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fceflert; dort, wo dies in größerem Ausmaß der Fall ist, werden wohl auch die Punkte hinkommen.

D. f. L. 1913 Bornheim, der am Sonntag den V. f. R. Wiesbaden 4:0 abfertigte, wird sich auch im zweiten Treffen geaen Hanau auf dem dortigen Platz die Punkte nicht nehmen lassen. Ob der Sieg aber ebenso hoch und leicht ausfällt, er­scheint angesichts der Leistungen der Hanauer Tur­ner in Gießen recht fraglich.

B. f. R. Wiesbaden har auf eigenem Platz die Turner Mörfeldens als Gegner. Auch hier läßt der Ausgang kaum einen Zweifel zu, denn Mörfeldens Mannschaft gilt als derart stabiler Ge«. ner, daß bei diesem Spiel wohl wieder das höchst« Resultat zu erwarten steht.

Die Zußballverlreter de» 3. Bezirks treten am Sonntag In Gießen zu einer außerorbHt- lich wicVigen Tagung zusammen, in per organisato­rische und technische Angelegenheiten beraten werden sollen.

Oderhessen.

Lanvkrcis Gießen.

4. Collar, 11. Rov. Dieser Sage wurden der^D a u st e r lche Basalt st einbruch am Lollarer Kopf und daS dazugehörige Klopf - werk an der Daubringer Straße wieder in Betrieb genommen, nachdem die Betriebsleitung vor etwa Monatsfrist das gesamte Werk wegen Unrentabilität hatte schließen müssen. Die Be­legschaft vvn 40 Mann wurde damals entlassen, nur ein Vorarbeiter und einige Hilfskräfte ver­richteten die notwendigen Jnstandsehungsarbeiten. Verhandlungen, die zwischen Arbeitgeber und -nehmer in -der Zwischenzeit gepflogen worden waren, hatten zu keinem befriedigenden Ergeb­nis für beide Teile geführt, so daß die Betriebs­leitung gezwungen war, nur solche Arbeiter, die mit ben vorgeschlagenen Akkordsätzen von etwa 50 Dsennig pro Stunde oinverstanden waren, zur Aroeit zuzulassen.

Beuern, 11. Nov. Am Dienstagabend hielt der Volksbildungsverein (eine dies- jährige Generalversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden, Lehrer Rau, ab. Rechner Arnold legte die Iahresrcchnung vor, die mit einem Ueberschuß von 24 Mk. abschloß. Rach dem vom Schriftführer Fuhr erstatteten Jahresbericht wurden im Geschäftsjahr 1925 26 im ganzen neun Dorträge gehalten. Als Abschluß des Geschäftsjahres unternahmen 20 Burschen und Mädchen unter Füh­rung von Lehrer Rau eine dreitägige Wanderung nach Thüringen. Da Lehrer Rau jetzt nach Klein- Linden versetzt wurde, legte er fein Amt als 1, Vor­sitzender nieder. Der 2. Vorsitzende widmete dem Scheidenden warme Worte der Anerkennung für seine vortreffliche Amtsführung. In Anerkennung und Würdigung seiner großen Verdienste um den Verein wurde er einstimmig zum Ehrenvor­sitzenden ernannt. Lehrer Rau dankte in be­wegten Worten für die Ehrung und versprach, den Verein auch weiter mit Rat und Tat zu unterstützen. Zum 1. Vorsitzenden wurde dann cand. jur. Karl Hermann einstimmig gewählt. Dieser Tage wurde unser Ort von Einbrechern heimgesucht. In drei verschiedenen Häusern wurden in ein und derselben Nacht Kellereinbrüche verübt. Den Dieben fielen Eier und Butter in die Hönde. Bis jetzt hat man von den Kerlen noch keine Spur.

