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die ein Hintertürchen in den Deschränkungs- dekreten suchen, gewiß muh man die Unterbin­dung der Kritik in Rechnung stellen, wenn man nach Zeichen der Zufriedenheit oder Unzufrieden­heit im Gesicht des Volkes sucht, aber im all» gemeinen hat man doch das drängende Gefühl, vor dem italienischen Volk den Hut ziehen zu sollen.Die Heilmittel," meinte Mussolini zu einem Journalisten,welche für die Wiederher- fteTIung der Handelsbilanz und der Valuta notig sind, mögen manchen Schaden bringen und eini­gen Bevölkerungskreisen lästig fein, aber es ist besser, wenn eine Minderheit leidet, statt die ganze Ration. Wenn bei einem Sturm der Kapitän das Gepäck der Passagiere über Bord werfen läßt, um das Schiff zu erleichtern, so werden die Eigentümer nicht protestieren, weil sie wissen, dah ihr augenblickliches Opfer ihnen und allen zum Vorteil gereicht. Ich weih, dah die Italiener auch zehn Stunden gearbeitet hät­ten, wenn ich es verlangt hätte, denn sie haben erkannt, dah es sich nicht um eine Regierungs­laune, sondern um eine nationale Rotwendigkeit handelt."

Wer unbefangen urteilt, muh zugeben, dah Mussolini damit eine Wahrheit ausspricht. Das tuschelndeGeld her, Vaterland ist Rebenfache" hört man nicht mehr. Es ist, als fei die Politik ausgeschaltet wie in einem guten Heer, ausge­schattet sogar die Lust zur Kritik, die dem Italiener doch angeblich im Blute steckt. Er fühlt sich heute als Soldat, fragt nicht mehr nach dem Warum. Der Staat hat befohlen, das Volk gehorcht.

Oberhesien.

Landkreis Gießen.

T Grünberg, 10. Juli. Die bis jetzt ein­gebrachte Heuernte ist von guter Qualität, und auch in der Menge ist sie recht reichlich ausgefallen. Rur noch einiger Tage schönes Wet­ter hätte es bedurft, um die Ernte vollständig zu beenden. Der Raps ist bereits geerntet; er hat quantitativ ein? Ergebnis gebracht, wie es in den bisherigen Jahren nicht erzielt wurde. Die Kartoffeln stehen recht gut. überall hat die Blüte eingesetzt. Bei der Winter - und Som­me r f r u ch t hat die günstige Witterung über­raschend gut eingewirkt; besonders ist das beim Weizen zu beobachten, der in bester Fülle dasteht. Einen guten Stand weifen aber auch Gerste und Hafer auf. Der Landmann in unserer Gegend kann, wenn keine ilntoetter dazwischen kommen, dem Ausfall der Ernte mit frohen Hoffnungen entgegensetzen. Dagegen gibt es in diesem Jahre nur wenig Aepfel.

Kreis Friedberg.

* Steinfurth. 10. Juli. Dem hiesigen Pfarrer Adolf W e d wurde die evangelische Pfarrstelle in Ober-Eschbach. Dekanat Rodheim, übertragen.

Kreis Büdingen.

? Aus dem Riddatal, 10. Juli. Im Gemüsegarten sind in diesem Jahre Boh­nen und Gurken die Schmerzenskinder der Hausfrau. Sie verkümmerten in der Rässe, gingen nicht auf oder wurden von den Schnecken abgefressen. Rur ganz vereinzelt auf durchlässigem Boden findet man sie gut entwickelt. Rauhere Bohnensorten erwiesen sich als wider­standsfähiger und versprechen guten Ertrag. Sie werden aber mehr im hoher gelegenen Teil des Vogelsberges angebaut, wo das Anpflanzen här­terer Sorten sich als aussichtslos erweist. Die ersten Himbeeren werden eben in den Wal­dungen gepflückt. Es müffeit aber nach weite Wege zurückgelegt werden, bis die Gefäße gefüllt find. Bei sonnigwarmen Tagen gelangten die gut ent­wickelten Früchte schnell zur Reife.

Kreis Schotten.

