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Mittwoch, 12. Mai 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. NO Dritter Blatt

Aus Natur und Technik.

Die Entwicklung des Rundfunksenders.

Don Dipl.-Ing. Mangold, Duisburg.

Der Rundfunk oder die drahtlose Telegraphie ist der jüngere Bruder der drahtlosen oder Funtcntele- graphle. Beide überbrücken den Raum unter Zuhitsc nähme el. irischer Energien und suhen aus der gründ mb u Entdeckung des deutschen Phnsikers Profchor Hertz. das; die in elektrischen Leitern schwingende Elektrizität Kräfte in den Raum aus- scndet, die sich mit der Geschwindigkeit des Lichtes (300 000 Kilometer in der Sekunde) als Wetten fort- pflanzen und durch besondere Empfangsapparate nachgewiesen und aufgefangen werden können. Allerdings hatte Hertz. welcher kurz daraus starb, noch keine Ahnung von der ungeheueren Wichtigkeit und Entwicklung seiner Entdeckung. Diele, elektrischen oder chertzschen Wellen, welche die Grundlage für die drahtlose Telegraphie und Telephonie sind, bestehen aus sehr schnellen Schwingungen, welche von den Sendern in den Raum übertragen und dann von den Empsangsapparaten wieder aufgenommen werden. Sie breiten sich wie die Lichtwelten im Aether aus, welcher bekanntlich als feinster Stoff überall, in der Lust, in festen Körpern, wie in vollkommen gas- und luftleeren Räumen angenommen wird. Don den Lichtquellen unterscheiden sich die elektrischen Wellen durch ihre Länge. Wahrend erstere weniger als ein Tausendstel Millimeter lang sind, haben die elek­trischen Wellen eine Länge von vielen Metern bis zu mehreren Kilometern. Wie die Luflstrahlen werden sie von den einzelnen Stoffen zurückgchalten, durch­gehalten, durchgelassen oder geschwächt. So können

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sie durch metallische Stoffe nicht hindurch und wer­den von ihnen aufgefangen. Dank ihrer Länge kön­nen sie um Hindernisse, wie z. B. Berge oder Häu sermassen herumbiegen und noch den Knick in voller Stärke weitergeben. Die erste praktische Anwendung der Herrschen Wellen geschah 1897 durch Marconi an der Küste von Wales, welchem es gelang, mit Hilfe feines Funkensenders auf 15 Kilometer draht­los telegraphische Zeichen zu übertragen. In einem Funkeninduktor l wurde die hochgespannte Elektri­zität erzeugt, welche dann zwischen den beiden Po­len als Funke F gberschlug. Durch die Taste T konnte der Funkeninduktor beliebig ein- und ausge­schaltet, d. h. es können im Rhythmus der Morse- zeichen elektrische Wellen ausgesandt werden. Durch die Antenne A und die Erdung E ergibt sich eine Ä Reichweite gegenüber dem ursprünglichen en Versuchen. Als Empfänger wurde der sogenannte Kohärer benuht. eine mit Metallspänen gefüllten Glasröhre, welche im Ruhezustand einem Batteriestrom geringeren Spannung einen großen Widerstand entgegenseszt, diesen jedoch ungehindert hindurchläßt. sobald elektrische Wellen auf sie auf- tresfen. Da man beim alten Marconisystem noch keine Aussendung nach verschiedenen Wellenlängen kannte, so störten sich naheliegende Sender in mehr vder minderem Grade gegenseitig. Die geringe Reichweite der Wellen hatte ihren Grund in der starken Dämpfung. Die Schwingungen wurden mit

G.

großer Gewalt vom Sender ausgeworfen und klan­gen dann sehr schnell ab. Der folgende Schwingungs­zug fefite erst nach geraumer Zeit, welche mehrmals so lang ist, als ein Schwingungszug währt, wie­der ein.

