italiens angeführt, sich als Führer desBlocks Klein Entente plus Griechenland und Polen eventuell auch Un­garn", dem Block derKlein-Locarnisten, gegen den Block der Groß-Locarnisten, England und Frankreich, plus Deutschland, aufzuspielen

Dieser Gegensatz zwischen Groß- und Klein-Lo- carn» ist, wie dasGiornale d'Italia" schreibt, der eigentliche Kern der jetzigen Differenzen. Allerdings, sagt das Blatt, erscheinen die Aus­sichten nicht besonders günstig, nachdem eine französisch-deutsche Entente zur Tat­sache zu werden und Polen sich auf dem Rückzug zu befinden scheine. Die Blätter heben demgegen­über die rege tigkeit Grandis hervor, der mit Erfolg an einer weiteren Verständigung der Kleim-Locarnisten untereinander arbeite und in diesem Zusammenhang einen zweiten Besuch Rintschitschs in Rom vor bereite. Es sei klar, daß Italien heute der Kernpunkt einer Neugestaltung fei, die sich ganz unabhängig von Genf vorbereite.

Polen droht mit einem russischen Bündnis.

Moskau, 12. März. Zwischen der Sowjet­union und Polen wird augenblicklich über den Abschluß eines Freundschaftsvertrages verhan­delt. Polen will hierbei die baltischen Staa­te n in den Vertrag einbegriffen wissen und die Sowjet-plnivn als Garanten für diese Staa­ten sehen, was Rußland unbedingt ablehnt. Man glaubt, daß. wenn Polen keinen Ratssitz in Genf erhalten werde, dies den Abschluß eines politischen und wirtschaftlichen Bündnisses mit Rußland fördern wird.

Deutschfeindliche Demonstrationen in Warschau.

Warschau, 13. März. IWTB. Funkspruch.) Einige Tausend nationalistische Studenten veran­stalteten gestern eine Versammlung, um für die Zuteilung eines ständigen Ratssitzes an Polen zu demonstrieren. Rach Annahme einer dies­bezüglichen Resolution zogen sie unter Hoch­rufen auf Frankreich und Italien und Absingung des deutschfeindlichen Hetzliedes Rota" durch die Stadt. Vor den Gesandtschaften Frankreichs, Italiens und bet Tschechoslowakei fanden bann Freundschaftskundgebungen statt. Einige Hundert Studenten zogen bann vor d i e durch die^Polizei bewachte deutsche Gesandtschaft, wo sie deutschfeindliche Rufe aussließen. Zu ernsteren Zwischenfällen ist es nicht gekommen.

Spanien und Deutschland.

Madrid, 12. März. (TU.) Dr. St re se­in a n n hat dem Genfer Korrespondenten der Debatte" auf die Frage, ob Spanien und Deutschland fernerhin Freunde bleiben würden, mit einemunbeding t" geantwortet. Dr. Stresemann hat erklärt, man mißverstehe in Spanien Deutschlands Haltung, die sich keines­wegs gegen Spanien richte. Deutschland werden den Völkerbund verlassen, sobald mit Sicherheit seststehe, bah Brasilien gegen Deutsch­lands Aufnahme stimmen werde.

Hessischer Landtag.

Der Etat der Forftverwaltnnsi.

Darmstadt, 12. März. Präsident Ade­lung eröffnet die Sitzung um 9" 2 Ahr.

Die Beratung des Voranschlags für 1926 wird fortgesetzt, und zwar mit dem Bericht über dieBeschlüssedesSechserausschusses. Erstem waren bereits die Allgemeinen Anträge, deren es nahezu 20 sind, beraten worden. Heute folgen die Anträge des Sechserausschusses zu den einzelnen Kapiteln des Staatsvoranschlags.

Zu Kap. 1 (Forstwesen) liegt ein Antrag Kaul vor, eine Anzahl Oberförstereien auszu­heben und auf benachbarte Bezirke zu verteilen. Dr. Leuchtgens will, daß die Vorstände von 4 Forstämtem auf den Inhaber zu bewilligen sind. Ein Antrag Dingeldey fordert zur Frage der Tagegelder, die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Außer den genannten liegen noch einige Anträge vor, die früher bereits in den Sitzungsberichten des Finanzausschusses mit­geteilt sind. Abg. Glaser erstattete hierüber Bericht.

