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Gesangverein Germania BMeiio Sonntag, den 14. März 1926, abends 8l,2 Uhr, auf Wunsch Wiederholung:
Die Trutziiesel von Anzengruber. Singspiel in 3 Akten.
„Unsere Kinder“
Musikalische und gesangl. Darbietungen.
Nutz- und Vreunholzversteigerung.
Dienstag, den 16. März I. I., vormittags 10 Llhr anfangend, kommt im Gemeindewald zu Wohnbach folgendes Holz zur Versteigerung.
Zwangsversteigerung.
Freitag, den 6. April 1926, vormittags 10 Ähr, soll das dem Friedrich Karl Sack in Heuchelheim zugeschriebene Grundstück Flur 36 Rr. 140 = 1271 qm Acker, Gemarkung Gießen, auf dem hiesigen Amtsgericht, SihungssaallOl, versteigert werden.
Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt.
Giehen, den 12. Februar 1926.
3. A. des Hessischen Amtsgerichts.
Leo, Ortsgerichtsvvrsteher. 14678
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Nächsten Montag, den 15. März, von morgens 10 Ähr ab, soll das im Gemeindewald Rodheim a. d. Bieber vorhandene Ruhholz und zwar zirka 115 Fstm. Dadelholzstämme und Rutz- scheiter, zirka 15 Fstm. Eichenstämme und Rutzscheiter im Saale des Gastwirts Karl Schlierbach IV. zu Rodheim öffentlich versteigert werden.
Rodheim a. d. Bieber, den 11. März 1926. _______Leicht, Bürgermeister. 2306V
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ber Lukas-Gemeinde im Lukassaal.
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den Augen dieser hohlen, verderbten, arbeitsscheuen Äemölnoe, die sich anmaßend „Locict/^ nannte und für die höchste Blüte der menschlichen Kultur hielt, allerdings eine Lebensweise, die man nur mit dem Prädikate „toll" bezeichnen konnte.
Und nun warf sie ihrem Groom die Zügel zu und sprang vom Bock herunter, der Schwester gerade in die Arme.
Sie war groß und schlank wie Grace, hatte dieselben blauen Burnham-Augen, und das gleiche reiche, lichtbraune Haar. Aber ihre Gestalt war kräftiger, voller. Ihre Bewegungen resoluter. Und das Rot, das ihre Wangen schmückte, keine kunstvoll aufgetragene Schminke, sondern die Farbe, die eine rasche Fahrt ihr gemalt hatte. Gloria Sainsbury hatte in ihrem ganzen Leben noch keinen Schminkstift berührt.
Ein Mannweib? Ach, ganz im Gegenteil!! Ein Weib, ein echtes, urgesundes, lebensfrohes Weib. In einem kleinen Finger mehr Weib als alle die zierlich gekleideten und geputzten Frauen und Mädchen zusammengenommen, die sich jetzt in der Halle um sie drängten — ihre Schwester Grace nicht ausgeschlossen.
Von allen Seiten liefen die Gäste herbei. Selbst die Langschläfer fuhren hastig aus ihren Betten, denn die Eremitin von Sainsbury Castle so unverhofft lebend und leibhaftig anstarren zu können, war schon Genuß, dem man den Rest des Morgenschlafes zum Opfer bringen konnte. Durch den Spektakel, der auf einmal durch das ganze Schloß lärmte, wurde auch Lord Burnham aus seiner Bibliothek aufgestört, wo er gerade mit seinem Sekretär die Morgenpost durchging. Ein Eilbrief von Karaschin war dabei — doch selbst der blieb liegen.
„Halloh, old girl!" rief der Lord, als er in die Halle hinauskam und erkannte, wer der Mittelpunkt des aufgeregten Schwarmes war. „Was bringt dich denn zu so ungewohnter Zeit in die väterliche Hütte?"
„Meine Pferde", lachte Gloria und wies auf die Rampe, wo noch ihre vier Goldfüchse schnaubten und die kleinen Köpfe übermütig hin- und herwarfen."
„Deine Pferde?"
Alle Welt sperrte überrascht Augen und Ohren auf. Da gab es wieder ein neues Stück der „tollen
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Gloria gab ihrem Vater einen schallenden Kuß und zog ihn hinaus zu dem Gespann.
„Schau sie dir an, Vater!" sagte sie. „Vierjährig find sie und haben die zweihundertsechzig Mellen von Sainsbury Castle bis hierher in genau achtunddreißig Stunden gemacht, die Haltestationen nicht mit eingerechnet."
„Gott segne mich!" stöhnte Mylord. „Du willst doch nicht sagen, daß du mit dem Wagen von dir hierherkommst?"
„Das und nichts anderes will ich sagen. Ein Auto kann ich mir nicht leisten, in der Eisenbahn mag ich nicht fahren — also warum nicht die Romantik der alten Mailcoach wieder einmal aus- foften? Es war herrlich, einfach herrlich!"
„Das glaube ich dir, mein Kind", erwiderte ihr Vater leise und drückte ihr zärtlich die Hand. Er hatte sie immer verstanden und verstand sie nie besser als in diesem Augenblicke, da er sie so stolz, so frisch, so stark in ihrem einfachen grauen Homespun vor sich stehen sah, umrahmt von dieser geschniegelten und gebügelten Gesellschaft.
Die aber geriet außer Rand und Band.
„Fabelhaft!" schrien die Herren.
„Toll", zischelten die Damen.
Grace bemächtigte sich der Schwester.
„Du wirst doch hungrig und müde sein", fragte sie. „Wie wäre es mit einem ausgiebigen Frühstück?"