Einen gewaltigen Fortschritt brachte einige Jahre später Professor Braun. Er fügte in die Antenne einen Schwingungskreis, bestehend aus einem Kon­densator und einer Selbstinduktionsspule ein und brachte dadurch die Gesetze der Resonanz, die Wir­kungen der elektrischen Schwingungen auf Schwin­gungskreise zur Anwendung. Das Prinzip der Re­sonanz läßt sich am besten mit Hilfe der Akustik er Hären. So hat eine Stimmgabel mit dem Lon a ganz bestimmte Größenverhältnisse. Werden diese geändert, io hat dies sofort eine Aenderung des Tones zur Folge. Bringen wir nun in ihre Nahe e ne zweite und der ersten völlig gleiche, io schwingt dreie von selbst mit, ohne dost sie von außen an­gestoßen wurde. Die Erllärung kommt durch die in Schwingung versetzte Luft, welche die Schwingung auf die andere, aleichabgestiminte StiMr"gabcl uber- Iränt. Dagegen bleibt eine Stimmgabel mit anderer Abstimmung vollkommen ruhig. weil sie aus die ihr fremden Schwingungen der Luft nicht aNIprechen kann.

Im Prinzip denselben Vorgang sehen wir in der drahtlosen Technik. Die Schnelligkeit 6er in der An­tenne des Senders entstehenden und von diesem ausgestrahlten Schwingungen und damit natürlich auch die Länge der ausgesandten Wellen sind ganz und gar von den elektriichen Größen des Schwin gunqskreises, von der Größe der Kapazität und der Selbstinduktion abhängig. Man kann also somit der Wellenlänge jede gewünschte Zahl geben. Infolge des Resonanzprinzips nimmt nun nur der Empfän­ger die Schwingungen des Senders richtig auf, dessen Abstimmung die gleiche ist. Hierdurch hat man also die Möglichkeit, Sender und Empfang aufein­ander abzustlmmen und die anderen Wellen auszu-

schließen. Durch das Herausnehmen der Funken- strecke aus der Antenne und ihre Einordnung in einen besonderen Kreis, oer durch die Selbstinduk­tionsspule mit der Antenne gekoppelt ist, wurde der gekoppelte Schmingungskreis erfunden, der die An­tenne unbeeinflußt durch die schädliche Wirkung der Funkenstrecke ausschwingen läßt und die Dämpfung vermindert Aber das Ziel der Sendetechnik blieb nach wie "vor die Erzeugung ungedämpfter Wellen, was durch die Funkensender nicht erreicht werden konnte. Wohl versuchte man der Lösung noch durch die Loschfunkensender der Telefunkengefellschast nahe zu kommen, welche als die höchste Stufe des Funkensenders anzusprechen sind und auch heute noch in vielen Küstenstationen und auf Seeschiffen verwendet werden. Er zeichnet sich neben seiner großen Betriebssicherheit vor allem durch feine leichte Bedienbarkeit aus.

Die ungedämpften Wellen finden heute nicht nur in der drahtlosen Telegraphie weitestgehende Ver­wendung, sondern sie kommen auch für die drahtlose Telephonie, ober für den Rundfunk allein in Be­tracht. Bei ihnen ergeben sich im Gegensatz zu den gedämpften Wellen stetige hochfrequente Schwin­gungen, welche eine immer gleiche Größe besitzen, während bei den gedämpften Wellen die Schwin­gungen rasch bis auf Rull abnehmen und dann nach einer kurzen Pause wieder mit ihrer ursprünglichen Größe einsehen. Mit ungedämpften Wellen läßt sich eine beliebig große Energie ausstrahlen, und die Möglichkeit der Abstimmung ist hierbei so scharf, daß sie auf dicht nebeneinanderliegenden Wellen mit nur ganz wenigen Metern Unterschied aussen­den. bzw. empfangen können. Wie eng oft die Wel­len der einzelnen Rundsttnksender zusammenliegen, mögen die folgenden Stationen zeigen: 395 Meter Hamburg, 400 Meter Newcastle, 407 Meter Mün­ster, 418 Meter Breslau ttsw.

