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Samstag. 12. Juni 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Ur. 155 Zweiter Blatt

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man hier mit Der Zweisprachi

tuna rechtfertigt, obgleich noch zösischer höherer Beamter in

Anzeichen und das, was man

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trauerte lange die treue Braut.

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schein Gewände und den verschrammten Wappen "erschollene Geschichte zu. Den zieht es gruselnd In tiefe dämmrige Torbogen, wo die Mauern

Auch das Spiel ist der allmächtigen Mode unterworfen, auf dem Sportplatz wie im Salon, in den Hafenkneipen wie in den eleganten Klubs. Lassen wir die Wiesenspiele außer acht, die vorn Federball zum Krocket, vom Krocket zum Tennis und von dtesem zum Golf im Laufe einos Menschenalters übergingen, und plaudern nur ein wenig über das, was im Salon leere Stunden füllen soll, und dessen Kenntnis je nach dem Lauf der Zeit zu den gesellschaftlichen Vorteilen gehört.

lieber der Mode erhaben thront nur das königliche Schachspiel, das ältesten Zeiten entstammt, nie Mode war im Sinne des Taaes- geschmacks und immer dem weniger Oberfläch­lichen zu beliebter Unterhaltung, dem Berufs­spieler aber seit alles Beruf und Gelderwerb geworden zur Lebensaufgabe diente. Es ist fast eine Wissenschaft, hat eine eigene Philosophie und seine fanatischen Freunde. Karl der Große bekam von dem Kalifen Harun al Raschid ein Schachspiel aus Elfenbein und Ebenholz. Kaiser Otto II. besaß ein solches aus Bergkristall. Am Anfang dieses Jahrhunderts wurde in einem fürstlichen Park auf flacher Wiese eine Partie mit lebenden Figuren geritten, wie sie übrigens als Dalletteinlage auch in der bekannten Operette Der Seekadett zu Fuß" vorkam ein prächtiger Anblick in Kleid und Farbe der romantischen Zeit, der allen Teilnehmern und Zuschauern unvergeßlich sein wird. Eine Partie der Figuren ritt auf Schimmeln, die andere auf Rappen.

Das Schachbrett diente schon in der römi­schen Kaiserzeit dem , D a in en s p iel". das unter Tiberius Mode war und jetzt in die Kinderstube verwiesen ist. Als Tiberius Julius Eanius zum Tode Dorurteilt hatte, gab er ihm noch zehn Tage zu leben. 3n dieser Frist spielte der Ver­urteilte Dame mit einem Freigelassenen, und als der Centurio mit der Wache antrat, ihn zur Hin­richtung zu holen, zählte Julius Eanius rasch seine Steine, sowie jene des Gegners und rief:

Kopfschmerz Migrant- Neuralgie Zahnschmerz

den Sinn des ernsten Dichters, sodaß er in seinem Liebeslenz schwärmerische Liebeslieder und neckische Gelegenheitsverschen dichtete, darunter das Gedicht vom Küssen:Ich nur und die Liebste wissen, wie wir uns recht sollen küssen."' In der Abschiedsstunde, im winterlichen Garten am klei­nen Domberg, dichtete er auf dastreue Herz der Braut das wunderzartc Lied, das noch Jahrhunderte später in deutsche Herzen sich schmeichelte: ..Ein getreues Herze wissen, hat des höchsten Schatzes Preis..." UnD war doch einer Ungetreuen gewidmet, denn die Braut brach ihm Wort und Schwur, während er in Rußland weilte, und zog als Weib eines fremden Kauf­manns in die weite Feme ... Als Flemming nach sechsjähriger Abwesenheit nach Reval zurück- kehrte, trat ihm im kleinen Gärtlein an der dunklen Mauer die jüngste Schwester der Treu­losen entgegen. Weinend sprach sie ihm von Clsgen und sah den haltlosen Schmerz und r"t die Tränen fliehen. Leise mahnte sie ihn

^erlagen durch3

eigenen frommen Trostworte:

Hat sich gleich gegen Dich Glück. Ort und Zeit verschworen: Was dich betrübt und labt.

Halt alles für erkoren...

Es erfuhr der stille Garlenwinkel nun

Bei

itrovanille

D. R. R

Elsaß-Lothringische Chronik.

Von unserem ständi^n Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Straßburg, Anfang Juni 1926.

