bei denen die Bedürftigkeit des früheren Eigentümers und feine Unfähigkeit nachgewiesen ist, sein beschlagnahmtes Eigentum zurückzukaufen. Auch werden solche Besitzungen zurückgegeben, die von künstlerischem Wert sind, oder bei denen es sich um langjähriges Familieneigen- tum handelt. Der günstige Abschluß dieser schwierigen Verhandlungen erweckt gute Aussichten für das Zustandekommen des deutsch-italienischen Schiedsgerichtsvertrages.
Die MilitärKontrolle.
(Eigene Information des „Gieß. Anz.")
TEL 21. Berlin, 12. Rov. Der deutsche Botschafter in Paris. Herr v. H o e s ch, hat, wie schon kurz gemeldet, wieder eine Anterrrdung mit dem französischen Außenminister B r i a n d über die ALrustungsfrage gehabt. Die Häufigkeit solcher Besprechungen läßt erkennen, daß trotz Locarno und Bölierbundseintritt hier noch beträchtliche Schwierigkeiten einer Verständigung im Wege stehen. Mit aller Energie versucht die deutsche Regierung bis zur De- ^embertagung des Böllerbundrates wenigstens die Beseitigung der interalliierten Militärkontrolle zu erreichen. Eie hat hier aber leider immer noch erhebliche Widerstände bei den französischen Militärs, die bekanntlich einen großen Einfluß auf die Variier Regierung haben, zu überwinden. Auch die sogenannten „militärischen Verbände" muffen nach wie vor zur Rechtfertigung der Kontrolle herhalten. Man sieht in diesen Verbänden immer nocj die Organisation, aus der heraus eines Tages eine große Armee gewissermaßen aus dem Erdboden gestampft werden konnte, oder wenigstens tut man so, als ob man dies befürchtet. Reichswehr und Schutzpolizei würden so um ein Vielfaches verstärkt werden können. Man ist beinahe versucht, an dem von Herrn S.re^emann behaupteten guten Willen der Franzosen recht erheblich zu zweifeln, wenn sie immer wie. er mit so wenig stichhaltigen Gründen die Fortsetzung der Entwaffnungslontrolle und die Au, rech ter Haltung der Besatzung begründen.
Am kommenden Samstag wird die B o t s ch a f - tcrkonferenz eine Sitzung abhalten. In unter» richteten Kreisen glaubt man mcht, daß die Botschaf- terionferenz in ihrer Sitzung zu endgültigen Be- schlllsfen kommen wird.
Indessen konnte insofern an den maßgebenden Stellen eine Uebeceinstimmung erzielt werden, al. nach der Abberufung der interalliierten Kontrollkommission nicht ein ständiges Kontrollorgan des Völkerbundes eingerichtet werden soll. Das würde nicht nur dem deutschen Standpunkt entsprechen, sondern auch im Einklang mit dem Versailler Vertrag stehen. Be- kar.ntlich beabsichtigte Frankreich, Deutschland auch nach Aushebung der interalliierten Kontrolle ständig überwachen zu lassen. Man soll sich nun dahin geeinigt haben, daß die Kon- trolle nur von Fall zu Fall statiznfinden habe, wenn von einem Mitglied des Völkerbundes oder einem Nachbar Deutschlands die Aufmerk- famfeif des Völkerbuvdsrales auf Verfehlungen Deutschlands gelenkt werde, und der Rat mit Stimmcnelnheit der Anschauung bestrafe. daß
Verfehlungen zu befürchten seien.
