Einzelbild herunterladen

etnwohner, sind dem Verein beigetreten. Die Orts- behörde steyt an der Spitze des Vereins, dessen Leiter der Lehrer ist. Der Kochunterricht in der hiesigen Mädchenfortbildungsschule hat begonnen. Die Mädchen aus den Nachbarorten Münster, Nieder-Bessingen und Röchges nehmen an dem Unterricht teil, den Frl. Kähler von Villingen erteilt. 2a zahlreiche ältere, nicht mehr fortbildungs- schulpflichtige Mädchen freiwillig diesen Kursus be­suchen, mußten zwei Abteilungen geschaffen werden, deren eine 17, die andere 15 Schülerinnen zählt.

o Münster, 10. Noo. Bei der hiesigen Treibjagd wurden 26 Hasen, zwei Füchse und zwei Schnepfen zur Strecke gebracht. Der Hasen, oestand ist hier gering; im Vorjahr war die Strecke der Jagd nahezu doppelt so groß als jetzt.

Äreis Friedberg.

sf. Friedberg, 10. *2lot>. Die Ver­einigung ehemaliger Augustiner- f ch ü l e r veranstaltet auch in dem kommenden Winter eine Reihe von beehrenden und gemein­verständlichen Vorträgen. Sie hatte mit dem ersten Abend einen entschiedenen Erfolg zu ver­zeichnen. Herr Hch. Bitsch sprach überMo­derne Dühnenfragen" in eindrucksvoller und leichtverstänilicher Art und zeigte an Hand von vielen Beispielen, welcher Mittel sich der mo­derne Regisseur bedient, um den Stimmungs­gehalt eines Werkes voll auszuschöpfen. Ein­geleitet wurde der Abend in stimmungsvoller Weise durch den Vortrag einer Anzahl Dich­tungen von Hugo v. Hoffmannsthal, R. Marie Rilke, unsren Landsmann Albert H. Rausch durch stud. Steinbach. Der Besuch war ein alle Erwartungen übertreffender, was um so mehr zu begrüßen ist, als sich Herr Bitsch schon früher große Verdienste um die Hebung des Theaterwescns in unserer Stadt durch Veranstal­tung vortrefflicher Liebhaberaufführungen erwor­ben hat.

WSR. Bad-Rauheim, 9. Rov. 3n der letzten Stadtverordnetenssshung wurden zwei grö­ßere Vorlagen, bbe die Herstellung von Regen- und Schmutzwassertanälen (Sielbauten) vovsehen, genehmigt und der erforderliche Kre­dit in Höhe von etwa 1Q0 000 Mark bewilligt. Die Arbeiten sollen so rechtzeitig vorgenommen werden, daß für die Durchführung noch Zu­schüsse aus der produktiven Erwerbslosenfürsorgo gesichert sind. Ferner wurde der Beitritt der Stadt zum Verein zur Vorbereitung der Auto­straße HamburgFrankfurt a. M.Dassel (Ha- fraba) beschlossen.

a. Vilbel, 10. Nov. Die Gewährung von Baudarlehen durch die Gemeinde hat durch einen Gemeinoeratsbeschluß eine grundlegende Aenderung erfahren. Während in den ver­gangenen Jahren den Baulustigen neben dem staatlichen Darlehen auch ein solches von der Ge­meinde zu 5 Prozent mit 1 Prozent Tilgung gegeben wurde, ist es jetzt Sache des Bauherrn, die erst- st eilige Hypothek selb ft auszubringen. Die Gemeinde übernimmt lediglich die Bürgschaft für 3000 Mark und zahlt die Zinsen, die meyr al5 5 Prozent betragen. Auf diese Weise kann der Bau­herr 3000 Mark mehr als die Beleihungsgrenze auf­nehmen, wodurch er finanziell nicht schlechter gestellt ist, als bei der seitherigen Regelung.

KreiS Büdingen.