Kreis Friedberg.

sf Friedberg, 11. Rov. Aach längerem schweren Leiden st a r b gestern hier einer der bedeutendsten Schulmänner Hessen-, Geh. Schul­rat Dr. Karl Karg. Der Verstorbene war vom Jahre 1914 an zehn Jahre lang Direktor des hiesigen Lehrerseminars bis zu dessen Umwand­lung zur Aufbauschule, und trat dann in den Ruhestand. Vorher leitete er zehn Jahre lang das Lehrerseminar in Alzey. Auch in den Jahren 1887 bis 1896 wirkte er schon als Lehrer an derselben Anstalt hier. Viele hessische Lehrer, die an den beiden Anstalten seine Schüler gewesen sind, werden sich mit Dankbarkeit des gütigen Lehrers erinnern, der ihnen stets ein Vorbild sein konnte und es verstand, sie für ihren zukünftigen Beruf zu begeistern und vorzubereiten. Die heutige Srgänzungswahl zur Indu­strie- und Handelskammer ergab Wiederwahl der beiden ausscheidenden Mit­glieder. Kommerzienrat Langsdorf und Dr. L. F e r t s ch - Langsdorf, der der Kammer feit

ihrem Bestehen angehört und seit längeren Jahren erster Vorsitzender ist, wurde mit 67 Stimmen ein- ! stimmig wiedergewählt. Fertsch erhielt 52 Stim­men, 14 Stimmen fielen auf Bankdirektor Groß.

Kreis Büdingen.

Aidda, 11. Rov. Die ehemaligen An- gehörigen der Hess. Dragoner-Regimen- ter 2 3 und 24 beabsichtigen die Gründung eines KreiSverein s. der sich mit der DenkmalSfrage befassen wird.

Fauerbach, 11. Aov. Bei der Feld- bereinigung unserer Gemarkung machen sich, wie in allem bergigen Gelände, größere Verfchleifungsarbeiten notwendig, die mit bedeutenden Erdbewegungen verbunden sind. Die für den Winter vorgesehenen Arbeiten, die mit etwa 8000 Mk veranschlagt sind, bieten Ar­beitern und kleinen Landwirten miserer Ge­meinde willkommene Verdienstmöglichketten.

Kreis Schotten. *

--Schotten, 11. Vvv. Um den zahlreichen Gemeinden unseres Kreises, die über Ge­meindewald verfügen. Rechnung zu tragen, wird in einer bevorstehenden Bürger- meisterversammlung Oberforstmeister Dr. Baader die Verwertung des Holzes und der Rebennutzungen von Gemeindnoaldungen behan­deln. Gleichzeitig sollen bei dieser Dersammlimg Motorfeuerspritzen praktisch vorgefuhrt werden um namentlich die größeren Gemeinden unseres' Kreises für die Anschaffung zu gewinnen.

Als sich im Vorjahr die Ausgaben der L an d- krankenkasse des Kreises von Monat zu Monat steigerten und eine weitere Erhöhung des Krankengeldes in greifbare Rähe gerückt war. entschloß man sich zur Anstellung eines Krankenkontrolleurs. Seit dieser Zeit haben sich die Ausgaben nicht nur nicht erhöht, sondern eine leichte Senkung erfahren, so daß die eingehenden Beiträge zur Deckung der Unkosten ausreichen.

-r- Gichelsachsen. 11. Rov. Der Deutsch- Amerikaner Karl Lind in Cleveland, dessen Wiege hier stand, stiftete dem Gesangverein ..Liederkranz" die Mittel zur Beschaf­fung einer Verein sfahne, deren Weihe im Juni stattfinden soll. Der Stifter wurde zum Ehrenmitglied des Vereitis ernannt.

Starkenburg.

WER. Rüsselsheim, 11. Rov. Mit dem Beginn der Arbeiten an der neuen Main- brücke zwischen RüfselSheim und Flörsheim soll nach einer Mitteilung von zuständiger Seite Mitte Februar zu rechnen sein. Zu diesem Zwecke ist soeben ein Arbeitsausschuß gebildet worden, dem Vertreter der beiden beteiligten Gemeinden, der Opelwerke, des Kreises Groß- Gerau und der beteiligten hessischen und preu­ßischen Regierungsbehörden angehörcn Haupt­zweck des Ausschusses wird die Vergcöung der Arbeiten und Rachprüfung der eingehenden Offerten fein.

Rheinhessen.

