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albewutztsein wollen wir dienen, und so, meine Damen und Herren, wollen wir den Siegern, die jetzt vor uns stehen, herzlichst danken. Danken wollen wir der Tugend, die uns wieder Mut einflößt und die uns ein Beispiel darbietet, das hoffentlich gute Früchte bringt, und, ich glaube, ich darf Sie alle, die Sie so zahlreich versammelt sind, bitten, mit mir einzustimmen in den Ruf: Unsere deutsche Jugend sie soll leben hoch, hoch, hochl

Rach dem Reichskanzler führte

Staatssekretär z. D. Dr. Lewald aus: Die Zweiten Deutschen Kampfspiele haben ihr Ende erreicht. Eine Woche grober heihum- strittener Kämpfe und erhebender Tage liegt hinter uns, voller Bewegung danken wir unserem ehrwürdigen Reichspräsidenten, der uns zuni Beginn und soeben durch Reichskanzler Dr. M a r x ausgesprochen hat, das) er ein Banner­träger unserer Bewegung ist. um uns zu ver­sichern, daß die deutsche Reichsregierung die grobe Kulturbewegung, der wir dienen, mit aller Kraft unterstützt. Wir danken der Stadt Köln, ihrem Oberhaupt und seinen Mitarbeitern für die herrlichen Stätten des Kampfes, die sie dem deutschen Sport bereitgestellt haben. Aus allen Gebieten der Leibesübungen waren die Besten nach Köln geeilt, in einem Wettstreit die Sieger zu küren. Alle Kämpfe zeugten von Kraft, Gesundheit und dem leidenschaftlichen W'llen der deutschen Jugend, sich zu behaupten.

Ein Volk, das eine solche Jugend besitzt, kann nicht untergchen.

Bor mir steht die Schar der Sieger und Sie­gerinnen, deren Anblicr jedes deutsche Herz neu schlagen lätzt. Gekämpft haben sie um die Ehre ihres Vereins, ihres Bundes und der Stadt der sie angehören. Als Lohn reichen wir ihnen den Eichenkranz und die Erinnernngs- platte aus Erz. Sie trägt als Symbol das Bild des kühnen Ringers und den .Umrifi des Domes, in dessen geheiligten Hallen diese Spiele mit Gotteswort eingeweiht wurden und dessen gewaltige Türme auf uns niederschauen. Die Ehrung, die die deutsche Turn- und Sportwelt ihnen als Kampfspielsieger zuteil werden läfit, gilt auch für ihre Genossen, die mit ihnen kämpf­ten. Sie sind die Hüter eines hohen Kultur- weri'Wtz Vererben Sie Ihre siegreiche, bewährte Kraft lammenden GeschlechternI Ihnen allen, die Sie hier in der weiten Runde der Hauptkampf­bahn versammelt sind, rufe ich ein Auf Wieder­sehn bei den Dritten Deutschen Kampfspielen 1930 zu! Meine Glückwünsche für die Siegerinnen und Sieger und für die Aufgabe der Deutschen Kampf- fpiele fasse ich zusammen in dem Rus: Den Deut­schen Kampfspiel-Siegerinnen und -Siegern ein dreifach donnerndes Hoch!

Ausbau der Lahnregulierung.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, haben die Abg. Dr. Stemmler (Ems), und Gen. (Zentr.), Schwarchaupt und Gen. (D. Dp.) Falk und Gen. (Dem. Partei) und Märtel und Gen. (Dn Vpt.) ini Preußischen Landtag fol­genden Antrag eingebracht: Die Lahn ist bereits unter der Regierung des letzten He^ogs von Rassau zum Teil kanalisiert worden. Der preu° fiische Staat hat als Rachfolger bisher dis Vollendung nicht durchgeführt. Da jedoch die aufstrebende Industrie die Fertigstellung des Kanals als dringend erscheinen läfit, hat der Fulda-Lahn-Kanalverein im Ver­ein Mit dem Bezirksverband Wiesbaden die Mittel gesichert. In die Finanzierung ist ein Zuschuß des preußischen Staa­tes von 1,26 Millionen eingestellt. Der Land­tag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, für den Ausbau der Lahnkanalisie­rung ein Darlehen in der Höhe von 1,26 Mill. Reichsmark aus Mitteln der produktiven Er­werbslosenfürsorge zu gewähren.

