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brurgend die Frage der Rückreise nach Berlin vvrlegen nnih. und e» unterliegt feinem Zweifel, bah In diesem Falle sowohl der Reichskanzler wie der Reichsauhenminlster vor den Reichstag treten mühten, um ihre Demission 4U geben, denn daS Würde ein vollkommenes Fiasko der Völkerbunds) olitik und vor allem der Locarno-Politik bedeuten. Aber auch weder Briand noch Chamberlain könnten zu ihren Parlamenten zurückkehren, ohne ihnen ihre Portefeuilles zur Berfügung zu stellen.

Der Reichskanzler gab am Donnerstag abend der deutschen Presse einen Bierabend. 3m Laufe deS geselligen Beisammenseins trank der Kanzler auf das Wohl der deutschen Presse, die in seltener Einmütigkeit die deutsche Dele­gation bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe unterstütze. Es wurde dann auch die politische Lage allgemein besprochen.

Man mar sich in der Auffassung einig, daß eine Klärung und Entscheidung im Lause dev freitags unbedingt fallen müsse.

Die gestrigen Besprechungen haben aus der Gegen­seite einen Borschlag zutage gefördert, der dabin geht, den Polen anstatt des bisher beabsichten ständigen Ratssihes ein nichtständiger Sih im Völkerbunds rat durch die Vollversammlung verschafft wird, wobei vorausgesetzt wird, daß die deutsche Delegation nach der Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund ihre Stimme ebenfalls für diesen Vorschlag abgibt. Alan hofft auf der französisch-polni- schen Seite, auf dieser Grundlage eine gewisse Einheitsfront herzustellen, die eine Lieber» Windung der gegenwärtigen Krisis zur Folge hadelt müsse. GS bedarf wohl nicht mehr einer besonderen Feststellung um au versichern, dah dieser Vorschlag auf der deutschen Seite unter keinen Umständen auf Annahme rechnen lärm Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Stresemann begaben sich um 10.30 Uhr zu einem Empfang im Deutschen Verein. Der Ver­treter desB. T." erfährt, dah am späten Abend noch eine besondere Zusammenkunft zwischen Sir Austen Ehancherlain, Briand und ilnben statt­fand, um eine Modifizierung deS schwe­dischen Standpunktes herbeiAusi'chren.Die Möglichkeit einer Modefizierung besteht nach einer Mitteilung unterrichteter Kreise nicht. Der Ernst der Lage geht, wie derVorwärts" aus Genf berichtet, daraus hervor, dah B e n e s ch beim Verlassen des Dölkerbunbspalais journa- Ustischen OnnMIeuten gegenüber äußerte:Wir müssen uns bemühen, den Völkerbund zu rette n."

Italiens Intrigen.

Genf, 11. März. (TU.) In den letzten Tagen war verschiedentlich davon die Rede, dah hinter Brasilien und Spanien, die einen ständigen RatSsitz neben Deutschland er- ftreben eine andere lateinische Macht stehe. Es wird bekannt, dah Brasilien in seiner bekannten intransigenten Haltung durch Sta­tion bestärkt wird. Havas berichtet ferner, dah Scialoja auf Grund kürzlich erfolgter Erklärungen Mussolinis zugunsten der Er­weiterung deS Völkerbundsrates und besonders zugunsten der Zusprechung eines Sitzes an Polen eine ähnliche Sprache geführt habe wie der brasilianische Delegierte.

Bezeichnend für diese deutschfeindliche Hal­tung Italiens in Genf ist ein Artikel derTri­bun a ", in dem auSgeführt wird, dah die Ab­lehnung der polnischen Forderung mit der gleich­zeitigen Dewübrung eineS ständigen RatSsitzes . an Deutschland der Auslegung des Locarno- Abkommen« im pangermanistischen Sinne gleich- l komme, mit anderen Worten: Deutschland solle im Westen Ruhe haben, um an allen anderen f Grenzen vorzugehen. So toanble sich der be­rühmte Geist von Locarno in den bekannten ' Geist von Berlin, der heute in Genf zu domi­nieren scheine.