Büdingen, 10. Rov. Der hiesige Ge­sangvereinS a n g e r l u st" veranstaltete am Sonntag ein Wohltätigkettsronzert, dessen Reinerlös dem Grundstock zur Wieber- beschasfung der im Kriege geopferten dritten Kirchenglocke zugute kommen soll. Der Besuch des Konzerts war außerordentlich stark. Die Männerchöre wurden vortrefflich zu Gehör ge­bracht. Als Sängerin wirkte Fräulein Liefe! Böhm aus Laubach mit, deren Mezzosopran in hohem Maße ansprechend war. Rektor Peb­ler begleitete auf dem Klavier in feinsinniger Weise. Den musikalischen Teil bestritt das Ha­nauer Stadtvrchester recht zufrieden­stellend.

L 91 i b b a , 10. Nov. Heute wurde hier der Martinimarkt abgehalten. Der sonst recht be­deutende F e r k e l m a r k t mußte ausfallen, weil in einigen Orten der Umgehend die Maul- und Klauen- ^seuche herrscht. Der Krämermarkt war infolge -des sehr günstigen Wetters recht gut besucht. Die ^Krämer machten hauptsächlich in Kurzwaren und ^Winterartikeln gute Geschäfte. Besonders stark ' verbreitet hat sich die M a u l - u n d K l a u e n - seuche in dem nahen Wallernhausen. Dort sind 29 Gehöfte verseucht. Glücklicherweise scheint aber die Krankbeit bis jetzt nicht bösartig zu verlaufen. Es find ihr bisher zwei Kälber zum Opfer gefallen. Aus Furcht vor Ansteckung der Schweine finden jetzt schon in dem Orte verhältnis­mäßig viele Hausschlachtunyen statt, die sonst erst im Dezember vorgenommen würden.

th. L e i d h e ck e n, 10. Rov. Rachdem unser Ort fast 5 Jahre von der Maul- und Klauenseuche verschont geblieben war, ist sie nun schon In zwei Gehöften auSgeb rochen und ber Verlust von Jungvieh und Ferkeln zu be-

V

Marlinstag.

Don Ernst Edgar Reimsrdes.

.Der beste Vogel, den ich weih, das ist die fette Gans", so beißt es schon In einem 1540 zuerst gedruckten Volkslieds.' Damals und lange vorher galt die Dans bereits als Gericht des MartinStages, sie spielte bei den Martins- schmäusen, die In Rord- und Süddeutschland, Holland, Flandern und Frankreich abgehalten wurden, von jeher eine grobe Rolle. Diese Schmausereien, bei denen der neue Wein, Mar- ttnSwein, MärtenStrunk, nicht fehlen durfte, der an die Stelle der Odinsminne trat, dauerten die gan^e Martinswoche hindurch, die deshalb -Scylampwoche" hieß. Damals gab es zahlreiche Bereinigungen, die sich besonders zu diesen Feiern zusammentaten; ihre Mitglieder nannten sich MartinSbrüder. Der Schutzpatron dieser Ge- fellschaften war der heilige Martinus, der ehr- würdige Bischof von TourS, der, obwohl sein Leben der Askese geweiht war, zum Schirmherrn der Schlemmer und Säufer wurde.

In Frankreich nennt man heute noch die Trunkenheit, besonders aber ihre Folgen, den Katzenjammer, mal de St. Martin... Am Rhein verzehrt man nach altem Brauch Martini viel- fach Reisbrei mit Früchten. - DaS Martinsfest hat seinen Ursprung im germanischen Herbstdank- fest, das nach Beendigung der Ernte zu Ehren WodanS und FretzaS stattfand. Das bevorzugte Opfertier war dabei die Gans, das älteste deutsche Rutzgeflügel. Das festliche Opfergebäck hatte die Form eines Horns! eS sollte eine Rachbildung des Kopfschmucks des Stiers oder deS Trink­

klagen. Ferner besteht bei einem Gehöft Ver­dacht der Rotlaufseuche.

Kreis Alsfeld.

Ober-Ohmen, 10. Rov. Unser Turn­verein beschloß in seiner letzten General­versammlung die Gründung einer Schwimm- und Fechtabteilung. So- lange die Dadeanlage in Ober-Ohmen noch nicht vorhanden ist, soll daS Schwimmen in dem Freibad Groß-Eichen gepflegt werden.