Ungedämpfte Wellen können auf drei Wegen er­zeugt werden, nämlich durch die Lichtbogenmethode, durch Hochfrequenzmafchinen und durch Elektronen­röhren unter Benutzung der verschiedenen Rücklopo- lungsarten. Der Lichtbogensender wurde schon 1903 von Poulsen erfunden und besitzt eine einfache Schal­tung und bequeme Dehnung infolge der verwen­deten nfebrigen Spannungen. Seine nähere Be­sprechung ist hier nicht möglich. In neuerer Zeit ist er besonders durch den Röhrensender start zu­rückgedrängt worden. Der Maschinensender mit den .Hochfrequenzmaschinen beherrscht heute die Groß- ftutionen. Mit ihnen lassen sich ohne weiteres die größten Entfernungen überbrücken. So hat z. B. Nauen eine solche Maschinenleiftung, daß es runb um den Erdball herum telegraphieren kann. Die deutschen und die von der deutschen Industrie im Auslande eingerichteten Stationen benutzen wohl i ausschließlich den vom Grafen Arco bei der Tele- funkengefellschaft durchgebildeten Mafchinensender. In der Wechselstrommaschine wird ein Strom von 60011 Perioden erzeugt wofür sich ohne weiteres Maschinen selbst für größte Leistungen bauen lassen. Dieser 6000 periodische Wechselstrom wird nun zwei Frequenztransformatoren TI und TII zugeführt, deren Eisenkern durch die Gleichstrommaschine G zur vollen Sättigung gebracht ist. In diesem Zu- siand nimmt die Magnetisierung selbst bei einer Er­höhung des Magnetisierungsstromes den 6000 perio­dischen Wechselstrom, so wird die Magnetisierung durch die negative 'Amplitude des Wechselstromes geändert. Durch eine sinngemäße Zufammenhaltimg beider Frequenztransformationen kann man er­reichen, daß in Öen Spulen 3 und 4 ein Strom von doppelter Frequenz zustande kommt. Führt man nun diesen 12 000 periodischen Wechselstrom einer weiten Gruppe von Frequenzformation zu, io er­hält man eine Vervierfachung der Grundfrequenz, also 24 000, was schon für das Hinaussenden der Wellen vollkommen genügt. Bei dem Telefunken- System hat man eine außerordentliche große Be­triebssicherheit erreicht. Wir weisen u. a. auf Nausn hin, welche im ununterbrochenem Verkehr mit Ma schinensendern, System Telefunken, arbeitet.

Ferner ist noch der Schmidtsche Maschinensender zu erwähnen, welcher mit einem einzigen Transfor­mator die Erzeugung einer so hohen Frequenz ge itatiet, daß ohne weiteres Wellen bis zu 250 Meier herab durch die Antenne ausgestrahlt werden kön­nen. Er hat deshalb auch im Rundfunk für die Wel­len von 250 bis 700 Meter Eingang gefunden, wäh­rend der Telefunken-Maschinenfender wohl aus schließlich für die drahtlose Telegraphie Verwendung findet. Gan; allgemein ist ein Nachteil der Ma schinenlender, daß sich auf ihnen die Senderwelle entweder gar nicht oder nur mit großen Schwie­rigkeiten ändern läßt.

Dieser Nachteil wird bei dem Röhrensender oer mieden, welcher heute im Rundfunk das Feld bc herrscht. In ihm werden die Hochtrequenzschwingun- gen durch die in der Radiotechnik so wichtige Elek­tronenröhre erzeugt. Zu, Erzeugung der Schwin gungen kann man die Röhre in mannigfacher Weise schalten.

