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irr. J60 Erstes Blatt <l

176. Jahrgang

Montag, 12. Zull 1926

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Vießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Universität Buch- und Sletndruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und SefchäftsfteSe: Zchulftrahe L

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lang«; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An­zeigenteil Hans Iüftel, sämtlich in Gießen.

Lxplosionskatastropye in Amerika.

Wlitzfchlag in ein Munilionsdepot.

Morrislown (Reujcrsey), 11. Juli. (IBB.) lirte durch einen Blitzschlag in das Muni- i an 51> e p o f am Benmarf f ee hervorge- us-me starke Explosion zerstörte das gesamte Mr- Im il und 30 Häuser in der Umgebung. Zur hilfe- lis'ung herangezogene Truppen versuchten ver- xboiick, an den Unglücksort heranzukommen. Die ip'Uter der zu vielen Hunderten explodierenden (tecnaten und Torpedos suchte die ganze Umgegend kirn. Vie Ortschaft Mount-Hope ist völlig oet- litztek. Die Lairdstraßen sind mit Fliehenden über- Isill'l, die zunächst annahmen, daß es sich um ein (rtebeben handle. In Rotlazaretten sind Hunderte m verwundeten verbunden worden. Die um- landen Hospitäler sind überfüllt. Die ganze Ge- xiu) gleicht einem Schlachtfeld.

Had) den im Laufe der Rächt gemachten Fest- Hangen sind von der Besatzung des explodierten Üc-cinearsenals drei Personen getötet und piiidjen 50 und 100 verwundet worden, während !) noch vermißt werden. Line zuverlässige Fest- llimg der Zahl der Opfer wird erst nach völliger laichführung der Aufräumungsarbeiten möglich iim Dort, wo sich das Hauptgebäude des Muni- msmagazins befand, ist jetzt ein Trichter von 100 futz Breite und 30 Fuß Tiefe. 200 von den Ge- iiu den innerhalb des Arsenals sind zerstört. Die ja flörunqszone bedeckt einen Kreis von 15 Meilen Rabius. Die ersten Schätzungen über den Sach- |l)a:ben rechnen mit ungefähr 85 Millionen Dollar.

Die Explosionskatastrophe übertrifft die Ex° 4 fbiion von Black-Tom, bei der über 100 Dahn- tigen Dynamit aufgeflogen sind. Das explodierte ^writionsdepot enthielt ein Zehntel der gesamten 2n.nitionsvorräte der amerikanischen Marine, fftcchdem um 5 Ufjr nachmittags die erste Explo- litir erfolgt war, flog im Laufe der Rächt auch

Rest der Vorräte in die Luft. Auch m in der Rahe gelegenes Munüionsdepot der ^erikanischen Armee ist in die Luft geflogen, h diesem dauern jitr Zeit die Explosionen noch tr. Doch ist bisher der Hauptteil der Vorräte in kit Armeedepot von der Katastrophe noch nicht «Mt worden. Die in der Rähe gelegenen Ort-- lüften Mount Hope und Denmark sowie -HLreiche von Touristen errichtete Zeltlager fir.t» zerstört worden. 3m Umkreis von über 5 Meilen wurden die Fenster zerstört. Die Ex- ^sion überschüttete die Gegend meilenweit mit Äwmgstücken, wodurch zahlreiche Auto- lüHrer verletzt wurden.

