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Existenz des Reiches, der Länder und der Kom­munen beruht, indem Vie Konkurrenzen schaffen, die niemals das leisten können, was privat- wirtschaftliche Tätigkeit leisten kann und letzten Endes uns in eine Staatsfvrm treibt, die Sie selber nicht wollen."

Ferner sprachen Freiherr von Kerke- rinck zur Borg für die Vereinigung der Deutschen Dauernvereine, Kommerzienrat Fr owe in für den Reichsverband der Deut­schen Industrie. Dr. Mos le r für das Dank- u nd Dankiergewerbe, Geheimer Kommerzienrat Dr. Ravenä für den Groß- handel und Direktor Hilgard für das Der- sicherungsgewerbe. Sodann fand eine von den Spi!)enverbänden unterzeichnete Resolu­tion gegen die Betätigung der öffentlichen Hand im Wirtschaftsleben einstimmig Annahme. Sn seinem Schlußwort stellte Geheimrat D u i s b e r g fest, daß die Svitzenoeroände diese Kundgebung einberusen haben, ausdrücklich die Subventions- Wirtschaft mißbilligend.

Der Nachtragsetat.

Deutscher Reich Ztag.

Berlin, 10. Rov. (DDZ.) Auf der Taaesord- nung steht die Abstimmung über den kommu­nistischen Mißtrauensantrag gegen die Regie­rung. Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen gegen die Kommunistcn und Völkischen ab gelehnt. Mit demselben Siimmenveryältnis wird auch der völkische Miß- trauensantrag gegen die Regierung abgelehnt.

Hierauf wird di« erste Beratung des Nach- tragsetats fortgesetzt.

Reichswehr»» inifter Dr. Gehler:

Abg. v. Lindeinn-Wildau hat an der Ent­lassung des Generalobersten von Seeckt scharfe Kritik geübt, aber er ist nicht auf den Anlaß cingegrmgen. Sch muh das tun. Der älteste Sohn des Kronprinzen ist einige Wochen zur militärischen Dienstleistung dem 9. Infanterie-Regiment bei einer Hebung in Münsingen zu geteilt worden. Diese Sache ist eine außenpolitische und innenpolitische Unmög­lichkeit. Außenpolitisch unmöglich, weil sie mit den Erklärungen im Widerspruch steht, die die Reichs regieruna abgegeben hat, daß sie allen ungesetzlichen Einstellungen in die Reichswehr mit absoluter Strenge entgegentreten werde. Un­möglich in einem Augenblick, wo wir dafür kämpfen, daß endlich mit dem demütigenden System der Militärkontrolle ein End» gemacht wird. Es ist unmöglich, daß von dem obersten Führer der Reichswehr eine solche Maßnahme ausgeht: sie ist es auch innenpolitisch, weil sie auch im Widerspruch steht mit den Erklärungen, die ich in diesem Hause abgegeben habe. Se't Sahr kund Tag bemühe ich mich unter Aufbietung aller Kräfte, die Reichswehr aus der Atmo­sphäre des Mißtrauens herauszu­bringen. aus der sie unter allen Hmständen heraus muh. Sch lasse mich dabei nicht beein­flussen von professionellen Hetzern gegen die Reichswehr, aber ich trage den verfassungstreuen Parteien gegenüber die Verantwortung. Es ist deshalb ganz ausgeschlossen, daß ein Prinz, der immerhin gewissen Kreisen als Thronpräten­dent gilt, In einer ungesetzlichen Weise in die Reichswehr ausgenommen wird. Heber diese Vor­gänge hat mir gegenüber General v. S e e ck t die volle Verantwortung übernommen. Daraus kann sich gerade für jemand, der den militärischen Standpunkt so vertritt wie die Herren der Rechten, keine andere Konsequenz ergeben, als daß der Chef der Heeresleitung seinen Abschied nehmen mußte. Sch habe es abgelehnt, hierher zu kommen, den Chef der Heeresleitung zu desavouieren und hier gewisser­maßen auf mildernde Hmständr für ihn zu plä­dieren. Dafür steht mir seine Stellung und dafür steht mir der Mann zu hoch. ES kommt noch etwas anderes hinzu: Sch habe von diesen Vor­gängen keine Kenntnis bekommen.