Eine sehr bekannte Schaltung ist die Rückkoppe- lungsfdjaltung nach Meißner, welche kurz erläutert

werden soll: Die Kathode der Elektronenröhren wird durch die Heizbatterie H zum Glühen gebracht und an die Anode der positive Pol einer Hochspannung- batterie A gelegt. Im Anodenkreis liegt die Spule S I. welche auf die Spule S II des Gitterkreises G gekoppelt ist. Fließt durch die Röhre ein Strom, fo hat dies in der Spule SI eine Spannungsänberunq zur Folge, welche sich durch die Koppelung auf die Spule S II im Gitterkreis überträgt. Das hat wieder eine Verstärkung des Anodenstromes zur Folge, da dieser ganz von den an das Gitter der Röhre ge­langenden Spannungen abhängig ist. Auf diese Art gerät der Skhwingungskrois 8 ins Schwingen. Er' macht ungedämpfte Schwingungen, deren Wellen­länge nur von der Größe der Selbstinduktion und des Kondensators abhängig sind. So lassen sich bei veränderlicher Selbstinduktion und Kondensator ohne weiteres alle prakttschen Wellenlängen mit dem Röh­rensender erzielen. Meistens arbeiten die Röhren» sender mit kleinen Energien von OL bis 10 Kilo­watt. Als Stromquellen für den Anodenstrom dienen Maschinen ober AkkuluMatoren, ebenso kann der Heizstrom den Akkumulatoren entnommen wer­den. Ihre Wellen weisen eine hohe Konstanz auf. Do. die Wellenlängeneinstellung vom eigentlichen Schwingungsgenerator unabhängig ist, so läßt [ sehr leicht jede Nachregulierung bewirken.

Für das Hinaussenden von Telegraphiezeichen kommt eine Taste in Frage, während bei Einschal­tung eines Mikrophons in den Gitterkreis ober mit Hilfe einer Funkfchen Steuerdrossel in den An tennenkreis es möglich ist. Sprach- und Musikwellen aufzunehmen und nach Umformung hinauszusenden.

Der Röhrensender steht heute inmitten einer zu­kunftsreichen Entwicklung. Neuerdings werden mit ihm auch sogenannte kurze Wellen von 10 bis 100 Meter erzeugt und ausgesandt, welche bei geringer Energie eine außerordentlich große Reichweite haben. So hat man z. B. in Nauen auf Welle 80 Meter bei einer Antennenenergie von nur 2 Kilo­watt mit Buenos Aires verkehrt.

Glotzen Sie mich nicht so an!"

Don Max Fischer.

Auf der leipziger Technischen Messe war eine auffallend große Zahl von Fahrtrichtungs­anzeigern für Kraftwagen ausgestellt, und es ist erstaunlich, wie viel Scharfsinn auf die Lö­sung dieser an sich vielleicht nebensächlich er­scheinenden Aufgabe verwendet worden ist: viel­leicht ist dies aber doch ein Zeichen dafür, daß ein lebhaftes Bedürfnis nach einem recht sinn­

Der ausgestorbene Later enanzünder.

Don Ingenieur Karl Trott.

Als Schulbube durfte ich in den großen Ferien hin und wieder meine Großeltern in der Großstadt besuchen. Dort erfreuten sich drei Dinge meiner besonderen Borliebe, nämlich der Wasserhahn in der Küche, die Pferdebahn und am Abend der Laternenanzünder Cs hatte sei­nen eigenen Bei.;, das Aufleuchten der Lampen zu verfolgen und den Laternenanzünder wie ein Glühwürmchen geschäftig hin und her eilen zu 'eben. Die Dorliebe für alles. waS Gas heißt, blieb auch dem späteren Studenten treu, sei es, daß man den Laternenanzünder beim zweiten Teil seiner Tätigkeit, nämlich durch AuSdrehen seiner Pflegebefohlenen, unterstützte, sei es, daß man die Laternen als Richtungsanzeiger und Stütze auf dem nicht immer ganz einfachen Heim­wege nach feuchtfröhlichen Kneipabenden benutzte. Um öie elektrische Beleuchtung, die inzwischen in größerem Umfange einsetzle. kümmerte mau sich weniger.