Es wird erwartet, daß auch das Munftions- I«4«r der amerikanischen Armee im Werte von 4' Millionen Dollar, das bereits von der Ex- Hjfion betroffen wurde, seiner völligen 3er» r- r-jng entgegengeht und daß die Explosionen rrrc noch lagernden Vorräten sich während !6e5 ganzen Woche fortsehen werden, '^lizeiautos durchfuhren die Ortschaften der Um» jb ung und forderten die Bewohner auf. die ..user zu verlassen, da die Gefahr des 4i nstürz es drohe. Selbst in dem durch eine iiggelfette geschützten Dover herrschte Panik, ihc: enorme Hitze und der Regen explodierender r-ötcixaten erschwert die Annäherung an die riesige nocndstatte. Das Marinedopet allein bedeckt über $ Acres und enthalt etwa 200 Magazin- und %'M>altungsgebäude. Der erste Eindruck, den die 2i- ikung der Explosion in ganz Reujersey hervor- luf war der, daß einErdbeben stattgefunden . -hib«. Als der Blitz in das Marinedepot ein» (einig, passierten zwei Automobilisten mit ihren Domen gerade den Eingang. Sie wurden mit Besetzungen in das Hospital Don Dover ein» vgilüefert und erzählten, daß sofort nach den Ai -schlag drei Riesenexplosionen ein» lullen, durch die ihr Wagen in den Graben oesschleudert wurde. Durch den herrschenden sünnischen Wind wurde das Feuer rasch weiter ?(Breitet. Die auffliegenden Granaten der Vor- nla schlugen in Kisten mit Schießbaumwolle ein, auf dem Grundstück des Munitionsdepots der Irmee im Freien lagerten. Ein militärischer 5 v-rdon ist um ein Gebiet von 16 Quadrat» neiJen gezogen worden, das als Gefahrenzone itMchiet wird.

England und die Dominions.

Kapstadt, 11. Juli. (Wolff.) Nachrichten aus Ipnoria zufolge wird die Regierung der südafri- Itcii chen Union die Anträge Kanadas und des iri-- Wrn Freistaates, die auf der nächsten Reichskonfe- uaz gestellt werden soll»«, denen zufolge in Zukunft jilHeneralgouverneuren Staatsmän» ii:a ber betreffenden Dominions selbst l! mannt werden sollen, unterstützen. Die Regie- ifing der südafrikanischen Union wird ferner auch Ün Vorschlag unterstützen, wonach in Zukunft die ! bnrinions die Kosten für ihre Vertretung bei der ifciastonferend seldst tragen sollen, um auf diese i|ei |e di^ Stellung ihrer Vertreter, die bisher Gast lk britischen Regierung waren, freier zu ge- Plbtn.

Das Reichsehrenmal.

Weimar, 10. 3uli. (WB.) Der Ausschuß , M Vorbereitung der Errichtung eines Ehren» "fitis für die im Weltkriege Gefallenen hielt am ifa-t seiner Desichtigungsreise in Weimar : inttfe-t dem Vorsitz des Aeichsinnenministers Dr. eine abschließende Sitzung ab. Rach forg* IKiser Prüfung aller Projekte kam der Aus» IH4uB zu folgendem Entschluß:Als Ehrung für

Die Stabilisierung in Frankreich.

Eaillaux' Sieg.

Em Schlußkampf, der bis um die vierte Morgenstunde in der französischen Kammer an­bauerte und bis zum Ende die lebhaftesten Dis­kussionen hervorrief, dann endlich die Ab­stimmung über das von der Regierung verlangte Vertrauensvotum, die 22 Stimmen Mehrheit für das Kabinett ergibt. Dieser große Kampf, den Driand-Caillaux für ihren Stabilisierungsplan durchgefochten haben, hat wenigstens die lang erwünschte Klärung gebracht. Bei aller Höf­lichkeit der Form, die in den langen Debatten hervortrat, wobei frühere Gegner einander plötz­lich als neue Verbündete erkannten, war der Streit erbittert, der hier um die nächste wirt­schaftliche Zukunft Frankreichs durchgefochten wurde ein Ereignis, dessen Bedeutung weit über alle sonstigen Geschehnisse der Tagespolitik hinausreicht.

Das sozialistische Projekt der Kapitals- a b g a b c dürfte endgültig vom Programm der französischen Regierung gestrichen sein, man hat eine Entscheidung gesucht und gefunden, die auf der Erkenntnis basiert, daß eine Stabilisierung nur durchgeführt werden kann, wenn Frankreichs Schulden ins Reine gebracht werden. Diese wesentliche Wendung, die Eaillaux herbeigeführt hat, könnte vielleicht dazu beitragen, den Ein­fluß, den die Gläubigerstaaten auf Frankreich, seine Wirtschaft und Politik, in Anspruch neh­men, bedeutend zu verstärken. Das wiederum aber würde zu einer heilsamen Beschränkung der immer noch vorhandenen imperialistischen Bestre­bungen der verschiedenen rechts orientierten Grup­pen führen, die auch heute noch, wenn sie wieder in die Lage versetzt wären, das Steuer der Re­gierung zu ergreifen, den, letzten Sou opfern würden, um FrankreichsGlorie" und militäri­sches Prestige nach allen Seiten erobernd zu ver­breiten.