Minister Laval ist zwei Sage im Elsaß ge­wesen. Das nationalistischeJournal de l'Est" be­schwor ihn im voraus, nur ja nichts zu ver­sprechen. Und der Mann, der einmal einer elsässi­schen Beamtenabordnung gegenüber geäußert hatte:Man hat euch mit Versprechungen den Magen überladen", lieh sich das gesagt sein, ver­sprach nichts, tat nichts, kam und ging wieder und hat nichts erziell, als einen Konflikt zwi­schen dem Abgeordneten Walter und dem General und Senator Taufflieb, in Gegenwart des Mi­nisters, wobei der Abgeordnete sich schweigend verhielt, der General aber desto übler mit Verbal­injurien um sich warf. Und die französische Presse Straßburgs hat das triumphierend weilererzählt, daß es dteser autonomistisch gewordene Abgeord­nete einmal gesteckt bekommen habe. Leur Cul- ture! Rebenbet aber sei bemerkt, der General ist schon lange pensioniert. Ohne kulturkämpferischen Zwischenfall ist der Besuch des Präsidenten der Republik in Metz vorbeigegangen, im übrigen aber ebenso wirkungslos geblieben. Richt ein­mal den Direktor Der Deportementszentralkasse Girard hat er mitgenommen.

Und doch hatten bte Beamten wenigs Tage vorher in demselben Metz gegen das längere Verbleiben dieses Herrn auf dem elsaß-loth-

Modefpiele.

Don Alexander v. Gleichen-Ruß

Politik versucht und bestrebt ist. sich den Zugang zu den kommenden großen internationalen Ver­handlungen offen zu halten

Indem wir gleichzeitig die Bemühungen Moskaus streifen, mit den Randstaaten, aber ohne Erfolg, in ein System von Garantie- und Reutralitätsverträgen zu kommen, sehen wir. wie sich neue Konstellationen vorbereiten. Sie richten sich nach der Situation, die der Locarno-Pakt (nunmehr endgülttg von Frankreich ratifiziert im Senat am 4. Juni) geschaffen hat und in ihnen wirkt zugleich die Tatsache des Berliner Vertrages zwischen Deutschland und Rußland weiter, die mit sauersüßer Miene in jenen Senatsverhandlungen eben auch als Tatsache hin­genommen worden ist.

Deutschlands Stellung zu alledem er­gibt sich ohne weiteres. Wir sind an Der Marokkofrage direkt und indirekt nicht inter­essiert, und können froh sein, daß wir das nicht mehr sind, in einem Gegeneinander, das heikelste Probleme vielleicht in sich schließt. Wir nehmen ferner zur Kenntnis, daß der Locarno-Pakt von Frankreich ratifiziert ist, daß Briand abermals seiner Willen zu dieser seiner Außen­politik betont hat. Wir können Den russi­schen Bemühungen, in Fortwirkung Des Berliner Vertrages Die eigenen internationalen Beziehun­gen fester zu knüpfen, nur Erfolg wünschen. Wir verfolgen aufmerksam, wie Die Position Italiens nach. Westen wie nach Osten sich hcrausarbeitel unD beDeutungsvoller toirD unD wünschen Italien eine überlegte unD realpoli­tische Außenpolitik

Aber Die Hauptsache ist uns, was aus Locarno-Pakt unD VölkerbunDsanschluh bis zur Genfer Tagung unD in Genf im September toirD. Von unserer Seite ist Dazu nichts neues zu sagen. Die an Deren Mächte, insonDerheit Eng- lanD und Frankreich sollen aber wissen: das ist der letzte Versuch, das ist Die letzte Mög­lichkeit, Deutschland für Den VöllerbunD zu ge­winnen. Roch einmal Darf mit einem Vorgang in Gens wie im März nicht gerechnet toerDen! Keine Deutsche Regierung, wie sie auch immer zusammengesetzt fei, toürDe Das überstehen unD Darauf sich einlassen können. Die anDere Seite hat Den Anschluß Deutschlands nun zu ermöglichen. Inzwischen aber soll eine weiterschauende deutsche Außenpolitik die unzweifelhafte Gunst der Lage, in der wir sind, und die gerade durch die be­zeichneten neuen Konstellationen eher günstiger wird, ausnuhen, um die absolut notwendige Er­gänzung, die Frage der Rückwirkungen im bekannten umfassenden Sinne erfolgreich weiter und vorwärts zu treiben!