Der Beschluß der Aufnahmekommisfion

Gens. 11. 7När;. (Wolff.) Die Ausuahme- fammifflon Hai heule vormittag in einer kurzen Sitzung von kaum 15 Minuten Dauer den von ihrem Unterausschuß vorgeleaten Bericht über die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund ohne Disfuffion e i n f( i m m i a genehmigt und ihren Vorsitzenden, Sir Austen Chamberlain, zum Berichterstatter vor der völkerbunds- uerfmnmlung berufen.

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Der Bericht, den der Unterausschuß der Aufnahmekommission über die Aufnahme Deutsch­lands ouSgearbeitet hat und der auf Grund des heutigen Beschlusses der Aufnahmekonui'isfion an die Völkerbundsversammlung weitergeleitet wird, bejaht die fünf Fragen, die von der Aufnahmekommission vor dem Eintritt neuer Staaten gestellt werden. Durch Bejahung der Frage 1 wird anerkannt, dah der deutsche Aufnahmeantrag ordnungsmäßig gestellt wurde. In bezug auf die beiden .Unterfragen der Frage 5 stützt sich der Bericht aus eine Mitteilung des ständigen militärischen Ausschusses deS Völkerbundes, der unter dem 9. März erklärt, dah die Frage her Streit­kräfte Deutschlands zu Lande, zu Wasser und in der Luft durch den Versailler Vertrag geregelt ist, und dah diese Frage mcht durch den ständigen militärischen Ausschuh geprüft werden muh. Ferner stützt sich der Be­richt In diesem Zusammenhang auf eine Mit­teilung der Botf chafterkonserenz an den Generalsekretär des Völkerbundes. Dieser lautet: Die Bvtschafterkonferenz soweit es sie angeht stellt fest, dah nach ihrer Kennt- nis Deutschland gegenwärtig tatsächlich Garan­tien für seine aufrichtige Absicht gibt, die Verpflichtungen einzuhalten, die für Deutschland au« dem Friedensvertrag vom 28 6 1919 und den ihm angeschlofsenen Akten her­vorgehen.

Soweit eS insbesondere den Rüstungs­stand Deutschland zu Wasser, zu Lande und in der Lust betrifft, wie er im Friebenrsvertrag bestimmt ist, stellt die Dotschasterkonferenz fest:

o) militärische Klauseln:

Die Bedingungen, unter denen diese Klausel durchaesührt werden müssen, haben unter den interessierten Signalurmächten den Gegenstand einer Vereinbarung gebildet, die zur Zeit auf dem Wege her Vollendung ist. (Anlage des Briefes her Botschafterkonferenz an die deutsche Regierung vom 16. November 1925.)

b) maritime Klauseln:

Diese Bedingungen sind gegenwärtig durch­geführt, und die Berichte der maritimen

Kontrollkvnrmifsion sind dem Völkerbund unter dem Datum des 6. Januar 1926 zugestellt worden.

c) Luftfahrtklauseln.

Es bleibt nur noch die Ausarbeitung ge­wisser Bestimmungen übrig, die in Zukunft die generelle Beobachtung des einschlägigen Arttkels des Friedensvertrages sichern sollen.

Angesichts dieser Mitteilungen spricht sich der Bericht für die Aufnahme Deutsch­lands in den Völkerbund entsprechend Ar­tikel 1 des Dölkerbundspaktes aus. Dem Bericht sind schliehlich fünf Anlagen beigelegt.

Hessischer Landtag.

Präsident Adel u n g eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr.

Abg. Walm richtet an die Regierung die An­frage, wie viele Hochwasserschäden angemeldet seien, welche Mittel zur Verfügung stehen und wieviel Personen bereits entschädlgt morden seien.

Minister Raab erwidert, dah zahlenmäßige Angaben über die Anmeldungen noch nicht gemacht werden könnten. Es ständen für die Entschädigung 60 000 Mark zur Verfügung, 20 000 Mark für das besetzte Gebiet und 40 000 Mark für das übrige Hessen. Entschädigungen wären noch nicht ausge­zahlt worden, sie würden aber gewährt, wenn die Unterlagen vorhanden wären.