. Ich habe es immer abgelehnt. meine Hand zu ' bieten für ein kompromittierendes Spihelsyslem.

> Das seht aber aus der anderen Seite auch vor­aus. daß ich über alles, was meine volitiscl)e F Verantwortung betrifft, rechtzeitig In Kenntnis gesetzt werde, weil ich sonst die Verantwortung '» nicht tragen kann.

Das ist nicht geschehen. Aus meiner Darstellung acht hervor, daß das, was geschehen ist, mcht em Akt des Starrsinns gewesen ist, sondern der Staatsraison. Die Staatsraison ist stark genug: das hat dieser Fall bewiesen, sich gegen jeder« mann durchzusetzen, und es ist tragisch, daß sie sich auch gegen den Mann durchsetzen muhte, der so außerordentlich viel zur Stärkung der Staats^ autorität beiaetragen hat. Die staatstreue Presse hat nur eine Anstandspflicht erfüllt, wenn sie bei seinem Ausscheiden anerkannte, daß dieser Mann in voller Einsetzung seines moralischen Ansehens und seines militärischen Könnens in der trübsten Zeit den Aufbau des Staates gefördert hat. Seien Sie überzeugt, daß es für mich, der ich jahre« lang mit ihm zusammen um die Festigung dieses Staates gekämpft habe, nicht leicht gewesen ist, diese Stellung einzunehmen, die ich allerdings vom ersten bis zum letzten Augenblick ganz konsequent eingenommen habe. Ich habe es abgelehnt, in Fragen der Staatsraison Kompromisse zu machen. Mit Parteipolitik hat das gar nichts zu tun. Der Uebergang hat sich ohne jede Erschütterung voll« zogen. Das ist einerseits ein Beweis für die Lopa- lität des Herrn v. Seeckt, andererseits dafür, wie festgefügt jetzt die Reichswehr dasteht.

General von Heye, der jetzt die Leitung der Reichswehr übernommen hat, ist auch vom Abg. v. Lindeiner in seinen Fähigkeiten anerkannt worden. Er hat eine schwierige Ausgabe übernommen. Er wird sich vor falschen Freunden hüten müssen (lebhafte Zustimmung), vor Leuten, die sich an ihn herandrängen werden, und die kein Ver­ständnis haben für die Verpflichtungen gegen die Republik, die man mit dem Eid für die Ver­fassung übernimmt. (Lebhafte Zustimmung.) Dis- cite moniti! Sch habe immer dafür Verständnis gehabt, daß das alte Offizierkorps Zeit brauchte, um sich auf den neuen Staat einzustellen. Wer also wirklich der Wehrmacht Helsen will, der ver­schone sie mit einer falschen Freundschaft, die diese Hemmungen noch vermehrt.

Abg. Er sing (Zenlr.) wirft die Frage auf, wie die Kosten für den Rachtragsetat, die zu­sammen mit den Dawes-Lasten über eine Mil- liarde ausmachen, ausgebracht werden sollen. Der Hnwille des Volles über die gewaltige Steuerlast ist berechtigt. Der Redner bedauert die unklaren Mehrheitsverhältnisse i in Reichstag. Die Weimarer Verfassung müsse

ausgebaut werden. Durch eine Wahlreform müsse der Wähler in engere Fühlung zum Abgeord­neten gebracht werden. Die Deutschnationalen streben nach Ministersesselm Wenn sie Grwerbs- lofenf ragen aber parteipolitisch behandeln, so sei das ein Hohn auf die Rot des Volles. Das­selbe gilt auch den Sozialdemokraten.

