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Sourdot, ein DKW.-Ream u. a. m. Hyr 0 ni - mus-Erlangen auf seiner 250er Emag ging so­fort in Front, während S o u r d o t - Paris und Friedrich- Zschoppau auf DKW. längere Zeit Bord an Bord lagen. S) g r o n i m 11 s, genannt der Rote Teufel", fuhr eine Durchschnittsgcschwindig- feit von 104 Kilometer, und siegte in einer Zeit von 17:24 vor F r i e d r i ch auf DKW. und Sourdot- Paris. Im dritten Rennen, das wiederum Hyrc- nimus am Start fad, siegte Katz auf Ardie-Sport. Hyronirnus hatte feine Maschine überanstrengt und mußte nach der zehnten Runde infolge Ventllscha- dens aufgeben. Im vierten Rennen fuhr Jslin- g c r°Mannheim zum ersten Male eine 1000er .nor- rex. Durch Kerzenschaden verlor er jedoch zwei Runden, konnte aber eine Runde durch Lor leg en eines mörderischen Tempos bald wieder elnholen. Man stoppte eine DurchschnittsgSfchwmdigkeit von 122 Kilometern. Das fünfte Rennen sah nur Kar- rer auf Bucker und Krämer aus Hnrrer mn Start. Bemerkenswert dabei ist, daß beide Ma­schinen mit einem Kolurnbusmotor gleichen Typs ausgestattet waren. Dank feiner besseren Fahrttchn.k tonnte Krämer »ierbci 6en ---.eg erringen, Die Meisterschast von Hessen und Hessen-Nassau hat Michel auf BMW. errungen, der feinen vor­jährigen Rekord um 12 Prozent überbieten konnte.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

! Hungen. 9. Oft. Das von der Stadl- Verwaltung in diesem Jahre errichtete städ t. Freibad konnte erst im Laufe des Sommers fertiggestellt und feiner Bestimmung übergeben werden. Die Gemeindevertretung hat damit eine Anlage geschaffen, die anderen Gemeinden vor­bildlich sein kann. Das Bad zerfällt in zwei Teile, einen kleineren für ^Nichtschwimmer und einen größeren für Schwimmer. Gespeist wird das hübsche Bad durch eine Ableitung des Mühlgrabens, der klares Wasser führt und noch nicht von Abwässern beschmutzt und verseucht ist. An der nach Norden zu gelegenen Seite sind eine größere Anzahl Auskleidezellen für die Er­wachsenen errichtet, während an einer anderen Seite zwei überdeckte Hallen den Kindern Ge­legenheit zum An- und Auskleiden geben. Leider konnte das neuerrichrete Bad nur noch im Nach­sommer benutzt werden, aber die überaus zahl­reiche Benutzung desselben zeigte bereits, daß der weitaus größte Teil der Bevölkerung die Neu­einrichtung mit Freuden begrüßt. Schon viele Damen und Herren, haben in den wenigen Wochen die Kunst des Schwimmens hier erlernt. Nachdem im nächsten Frühjahr einige kleinere Aenderungen und Ausbesserungen vorgenommen sein werden, wird das Bad bei Beginn der warmen Jahreszeit wieder in Betrieb genommen. Aus dem angrenzenden Geländestreifen beabsich­tigt man auch noch ein Lust- und Sonnen­bad an-,ulegen. Alle einsichtigen Einwohner werden dem Gemeinderat Dank zollen, wenn er die Volksgesundheit auf jegliche Art zu för­dern gedenkt und sich nicht durch abfällige Ur­teile beeinflussen läßt. Wasser, Lust und Son- nerüicht sind gesundheitsfördernde Faktoren, die dem menschlichen Organismus dargeboten werden müssen. , ,

f Grünberg, 9. Oft. Wie außerordentlich stark der Hasenbestand in unserer Gegend im Abnehmen begriffen ist, zeigt ein Jagd­ergebnis der letzten Tage. Die Jagdpächter des Grünberger Stadtwaldes haben als Schutzjagd­bezirk die halbe Lehnheimer, die ganze Weickarts- hainer und die Lauterer Feldjagd gepachtet. Diese Reviere wurden jetzt bejagd. Dabei wurden im ganzen Bezirk nur vier Hasen anaetroffen, von denen zwei zur Strecke gebracht wurden. Der Reit- und Fahr- verein wird beim Gallusmarkt in vier Abteilungen reiten. Gezeigt werden Ab­teilungsreiten, Wettbewerb im Schulreiten, Wett­bewerb im Galopp-Flachrennen, Trabrennen, Geschicklichleitsübungen. Dem Verein sind vier­zig Preise zur Prämiierung der Sieger von Grünberger Bürgern gestiftet worden.