Die Abg. Blank und Weck! er haben an die 'Jtcgienmg eine Anfrage wegen der vom Reich bereitgestellten Winzerkredite gestellt. Mini­sterialdirektor Hebel erwidert, die vorn Reich zur Verfügung gestellte Summe betrüge 2170 000 Mark. Am 9. März hätte eine Versammlung der Beteiligten ftattgesunden, um über Die Vertei­lung der Kredite zu beraten. Die Richtlinien würden jetzt herausgegeben.

Die allgemeine Aussprache über den Staatshaushalt für 1926 wird wieder aus­genommen.

Abg. Galm (fiomm.) verliest nochmals eine Erklärung gegen die Darm­städter Polizeiverwaltung und verlangt die Absetzung und Bestrafung der schuldigen Beamten. Der Mi­nister von Brentano wird als der reaktionärste Innenminister Deutschlands bezeichnet. Die Rechts­parteien hätten sich dem Zeitpunkt für die Angriffe auf die Regierung gut gewählt, denn diese habe keine Wege vorgeschlagen, um die Finanzmisere Hessens aus der Welt zu schaffen. Die Rechte wurde, wenn sie zur Regierung gelangte, die Finanznot auch nicht heilen können. Die Steuern würden zum größten Teil von den Lohnempfängern aufgebracht, die Besitzenden hatten keinen Anlaß, über Steuer­druck zu klaren. Den Sparanträgen der Rechtspar­teien gegenüber empfiehlt der Redner die kommu­nistischen Sparanträge; Hessen habe schon längst keine Existenzberechtigung mehr, cs solle sich Preu­ßen anschließen. Durch die Herabsetzung der hohen Gehälter auf 7000 Mk. könnte eine Million gespart werde». Der Redner wendet sich insbesondere gegen die Rechtsparteien, gegen den Abbau im Volksschul­wesen, gegen die Kirchensteuer und die Zuschüsse an die Kirchen und die Fürstenabfindung. Seine Rede klingt aus in der Empfehlung der kommunistischen Weltanschauung.

Abg. Widmann (S03.)

macht Ausführungen, die beweisen sollen, daß die Rechtsparteien auch nicht das Defizit beseitigen könn­ten, wenn sie in der Regierung säßen. Unter her Wirtschaftsnot litten nicht allein Die Landwirte, sondern in noch höherem Maße andere Volkskreise, namentlich die Arbeiterschaft. Es wird hierauf vom Redner an verschiedenen wirtschaftlichen Zuständen der Gegenwart Kritik geübt und Vorschläge zur Aenderung der Wirtschaftslage gemacht. In scharfen Worten wendet sich Abg. Widmann gegen die gestri­gen Angriffe des Abg. Dr. Keller auf den Finanz- minifter und verlangt feinen Rücktritt vom Amt. (Zurufe: Dr. Keller ist hier nicht Beamter, sondern Abgeordneter.) Die Parteien, namentlich die kleine­ren Parteien, stellten zu viele Anträge im Hause, diese verursachten viele Kosten und der Regierung viele Arbeiten. Die Sozialdemokratie fürchte eine Auflösung des Hessischen Landtags nicht.

ilin 11 Vu Ahr tritt eine Pause ein. Vach Wiederaufnahme her Verhandlungen spricht

Abg. Dr. Büchner (Sem.) vor säst leeren Bänken. Er weist die Anschauung zurück, daß die Demokratie laudwirtschaftsseind» lich fei. Es gehe nicht an, mit Mitteln der All­gemeinheit einzelne Betriebe aufrecht zu erhalten. Die Indußrie müsse sich selbst helfen, nicht nach Oer Staatshilfe rufen, dasselbe gelte auch noch der Landwirtschaft. Es fei eine Rationali­sierung der Betriebe notwendig, um den größten Rutzesfckt aus ihnen zu erzielen. Der Zwischenhandel sei nicht zu entbehren, aber der Güteraustausch vollziehe sich noch nicht so, wic cs wünschenswert fei. Die Landwirtschaft solle den Staat, von dem sie Hilfe haben wolle, nicht bekänrpfen. Auch eine Rechtsregierung könne die Rotlage Hessens nicht beseitige». Steuerdruck und Arbeitslosigkeit wären gegenwärtig die größ­ten wirtschaftlichen Probleme. Oesters zitiert der Redner als Beweis der Richtigkeit feiner Aus­führungen Aeußerungen des Kommunisten Dr. ® reiner.