WSR. Mainz, 11. Rov. Die Leiche des seit drei Wochen vermißten Stadtbaumeisters Jos. H a s s i n g e r wurde heute vormittag bei St. Goar gelandet. Der Unglückliche ist, wie hier von Anfang an vermutet wurde, infolge Rervenzerrüttung in den Tod gegangen. Ein leitender Angestellter einer aus­wärtigen Großhandlung, die hier eine Nieder­lassung besitzt, hat seit längerer Zeit zum Scha­den seiner Firma größere Unterschleife begangen. Die Sache kam bei einer unvermuteten Revision ans Licht. Die Höhe der Summe steht noch nicht endgültig fest. Der Täter wurde fest- genommen.

Preußen.

Kreis Marburg.

Jl Marburg, 11. Rov. Wie von maß­gebender amtlicher Stelle berichtet wird, liegt zu den Gerüchten über ein ernstliches Auf­treten der Kinderlähmung im hiesigen Kreise kein Grund vor. Cs handelt sich nur um vereinzelte Erkrankungen, die immer vorkämen.

Dordeck, 11. Rov Der hier stationierte n Oberlandjäger Suchland wurde zum Land- i jäger meist er ernannt.

Kreis Löetzlar.

Ü Wetzlar, 11. Nov. Die moderne UintroicL i lung der Städte letzt leider auch ihre Axt an t so manche traut en WinkelundGähchen, wie sie gerade so alte Städte wie Weylar be- 1 sitzen. Manche Jugendennnervng, mancher Zau- > ber mittelalterlicher Bauweise muß der Reuzeit weichen. Das sehen wir hier wieder an dem im vollen Fluß befindlichen Ausbau der Türm­st r a ß e mit ihren einzigen noch stehenden Wahr­zeichen Altwetzlarer Stadtbefestigung, dem so­genannten Säuturm. Die alte, kaum drei Meter breite Straße zwischen JäckSburg und Säuturm mit ihrer alten moosbewachsenen hohen Straßenmauer wird auf mehr als das Doppelte erweitert und zum Teil tiefer gelegt. Die an­grenzende alte Butzbacher gaffe, durch die einst der falsche Kaiser Tile-Kolup zur Richt- ftätte geführt wurde, erhält einen Treppenaufstieg, der Säuturm selbst wird durchbrochen und dient künftig als Durchgang für den Bürgersteig. Wenn auch die ganze Anlage nach ihrer Fertigstellung sicher einen ausgezeich­neten neuzeitlichen Anblick gewähren wird, fo ist doch wieder ein altes Wetzlarer Bild zum Teil verschwunden im Strom mo­derner Stadtentwicklung. Aehnliches kann man in der Bahnhofstraße sehen. Hier ist man zur Zeit damit beschäftigt, den Fröhlich'schen Mühlgraben mit dem sogenannten Kum- p e n an der Brücke zuzuschütten. Auch hier ver­schwindet wieder ein alter Wasserlauf, der einst eine gutgehende Wollspinnerei mit Kraft ver­sorgte und ebenfalls eine Besonderheit im Bild unserer beiden Vorstädte war. Vor Jahren hat hier ein weiterer Wasserlauf, die kleine Woog, die sich zwischen Lahn und Langgafse hinschlängelte, zugeschüttet werden müssen, um, der Hochwasser­gefahr zu begegnen. Sicher ist auch hier der Ge­danke ein guter, denn der Mühlgraben hatte Ieine Berechtigung verloren und das Gelände kann unter Umständen sogar für Bauzwecke ver­wendet werden: aber nur schade, daß auch hier wieder das Bild von Grund aus verändert wird und die kommenden Geschlechter nicht mehr ge­wahr werden,was einstens war". Ein Gutes hat jedoch die Entwicklung unseres Strahen- baues in den letzten Jahren gebracht: Das alte schlechte Pflaster, durch das Wetzlar eine be- jonöere Berühmtheit erlangt hatte und das für die meisten Fremden zu einer Qual wurde, ist fast ganz verschwunden und hat einer guten Straßendecke Platz gemacht o