2wg. Dr. Cremer (D. Dp.): Bei seinem Ausscheiden danken wir dem Generalobersten v. Seeckt für seine verdieirstvolle Tätigkeit im Weltkrieg und ganz besonders nach dem Kriege zur Konsolidierung der deutschen Reichswehr, für sein tadelloses Verhalten In schwierigen auhen- und innenpolitischen Situationen. Wir müssen aber anerfermen, wie er auch selbst anerkannt hat, daß die politische Folge des bedauerlichen Zwischenfalls nicht anders aussehen konnte, wie sie jetzt aussieht. Es ist verwunderlich, daß die Kritik von den Deutschnationalen kam. Es handelt sich doch um einen Willen'Sakt des Herrn Reichspräsidenten, der den Oberbefehl über die Reichswehr führt. Sede Poli­tisierung der Reichswehr muß vermieden werden. Wir sind überzeugt, daß die Reichswehr jetzt kon­solidiert ist.

Große Parteien, die, gleichviel mit welchen Mit­teln, die Beteiligung an den Regierungs- aeschäften erstreben, werden sich darüber klar sein müssen, daß ihr Streben nur Erfolg haben kann, wenn sie zuvor die Hemmungen über- roinben, die in ihnen selbst einem Linschwenken In die Richtung einer Politik europäischer Zu­sammenarbeit und innerpolitischer Konsolidie­rung entgegenslehen.

Die Fragen der Veamtenstellung und Be- amtenbesoldung mühten in der nächsten Zeit mit größter Aufmerksamkeit behandelt werden. Cs müsse vorsichtig abgewartet werden, ob sich die deutsche Wirtschaft nach der Beendigung des englischen Kohlenstreiks weiter so günstig ent­wickeln werde. Der Finanzausgleich müffle schleunigst neu geregelt werden. Die Länder und Gemeinden mühten dem Beispiel des Reiches in der Steuerermäßigung folgern Die beste Lösung wäre freilich nach seiner persönlichen Meinung, wenn die Sonderverwaltung der Länder einmal aufhörte und an die Stelle des Kantönligeistes der Einheitsstaat trete. Wenn die Parteien rechts und links von uns Glauben, zusammen eine Regierung bllden zu önnen, dann räumen wir ihnen gerne die Mi­nistersessel ein. Wenn sie das aber nicht können, dann sollen sie nicht versuchen, uns mit Gewalt­mahnahmen an der Arbeit zu hindern oder uns gar in widernatürliche Koalitionen hineinzuzwingen. (Beifall bei der Deutschen Volkspartei.)

Abg. Dr. Haas (Dem.): Die Rede des Abg. v. Lbndeiner weiche erfreulich ab von der leiden­schaftlichen und gehässigen Redeweise vieler sei­ner Parteifreunde. Die Entlassung des General­obersten v. Seeckt war eine Rotwendigkeit. Wir fordern, daß endlich die Reichswehr mit repubManischem Geist erfüllt wird. Bisher ist sie nicht entpolitisiert, sondern bewußt und ab­sichtlich mit monarchistischem Geist erfüllt wor­den. DaS muh aufhören. Die Armee eines jeden Staates muh fest auf dem Boden der Staatsform dieses Staates stehen. Die Reichswehr braucht das Vertrauen des ganzen Volkes, auch der Arbeiterschaft. Die Einführung der Fride- ricusmarke, bedeutet eine unnötige Störung des inneren Friedens und für weite Kreise eine bewußte Provokation. Friedrich der Große hat eine eigentlich deutsche Politll nicht getrieben, sondern erklärt, Preußen müsse mit Frankreich züsammengehen und dürfe nicht dulden, daß Frankreich Evsah-Lothringen verliert. So leiden­schaftlich wie er, würde heute wohl keiner von ims die Locarnopolitll treiben.

Abg. Leicht (Bahr. Vp.) meint, daß Bild der Reichsftnanzen scheine doch nicht so rosarot, sondern mehr wie die Farbe der Dom­herren: violett. (Heiterkeit. L. ist selbst Dom­kapitular des Erzbistums Bamberg.) Wenn der Finanzminister die Absicht äußerte, den zu kom­plizierten Weg des finanziellen Verhältnisses zwischen Reich und Ländern zu vereinfachen, so müssen wir ihm sagen: Die deutschen Länder sind nicht Mitglieder einer Aktiengesellschaft, deren Aktien man einfach zusammenlegen kann. Sie haben auch kulturelle Belange zu verteidigen. Zu der iimenpolitischen Situation möchte ich erinnern an einen Ausdruck, den wir in Bayern anwenden, wenn Leute zusammen- gehen wollen und nur schwer zusammenkommen. Dann sagen wir: Sie werden sich schon zu- sammenrausen. Die Deutschnationalen legen die Betonung mehr auf das Raufen als auf das Zusammen.