In der Frage der Kontrolle der entmilitarisierten Zone gehen die Meinungen am weitesten auseinander. Dem französischen Standpunkt, daß nach der Räumung des Rheinlandes in der entmilitarisierten Zone ein ständiges Kontrollorgan bestehen bleiben müsse, lteht die Auffassung der englischen Kreise gegenüber, daß nurvon Zeit zu Zeit eine unangemeldete Kontrolle zu erfolgen hätte, die der Untersuchung gelte, ob Deutschland in der entmilitarisierten Zone keine militärischen Anlagen oder Organisationen unterhalte. England setzt sich besonders energisch für die Abberufung der interalliierten Kontrollkommission ein. Auch der Widerstand der französischen Militärs erscheint angesichts der englischen Haltung schwächer zu werden. Es wäre aber der- srühter Optimismus, glauben zu wollen, daß ' dieser bedeutungsvolle Fragenkomplex noch in diesem Jahre bereinigt wird. Es wird immer 1 deutlicher, daß man an amtlicher französischer r Stelle eine Derschleppungspolitik zu treiben sucht. Auf das bestimmteste wird in v unterrichteten Kreisen behauptet, daß Briand zögere, einer baldigen Rückkehr der Militär- kommission zuzustimmen, um sich nicht den Angriffen der französischen Rationalisten auszusetzen. Der Meinungsaustausch zwischen England und Frankreich über diese Fragen geht weiter.
Die französische Heeresreformvorkage.
Paris, 11. Rov. (WTD.) Kriegsminister P a i n I e t> 6 hat den Heeresausschüssen der Kammer und des Senates die Gesetzesvorlagen über die Heeresreform vorgelegt. Rach Havas bildet die nach Ailauf einer älebergangZzait einzufüh- rende einjährige Dienstzeit bei allgemeiner Dienstpflicht die Grundlage. Das Heer müsse in Friedenszeit in der Lage sein, nicht nur rasch mobilisiert werden zu können, sondern auch dem neuzubildenden Heere die notwendige Cadres zu liefern. Entsprechende Vorräte mühten in F.icdenszeiten ständig unterhalten werden, und zwar entsprechend den Lehren des letzten Krieges, unvergleichlich bet rächtlicher als im Juli 1914. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Europa würde eine Organisation, die irgeneine ' ihrer Pflichten nicht erfülle, ein Verrat an der Verteidigung des Landes sein. In der Auslassung wird dann noch die Frage gestellt: Genügt die einjährige Militärdienstzeit im Zusammenhänge mit den übrigen Mögl chkeiten, über die Frankreich verfügt, um alle Anforderungen zu erfüllen? Dre Reform macht die Unterhaltung von 106 000 Berufssoldaten, also 30 000 Berufssoldaten mehr als bisher, notwendig. Die Einberufung des Rekruten Im 21. Lebensjahr an Stelle des bisherigen 20. wird anempfohlen.
Dor einer Einigung im englischen Bergarbeiterkonflikt London. 11. Rov. (WB.) Die Versammlung der Bergarbeitrrdeleaierten hat beschlossen, dem Vollzugs rat des Dergar beiterverbandes unbegrenzte Doll m acht zur Fort- sehung der Verhandlungen mit der Regierung zu erteilen, um eine Beilegung deÄ Konfliktes zu erzielen. Dies heißt, daß der VollzugSrat auf der Basis von Distrittsabkommen ohne Vorbehalte Hinsicht! ich der Ar
beitszeit verhandeln kann, vorausgesetzt, daß gewisse, für ganz England gültige Garantien zugesichert werden. Der Dollzugsrat ist daraufhin mit Baldwin unD Churchill zu einer Besprechung zusammengetreten. Später hat sich noch der mit der Behandlung der Kohlenfrage betraute Kabinettsausschuh an dieser Besprechung beteiligt. Man hat Hoffnung, daß noch heute nacht ein provisorisches Abkommen erzielt werden wird
Die Spannung zwischen Rom und Belgrad.
Bclqrader Proteste gegen dieVerhaftung einesitalienischen Slowencnfüßrers.
Belgrad, 11. Rov. (WTD.) Die hier eingetroffenen Rachrichten, wonach der llowenische Abgeordnete des römischen Parlaments Dr. Wilfan verhaftet worden sei, haben hier eine außerordentliche Erregung hervorgerufen. Der Minister des Aeußern Rintschitsch wird interpelliert werden, ob die Regierung bereit sei, alle Schritte zu unternehmen, damit Wilfan s o - fort in Freiheit gesetzt werde. Die Demokraten werden eine Resolution unterbreiten, in der den italienischen Slowenen die Sympathien der Skupschtina ausgedrückt werden. Außerdem stellt die Resolution fest, daß das Dorgehen der Italiener gegen die Slowenen nicht Im Geiste der Freundschaft gehallen fei. Der Abgeordnete der Skupschtina Dr. Moser hat an das Sekretariat des Kongresses für die europäischen Minderheiten ein Protesttelegramm abgeschickt, da der Verhaftete Dr. Wilfan Präsident dieses Kongresses ist.