XX Krofdorf, 11. Nov. Die Bautätig­keit war in diesem Jahre hier im allgemeinen sehrrcge. Es sind wieder mehrere stattliche Woh­nungen entstanden. Dazu ist es unserm rührigen Turnverein gelungen, feine im August begon­nene Turnhalle noch unter Dach zu bringen. Das vom Konsumverein Gießen und Um­gegend erworbene Eckhaus kann nach gründlicher Renovierung seiner Bestimmung übergeben werden und trägt durch seinen äußeren Aufputz viel zur Verschönerung der Dorfstrahe bei. Trotzdem die alte Försterwohnung für Wohnungssuchende umgebaut wird, fehlt es in unserem großen Gemeinwesen noch immer an Wohnräumen. Die Geldknappheit ist nach wie vor der Hauptgrund, daß gar mancher kleine Mann nicht an eirjen Hausbau denken kann.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. M., 11. Nov. 9n der heutigen Sitzung der Stadtverordneten­versammlung wurde eine Entschließung ange­nommen, die den Magistrat ersucht, den Er­werbslosen für den kommenden Winter fol­gende Notstandszahlungen zu gewähren: a) verheirateten Erwerbslosen und Familienvätern für die Wintermonate monatlich einen Zentner Kar­toffeln, b) Brennmaterial im selben Umfang wie für die Klienten des Wohlfahrtsamtes, c) einen Bar­zuschuß für Erwerbslose über vier Wochen von 30 Mk., über 13 Wochen von 40 Mk., über 26 Wo­chen von 50 Mk. Für jedes Kind eine Zulage von 5 Mk. Ferner wird verlangt, daß die Wärme­hallen möglichst bald geöffnet werden. In letzter Zeit mehren sich die Anzeigen über in den hiesigen Warenhäusern verübte Taschen- d i e b st ä h l e in starker Weife. Vorwiegend werden diese Diebstähle an den Kassen, in den Auszügen und den Erfrischungsräumen, wo das Gedränge be­sonders groß ist, ausgeführt. Der 71jährige Stukkateur Paul geriet beim Nachhausekommen

mit einem Mitbewohner in einen Wortwechsel, in dessen Verlauf Paul seinem Gegner einen Messerstich in die Lunge bcibradjle, so daß dieser in schwerverletztem Zustande ins Hospital ein- geliefert werden mußte. Unbekannte Täter haben in der vergangenen Nacht in der Schillerstraße einen verwegenen Einbruchsdieb st ahl verübt. Ttit einem schweren Backstein zertrümmerten sie das Schaufenster der Firma Loren & C o,Zum Schmuckkasten", rafften große Teile der wertvollen Fensterauslage, hauptsächlich Gold- und Sil- berwaren, zusammen und entkamen. Ein 21jähriaer Bankbeamter, der zum Schaden eines Berliner Bankhatises 9 0 0 0 Mark unter­schlagen hat und damit flüchtig gegangen ist, konnte gestern von der hiesigen Polizei ermit­telt und dem Amtsgericht zugeführt werden.

WSN. Höchst a. M.. 11. Nov Nachdem die frühere Kriegsopfer st iftung der Höch­ster Farbwerke in Höhe von 515 000 Mark ein Opfer der Inflation geworden Ist, hat die hiesige Abteilung der I G.-Farben Industrie den noch vor- handenen kümmerlichen Rest der alten Stiftung mit neuem Kapital ausgestattet, wovon 10000 Mark zu Weihnachten zur Verteilung gelan­gen sollen.

Hessischer Landesausschutz für Leibesübungen.