Schot ten, 10. Juli. Eine Anregung, dem Beispiele von Alsfeld und Schlitz zu folgen und hier ein Heimatmuseum ins Geben zu rufen, findet überall Zustimmung. Mit der Verwirklichung dieses Gedankens wären die zahlreichen in Stadt- und PrivaLbesih be­findlichen Altertümer vor das Auge der Oeffent- lichkeit gestellt. Vielleicht birgt auch die nähere und weitere Umgebung der Stadt noch manches wertvolle Erinnerungsstück aus vergangener Zeit, das dem Museum einöerleibt werden konnte. Geplant ist. den unteren Rathaussaal,

Reiferegeln aus alter Zeit.

Die kleinen Döllerwanderungen, die jetzt all­jährlich in der Reisezeit fast auf der ganzen Welt angetreten werden, sind nur dadurch mög­lich geworden, dah uns das Reisen so leicht ge­macht wird. Eisenbahnen, Kraftwagen, ja Flug­zeuge bieten jede nur mögliche Bequemlichkeit und Sicherheit, Reisebureaus nehmen uns alle Mühen der Vorbereitung ab. Roch vor 100 Jahren war das vollkommen anders; noch damals war jede Reise ein langwieriges, gefährliches und kühnes -Unternehmen, das wohl erwogen und vorbereitet sein wollte, und je weiter wir in der neueren Geschichte zurückgehen, desto gröbere Hemmungen stellen sich den Reisen entgegen. Man entschloß sich daher natürlich nur bei dring­lichem Anlah. solch abenteuerreiche Fahrt an­zutreten, und eine hohe Obrigkeit verbot sogar nicht dringend notwendige Reisen, weil man das für einen übertriebenen und übermütigen LuxuS hielt. Erst seit der Renaissance treten große Persönlichkeiten, die den Anschauungen ihrer Zeit vorauseilen, für den Wert der Reisen ein. so schon Petrarca, dann Leonardo und der Eng­länder Bacon, der eine besonders eindrucksvolle Empfehlung des Reisens verfaßt hat. Aber auch bei diesen erleuchteten Geistern wird nirgends das Vergnügen solcher Wanderungen, die Keude am Reisen in den Vordergrund gestellt, sondern das Reisen wird nur zur Erlangung einer höheren Bildung empfohlen. So wird dieKava­liertour", die die jungen Edelleute unternehmen muhten, im 17. Jahrhundert zum eisernen Be- standtell der aristokratischen Erziehung, und im Zusammenhang damit entwickelt sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts eine neue Literatur­gattung von derReisekunst". Die lateinischen Werke des Italieners Grataroli, der den Rei­senden zu Schiff und Wagen, zu Roh und zu Fuß Auskunft gibt, Piotorius und Zwinger so­wie der besonderszur Erlangung des guten ^ons" geschriebene Reifetraktat des Thomas Er- penius find die ersten dieser vielbenuhtenApo- bemiEen". Erpenius teilt fein Handbuch in vier Abschnitte:Vom Reiseplan",Vom Beobachten" lieber das Mitnehmen von Büchern",Vom

s sind an

Herzen dankt.

0 Lehrbach, 10. Juli. Bei der kürzlich vorgenommenen Ergänzungswahl des hie­sigen Kirchenvorstandcs wurden Wilhelm Liehr. Ludwig Pimper und Otto Steih gewählt. Aach der Entscheidung des Dekanats- ... .. . ... ----- für den

ausschusses ist ihre Amtseinführung 22. August in Aussicht genommen. E, diesem Sonntag 30 Iah re her, dah unsere Kirche eingeweiht wurde. Wie dieser Sonntag vor 30 3afjten ein Ereignis bildete, so dürfte er auch jetzt wieder für die Gemeinde ein Anlaß werden, sich auf das kostbare Gut einer schonen Kirche erneut und nachdrücklich zu besinnen.

der zur Zeit nicht benutzt wird, dem gedachten! Zwecke dienstbar zu machen. Der Stadtvorstand wird sich demnächst mit dieser Angelegenheit befassen und jedenfalls auch die geldlichen Mittel zur Verfügung stellen, um den Raum bestim- inungsgemäh herzurtchten und auszustatten.