Das französisch-spanische

Marokko-Abkommen.

Paris, 11. Juli. (WTB.) Wie amtlich mit­geteilt wird, haben gestern die französischen und spanischen Delegierten für die Marollo-Verhand- lungen das Abkommen betreffend die Befriedung Marokkos und die Einrichtung eines nachbar­lichen Regimes zwischen der französischen und spanischen Zone unterzeichnet. Für Frankreich vollzog Marschall Petain und der General­sekretär im Ministerium des Aeußern, Philippe Berthelot, für Spanien der spanische Bot­schafter in Paris, Quinones de Leon und General Jordans, der Leiter der Marokko- angclegenfieiten im spanischen Außenministerium, die Unterschrift. Das Abkommen regelt den Grenzverkehr zwischen den beiden Zonen sowie die Frage der Ueberwachung der Land- und Seegrenzen. Die Frage der Aufenthaltsbestim­mung für Abd e l Krim ist in dem Abkommen nicht geregelt. Die Verhandlungen der beiden Delegationen sollen, wie es in der Aeuherung der Agentur Havas heißt, auch in dieser Frage zu einer vollständigen Uebereinstimmung zwi­schen beiden Parteien geführt haben. Es ist so gut wie sicher, daß Abd ei Krim nach Mada­gaskar gebracht werden würde.

Der Sultan von Marokko in Frankreich.

Paris, 11.Juli. (WB.) Heute nachmittag ist in Toulon an Bord eines Panzerkreuzers her Sultan von Marokko Muley Iussuf ntt seinen drei Söhnen in Begleitung eines zrofien Gefolges sowie des Generalresidenten Steeg eingetroffen. Er seht heute abend die Reife nach Paris fort. Der Sultan wird u. a. der Militärparade beiwohnen, die anläßlich des Rntionalfestes am 14. Juli stattfindet.

Aus aller Welt.

Ein zwölfjähriger Lebensretter.

In Neukölln fiel gestern nachmittag ein acht­jähriges Mädchen beim Spielen ins Wasser und wurde von der Stömung abgetrieben. Ehe Er­wachsene zu Hilfe kommen konnten, sprang der zwölfjährige Schuler Franz Ludwig ins Wasser and rettete das Mädchen unter eigener Lebensgefahr.

Tagung

des Reichsoerbaudes deutscher Sanitätskolonnen.

Vom 23. bis 26. Juli findet in Dortmund die Tagung des Reichsverbandes deutscher (5a- nitäislolonnen vom Roten Kreuz statt. Gingeleitet wird die Tagung durch eine Werbewoche, die durch Ausstellung von Sanitätsmaterial, Vorsü- rungen und Vorträge ausgefüllt wird. Am Sonn­

tag, dem 25. Juli, findet eine große gememiame Uebung der Sanitätskolonnen im Stadion statt. Rach mittags ist auf der Hohen Syburg eine große Kundgebung zu Ehren der im Kriege ge­fallenen Sanitäter vorgesehen. Am Montag wird aus dem Biedenkopf das Sanitäterheim emge- weiht.

Stapellauf eines 25 000-Tonnen-Schwimmdocks.

Aus der Hamburger Werft der Vulkan- werke wurde am Samstag das in einer Rekord­zeit von 94 Arbeitstagen erbaute und für Bordeaux bestimmte Schwimmdock von 25000 Tonnen Tragfähigkeit vom Stapel gelassen. Das mit sechs Kreiselpumpen ausgerüstete Dock hat eine Länge von 220 Meter, eine Breite von 25 Meter und eine Seitenpontonhöhe von nahe­zu fünf Meter. Die Einrichtungen des Schwimm­

docks ermöglichen die Troaenlegung eines Scyis- fes binnen 2 Stunden.

Gewissenlose Burschen.

Das Stuttgarter Schöffengericht verurteilte zwei stellungslose, schon mehrfach vorbestrafte Kaufmannslehrlinge, die einen jungen Stuttgar­ter einer Werbestelle der französischen Frem­denlegion in Ludwigshafen zugesührt hatten, zu fünf und vier Monaten Gefängnis. Der junge Mann war von dem Werbeoffizier wegen jugend­lichen Alters zurückgewiesen worden.