Abg. Loebe (Soz.): Abg. v. Lindeiner hat sich gegen meine in einer anderen Versammlung geäußerten Vorschläge für eine Reform des Heeresers atzes ausgesprochen. Sch bin allerdings durchaus gegen die einseitige politische Auswahl des Heeresersahes in einem der gegen­wärtigen Staatsform feindlichen Sinne. Sn Hanau und Fulda unterhalten rechtsradikale Offiziere Bureau, in denen Ersatz für die Reichs­wehr besorgt wird. (Hört! Hört!) Die Reichs­wehr ist im monarchistischen Sinne politisiert worden. Bei ihren letzten Manövern wurde von Reichswehrangehörigen das Ehrhardtlied gesun­gen. Wenn gesagt wurde, es werde nicht ge­lingen, die Reichswehr auf den Boden der Republik zu bringen, so sage ich: Wir werden nicht eher ruhen, bis das Heer, das die Repu­blik erhält, auch der Republik ergeben sein wird.

Weiterberatung Donnerstag.

Prlsudfkis Reformpläne.

Gegen die politische Korruption in Polen.

Warschau, II. Rov. (TH.) Großes Auf­sehen erregt ein Interview, das Marschall Pil - I u d s k i einem amerikanischen Journalisten ge­währt hat. Pilsudsti erklärte u. a. wörtlich: Sa- Wohl, es ist wahr, daß ich Diktator in Polen werden will. 2lbec nur ein Diktator, wie es der amerikanische Präsident i st. Kein Diktator, wie er in einigen europäischen Ländern herrscht. Sch halte unser parlamentari­sches System für veraltet und zu sehr verwickelt. Auch muß ich sagen, daß die Volksvertreter sich oft ihrer hohen Pflichten nicht gewachsen zeigen, da unter den Abgeordneten sich leider eine Menge von Analphabeten befindet. Auch die Verfassung ist nicht geeignet, das Land gedeihen zu lassen. Sie muh radikal geändert werden. Es sind in Polen zuviel Parteien, die das Land regieren und die nie einig sind. Der Staatspräsident muh nicht von der I Rationalversammlung, sondern vom Volk

selbst gewählt werden. Er muß in seiner Tätigkeit nicht von den Parteien abhängig, son­dern nur dem Volke verantwortlich sein. Die Minister müssen sich von den Parteien unabhängig machen. Sie müssen vom Präsi­denten ernannt und ihm verantwortlich fein.

Die Hochzeits­feierlichkeiten in Brüssel.

Brüssel, 10. Rov. (Wolff.) Heute vor­mittag fand in der S t. G u d u l a - K i r ch e die kirchliche Trauung des Kronprinzen Leopold mit der Prinzessin Astrid von Schweden statt. Seit 73 Sahren. seit der Vermählung des nach- maligen Königs Leopold II. mit der Erzherzogin Maine Henriette von Oesterreich, hatte die K rche keine derartige Feierlichkeit erlebt. Das Fest wurde von gutem Wetter begünstigt. Eine rie­sige Menschenmenge, die das glänzende Schauspiel angelockt hatte, bekundete lebhaft ihre patriotischen Gefühle und begrüßte das junge Paar, die königliche Familie und die fremden Fürstlichkeiten. Auf den Straßen, die der Braut- zug passieren mußte, hatten Truppen in Feld- dienst-Hniform und Stahlhelm Aufstellung ge­nommen. Vor der Kirche hatte eine sechzig Mann starte Abtellung schwedischer Marine­soldaten Aufstellung genommen. 3m Innern der Kirche, die mit dem Danner der alten Brüsseler Gilden und mit einem von der Königs­krone überhöhten Throichimmel aus rotem Samt geschmückt war, hatten sich nach 10 Hhr vor­mittags alle offiziellen Gäste eingefunden. Hm 11 Uhr traf das Brautpaar ein, das von der Menge, die sich vor der Kirche staute, begeistert begrüßt war. Die Trauzerrmonie wurde vorn Erzbischof von Mecheln, Monsignore van Rosy, Primas von Belgien, zelebriert. An der Feierlichkeit nahmen außer den Angehörigen des Brautpaares auch der König und die Königin von Dänemark, Prinz Hein­rich von England, die Großherzogin von Luxemburg und ihr Gemahl, Prinz Felix von Bourbon sowie Prinz Olaf von Norwegen teil. Dach der Trauungs­feierlichkeit fand im Schloß ein Frühstück statt, am Dachmittag ein großer Empfang, an dem über 3000 Personen teilnahmen.