I Lau ter, 9. Okt. Fast den ganzen Sommer über hat unter den hiesigen Viehbeständen die Klauenseuche gemutet. Die Seuche hat sich hier in ihrer heimtückischsten Art gezeigt. Viele Ferkel und Kälber sind eingegangen, auch einige Notschlachtungen wurden vorgenommen. Jetzt stellen sich aber erst noch die schlimmsten Schäden ein, denn dauernd müssen Rinder und Kühe, die nicht mehr

tragend bleiben, aber sonst krank erscheinen, zu recht geringen Preisen verkauft werden.

Streik Aricdbcrg

Bad-Nauheim, 9. Okt. Nachdem er noch die Kirmes in feinem Lokal gefeiert, ist Mitte tiefer Woche der Besitzer des Saalbaus Thalysien- Hof im Auto mit seiner gesamten Familie abge­reift. Da das Anwesen st a r t verschuldet ist, nahm man sofort an, daß es sich um einen Fluchtversuch ins Ausland handelt. In Freiburg i. B. bot der Entwichene fein Auto, das er erst im Frühjahr zu 12 000 Mark gekauft und auch noch nicht ganz bezahlt batte, zu 2000 Mark zum Verkauf an. Das billige Angebot machte verdächtig. Der Gastwirt gab seine hiesige Adresse an und sagte, man solle sich telephonisch nach ihm erkundigen. Die Verbindung wurde aber mit einem hiesigen Geschäftsmann gleichen Namens hergestellt. Dieser benachrichtigte die Polizei, die sofort die Verhaftung des flüch­tigen Gastwirts in Freiburg noch veranlassen konnte.

Kreis Büdingen.

?" Nidda. 9.Okt. Dieser Tage riß sich ein wütender Ochse, der geschlachtet werden sollte, l o s und rannte in die Orts st va Heu, so daß alles vor ihm flüchtete. Ten Bemühungen einiger Mehgerburschen und anderer beherzter Helfer gelang es, das wütende Tier wieder eiw- zusangen, ohne daß jemand zu Schaden gekommen wäre.

n? Ober-Widdersheim. 9. Olt. Hm dringender Wohnungsnot abzuhelfen, sollen noch jetzt zwei Doppelwohnhäuser im Rau begonnen und bis zum einbrechenden Winter im Rohbau vollendet werden. Das N i ck e l s ch e Dafaltwerk. das in diesem Jahre seinen Betrieb durch verschiedene Neubauten erweiterte und technisch verbesserte, beschäftigt zur Zeit gegen 100 Arbeiter, so daß sich unsere Bevölkerung von Jahr zu Jahr mehr verdichten dürfte.

Kreis Schotten.

Gedern, 9. Okt. In diesen Tagen war an einem an der Straße Gedern Ober-See­men stehenden Apfelbaum ein Zweig mit Blüten zu sehen, die für unseren Vogels­berg noch mehr als für andere Gegenden zu dieser Zeit wohl als große Seltenheit anzu- sprechen find. Der Baum hatte seicher noch nicht getragen. Die überaus milden Herbsttage hatten die Blütenbildung begünstigt.