Hitzewelle in Amerika.

In Amerika ist eine Hitze ausgebrochen, wie sie seit Jahren nicht zu verzeichnen war. Coney Island ist überfüllt. Die Menschen schlafen unter freiem Himmel. Tausende kampieren nachts im Zentral­park, anderen Parkanlagen und auf Dächern.

Besuch amerikanischer Studenten.

Bremen, 10. Juli. (Wolff.) An Bord des Dampfers »Bremen" vom Rorddeutschen Lloyd traf heute vormittag die zweite aus etwa 60 amerikanischen Studenten und Studentinnen zu­sammengesetzte Reisegesellschaft ein, um von hier aus in vier Gruppen eine Deutschlandreise zu unternehmen. Ramens des Reissbureaus der amerikanischen Studentenschaft in Paris hieß Dr. Wolfers und namcr.'S des Auslandamtes der deutschen Studentenschaft Dipl.-Ing. Wortemamr die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Europa: bzw. in Deutschland willkommen. Vertreten ist neben anderen amerikanischen Hochschulen inä« besondere die Frauenhvchschule Wellesleh. Die Gäste weilen in Bremen und reifen morgen nach Berlin bzw. Münster, Düsseldorf und Dresden

Gießener Hochschulgefellschaft.

Unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, Pro- vinzialdircktors Graes, hielt die Gesell­schaft von Freunden und Förderern der Universität Gießen (Gießener Hoch­schulgesellschaft) gestern im Vorlesungsgebäude ihre Hauptversammlung und Fest- s i h u n g ab.

3m Anschluß an eine Sitzung des Verwal­tungsrats fand in der Kleinen Aula zunächst die