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russische Bündnis und seine Ergänzung durch jenen Vertrag vom Dezember 1925 bedeutet heute sehr viel weniger, als diese Verbindung der politischen Interessen Englands mit dem wittschastlichen und finanziellen Interesse der Türkei, mit der die Freund­schaft her beiden Länder erneuert wird und mit der die Türkei und England in das Verhältnis der 70er und 80er Jahre zurückkehren.

Der Mossuloertrag enthält ein ganzes System von Staatsverträgen. Zunächst erhält die Türkei als Grenze gegen den Irak die Brüsieler Linie der Völlcrbundsentscheidung von 1924, aber mit Veränderungen zu ihren Gunsten. Der Türkei wird weiter 10 Proz. des Rohertrages der Petroleumge- winniing im Irak überwiesen. Der Türkei wird schließlich in Aussicht gestellt: finanzielle englische Unterstützung direkt und indirekt, die entscheidende Mitarbeit Englands am wirtschaftlichen und finan­ziellen Wiederaufbau, dem die Türkei heute ja fast mittellos gegenübersteht. Türkei und Irak schließen unter sich Zoll- und Verkehrsabkommen und andere Verpflichtungen und sie schließen weiter einen Ga­rantievertrag miteinander ab. Mit Recht nennt dar­um derObserver" diesen Vertrag einenLocarno vertrag" für den nahen Orient. Und die Pariser Presse muh anerkennen, daß England damit einen Erfolg davongetragen Hal, wie schon lange nicht mehr. Was Lloyd George in dieser Beziehung ver­fehlt hat, wird wieder gut gemacht, England behält Mossul, ohne sich mit der Türkei zu verfeinden, und schließt sich mit der Türkei enger zusammen, lockert so die an sich schon nicht mehr festen Verbindunoxn der Türkei mit Moskau. Der weitere Effekt wird dann sein, daß die Türkei sich dem Völkerbund an- schließt.

Man muß einen gewissen Abstand nehmen, um die große Bedeutung dieses Abkommens richtig zu verstehen. Erst so schließen die großen Erfolge Eng­lands in den asiatischen Teilen der orientalischen Frage sich ab. Roch mehr aber bereitet sich eine Stellungnahme Englands zu Rußland wieder vor, die an sich gar nichts neues in sich trägt, aber nur über der englisch-russischen Vereinigung gegen Deutschland und mit dem Zusammenbruch Ruß­lands zurückgetreten war. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang auch, wie der Friedens­vertrag von Lausanne die alte vielumstrittene Frage - der Einfahrt von Kriegsschiffen in die Meerengen und nach dem Schwarzen Meer hin regelt.

Keineswegs von gleicher Bedeutung ist Der Vertrag, Der von Frankreich mit Der Türkei jetzt formell nach längerer Vorbereitung ab­geschlossen toorDen ist. Wohl regelt er in Be­zug auf Syrien Grenzfragen, Die bestritten waren, aber er bringt Frankreich keineswegs eine Ent­lastung wie Der Moffulvertrag für England. Die syrische Frage und die syrische Krise ist trotz allem, was Herr de Iouvenel in Paris darüber berichtet, heute noch keineswegs bei­gelegt, bleibt eine große Schwierigkeit für Frank­reich und zwingt dieses genau fo wie die ganze Marokkokomplikation an die Seite Englands. Immer wieder ist daraus hinzuweisen, daß heute die Dinge nicht mehr liegen wie 1920/23, als Frankreich im nahen Orient England mit sol­chen Schwierigkeiten unbequem wurde, um da­mit England Zugeständnisse an Frankreich in Der Dheinpolitik gegen DeutschlanD abzupressen. Heute ist Frankreich Darauf angewiesen, EnglanDs Unterstützung in Der ganzen Kette von Pro-^ blemen, Die sich an Die Tlamen Marokko unD- Syrien schließen, zu gewinnen.