---Ruppertenrod, 10. Rov. Die Frei­herrlich Riedeselsche Revierverwal­tung Ober-Ohmen veranstaltete gestern in ihrem Jagdrevier in unserer Gemarkung eine Treibjagd. Es kamen 5 Rehe und 3 Hasen zur Strecke. Im Aachmittagstreiben in dem gepachteten Jagdrevier Ober-Ohmen Süd wurden 3 Rehe und 5 Hasen erlegt, so daß sich die ge­samte Jagdbeute aus 8 Rehe und 8 Hasen be­läuft.

' Groß-Felda. 10. Rov. Auf dem Fer­kel m a r k t waren hier über 100 Tiere aufge­trieben. Geringere Frrkel kosteten 25 bis 28 Mk., mittlere 28 bis 34 Mk., beste 38 bis 42 Mk. Der gleichzeitig stattsindende Krämermarkt war nicht stark besucht.

3 Aus dem Ohmtal, 10. Noo. Wegen der Maul- und Klauenseuche sind die D i e h m ä r k t e in unserer Gegend (z. B. Homberg und Alsfeld) ausgefallen. Nunmehr kaufen Ferkelhändler junge Tiere direkt auf; sie bezahlen 30 bis 35 Mk. je Stück, im Verkauf kosten 7 Wochen alte Tiere 35 bis 40 Mk.

Starkenburg.

WSR. D a r m st a d t, 10. Rov. Rach dem heutigen Polizeibericht wurden in der Rächt zum Sonntag aus einem an der Peripherie der Stadt gelegenen Anwesen zehn Hühner ge - st o h l e n. Die Hühner wurden durch Hinein- langen durch ein? von den Tätern zertrümmerte Scheibe entwendet und ihnen sofort die Köpfe abgedreht. Die abgerissenen Köpfe ließen die Täter am Tatort liegen.

WER. Jugenheim, 10. Rov. Ein dreister Einbruch wurde hier in das Bureau der Bürgermeisterei verübt. Die Einbrecher vermuteten in dem Kassenschrank Erwerbslosen­gelder, die am Samstag zur Auszahlung gelan­gen sollten. Der Beamte nahm aber den Betrag vorsorglich nach Hause, so daß die Täter mit derreichen" Beute von drei Mark abziehen muhten. Die Täter sind durch ein Treppenhaus­fenster eingedrungen und haben mit einem Stemmeisen die Dureautüre erbrochen. Die Aus­führung der Tat läßt eine genaue Ortskenntnis erkennen.

Rheinhessen.

WSR. Mainz, 10. Rov. Hier gerieten zwei in der Rochusstrahe wohnende Frauen in Streit und bearbeiteten sich derart mit Putz- e i me r n, daß eine der Streitenden eine klaffende Wunde am Kopse davontrug. Auch an der Ecke Gröhe Dleiche-timbach kam es am Montagnach­mittag zu einem Han dgemenge zwischen zwei Frauen, was naturgemäß eine große Menschenmenge anlockte, die sich erst wieder ver­zog, als ein Polizeibeamter einschritt.

WSR. H e ch t s h e i m, 10. Rov. Ein mit zwei Pferden von dem Hochheimer Viehmarkt heimkehrender Viehhändler wurde von einem Lastwagen samt seinen Pferden a n g e f a h - ren. Beide Tiere kamen zu Fall und rissen den Viehhändler mit, der sich eine schwere Brust quetschung zuzvg, da die Pferde auf ihn zu liegen kamen. Das eine der Pferde rih sich los, während das andere durch die Ver­letzungen transportunfähig war und in Kastel ab­geschlachtet werden muhte. Ohne sich um den verletzten Mann zu fümmern, fuhr der Chauffeur weiter, wurde aber von einem Radfahrer, der dem Auto folgte, namentlich festgestellt.

Preußen.

Obcrlahnkreitz.

* Löhnberg, 10. Rov. Gegenwärtig wird das Ehrenmal für die im Weltkrieg ge­fallenen Helden unserer Gemeinde errichtet. Es wird auf dem Friedhof aufgestellt. Den Entwurf lieferte Regierungsbaurat a. D. Pfaff (Gießen), das Modell der krönenden Figur schuf Bild­hauer Ködding (Dießen), die Steinmeharbeiten führte die Firma H e m m i n g in Runkel a. d. Lahn aus. Mit der Ausführung der Dildhauerarbeiten ist die Grabmallunstwerkstätte Werner in Hungen betraut worden. Als Material wird der graue Muschelkalk verwandt.