Hauptversammlung

statt. Der Vorsitzende, Provinzialdirektor G r a e f, erstattete den Jahresbericht des Vor- standes für 1 9 2 5. In diesem wird ein- leitend der im Berichtsjahr verstorbenen Mit­glieder gedacht, deren Andenken die Versamm­lung in der üblichen Weise durch Erheben von den Plätzen ehrte. Sodann wird dem stellver­tretenden Vorsitzenden, Geheimerat Pros. Dr. Dehaghel, der nach dem Ableben des frühe­ren 1. Vorsitzenden Iustizrat Dr. Grüne­wald vertreiungsweise die Geschäfte führte, Dank und Anerkennung für seine vorzügliche Wahrung der Interessen der Hochschulgesellschaft und für feine Anregungen zu deren Weiter­entwicklung ausgesprochen. Am 8. Dezember 1925 hat der jetzige 1. Vorsitzende sein Amt über­nommen. Der Bericht weist weiter darauf hin, daß die lang andauernde Wirtschaftskrisis und die Verarmung des Mittelstandes auch auf die Verhältnisse der Hochschulgesellschaft ungünstig eingewirkt haben. Die Zahl der Mitglieder be­trug in den einzelnen Jahren. 1920 = 440, 1921 = 566, 1922 - 661, 1923 = 565, 1924 = 544, 1925 = 579, 1926 (bis 3. Juli) 658. Wenn es unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Ver­hältnissen auch schwer ist. neue Mitglieder zu gewinnen, so muß doch alle Energie ausgewandt werden, um zu den alten Freunden neue zu ge­winnen. Jedes Mitglied müßte es sich angelegen sein lassen, jedes Jahr mindestens e i n neues Mitglied zu gewinnen. Mit Rücksicht auf die schwierige Finanzlage und die Wirkungen der Geldentwertung wurde der Jahresbeitrag herab­gesetzt: er beträgt für ordentliche Mitglieder 10 Mk, für außerordentliche 5 Mk., für Studie­rende 1 Mk. im Semester. Die einmaligen Bei­träge wurden ebenfalls herabgesetzt, und zwar auf 200 Mk. für ordentliche und 100 Mk. für außerordentliche Mitglieder. 3n den Reihen der Studierenden der Universität Gießen muß ständig um neue Mitglieder geworben werden. Was aus diesem Gebiete erreicht werden kann, beweist die Hochschulgesellschaft der Universität Kiel, wo über 400 Studierende Mitglieder der Hochschulgesell­schaft sind. Die Bemühungen des Vorstandes, öffentliche Körperschaften als Mitglieder der Hochschulgefellschaft zu gewinnen, sind zum Teil von Erfolg gewesen. Während bisher nur die Handelskammer Gießen Mitglied war, ist es gelungen, auch die übrigen hessischen Handels­kammern, Mainz. Worms, Bingen, Darmstadt, Offenbach und Friedberg, zu gewinnen. Seither gehörten der Hochschulgefellschaft nur die ober- hessischen Kreise und der Kreis Offenbach an. Aunmehr sind auch die Kreise Mainz, Worms, Oppenheim, Darmstadt, Bensheim, Groß-Gerau und Heppenheim beigetreten und der Kreis Offen­bach hat seinen Jahresbeitrag von 10 Mk. aus 200 Mk. erhöht. Von dem Kreis Dieburg steht die Antwort noch. aus. Die Kreise Alzey, Dingen und Erbach haben abgelehnt, doch soll mit diesen nochmals verhandelt werden. Den Bemühungen des Kreisdirektors Herberg in Oppenheim ist es gelungen, 36 Geineinden des Kreises Oppen­heim für die Hochschulgefellschaft zu gewinnen. Dies sei als leuchtendes Beispiel besonders hervor­gehoben. Die Verhandlungen mit den Verbänden der verschiedenen akademisch gebildeten Beamten sind iwch nicht abgeschlossen,' bisher sind zwei Verbände dec Hochschulgefellschaft Eieigetreten. Der Bericht weist dann kurz auf die schwierige Finanzlage des Staates hin, und betont ange- sicyts dieser Tatsache: Wir müssen deshalb mit unseren bescheidenen Mitteln haushälterisch um­gehen, und müssen daran denken, wieder einen gensstock anzusammeln, der es uns er­möglicht, auch große Aufgaben zu erfüllen. Der Anfang mit einer Rücklage von 5000 Mark fsi gemacht. Von dem Ministerium wurden aus dem staatlichen Fonds für öffentliche und gemein­nützige Zwecke 4000 Mark überwiesen, die ent­sprechend einer Anordnung der Regierung ja zur Hälfte für die Aufstellung der Röntgenanlage in: Physikalisch-chemischen Institut und zur der Kosten eines neuen Warmwasserge- wachshauses für das Botanische Institut Ver­wendung sanden. Der hessischen Regierung wird für diese Zuwendung Dank gesagt, und gleichzeitig die Hoffnung ausgesprochen, daß der Gesell­schaft aus dem genannten Fonds auch weiterhin noch Mittel zufließen möchten. Der Bericht er­innert sodann an das harmonische Reben- und Miteinanderarbeiten der Gießener Stüdenten- hilfe und der Gießener Hochschulgesellschast, die beide aus der Rot der Zeit geborene Kinder der Landesuniversität sind. Beide Körperschaf­ten haben schon gemeinsame Veranstaltungen unternommen und sich in den finanziellen Erfolg geteilt Um die Beziehungen noch inniger zu gestalten und das Zusammenarbeiten noch weiter auszubauen, wurde der Vorsitzende der Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, in den Vor­stand der Hochschulgesellschaft gewählt. Pros, c ® r, hat die Wahl angenommen und Mft ebenfalls, daß dadurch das gedeih­liche Zusammenarbeiten der beiden Körper- gefördert wird. 3m abgelaufenen Geschäftsjahr wurden Vorträge durch Dozenten der Universität gehalten in Gießen, Alsfeld. Friedberg und Lich. Es ist beabsichtigt, auch