Es beDarf nur einer kurzen Erinnerung an Die Stellung Italiens, um Das Interessante und WeittragenDe Dieser ganzen Vorgänge zu unterstreichen. Italien will unter allen Um* stänDen bei Der Reuregelung Der Verhältnisse in RorDwestafrika beteiligt sein. Und wenn Eng- lanS heute geneigt ist, Frankreich toieDer Den ©cDanfen von 1904 in Aussicht zu stellen, Die Teilung RorDafrikas zwischen CnglanD (Osten) unD Frankreich (Westen) mit Ausschluß von Italien, so ist Das Italien von 1926 nicht mehr Das Italien von 1904. Es braucht sich Das nicht mehr gefallen zu lassen unD melDct feine Ansprüche sehr grünDlich an. Gleichzeitig hat es feine Beziehungen mit Spanien, verhanDelt es über eigene Beziehungen zu Jugoslawen, unD Dazu kommen Die Fäden toieDer zwischen Rom unD Moskau, an denen die Moskauer Außen-

APMreie.Nibt^ MultuJoWerkM

Centurio, du bist Zeuge, daß ich um einen Punkt gewonnen habe." Dann lieh er sich abführen.

Bis in das 6. Jahrhundert läßt sich das Domino" verfolgen, das zeitweise im Süden Europas mit Leidenschaft gespielt wurde und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts über Dte Alpen nach Dem RorDen kam. Es führte immer mit Den Karten einen stillen Kampf, Doch stand es bis jetzt weit im Hintergrund gegen Piquet. Whist, Skat. Tarock und Bridge im großen Rei­gen Der MoDesptele, und seine 36 Steine formten niemals jene gesellschaftliche BeDeutung ge­winnen, Die Den 52 Karten Dss Whistspiels zukam. Heute hat sich das alte Domino einen prächtigen chinesischen Mantel umgetan und kommt als Mah-Iongg in eine so lebhafte Mode- strömung, daß seine Kenntnis für Die sogenannten schicken Leute bald unerläßlich sein wird. Dieses chinesische Domino, das von Peking über Amerika nach Europa kam und in diesem Jahr zum Schlager Der Leipziger Messe wurde, patzt zu Den Lackgegenständen, Den BuDDHas und den orientalischeir Parfümlampen, auch zu Den Frauenkleibern, Die heute Mo De sind. Es hat 144 Steine aus Elfenbein, mit Bildern geschmückt. Würfel unD Würfelbecher unD einen umrandeten Teppich, auf dem es gespielt wird. Die 144 Steine scheiden sich in Die Gruppe der Kreise, der Bambusstäbe und der Tharakteve. Dann gibt es Drachen, die vier Jahreszeiten, die vier Winde und Die vier Blumen. Dies alles muh sich nach bestimmten Spielregeln anetnanDer- fügen Es sinD reizvolle Zusammenstellungen. unD ihr Werden gibt Anlaß zu mancher spöt­tischen Redensart.Ziehen Sie Ihre Blumen zurück, ich bin Der Ostwind!" ruft einer Der vier Spieler, doch seine Partnerin nimmt sine gute Jahreszeit zu Hilfe und rettet die Blumen.

Wollte man heute Mah-Iongg auf einem Wiesentevpich mit lebenden Steinen spielen, wie jenes prachtvolle SHach an einem rotgoldenrn Herbsttag, es wäre ein großer kostümierter Ball Der im prächtigen Alt-China keineswegs des Reizes entbehren würde. So spielt man es aber im Salon, trinkt Tee dazu und denkt etwas ganz Reu es zu tun. während schon lange Die fremden Frauen mit den kleinen Füßen ihre Blüten vor Wind und böser Iahreszeft hüteten. Frau Mod lacht aber, sie hat einen neuen Scherz ersonnen.

Außenpolitische Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M d. R.

Die Dölkerbundstagung in Genf hat die beiden Hauptfragen zu einer wirklichen Lösung nicht brin- «en können. Zwar ist der Anspruch Polens auf einen ständigen Ratssitz von der Bildfläche oer lchwunden. Aber weder Spanien noch Brasilien haben formell und unzweideutig ihren Verzicht er klärt. Der Streit bleibt unausgetragen, auch wenn man glaubt, in dem neuen Wahlreglement eine Waffe zur.chinauswahl" Widerspenstiger zu haben, und wird sich so bis zum September hinschleppen. Man wird dann sehen, ob der Völkerbund selbst die straft aufbringt, seinen Willen durchzusetzen, wenn er sich nicht einer ungeheuren Blamage und einer gewaltigen Minderung seines Ansehens aussetzen will. Ob die Studienkommission, wie in Aussicht. genommen, zu ihrer zweiten Lesung am 28. Juni noch einmal zusammentritt, ist eine Frage von ge­ringerer Wichtigkeit. An den Beschlüssen der ersten Lesung wird nichts zu ändern sein, und die Arbeit, auf die es ankommt, vollzieht sich hinter den Ku- lissen zwischen Kabinett und Kabinett. Die Leiter her großen Politik Englands und Frankreichs" aber frben alle Veranlassung, Die Herbstversammlung gründlich oorzubereiten, darüber nachzudenken, wer an dieser Krise schuld ist. Es war doch Spanien wie Polen bestimmt versprochen worden, daß ihr Anspruch ckuf einen ständigen Ratsfitz anerkannt und durchgesetzt werde, was man vor Deutschland geheim gehalten hat. Und nun, da die Betreffenden die Wechsel präsentieren, entstand an dem Wider­stand Brasiliens, den man an sich auch durchaus begreifen kann, die Krise, an der also die hinter­hältige und zugleich unüberlegte Politik von Paris und London die Schuld trägt.