Kreis Marburg.

WER. Marburg, 9. Rov. Rach dem Be­richt der städtischen Sparkasse standen die verflossenen drei Quartale dieses Jahres im Zeichen einer recht erfreulichen Zu­

horns der Germanen sein, das beim Opferschmaus die Runde machte. Diesem Opfergebäck verdanken die Martinshörnchen ihre Form, die einst am Martins tage in großen Mengen gegessen wurden.

Wie Ostern und Johanni entzündete man ehemals auch am Abend des 11. Rovember auf Bergen und Hügeln Freudenfeuer, um die ein als St. Martin verkleideter, in Stroh eingehüllter Bauerbursche Herumritt; eine Erinnerung an Wodan, den Schimmelreiter. Sein Roh bestand aus einem Stock, an dem ein PferdÄopf be- festtgt war, und einer darüber gebreiteten Decke. Auf Zusammenhänge mit dem heidnischen Herbstdankfest weist der einst am Riederrhein verbreitet gewesene Brauch hin, ins Martins- feuer einen Korb mit Aepfeln, Dirnen usw. zu stellen, die, wenn die Flammen schon daran emporzüngelten, ausgeschüttet und von den Kin­dern eingesammelt wurden. Hierher gehört auch daS ehemals in der Gegend von Erfurt üblich gewesene Ginläuten des Marlinstages (GanS- läuten), von dem man Einfluß auf das Ge­deihen der Feldfrüchte erhoffte.

Während die Martinsfeuer früher so allge­mein verbreitet waren, daß der 11. Rovember lange Zeit Funkentag hieß, kennt man sie heute hauptsächlich nur noch am Rhein zwischen Köln und Koblenz. An die Stelle Wodans trat nach Einführung des Christentums St. Martin, von dem die Legende berichtet, daß er aus Gut­herzigkeit seinen Mantel (ein Attribut Wodans) mit dem Schwert zerteilte und eine Hälfte einem frierenden Bettler gab. Wahrscheinlich ist es auf die rein menschlichen Eigenschaften Martins zu­rückzuführen, daß er zum Kinderfreunde und Gabenspender wurde, ebenso wie St. Rikolaus

«ahme der Einnahmen. Die Spareinlagen mehrten sich von 707 000 Mk. am 1. Januar 1926 auf 1 326 000 Mk. am 30. September. Bei den Einlagen im Scheck- und Konwkorrentverkehr ist in der gleichen Zett ein Zuwachs von 364 000 Mk. zu verzeichnen, so baß der Gesamteinlagenbestand am 30. September 1 702 000 Mk. beträat. An Darlehen wurden In den verflossenen drei Quar­talen 632 000 Mk. gegen Hypotheken auf städtische und ländliche Grundstücke, 110 000 Mk. in kleinen Darlehen gegen Faustpfand und Dürgschaft und 340 000 Mk. als Kredüe in lausender Rechnung gestellt. Bei der Ausleihung langfristiger Dar­lehen wurden in der Hauptsache die Finanzierung von Reubauten und die Instandsetzung alter Häuser bevorzugt.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 10. Rov. Zu den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung in den Fragen der Gewerbesteuer und der Grundvermögens st euer hat der Magi­strat dahin Stellung genommen, daß er den Anträgen auf Herabsehung der Gewerbe­steuer von 460 Prozent auf 400 Prozent sowie den Anträgen auf Herabsetzung bzw. Aufhebung des städtischen Zuschlags zur GrundvermögenS- steuer mit Rücksicht auf die obwaltenden Finanz- Verhältnisse nicht beizutreten vermag, daß er aber der Forderung auf Schäftung von Er­leichterungen und Milderungen unter An­wendung von Härteparagraphen zusttmmt. Zur Frage des Zuschusses an die städti­schen Du hnen liegt ein eingehender Bericht des Aufsichtsrates vor, aus welchem sich er­gibt, daß keine Möglichkeit geordneter Fortfüh­rung des Theaterbetriebes besteht, wenn nicht bte vom ursprünglich geforderten Zuschuß a b g e - strichenen 300 000 Mark noch bewilltgt werden. Der Magistrat hat sich auf Grund von Prüfungen der städtischen Finanzverwaltung von der unbedingten Rotwendigteil der Zuschuß- leistung überzeugt und wird deshalb entspre­chenden Antrag bei der Stadtverordnetenvev- sannnlung erneut stellen.