Vertrauen und Vollmachten hat die Regierung gefordert. Eaillaux hat selbst erklärt, daß das Kabinett bei dem gegenwärtigen Stand der Lage mit feiner großen Mehrheit rechnen könne, dazu aber seiner Ueberjeugung temperamentvoll Ausdruck gegeben, daß diese Mehrheit beständig wachsen werde. Damit hat er unzweifelhaft einen in parlamentarisch regierten Ländern aufgebrachten Mut bewiesen, indem er mit einer in diesem Falle nicht uw- bedenklichen Sicherheit die volle Verantwortung für das Gelingen oder Mißlingen seines Werkes ganz für sich selbst und Driand in Aw- sprach nahm.

Bei den Verhandlungen, die Eaillaux in der nächsten Zeit mit Washington und London zu führen gedenkt, wird e3 sich im wesentlichen; darum handeln, die grundsätzliche Basis der ge» samtfranzösischen Schuldenregelung festzulegen. Eaillaux soll bereits dem Schatzamt in Washing­ton gegenüber die von dort gewünschten weit­gehenden Zugeständnisse gemacht und somit die von ihm selbst seinerzeit verteidigte Position endgültig auf gegeben haben. England gegenüber hat Eaillaux anscheinend den Erfolg zu ver­zeichnen, daß die von ihm selbst tm Vorjahre angebotene Durchschnittsairnuität von I2V2 Mil­lionen Pfund als Grundlage festgehalten und darüber hinaus von feiten Englands eine Schuhklausel" gewährt wird, auf deren Be­willigung man in Frankreich von jeher außer­ordentlich hohen Wert legte.

Wenn nun diese Generalbereinigung des fran­zösischen Schuldkontos in Amerika und England als erster großer Erfolg der Sanierungsaktion gebucht werden kann, wenn ferner die von Frankreich ge­währten Rückzahlungserleichterungen noch in den Schuldenvertrag mit Amerika hereingebracht werden können, wird die zweite große Aufgabe für das Kabinett darin bestehen, die für die Währungssanie­rung notwendigen A u s l a n d k r e d i t e zu ge­winnen. In der Zwischenzeit hofft Eaillaux auf Grund des erstatteten Gutachtens der Sachverstän­digen und entsprechend den von letzteren gemachten Vorschlägen seine Finanzpolitik so einrichten zu können, daß er mit den aus den neuen Steuern usw. gewonnenen Erträgen die Bilanz in der Schwebe hält.

Nun wird ja unzweifelhaft gerade die Erledi­gung dieser S t e u e r f r a g e bei der starken Oppo­sition, die von den Sozialisten in jeder Richtung -acm Programm entgegengebracht wird, noch eine Fülle von Schwierigkeiten und Verwicklungen mit sich bringen. Eaillaux hat die Zusicherung gegeben, daß er seine Maßnahmen nicht der Kontrolle des Parlaments entziehen will. Er will vielmehr alle seine Vorschläge im Finanzausschuß vorlegen und so oft es irgend möglich ist mit der Kammer beraten. Zunächst aber ist es für ihn das Wesent-

die gefallenen Helden im Weltkriege schlägt der Ausschuß in erster Linie einen Ehrenhain im Herzen Deutschlands, wie er in der Gegend Don Berka bei Weimar gegeben ist, vor." Daneben wurde Don gewichtigen Stimmen auch das Projekt der Toteninsel von Lorch im Rhein für eine würdige Form der Helden­ehrung gehalten. (Anmerkung des WTD.: Es handelt sich hier um einen Vorschlag des Reichs­ratsausschusses, über den das Reichskabinett end­gültig zu entscheiden haben wird.)