Der Laternenanzünder merkte freilich bald, daß sich das Gas durch die Elektrizität nicht so bald verdrängen lassen werde, denn einmal war es sehr volkstümlich, und dann hätte die Umstellung zu große Summen verschlungen. Der Glühstrumpf verlieh außerdem dem Gas­licht neues Leben, wenn er auch den Laternen­anzünder seiner Eigenschaft als Glühwürmchen entkleidetem Seine Tätigkeit beschränkte sich von da an nur noch auf das Aufdrehen deS Hahns jeder Laterne, so daß sich das Gas an der immer brennenden Zündflamme entzündete aber sei­nen WSg von Laterne zu Laterne machte er nach wie vor, er erschien unentbehrlich. Da erwuchsen ihm aber Gegner im eigenen Lager. Den Gas­männern war es schon längst ein Dom im Auge, daß man Hunderte und Tausende elektrischer Lam­pen von einer einzigen Stelle auS entflammen konnte. Um diesen Dorsprung der Elektrizität einzuholen, machten sie nun etwas, was bei bet Elektrizität nicht geht' Sie zündeten die Laternen durch eine Druckwelle an. In der Elektrotechnik würde etnfr solchen Druckwelle eine vorüber­gehende Spannungserhöhung entsprechen, die aber die Lampen durchbrennen würbe. Beim Gas ist die Sache einfacher: Die . ündflämmchen waren nun einmal da. und so handelte es sich nur noch um bas selbsttätige Aufdrehen des Gashahns an

fälligen und wirksamen Fahrtrichtungsanzeiger vorliegt. Die meisten Fahrtrichtungsanzeiger be­stehen aus Pfeilen. Vie die Richtung anzeigen, oder aus Lampen, die an der Wagenseite auf­leuchten, nach der eingebogen werden soll, und es gibt auch darin recht hübsche Sachen, von denen vielleicht spater einmal zu sprechen sein wird. Heute soll von einer ganz merkwürdigen Lösung gesprochen werden.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß jeder Mensch aufmerksam wird, wenn er angestarrt wird: es soll sogar empfindsame Menschen geben, die es empfinden und sich umdrehen, wenn man ihre Rückseite fest ansieht, obwohl sie das ja nicht sehen können. Darauf beruht nun die Bauart des neuen Richtungsanzeigers: Rechts und links neben dem Führersitz befinden sich je eine Laterne, die als sogenannte Stadtlaterne ohnedies vor­handen zu sein pflegt: sie ist vorn mit einem halbkugelförmigen Milchglas entsprechend dem Weihen des Auges verschlossen. 3m Innern ist zwilchen der Lampe und dem Milchglas eine durchsichtige Pupille angeordnet, deren Bild von einer dahinter sitzenden Glühlampe von innen her auf das Milchglas getobrfen wird und so natür­lich von außen sichtbar ist: dadurch sehen die Milchglashalblugeln genau so aus wie Augen, die in der Ruhestellung also beim Geradeaus­fahren geradeaus sehen. Run können aber die Pupillen durch einen einfachen Handgriff verstellt werden, so daß die Augen nach rechts - wenn man rechts einbiegen will oder nach links zu sehen scheinen. Wer da im Wege steht, weicht unwillkürlich aus, wie es ja ein bekanntes Mittel ist Leute auf Der Straße dadurch zum Aus­weichen zu veranlassen, dah man sie fest ins Auge faßt.

Zuerst stutzt man natürlich und tarnt stch eines Lächelns kaum erwehren, ileberlegt man sich hie Sache aber genauer, so kann man nicht umhin, anzuerkennen. daß sie einen Eindruck auf die menschliche Seele benutzt, auf den diese ge­fühlsmäßig anzusprechen und Handlungen auszu­lösen gewöhnt ist während die Bedeutung Pfeils gewissermaßen erst übersetzt werden muß.