Darmstadt, 11. Rov. Gestern trat Im Landtagsgebäude der vorläufige LandeSaus- fchuh zur Pflege und Förderung der Leibesübungen unter dem Vorsitz von Dr. Friedrich zusammen. Das LandeSamt für das Bildungswesen war durch Ministerialdirektor Urstadt und Direktor Hassinger vertreten. Ministerialdirettor Urstadt sprach sich für die endgültige Gründung des Ausschusses aus. Dr. Friedrich entwirf in einer Ansprache einen Plan für die künftige Tätigkeit de« Ausschusses, die im wesentlichen einen anregenden und be­ratenden Charakter häbe. Von Zeit zu Zeit sollten Tagungen veranstaltet werden mit Tor- trägen, in denen für die Idee der Pflege der Leibesübungen geworben werden soll. Cs soll besonderes Augenmerk auf die Gewinnung von Führern gelenkt und der Ausbau der Dildungs- anstalten für Turn- und Sportlehrer erstrebt werden. Ferner trat der Redner für die Ein­führung des obligatorischen Turnunterrichts in den Fortbildungsschulen und für den Schwimm- unterricht als Pflichtfach in allen Schulen ein. Rach Erstattung weiterer Referate und als Ab­schluß der Verbandlungen wurde eine Ent­schließung angenommen, in der verlangt wird, daß in dem nächsten Staatshaushalt wie­der die Mittel bereitgestellt werden für die Stelle eines Landesturninspektors. Ferner fand ein Vorschlag Annahme, daß ein von allen Landtagsfraktionen gebildeter Aus­schuß an den Tagungen des Landesausschusses zur Pflege und Förderung der Leibesübungen teilnehmen soll. Einer Reihe von Lei^ähen über die Aufgaben des Lan^esausschusses wurde zu- gestimmt. Hiernach seht sich der Landesbeirat aus neun Mitgliedern zusammen, die aus je zwei Vertretern der Sportverbände, der Turnerschaft und dem Arbeiter-Spvrtkartell gebildet werden, sowie aus einem Vertreter der Hochschule und je einem Vertreter der höheren Schulen und der Volksschulen. Die Wahlen des Vorstandes des Landesausschusses hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzender Dr. Friedrich: stellvertretender Vorsitzender Oberstudiendirektor Lauteschlä­ger: Schriftführer Professor Decker: stellver­tretender Schriftführer Lehrer Jmbescheid.

i Rundfunk-Programm

° des frankfurter Senders.

(Aus der »Radio-Umschau-.)

Samstag, 13. November:

ri 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde ber Jugend. 4.30 bis - 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Ouvertüren n von G. Rossini. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Leseftunde. n 6.45 bis 7.15 Uhr:Die Altersversicherung der An­gestellten", Vortrag von Annin GeßrOr. 7.15 bis

n 7.45 Uhr.Freie Bahn ber täglichen Turnstunde", n Vortrag von Geheimrat Dr. phil. Dr. mea. h. c. Sickinger, Stadtschulrat a. D. 8.15 Uhr: Vortrags- c abend Robert Koppel. Anschließenb bis 12.30 Uyr: n Tanzmusik.

Das grotze Würfelspiel.

(Markina Wilemar.)

Roman von Franz Lauer Kappus.

40 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Du mußt mir Zeit lassen, Bernhard Larsten." Liu Gedanke meldete sich. Gierig griff Julie danach. Vielleicht fährst du voraus." Sie erhob sich unb trat vor Carsten hin. Langsam strich sie ihm über die Wange.Ich weiß, was bu mir bietest. Und ich danke dir, daß du mir es bietest. Aber so von der Steift- weg: du wirst einsehen, daß das nicht geht."

Fest hielt Carsten ihre Hand.

Nur so von der Stelle weg," lächelte er bitter, nur so. Wenn ich einmal fort bin; nie sehe ich dich bann wieder. Alles ist dann aus, alles zu Ende."

Ich verspreche dir, Bernhard Carsten"

Versprechen," sagte Carsten und schüttelte sich, man kann vieles versprechen."

Aber Julie sah ihm scharf in die Augen.

Ernstlich verspreche ich dir, baß du von mir hörst." Zwei Sekunden blieb ihr Antlitz unbeweglich. Stockend sprach sie bann:Wahrscheinlich wirst du zufrieden sein." Klirrend sprang etwas in ihr ent- !,wei. War das schon zu viel? Vorsichtig wiederholte le deshalb:Wahrscheinlich, Bernhard Carsten. Ich «rauche Zeit."

Carsten drang nicht in sie.

Stumm und grübelnd saß er eine Weile. Dann stand er auf unb holte seine Brieftasche hervor.

Am besten: bu telegraphierst mir. Da ist die Adresse. Ich reise schon in den nächsten Tagen. Und Hier ist Geld, wenn du es brauchen solltest." Er erschrak vor den Blicken Julies. Feindselig stachen diese Blicke auf einmal.