noch an anderen Orten Vorträge zu halten. 3n finanzieller Beziehung kann das Jahr 1925 als ein Jahr langsamen Aufstiegs bezeichnet werden. Der Bericht erinnert in diesem Zusammenhang zunächst an die Schaffung des obenerwähnten Grundstocks mit einer ersten Rücklage von 5000 Mark, und teilt dann weiter mit, daß von den Geldeingängen des Jahres 1925 (Mitglieder­beiträge, eine Stiftung, Erlös aus dem Stu- dentenhilfstag) 5312 Mk. für 3nftitute und Se­minare der Universität, wissenschaftliche Appa­rate, zum Ankauf wertvoller Handschriften und Urkunden und zum Druck wissenschaftlicher Ar­beiten bewilligt wurden. Ferner wurden für Dortragszwecke 627,30 Mark verausgabt. Das Jahr 1 926 hat einen weiteren erfreulichen Aufschwung genommen. An Zuwendungen sind bis jetzt 11 400 Mark (einschl. der obenerwähnten 4000 Mark vom Hess. Staat) zu verzeichnen. Aus eigenen Mitteln der Gesellschaft wurden bisher 1837,50 Mark zur Förderung wissen­schaftlicher Arbeiten verteilt. Zum Schluß wird allen, die mit Rat und Tat an dem Werk der Hochschulgefellschaft mitgewirkt haben, insbeson­dere auch der hessischen Staatsregierung, wärm­ster Dank abgestattet, und der Wunsch ausge­sprochen, daß die schwere Wirtschaftskrise bald überwunden wird, eine Erleichterung in der Lebenshaltung unseres Volkes eintritt und da­mit wieder Mittel frei werden für die idealen Bestrebungen der * Gesellschaft. Es muß allen Gebildeten immer mehr zum Bewußtsein kom­men, daß es sich bei der Arbeit der Gießener Hochschulgesellschast nicht um finanzielle Inter- effen handelt, sondern um die Begründung der geistigen Gemeinschaft mit dem Volke.

Anschließend an die Berichterstattung wurde dem V o r st a n d und dem Derwaltungsrat einstimmig Entlastung erteilt. Einem Antrag des Vorstandes auf einige Satzungsände­rungen stimmte man einhellig zu. Bei der ErgänzungswahLzum Vorstand wurde Fabrikant H. W. Rinn- Heuchelheim einstimmig gewählt, der bisher dem Verwaltungsrat an­gehörte. Die Reuwahlen zum Verwal­tung s r a t wurden antragsgemäß erledigt.

Damit war die Tagesordnung erschöpft. Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Bürker sprach dem Vorsitzenden, Provinzialdirektor Graes, den herzlichsten Dank der Tlniversität aus für seine überaus rege Tätigkeit im Interesse der Hochschulgesellschaft. Der Vorsitzende dankte für die freundliche Anerkennung ünd hob dabei die tatkräftige Mitarbeit der anderen Vorstands­mitglieder rühmend hervor.

Die Festsitzung.

Rach der Begrüßung des Vorsitzenden, Pro- vinziallsirektor Graef, die sich im allgemeinen an den versammelten förderungsbereiten und im besonderen an den förderungsfähigen Teil der Mitgliederschaft wandte, und einer Vorrede Seiner Magnifizenz des Herrn Rektors der Universität, die sinnvoll und bedeutungstief einen Spruch des Koran zum Motto wählte, in dem die Heiligkeit wissenschaftlicher 'Beschäftigung durch die Weisheit der Jahrtausende bewiesen wurde, aber auch mit der nicht geringeren Be­weiskraft eines modernen Beispiels auf die Rot- Wendigkeit materieller Unterstützung geistiger Ar­beit hmdeutete, Hub

Pros. Löschcke, Trier

mit seinem Vortrag an. Die Stimmung des Sonntagmorgens, die durch Entspannung der werktäglich tätigen Glieder den Geist in an­genehmer Verpflichtungslosigkeit befreit und in den Stand geruhiger Aufnahmebereitschaft ver­setzt, formte die gestrige Veranstaltung zu einem wahrhaft sonntäglich würdigen und erbauungs­vollen Ereignis.