Maingau.

WSR. Oberursel, 10. Rov. Zu einer großen Kundgebung versammelten sich heute nach­mittag sämtliche Gewerbetreibende von Oberursel, um gegen die erdrückenden Steuerlasten, speziell der Gewerbe- st e u e r, zu protestieren. Mehrere hundert Hand­werker und Gewerbetreibende zogen geordnet durch die Stadt nach dem Rathaus, wo eine Abordnung dem Bürgermeister Füller eine Resolutton überreichte. Rach längeren Verhand­lungen erschien der Bürgermeister am Fenster und teilte der Versammlung mit, daß die Rach- ft e u e r von 1925 vorerst zinslos gestundet ei bis zur endgültigen Regelung, und der Ge­werbesteuerertragszoll ttir 1923 einer nochmaligen Prüfung durch Magistrat und Finanzausschuß unterzogen werde, tim dem Protokoll Rachdruck zu verleihen, warm sämtliche Geschäfte von 3 bis 5 tihr geschlossen.

Kirche und Schule.

Evangelisch-soziale Arbeitsgemeinschaft.

hr. 3n Frankfurta-M. sand am Montag eine Tagung der Evangelisch-sozialen Arbeitsgemeinschaft in Hessen statt. Rach kurzer Begrüßung des Vorsitzenden, Pfarrer Heß (Darmstadt), ergriff Pfarrer Kappes (Karlsruhe/ >as Wort zu seinem ThemaDie Kirche in ?ct Krisis der bürgerlich en G e s e l l s ch a f t". Ausgehend von dem Ge­danken, daß unsere ganze heutige Weltgestaltung dämonisch" ist und daß der Kirche der Kampf gegen dies Dämonische, denaltbösen Feind" zulommt, stellte er für die Kirche die Forde­rungen, ganz real die Wirklichkeit schauen zu lernen und sich in allem Tun Gott gegenüber verantwortlich zu fühlen; für diese allgemeinen Forderungen brachte er die verschiedensten Bei­spiele der Praxis, die alle getragen waren von dem heiligen Ernst, die verzettelte und äußerst schwierige Lage der Gegenwart mit dem Geist wahren Christentums zu durchdringen. Sein Kor­referent Pros. Kahn Frankfurt a'. M. ging von einer anderen Grundeinstellung seiner Betrach­tung aus: sah der Redner in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung Abfall von Gott und Sünde, so sieht er vielmehr darin göttliches Schicksal und eine große Aufgabe. Das zweite Referat, das Pfarrer Marx (Darmstadt) übernommen hatte, beschäftigte sich mit derKirche und den polittschen Parteien". Es wurde einstimmig fol­gende Erklärung an die Hessische Staatsregierung angenommen:Die Ev.- soz. Arbeitsgemeinschaft sieht in den Bestrebungen der Gastwirte und des Draukapitals, die Feier­abendstunde hinauszuschieben oder ganz aufzu­heben, eine schwere Schädigung des ganzen Volks; wir bitten die Hessische Staatsregierung, mit und Knechl Ruprecht. Hinter allen dreien^steckt Wodan, der Göttervater. Ramentlich in Süd- «and hat St. Martin von jeher im Leben nder eine große Rolle gespielt. Als Marttnsmann oder Pelzmärtel geht der Heilige in den Häusern herum und beschenkt gute Kinder mit Martinshörnchen (z. D. in Württemberg); die bösen aber bekommen die aus Dirkenzweigen ge­bundene Rute zu kosten. Diese Dirkenrute ist wahrscheinlich ein tieberbleibsel aus altgermani­scher Zeit, wo die Dirke als Mittel gegen Zauberei und Verhexung der Tiere galt. Deshalb Hintz man früher in den Ställen geweihte Dirken- zweige auf.