Entspannung zwischen Paris und Rom.

Paris, 10.Dov. (TH.) Der offiziöse »Petit Parisien" spricht die Erwartung aus, daß Musso­lini in etwa acht Tagen, wenn er im Senat eine ausführliche Darstellung der außen- und innenpolitischen Lage gebe, auch vor aller Oefsentlichkeit aus die Notwendigkeit der A u f - rechterhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zu Frankreich Hinweise. Der Quai d'Orsay legt auf die Feststellung Wert, daß Driand bei der Hnterredung mit Baron Avezzana die Hoffnung ausgesprochen habe, die italienische öffentliche Meinung werde in Zukunft sich ungerechtfertigter An­griffe gegen Frankreich enthalten, deren Wirkung der gutem Zusammenarbeit der beiden Regierungen keineswegs nützlich fein könnte.

Kleine politische Nachrichten.

Der deutsche Botschafter v. Hösch hatte Mittwoch wieder eine lange Hnterredung mit Driand, In der die Erörterung der bekannten zwischen Deutschland und FranckrÄch schwebenden Probleme weitergeführt wurden, wobei die noch ausstehenden Fragen auf dem Gebiete der Ent­waffnung Deutschlands und die deutsche Zoll­frage Derücksichtigung fanden.

Der Preußische Landtag lehnte ein deutschnationales Mißtrauensvotum gegen den Minister des Innern, G r z e s i n s k y, mit 211 gegen 172 Stimmen der Rechtsparteien und der Wirtschaftlichen Bereinigung ab. Die Kommu­nisten enthielten sich der Stimme.

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In einer Rede in Kassel betonte der Reichstags­abgeordnete PH. Scheidemann, daß das Be­streben der Deutschnationalen, in die Regierung zu gelangen, mit allen Mitteln verhindert werden müsse und, wenn nötig, dieSozialdemokratiesich an der Regierung beteiligen müsse, um das Eintreten der Deutschnationalen zu verhindern.

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Der Direktor der Landwirtschaftlichen Zentral­kasse und des Verbandes der Landwirtschaftlichen Ge­nossenschaften in Bozen, Arbogast von P l a - w o n, erhielt auf Grund des italienischen Gesetzes über den Aufenthalt von Ausländern im Grenz­gebiet einen Ausweisungsbefehl. Er ist ein Einheimischer, der in Dintschgau begütert ist und dort sein Stammschloß hat.

Mussolini empfing den Ingenieur Flettner, den Erfinder des Rotors, und ver­sprach, das RotorschissDarbara" bei seiner nächsten Reise nach Italien zu besuchen. Er in­teressiere sich lebhaft für die Erfindung.

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Die Errichtung eines russischen General­konsulates in Danzig steht unmittelbar be­vor. Dr. Kalina vom Volkskommistariat für Aus­wärtiges soll für den Posten des Generalkonsuls be­stimmt sein.

Der türkische Außenminister Ruschdy Del ist auf dem PanzerkreuzerHamidie (früher Goeben") in Odessa eingetroffen. Tschi­tscherin und der türkische Dotschafter in Mos­kau befinden sich auf dem Wege nach Odessa, wo die beiden Außenminister eingehende Be­sprechungen über eine gemeinsame Asien- Politik haben werden.