.Danke", sagte Julie tonlos und griff nach den Scheinen. Ohne ein Wort geleitete sie Carsten zur Tür.

Eine halbe -stunde später fuhr ein Auto vor: Hutchinson war da.

Nicht genug staunen konnte Julie.

Doch Hutchinson lachte nur, daß alle Backen­zähne zu sehen waren.

Warum ist das verwunderlich?" fragte er. Neugierig spähte er durch die Räume.Ich bin wieder hier. Und bleibe wieder einige Monate." Seelennibig erhob er sich unb musterte die Einrich­

tung. Ungeniert ging er durch die Zimmer, bie er einmal bewohnt hatte.Alles in Ordnung", stellte er fest.Fünfhundert Mark, nicht wahr?"

Verblüfft fragte Julie:Sie wollen die sechs Zimmer wieder mieten?"

Warum nicht?" Aufs neue kreisten die Augen Hutchinsons.Wo ist Fräulein Lily übrigens? Ich hätte mit Fräuleiß Lily zu sprechen, dringend zu sprechen."

eie werden doch wissen, daß Lily in Aegypten filmt? In allen Zeitungen hat es gestanden. Gerade Sie sollten keine Ahnung haben, Mister Hutchin­son?^ Julie fühlte, wie ihr Herz laut pochte.

Man kann nicht alle Zeitungen lesen", sprach Hutchinson trocken.Unb wann kommt Fräulein Lily zurück?"

Julie hatte Mühe, ihre Erregung zu verbergen. Wann?" Sie tat, als erinnere sie sich nicht. Um» ftänblid) suchte sie nach einem Brief.Ende Mai ober Anfang Juni. Genau schreibt sie das nicht."

So warte ich bis Ende Mai", erklärte Hutchin­son.Unb bie Wohnung?"

Schon wollte Julie zugreisen. Nur nutzen würbe es, wenn man den Mann im Haufe hätte. Dennoch stand sie unschlüssig, die Hand am Kinn.

Leider kann ich jetzt nichts Bestimmtes lagen. Vielleicht telephonieren Sie morgen ober über­morgen."

Unb wenn ich fünfhunderifünfzig Mark be­zahle?" Abermals grinste Hutchinson mit dem gan­zen Gesicht.

Hellauf lachte Julie.Dann noch weniger." Schade", murmelte Hutchinson und empfahl sich.

XXX.

Zum legtenmal schritt Bernhard Carsten durch das Krankenhaus.

Erst waren es nur Direktor Kretzschmar unb Morell, bie mit ihm gingen. Aber je weiter er kam, um so mehr Menschen schlossen sich ihm an. Rasch hatte es sich herumgesprochen, baß es Carstens Ab- schledsbefuch war. Auf einmal hatten alle Zeit. Auf einmal waren die Kranken nicht mehr das wich­tigste. Auf einmal drängten Aerzte, Schwestern und Hauspersonal nur an ihn heran. Jeder hatte etwas zu sagen, etwas zu zeigen. Nicht alle waren mit dem neuen Regime einverstanden. Empfindlich machte sich bas Sparsystem fühlbar. Der zweite Röntgen­

apparat war abbestellt worden, die Koksvorräte sollten gestreckt werden, einem Dutzend kleiner An­gestellten drohte bie Entlassung, bessere Raumaus- nützung verlangte bie Zusammenlegung mehrerer Bureaus.

Hilstos stand Carsten in ber Gruppe. Erst ein Blick Morells erinnerte ihn daran, was er sagen wollte. Schwer und rollend brachte er es heraus. Alles würde mit der Zeit wieder besser werden. Auch in ber Ferne würbe er bas Krankenhaus nicht ver­gessen. Jeder Pfennig, ben er erübrigen konnte, sollte bem Krankenhaus zugute kommen. Noch hatte er ja biss und das zu erwarten. Aber die unsichere Wirtschaftslage mahnte zur Vorsicht.Die wenigen Sachwerte, die ich noch besitze, darf ich nicht auch verschleudern, alles muß feinen Weg gehen. Dop­pelt wird dann ber Nutzen fein."

Die Umstehenden nickten unb gaben sich zu- frieben.