In Der Abrüstungsfrage ist noch weniger geschehen. Die Kommission, Die getagt hat, war ja nichts weiter als eine Sichtungskommission techni­scher Art. Sie hat Die Probleme gestellt. Die Fra­gen, um Die es sich Dreht, Die Gegensätze heraus- gearbeitet, Die vorhanden sind, und setzt in Unter­kommissionen Der militärischen Sachverständigen Die Arbeit fort. Der VölkerbunDsrat als solcher kann lebiglid) Den Bericht über bas entgegennehmen, was geschehen ober vielmehr nicht geschehen ist. Aus wie lange Sicht biese Arbeit angelegt ist, geht baraus hervor, baß man bie wirkliche unb ganz große Abrüstungskonferenz für Ende 1927 in Aussicht nimmt! Daß bas ben Rorbamerikanern zu lange dauert, bas hat Die in Der Form vorsichtige, Der Sache nach aber recht bestimmte ReDe Coolibges am 31. Mai mit einem beutlidjen Wink gesagt. Für bie Republikanische Partei in Rorbamenka, bie roieber Wahlen entgegensieht, ist es ja von Bebeutung, baß die Abrüstungsfrage, ein wichtiger Programmpunkt für sie, in Europa vorangehe.

Man erkennt beutlich bas Bemühen in Genf, bie Arbeiten bes Völkerbunbes nicht abreißen zu lassen. Man hält bie Mühle unausgesetzt im Klappern. Eine Kommission folgt ber anderen. Wichtiges unb Unwichtiges geht burcheinanber. Daburch soll ber Anschein erweckt werben, baß bie umstänbliche unb kostspielige Organisation wirklich etwas schaffe. Aber das täuscht boch niemals barüber, baß biese Mühle außerorbentlich wenig Mehl mahlt unb baß mit dieser Arbeit nur Zeit gewonnen werben soll, bamit hinter ben Kulissen bie großen Gegensätze ausge­glichen werben können.

Darauf wirken nun bie unausgesetzt sich ver- änbernben Konstellationen ber großen Po- tif ein. Wir Haden kürzlich schon hier bie M a - r o k k o s r a g e in biefem Zusammenhang Gehan­delt. Der militärische Feldzug ist zu Enbe, unb es beginnt seine Fortsetzung mit anberen Mitteln, bas heißt ber diplomatisch-politischen Auseinandersetzung unb möglicherweise dahinter einer Heraufziehenben großen Konferenz. Zur Ergänzung bes Bildes ist noch hinzuzufügen, baß inzwischen am 4. Juni der englisch-türkische Vertrag über Mossul unter­zeichnet worben ist. Englanb steht bamit am Enbe seiner jahrelang (seit 1922) zäh unb konsequent fort­gesetzten Politik, bie barauf hinausging, ben Erfolg des Weltkrieges in bezug auf Mesopotamien unb ben Irak nicht in Frage stellen zu lassen, anbererseits aber trotzbem bie guten Beziehungen mit ber Türkei wiederherzustellen. In biefem Ringen zwischen Englanb und Rußlanb um ben Einfluß in Angora ist Englanb Sieger geblieben. Das alte türkisch-

3m allen Reval.

Don R. Kanlih-RieDeck.