Finanzminister Henrich erflärt, daß die Einteilung der Bezirke von lebenswichtiger Be­deutung für die Forstverwaltung fei; man soll sie nicht unnötig ändern. Eine Vermehrung der Aemter habe nicht stattgesunden, denn es sei zu berücksichtigen, daß sich das forstlich verwaltete Gebiet beträchtlich vergrößert habe. Der Minister wendet sich g eg e n die meisten Abbauanträge; weil sie eine -Unruhe in die Verwaltung trügen. CffiaS jetzt versäumt oder falsch gemacht werde, räche sich einmal später an den Einnahmen. Die Verminderung der Schreibhilfen bei der Forst­verwaltung könnte zu Schadenersatzklagen führen und zu anderen Schäden; dadurch werde dann nicht gespart. Der Munster äußert auch zu den anderen Anträgen Bedenken.

Landforstmeister Hesse stellt die Forde­rung auf, daß jetzt alles daran gesetzt werden müsse, nun aus den Forsten eine Rente zu holen; bet einem werbenden Betriebe dürften falschen Sparmaßnahmen getroffen wer» ben. Bei der Forstverwaltung sei mit langen Zeiträumen zu rechnen, anders wie die Landwirtschaft, die jedes Jahr ernte. Infolge- dellen fei es notwendig, daß man die Forst­verwaltung sich ruhig entwickeln ließe und nicht ständig von außen her Unruhe hineintrüge. In btefem Zusammenhang wendet sich der Redner gegen den Abbau der Aemter; diese mühten eigentlich, da der beforstete Walbbestand sich vergrößert habe, vermehrt werden. Auch wendet sich der Redner gegen den Personalabbau wegen der Zunahme der Aufgaben und der Vergröße­rung der Bezirie. Aus die Forsteinrichtung könne die Forstverwaltung aus Gründen der Renta­bilität nicht verzichten. Ungenügende Schreib­hilfe könne zu Verzögerungen z. B. bei Versteig» rmrgen fuhren, die sich dann in Schäden aus- wirkten. Eine Kürzung der Fahrkosten würde auch nur Nachteile bringen. DaS Oberförster- system sei das beste für die Verwaltung, aber es dürften nicht die Abbaumaßnahmen, nicht die Verminderung der Schreibhilfe ufnx einqefübrt werden.

Abg. Heinstadt (Ztr.) meint, es müsse mehr aus dem Waldbefih des Staates heraus­geholt werden; es sei das kein Mißtrauen gegen die Forstverwaltung. Das beweise ja auch die Zurückziehung des Antrages über die Tagegel­der. Seine Partei könne dem Antrag Kaul auf Aufhebung einer Anzahl von Oberförstereien nicht zustimmen. Es fei in Hessen auf eine Ver­kleinerung der Forstbezirke hinzuwir- ken. Da sich die Sparmaßnahmen erst in etwa 100 Jahren auswirkten, so könnten jetzt in dieser Aotzeit ganz gut die 10 Forstassesforen gestrichen

werden. Dem Antrag des Bauembuirdes auf Verminderung der Schreibhilfe, könne das Zen­trum nicht zustimmen. Weiter spricht der Red­ner über die h o h e n P a ch t p r e i s e für Staats­gelände, über mangelndes Entgegenkommen der Forstverwaltung gegenüber den Landwirten bei der Holzabfuhr, bei Versteigerungen ufw-

Abg. Anthes (Soz.) eltrpfiehlt namentlich den sozialdemokratischen Antrag auf Aufhebung verschiedener Oberförstereien; diese könnten ganz gut einen größeren Umfang haben. Sin Teil der Aufgaben der Oberförster könnte der Kosten­ersparnis wegen, den Forstwarten übertragen werden, wie das Ueberweisen der zum Abholzen und zur Versteigerung bestimmten Stämme.

Abg. Jost (Hess. Bbd.) befürwortet die Anträge des Bauernbundes auf Bewilligung von 4 Forstämtern auf den Inhaber, auf Streichung mehrerer Forstassesforen usw. In ausführlichen Darlegungen wendet er sich gegen d i e hohen Beiträge der Gemeinden für die Forst­verwaltung. Auch könne an Kosten für die Holz- Hauerei gespart werden. Wenn jemand Holz für einen Reubau oder eine Reparatur brauche auf dem Lande, so ftnde er bei der Forstver­waltung fein Gehör und er werde an die Holz­händler verwiesen, angeblich, weil kein Holz da sei. Weiter spricht der Redner über Iagdverpach- tungen und Losholz. Das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Forstverwaltung müsse ein besseres werden als es jetzt sei.