Abg. Scholz (Disch. Dp.) erklärt: Es muh doch gut um den deutschen R ichl e r st and stehen, wenn man Pier im Hause nur einen Fall gegen die Richter vor­bringen konnte und diesen dann berallge­rne inerte. ES ist der Gipfel her Heuchelei, wenn die Leute, die die Front unterminierten und hie Truppen zum Bruch des Fahneneides ver­anlaßten, dem Kaiser seine Flucht nach Holland vorwerfen. Weiter spricht her Redner -über hie Enteignung der Fürsten und neimt sie eine Kon­fiskation des Privateigentums wie in Rußland. Zu den fruchtlosen Arbeiten der Rachkriegszeit gehören auch die SozialisierungSver- suche. von denen es ja jetzt ruhig geworden ist. Bor noch nicht langer Zeit hat die Linke in diesem Hause erklärt, dah die deutsche Wirt- schast bald über den Berg sei: es ist aber ganz anders gekommen. Der Steuerzahler ist durch» aus nicht immer der Steuerträger; das gilt auch von den Lohnempfängern. Der Steuerzahler ist die Wirtschaft. Seit etwa einem Jahr gebärdet sich die Sozialdemokratie landwirtschaftfreundlich, aber Bebel hat doch ganz anders über die Bauern geredet, weil sie ihren Besitz nicht so­zialisieren lassen wollten. Der Zolltarif ist uotweirdig gewesen, schon um den Unterhändlern etn Derhandlungsmittel in die Hand zu geben. 2'". Zusammenhang mit der Erörterung der 6^rn9e landwirtschaftliche Erzeugnisse, er-* mahnt der Redner, dah der Konsumverein in ?llalriz das Brot nicht ober kaum billiger als daö wie Die Bäckermeister verkauft. Aba. Widmann hat zu her Rebe des Abg. Dr. Keller die Zwischenrufe gemacht:Cs gehört ihm eine

heruntergehauen",ein solcher Kerl ist Beamter", Hanswurst"; ein Mann, der so etwas sagt, ist doch wohl nicht berufen, Kritik an dem Ver­halten anderer zu üben. Dr. Keller hat nur auf Angriffe des Finanzministers geantwortet, und zwar aus sehr persönliche Angriffe. Es ist doch tatsächlich so, bah her Finanzminister nur durch bi e Revolution auf feinen Sih gekommen ist, und dah ihn die heterogene Koalition dort festhält. Das Vylk hat den Fi' nanzminister. nicht gewählt. Abg. Widmann hat sogar die Entfernung Dr. Kellers aus seinem Amt verlangt. Die Sozialdemokratie behauptet zwar, der Obrigkeitsstaat wäre so verfahren, aber hier wird doch dieses Verfahren von den Linksparteien verlangt. Der Redner stimmt ben Gedanken des Abg. Dr. Büchners über Selbsthilfe und Staatshilse zu. Der Deutsche neige internationalen Gedanken zu; er habe ja auch abgerüstet. Abg. Widmann solle seinen Parteifreunden in anderen Ländern jedenfalls die Abrüstung emsehlen. Der Redner schlicht mit den Worten: Die Marxisten haben immer von der Expropriation der Expropriateure gesprochen, jetzt sind wir bei der Liquidation Der Liquidatoren.

Die Nachmittagssitzung

eröffnet stellvertretender Präsident Nuß mit fol­gender Ansprache: 'Rach den vorliegenden Zeitungs­berichten kommt aus Genf die erfreuliche Kunde, daß heute die Aufnahlme Deutschlands in den Völkerbund vollzogen wurde. Es han­delt sich um ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. An der historischen Bedeutung dieses Ereignisses darf mich unser hessisches Parlament nicht achtlos vorübergehen. Das durch den Landtag vertretene hessische Volk begrüßt die gute Nach­richt aus Gens und erblickt in der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund eine wichtige und bedeutungsvolle Etappe zum allmählichen Wieder­aufstieg unseres Vaterlandes zu Freiheit, Wohlfahrt und Glück.