Ehemals wurden außer den bereit- er­wähnten Martinshörnchen am 11. Rovember mancherlei andere Backwaren, die MarttnSkrap- fen usw. verzehrt. In einigen Gegenden backte man sogar besondere Brote, Martinswecken, die häuftg als Spenden an Arme zur Verteilung Selangten und denen man besonders heilkräftige igenschaften nachrühmte. Mit dem 11. Ro­vember sind auch mancherlei Bauernregeln ver­knüpft wie:St. Martin tut'S Feuer in den Kamin";Wenn um Martini Rebel sind, so wird der Winter ganz gelind";Wenn die Gänse um Martini auf dem Eise stehen, müssen sie Weihnachten im Kote gehen."

In Rordwestdeutschland sind auf Martini heute noch mancherorten Kinderumzüge üblich, bei denen nach dem Absinaen von meist uralten Liedern allerlei Gaben, tote Aepfel und Rüsse, eingefammelt werden, so z. B. in Hannoverland, Westfalen, Oldeirburg, Mecklenburg. Am Rhein (namentlich in Düsseldor ) sowie in OstsrieSland und Thüringen tragen die Kinder bei den tim­

allen Mitteln sich dagegen zu wenden." Das Korreferat hatte Kirchenrat Pfarre: v. I. K ü b el (Frank urt a. M.), ver vor einem einseitigen Standpunkt der Kirche warnte. Eine rege Aus­sprache schloß die inhaltsreiche Tagung ab.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 10. Nov. Eine eigenartige Rechts­auff assuna vertritt ein Landwirt aus Lang-Göns, der mit feiner Ehefrau, feinem Schwiegervater und anderen Verwandten im Streit lebt. Er hat nämlich feine Schwägerin, die sich auf die Seite feiner Frau stellte, wie er selbst sagt, durch Schläge auf den Kopfverdroschen" und auch beleidigt. Er glaubt hierzu berechttgt zu fein, und wollte deshalb frei» gesprochen werden. Das Gericht war jedoch anderer Meinung und verurteilte ihn wegen Beleidigung und Körperverletzung mit Rücksicht auf sein rohes Vorgehen zu zwei Geldstrafen von zu­sammen 100 Mark und zur Tragung der Kosten des Verfahrens.

Ein Unternehmer aus der Nahe von Gießen hat einen Fabrikdirektor wegen Beleidigung verklagt, weil dieser angeblich behauptet habe, der Unter­nehmer, der eine Arbeit für ihn ausgeführt, habe seine Firma bestohlen und seinen Meister bestochen. In der heutigen Hauptverhandlung erklärte der Angeklagte, er habe seine Aeußerungen nicht gegen den Unternehmer, den er für einen sehr ehrenwerten Mann halte, sondern gegen dessen Sohn gerichtet. In diesem Sinne sagte auch der Zeuge aus, dem­gegenüber der Angeklagte sich geäußert hatte. Auf diese Erklärung hin, die zu Protokoll ge­nommen wurde, zog der Unternehmer seine Privat­klage zurück. Ob fein Sohn nun tlageff werd, steht noch dahin.

zügen erleuchtete Papierlaternen ober Kürbisse; Gaben werden dort jedoch tm allgemeinen nicht gesammelt.

Frankfurter Theater.

Im Reuen Theater wurde Israel Z a n g w i l l s vierattiges LustspielDer K ö - nig der Schnorrer" aufgesührt. Man lernt ; in diesem Stück ein famoses Milieu-Lustspiel ken­nen und fragt sich, warum es erst heute den Weg zur Buhne gefunden hat. Die Handlung spielt fernab von unseren Tagen, zur Zeit des Reifrockes und der weißen Perücke in England (London) und ist um den schlauen Juden Ma- nasse Dueno Durzilai Azevedo da Costa, der ebenso interessant ist wie seine lange "Hamen- reihe herumgeschrieben. Die lustigen Schnor- rereien dieses Königs in seinem Fach ergeben den Inhalt des Lustspiels. Die Hauptsache ist, man unterkält sich gut dabei, denn es ist Geist und Witz in dem Spiel. Max O p h ü l s Reaie arbeitete, unterstützt durch die stimmungsvollen Bühnenbilder von K a l b s u ß. das Stück mit liebevoller Sorgfalt heraus und hatte die Rollen wirkungsvoll beseht. Mittel- und Höhepunkt: Alois Großmann, ter wirklich königlich schnorrte. Mit dieser Hauptfigur steht und fällt das Lustspiel. Ausgezeichnet waren auch Hein­rich Fuchs, Hermann K n e r und die Damen Hertha Hambach. Dora T h a l m e r und Gustel Hansen, tim Delsall brauchte nicht geschnorrt zu werden, die vrgnügte Stimmung des Publi­kums entlud sich tm lauten Applaus. (L, W.)