* Eichelsdorf, 9. Ott. Noch vor Jahres­frist betrug hier der Pachtpreis für den Morgen Ackerland 50 bis 70 Mark. Die seitdem dauernd sich verschlechternde Lage der Landwirtschaft, sowie die große Zahl der in letzter Zeit abgehaltenen Ackerverpachtungen haben eine Senkung der Pachtpreise auf 30 bis 40 Mark herbeigeführt. Die Ge­meindewiesen, die sogenannten Weidstüae, im Niddatale gelegene saure Wiesen, wurden wiederum auf sechs Jahre verpachtet. Die allgemein erwartete größere Pachtpreissenkung trat nicht ein. Vielmehr herrschte unter dem Eindruck des in diesem Herbste flott gehenden Heuhandels rege Kauflust, und viele Wiesen hielten die seitherigen Preise. Nur bei gering­wertigeren Stucken traten Preisrückgänge bis zu 25 v. H. ein. Im Anschluß an diese Ver­pachtung führte Bürgermeister Knodt eine Aussprache über Obstbaumschädlingsbe- k ä m p f u n g herbei. Nachdem das Landwirt- fchastsamt Schotten ein größeres Daumstück mit Klebgürteln versehen hat, ist zu hoffen, daß recht viele Landwirte dem gegebenen Beispiel folgen, zumal alle Gemeindeäpfelbäume Klebringe er­halten. Auch auf die Bedeutung der Dogelwelt für den Obstbau wurde hingewiesen und Er­haltung der Hecken, sowie Anbringen von Nist­kästen empfohlen.

H e r ch e n h a i n , 9. Okt. Der Besuch des Jugendheimes (genanntVaier-Bender- Heim) durch jugendliche Wanderer, Schüler und dergleichen muß als recht zufrieden­stellend bezeichnet werden. Dies geht aus der großen Zahl der Uebernachtungen hervor, die feit der Eröffnung des Heimes (zirka zwei Monate) mehr als 800 beträgt. In der nächsten Zeit erfährt das Heim eine Erweiterung durch den Bau einer Halle zur Unterbringung von Heu ufro. für den landwirtschaftlichen Betrieb des Hausver­walters.

= Hnter-Seibertenrod, 9. Okt. In unserem Orte besteht bereits seit zwei Jahrzehnten

ein Posaunenchor. Dor kurzer Zeil hat sich nun unter der Leitung unseres Lehrers noch ein gemischter Kirchenchor gebildet. Das kirchliche Leben in unserem Orte erfährt durch die beiden Vereine reiche Befruchtung.

Kreis Alsfeld.

Nieder-Gemunden, 9. Okt. Als Vor­arbeit für die in absehbarer Zeit hier beginnende Fcldbereinigung wird hier gegenwärtig in hiesiger Gemarkung eine G r u n d st ü ck s v e r - Messung durchgeführt, mit der gleichzeitig eine Besitzaufnahme verbunden ist. An Hand der Karte werden die Grenzsteine ausgesucht und feh­lende Steine durch neue bzw. Holzblöcke ersetzt. Nach Vollendung dieser Arbeiten wird dann die Ausmessung der Grundstücke vorgenommen. Die Dermessungsarbeiten werden durch das Landesver­messungsamt Darmstadt ausgeführt.

: Ober-Ohmen, 9. Okt. Nachdem erst zu Beginn der Woche ein hiesiger Einwohner infolge einer schweren Verletzung in die Augenklinik ver­bracht worden war, ereignete sich am Mittwoch wieder ein U n g l ü ck s s a 11. Die Frau des in einer Fechenheimer Fabrik beschäftigten Ar­beiters Karl Horst machie in einer Pfanne Del heiß, während ihr dreijähriges Söhnchen in der Küche spielte. Gerade als die Mutter dis Pfanne vom Feuer nahm, stieß das Kind dagegen, so daß ihm das heiße Oel dos ganze Ge­sicht stark verbrannte. Da sich sein Zustand über Nacht verschlimmerte, brachte der Arzt es im Auto in die Hautklinik nach Gießen. Das Befinden des Kleinen hat sich mittlerweile etwas gebessert.

Ober-Ohmen, 9. Okt. Das prächtige Orgelwerk in unserer Kirche, von dem im Kriege beträchtliche Teile des Metalls abge­liefert werden mußten, soll jetzt einer gründ­lichen Erneuerung unterzogen werden. Don den Dewohnern des Kirchspiels wird dieser De- schluß mit Genugtuung begrüßt. Hnser Dorf wird in Kürze zweimal jährlich Schweine- und Krämermarkt veranstalten. Die Ge­schäftswelt und die einheimischen Züchter, aber auch die Käusertreise unserer Umgebung ver­sprechen sich davon recht beachtenswerte Vor­teile. In unserem Orte wird gegenwärtig die elektrische Freileitung von den alten, mürbe gewordenen Holzmasten abgenommen und auf moderne Dachständer umgelegt. Ein lehr­reiches Beispiel für rationellen Weidebetrieb gab der hiesige Landwirt Karl Lenz. Er richtete im vorigen Jahr eine Dauerweide ein, die er in diesem Jahr das erste Mal beschickte. Der Erfolg bei den aus­gezeichnet geinästetcn Tieren war hervorragend. Die Einrichtung findet jetzt die allseitige Auf­merksamkeit unserer Landwirte.