Deutscher Reichstag.
Die Wirtschaftspakte! zum Nachtrags- etat.
Berlin. 11. Rov. (V. D. Z.) Die allgemeine Aussprache über den Nachtragsetat wird fortgesetzt. Abg. Dr. Br e dt (W. Vgg.): Wir sind ganz allgemein feine Freunde von Rachtrags- etats. Wir erstreben den Zustand, daß der Etat so richtig aufgestellt wird, daß R a ch t r ä g e überflüssig werden. Mit der Sparsamkeits- politik, die sich im Abbau von Beamten des Reichs Finanzministeriums ausdrückt, ist der Plan des Ankaufs des „Kaiserhofs" schlecht vereinbar. Wir sind entschiedene Gegner dieses Planes. Wir sehen darin gewissermaßen einen symbolischen Akt der Tendenz, die wir bekämpfen: der Erweiterung des Behördenapparates auf Kosten der freien Wirtschaft. Die Erhebung der Lohnsteuer von den Beamtengehällern ist eine ganz über'lüssige Formalität. Man tonnte ebensogut die Gehälter von vornherein um 10 Prozent herabsetzen. Wir verlangen eine gründliche Re'orm im Veranlagungs- Wesen. Roch schlimmer ist es in den Gemeinden mit den Gr und- und Gewerbesteuern. 3m schärfsten Gegensatz stehen wir zu den staats- sozialistischen Gedanken, die der Reichsfinanzminister geäußert hat. Es kommt in erster Linie darauf an, die freie Wirts cha f t zu beleben. Die Ausführungen, die Reichskanzler Dr. Marx in Erfurt gegen die Wirtschaftspartei machte, müssen als höchst ungehörig zurückgewiesen werden, zumal der Kanzler sich nicht beklagen fann, daß wir ihm Schwierigkellen gemacht hätten, (Lebhafte Zustimmung bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Den Generalobersten v. Seeckt hätte man ruhig im Amt belassen können. Bei uns wird jede Kleinigkeit viel zu sehr aufgebauscht. Die Regierungsparteien haben in letzter Zeit so ungeschickt operiert, daß sie sich über die ganz unmöglichen Abstimmungsergebnisse nicht beklagen dürfen. Wir als Mittelstandpartei können sebr gut mit einer Arbeiterpartei zu- fammenaroeiten, aber wir werden immer daran festhalten, daß ein gesunder Mittelstand die Voraussetzung für ein gesundes Staatswesen ist. (Beifall bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.)
Abg. Kube (Völk.): Wir Völkischen haben nicht den mindesten Anlaß, uns des Herrn von Seeckt anzunehmen. Er hat 1923 unsere Bewegung genau so rücksichtslos verboten wie Severing. Dr. Gehler ist aber in keiner Weise berufen, sich als Hüter der Staatsautorität auf- Zuspielen. Er ist ein Mitglied jener Partei, die im allen Staat immer die Staatsautorität untergraben hat. (Unruhe. Abg. Bergsträßer (Dem.) erhält einen Ordnungsruf für den >fu uf: Dummkopf.) Philipp Scheidemann läßt sich für eine fünf- oder sechsjährige Bürgermeistertätigkeit von Kassel eine Pension von 20 000 Mk. zahlen, während jeder kleine Beamte erst nach zehnjähriger Dienstzeit pensions'ähig wird. Dr. D a v i d bezieht noch immer als Gesandter der deutschen Republik in Darmstadt ein Geßall von 14 500 Mk., für das er recht wenig zu tun hat.