Hinten am Wagen befinden sich sogenannte Richtungswinkel, die durch die Einstellung der Augen zum Aufleuchten gebracht werden und sich beim Halten zu einem leicht verständlichen Haltezeichen zufammensetzen

And dann noch eins: Da Sie, verehrter Leser, soeben gedacht haben: ^Wie aber wenn der Wagen schielt?", fo muß ich zum Schluß noch versichern: Er schielt nicht. Die zwei Puvillen sind zwangsläufig miteinander verbunden, und können nicht anders, als immer beide nach der­selben Richtung sehen.

Ansicht

oon. uorne: von<t Seite

Pechtst

jeder Laterne, das der ßaternenanounöev von Hand machte. Auf diese Weise entstanden dl« Fernzünder, die in das Innere j?ber Laterne eingebaut werden und oben den Glühlichtbrenner mit der dauernd brennenden Zündflamme tragen. Bei der Fernzündung einer Berliner Maschinen­fabrik ist die Gaszusuhrung zur Hauptflamme im Ruhezustand durch ein frei bewegliches Kegelventil verschlossen Wird nun vom Gas­werk aus eine Druckwelle von etwa zwei Minuten Dauer gegeben, so wird eine durch eine einstell­bare Feder belastete Membran jedesmal um einen Millimeter hin und her bewegt. Diese kleine Bewegung wirkt auf ein Gesperrt wodurch eine Achse bei jeder Druckwelle um ein Zwölftel einer Umdrehung weitergedreht wird. Auf dieser Schaltachse sitzt ein Daumenrad. das das Bentil zur Hauptflamme öffnet oder schließt, je nachdem ein Daumen oder eine Lucke zur Wirkung kommt.

Die Erzeugung der Druckwellen ist eine sehr einfache Sache. Man benutzt hierzu einen Druck­regler. der weiter nichts ist. als ein auf einer Wasserfläche schwimmender kleiner Gasbehälter. Durch einen Druck, der selbsttätig zu einer be­stimmten Zeit ausgeübt wird, entsteht die Welle, die dann durch das Rohrnetz eilt. Diele Städte haben nun ganz- und halbnächtige Lampen: wenn man die Daumenräder im Fernzünder ent­sprechend ausbildet, ist es möglich, halb- und ganznächtige Lampen mit drei Druckwellen fo zu steuern, daß bei der ersten Welle alle La­ternen zünden bei der zweiten die halbnächtigen Lampen verlö"! tzen. während bei der dritten Welle auch die ganznächtigen Lampen gelöscht werden, ohne daß andere Lampen wieder angezünbet werden. Sn ähnlicher Weise läßt sich durch ent­sprechende Daumenräder jede beliebige Reihen­folge erreichen. Ehe man diese Losung fand, hat man sich so geholfen, daß man die halbnächtigen Lampen mil einem ilhrwerk versah, daS sie an- zündete und zu bestimmter Zeit löschte.

Der Fortschritt in der Zündung und Löschung der Gaslaterne lieh nun wieder die Elektriker nicht ruhig schlafen: sie konnten zwar viele Lampen auf einmal zünden, aber eben nur, wenn sie zu diesen Lampen eine besondere Leitung hatten, und sie konnten leibst dann nicht, wie nunmehr die Gasmänner, einzelne dieser Lampen löschen. Die Druckwelle konnten sie, wie wir ge­sehen haben, nicht nachahmen. Sie versuchten zwar, die Laternen in Wechselstromnetzen durch vorübergehende Aenderung der Wechselzahl zu zünden und zu löschen: soviel uns aber bekannt geworden ist, batten sie damit keinen ®rfr>|q. And so baten sie die Gasmänner um Hilfe: So gut man nämlich mit der Druckwelle "inen Gashahn öffnen und schließen kamt, etzensckgut kann man damit einen elektrischen Schalter be°