vGrebenau, 9. Okt. Ein schwerer Un­glücksfall forderte gestern im benachbarten Wallersdorf ein blühendes Menschen­leben. Als der 30jährige Landwirt und Müller Wilhelm F a u ft gegen Abend eine Wagenladung Runkelrüben elnfuhr, geriet der Wagen in Unord­nung und die Pferde gingen durch. Der Be° itzer stürzte kopfüber und geriet unter den chwerbeladenen Wagen, dessen Räder ihm die schwersten inneren Verletzungen verursachten. Aerztlicher Beistand konnte keine Rettung mehr bringen. Nach einer Stunde erlagder Verunglückte seinen Verletzungen. Das Bedauern mit der schwer geprüften Familie ist um so größer, als der Vater vor einer Reihe von Jahren ebenfalls im Alter von 30 Jahren durch einen Unglücksfall beim Fuhrwerk ums Leben kam.

Kreis Lauterbach.

Ü Schlitz, 9. Okt. An den Folgen einer heimtückischen Kriegsverwundung ist Fa­brikant Wilhelm Zöller im 44. Lebens­jahre verstorben. Der Entschlafene war im Sommer noch zur Wiederherstellung seiner Ge­sundheit in Bad-Nauheim, nach seiner Rückkehr von dort ist aber eine Verschlimmerung seines schweren Leidens (Lungensteckschuß) eingetreten, dem der starke Mann nun erliegen muhte. Zöller hat den Weltkrieg als Offizier mitgemacht. Trotz seiner seit Jahren stark angegriffenen Gesundheit hat er sich stets in vorbildlicher Weise in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Er war Vor­sitzender der Ortsgruppe Schlitz und Ver­trauensmann des Kreises der Deutschen Volkspartei. Seine glänzende Rednergabe und seine sachliche, versöhnliche Art befähigten ihn, über unsere Stadt hinaus der Partei größte Dienste zu leisten, vor allem auch in den ver­

flossenen Wahlkämpfen. Seiner Persönlichkeit ist es in erster Linie zu danken gewesen, daß die Deutsche Volkspartei in unserer Stadt eine ihrer hessischen Hochburgen hat und darüber hinaus auch in den rein ländlichen Bezirken des Schlitzerlandcs festen Fuß fassen konnte, wie die Wahlen der letzten Jahre erwiesen. So sehr der Verstorbene auch überzeugter Parteimann war, so stellte er als echt deutscher Mann das V a t c r- land aber stets über die Partei. Seins reine, solbstlose Gesinnung, sein versöhnlicher Cha- rakter. seine über alles gehende Heimat- und Vaterlandsliebe waren Anlaß, daß er sich der Achtung und Wertschätzung der gesamten Bevölke­rung erfreuen konnte. Außer der Arbeiterschaft der Firma G. L. Riepvth & Co., der er em stets wohlwollender Vorgesetzter Ivar, außer feinen Parteifreunden nehmen alle Volkskrsise der Stadt und Hmgebung lebhaften Anteil an dem schweren Schicksalsfchlag. von dem die alteingesessene Fa­milie Zöller durch das Ableben Wilh. ZöllerS betroffen worden ist.

Starkenburg.