Abg. Schmi d t <S:z.): Reichswehrmini,.e^ Dr. Gehler habe durch viele Handlungen und Hinterlassungen die Kritik der Sozialdemokraten herausgcfordert. Aber er habe wenigstens durch die Verabschiedung des Herrn v. Seeckt bekundet, daß die Staatsautorität sich auch gegen die Militärgewalt durch'eht. 3m Rachtragsetcll begrüßt der Redner die Maßnahmen zur De» lebung der Dau t ätigkei t. Aber auf die Dauer könne das System der Subventionierung! einzelner Industrie- und Wirtschaft«gruppen nicht fort gesetzt werden.
Weiterberatung Freitag.
Aus dem Steuerausschuß des Reichstags.
Berlin, 11. Rov. (DDZ.) Der (Steuer- ausschuh des Reichstages beschäftigte sich mit einem deutschnationalen Antrag, in dem die Reichsregierung ersucht wird, der ungeheuer schwierigen Lage der Landwirtschaft, die sich aus der Rotwendigkeit der Deckung eingegangener Wechselverbindlichtei: en ergibt, durch umfangreiche Stundung der jetzt fällig werdenden Steuerbeträge Rechnung zu tragen. Von der Reichsregierung wurde erklärt, daß angesichts der schwierigen Lage der Landwirtschaft und der Tatsachen, daß alle Vermögenssteuerbescheide noch nicht am 15. Rovem- ber zugestellt sein werden, eine Stundung unter Wegfall jeglicher Derzugsschäden oder Verzugs- zinsen bis zum 1. Januar 1927 im Versorgungswege durchgeführt würde. Ein Antrag der Bayerischen Volkspartei, in dem die Reichsregierung ersucht wird, daß der Reich sbewer- tungdbeirat zur ileberprüfung der von ihm vorgenommenen Bewertungen veranlaßt werden
möge, damit eine gleichmäßige, gerechte und den tatsächlichen Ertragsverhältnissen der Landwirtschaft Rechnung tragende Bewertung herbeigeführt wird, wurde zurückgezogen, nachdem die Regierung bekanntgegeben hatte, daß sie einen schriftlichen Bericht über biefe Frage vorlegen werde.
Kleine politische Nachrichten.
Die Räumung der Stadt Andernach durch die Franzosen, die vor etwa acht Tagen eingeleitet worden ist, ist nunmehr vollständig d u r ch geführt. Die Stadt ist vom Dezember 1918 an be- setzt gewesen.
Der Kronprinz von Belgien hat mit seiner Frau Brüssel verlassen, um sich nach den Ardennen und von dort nach der Schweiz zu begeben.
In der holländischen Zweiten Kammer wurde der Gesetzentwurf zur Ratifizierung des holländisch-belgischen Vertrags vom 3. August 1925 angenommen.
In Frankreich droht ein S t r e i k d e r Bell m t e n auszubrechen, die wiederholl Gehaltsaufbesserungen verlangten. In einer Entschließung stellten sie erneut ihre Forderungen auf und kündigen an, daß sie selbst vor einem Generalstreik im öffentlichen Dienst nicht zurückschrecken würden.
Kunst und Wissenschaft.
Die neuen Nobelpreisträger.
Wie aus Stockholm gemeldet wird, hat die schwedische Akademie der Wissenschaften be- schlosfen, den vom vorigen Jahre reservierten» Robelpreis für Physik zw schon den Professoren 3. Franck (Göttingen) und G. Hertz (Halle) zu teilen. Der Preis für 1926 für Physik wurde dem Professor 3ean Perrin (Paris) verliehen. Der vom vorigen 3ahre reservierte Robelpreis für Chemie wurde dem Professor für Chemie Zsigmond (Göttingen), der Chemiepreis für 1926 dem Professor an der ilni- versität älpsala 'The Svedberg verliehen. Der vom vorigen 3ahre reservierte Robelpreis für Literatur wurde an George Dernard Shaw, dem bekannten englischen Dichter, verliehen. Gleichzeitig hat die Akademie beschlossen, über den Literaturpreis von 1926 erst im nächsten 3ahre zu verfügen.
Aus aller Welt.