Der Löschckesche Vortrag behandelte die rö­mische Ton- und Glasindustrie in Trier, deren Kenntnis zum größten Teil erst den jüngsten Forschungen dieses Gelehrten zu verdanken ist. Durch das Temperament seiner Rede und die spürbar große Liebe zur Sache, die sich auf den Hörenden über trug, gelang es dem Vortragenden, in bewundernswerter Weise auch den Richt­archäologen zu fesseln und vor allem durch die Klarheit und Faßlichkeit der wissenschaftlich schneidigen Diktion das Gedächtnis mit einem Gut wohlgeordneter, scharsumrissener Gestalten zu füllen. Besonderes Vergnügen machte das reiche, feingewählte Lichtbildermaterial, bas in der mangelhaften Wiedergabe irrationaler Schön­heiten, wie sie gerade in der Keramik nur durch unmittelbaren Verkehr mit dem Objekt, durch körperliche Abtastung und Erfassung restlos zu durchkosten sind, wohl nicht imstande war, den routinierten Genießer zufrieden zu stellen, in­dessen dem Willigen und Anschauungsfreudigen mannigfachen Genuß und förderliche Anregung verschaffte.

Zunächst gab Loeschcke einen allgemeinen lieber- blick über Lage, Ausdehnung und Bedeutung des römischen Trier, besonders über seine Bedeutung als Etappenmetropole, als Fabrikationszentrum mili- tärischer Ausrüstungsstücke und der dazu nötigen Materialien. Die wichtigsten sind Leder und Tuch. Nicht minder wichtig war die Fabrikation von Bier und der zu seiner Konservierung wie zur Verpfle- ßung und Verköstigung überhaupt erfoderlichen Be> yältnisse und Geschirre. Daran anschließend behan­delte er eingehend Konstruktion und Form der Töpserösen und der wichtigsten, dem Töpferhandwerk dienenden Instrumente, indem er sie wirkungsvoll zu denselben Einrichtungen anderer Kulturen und Zeiten, auch der Moderne, in Vergleich setzte. Dann kam er zu den Töpfereierzeugnissen, den Gefäßen unb ihren Formen selbst. Belehrend und erkenntnis­

vertiefend schien die Feststellung, daß mit dem Ein« setzen der auf fabrikationsmäßigen Großbetrieb in modernem Sinne eingestellten römischen Tonindu­strie in den Trierer Landen auch in den alteinge­sessenen Werkstätten der Ton seimf materialgerecht formschaffende Kraft aufgibt, den künstlerischen Wert des schöpferischen mit dem kommerziellen der Billigkeit vertauscht, und von nun an Gefäße aller Gattungen und Materialien in Ton nachgeahmt werden. Die Rückführung der Nachahmungen auf die nachgeahmte Originalform und ihre Gegenüber­stellung gehört mit zu den wichtigsten Betätigungs­feldern der vorliegenden archäologischen Forschungs- gruppe. Eine besonders eingehende Darstellung widmete Loeschcke den Nachahmungen gläserner Vorbilder. Zum Schluß führte er dann mit einzig­artiger Geistesschärfe, einer fast mathematischen Folgerichtigkeit und hoher sachgemäßer Begeisterung den Nachweis für die Existenz einer eigenen Trierer Glasjndustrie. Die wichtigsten Beweisstücke bildeten ein bei Zülpich gefundenes Glasgefäß mit einer Zirkusdarstellung, die offenbar zu dem Trierer Zir­kus, dem größten dieser römischen Provinz, in Beziehung steht und ein nach Art der Glastechnik bemaltes Tongefäß mit der Darstellung der Trierer Stadtgöttin. Der Vortrag dürfte nicht zuletzt auch der zeitgenössischen öberhessischen, speziell Gießener Tonindustrie mancherlei Wissenswertes und An­reizendes gegeben haben, vorausgesetzt natürlich, daß von den betreffenden Stellen die ihnen in so frei­giebiger Weise gebotene Gelegenheit wahrgenommen worden ist.

Rach Loeschcke sprach

Prof. Rauch, der kunsthistorische Fachvertreter unserer .Uni- versität. Er sprach an Hand eines überreichen Schatzes von Lichtbildern über ein Thema, das wohl dazu angetan ist, ganze Semester zu füllen. In anbetracht dessen war es erstaunlich, wie der Redner die ungeheure Masse des Stosses zu meistern verstand, wie er um ein Bild zu gebrauchen den Scheinwerfer seiner Kenntnis zielsicher und zugleich spielerisch über das un­ermeßliche Gebiet dahin gleiten lieh, bald weite Strecken blitzartig grell beleuchtend, in ihrem Formengehalt festbannend, hart umreißend, bald einzelne Punkte in ruhigeres, anhaltenderes Licht tauchend, sie liebevoll durchwärmend und so ein Bild entstehen ließ, das in seinem pittoresk- impressionistischen Charakter dem Wesen des Stoffes kaum angepaßter gedacht werden kann. Das Thema lauteteVon mittelrheinischer und hessischer Kunst".