Aus aller Welt.

Die Taqnnq d r ArktiForscher.

Die Internationale Studiengesellschaft zur Er­forschung der Arktis mit dem LuftschiffE. V." hält vom 10. bis 12. Noocmber in Berlin ihre erste ordentliche Generalversammlung ab. Die Eröff­nungssitzung wurde eingeleitet durch eine kurze An­sprache des Vorsitzenden Dr. Fridjof Nansen Reichsinnenminister Dr. Külz überbrachte die besten Wünsche des Reichsministeriums. Professor K o h l s ch ü t t e r, der Vorsitzende der deutschen Gruppe, berichtete sodann über die Entstehung und Entwicklung der Studiengesellschaft. Nach diesem Bericht sprach Professor Fridjof Nansen über die

wissenschaftliche Notwendigkeit, Arktisforschung zu treiben, und die Unzulänglichkeit der bisher benutz- ten Forschungsmiltel. Der Redner erklärte, daß das lenkbare Luftschiff bereits in seinem heu­tigen Entwicklungsstadium große Vorzüge für die Untersuchung der arktischen Gebiete habe. Sein Aktionsradius umfasse augenblicklich schon die ge­samten unbekannten Gebiete. Nach einem Vortrag des Generalsekretärs Hauptmann a. D. Walter Bruns überPraktische Wege für den Einsatz des Luftschiffes zu ausgedehnter wissenschaftlicher Er­forschung der Arktis und ihrer ständigen Ueber- wachung" wurde die Eröffnungssitzung beendet.

Ein Schnlhans vorn Sturme zerstört.

In L a Plata bei Washington vernichtete ein Sturm das S ch u l h a u s. Aus den Trümmern wur­den 16 Kinderleichen geborgen. Weitere ver­wundete Kinder liegen in Washingtoner Hospitäler. Der Sturm drückte die Schule wie ein Kartenhaus zusammen. Entsetzliche Szenen spielten sich ab, als bekannt wurde, daß die Schule vernichtet sei. Das Unglück ereignete sich, als die Lehrerin die Kinder gerade entlassen wollte.

Die Kriegerfürsorge In Deutschland.

Nach einer Erhebung des Statistischen Reichs­amtes und des Relchsarveitsmaristeriums erhallen noch ungefähr 650 000 Kriegsbeschädigte Der- sorgungsgcöührnisse. Rund 40 000 Kriegsbeschä­digte leiden an Lungentuberkulose, 2700 llnd blind. Rund 20 000 sind Arm- und Handampu­tierte, 44 000 haben ein Dein oder einen Fuß verloren. Für die Versorgung und Fürsorge der Kriegsbeschädigten und Kriegrrhmterbllebe- nen braucht das Reich rund ein Drittel seiner Gesamtausgaben. __

Schwerer Vulkanausbruch In Mitlelamerika.

Wie aus San Salvador berichtet wird, ist aus dem Vulkan Izo! ko im Bezirk Matagano ein 400 Meter breiter Strom glühender Lava ausgebrochen und hat weite Gebiete verwüstet. 75 Personen f in b ums Leben gekommen. Die Bewohner der benachbarten Dörfer befinden sich auf der Flucht, da ein neuer Ausbruch des Vulkans befürchtet wird.

Schweres Straßenbahnunglück.

Auf der Straßenbahnlinie Emmerich Zülphen, kurz vor Emmerich, wurde die Frau eines Arbeiters von einem Straßenbahn­wagen erfaßt und auf der Stelle ge­tötet. Beim Weiterfahren fuhr der Wagen in eine Gruppe von Holländern hinein. Einer der Heberfah«^en wu^de buchstäblich in zwei Teile geschnitten. Zwei weitere Personen wurden so schwer verletzt, daß mit ihrem Ableben jeden Augenblick gerechnet werden muß. Ein vierter Holländer erlitt ebenfalls schwere Dcr- letzungem Der Straßenbahnsührer wurde in Haft genommen, da sein Wagen die höchst zu­lässige Geschwindigkeit an gefährlichen Straßen­kreuzungen überschritten hatte.