Vom Verein für das Deutschtum im Auslande.
-Unter besonders großer Beteiligung aus allen Landesverbänden des Reiches und aus Deutsch- Oesterreich hiell der Verein für das Deutschtum im Auslande Die Herbsttagung seines Hauptausschusses ab. zu der als Vertreter des Landesverbandes Oesterreich der Obmann des deutschen Schulvereins der Südmark, Dr. Groß und aus Danzig Senator Dr. Strunk erschienen. Rachdem der geschä'ts- führende Vorsitzende, Admiral S e e b o h m, Den Arbeitsbericht erstattet hatte, berichtee -ÜniDerfi» tätsprofessor Andre (Warburg) über das bisherige Ergebnis der vom Verein geforderten Bestrebungen zur Schaffung von Lehrstühlen für Pas Grenz- und Auslanddeutschtum an Den Hochschulen. Mehrere Sondersitzungen waren mit der Tagung verbunden. Die Wahl der Stadt Bonn als Tagungsort für die nächste Hauptversammlung wurde gebilligt.
60 Jahre Dakerländischer Frauenverein vom Roten kreuz.
In Anwesenbeit der früheren Kronprinzessin. die als Ehrenvorsitzende des Verbandes der Frauenvereine und als Vorsitzende des Schlesischen Provinzialverbandes vom Roten Kreuz erschienen war, fand in der Berliner Singakademie eine Fcstsitzuna aus Anlaß des 60jährigen Bestehens des Vaterländischen Frauenoereins vom Roten Kreuz statt. Für das Reichskobinett war Reichswehrminister Dr. Geßler, für Dps preußische Kabinett Finanzminister Dr. Schreiber erschienen.
Selbstmord eines BerurfeiUen.
Ein wegen vorsätzlicher Tötung se ner Ehefrau vorwiegend auf Grund von Indizienbeweisen vom Stettiner Dchwurg richt zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilter Arbeiter Zech erhängte sich in seiner Zelle. Ein Geständnis hat er nkht abgelegt.
Von Wölfen zerrissen.
3n K r e m s an der Donau wurden in einem Zirkus zwei Zirkusbedienstete beim Reinigen eines Wolfskäfigs von vier russischen Wölfen angefallen. Während der eine Bedienstete sich mit einer schweren Bißwunde am Schenkel noch in Sicherheit bringen konnte, wurde Der andere von Den wütenden Tieren Derart zerfleischt, Daß er trotz sofortiger Hilfe in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden muhte.
Schwerer Unfall in einem mährischen Eisenwerk.
3n Den Witkowitzer Eisenwerken sollte ein Trockenofen an Die Gasleitung angeschlossen werben Dem hiermit beauftragten Arbeiter fiel Die Gasmaske vom Kopf. Zwei seiner Arbeitsgenossen versuchten ihn zu retten, kamen aber bei Dem Versuche selbst ums Leben. Bei Den Rettungsarbeiten erlitten fünf weitere Arbeiter Gasvergiftungen.
Gold- und Silbererzlager in Italien.
Die Zeitungen bestätigen Die Entdeckung Deckung neuer Gold- und Silbererzlager bei ©iaüene in Den Cottischen Alpen. Die Ergebnisse Der Ausbeutung werden für Die Tonne Erz 33 bis 38 Gramm Gold und 23 bis 230 Gramm Silber sein. Die Beschaffenheit Des Bodens gestattet, gut eingerichtete Stollen in Den Serg hineinzutreiben und erleichtert die Ausbeutung Der Lager. Das Verhältnis des Feingoldes zum Srzgestein übersteigt selbst Dasjenige Der südafrikanischen Bergwerke.
Scheckbetrug.
Die Leipziger Flliale einer Deutschen Großbank ist von einem unbekannten Scheckschwindler um 60000 Schweizer Franken gebt e 111 worden. Der Schwindler präsentierte zwei Schecks über je 30 000 Schweizer Franken und erhielt das Geld ausoezahlt. Rach eingehender Prüfung Der Unterschriften stellte sich heraus, daß die beiden Schecks gefälscht sind.