Obwohl von dem Kreistag die Mittel zur Beschaffung eines Dienstautos be­reitgestellt waren, hat das K r e i s a m t vor­läufig auf diese Anschaffung verzichtet. Eine Gegenüberstellung des seitherigen Kosten­aufwands für Dienstreisen mit dem durch das Halten eines eigenen Wagens notwendig wer­denden hat ergeben, dah bedeutende Mehrkosten für die Zukunft erforderlich wären. Aus diesem Grunde will man sich auch weiterhin bei Dienst­reisen der Bahn, des Post- und Mietautos bedienen.

Kreis Alsseld.

-er. Homberg a. d. Ohm, 10. Juli. Gestern abend gab dieHamburgische Vereiniaung zur Pflege alter Kirchenmusik" in unserem Gottes­haus e eine musikalische Feier st und e. Der erste Teil der Beranstaltung brachte prächtige Chöre alter Kirchenmusiker, die wundervoll zu Ge­hör gebracht wurden. Den zweiten Teil füllte die meisterhafte Wiedergabe der k^-Dur-Messe von Mo­zart aus. Die Künstler boten ihren Zuhörern eine wunderbare Erbauungsstunde, die man ihnen von

Starkenburg.

0 Darmstadt, 10. Juli. In Reichenbach i. O. fand eine gut besuchte Versammlung statt, die sich mit der Frage des Bahnbaues Bensheim- Lindenfels beschäftigte. Anwesend waren die Vertreter der beteiligten Städte und Gemeinden, die Mitglieder des erweiterten Arbeitsausschusses und eine Anzahl sonstiger Interessenten. Es wurde fol­gende Entschließung gefaßt, die der Regierung mit­geteilt werden soll:Die in Reichenbach tagende Versammlung aller Interessenten des Lautertales und Umgebung von Bensheim bis Lindenfels er­klären nochmals einmütig, daß die Bahnver­bindung Bensheim Lindenfels un> bedingt notwendig ist. Die in dem genann­ten Tale vereinigten Gemeinden, Industrien, Kauf­leute, Landwirte, Gewerbetreibenden und Arbeiter erblicken in jeder Verzögerung des Bahnbaues eine schwere Schädigung der wirtschaftlichen und Lebens- Interessen aller Bewohner. Die Entwicklungsmög­lichkeiten eines zukunftsreichen Landesteils unseres Hessenlandes werden geradezu mit Gewalt unter­bunden. Die Gemeinden sind dafür bereit trotz eige­ner wirtschaftlicher Röte, im Hinblick auf die ge­nannten Notwendigkeiten jedes irgendwie tragbare Opfer zu bringen, und sie sind entschlossen, den Bahnbau in eigene Hände z u nehmen. Die Versammlung erhofft als selbstverständlich das unbedingte Eintreten der Regierung und des Land­tags und erwartet daher finanzielle Unterstützung."

WSR. Offenbach a. M, 10. Juli. Ein 17jähriger junger Mann kaufte in einer Gier- groß Handlung billige Fleckeier, die er dann an verschiedene Hausfrauen Weiterver­kauf te unter bet Vorspiegelung, er sei aus Bayern und verkaufe auslieberständenbilliger. Die Polizei hat sich seiner Geschäftstüchtigkeit angenommen.

Preußen.

Unglücksfall oder Verbrechen?

WSR. Limburg. 10. Juli. Am Rach­mittag des 28. Juni ist die 19 Jahre alte Min na Schulz aus Reukölln, wie gemeldet, bei Limburg in der Lahn ertrunken. Ihr 'Begleiter, der Hausdiener Karl K n i s p e l aus Reukölln, der mit ihr in einem Paddelboot ge­fahren war, gab an, die Schulz sei zum Baden in die Lahn gesprungen, während er sich am ilfer befand, es läge also ein ^lnglücksfall vor. Lesen und Studieren während der Reise". Man sieht schon aus diesen Aeberschriften, daß das einzige Ziel der Reise in der Vermehrung der Kenntnisse erblickt wurde. Solche in Schweins­leder gebunbene dicke Wälzer, die man auf der ^eise mit sich führen wollte, sind gar viele verfaßt worden. Selbst Leibniz, der große Philosoph, vQt seine Reifeerfahrungen anderen mitgeteilt, der Physiker von Tschirnhauß gabAnweisungen zur Reiseklugheit", und noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts las Schlözer in Göttingen seinen StudentenReisecollegia".