Darmstadt, 10. Olt. Die Turnge­rn e i n d e Darmstadt 1 846 beging gestern und heute die Jubelseier ihres 80jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß wurde dem Verein durch den Präsidenten des Landeöamtes für das BildungSwesen, Hrstadi. eine Ehren­urkunde, die der Staatspräsident ausstellte, überreicht, ebenso wurde der Gauoberturnwart Wilhelm Hosserberth durch eine Ehren­urkunde geeyrt. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt Pros. Dr. Finger, Josef Magnus und Karl Kraus. Neun Mitglie­dern der Turngemeinde wurden Gauehrenbriefe überreicht.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

XX W e tz l a r, 9. Oft. Nach einer Verfügung des preußischen Ministers für Kunst und Wissen­schaft soll fortan das Reformationssest als Schul feier tag gelten und daher der 31. Oktober als Gedenktag der Reformation für alle evangelischen Lehrer und Schüler schulfrei fein.

Kreis Biedenkopf.

XX Crumbach, 9. Okt. Die durch den Weg­gang des Pfarrers Schmidt erledigte Psarr- stelle wurde Pfarrer Adolf Schulz aus Simmersbach übertragen.

Oberlahnkreis.

* Weilburg, 9. Okt. Nachdem die Stadtver«, ordnetenversammlung die Forderung des neu- gewählten B ü r g e r in e i st e r s Beckmann aus Schötmar auf Einstufung in eine höhere Gehaltsgruppe abgelehnt hatte und auch Verhandlungen keinen Erfolg brachten, hat Bür­germeister Beckmann jetzt die Annahme der Wahl ab gelehnt. Es wird nunmehr eine neue Büraermei st erwähl stattfinden.

Dillkreis.

bl. Dillenburg, 9. Okt. Welches Jntereffe man der vom Kreise geschaffenen Beratungs- stelle für Nerven- und Gemütskranke entgegenbringt, beweist die Zahl der Besucher. Vom 1. Oktober 1924 ab bis beute besuchten rund 120 Ratsuchende mit allen möglichen Leiden die Sprech­stunden.

bl. Niederscheld, 9. Okt. Freitag mittag brach im Viertel hinter der Kirche Groh feuer aus, das nach kurzer Zeit drei Scheunen fast vollkommen vernichtete. Die Erntevor- rate wurden ein Raub der Flammen, lieber die Entstehungsursache verlautet noch nichts.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. 1, 9. Oft. Stadt­rat Asch. der Verwalter der städtischen Fi­nanzen, ist soeben von seiner Reise nach Amerika nach Frankfurt zurückgekehrt. Ent­gegen der Annahme, daß der eigentliche Zweck dieser Reife der Abschluß einer neuen großen Anleihe für Frankfurt sei, erfährt dieFrank­furter Zeitung", daß es sich bei der Mission des Kämmerers zunächst nur um Sondie­rungen für eine eventuell zu plazierends neue Anleihe handelte. Seine zweite Auf­gabe war die Erledigung der letzten Formali­täten (Hnterschcistleisiung) für die 4 Milliv-

Das grotze Würfelspiel.

(Martina Wilemar.)

Roman von Franz Inner Kappus.

12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ich verstehe das nicht, Julie." Er reichte ihr einen Brief.Lies das."

Julie überflog die wenigen Zeilen.

9ft doch klar", sagte sie stockend.Bernhard Carsten bestellt dich zu sich. Er hat etwas für dich. Du solltest dich freuen, Ernst."

Wie verfällt der Mensch gerade auf mich?"

Frau Julie zog die Oberlippe hoch.

Kann ich hellsehen?"

Ich kenne Bernhard Carsten nur dem Namen nach." Nachdenklich fuhr sich Wilemar über den kahlen Kopf.Weiß nicht mehr, als alle Welt weiß: was gerade in den Zeitungen steht."

Vielleicht ist es das. Carsten soll verschiedenes vorhaben, dazu braucht er Leute." Di? Blicke Julies sprangen von einem Bild zum andern.Vielleicht hat dich jemand empfohlen.

Ausgerechnet mich?"

Vielleicht haft du nicht nur Feinde, Ernst."

Man hat nur Feinde heutzutage", sprach Wile­mar bitter.

Jedenfalls du gehst doch hin, gleich morgen?"

Gleich morgen."

Tags darauf entwickelte Carsten feine Ideen. Der alte 6rumbad) hatte große Pläne und Zeich­nungen aufgerollt. Zwei fire junge Leute blätterten in Kostenvoranschlägen und nannten sechs- bis sie- benstellige Ziffern. Die Namen von Firmen und Lieferanten wirbelten durcheinander. Offerten wur- der verlesen und gegeneinander abgewogen. Der magere Nettelbeck notierte mit fliegendem Stift.