2lus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, Den 12. Rovember 1926.
3n der Eile . . . .
Gerade ertönt _Da5 Signal zur Abfahrt des Zuges, als die Türe aufgerissen wird und sich ein Herr in mittleren 3ahren mit mittlerem Umfang keuchend in das Aftell hineinzappelt. Auf Den letzten freien Sitzplatz läßt er sich tiefauf- attnenD nieder und lächelnd die ihn tellnahms- voll und neugierig betrachtenden Mitreisenden freundlichst an. „Es hat gerade noch gereicht", sagt er triumphierend, sowie er genug Puste 5um Sprechen hat, und blickt auf Anerkennung wartend von einem zum anderen. Sein Gegenüber, ein modisch gekleidetes, überschlankes Herrchen, tut ihm Den Gefallen: „Famos haben Sie Das abge= paßt, eine halbe Minute später und..." „unD ich hätte mehr als Drei Stunden im Wartesaal totschlagen müssen! 3a, heutzutage muh man sich sputen können, jede Beweguirg muh wie aus Der Pistole geschossen sein, immer Tempo, Tempo!!" „3ch weih ja nicht," mischte sich eine ältere Dame ein, „ob solch eine Hetzjagd wirklich etwas so Erstrebenswertes ist, sie geht auf Die Rerven und zudem kann man in übermäßiger Elle allerhand Ungeschicktes anrichten. 3ch habe immer das Wort „Eile ist unvornehm" beherzigt und bin stets gut mit Ruhe und äleber^egung zurecht gekommen. Rur einmal hatte ich mich Umstände halber plötzlich zu einer Reise entschlossen und war Hals über Kopf in einem Rachtschnellzug abgefahren, und als ich mich am anderen Morgen am Ziel meiner Zeise glaubte, war ich in Hamburg statt in Basel!!" — „Run, Hamburg ist eine sehenswerte Stadt" schmunzcL Der alte Herr mit Dem langen, grauen Bart, „wirklich sehenswert! Hoffentlich haben Sie 3hren Aufenthalt dort gut ausgenutzt!?" — „O gewiß, ich habe damals in größter Ruhe sämtliche Tische unD Stühle im Wartesaal gezählt, die mehr oder weniger aufmerksame Arbeit der Kellner kontrolliert und festgestellt, daß Reisende mit Hunden mehr verzehren als solche ohne!"
„Fabelhaft interessant," staunt das elegante Herrchen, „und Diese Statistik nur infolge zu großer Eile! Wenn ich keine Zeit habe, ich muß gestehen, daß Das leider sehr oft vorkommt, wirkt sich Das immer ganz anDers aus. Alles, was ich in Die Hand nehme, ist Dann wie von einem Schabernacksteufel besessen und foppt mich: Die Schnürbänder reißen, die Knöpfe fliegen nur so vom Anzug, Hemdenknöpfchen haben Die fatale Angewohnheit, sich in Die hinterste Zimmerecke zü verkriechen, mein Kaffee bemüht sich, ein möglichst originelles Muster auf mein Vorhemd zu zaubern und wenn ich glücklich meine Wohnung verlassen habe, sind mindestens die Hälfte der Gegenstände, die ich unter Garantie in meine Tasche einpackte, daheim liegen geblieben!"
„Paaah!" macht ein schneidiger, junger Mann, dem man schon von weitem den gewesenen Corps studenten ansieht, sehr geringschätzig, „DaS sind doch alles lächerliche Kleinigkeiten! Aber mich hätte die Elle beinahe das Leben gekostet!" — „Mein Gott, wie entsetzlich." haucht die ältere Dame mit seelendollem Augenaufschlag, „Straßenbahn oder Auto?" — „Keins von beiden, Die Sache verhielt sich folgendermaßen: 3ch hatte damals Ehrenschulden und bat meine sehr vermögende Erbtante mit zärtlichen und dringenden Worten in einem Eilbrief um die nötige Summe. Gleichzeitig schickte ich einen Eilbrief an meine bet der Tante lebenden Cousine, in dem ich sie bat, das alte Möbel in meinem Sinne m beeinflussen. UnD in Der Eile verwechselte ich Die Umschläge... Hätte meine Cousine nicht so viel für mich übrig gehabt und ihre ganze Redekunst für mich in Bewegung gesetzt, um das Herz des alten Möbels zu rühren, hätte mich Die Eile durch Die Verwechslung das Geben gekostet!"