Präsident N u ß erklärt hierauf die General­debatte für geschloffen und es wird sogleich in die Spezialdebatte eingetreten, bei deren Beginn der Präsident bemerkt, daß heute keine Abstim­mungen vorgenommen werden.

Es werden Im Anschluß an den Bericht des Sechserausschusfes allgemeine Anträge besprochen; darunter ist ein längerer Antrag des sozialdemo­kratischen Abgeordneten Kaul, in dem dieser für den deutschen Einheitsstaat eintriit. Die Debatte hierüber fördert keme neuen Gesichts­punkte zutage. Bemerkenswert ist nur eine Erklä­rung des Ava. Kauf, daß die Sozialdemokratie mit der Großhessischen Frage nichts zu tun haben wolle.

Eine lebhafte Debatte entfpinnt sich über einen Antrag Dr. Leuchtgens. das M i n t ft e r i u m für Arbeit und Wirtschaft a u f zu- tz e b e n. Von den Abgeordneten der Linksparteien wird behauptet, daß dadurch nichts erspart werde, während Abg. Dr. Leuchtgens in mündlicher Be­gründung seines Antrages, den gegenteiligen Standpunkt vertritt.

Im Verlauf dieser Debatte wird Abg. Wid­mann noch nachträglich wegen der gestrigen be­schimpfenden Ausdrücke gegen den Abg. Keller zur Ordnung gerufen.

Ein von Abgeordneten mehrerer Parteien gestell­ter Antrag auf Neuregelung der Bezüge von Anwärtern gibt dem Finanzminister An- laß, dieses Problem zu erörtern. Es sei zu er­wägen, ob den älteren Anwärtern erworbene Rechte gekürzt werden dürfen und alle Anwärter gleiche Bezüge erhalten sollen oder ob man die Bestimmungen von einem festgesetzten Zeitpunkt ab nur für jüngere Anwärter gelten lafsen soll. Im wesentlichen spricht sich der Minister gegen den Antrag aus, weil er manche Härten mit sich bringen könnte. Die Abg. Dr. L e.u ch t g e n s und D I n g e l d s y machen dagegen Ausführungen im Sinne des Antrages. Härten sollen vermieden wer­den und durchaus nicht alle Anwärter gleichsam über einen Kamm geschoren worden. In der weiteren Debatte wird der Wunsch ausgesprochen, daß der Finanzminister auf Grund des Antrages dem Haufe eine Vorlage zugehen läßt, wodurch diese Frage geregelt werden soll. Nach Beratung eini­ger weiterer Anträge wird die Sitzung um 5 Uhr geschlossen.

(Ein Ehrenhain für die Gefallenen,

Berlin, 12. März. (TU.) Der zur '23pr- bereitunn des Nationaldenkmals für die Gefallenen im Weltkrieg vom Reichsrat gewählte Ausschuß hat unter dem Vorsitz des Reichsministers des In­nern, Dr. Külz, der einmütigen Anregung der zu diesem Zweck vereinigten Frontkämpfer- verbünde folgend, beschlofsou, die Errich­tung eines E h r e n h a i n s für die Gefallenen, und zwar in M i t t e l d e u t f ch l a n d vorzuschlagen. Der Reichst ui? st wart soll unter Fühlung­nahme mit den Verbänden und unter Zuziehung von Sachverständigen dem Ausschuß mit möglich­ster Beschleunigung Vorschläge über den Ort des Ehrenhains und über die Art feiner Ausgestal­tung machen.

Aus aller Welt.

Gins grotzdeutsche Studententaguug in Wien.