Das wichtigste dieser Reisehandbücher und auch das erste, das allgemeineren Einfluß er- taugte, war des Topographen Martin Zeiller Fldus Achates oder getreuer Reisegefährt" von 1651. Einige Reiseregeln aus diesem Baedeker des 17. Jahrhunderts seien hier weniger zu Ruh und Frommen, als zunr Vergnügen unserer so ganz andersartigen Zeit mitgeteilt.Wer emes guten starken Leibes, auch nicht zu alt noch zu jung ist", schreibt Zeiller,der mag sich wohlgemut auf die Reise machen. Aber ehe er abrerst, hole er erst guten Rat bei Verwandten der verständigen und gelehrten Leuten, besonders aber bet solchen, die früher schon eine Reise Oemacht haben." Er soll fleißig in Reisebüchern tejen, llch durch Schwimmen und tägliche Spa- ztergange üben, damit er nichtauf dem Wege ^hege, oder Blasen an den Füßen bekomme". Etwas Kochen muß der Reisende ebenfalls kön­nen,auf daß wenn er in eine schlechte Her- berge kommt, ehe er sich durch übet zugerichtetej Spetsen etne Krankheit an den Hals esse, er [cjft zur Küche sehe möge. Sehr ausführ- Heg stnd die Angaben über das. was man mit- nehmen soll. Als dasnötigste" empfiehlt er etn Gebet- und Gesangbuch, bannein geschmei- btgeg Stammbüchlein", da ja die Eintragungen berühmter Persotten die kostbarste Erinnerung an Die Reise bildeten; des weiteren werden u a genannt.Ein Perspektiv ober Fernglas item Augenbrlllen wider den Staub ein Spiegel, Kretde, Räucher- und Wachskerze ein Vetschast. so aber wohl zu bewahren, ein Messer samt Gäbelein. ein Kamm, ein Eßlöffel Ohr- lbsfletn, Zahnstörer. Kompaß. Sonnenweiser usw " Äetn Reisender soll sich ohne Waffen auf den

Die von der Staatsanwaltschaft angeftclfte» Er­mittlungen haben Verdachtsmomente ge­gen Knispel ergeben, die zu seiner Ver­haftung geführt haben. Die S ch ü l z hatte, wie mitgeteilt wird, in dem Geschäft, in dem sie war, 5 00 Mark unterschlagen, womit sie mit K. nach Limburg fuhr. Bei der Ver­haftung führte K. einen Teil dieses Betrages noch bei sich. Ferner ist festgestellt, daß die Sch. nicht gebadet hat. da sie nicht schwimmen konnte, und daß sie ihre Leibwäsche trug und kei­nen Badeanzug. Der Tod ist auch, wie die Sezierung ergab, nicht infolge rascher Abküh­lung, sondern durch Ertrinken erfolgt. Wenn die Darstellung Knispels richtig wäre, dann hätte das Mädchen Selbstmord begangen, im andern Falle besteht die Möglichkeit, daß Knispel die Schulz durch Ertränken ermordet hat.

Schweres Unweiter im Kreise Kirchhain.