„Je ausgiebiger, desto besser. Ich bin von Kirk- field, wo ich meine letzte Sation hatte, um sechs Uhr abgefahren — so fünfundzwanzig Meilen scharfer Fahrt machen aber von neuem blutdürstig."
Grace gab dem Butler an Ort und Stelle ihre Anweisungen.
„Komm' inzwischen hinauf in dein Zimmer," sagte sie, „wasch dir den Staub und dieses plebejische Rot von deinen Wangen! Wo ist dein Gepäck?"
„Hier."
Mit schreckerfülltem Auge starrten Grace und ihre Gefolgschaft auf den einzigen, nicht allzu voluminösen Handkoffer, den der Groom vom Wagen hereingebracht hatte.
„Das ist alles?" stammelte Grace, als sie sich erholt hatte.
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Aber Gloria war Gloria. Sie kam nicht zu ihrem Vater gelaufen und jammerte ihm ihr Unglück vor. Sie verkaufte ihre Perlen und Brillanten und legte eine Schafzucht an, für die ja die weit ausgedehnten Weiden auf den welligen Cheviothügeln einen prächtigen Boden abgaben. Als es mit den Schafen gut vorwärts ging, kaufte sie Stockberry Farm, die einst den Sainsburys gehört hatte, zurück und machte ein Gestüt daraus. Denn Pferde liebte sie. Pferde waren ihre Leidenschaft Pferde und Hunde.
Für die Gesellschaft wurde sie so etwas wie eine Einsiedlerin, um die der Salonklatsch alsbald mit liebevollem Bemühen allerlei Sagen und Legenden lebte. Nach London kam sie fast nie, nur jedes Jahr zum Weihnachtsfest nach Burnham Tower, um mit Vater und Schwester ein paar stillvergnügte Tage zu verleben. Sonst hockte sie Sommer und Winter in dem alten Gemäuer, erzog ihren Sohn, inspizierte ihre Schafherden, sorgte sich um ihre Mutterstuten und ließ die Londoner Lästermäuler schwatzen, was sie Lust hatten.
Sie ritt ihre Pferde selber zu, war auf Woll- und Landwirtschaftsfachschriften abonniert. Führte fid) ihre Bücher eigenhändig. Brachte ihren Jährlingsstock auf den Auktionen in Newmarket selber zum Verkauf. Ließ sich weder von einem Wollmakler noch von einem Pferdehändler übers Ohr hauen. Konnte mit Gewehr und Pistole umgehen wie ein Cowboy in Nevada. Ihre Kleider nähte eine Hausschneiderin, die viermal im Jahre von Newcastle aufs Schloß kam. Und — sie hatte keine Liaisons! Keine Flirts! Was man ihr auch alles nachraunte — in diesem Punkte versagte alle Verleumdungskunst. Aber — „Sie ist toll", sagte eines Tages die Gräfin Lembroke, erste Hofdame der Königin.
Das Epipheton blieb Gloria, und jeder nannte sie die „tolle Herzogin". Warum eigentlich, wußte von allen denen, die ihren Witz an ihr kühlen zu können glaubten, kein einziger. Vielleicht hielt man sie für toll, weil sie nicht in den Tag hineinlebte, sondern ehrlich schaffte und arbeitete. Das war in
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„Nun, ist das nicht genug?* lachte ihre Schwester. „Sind sogar zwei Seidenkleider drin! Dernier cri de Newcastle!"
Oben auf dem Zimmer waren sie allein.
„Warum kommst du dieses Jahr so früh?" fragte Grace. „Hat dich auf einmal Sehnsucht nach ekler House-party gepackt? Ist übrigens ein ganz amüsantes Lot beisammen. Morgen wollen wir einen Golfmatch arrangieren."--
„Ich habe einen Brief von Harald bekommen."
„Ah--!"
Grace verstummte. Ihr frohes, leichtsinniges Lachen fror ihr auf den Lipepn fest.
„Was schreibt er?" fragte sie endlich — zögernd, ängstlich, als fürchtete sie die Antwort.
„Er schreibt, aus Marseille. Die Jacht langweilt ihn, Algier, Tunis, Monte Carlo — alles langweilt ihn. Er will für einige Zeit nach Paris — ich glaube, um England näher zu fein."
„Sprich feinen Unsinn, Gloria. Du weißt recht
Gloria, die während der Unterhaltung ihre Toilette beendet hatte, trat vor die jüngere Schwester hin, faßte deren beide Hände und zwang sie, ihr in die Augen zu schauen. _
„Ich weiß, was ich weiß! Ich weiß, däß"Harald dich immer noch liebt, und daß du unverantwortlich gehandelt hast."
Grace machte ein Mäulchen wie ein trotziges Kind, das gescholten wird.
„Wer hieß ibn," rief sie, „wegen der harmlosen, wirklich harmlosen Geschichte mit Rutherwall gleich solchen Lärm zu schlagen, so daß ich jetzt in aller Leute Munde bin! Und die Sache war harmlos — ich schwöre es dir! Ich habe sie ganz offen und ehrlich Papa erzählt, und er hat mir recht gegeben!"
„Der gute Papa! Ich kann mir denken, wie du Licht und Schatten bei deiner Erzäbluna verteilt hast! Ich aber gebe dir nicht recht, meine Liebe. Ich gebe Harald recht, der vielleicht ein etwas trockener und steifer Bursche ist, aber ehrlich und treu. Und dich trotz alledem noch immer liebt. Viel ehrlicher und wärmer liebt als alle diese Lassen, die dir um die Wette erklären, sie sind jede Minute bereit, für dich zu sterben. Mein Gott, Grace, du bist doch kein Kind mehr, willst du denn nicht endlich Vernunft annehmen?"
(Fortsetzung folgt.)