Alte vernachlässigte Häuser bresthaft gleich Greisen auf Krücken, nehmen im Stadtkern von Reval Dem fortschrittlichen, robusten Geiste Hellig­keit und Bewegungsfreiheit. Ihre unsauberen runzligen Gesichter stimmen verDrießlich. Es gibt ältere Häuser in alten lieben ötäDtcn Deutsch­lands aber sie heimeln an. weil sie Spuren sorg­fältiger Pflege zeigen. Den Fremden aus Deutschland friert es deshalb im grauen Stadt- Herzen Revals, sodaß ihn Der alte Hanseort am Rordlandmeer mehr enttäuscht als fesselt. Ein deutscher Gelehrter meinte einmal, es rieche in Reval zu sehr nach Staub. Spinntoeb unD Katzen... Rur wer mit Dem EntDeckersinn Des AltertumsfreunDes zwischen Den Häuserreihen dahingeht. Dem wispern unter Verfall unD Un­sauberkeit die angejahrten Haustüren. Pforten und Torbogen mit verstaubtem Schnitzwerk, hüb­

Demokratie".

Ist es ein Wunder. Daß ®lfab-ßotf» ringen von einem GnDe bis zum anderen widerhallt vom Rufe nach Autonomie? Die klerikale Volks» Partei hat Diesem Rufe ein mächtiges Echo ge­schaffen Durch große Massenversammlungen in Straßburg, ß-olmar unD Mülhausen, in Denen sie Die Autonomief Sicherung erhob, wie sie sie auf faßt: als Verwaltungsautonomie in toeiüfl- stens äußerlicher Uebereinftimmimg mit Den Be­strebungen Des französischen Regio,lalismus. IeDer Einsichtige", schrieb Dazu die Parteipresse selbst,hat Die Wahrnehmung gemacht. Daß Die Stimmung nicht etwa künstlich Durch Die Redner in Die Versammlung hineingetragen wurde, fo,v Dern Daß Die Referenten durch Dte sich stür­misch äußernde Ueberzeugung Der Versammlung mitgeriffen tourDcn. Als von Der Schulfrage ge­sprochen unD Die 1600 eingetoanDerten französi­schen Lehrpersonen erwähnt wurden, brach der Ruf los:Hinaus mit ihnen!" Als Der Aba Walter zu DerZukunft" Stellung nehmen wollte tour De jede Rennung Des tapferen Wochenblatt ee mit tosenDem Beifall begrüßt und Damit Dem ReDner Die Kritik aus Dem MunDe geschlagen Dem SchlagwortVerwaltungsautonomle" ani = toortete aus Dem Saal Der vielstimmige Rui Rein, politische Autonvmiek" und gegen ole ver­hältnismäßig zahme Entschließung wurde teut gemurrt.

Die Parteien müssen Der AutvnomiesorDe rung Rechnung tragen, sie müssen geradezu vor ihr kapitulieren. Unterschiede bestehen höchstens in Dem Maß Des Entgegenkommens. Das Boll will gefühlsmäßig Die Autonomie als ehr irgend wie geartetes Verfügungsreckst über sich srlbst und seine Angelegenheiten. Dieser Wille toirD. wenn man sich auch alle anderen Fra«n erledigt dentt. stets toach gehalten werden Durch die fxan- zösische Sprachenpolitil in Der Schule. Wir wol­len Damit nicht sagen. Daß Frankreich nicht ein­lenken, nicht eine anDere, versöhnlichere Sprachen- politit im Deutschen Sprachgebiet Elsaß-2oih° ringens treiben könnte, wenn es Das wollte. Aber eben für Diesen Willen fehlen nicht toeni-

N*. Ms MlÄ-.

Flemmings zweiten Liebesfrühling. Denn er ver­lobte sich Der jüngsten Riehusen, Die seine LieDer liebte unD fang, auch fein unvergleichliches:2n allen meinen Taten laß ich Den Höchsten raten.. Ausgesöhnt mit seinem Geschick, kehrte Der junge Dichter balD nach Hamburg zurück, mit Der Hoff- I nung im Herzen, zur Rosenzeit Die Braut heim»

non ewiger Dunkelheit und Feuchtigkeit grüne Krusten haben unD Die verrosteten Ringe unD Anqeln verborgener Falltüren sich tief in Den Stein gruben. Irgendwo stößt eine dunkle Stiege in Die Mauer und teilt sich in mehrere kurze Stiegen. Die regellos Durch Das Gebäude laufen unD vor irgenDeiner Türe enDen. Die Jahr­hunderte alten Haustüren und Hoftore öffneten sich vor manchem großen Deutschen Mann unD schade nur. Daß Reval Die Erinnerung an be- DcutenDc Gäste unD Besuche nicht in Gedenk­tafeln wahrt.