sch. M a r b u r g, 10. Juli. Zwei schwere Gewitter, die gestern über dem Kreis Kirch­hain heraufzogen, entluden sich gegen 6 Ahr abends mit Hagel und wolkenbrucharti- g e m R e g e n, besonders über den Dörfern Erks­dorf und Speckswinkel. In kurzer Zeit hatte das ilntoetter gewaltige Wasfer­massen herbeigeführt, die beide Dörfer st a r k ü b e r s ch w e m m t e n. Das Wasser drang teilweise in die Wohnungen und Ställe ein, so dah diese geräumt werden muhten. Durch Was­sermengen aus dem Allendorfer Grund wurde die Straße zwischen Erksdorf und Speckswinkel völlig unterwühlt und aufgerissen und für jeglichen Verkehr unpassierbar gemacht. Dor dem Dorfe Wolferode ist die Straße in einer Ausdehnung von zirka 300 Meter mit einem Wasser stand von wenigstens >Meter Hohe überflutet. Der Schaden in den Feld­fluren ist ganz erheblich, starke Bäume wur­den unterspült und stürzten um, das Getreide liegt wie gewalzt am Boden. In der Rähe von Speckswinkel wurden eine Frau und ihre Tochter durch einen Blitzstrahl betäubt.

In Marburg ging heute nachmittag ein Gewitter nieder, das abermals der stark angeschwollenen Lahn neue Wasser­mass e n zuführte. Bei den Lahnregulierungs­arbeiten in Fronhausen besteht die Gefahr, daß sie durch Hochwasser zunichte gemacht wer­den.

Schweres Unwetter im Taunus.

WSR. Ufingen, 11. Juli. Die hiesige Gegend wurde am Freitag abermals von einem schweren Unwetter heimgesucht. Mittags gegen 2 Uhr entlud sich ein Gewitter, dem schwere w olkenbruch a r t ige Rieder ­schläge folgten. Von den hochgelegenen Feldern und Wäldern zwischen Ufingen und den umliegen­den Ortschaften strömten große Wassermengen ins Tal, und bald war die sonst so friedliche U f a in einen reißenden Gebirgsbach verwandelt. In den niedrig gelegenen Stadtteilen drang das Wasser in die Keller ein, so daß die Feuerwehr während des ganzen Rachmittags mit dem Aus­pumpen der Keller und Wohnungen beschäftigt war. Im nahen Eschbach traten gleichfalls Ueberfhrtungen in Kellern und Ställen ein.

Kreis Wetzlar.

ie. Nauborn, 10. Juli. Der hiesige Män­ne r g e s a n g o e r e i nC ä c i l i a" errang bei einem großen Wertungssinaen deutscher Männerchöre, das gelegentlich der Hundertjahrfeier des Koblenzer MännergesangoereinsSt. Castor" in Koblenz stattfand, im Klassen- wie im Ehren­fingen hervorragende Preise und imhöch­sten Ehrensingen" der Abteilung B von 17 Ver­einen den Preis des Achttagechores. Auf diese Er­folge unter der Leitung seines Dirigenten Rühl aus Wetzlar kann der Verein mit Recht stolz sein.

<> Hörnsheim, 10. Juli. Wie vor kurzem imGießener Anzeiger", berichtet wurde, ist der Schneidermeister Hugo Rosenbaum von hier mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert. Schon auf dem Ozean wurde'die Familie von einem vchicksalsschlage betroffen; das zweijährige Söhn­chen st a r b auf dem deutschen DampferAlbert Ballin", den die Familie zur Ueberfahrt benutzte.

00 Kleinrechtenbach, 10. Juli. Hier sind in der letzten Zeit wiederholt Wildschweine aufgetreten und haben in den Kartoffelfeldern Scha­den angerichtet. Es ist zwecklos, in der jetzigen Zeit

Weg machen, und wer zu Fuß wandert, muß einen Stecken bei sich führen als Schutz gegen Hunde und zum Ueberspringen der Gräben.