„Furchtbar", stößt Die ältere Dame hervor. Der Blick, mit Dem sie Den Studenten a. D. mißt, sagt ihm deutlich, daß ihr Mitgefühl keineswegs seinem beinahe erfolgten Ableben gilt, sondern Der burschikosen Bezeichnung für Die ausgenutzte Erbtante.
Der graubärtige Herr fängt plötzlich an, laut zu lachen. Verwundert sehen ihn die Mitreisenden an. „Mir ist eben auch ein Kapitel zur Elle eingefallen. Der beste Freund meines Sohnes ist ebenso sparsam wie profitlich. Gr geht leidenschaftlich gern ins Theater, aber nur, wenn er recht vorteilhaft zu Eintrittskarten kommt. Vor einem Vierteljahr hatte ihm ein Bekannter seinen Abonnementsplatz zur Verfügung gestellt. Karl, von der Gratiskarle höchlichst erbaut, speist ihr zu Ehren ausnahmsweise in einem kleinen Restaurant zu Rächt, ist sehr knapp mit der Zett, gibt Dem Ober einen Zehnmarkschein zum Wechseln unD stürzt aus dem Lokal, ehe der Kellner mit Dem Wechselgeld zurück ist. Das fällt ihm erst in Der großen Pause ein, als er aber nach Theaterschluß die Neine Wirtschaft aufsucht, kann sich Der Ober auf nichts besinnen. — Einige Wochen darauf wird ein Drama seines Lieb- lingsdichters gespielt. Kurz vor Beginn der Vorstellung rast er zur Kasse. Da knetet ihm ein Herr für einen Spottpreis einen schönen Rangplatz an. Karl fährt in seiner Freude und Eile in sämtlichen Taschen herum und erwirbt das Dillet. Auf seinem Platz stellt er zu seinem grenzenlosen Erstaunen fest, daß er einen in der Westentasche verwahrten Geldschein irgendwie mit herausgewühlt hat. Damit waren „nur“ zehn Mark fort! „Hahaha, das waren billige Theatervorstellungen," lacht Der im letzten Augcmbllck in Den Zug geraste Herr in Den mittleren 3ahren mit Dem mittleren Umfang, „sich zu eilen, muh man Oer ft eben! 3ch habe es,: weiß Gott, immer sehr eilig, — meinen Sie, ich hätte schon mal was vergessen oder gar verloren?! Das gibt es einfach bei mir gar nicht!!"
„Bitte, die Fahrkarten, meine Herrschaften", sagt in diesem Augenblick der Schaffner. Alle reichen ihm die Karten, nur der Herr in den mittleren Jahren sucht ebenso ausdauernd wie erfolglos in sämtlichen Taschen seines Anzugs. Schließlich stöhnt er faffungs- los: „Ich muß die Karte verloren haben, oorbin, als ich nach dem Zug lief!" — „Tut mir' leid," sagt der Schaffner, ohne indessen Mitleid zu haben, „bann müssen Sie halt die Strecke nachlösen!" — „2lber ich habe doch eine Starte gehabt!" — „Dann zeigen Sie sie her oder zahlen Sie!" — ,Lch zahle!" klingt es erbittert, und der Herr greift nach der Börse. Aber er findet sie ebenso wenig in seinen vielen Taschen, wie vorher die Fahrkarte. Puterrot im Gesicht stößt er schließlich hervor: .Heute habe ich zum erstenmal in meinwn Leben meine Geldbörse vergessen.'" — „Die Karte verloren, die Börse vergessen, vorhin sagten Sie doch . . prüftet der Student a. D. Das Gesicht.des andern wurde lang und immer länger und — bann erfuhr auf der nächsten Station seine Reise eine programm- widrige Unterbrechung. Tacho.