Abg. Dingeldey (D. Vpt.) weist auf die Bedenken hin, die von den Vertretern der Re­gierung zu den Anträgen geäußert wurden. Die Streichungsanträge hätten eine große Bedeutung, weil es sich um werbende Betriebe handle. Man wisse nicht, ob sie die Finanzen verbessern oder sich in das Gegenteil verkehren könnten. Die Deutsche Volkspartei habe alle diese Gesichts­punkte bei ihren Beschlüssen gewürdigt und sei gleichwohl dazu gekommen einigen Abbauanträ­gen ihre Zustimmung nicht zu versagen. Da die Regierung glaubt, mit dem Anträge, die Vor­stände von 4 Forstämtern aiuf den Inhaber zu bewilligen, auszutommen, so werden wir diesem Anträge zustimmen. Weiter werden wir aber nicht gehen; den soz. Antrag, eine Anzahl vorn Oberförstereien aufzuheben, lehnen wir ab. Der Forderung, eine Anzahl von Assessoren zu strei­chen fällt uns schwer zuzustimmen, weil die Re­gierung berechtigte Einwendungen wegen der Forsteinrichtung erhoben hat; wir wollen nicht, daß ein Schaden entsteht, wir wollen auch nicht, daß die Meinung entsteht, die Richtakademiker würden schlechter gestellt, als die Akademiker. Wir sind mit dem Abg. Heinstadt der Meinung, daß in diesem Jahre einmal gespart werden kann, weil erst in langer Zeit sich eine Verzögerung der weiteren Durchführung der Forsteinrichtung zeigen wird. Sollte sich im näch­sten Jahre ergeben, daß die Streichung der Asses­soren nachteilig wirke, so könne man ja die Stellen wieder in den Etat einftellen.

Abg. Weck 1 er (Ztr.) befürwortet eine Tren­nung der Aufgaben der Forstverwaltung und der Domänenverwaltung und wünscht, daß die Domäne,i den Landwirtschaftsämtern unterstellt würden.

Abg. A n g c r m e i c r (Komm.) stimmt den Sparmaßnahmen im wesentlichen zu, verlangt aber eine Erhöhung der Holzhauerlöhne.

Abg. Wolf (Bbd.) bringt verschiedene lokale Wünsche zum Forst- und Siedlungswesen vor.

Abg. Ritzel (Soz.) beklagt es, daß in ländlichen Kreisen so viel Nutzholz als Brenn­holz verbraucht wird. Die Forstverwaltung möchte hier aufklärend wirken. Man könne sehr wohl die Anschauung vertreten, daß die Amtsbezirke der Oberförster vergrößert werden könnten.

Abg. Dr. Greiner (Komm.) bezeichnet die Sparmaßnahmen als unzureichend. Der Red­ner verlangt, daß alle Oberförsterstellen auf den Inhaber bewilligt werden. Cs könnten Förster als Oberförsteausgebildet werden. Es fei nicht nötig, daß Oberförster eine akademische Bildung er­hielten. Man habe die Oberforftämter in Hessen abgeschafft, man könnte das ebenso gut mit den Oberförstereien tun.

Finanzminister Henrich entgegnet dem Vorredner, daß nach diesen Vorschlägen finan­ziell gar nichts gespart werde. Die Uebcrtra» gung der Domänen an die Landwirtschastsämter, wie sie Abg. Weckler wolle, wäre keine Erspar­nis; auch sei sie organisatorisch gar nicht durch­führbar. Die Streichung der Assessoren habe das Bedenken gegen sich, daß diese eingear­beiteten Kräfte, sich andere Stellen suchen wür­den; man solle, wenn eingespart werden müsse, wenigstens nicht an Stellen streichen.

Landforstmeister Hesse befürwortet eben­falls den Wunsch des Finanzminislers. daß nicht alle in dem Antrag vorgesehenen Assessorstellen gestrichen werden.