Sehr ausführlich wird die mitzunehmende Kleidung behandelt. Man war dabei sehr vor- sichttg. So verlangte noch Reichard in seinem zu Anfang des 19. Jahrhunderts erschienenenPas­sagier auf der Reise", daß der Fuhreisende bei größter Beschränkung folgendes bei sich führe, um überall in Gesellschaft erscheinen zu können: 1. Beinkleider von so feinem Zeuge, daß sie zufammengerüttelt nicht großer als eine Faust sind. 2. Ein Paar seidene Strümpfe. 3. Drei feine Hemden, drei Halstücher, drei Schnupf­tücher. 4. Ein Paar Tanzschuhe, in die Scher- messer. Radel, Zwirn und Schere gesteckt wer­den. 5. Ein Pudersack, aus einem Frauenhand­schuh gemacht. Das alles wird in drei Pakete gesteckt und in demfeinen Rock" untergebracht, den man unter dem Wanderkleid trägt. Auf dem Wege kann man die Päckchen auch in ein Schnupftuch binden und am Ende des Regen­schirmstockes tragen. Richt fehlen darf schon bei dem alten Zeiller die Reiseapotheke, die merk­würdige Medizinen und Tränklein enthält, und in anderen alten Reifebüchern werden ärztliche Ratschläge erteilt, wie z. B.:Gefchieht's, dah jemand einen Arm oder Dein bricht, so lasset alsbald ein Tuch, dos mit Essig befeuchtet ist, umschlagen. Für Zerquetschungen der Hand oder anderer Teile nehmet Saft von stinkendem Mist und tropfet denselben in die Wunde." So wenig wir heute von solchen Ratschlägen halten, so gibt es doch einen, der heute immer noch so wichtig ist wie damals: Tu Geld in deinen Beutel! Denn selbiges ist ein Mittel, dah man von aller Welt respektiert wird, vor dem Geld sind alle Türen offen, heißt es in dem Hamburger Reisehandbuch von 1700. Zeiller empfiehlt, Gold­stücke mitzunehmen undim Beutel, Büchlein, ausgehvhltem Stecken, in den Schuhen, Hosen, Wams oder noch an anderen Orten" wohl zu verwahren. Lauerten doch Diebe, Räuber und Mörder dem Reisenden überall auf, und deshalb machte er auch sein Testament, bevor er die ge­fährliche Fahrt antrat, ging mit feiner ganzen Familie feierlich zum Abendmahl und nahm von allen Verwandten, Wohltätern. Freunden und

eine Treib- oder gar eine Polizeijagd auf Sauen zu veranstalten, da es nur bei Schneefall möglich ist, siefestzumachen" undeinzukreisen". Außerdem würde man jetzt den R e h w i l d b e st a n d un­erwünschterweise beunruhigen.

0 Vollnkirchen, 10. Juli. Das starke U n - weiter der letzten Tage hat auf dem Gehöfte des Landwirts und Händlers Konrad N e r n von hier erheblichen Schaden angerichtet. Die Wassermassen haben eine Mauer zum Einsturz georacht, so daß ein hierdurch in Mitleidenschaft gezogener Stall mit Stützen versehen werden mußte, um ihn vor dem Zusammenbruche zu bewahren. Das Vieh wurde durch die alarmierten Ortseinwohner aus den Ställen herausgeholt und in Sicherheit gebracht.

<> Aus d e m K l e e b a ch t a l, 10. Juli. Die Unwetter der letzten Tage haben im Kleebach ° t a l e im großen und ganzen wenig Schaden angerichtet. Der K l e e b a ch führte allerdings Hochwasser, wie es bei stärksten Schnee­schmelzen im Winter nicht größer gewesen ist. Die unmittelbar am Bachbette belogenen Wiesenflächen waren feeartig überschwemmt; das Wasser ist jedoch schnell wieder zurückgegangen. Ein Glück war es, daß die Heuernte eingebracht war; der größte Teil derselben wäre sonst vernichtet gewesen.

Kreis Limburg.

Limburg, 10. Juli. Seit etwa 14 Ta­gen wird der 64 Jahre alte Händler Wristian S i l i g m ü l l e r von hier vermißt. Der Mann war seit längerer Zeit krank und schwerhörig, so daß es nicht ausgeschlossen ist. daß er sich verirrt ober sich ein Leid angetan hat.

Kreis Kirchhain.

WSR. Kirchhain, 10. Juli. Wegen der immer noch herrschenden Maul- und Klauen­seuche in den Rachbardörfern und wegen des Reuausbruchs der Seuche in dem nahen Roß­dorf kann der auf den 13. Juli angesetzte Rindviehmarkt nicht abgehalten wer­den. Dagegen findet der Schweinemarkt an diesem Tage statt.

Maingau.