Schweres Autounglück.

Sn Lankarlhire (England) fuhr ein großes Personenauto, in dem sich 28 Kinder des dortigen Krüppelheimes befanden, infolge Versagens der Dremle gegen eine Mauer. Der Anprall war s» stark, daß der ganze Kraftwagen umstürzte und e^nen großen Teil der Kinder unter sich begrub. Einige Kinder wurden schwer ver­letzt, die üvrigen kamen mit leichteren Der- wundurrgen davon.

kohlenschleber.

Die Duisburger Kriminalpolizei ist einer grohao Schieverattlon auf die Spur gekommen, die mit Ausfuhrbewilligungen des Aelchskohlenkommissars getrieben wor­den ifK Eine größere Anzahl solcher Ausfuhr­bewilligungen wurde beim Kohlensyndikat in Essen und Duisburg cuStoär.ic.en Firmen verkauft. Daraufhin fanden dann zahlreiche Kohlen- Verschiffungen nach dem Auslande statt. Es wurden von der Polizei mehr als 50 Pe.sonen, Firmeninhaber und Angestellte, er­mittelt unb zum Teil fe st genommen, nach ihrer Vernehmung aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch Angestellte von Firmen, die dem Kohlensyndi^ an^ehören, sind in diese Ange­legenheit, die tägllch weitere Kreise zieht, ver­wickelt. Eine größere Anzahl belaßener Kohlen­kähne wurde von der Polizei beschlagnahmt.

Unterschlagungen bei bet Reichsbahn.

Ein Beamter der Güteckasse des Bahnhofes Luckenwalde bei Berlin wurde von Beamten des Eisenbahnüberwachungsdienstes der Reichs­bahndirektion Halle wegen fortgesetzt«: Hnter- schlagungen in Haft genommen. Die Höhe der veruntreuten Gelder ist noch nicht ftstgestellt, i dürfte aber 5000 Mark übersteigen. Der ver­haftete Beamte wird außerdem beschuldigt, aus der Kasse des Beamtenvereins 600 Mark unterschlagen zu haben.

Begnadigung.

Das braunschweigische Staatsministerium hat gegen Landesschulrat Stolze! die im Sommer in der Bcrufsinstanz verhängte Gefängnisstrafe von einem Monat im Gnadenwege in eine Geld­buße von 100 Mark umgewandelt. Die Der- urteilung Stölzels war bekanntlich erfolgt, weil dieser in einigen Fällen aus Dienstreisen die dritte Wagenklasse benutzt, jedoch hier­für die zweite Wagenklasse liqui­diert hatte.

Der gefährliche Weinkeller.

Dieser Tage waren in einem badischen Dorfe ein Küfermeister, fein Geselle und sein Lehrling Damit beschäftigt, in einem Keller Wein aufzufüllen. Der Meister ging als erster in den Keller hinunter und leerte seinen Stand in das 2000 Liter haltende Faß aus. Dabei wurde er von den ausströmenden Gasen betäubt, und stürzte hinunter. Der Geselle, der ihm mit einem weiteren Stand gefolgt war, wurde beim Eintreten in den Keller gleichfalls ohn­mächtig. Zurückgeblieben war allein der Lehrling, der die Geistesgegenwart hatte, nicht auch nach hinunterzusteigen, sondern den Unfall der Sanitäts­kolonne meldete, die die Rettung des Gesellen und des Meisters, trotzdem sie schon stark durch die Gase angegriffen waren, bewerkstelligen konnte.

Großfeuer im Hunsrück.

In Simmern brach In letzter Nacht ein Feuer aus, das in wenigen Stunden zwei Wohn­haus e r mit vollen Scheunen und Stallungen ver­nichtete. Die Feuerwehr konnte nur brt Anwesen vor dem Feuer bewahren. Der Schaden ist noch nicht zu schätzen. Die Familien sind obdachlos ge­worden.

L-ttervoraussage.

Höchstens leichter Nachtwost, allmählich mil- I der und stärkere Bewölkung, vorwiegend trocken.