Erst nach einer Stunde erfuhr Wilemar, worum es sich drehte. In letzter Stunde hatte Carsten noch einen namhaften Betrag flüssig gemacht. Mit dem Geld sollte in der Canooa-Straße in Südende ein drittes Miethaus erbaut werden: etwas kleiner als die beiden anderen, aber ebenso solid und kom­fortabel.

Ob Ernst Wilemar die Ausführung übernehmen wolle? Natürlich könne er an dem Plan, der in großen Zügen bereits entworfen fei, noch ändern,

was ihm zweckmäßig schiene.Zum Beispiel die Mansarden," sagte Carsten und fuhr mit dem Zeigefinger auf dem Pauspapier hoch,eigentlid, bin ick) gegen Mansarden. Es ist nicht sehr gemütlich unterm Dach. Und unsere Parteien sollen es ge­mütlich haben.

Wie zugeschnürt war die Kehle Wilemars eine Weile. Er wollte fragen, wem er das Glück zu dan­ken habe, wollte einwenden, daß er als Architekt seit vielen Jahren nicht gearbeitet hatte: aber Carsten lieh ihn nicht zu Wort kommen.Auf der Stelle müssen Sie sich entscheiden. Die Zeit drängt. Wir hallen vor dem März. Im Herbst sollen die Häuser unter Dach."

Wilemar sagte zu, plötzlich von tausend Bildern bestürmt. Der Jammer daheim machte ihn mundtot. Offenbar wollte Carsten mit der Sprache nicht her­aus. Man durste nicht neugierig sein, wenn einem das Wasser bis zum Halse reichte, man mußte seinem Schöpfer nur danken für den Glücksfall.

Bis in die Nacht dehnten sich die Konferenzen an den nächsten Tagen. Dann war man über alle Punkte im Reinen. Reichlich für ein Jahr war Wilemar gesichert. Schienen die Ziffern auch hupp bemessen, so würde man sein anständiges Auskom­men doch finden. Vielleicht ließe sich nebenbei dies und das verdienen, vielleicht konnte man beim Bau weitere Ersparnisse erzielen. Jedenfalls war die Möglichkeit, seine Familie zu ernähren, wieder da. Und mit halb freudiger, halb schmerzlicher Ent­schlossenheit ging Ernst Wilemar an die Arbeit.

Frau Julie atmete auf. Ernstlich trug sie sich mit dem Gedanken, die sechs Zimmer, die Hutchinson be­wohnt hatte, nicht weiter zu vermieten. Es würde schon irgendwie zusammengehen. Und auch Martina auch Martina sollte endlich zur Vernunft ge­langen. Auf die hundertfünfzig Mark, die die Holz­industrie A. G. ihr bezahlte, käme es wirklich nicht mehr an.

Aber Martina sprach entschieden:Ich gebe das Bureau nicht auf." Ein fast feindseliger Trotz saß in ihren Mienen.

Nachsichtig lächelte die Mutter.

Mit der Zeit wirst du dir Kreuth aus dem Kopfe schlagen. Das Leben ist stärker als wir."

Martina sagte nichts mehr. ,

Aber ehe sie in ihr Zimmer ging, blickte sie die Mutter mit Augen an, in denen hundert zweifelnde

Fragen geschrieben standen. Ohne einen Laut be­wegten sich ihre Lippen.Bernhard Carsten", sprachen ihre Lippen immerfort.

Genau halle sie den Mann angesehen, aus dessen Automobil die Mutter vor einigen Wochen gestiegen war. Er hatte ein rundes, bartloses Gesicht mit vollen Lippen und starken, leicht zusammengewachsenen Brauen. Demselben Gesicht war sie seither wieder­holt im Bilde begegnet. Diele der Wirtfchastszei- tungen, die im Bureau bei ihr ständig durchliefen, brachten die Photographie Carstens, der jetzt alle Welt beschäftigte.