Im Vestibül des Verwaltungsgebäudes sagte Doktor Kretzschmar einige warme Worte. Ein paar­mal hob er die Hand unb deutete auf bie weiße Marmortafel, bie in die Wand eingelassen war.

Aus heißen Augen starrte Carsten bie Tafel an. Nicht eine Silbe verstand er von bem lateinischen Tert. Aber in der Mitte prangte in großen, goldenen Buchstaben fein Name. An seinen bereinftigen Grabstein muhte Carsten denken, so fern unb zeit­los wirkte ber Marmor mit bem Namen, ben er durch fein armes, bedrängtes Leben schleppte. Im­mer wieder las er die zwei Worte. Wie aus allem Wirrlal herausaehoben, leuchtete da* Gold: unan­gefochten von Kampf unb Sturm, festlich verklärt, beinahe ewig.

Plötzlich wurde Carsten froh ums Herz.

Kurz sprach er seinen Dank, kräftig brückte er bie vielen Hände. Immer stiller wurde es in bem kühlen, dämmerigen Raum. Die Aerzte eilten auf ihre Abteilungen, bie Schwestern an ihre Kranken­betten. Auf steinernen Fliesen verhallten bie letzten Schritte. Nur Morell unb Martina stauben unbe­weglich.

Gehen wir in bie Sonne hinaus", jagte Car­sten, auf einmal wieder bedrückt.

Draußen blühte der Mai. In bunten Farben breiteten sich bie Beete. Fast über Nacht hatten bie weißen, violetten unb karmesinroten Petunien ihre Kelche geöffnet, lleppig wucherte bas Burzelkraut

dem Licht und der Wärme entgegen. Grüne unb purpurne Flecke säumten die blendenden Wege. Zar­ter, flimmernder Glast hing in der Luft.

Ungestört lief bas Leben weiter. Helle Aerzte- mäntel wehten vorüber, steife Schwesternhauben tauchten auf unb verschwanden, blaffe Patienten schritten zum Bad, in ben Zander-Saal, nach ben Laboratorien. Ein Zug schweigsamer Gestalten näherte sich von ber chirurgischen Abteilung. Weiß leuchteten bie frischen Verbände über Gesichtern, Händen unb Armen. Gleichgültig glitten bie Blicke von den drei Menschen ab.

Wie Sie sehen, geht es auch jo", sagte Morell und lächelte. Dann schaute er Carsten an.Ich freue mich, daß Sie zu diesem Entschluß gekommen sind. Bald wird alles, was Sie während des letzten Jah­res erlebt haben, wie ein garstiger Traum hinter Qbnen liegen." Mit einer Handbewegiing umfaßt« Morell alle bie GJebäube ringsum.Aber bas da: dieses Bild wirb bleiben. So schön kann es in Ita­lien gar nicht fein, als daß dieses Bild jemals ver­wischt würde."

Das denke auch ich", sprach Martina halb für sich.

Carsten nickte nur. Nach einer Weise sagte er: Am besten haben es freilich bie, bie hier arbeiten können. Oft unb oft habe ich Sie beide beneidet: Sie, Doktor Morell, unb auch Sie, Fräulein Martina. Beide sind Sie mit bem Herzen babei. Und beide sehen Sie Tag um Tatz, was unter Ihren Händen wird. Es muh ein schönes Gefühl fein, so mitten im Getriebe au wirken."

Morells Antlitz wies einen ironischen Zug.

3mmer haben es bie anberen besser, Herr Car­sten. Aber was mich betrifft: ich glaube nicht, daß ich hier alt werde. Die Verhältnisse sind mir zu eng."

Sie wollen fort?" fragte Martina unb wußte nicht, warum ihr auf einmal falt unb heiß wurde.

Auch Carsten blickte erstaunt.Was so» das heißen, Doktor Morell?"

Ja, ich will fort", sprach Morell, bie Augen niedergeschlagen.Wahrscheinlich wird es München fein. Das Allgemeine Krankenhaus wäre nicht ab­geneigt." Abermals lächelte er verhalten.Auch ich habe manches gelernt. Ich werde mich hüten, die Kunst ber Internisten jemals wieder in Zweifel zu ziehen."

(Fortsetzung folgt.)