MSN. Frankfurt a. M., 10. Juli. Die Ge­schäftsleute am ßiebfrauenberg hatten, wie berichtet, in einer Eingabe den Polizeipräsidenten gebeten, Demonstrationen auf dem Lieb­frauenberg nicht mehr zu gestatten, da die Geschäftsleute hierdurch empfindlichen Schaden hätten. Auf diese Eingabe hin hat der Polizeipräsi­dent jetzt bestimmt, daß Ansammlungen auf dem Liebfrauenberg nicht mehr gestattet werden. Gestern nachmittag wurde aus der Nidda am Riederwald die Leiche des 45 Jahre alten Arbeiters Johann Ungeheuer aus Rö­delheim g e l ä n d e t. U., der 25 Jahre lang bei den Moenuswerken arbeitete, war vor einiger Zeit ent­lassen worden. Die Sorge um die Zukunft machten ihn schwermütig, und in dieser Stimmung hat er den Tod in der Nidda gesucht und gefunden. Beim Platzwechsel stürzten heute nachmittag in der Nähe der Untermainbrücke ein Herr und eine Dame aus einem Boot in den Main. Die Badeanstaltbesitzer Gebr. M o s l e r konnten die des Schwimmens Unkundigen unter Mithilfe des Pu­blikums ans Ufer bringen.

WSR. Hanau, 10. Juli. Ern 14 Jahre alter Knabe namens Karl EmmeI stürzte gestern nachmittag beim Holzholen von einem Baum und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er nach kurzer Zeit verstarb.

JCMOKOLADfc BROCKEN VRALINIE

Vertretung: Wilh. Erb, Gießen, Goethestr.44

Bekannten Abschied mit der Bitte, ihn in ihr Gebet einzuschließen und in gutem Gedächtnis zu behalten.

Frankfurter Theater.

Das Frankfurter Schauspielhaus brachte Gerhart HauptmannsSchluck und Sau zum ersten Male auf die Bühne. Es befremdet ein wenig, daß erst heute das Werk seinen Weg nach Frankfurt gefunden hat, denn wir haben es hier mit einer Dichtung zu tun, in der sich Schicksals­und Lebenserkenntnis mit unendlich feinen Stim­mungen verweben und hinter derb auflliirgendem Komödienton Tränen vibrieren. Der Fürst, der Landstreicher, die Prinzessin, der alles erfüllendes Glück das Lächeln aus dem Gesicht gestrichen und sie innerlich abgestumpft hat, es sind alles Figu­rinen aus dem bunten Spiel des Lebens, in allen weben geheime Träume, und alle wissen nicht, wo Erwachen und Traum sich begegnet? Im Grunde genommen sind Fürst und Landstreicher eine Formel, deren Gleichung durch eine unbekannte Zahl, die Seele gelöst wird. ä.Ind hinter dem leidvollen Gelachter, dem lachen­den Leid, steht der in den Purpur des Herbstes gehüllte Winter-Tod, das Ziel des wirren Tanzes bestimmend. Die Aufführung unter der Regie Heinz Hilperts war voll einfühlender Wirk­samkeit und ließ das Wollen des Dichters drama­tisch erstehen. Das DagabundeirpaarSchluck und Iau" verkörperten Robert Taube und Toni Impe­koven. Taube wußte die goldene Menschengüte dieser Landstreicherseele humorvoll wiederzu­strahlen, und Impekovens derber, o ersoffener 3au hatte neben aller drastischen Komik Augen­blicke packendster Menschlichkeit. Die übrigen Dar­steller Kundrh Sievert, Maria Krahn, Franz Schneider und Karl Heinz Gaffe ergänzten künst­lerisch eindringlich das Spiel. Die zu Anfang jeden Bildes gespielte Musik Ernst Schons illu­strierte stimmungsvoll die jeweiligen szenischen Vorgänge. Ludwig Sievert schuf einen farben­freudigen, äußerst inhaltsreichen Rahmen zu diesem modernen Märchen. Das Publikum nahm diese Erstaufführung mit starkem, beifallsfreuoi- dem LInteresse entgegen. L, M.