Um 1.30 Uhr werden die Verhandlungen abgebrochen und die nächste Sitzung auf Diens­tag 9.30 Uhr anberaumt

Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Berlin. 12. März. (WB.) Am 12. März tagte in Berlin die diesjährige ordentliche Mit- glieterberSammlung der Vereinigung der Deut­schen Arbeitgeberverbände. In der einleitenden Ansprache gab der Vorsitzende, Geheimrat Ernst v. Borsig, einen Ueberbluf über die Aufgaben ber Vereinigung. Er streifte hierbei auch die in den letzten Monaten gegen die Vereinigung er­hobenen Angriffe und erklärte, daß diese Vor­würfe sich höchstens gegen die Maßnahmen ein­zelner Beamten richten könnten, nicht aber gegen die Bereinigung selbst, die infolge ihrer Aufgaben immer der Kritik in besonderem Maße ausgesetzt sei. Der weitere Verlauf der Versammlung ge­staltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für ben demnächst ausscheidenden leckenden Geschäfts­führer Dr. Tänzle?, der 22 Jahre lang bic deutsche Arbeitgeberbewegung leitete und sie zu ihrer heutigen Bedeutung emporführte. Dr. Tänz- ler erstattete zum letztenmal den Geschäftsbericht und entwarf dabei ein Bild der deutschen Arbeit­geberbewegung. In seinen Ausführungen äußerte er sich über folgende Leitgedanken: Ausgleich zwischen sozialen Leistungen und wirtschaftlicher Möglichkeit, Ablehnung des Klassenkampfes, Ver­breitung von Verständnis für die wirtschaftliche Lage in den Parlamenten, größere Beweglichkeit und Anpassung der Gesetzgebung, Ablehnung jeder die Produktion hemmenden internationalen Bin­dung, vermehrte Rücksichtnahme auf die besondere Lage der deutschen Wirtschaft. Anschließend sprach dann noch Professor Rosen st ock-Breslau überMacht und Grenzen der Industrialisierung".

Kunst und Wissenschaft.

Geheimrat Rießer, frankfurter Ehrendoktor.

Dem Gründer des Zentralverbandes des Deut­schen Bank- und Bankiergewerbes Geh. Justizrat Professor Dr. jur. Jacob Rießer hat die Univer sität seiner Vaterstadt Frankfurt o. M. ehrenhalber Titel und Würde eines Doktors der Staatswissen­schaften verliehen.

Uraufführungen im Frankfurter Schauspielhaus.

Für das Frankfurter Schauspielhaus hat Intendant Weichert folgende Werke zur al­leinigen Uraufführung erworben: Klabunds neues SchauspielBrennende Erde" (Premiere im April), Kornfelds KomödieKilian" (Premiere Ende März), Paul Edmund Hahns KomödieKadebrechts Meineid" (Uraufführung April) und Georg Farquhars LustspielDie zwei Abenteurer" in der Uebersetzung von Zoff. Ferner wird am 13. März das SchauspielRe­gen" von John Colton und Clemence Ran - d o 1 p h zur Erstaufführung kommen.

Aus aller Wett.

Die großdeutsche Tagung in Wien.

Die grohdeutsche Studenten-Tagung in Wien fotzte ihre wissenschaftlichen Arbeiten fort. Im Mittelpunkt der Referate stand ein Vortrag des Vorsitzenden des Deutschen Schutzbundes in Ber­lin, Professor Dr. von Lösch, der eingehend Oesterreichs Stellung im Osten und die öster­reichische Eigenart in Bezug auf die kulturelle und wissenschaftliche Probleme behandelte. Zur Frage Republik und Monarchie betonte der Red­ner, daß diese Frage als nicht aktuell abge­lehnt werden müsse. Als weiterer Redner ver­breitete sich Universitätsprofessor Dr. Dauer- Wien über die kulturelle Stellung zwischen den beiden Ländern. Als letzter sprach Prof. Dr. Robert M ö k e l über die Reformen Oesteneichs in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung.

Die Wolgadeutschen und das Reich.

Zur Pflege der kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Republik der Wolga­deutschen bildete die Deutsche Gesell­schaft 3um Studium Osteuropas im Ein­verständnis mit dem Vorsitzenden des Wolgadeut­schen Volkskommissarenrats ein Komitee, das der Wolgadeutschen Sowjetrepublik in allen Fragen kulturellen Charakters zur Verfügung steht. §m besonderen wird das Komitee bestrebt sein, durch Vorträge und Veröffentlichungen in Deutschland aufklärend über die Wolgadeutsche «owietrepublik zu wirken, die Entsendung deutscher wisfenschaftlicher Kommissionen in die Wolga - republik vorzubereiten, den Plan der Entsendung deutscher Lehrer und anderer Sachverständiger in die deutsche Wolgarepublik zu bearbeiten, für hie Wolgadeutschen -Studierenden Vergünstigun­gen an den deutschen Hoch- und Mittelschulen.u erwirken und anderes mehr.