Anfangs zweifelte Martina; es konnte sich ja um eine zufällige Ähnlichkeit handeln. Dock) je länger sie überlegte, um so mehr bestärkte sid) ihr Verdad)t. Nun arbeitete der Vater plötzlich im Auftrage dieses Menschen als Architekt: Hatte der Vater sich nicht selbst gewundert, als der Brief gekommen war.-' Und hatte die Mutter nicht einen Moment wissend gelächelt, als der Name Bernhard Carsten fiel?

Wie reimte sich das alles zusammen?

Mit brennenden Augen starrte Martina in die Finsternis. Ruhig gingen die Atemzüge Lilys an der anderen Wand. Wie gut es die Schwester doch hatte!

X.

Aber, aber, Herr Hanikch!"

Lily Wilemar wischte sich die Tränen aus den 2(ugen. Immer neue Lachstöße schüttelten sie.

Mit dem Blick eines verwundeten Tieres schaute Anton Hanisch sie an.Ist das so komisch, daß ich - Sie heiraten mochte? Oder zweifeln Sie an meinem Ernst? Mein Ehrenwort, Fräulein Lily: Ich heirate Sie vom Fleck roeg. Ist das so komisch?"

Langsam beruhigte sich Lily.

Das ist komisch und überhaupt alles!" Sie dämpfte die Stimme. Die Damen in der Nachbarloge waren aufmerksam geworden.

Was alles?" fragte Hanisch hartnäckig.

Das da; ein Heiratsantrag im Kino, nach der Bekanntschaft durch die Zeitung, gleich bei der ersten Begegnung so etwas war bestimmt noch nicht da." ..

Hanisch nickte elegisch.Sie haben recht, Frau­lein Lily es ist komisch. Aber vergessen Sie nicht, daß ich reich bin. Bis Ultimo Dezember habe ich hunderttausend Meterzentner Zucker nach Deutsch­

land exportiert; teils per Bahn, teils auf der Elbe. Wenn Sie daran denken, wird Ihnen alles vielleicht weniger komisch erscheinen."

Die Vorstellung war zu Ende.

Erst auf der Straße betrachtete 2ilp den Men­schen genauer. Fast um einen Kopf überragte sie ihn. Doch verwegen faß der modische, steife Hut auf seinen flachsblonden Locken.

Ich habe keine Lust, in Prag zu wohnen", sagte Lily beim Abschied. Flüchtig blickte sie auf die Armbanduhr. Dieser putzige Neureid)e war Nummer fünfzehn. Um dreivlertel sieben wartete Nummer sechzehn in der Königin-Bar. Sie mußte sich beeilen.

Ob er ihr schreiben dürfe, fragte Hanisch. Wenigstens schreiben?" Und er faltete die Hände in den bunfelroten Lederhandschuhen.

Schreiben, soviel Sie wollen. Dieselbe Chiffre, dasselbe Postamt. Vielleicht sehe ich mal nach.

Lily verlor sich in dem Trubel vor dem Mar- morhaus.

Der betreßte Portier der Königin-Bar zog die Mütze. Kaum hatte Lily den kleinen, ruhigen Raum betreten, erhob sich ein älterer Herr von seinem Tischchen.Parfait oder Schokolade?" fragte er lächelnd. Gewandt half er Lily aus dem Pelz­mantel. Das Wichtigste ist nämlich, daß der Kellner verschwindet", sagte er leise.

Lily entschied sich für Parfait.

Sie wissen ja, liebes Kind: Baron Rheinfeld."

Liebes Kind? Beleidigt wollte Liln die Wim­pern senken. Aber dann riskierte sie einen prüfen­den Blick. Der Mann konnte sich die Ansprache er­lauben. Viele kleine Fältchen nisteten in seinen Augenwinkeln. In tadelloser Haltung saß er ihr gegenüber. Angelegentlich studierte er ihre Züge.

Sie müssen verzeihen: Sie wollen doch zum Film. Da ist das Gesicht sehr wesentlich."

Sind Sie vielleicht selber"

Dann faße ich nicht hier, liebes Kind. Neinr Ich habe gute Freunde im Klub."

Rheinfeld sog an feiner- Whisky.

Das Gesicht wäre nicht übel natürlich nur rein filmmäßig gesprochen." Kurz setzte er ausein­ander, worauf es ankam. Sekundenlang schwieg er darauf.

(Fortsetzung folgt)