Ein deutsches U-Boot-Denkmal.

Kiel, 11. 3uli. (WB.) Auf dem Gelände der den Eingang zur Kieler Förde beherrschenden ehemaligen Möltenorter Schanze wurde heute

lichstc, daß er für die einleitenden Maßnahmen, welche die Voraussetzung für die ganze wei­tere Sanierung bilden, eine Mehrheit gefunden hat.

Für den deutschen Beobachter bilden die ganzen Vorgänge in Frankreich ein äußerst lehr­reiches Kapitel, weil sie zeigen, daß Persönlich­keiten, die wirklich für die reale Beurteilung der Lage kühle Sachlichkeit und praktisches Handeln aufzubringen wissen, immerhin heute, wenn auch schwer kämpfend, einer maßvolleren Politik den Weg zu ebnen vermögen. Diese Einsicht war nicht vorhanden, als der Siegesübermut den Rationalisten jedes richtige Augenmaß nahm und allein die Gewalt mit all den schädlichen Aus­wirkungen brutaler Lieberheblichkeit am Quai d'Orsay den Ausschlag gab. In diesen Zeiten, in denen Poincares Sonntagsreden das Pro­gramm diktierten, war es den politischen Blen­dern und Abenteurern, denen Frankreichs Ge­schicke anvertraut waren, möglich, die eigenen Mitbürger über jeden finanziellen Verlust oder materiellen Ausfall mit einer wegwerfenden Be­merkung hinwegzutäuschen:der Boche zahlt alles!" Dieser Taumel ist vorüber. Das neue Frankreich ist zur Rüchternheit in finanz­politischer Hinsicht gezwungen worden. Wird es vielleicht in der weiteren Entwicklung auch zu realer politischer Rüchternheit zurück- kehren?

Eaillaux fliegt nach London.

Paris, 11. Juli. (Sil.) Trotz des späten Ausganges der Kammersitzung ist Samstagvor- mittag ein Kabinettsrat zusammengetreten. Finanzminister Eaillaux wurde von seinen Ministerkollegen zu seiner entschlossenen Haltung vor der Kammer und seinen erfolgreichen Inter­ventionen lebhaft begrüßt. Bei Ausgang der Sitzung erklärte Briand wörtlich:Wenn man endlich darauf verzichten wollte, uns mit neuen Interventionen zu Leibe zu rücken und uns Mittel an die Hand geben würde, daß wir in Ruhe an die Arbeit gehen können, so glaubt die Regierung versichern zu tonnen, daß das Land die gegenwärtige schwierige Lage überstehen wird, doch nur unter dieser Bedingun g." Eaillaux wird Mvntagfrüh mit dem Flugzeug nach London fahren, um die im August unterbrochenen Schuldenverhandlungen mit Churchill wieder aufzunehmen. Man erwartet von der Aussprache der beiden Finanzminister ein rasches und entscheidendes Ergebnis. ,Es wird angenommen, daß Eaillaux bereits wieder am Dienstag in Paris sein wird.

Eine Kundgebung der Kriegsteilnehmer.

Gegen das Schuidenabkouimen mit Amerika.