Rauch begann mit dem ersten großen Denk­mal mittelrheinisch-sränkischer Baukunst, der durch ihn in den letzten Jahren vor dem Krieg in ihren Fundamenten wieder ausgegrabenen und nach den erhaltenen ileberreften rekonstruierten Kaiserpfalz Karls des Großen zu Ingelheim. Ausgehend von diesem gewaltigen, eindrucks­vollen Werke streifte er kurz die übrigen am Mittelrhein noch erhaltenen karolingischen Bau­ten und leitete über zur Architektur des hohen Mittelalters, zu den Domen von Limburg, Mar­burg und Worms, indem er die von den beiden letzteren hergeleiteten Bauschulen als Spezial­gebiete der Forschung des Gießener kunst­wissenschaftlichen Instituts einer besonderen kurzen Betrachtung unterzog. Darauf wandte er sich dem Profanbau, im besonderen dem Fachwerk­bau, ebenfalls einem Spezialgebiet der Gießener Forschung, zu. -Unter den aufgeführten Deick- mälern nahm das Gießener Reue Schloß mit die bedeutendste Stellung ein. Von ihm aus war der -Uebergang zum Schloßbau im allge­meinen gegeben. Münzenberg und Büdingen passierten Revue. Cs folgten die Rittergrab» mäler, die lebensgetreuen Abbilder der Men­schen, die die mittelalterlichen Schlösser und Kirchen belebten. Und nun entrollte sich das abwechslungsreiche und ohnegleichen liebliche Bild der mittelrheinischen Plastik, im besonderen der Tonplastik. Als Austakt zur Behandlung mittel- rheinischer Frauendarstellungen erschien die Ma­donna aus der Fuststrafie in Mainz, die erste Repräsentantin unverfälscht-mittelrheinischen Ge- sühlsauSdruckes innerhalb ihres Typs an der Leinwand. Die Binger Tonbildhauerschule, wie­derum ein eigenes Arbeitsgebiet des Gießener Instituts, zum Teil sogar seinerzeit durch dieses erstmalig aufgedecktes und kreiertes Reuland der Kunstforschuuci, wurde wenigstens in ihren schön­sten Erzeugnissen ziemlich vollständig gezeigt. Ihr Einfluß erstreckt sich über ihre Technik und Zeit weit hinaus bis in die monumentale Holzplastik des späten 15. Jahrhunderts. Mittelrheinischs Empfindungsweise, wie sie in der Kunst ihren Riederschlag findet, wurde sodann llar gemacht an einer Folge von Pietä darstellungen des 14. und frühen 15. Jahrhunderts, aus denen sich die in ihrem Gefühlsgehalt stark nach Westfalen hin­neigende Frihlarer Pieta streng absonderte. 'Die Durchschlagskraft und Haltbarkeit des mittelrhei­nischen Rassecharalters bewies sich durch einen Vergleich der süß-heiteren Frauenköpfe des Dr- tenberger Altars mit dem einer geradezu wein- froh vergnügten Rokokoftatuette der hl. Barbara aus Mainz. Ernstere Gefühle dämonisch düsterer Art, aber nicht minder bezeichnend für die Kunst unseres Landes als die sanft beschaulichen, ver­mitteln die in der offiziellen Kunstgeschichte noch lange nicht genügend gewürdigten überlebens­großen Figuren eines hl. Johannes Dapt- und eines hl. Antonius der Abtei in Hirzenhain, die den größten Schöpfungen der spätest gotischen Plastik um 1500 an die Seite gestellt werden mühen. Auch sie wurden vor Jahren durch das Gießener Institut zum erstenmal entdeckt und veröffentsicht. Von ihnen zu Grünewald ist nur ein Gedanke. Mit Grünewalds Iseicheimer Altar, der, wenn auch nicht am Mittelrhein steht, (o

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