W i e n. 11. März. (WTB.) 3m großen Fest­saale der Universität fand gestern die feierliche Eröffnung her großdeutschen Tagung z u r Schu- lung her deutschen 3ugend statt, zu her im Laufie des Tages zahlreiche Studenten au» allen deutschen Gauen eingetroffen waren. Ra- mens der Universität Wien und aller Hochschulen Oesterreichs, von denen hie meisten Rektoren ebenfalls anwesend waren, Hieß Rektor Prefessor Lurch die Hochschüler aus dem Reiche Herzlich willkommen. Er sagte, wenn auch hie Machtver­hältnisse eine Vereinigung der deutschen Länder verhinderten, so könne niemand es verwehren, einen geistigen Anschluß anzustreben. Rach Geleitworten des Vorsitzenden der Tagung, Friedrich Heist, vom Deutschen Hochschulring, hielt Professor von Voltelini den Festvortrag über die geistige und politische Bedeutung Wiens in der deutschen Geschichte. Professor Dr. Mar­tin Spahn sprach bann überD a s R e i ch". Die nächste Aufgabe der deutschen Politik sei cs, dem deutsche» Volke Die ihm gebührende Stel­lung in Mitteleuropa zu verschaffen. Kleinere Teile des deutschen Volkstums, die den Willen zur Angliederung mit dem Reich haben, sollen mit dem Deutsche» Reich wieder vereinigt werden. Das gelte vor allem für Oesterreich. Wo die Entwicklung noch nicht so weit ist. must

der Volksteil die Anliegen seines Dolksteils selbst verwalten. Der große Zuchtmeister zur Wieder­annäherung der mitteleuropäischen Bevölkerung untereinander wird die wirtschaftliche Rot sein. Rach ihm sprach Professor Br an bi- Göttingen über die kulturellen Aufgaben des Volksttuns. Die Studentenschaft müsse im nächsten Menschenalter ein treuer Diener des großdeut- schen Gedankens fein. Bergwerksbirektor Leo­pold sprach über hie grostdeutschen Wirt­schaf t s p r 0 b l e m e. Als letzter Redner sprach der Präsident des Reichslandbundes, Hepp. Er sprach über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern und erklärte es für eine große nationalpolitische Aufgabe, Oester­reich und Deutschland in wirtschaftlicher Be­ziehung zu vereinigen.

Selbstmord Dr. Haus?

3n Tivoli bei Rom hat sich am 6. Februar ein unbekannter etwa 45jähriger Mann erschossen. Die römische Pplizei schickte die Fingerabdrücke des Tpten an alle Sicherheitsbehörben. In Wien wurde festgestellt, daß der Selbstmörder der frühere Rechtsanwalt Dr. Karl Hau ist, Der vor etwa 20 Jahren unter der Beschuldigung^seine Schwie germutter, Frau M 0 litPr, in Baden-Baden er­schossen zu haben, zu längerer Zuchthausstrafe ver­urteilt worden war. Dr. Hau war vor kurzem b c - gnabigt worden und bald darauf verschwunden. DasBerliner Tageblatt" meldet, daß bei dem Er­kennungsdienst des Berliner Polizeipräsidiums von einem Selbstmorde Haus nicht» be­kannt fei.

Wettervoraussage.

Roch kurzer Aufbesserung und mäßig starkem nächtlichen Temperaturfoll wieder unbeständig, vielfach trübe und Riederschläge.

Milde ozeanische Luft hat ganz Deutschland Überflutet. Die nach kurzer Unterbrechung wieder einfetzenden Riederschläge gehen meist als leichter Dauerregen und nicht mehr in Form von Schauern nieder. Eine grundlegende Aenderung steht noch nicht bevor, da in Rordeuropa in kurzen Unterbrechungen Störungsgebiete ostwärts ziehen, deren Ausläufer uns erreichen, so daß der Ein­fluß des von ben Azoren her jeweilig vorstohen- den und wieder zurückdrängenden hohen Druckes nicht länger zur Auswirkung kommt.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 6,5 Grad Celsius, Minimum 1,3 Grad Celsius, Rte- derschläge 1,8 Millimeter. Heutige Morgentem­peratur 6,9 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Giqßen, den 12. März 1926.