Die Identität Haus festgestellt.

Die Identität des in Tivoli bei Rom oufgefun- denen Toten mit Dr. Hau ist festgestellt worden. Es ist jedoch noch nicht erwiesen, aufwclche Weise Dr. Hau den Tod gefunden hat. Die Obduktion der Leiche führte zu dem Ergebnis, daß ein Schlag­anfall Vorgelegen hat. Es wird allerdings von den Aerzten auch die Möglichkeit zugegeben, daß oelbftmorb durch Vergiftung erfolgt ist.

Gegen die Qungerfünffkreplbemie.

Das Berliner Polizeipräsidium beabsichtigt, gegen das Ueberhandnehmen der Schaustellungen von Hungerkünstlern, das den Charakter von gro­bem Unfug anzunehmen droht, einzuschreiten. Vor allem soll das Auftreten von neuen Hunger­künstlern nicht mehr gestattet werden.

Schneestürme in Sübitalien.

Aus Tarent werden weitere schwere Stürme auf der Adria gemeldet, welche von starken Schneewehen begleitet werden. Der Vesuv ist mit Schnee bedeckt. Die Temperatur in Neapel ist stark gesunken. Aus Florenz wird be­richtet, daß weitere Erdstöße in Empoli und Castello Fiorentino die Bevölkerung stark be­unruhige.

Aus der Provinzialhauptftadt.

Gießen, den 13. März 1926.

März.

Ich weiß nicht, woher das kommt, aber Tatsache ist es: früher ging alles ordentlicher zu. Alles. Auch dos Wetter. Im Winter war Winter, im Sommer war Sommer. Ich hatte jedes Ding irgendwann und -wo seinen richtigen Platze Im März z. B. hatten die Marzoeilchen und die Märzbecher zu blühen, und dann blühten sie auch, aber heutzutage du liebe Güte! In einigen Gärten kann man ja ein paar zerzauste, schmutzige Schneeeglöckchen sehen, das ist aber auch so ziemlich alles; und an geschützten Stel­len gibt's jetzt schon einige grüne Blättchen, die man wirklich nur bedauern kann. Was sollen die von der Welt denken, auf die sie sich monatelang gefreut hatten! Als sie noch in ihren festen braunen Hüllen träumten, stieg der Saft krätig in den Zweigen herauf und erzählte den Knospen: ,Lhr ahnt ja gar nicht, wie schön es ist, sich zur Entfaltung zu brin­gen. Ihr druckt euch zusammen in euren zwei Wän­den und denkt, das ist das Leben. Sprengt die Hüllen, entfaltet euch, zeigt Form und Farbe! Wiegt euch im Jrühlingswind, seht über euch die Sonne am blauen Himmel und unter euch Schneeglöckchen, Veilchen, Märzkelche und Krokus erblühen, bald kom­men dann die ersten Schmetterlinge angeflogen ihr werdet staunen, nur mutig, entfaltet euch!" Und l'e entfalteten sich, von Sonnenstrahlen unterstützt, aber diese hielten sich nicht allzulange auf, Wolken vertrieben sie schnell wieder, und nun saßen sie da, die Blättchen, und wollten die Schönheit der Welk genießen. Sie fabyi nach oben: graue Wolken, ans denen es weinte. Sie sahen nach unten zu den ver­sprochenen Märzkelchen und Krokus; aber da stan- den nur ein paar zerzauste, zitternde grauweiße Din- ger.Sind S,e Schneeglöckchen?" fragten die Blöt- ter. "Leider ja, kam die Antwort,aber wir kennen uns selbst nicht wieder. All die anderen Jahre traten nur m Massen auf und läuteten den Frühling ein, wir zogen am liebsten in einer schönen, breiten Polo­naise um das Gartenbeet, und hinter dem Gitter gingen dann die Leiste vorbei und sagten:Wie ^'äend!" Und wir klingelten ganz leise mit unseren Glöckchen, das war das Zeichen für den Krokus, ans Lageslicht zu fommen. Aber bei diesen, Wet­ter! Man beschinutzt sich die Kleider, der Wind reißt st? in Fetzen, wir sind vollkommen heiser vor Er­kaltung und können nicht klingen", und sie schüttel-