Paris, 11. Juli. (WTB.) Heute vormittag hat die Vereinigung der ehemaligen Kriegsteilnehmer ihre von der Regierung zugelasfene Kundgebung veranstaltet, um eine M i l- derung des Washingtoner Abkom­mens über die französischen Schulden zu erreichen. Der endlose Zug, der vom Triumphbogen ausging, zählte etwa 20 000 Teilnehmer aus allen Teilen Frankreichs. Am Denkmal für die amerikanischen Kriegsteilnehmer wurden Blumen niedergelegt. Am Washington-Denkmal ereignete sich ein kleiner Zwi­schenfall. Trotz des Verbots versuchten die Teilneh­mer an der Kundgebung eine Marmorplatte an diesem Denkmal abzulegen. Dies wurde von den an­wesenden Polizeikräften verhindert. Es gelang den Teilnehmern des Zuges jedoch, die Platte nieder­zulegen. Sie enthält eine Inschrift, in der sich die französischen Frontkämpfer direkt an das ameri­kanische Volk wenden und erklären, sie wünschten nicht, daß ein Abkommen abgeschlossen werde, das den Ruin Frankreichs und den Verlust feiner Unab­hängigkeit zur Folge haben würde. Die französischen Frontkämpfer verlangen vielmehr, daß das ameri­kanische Volk die Frage der Schuldenregelung noch­mals einer Prüfung unterziehe. Dieser Text war auf der Tafel auch in englischer Sprache angebracht. An der Kundgebung haben auch eine Anzahl Abgeord­neter der rechtsstehenden Parteien teilgenommen. Außerdem nahmen Vertreter der Action Franxaise und Vertreter der Frontkämpferorganisation der Faszisten in ihren blauen Hernoen daran teil. Die Kundgebung nahm außer einigen Schmährufen gegen amerikanische Touristen, die auf einem Auto den Weg kreuzten, einen ruhigen Verlauf. Der Ord­nungsdienst der Frontkämpfer unterdrückte rasch diese Rufe. Die amerikanische Botschaft in der Nähe des Denkmals Washingtons war von einem starken Polizeiaufgebot umgeben.

mittag die Grundsteinlegung zum Ll-Doot-Ehren- mal unter sehr zahlreicher Beteiligung der Be­völkerung von Kiel und der Förder Orte in feierlicher Weise Dolhogen. Zu der eindrucks­vollen Feier hatten sich viele Offizere und Mann­schaften der einstigen Ll-Booftvasfe sowie Ab­ordnungen der im Hafen liegenden Flottenteile, die Spitzen der Marinebehorden, sowie zahl­reiche. Deputationen aus nah und fern einge­funden. Das Denkmal wird die Gestalt eines massigen, in schlichter Form gehaltenen 28 Meter hohen Turmes mit terrassenartigem Vorbau er­halten und von einem durch ein 41-Doot und ein Seerohr gebildetes Kreuz gekrönt sein.

Das Ehrenmal der Berliner Universität.

Berlin, 10. Juli. (TU.) Im Garten der Ber­liner Wilhelmsuniversität wurde heute mittag das von Professor Lederer geschaffene Denkmal für die Gefallenen der Universität in Gegenwart des Reichspräsidenten v.Hindenburg feier­lich enthüllt. Der weite Raum des Gartens war voller Menschen. An der Front des Denkmals nahmen die Ehrengäste der Universität Platz. Neben dem Reichspräsidenten, der in großer Feld- marschallsuniform erschienen war, sah man Reichs­kanzler Marx, Reichswehrminister Dr. Geß - l e r und andere Minister des Kabinetts, Admiral Zenker und Generaloberst v. Seeckt, den preu« ßischen Kultusminister Dr. Becker, sowie Rektor, Senat und Dozentenschaft der Universität. In wei­tem Umkreis um das noch verhüllte Denkmal nah­men die Chargierten der studentischen Korporationen mit ihren Fahnen Ausstellung. Nach einleitenden Musik- und Gesangsoorträgen hielt der Vertreter der deutschen Studentenschaft cand. jur. Linke die Gedächtnisrede. Er hob hervor, daß die deutsche Studentenschaft sich den Glauben an die Ehre und Freiheit nicht nehmen lasse. Der Geist des Himmel- stürmenden Idealismus, der in den gefallenen Hel­den läge, könne nicht vergessen werden.