Der Frühling kommt mit Brausen"

konnte man im Hinblick auf die Stürme der letzten Wochen ausrufen. Zwar waren diese Stürme nicht von der verheerenden Wirkung, wie sie noch im Ge­dächtnis der älteren Generation Gießens und Um­gegend sind. Am 12. März 1 876, also vor genau 50 Jahren, wütete hier ein orkanartiger Sturm, der arge Verwüstungen an Gebäuden und in ben Waldungen anrichtete. Verschlimmert wurde die Lage noch durch Hochwasser von solcher Höhe, daß z. B. die Feuerung der Stadtkirche unter Wasser gesetzt war und an Dem betreffenden Sonn­tag die Kirche nicht geheizt werden konnte. Schon am 9. und 10. März liefen telegraphische Mel- düngen der Landratsämter Marburg und Sieben- köpf bei der hiesigen Bürgermeisterei ein, die ein rasches Steigen Der Lahn meldeten, und u. 0. die Bürgermeisterei veranlaßten, die Wegunterführung am Bahndamm in der Eberstraße zu schließen. Das Schlimmste aber sollte noch kommen durch den am Sonntagnachmittag und die folgende Nacht wüten­den Sturm. Der Montagmoraen zeigte ein trost­loses Bild der Verwüstung. Die Straßen wie besät mit Dachziegeln und Fensterglas, zertrümmerte und abgcsturzte Sdjomfteine, entwurzelte Bäume in den städtischen Anlagen und Privatgärten zeug­ten von der Gewalt des Sturmes. Von dem Hause Ecke Löberstraße (jetzt Augustiner) stürzte ein Teil des Daches in die Wieseck, ebenso entführte der Sturm fast das halbe Dach eines Hauses am Leih- gefterner Weg. Die Straßen außerhalb der Stadt waren durch umgerissene Bäume und Telegraphen­stangen gesperrt, auf große Strecken auch der Bahnkörper, so daß beispielsweise der kurz nach 11 Uhr abends in Frankfurt abgelassene Personen- zag erst gegen J8 Uhr morgens in Gießen eintraf, töroft waren natürlich die im Walde angerichteten Verwüstungen, so hatte der Sturm in der Richtung von unterhalb der Liebigshphe in der Richtung nach dem sag. EulenkPpf (dieser spwphl wie der davor liegende Teil des Exerzierplatzes war damals nach bewaldet) in einer Breite van etwa 30 Meter alles Dar sich ntebergenffen, als ob eine Riefen- walze darüber gefahren wäre. Das Schützenhaus, das ungefähr an der Stelle des heutigen stand, war wie ein Kartenhaus zufammengeftürzt. Aehnlich, teilweise noch schlimmer, hatte der Sturm in an­deren Teilen unberechenbaren Schaden angerichtet.

Die Auto-Verbindung mit dem Kleebachtal.

Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, ist hinsichtlich Der Garantieleistung für die in Aussicht genommene Post-Auto-Ver- binbung von Gießen nach dem Klee- b a ch t a 1 eine Regelung Dahin zuftandegekommen Daß Die Stadt Gießen, vorbehaltlich der Zustimmung Der Stabtveryrbneten-Bersammlung, die Hälfte und Die beteiligten Gemeinden den R e st der Garantieleistung aufzubrinaen ha­ben. Die Einwohnerschaft des Kleebachtales hofft nun. daß Die Genehmigung zur Einrich­tung Der 2tnic recht bald erteilt wirb, banüt der Betrieb möglichst noch vor bem Osterfest, dessen Vorzeit bekanntlich einen regen Verkehr mit Der Stabt Gießen bringt, ausgenommen wer­den kann.

Sieben als Kongreßstadt.

Am Sonntag tagte in Gießen die Ver­einigung südwestbeutscher Hals-, Rasen- und Ohrenärzte. Ungefähr 100 EetlneDmcr, u. a. aus Bayern, Lachsen unb Thüringen, trafen schon am Samstag nach Be­sichtigung der Inhalatorien unb Bäber in Bad- Rauheiiu in Gießen ein, wo ein Begrühungs- abenb im Hotel Schütz stattfand. 3n Der den ganzen Sonntag dauernden Wissenschaftlichen Sit­zung hielt Professor Brügge m a n 11 - Gießen bflfi Hauptreferat überDie Behandlung Der wticichöblcneiterimg". an das eine rege Dis- küklivn sich anschloß, ein Beweis für das all*