Am kleinen Dörnberg, unter Den Dunklen, massigen Einfassungsmauern, auf' Deren Rücken weitläufige Adelshäuler Heben, liegt eine hübsche eiserne Pforte. Sie Drückt sich in Den Winkel zwi­schen einem verwitterten, gemütlichen Turm und eine mürrische Gartenmauer. Durch ihre ge­brochenen Muster sieht ein behüteter altertüm­licher Hof. Pforte und Hof scheinen aus früheren Jahrhunderten vergessen zu sein. Laut poltett bas ©taDtgetriebe Dann vorüber unD schert 'ich wenig um Das freunDliche Geheimnis im Winkel. Steintreppen, schroff, winkelig, arbeiten sich zu chm hinauf, sie liegen zwischen zwei Reihen sehr wqaljrter krummer, buckliger Häuser, unter ruef-

unD Im Kopfe den einzigen Gedanken, Daß ihm nirgends im Heben Frankreich Die Kolonial zutage von 16 Prozent zum Gehalt gezahlt würde. Die 'irniril Der Verwal- kein einziger fr an- ...... in Elsaß-Lothrtnasn Der Verwaltung wegen Deutsch gelernt bat 16 Prozent von rund 50 000 Franken Gehall, Das sinD 8000 Franken. Soll man sich nicht Dafür, wenn es schon nicht anders gebt, einmal einen Rachmittag lang durch eine Prvtew^ersammlnnq schleifen lassen? Wenn man nur Hornlxiut am Ehrgefühl hat. hält mans schon aus. Girard hielt es aus. Er ist noch in Metz. Er toirD Dort flehen bleiben, solange fein Schutzpatron die Macht hat. Heben bleiben als Sinnbkld der französischen

sichtslosen Dachtraufen und titteulenspiegellustigen I führen zu können. Aber ihn rief bald der Tod Regenröhre,i. Paul Flemming. Deutschlands | 3m Garten am kleinen^ Domberg zu Reval wackerer Dichter, ist in Den Rovembertagen 1633 über Diese Treppen gestiegen, um hinter Der schmalen Mauerpforte fein bräutliches Glück zu besingen. Die Pforte schloß nach Der UnterftaDt das Gartengrundstück Des Revaler Handelsherrn Riehusen ab. UnD Elsgen Riehusen erwählte sich Der junge Dichter zur Braut. In fröhlicher Eile hatte das Liebespaar einander Treue geschworen. Denn Die Deutsche Handelsgesellschaft. Die vom holsteinischen Herzog Friedrich ausgeschickt war. und der Flemming als Arzt folgte, sollte ihre gefahrvolle, beschwerliche Reife ins tiefe Ruß­land fortsehen. Das hübsche Revaler Kauf- rnannstöchterchen verwandelte mit Zauberkraft

Brite Belekiknrx- «hrlltgeiilliehaii nGibililirgir" l DamintHelinng BIiBh e. V.

beute vmtMend

-Stadt Sieb. Besprechung über denBerbandsiaa in Darmstadt. 5074c

Ter Vorstand.

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1Z.MM Bezirks- turnen

In Ober- Mörlen. Alle Bezirlsmeine sind öu zablrelchcin Besuche eingeladcn. Bahnfahrt biS nach BadÄauheiuu von dort schöne Submn- derung über den Jo- bannisbergo-M' mit dem iüoitauto nach dem Jestorie.

rrngischen Boden eilte Profstversamotiung abge­halten. Die selbst auf diesem politisch so heißen Boden ein Unikum war. Girard hatte Den Bei banD der Steuereinnehmer du och einen Briet an dessen Vorsitzeirden beleidigt indem er sie eine Bande von Besessenen nannte und veracht - lich vom Offiziersdienst dies« Boomten im deut­schem Heere sprach Die Beamten. Die ganze Presse. Die Abgeordneten hatten Die 6trafnei feyung Des heißblütigen Vorgesetzten verfangt. Die Forderung war wie ein Sturm DinxM Land gegangen, aber Den Günstling irgendeines Pa riser Mächtigen wegzufeaen. batte er nicht ver­mocht. Dre Regierung tieft wissen, es fei kein Kredit für Die Umzugskvften Da. Die Beamte» legten zusammen und boten Der Regierung die Umzugslosten an. Run tarn Die Protestveriamm' lung. Die Girard ihrFort!" m die Ohren rief Aber Der Mann hat Hornhaut am Trommelfell

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