Rach einigen Worten des Reichspräsi­denten senkte sich die Hülle des Denkmals. Ein Krieger, ermattet vom Streit umgefunken, ist 'rrade im Begriff, sich auf den Schild ge­stützt, wieder zu erheben. Den Hintergrund bil en Die., gewaltige Steinsäulen, deren Spitzen ein großes Eisernes Kreuz zeigen. Auf diesen vier Säulen sollen die Namen der gefallenen Studenten, Professoren, Derwaftungsbeamten usw. eingemei­ßelt werden. Der Ehor intonierte Carl Maria von WebersLeis' wandeln wir" und der Sprech­chor der Studentenschaft sprach sehr eindrucks­voll das RequiemSeele! Vergiß die Toten nicht!" Der Rektor der Universität, Professor! Dr. P 0 m p e ck i, nahm dann mit feierlichen Worten das Denkmal in die Obhut der Uni» versität und dankte denjenigen, die an dem Zu­standekommen dieses Dankeszeichens mitgearbeitet hatten. Er dankte dem Reichspräsidenten, der durch fein Erscheinen der Feier eine beson­dere Weihe verliehen habe,Tlnsere Helden waren Ihre tapferen Soldaten", rief er zum Feldmarschall gewandt, der bewegt zustimmte. Den nächsten Weihespruch sprach Geheimer Kon- siftorialrat Professor D. Seeberg, der die deutsche akademische Jugend zu einiger Tat aufrief und ihr als Sinn des Denkmals das truhige deutscheDennoch!" vorhielt. Die stu­dentischen Chargen defilierten dann unter den Klängen der voldatenliÄ>erIch haft' einen Kameraden",Morgenrot, Morgenrot" undEs geht bei gedämpfter Trommel Klang" vor dem Denkmal und senkten die Fahnen. Zahlreiche Kränze wurden dann am Denkmal niedergelegt, u. a. auch von deutsch-ausländischen Akademiker- Gruppen. Mit der ersten Sftophe des Deutsch­landliedes schloß die erhebende Feier. Unmittel­bar nach Schluß sauste plötzlich ein Flugzeug in geringer Höhe über den Garten und lieh einen Kranz vor dem Denkmal nieberfallen. Der Reichs- Präsident mit seiner Begleitung verließ an den spalierbildenden Korporationen und Zuschauern vorbei die Universität.

Jugend und Sport.

Der Reichskanzler bei beit deutschen Kampfspielen in Köln.

Köln, 11. Juli. (WB.) Rach Abschluß der Zweiten Deutschen Kampfspiele, über die wir in unserem Sportteil ausführlich berichteten, hielt Reichskanzler Dr. Marx eine Rede, in der er zunächst namentlich den Siegern der Kampfspiele die herzlichsten Grüße des Reichspräsi­denten übermittelte, der besonders lebhaft mit ihm das Programm dieser Woche besprochen habe und es lebhaft bebaute, dringender Pflichten wegen in Berlin zurückgehalten zu sein. Der Reichskanzler führte etwa aus: Ich gehe von hier nach Berlin zurück. Es soll mir keiner mehr, weder in Berlin noch sonst in deutschen Landen, von Pessimismus und Mißmut sprechen. Frohen Herzens gehe ich von hier weg. Wir haben schwere Jahre hinter uns. Schwere Sorgen der Gegenwart liegen vor uns. Aber die Zukunft er­strahlt in schönstem Lichte.

Wir haben eine Jugend, auf die wir uns verlassen können.

(Langanhaltender Beifall.) Der deutsche Name ge­winnt von Tag zu Tag mehr an Ansehen und Achtung in der ganzen Welt. Die Nebel, die über dem Ruhm des deutschen Landes lagen, haben sich zerstreut. Abgesehen von vielen anderen sind na­mentlich in den letzten Wochen und Monaten unsere Sportfreunde dabei, den Ruhm Deutschlands auch durch die Pflege des Sports im schönsten und edelsten Sinne des Wortes im Aus­lande zu heben und 3U vertiefen. Allen fei Dank, die draußen im Auslande diesen Ruhm zu vermehren geholfen haben. Es lebt das alte, treue, gute, kräf­tige, gesunde und ideale deutsche Volk! (Anhaltender Beifall!) Es ist nicht nieder zu kriegen. Gott fei Dank, die Welt hat es nötig! Das deutsche Volk hat eine Mission in der Weltgeschichte zu erfüllen. Wir, die wir die schönen früheren Zeiten erlebten, wir flehen jetzt hoffnungsvoll und hoffnungsfreudig vor un|erer Jugend, die nicht mehr irgendwie durch soziale, wirtschaftliche und Stanoesunterschiede aus- einandergezerrt ist.

3m Sport, da wollen wir uns vereinigen und wieder stählen und unsere Gesundheit pflegen. Alles andere tritt zurück. Dem deutschen Ratio-»