Vermischtes.

Verkehr mit Riesenschlangen.

Die Angst vor der Schlange scheint dem Men­schen seit den Paradiesestagen tief eingewurzelt zu sein, und nichts erregt auch bei Mutigen einen solchen Schauder wie der Atzblick eines riesigen Reptils. Die Schlangen sind aber auch wie so manches andere besser als ihr Ruf, unt> die Furcht vor ihnen geht häufig von ganz irrtüm­lichen Vorstellungen aus. Einer der besten Kenner der Schlangenwelt, der amerikanische Professor Henry Sheak, hat die Lebensgewohnheiten und daS Verhalten der Riesenschlangen In der Ge­fangenschaft genau studiert und manche neuen Ergebnisse gefunden. So weist er daraus hm, daß bei der periodischen Häutung der Schlange nur die dünne, brüchige Oberschicht beteiligt ist, während die eigentliche Haut gänzlich unverändert bleibt; diese wird nach dem Ableben des Reptils vielfach zu Leder verarbeitet. Die Häutung ist für die Schlange lebensnotwendig während ihres fort­dauernden Wachstums, dem die Oberhaut der Schlange nicht folgen kann. In der Freiheit voll­zieht sich die Häutung auf einmal und in einem Stück; in der Gefangenschaft dagegen löst sich die Haut nur langsam und in einzelnen Stücken ab. Die Riesenschlangen gedeihen nur bei hoher Tem­peratur; finkt diese unter 20 Grad Celsius, dann sind sie nicht mehr imstande, die Rahrung zu ver­dauen, sondern diese geht im Magen in Gärung über. Die alte Fabel, daß der Mensch die Schlange durch den bloßen Blick bändigen vnne, wird von Sheak als völlig unzutreffend bezeichnet. Man bedarf aber solcher Künste auch gar nicht, denn ein solches Reptil laßt sich durch freundliche Behandlung zähmen, soweit das überhaupt mög­lich ist. Das Sntsehen vor der aus dem Maul heraussch leben den gegabelten Zunge der Riesen­schlange ist ganz unbegründet; die Zunge ist voll­kommen harmlos und spielt bei d>r Schlange keine andere Rolle als bei anderen Tieren, abgesehen davon, daß sie auch Geruchswahrnehmungen ver­mittelt. Riesenschlangen, deren Zähne nur zum Ergreifen der Rahrung dienen, beißen niemals, wenn sie nicht gereizt werden, und ihr Biß erzeugt keine Blutvergiftung. Irrtümlich ist auch die weit verbreitete Anschauung, daß die großen Schlangen ihre Deute lebendig verschlingen. Das trifft nur für kleinere Arten zu. Ebensowenig pressen die Schlangen ihre Deute auf ein geringeres Volumen zusammen, um sie leichter zu verschlingen. Die Fähigkeit der Riesenschlange, Tiere von vierfachem Durchmesser ihres eigenen Schlundes zu verschlin­gen, beruht auf dem losen Zusammenhang ihrer Kinnbackengelenke und der Rachgieb.gkAt der "Bindegewebe. Die Riesenschlange kann ohne wei­teres ein Pferd oder einen Ochsen durch titn- schlingung töten und einen ausgewachsenen Mann im ganzen verschlingen, aber sie greift niemals ohne Herausforderung einen Menschen oder ein größeres Säugetier an; sie begnügt sich mit klei­neren Säugetieren und Vögeln, die sie mühelos verschlingt. Eine einmalige Ration verdaut eine solche Schlange 5 bis 1 Tage und braucht daher nur alle 7 blS 10 Tage neue Rahrung. Solange sie satt ist, liegt sie träge da; wird sie aber hungrig, dann bewegt sie sich mit großer Leb­haftigkeit hin und her und hebt dabei den Kopf